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Roman von Edgar Wallace.

Copyright by Wilhelm Goldmann. Verlag, XSeipjig. 31. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Was tun wir jetzt?" fragte Sneed und schenkte ihm einen aufmerksamen Blick.

,^6) weiß es nicht", sagte Dick mit bitterem Seuk" r. Mechanisch glitt seine Hand in die Tasche. Er fand den Schlüssel und zog ihn hervor.

Nummer drei", sagte er durch die Zähne.Wenn es sieben sind, wird jemand diese Nacht am Galgen bezahlen."

Was tun wir jetzt?" fragte Sneed noch einmal und dringender.

Dick versenkte den Schlüssel in die Tasche. Er er­schauerte. Doch plötzlich ging eine Wandlung mit ihm vor. Die harte männliche Energie gewann die Herr­schaft über Sorge und Qual.

Er zoa die Uhr und blickte auf den Zeiger. Die zweite Morgenstunde war bereits vorüber.

Er überlegte.

Wir fahren nach Selford Manor", sagte er dann rasch entschlossen.Sie haben die Totengruft noch nicht gesehen. Don den Gräbern der Selfords gehen wie ein Strahlenbündel alle Fäden nach den Ver­schworenen aus." Er sprang mit jäher Heftigkeit vom Äuhl.3a, Sneed, kommen Sie, in Selford Manor werden wir dem Geheimnis auf die Spur kommen."

Er lief die Treppe herab und erreichte sein Auto lange vor Sneed. Doch als er den Fuß auf den «Starter setzte, reagierte das Auto nicht wie ein feuriges nervöses Pferd, sondern wie eine watschelnde Ente. Es wackelte und machte ein paar ungleich­mäßige Sprünge und knarrte in allen Gelenkteilen. Dick zog die Bremse. Er sandte Sneed einen einzigen Blick, doch der war beredt genug. Dann stieg er aus dem Auto und bückte sich zu den Rädern herab.

Eine Bubenhand hatte alle vier Gummireifen mit unerhörtem Vandalismus zerschnitten.

24.

Es gibt Momente im Leben, die man nie wieder vergißt. «Sie mögen unter die «Schwelle des Bewußt­seins tauchen. Aber in schlaflosen Nächten, in Fieber- stunden steigen sie empor und erfüllen die Seele mit Grauen und Todesfurcht. ___________

Ein solcher Augenblick war es für Sybil gewesen, als ihr aus der Dachluke Tom Cawlers Gesicht ent­gegenstarrte, während in ihrem Rücken das Keuchen und Wüten des Unbekannten ertönte, der mit Riesen­fäusten die Tür zu zerhacken drohte.

Das Gesicht verschwand einen Augenblick. Die Tür erbebte und knarrte in ihren Angeln. Von oben her drang ein quietschendes Geräusch. Das Gitterwerk drehte sich in seinen Scharnieren. Das Fenster, das Sybil vorhin nur zugedrückt hatte, flog auf. Eine Hand streckte sich zu ihr nieder. Noch einen Mick warf Sybil auf die Tür. Da sah sie die Füllung bersten und in der klaffenden Oefsnung eine riesige blut- besudette Faust. Ohne sich zu besinnen, sprang sie auf den Stuhl und ergriff die Hand, von der sie aufwärts gezogen wurde.

galten Sie sich fest, mir geht die Luft aus", keuchte Eowler unter bedrängten Atemstößen. Sie umklammerte den schartigen Rand der Dachluke.

Da sah ihr abwärtsaerichter Blick, wie sich die Tür unter gewaltigem Krachen noch innen bog und der Waschstander auf die Diele stürzte.

hinauf! Hinauf? Sonst ist es zu spät", brüllte der Chausteur. Auf den Knien liegend, bückte er sich nieder, packte sie unter beide Arme und riß sie zu sich empor. .

Sie befand sich aus einer schmalen Dachrinne. Eine Laterne, in der eine Kerze brannte, spendete ein trübes Licht. Cawler hielt sie in die Höhe und beleuchtete eine Leiter, die mit ihrer obersten Sproße über die Brustwehr hiaausragte. Ohne daß Cawler sie darum zu bitten brauchte, erstieg Sybil die Leiter, umschlang sie mit beiden Beinen, wie sie es oft genug als unbändiges Kind getan, und glitt in atemberaubender Geschwindigkeit zu Boden. Cawler folgte unmittelbar in gleicher Weise. Die Laterne hatte er auf der Brustwehr zurücklassen müssen. Er warf einen forschenden Blick aus das Dach. Der Mond hatte sich gerade hinter einer Wolke versteckt, ober der Lichtreflex des Himmels war stark genug, um die Silhouette eines riesenhaf­ten Menschen nachzuzeichnen, der auf dem Dach kauerte und gerade in diesem Augenblick nach den Leiterstützen griff. Es war au spät, sie herabzureißen. Es blieb nichts als kopflose Flucht.

Er packte das Mädchen am Arm. Sie eilten durch den Nutzgarten und sprangen über den Graben. Kein anderes Licht leuchtete ihnen als die zerstreu­

ten Strahlen des unter Wolken dahingehenden Mondes.

/r3u dumm daß wir nicht in die Garage kön­nen, ober wir würden diesem unheimlichen Riesen Goliath nur in die Arme laufen. Kommen Sie, ich weih ein Versteck!"

Dor ihnen lag ein Feld mit Winterroggen, der schon ziemlich hoch im Halme stand. Sie arbeiteten sick) mühsam hindurch und gelangten endlich zu einer Pforte, die nur eingetlintt war. Dom atemlosen Lauf benommen, wandten sie sich noch einmal zurück. Der gefürchtete Verfolger war nirgendswo zu sehen, und es wurde ihnen leichter zumute.

Sie befanden sich jetzt auf einer Landstraße, die an einer hohen Mauer enllangsührte.

Selford-Park", sagte Cawler kurz und deutete aus die Mauer.

Sybil sah ihn erschrocken an.Selford-Park?" Ein deutlicher «Schauder klang durch ihre Stimme.

Sie hatte keine Ahnung gehabt, daß Codys Be­sitzung fn unmittelbar an das Gelände des Herren­hauses stieß. Don allen Seiten kreiste fie dos grau- sigc Geheimnis ein, das auf unerklärliche Weise von Selford ausging.

Weiterhin weiß ich eine Bresche in der Mauer, die sonst niemand kennt. Da schlüpfen wir hindurch und führen ihn in die 3rre. Wir muffen vor allen Dingen verhindern, daß er unserer Fährte folgt, sonst sind wir verloren."

Wer ist er denn? Warum verfolgt er uns? Wer hat so gräßlich geschrien? Es klang, als ob einer er­mordet wurde!'

hörte die Schreie auch", sagte Cawler leise. ,Lch fürchtete schon, der Alte ließe Sie umbringen. Ich hatte ihn Ihretwegen am Nachmittag sehr nachdrücklich verwarnt. Als Sie am Abend ver­schwanden, behauptete er. Sie seien noch Selford gegangen, aber ich glaubte es ihm nicht. Ich sagte ihm auf den Kopf au, daß er sie gefangen hielte. Er zeigte mir alle Räume bis auf die drei Man- sardenzimmer. Ich fragte auch nicht danach: denn ich hatte mir vorgenommen, meine Feststellungen auf eigene Faust zu machen. Ich ging dann lange im ©arten auf und ab und spähte nach einem Licht. Ich wollte nichts unternehmen, bevor die beiden Alten nicht zur Ruhe gegangen waren. Da hörte ich plötzlich einen wüsten Lärm und langanhaltende Schreie. Ich lief nach der Letter und lehnte sie ans Dach. Meine Ahnung hatte mich nicht betrogen.

Der alte Fuchs hatte sie in die Mansarde gesperrt.* Sie gingen eine Weile schweigend nebeneinander. Wer wer ist der unheimliche Mensch, der tn mein Zimmer wollte?"

Ich weiß es nicht", sagte Cawler.Er gehört zu dem Geheimnis, das alles hier umgibt Ich habe ihn schon einmal von weitem gesehen. Den Schreck ver­geße ich niemals. So etwas sicht man ja nicht ein­mal im Raritätenkabinett. Dazu ist er nackt dis aus ein paar Lederhosen, die er mit einem Strick zu- sammenschnürt. Eins weiß ich sicher: wo der hin- schlag, da wächst bestimmt kein Gras mehr. Ich fürchte, er hat heute nacht in Codys Haus blutige Arbeit getan."

Sybil zog das Kleid fröstelnd am Halse zusammen, aber sie sagte nichts.

Ihr Gefährte blieb plötzlich stehen. An dieser Stelle war die ganze Mauer von Rhododendron überwuchert. Erst als Tom Cawler die Büsche der Zweige auseinanderbog, wurde die Lücke sichtbar. Er ließ Sybil zuerst durchkriechen und folgte ihr dann. Als sie sich aufrichtcte. lag vor ihr eine grasige Bodenwelle, die sich weichin im Mondlicht verlor.

Tom Cawler erzählte ihr, daß hier zu Lebzetten des alten Lords seine berühmten Merinos geweidet hätten. Er hiett das Gespräch ununterbrochen in Gang. Er wollte die Gedanken des jungen-Mädchens von ihrem grausigen Verfolger ablenken, schließlich erzählte er ihr auch zu ihrem Erstaunen, daß Mr». Cody seine Tonte sei.

Mein Bruder Johnny und ich kamen als Wai­senkinder zu ihr. Besser wäre es für uns beide gewesen, man hätte uns ausgesetzt!"

War sie so schlecht zu Ihnen?"

Schlecht ist kein Ausdruck. Wem, ich mal satt ins Bett kam, was selten genug geschah, dachte ich, mein Magen wäre verdorben. Dann hatte sie eine krank­hafte Freude am Prügeln. Ja, solche Menschen gibts, denen das Prügeln Spaß macht und ihnen ver­traut man wehrlose Kinder an."

Sie haben eine schwere Jugend gehabt", sagte Sybil mitleibig.

Weiß Gott, das habe ich", sagte Cawler und knirschte mit den Zähnen.Als mein armer kleiner Bruder starb, habe ich ihn glühend beneidet."

Und seit der Zeit leben Sie bei Ihrer Tante?" fragte Sybil.

Cawler lachte oerächllich.

(Fortsetzung folgt.)

E.

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