Samstag, 14. April 1928
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen)
Nr. 88 viertes Blatt
AIS der neue ®auturntt>art den ®au über.
immer
amerila besonders fördern!
ein
di«
Hitaliebcr an; mit über 15000
L)awesplan und Wirtschaftspolitik.
Außenpolitische Umschau.
Don Or. Otto Hoehsch, o. Prof, der Geschichte <m der Universität Derlin, M. d. D.
Das Äomitep, da» di« Weltwirtschaftskonferenz in Genf eingesetzt hat, hat sich wieder mit den Fragen txä Zollabbaues und der
Zahl der Arbeitslosen daS auch für di« Union nicht befriedigende dieses ganzen Verhältnisses deutlicher macht, hat aus die Dauer auch davon, wenn Jahr um Jahr die Gold- auS Europa in die amerikanischen Danken fliehen. Die Einsicht in diese Zusammenhänge und den Dillen sie neu zu ordnen, d a S sollte die Dahlbewegung in Frankreich und Nord-
Ein seltenes mrnensOes Svppeiiubiläum.
Gauoberturnwart Wilhelm Will 50 Jahre ausübender Turner und 25 Jahre Gauoberturnwart
frage selbst gilt daS gleiche. Da soll DvincaräS letzte Wahlrede als ein besonders grober Fortschritt begrübt werden! Was ist denn der Fortschritt? Daß man in Frankreich einsieht, daß cS unmöglich und unsinnig ist, ein grobes Land wie Deutschland auf zwei Menschenalter und länger in Tributsklaverei zu halten, und dah eS vorteilhafter ist, wenn in einer grohen internationalen Schluhregelung die ganzen Fragen der finanziellen Folgen deS Krieges geregelt und in Ordnung gebracht werden. Mehr sagt Poin- rares Dorslob wirklich nicht. Dab Amerika der gleichen Ansicht ift. wußten wir längst. Herr Gilbert hat ja im letzten Dericht ausdrücklich angeregt, öie Schlußs umm« für Deutschland sestzusetzen. Aber bis daraus etwas werden kann, muh noch allerlei recht Notwendiges
Handelsvertrags Politik beschäftigt. Die Fortschritt« sind nicht groß. Deutschland hat den Der- trag mit Frankreich und ein Saarabkommen dazu geschlossen. Auch ein Handelsvertrag mit Griechenland wurde fertig. Wit Litauen beginnen wir jetzt. Wit Dolen, Ungarn, Oesterreich, der Tschecho-Slowakel stocken die Verhandlungen. Da» ist im ganzen nicht viel. Don einer wirklichen Weltwirtschaft ist die Welt noch weit entfernt. Der Grund liegt auf der Hand: di« Schutzzollpolitik, die überall betrieben wird. Und darin geht daS alte Freihandelsland England besonders voran! Hat doch Deutschland durch seinen Wirtschaftsminister erklären müssen, daß es zu dem Irüfjeft möglichen Zeitpunkt, d. h. im nächsten Frühjahr den biS Ende 1930 laufenden deutsch-englischen Handelsvertrag kündigen wird, um seinen neuen Vertrag auf günstigerer Grundlage abzuschliehen. Denn dieser deutsch- englische Handelsvertrag, der so sehr begrüßt wurde, ist von englischer ©rite auS durch Schutzzölle seit 1924 immer mehr d u rchlöche 11 worden. Die Strömung für Zoll- und 3nbuftrte- schuh hat in England ungemein zugenommen. Eine Industrie nach der anderen kommt mit diesen Wünschen. Von Iahr zu Iahr nehmen bl« englischen Industrieschutzzölle zu, so dah, tote Deutschland schon mehrmals der englischen Negierung vorstellte, die Grundlage und die Voraussetzung für den Handelsvertrag sich völlig verändert hat. Die englische (Regierung will daS nicht Wort haben, aber eS ist ganz unbestreitbar.
Neben diesen Schwierigkeiten gehen einher die Lasten der Sachlieferungen aus dem Frie- densvertrag und der Zahlungen aus dem DaweS-Plan, die Deutschland hindern, seine Wirtschaft wirklich gaiu gesichert und schnell wieder aufzubauen. Potncarss Forderungen richten sich dabei auf Barzahlung, deren Erhöhung, Beschleunigung: der Minister für die öffentlichen Arbeiten in seinem Kabinett. Tar- d i e u . aber richtet sich mehr auf die Sach - lieferungcn als Basis einer großen Bautätigkeit. bet der, wie schon 1922, an Kanalbauten. Hafenbauten, Ausbau der Wasserkräfte n. dgl- gedacht wird. Die zuende gegangene Kammer hat zur Erleichterung dieser Arbeiten auch ein Gesetz für die Verwendung der deutschen Sachlieserungen für grobe öffentliche Anlagen und Bauten verabschiedet. Di« Negierung hat dadurch eine weitgehende Ermächtigung, dUerbing» unter ständiger Kontrolle der Kammer, erhatten, um ein solch großes Programm durchzuführen Ss soll jede» einzelne Ministerium zur Ausnutzung der doutfchen Sachlieserun- ;en. die in den ersten Normaljahren deS DaweS-
ZlaneS 1928 auf 1929 von Deutschland zu leien sind, ein Programm aufstellen und dabei dreht es sich im ganzen um nicht weniger als 1200 Millionen Goldmark. DaS sind über 7 Milliarden Franken, etwa der siebente Teil des ganzen' französischen Haushalt«. Im April und Mal sollen die Ministerien diese Programme aufstellen, die dann an den Reparationsagenten weitergegeben werden. Nach dem DaweS-Plan müssen nun solche Leistungen in dem betreffenden Iahr übernommen, können nicht auf das nächste Iahr übertragen werden. Kann man glauben, daß Frankreich Wirtschaftslieferungen in diesem Umfange übernehmen wird? Jedenfalls ist das ein Forts chritt. dah die Negierung Frankreichs sich jetzt diese Ermächtigung (nicht Verpflichtung) hat geben lassen die fran- zösischen wirtschaftlichen Kräfte mit den deutschen Sachlieferungen zu entwickeln. Der Fortschritt liegt darin, daß die französische Industrie, die seit 1922, feit den Wiesbadener Besprechungen zwischen Rathenau und Loucheur. immer das Haupthindernis einer solchen Verbindung gewesen ist. jetzt den Widerstand dagegen auf-
unb dann ein Ries« geworben war. Es gab keinen Da ter in Porten, keine Mutter, die nicht mit diesem Niesen zu kämpsen gehabt hätte. Die Kinder meinten viel, in jedem Haus hörte man sie schreien, der Niese hatte chnen mit seiner bösen Hand ins Gesicht geschlagen, daß ihre Wangen bleich g«vor- den waren und dünn.
Wenn man nur wenigstens Kartoffeln genug gehabt hätte! Aber bei vielen gingen die Kartoffeln bereits zu Ende, man hatte zu lange schon Kar- toffeln gegessen an Stelle von Brot.
Bei Bremms gab es noch Kartoffeln, die Frau hatte gut gewirtschaftet, aber sie wurden jedem zugezählt. Heimlich schob die Mutter ihren Kindern noch von der eigenen Anzahl etwas zu — heute be- kam der eine Kartoffel mrfjr, morgen der, es ging immer umschichtig — als aber Bremm das eines Tages gewahr wurde, sprang er wild auf und faßte sich an den Kopf: .Herrgott, Herrgott!" Er schob seinen noch nicht geleerten Teller mit einem Stoß oon sich weg, lehrte sich ab und ging m feinen Keller. —
Der Pastor von Porten war alt und oft schwach, er hätte sich besser ernähren sollen. Aber was er früher nicht getan hatte, das lat er jetzt: er ging täglich zu feiner Nichte, die ihm den Haushalt führte, in die Küche und imitierte da. War etwa ein Stück- eben Fleuch im Topf, so nahm er's selber vom Herd: „Da, trag's bei die Loesenich hin!" Wenn dann die ältliche Jungfrau entsetzt ihre Anne erhob: was, heute wieder kein Fleisch?, dann wurde er ärgerlich: .Laurenzio, laß das Geschrei! Dein Fleisch ist mir zu hart, ich kann es nit beißen. Die Loesenich hat bessere Zähn. Und die hot das kleine Kind, die muh i;di roas zufetzen."
Nach des Pastors Meinung mußten sich viele was zu fetzen — Fleisch, Brot. Eier, Milch — das meiste gab er ihr so aus der Rüche weg. Das Fräulein Laurenzia war ganz außer sich, cwer sie betete umsonst zu ihrer Schutzpatronin. Bei jeder Mahl,zeit schwamm sie in Tränen, doch der geistliche Herr schien ihren vorwurfsvollen Kummer nicht zu bemerken. 6s griff ihm ans Herz, es nahm ihm den guten Schlaf feiner Nächte, wenn er die steigende •.lot feiner Poriener sah. Denn wer kannte die besser als er? Vierzig Iahre Pastor in Porten! 2(ber so arm waren sie bisher hier niemals gewesen. Alles, was in der über die Winzernot ftant), war
Turner wissen es. die ihm immer wieder durch c in stimmige Wiederwahl ihr Vertrauen schenkten und sich bis zum heutigen Tage darin nie getäuscht sahen Was betontere Anerkennung verdient. ist die fortschritUichc Gesinnung deS Iubi- lars, der wohl an den traditionellen Grundlagen deS deutschen Turnens und des von Iahn vererbten Dedanlenschatzes festhielt. aber dabei auch das Neue mit Scharfblick prüfte und es in den Arbeitsplan aufnahm, wenn eine gesunde Fortentwicklung es für notwendig hielt. Ein treuer Hüter de» schönen Geräteturnen«, war W. Will aber auch ein Förderer des Turntpiels und des volkstümlichen Turnens, wie er auch dem Frauenturnen im Gau den Boden für eine glänzende Entwicklung bereitete. Heute noch ist der Iubllar Leiter der Frauenabteilung deS Turnverein» 1 8 4 6 Gießen.
Die turnerische Arbeit sührte W. Wlll auch hinaus über die Grenzen de» Gaues. Im WittelrheinkreiS, dessen TurnauSschuß er angehört, und in der Gesamt-D. T. wurde er ein geschätzter Mitarbeiter. Während seiner 25jähri- gen Tätigkeit als Gauoberturnwart fehlte er au« keinem Kreisturnsest al» bewährter Kampfrichter, ebenso stand er auf den Deutschen Turnfesten in Nürnberg, Frankfurt a. M., Leipzig und München in der Neihe der Männer, die für die sachkundige, gerechte Bewertung der Hebungen _ al» würdig befunden worden waren: auch in Köln wird en: wieder in der turnerischen Arbeit al» Kampfrichter stehen.
Heber die Kreise der Turnerschoft hinaus ist W. Will ein Vorbild seltener Pflichterfüllung im Dienste der Allgemeinheit, ein Beispiel zur Nachahmung in einer Zeit, die solche Männer immer rarer werden läßt. Dabei ist der Iubilar trotz einer glücklichen, erfolgreichen Lebensarbeit immer bescheiden geblieben. Obwohl äußeren Ehren im Grunde seines WesenS abhold durste er mit berechtigter Befriedigung die schlichten Auszeichnungen hinnehmen, die ihm seine Turner in dankbarer Verehrung und Hochschätzung darbrachten. Als er am 19. Oktober 1924 seinen 60. Geburtstag feierte, da huldigte ihm der ganxe Gau durch einen großen Staffellauf, der als Will-Staffel alle drei Iahre wiederholt und für alle Zeiten fortleben wird. Auf dem Kreis turn tag 1926 auf der MarkSburg wurde dem Iubilar der Shrenbrief der Deutschen Turnerschaft überreicht.
Heute gedenkt die gesamte Sumetfijaft deS Gaues erneut ihres verdienten Führer» und beglückwünscht ihn zu seiner erfolgreichen Tätigkeit tm Dienste der Turnsache. •«-
Die bekannteste Turnerperfönlichkeit unseres HeimatturngaueS Hessen. Wilhelm Will in Gießen, kann am morgigen 15. April ein seltenes D op pe lj ubilä u m als Tur- n c r und im Dienste der großen Volkssache der Deutschen Turnerschafl begehen. Das ist berech- Hgter Anlaß, das Wirken und Schaffen diese» verdienstvollen Mannes in einer kurzen Betrachtung zu würdigen.
Wilhelm Will ist 50 Iahre ausübender Turner In der Deutschen Turnerschast. Denn am 15. April 1878 trat er in den Turnverein seiner Vaterstadt Wetzlar als Vorschüler (Zögling) ein und legte hier als eifriger Turnstundew- besucher den Grund zu seinem turnerischen Können. das den Vierundsechzigjährigen noch heute in seltener körperlicher und geistiger Frische in hervorragender Weise befähigt, das turnerische Leben eines der größten und bestentwickelten deutschen Turngaue mit Umsicht und gründlicher Sachkenntnis zu leiten.
Nach der Wetzlarer Lehrzeit sehen wir den jungen Turner im Turnverein .Iahn" in Siegen, wv man bald aus seine Fähigkeiten aufmerflam wurde und ihn in die Dorturnerschaft wählte. Don 1884 ab genügte W. Will seiner Militär- Pflicht beim Ins.-Nezt. 88 in Mainz. Seine turnerische Vorbildung kam ihm hier, wie nicht anders zu erwarten war. glänzend zustatten. Nach zweijähriger Dienstzeit konnte er als Unteroffizier der Neserve wieder zu seinem bürgerlichen Beruf in seiner Heimatstadt Wetzlar zurück- kehren und seine ganze freie Zeit dem Turnverein widmen. ES gründete dessen Doriurner- schaft und war t>o:; 1890 bis 1901 erster Turw- toart seine- HeimatvereinS, der ihm in erster Linie die Erbauung seiner Turnhalle zu danken hat.
In diese Wetzlarer Zeit fällt auch der Beginn der turnerischen Xätigteit Wills, die ihn über die Dereinsarbeit hinaus im Gau bekannt machte. Bei den verschiedensten turnerischen 03er an Haltungen wurde er Sieger im Wettkampfe: u. a. war er beim 17. Gauturnfest in Wetzlar 1889 erster Sieger im Zwölfkampf der Männer. 1892 tief er mit dem jetzigen Gauschriftwart Earl Wenzel (Gießen) den TurnauSschuß des GaueS ins Leben, dem von nun ab die Betreuung der rein turnerischen Arbeit des Gaue» oblag. W. Will gehörte diesem technischen Beirat des Dauvorstandes seit der Gründung an. Man lernte seine turnerischen Kenntnisse und Führereigenschaften schätzen und hatte leichte Wahl, al» im Frühjahr 1901 die Stelle deS zweiten Gauturnwarts neu zu besetzen war. Die Bewährung in diesem Amte und in der Stellvertretung für den 1902 verstorbenen langjährigen ersten Dauturnwart DolperiuS Schneider (Marburg) gaben dem 71. Gauturntag im Frühjahr 1903 Anlaß, Wilhelm Will an die Spitze deS turnerischen Lebens tm Gau zu berufen. Wilhelm Will ist also jetzt 25 Iahre ununterbrochen erster Dauturnwart de» GaueS Hessen, seit 1922 mit der Amtsbezeichnung Dauoberturnwart.
Wenn der Pastor etwas zu Papier gebracht hatte, dann dünkte ihm auch das ungenügend, mit einer so kleinstrichelnden, ängstlichen Feder geschrieben, daß er es wieder zerriß. Ach. ihm fehlte der breite, kraftvoll hi nft reichende, rücksichtslose Pinsel, der da kühn hinmalt, in krassen Färber, vielleicht, aber in brennenden, grell weithin flammenden. daß auch alle Welt zu (tzesichl bekam, wie es in Wahrheit hier aussah. Ach, wer doch solch einen Pinsel hätte!
Aber er mußte sich damit begnügen, in der vor- geschriebenen amtlichen Form Bittgesuche an den Oberpräsidenten zu richten, Eingaben zu machen an ben Reichskommissar fürs besetzte Gebiet, sogar an den preußischen Minister des Simcrn. Unfc das tat er unablässig. Er wurde auch nicht müde, noch andere 'Sricic 3U schreiben. Es gab ja noch reiche Leute, mildtätige Frauen, und wenn auch die Winzer sagten- „Almosen wollen wir nicht", wenn chr Pastor nicht zu stolz war, Bettelbriefe zu schreiben, so durften sie auch nicht zu stolz sein, anzunehmen, was diese Briefe einbrachten. Ost bis spät in die Nacht hinein brannte auf dem Schreibtisch das Lämpchen: jo viel hatte der Pastor in seinem ganzen Leben noch nicht zu schreiben gehabt. Auch mit den Arntsbrüdern muhte man in Verbindung treten: was setzten die durch, war's bei ihnen in der Gemeinde ebenso schlimm? Er bekam nichts Tröstliches zu hören, überall im Weingebiet die gleiche Not.
Das sollte das werden, was sollte das noch werden?! Den alten Pastor, der einsam in seiner 'chon nächtlich erkalteten, weltentlegenen Stube saß, tarn zuweilen die Angst an. Heute hatte er Micke gesehen, bei seinen Portenern, Blicke, di«, wie Sturmvögel, nichts Gutes verkündend, aufschossen aus den Augen der Männer. Sollte die Seit sich nahen, in der die schwarze Wintersahne, mit Trauerflor umwunden, wieder einmal flattern würde hn heranrückenden Zug:
„Die Weinbauern müssen trauern". —
Die schwarze Fahne, die schwarze Fahne! Ihr Rauschen kündete Sturm. Und da fei Gott vor, da sei Gott vor!
(Fortsetzung folgt)
getan werden Die Hauptsache ist. was Poin- cari seinen Wählern nicht gesagt hat. daß erst einmal Frankreich feine Schulden bei Nordamerika zwar nicht bezahlen (das kann e» nicht und das verlangt Amerika auch gar mcht), aber anerkennen loÜ. Es wird, so sehr es sich heute gegen diese Notwendigte.t noch sträubt, nicht darum herumkommen. Und ehe im Ernst von weiterem gesprochen werden kann — das ist immer wieder zu lagen — müssen erst einmal die Wahlen in Nordamerika vorbei sein Da aber, wie man auch weih, der neu- gewählte Präsident drüben fein Amt erst am 4. März antritt, so wird alle» da». d H die Idee internationaler Behandlung dieser Fragen, erst pralttich nach diesem Termin.
Dahlen. Wirtschastskonserenz, S-achlielerungs- abkommen. Reparation»- und interalliierte Schulden — ein Iahr um da» andere vergeht, ehe in diesem riesigen Kvmple». der den Wiederaufbau der zerrissenen Weltwirtschaft in sich schließt, wirklich Durchgreifendes und Positives geschieht. Hat wirklich die Welt und Europa d l e Zeit zu diesem langsamen Tempo? Wäre es nicht verständiger, diese Fragen fester anzupacken und mit ihnen zu verbinden, was doch auch hinein gehört und für den Wiederaufbau der Weltwirtschaft unbedingt notwendig ist: den Wiederausbau N u ft l a n b ». der nur In einer internationalen Zusammenarbeit der großen wirt- schastllchen Mächte burd)geführt werden kann? EinS hängt am anderen und ein» hängt mit dem anderen zusammen. Was fehlt, ist die Einsicht, daß man zusammen arbeiten muß. in dem Ausgleich der nationalen wirtschaftlichen Gesichtspunkte und Notwendigkeiten mit den weltwirtschaftlichen, die zehn Iahre nach ÄricgMu»gang wirklich allmählich gefunden werden könnte. Dabei sind die Schwierigkeiten, die auS den nationalen wirtschaftlichen Gesichtspunkten kommen, vielfach begründet, weil darin vielfach Notwendiges, wirtschaftlich und politisch Richtiges und Notwendige», liegt. Dagegen ist das Har. daß die finanzielle Unordnung, die finanzielle Belastung auS dem Kriege für die Sieger wie für die Besiegten nicht vernünftig und nicht produktiv ist. Europa kommt nicht in die Höhe, solange aus dem befiegten Deutschland der Druck der Dawes- Lasten in dieser Form liegt und auf den Siegerstaaten der Druck ihrer Schulden an Nordamerika. Und Nordamerika, dem die steigende
lange nicht anschaulich genug geschildert, nicht ei' dringlich genug geschrieben. Wenn er nur selber t Gabe hatte, s o zu schreiben, wie es nottot!
nahm, gehörten diesem in 43 Vereinen etwa 4500 Mitglieder an: heute zählen wir 160 Gauvereine ..... 1... :: :X) männlichen und weiblichen Gau- angehörigen. Diele Zahlen lünben mehr al» alle- andere. waS W. Will in 25iä&riger ehrenamtlicher Führertätigkeit für die Turnlache und damit für Volk und Vaterland getan. Die
Die goldenen Berge.
Roman von ßtora Die-ig.
Copyright Hy Deutsche DerlogS-Anstalt Stuttgart.
33. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
18. Kapitel.
Am Tag nach dieser Nacht begegnete Maria Brennn der Schommer. Mit trummem Nucken, wie eine Katze, die einen Buckel macht, stand die in der niedrigen Tür des Häuschens im Gäßchen, darin sie mit ihrem Sohn eine Kammer bewohnte. Es war die schlechtcfte Behausung im Dorf, mehr einem Stoll als einer Stube gleich, und zu verwundern war es, daß die gebeugten Mauern des Häuschens, die schier einen Kniefall machten, überhaupt noch zu- fammenhiclten. Hinter dem Weib gähnte die dunkle Höhle; kein Fenster. . ...
Maria wich unwillkürlich aus, da ging he lieber mitten auf dem spitzigen Pflaster, als dicht dort vor bei, oon der dunkeln Höhle her stank cs.ote formte die Schommer auch gar nicht leiden. Als die mit lärmender Freundlichkeit ihr guten ~ag wünschte, nickte sie nur ganz kurz; heut mar thr das Weib noch viel mehr zuwider. Und warum? -Diana wußte es nicht, aber wie (EM tarn es sie an, fa|t wie Grauen: warum lachte sie denn so roh, so herzlos? Die mußte doch auch von dem armen Rn» im Weinberg gehört haben. .
„Schlecht Wetter heut — geht Ihr doch wieder spazieren?" Die Schommer lachte. „Ihr wart gestern abend im Zuckerberg — se haben et erzählt — en schöne Bescherung da, wat?" ,
Maria tat, als ob sie nichts hörte, sie machte, daß sie vorbei kam.
Die Schommer schnitt hinter der ihr zu msch Entkommenen eine Grimasse, fast sah's orieder wie Lachen aus, aber es war nicht nur Lachen. Ingrimmig murmelte sie: „Du dumm Dingen!" Aber dann lachte fi« wirklich, und es war ein höhnisches Lachen: „Wart, du kommst auch noch dran! Und sie spuckte wie eine Katze, die, in die Enge getrieben, vor Wut, aber noch mehr aus Angst, faucht. —
Maria Bremm war in der Deichte gewesen, sie kam gerade daher. Ganz Porten hatte sich aufgeregt über den kleinen Leichnam im Weinberg: ja, ja. die
gibt. Sie verdient natürlich an einem solchen Plan auch, wird an ihm beteiligt und hat so den genügenden Einfluß, nicht etwa eine deutsche Konkurrenz zu mächtig werden zu lassen. So wie 1922 der erste Gedanke durchaus zu begrüßen war. die sog. Neparationen durch deutsche Arbeit und nicht durch deutsche, uns ruinierende Bezahlungen zu leisten, so ist der Gedanke auch heute zu begrüßen. Inwieweit er durchgeführt werden wird und werden kann, muß sich ja zeigen, ilnö recht hat eine Pariser Zeitung, die dazu schreibt, daß Frankreich, wenn es diese Lieserungen Deutschlands nicht annehme, auch nicht das Recht mehr hätte, die Welt länger mit seinen Reparationsklagen zu belästigen.
Ein Anfang ist damit gemacht, aber wie langsam geht das doch! Und in der Reparations-
Zeiten, die schlechten Zeiten, so etwas war vordem nie hier passiert! Kein Wunder, daß Maria Bremm fieberte in der Nacht nach dem Entsetzen. An Leib und Seele bös zugerichtet, war sie nach Haus gekommen: die ganze Nacht hatte die Mutter bei ihr am Bett sitzen müßen und ihr die Hand hatten, sowie sie losließ, wimmerte die Tochter laut auf. Selbst im Traum hatte Maria noch gewimmert und oft auch gemeint; aber sie hatte am anderen Morgen darauf bestanden, zur Beichte zu gehen, und die Mutter hatte sie nicht zurückgehal'en: mochte |ie gehen, wenn es auch in Strömen vom Himmel goß, ünb sie. noch geschwächt, nur langsam schleichen konnte. Es war doch das beste, wenn sie ging, cm bedrücktes Gemüt, das sucht Gott. Und dah ihre Tochter bebrürft war, ach. das wußte die Bremm ja.
Maria war ruhiger aus der Beichte gekommen. Endlich, endlich hatte sie sich entlastet, JEßortc für das gefunden, was sie verstörte und in -chcnn verzweifelt zu Boden warf. Worte für all ihre Schuld. Worte für ihr erstes Vergehen, Worte für Jbr zweites, ach, noch so viel größeres Vergehen, tfür ihre große Sünde — Gott sei gebankt, daß es eine Gedankensünde geblieben war! Unb Worte für ihre große, sie jetzt ganz erfüllende Reue. Gott hatte zu ihr gesprochen, das gab ihr wieder Mut.
Maria sand auch so viel Fassung, um wohlgeordnet und mit Anschaulichkeit zu berichten, wann und wo sie den kleinen Leichnam entdeckt hatte, als sie verhört wurde.
Wer das Kind im Weinberg ver'charrt hatte und ob das bei der Geburt gelebt hatte oder tot geboren war. das brachte aber keine Untersuchung zutage. Es ließ sich zu schwer noch feststellen, der Leichnam mußte schon länger gelegen haben, Verwesung hatte bereits an ihm genagt und gieriges Nachtgetier.
In Porten beruhigte man sich nach und nach wieder: es schien eben doch wirtlich so, wie die Schommer es immer gesagt hatte, und es war nicht nur dummes Weibergeträtsch: der Berg des alten Bremm war ein verfluchter Berg. Auch die (Bespräche. ob eine sich des Kindes entledigt hatte, die der Hunger dazu getrieben, oder eine, die oertaffen worden war. verstummten. Ach ja, sicherlich war es der Hunger. Hunger treibt ja zum Aeuhersten.
Und der Gedanke an Hunger blieb. Der war jetzt täglicher Gedanke: und auch nächtlicher. Ein Gedanke, der sich erst wie ein Zwerg herangeschlichen hatte
Wirtschaft.
Wochenbericht
vom Sranffurfer Effektenmarkt.
Nach der mehrtägigen Unterbrechung durch da» Osterfest kam daS Börsengeschäft zwar nur zü- £ernd in Gang und bewegte sich tm allgemeinen i ruhigeren Dahnen al» in der vergangenen Woche, doch blieb die Börse im Grundlon freundlich und wider st andssähig. Sine Hauptstütze boten dabei die von selten de» Auslandes weiterhin vorliegenden Kaufaufträge. Auch das private Publikum durfte verschiedentlich wieder am Markte gewes.n cm, angeblich jedoch gelegentlich auch a6 Vertäu,er. Die Spekulation zeigt zunächst Neigung zu Realisationen der erzielten Kursgewinne. Dazu bestimmt wurde sie durch Besorgnisse Im Zusanm en- hang mit der Medioliauidation. Infolge der umlangreicher gewordenen Engagement» entbanden Befürchtungen, ob Oct zunächst noch angespannte Geldmarkt den gesteigerten An- forberungen, namentlich an Reportgeld, nachkommen könne. Doch bald zeigte es sich, daß diese Befürchtungen grundlos waren. Gerade am Tage der Prämienerklärung trat eine merklichere Erleichterung für Tagesgeld ein, und der Satz dafür wurde auf 6,5 D-ozent ermäßigt. Lieber-


