Nr. 65 Dritter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Mittwoch, K- März 1928
Für den Büchertisch.
Politik und Geschichte.
— Michael Smilg-Denario: DerZu- sammenbruch der Zarenmonarchie. (Mit 75 Abbildungen und zwei Karten. Amal- theaverlag in Wien.) — Der Charakter der zweiten russischen Revolution vom Februar 1917, die zum Sturz der Zarenmonarchie und in ihrem weiteren Verfolg zur dritten, zur Oktoberrevolution führte, ist noch immer heftig umstritten. Man Pflegt sie als eine „nationale Revolution" zu bezeichnen, mit dem Zweck, über die Leiche deS alten monarchischen Regimes hinweg Rußland zur siegreichen Beendigung des Weltkrieges zu führen. Der Verfasser des vorliegenden Buches versucht nun darzulegen, daß schon die Februarrevolution einen ausgesprochen sozialen, bäuerlich-proletarischen Charakter hatte, wie schon die Revolution von 1905 vom Verfasser auf die ungesunden sozialen Verhältnisse im Zarenreiche zurückgeführt wird, die durch die Stolypinsche Agrarreform keineswegs beseitigt worden seien. Auch die Rationalitätenfrage und die das Bürgertum in der Verwaltung des Staates zurücksehende Vorherrschaft des Adels bestanden in unverminderter Härte bis zum Ausbruch des Weltkrieges. Die schweren Riederlagen der russischen Heere führten das Zarenreich dem wirtschaftlichen und staatlichen Zusammenbruch entgegen. Seit Ende 1916 trug sich die bürgerliche und adelige Opposition mit dem Gedanken eines Staatsstreiches, der auch vor der Person des Zaren nicht Halt zu machen gedachte. Gleichzeitig entwickelte sich jedoch mit großer Schnelligkeit die revolutionäre Bewegung, die Regierung und Dumaopposition zu gemeinsamer Abwehr wieder zusammensührte. Die proletarische Revolution kam dem bürgerlichen Staatsstreich zuvor. Ihre Träger waren, nach Meinung des Verfassers, die werktätigen Klagen, die Arbeiter und Dauern, unter Führung sozialistischer Gruppen. Aber nur deshalb, weil das Bürgertum es unterließ, rechtzeitig die politische Macht an sich zu reihen. Der proletarischen Revolution fehlte es an Organisation und geistiger Führung. Unö so konnte die ehemalige Dumaopposition ohne Schwierigkeit an die Spitze der Revolution treten. Der Versuch, auf diese Weise die bäuerlichproletarische Revolution zu überwinden, mißlang. Unter Führung des Petersburger Proletariats begann die Revolution gegen das im Dumablock organisierte Bürgertum, die am 25. Oktober mit dem Siege des Bolschewismus endete. — Das ausgezeichnet illustrierte Buch gibt eine Reihe wertvoller und neuer Gesichtspunkte für die historische Erkenntnis der revolutionären Bewegung, die das russische Volk in einem einzigen Dornenweg von der Revolution des Jahres 1905 über die Februarrevolution in die Arme des Bolschewismus führte. 11
-- Joseph Porniankowski: Der Zusammenbruch des Ottomanischen Reiches. (Mit 85 Bildern und acht Beilagen, darunter zwei farbige Karten. Amalthea-Verlag in Wien. Preis in Leinen gebunden 26 Mk.) — Der Verfasser hat als k. u. k. Feldmarschalleutnant und österreichisch-ungarischer Militärbevollmächtigter öcn Weltkrieg zum größten Teil in Konstantinopel verbracht. Da er schon seit 1909 Militärattache bei der österreichischen Botschaft war, hat er Gelegenheit gehabt, das türkische Volk im Staate Abdul Hamids, während der jungtürkischen Revolution und der schweren Kriege, die die Türkei seit dem Tripolitanischen Feldzug ununterbrochen gegen ihre Rachbarn zu führen hatte, kennenzulernen. Pomiankowski hat von dieser Gelegenheit in hervorragendem Maße Gebrauch gemacht. Mit offenen Augen und wachen Sinnen hat er die Schicksalsstunde des alten türkischen Reiches miterlebt, Unö was er jetzt in diesem umfangreichen Bande als seine Erinnerungen niedergelegt hat, scheint uns zum Wertvollsten zu gehören, was an Literatur über die Türkei während des Weltkrieges existiert. Das Buch ist namentlich deshalb so interessant, weil es den Einfluß Deutschlands und Oesterreich-Ungarns auf den Verlauf der Ereignisse am Bosporus sehr genau und, soweit wir es zu beurteilen vermögen, auch im großen und ganzen richtig darstellt. Das Gegeneinanderwirken der verschiedenen politischen und militärischen Stellen, das wir ja leider bei uns in Deutschland nicht weniger beklagen mußten, erfährt hier auch für den türkischen Kriegsschaiiplah eine interessante Beleuchtung. Ein außerordentlich umfangreiches und für die meisten Leser gewiß in hohem Maße unbekanntes Bildermaterial bedeutet eine wertvolle Bereicherung des fesselnden Buches. m 67
. — Maximilian Harden: Von Ver
sailles nach Versailles. (Avalun-Verlag, Dresden-Hellerau.) Als vor einigen Monaten die Nachricht vom Tode Maximilian Hardens durch die Zeitungen ging, bedurfte es erst bei uns Angehörigen der jungen Generation eines kleinen Nachdenkens und Erinnerns. Dieser Maximilian Harden war für uns längst tot, auch schon lange vor dem Attentat irgendwe-lcher politischer Radaubrüder. Er war langsam vergessen wie seine „Zukunft", und man muh erst wieder in der stattlichen Reihe dieser Bände blättern, um sich ein Bild davon zu machen, was Harden in der Zeit seiner fruchtbarsten Produktivität nach Bismarcks Sturz und in der dann folgenden wilhelminischen Aera für die deutsche Politik und die Bildung der öffentlichen Meinung in Deutschland bedeutet hat. Es ist wohl kein Zweifel, daß Harden in der Geschichte des Kaiserreichs der einzige Journalist gewesen ist, der sich durch sein mutiges Einsetzen für den ersten Kanzler und seine furchtlose Kritik an dem, was man das persönliche Regiment Wilhelms II. genannt hat, einen Namen gemacht hat. Die kleinen braunen Hefte der „Zu- kunst" find von Woche zu Woche von Tausenden mit Spannung erwartet und begierig verschlungen worden. Und dabei kam dieser Mann durchaus aus dem konservativen Lager und dachte nicht daran, an dem monarchischen System als solchem rütteln zu lassen. Heute nun liegt als stattlicher Band von mehr als 600 Seiten das postume Werk dieses Mannes vor, eine Enttäuschung für den, der glaubte, Havden, der Kritiker einer vergangenen Zeit, hätte auch unserer Gegenwart etwas zu sagen. Es ist nicht so. Uns gehen diese Dinge nichts mehr an, die hier, mühsam von Staub und Schimmel befreit, dargeboten werden. Im wesentlichen find es
wohl Aufsätze aus der „Zukunft", die ^Harden an- einandergereiht hat, und die zwar keineswegs eine Geschichte des Kaiserreichs, wie man vielleicht dem Titel entnehmen könnte, aber immerhin die Geschichte eines Kampfes gegen die tatsächlichen oder vermeintlichen Sünden eines Systems geben. Dem Verlag wird man es Dank wissen, daß er diese Arbeit eines zweifellos bedeutenden Journalisten in einer so würdigen Form und ausgestattet mit vielen interessanten Bildern herausgebracht hat. 38
— D r. Ludwig Berg st räßer: „Geschichte der politischen Parteien in Deutschland" (3. Bensheimer, Mann
heim). — Rechtzeitig vor den Reuwahlen erscheint soeben diese verbesserte und erweiterte Reuauflage. Sie gibt eine leichtverständliche, interessante und instruktive Entwicklungsgeschichte aller Parteien in Deutschland, von der französischen Revolution beginnend und bis zum heutigen Tage geführt. Wer sich für den Werdegang und die gegenwärtige Struktur der Parteien interessieren will oder muß, der findet hier den zuverlässigsten Führer. Das Buch ist für den bevorstehenden Wahlkampf dem Politiker das beste Hilssmittel.
Die erwachende Sphinx.
Unter diesem Titel hat der bekannte unö gern gelesene Reiseschriftsteller Colin Roß, ein Mann mit gutem weltpolitischem Blick und Urteil, bei F. A. Drockhaus in Leipzig ein Buch erscheinen lassen (mit 112 Abbildungen und 13 Karten. 7 Mk., Seinen 9.50 Mk.), das dem schwarzen Erdteil Afrika und seinen Bewohnern gewidmet ist. Dieses Buch, außerordentlich fesselnd geschrieben, ist ein Warnungsruf an die weihe Welt. Man lese z. D. die Abschnitte über die Südafrikanische Union, und man wird zunächst ob der mannigfaltigen Fülle von Problemen verblüfft fein, die hier gelöst werden wollen: dann wird man ernst, sehr ernst werden. Denn überall die gleichen Sturmzeichen! Das jetzt asiatisch orientierte Rußland überschwemmt die weiße Welt mit seinen kommunistischen Ideen, die südamerikanischen Staaten kämpfen mehr wirtschaftlich gegen Europa, aber nicht weniger heftig, der ferne Osten erhebt sich aus tausendjährigem Schlaf zu einer einheitlichen gewaltigen, bisher noch friedlichen Freiheitsbewegung — und jetzt Afrika! Ra-, türlich steht auch hier die fRaff enf rage an < erster Stelle. Sie ist die Lebensfrage Afrikas, vorläufig erst Süd asrikas, aber auch im Innern regt sich bereits der Freiheitsdrang der Schwarzen. Besonders verschärft wird die Lage dadurch, daß bei den Weißen im eigenen Lager Uneinigkeit herrscht. In einem Distrikt wird der Schwarze offiziell noch als Sklave behandelt und die Rilpferdpeitsche straft seinen Ungehorsam, in einem andern Bezirk kann der Farbige Herr über fruchtbares Land sein und zu Reichtum und Macht gelangen — wenn er auch gesellschaftlich als Paria angesehen wird —, in einem dritten Gebiet wiederum kann er mit dem Weißen zusammen die erste Eisenbahn- klasse und die Straßenbahn benutzen. Solche ganz willkürlich geographisch orientierte, keineswegs politisch kluge Cingeborenenpolitik muh zu schweren Schädigungen des Ansehens der Weißen führen. Gestützt wird sie hauptsächlich von etlichen Handelsgesellschaften, die ihre Interessen dabei im Auge haben.
Trotz all dieser Schwierigkeiten kommt natürlich eine freiwillige Räunrung des Landes oder auch nur ein teilweiser Verzicht auf seine Rechte für den „weihen Afrikaner" nicht in Frage, denn in Afrika liegen die Dinge tatsächlich jo, daß der weihe Siedler ein unbestreitbares moralisches Recht auf das Land besitzt. Allein seiner Tatkraft ist es zu danken, daß die afrikanischen Stämme sich heute nicht mehr wie wilde Tiere gegenseitig bekämpfen und zerfleischen und
daß der Wohlstand der Bevölkerung — auch ter schwarzen — sich fortwährend hebt. Daber sind die ungeheuren Mineralschähe des ehemals „dunklen" Erdteils, die schon heute eine starke Konkurrenz für die Erzeugnisse anderer Länder bilden, kaum erst angekratzt. Eine landwirtschaftliche Bedeutung wird Afrika aller-, dings erst haben, wenn die Wäs'er, die in manchen Gegenden im Ueberfluß vorhanden sind, während sie in anderen fast ganz fehlen, erst einmal durch künstliche Kanäle über den ganzen Kontinent verteilt sind. Dieses kühne Projekt, das Roß, der Ingenieur, entwickelt, will selbst dem Menschen der Technik zunächst phantastisch und unmöglich scheinen, aber seine Durchführung wird in Afrika bereits eifrig erörtert. Die Wasserverteilung soll das Klima des ganzen Erdteils (!) in günstigem Sinne verändern und weite Strecken Landes urbar machen. Wenn das vollbracht ist, wird Afrika in noch viel stärkerem Maße als jetzt „d i e" Kolonie Europas werden — denn Asien und Amerika haben entweder die Fesseln, die sie an Europa ketten, bereits abgestreift oder sind im Begriff, es zu tun.
Die Möglichkeit für Deutschland, sich an der Kolonisierung Afrikas zu beteiligen, ist nach Roh wegen unserer jetzigen ungünstigen politischen Lage augenblicklich noch gering, aber er hält es nicht für ausgeschlossen, dah in nicht allzu ferner Zukunft der Zeitpunkt kommen wird, wo Deutschland, ohne kriegerische Eroberungen machen zu müssen, wieder überseeischen Landbesitz sein eigen nennen kann. Und deshalb heißt es für Deutschland aus der Hut sein und den psychologischen Moment nicht verpassen, denn die Deutschen haben das gleiche Recht auf Kolonien wie alle andern europäischen Staaten, zumal ihre große kolonisatorische Begabung feststeht. Sagt doch Roh. dah selbst die Engländer die kolonisatorische Ueberlegenheit der Deutschen offen zugeben und daß heute niemand mehr in Afrika an die sogenannte koloniale Schuldlüge glaubt; nur in Europa weih man immer noch nicht, dah auch diese „Schuld" Deutschlands nur eine bewußte Verleumdung zu Propagandazwecken gewesen ist.
Wer die früheren Werte von Colin Roh kennt, wird mit Spannung nach diesem neuen Buch greifen. Es ist eines von den Büchern, die man gelesen haben muh, wenn man „mitreden" will. Und wer anfängt, darin zu blättern, den hält es in seinem Bann. Denn Roh zeigt uns nacktes interessantes Leben auf jetzt zwar schlafenden, aber gefährlichen Vulkanen. 445
Neue Romane und Novellen.
— Julie Wassermann-Speyer: Das lebendige Herz. Roman einer Ehe. 178 Seiten 8°. Geh. 4 Mk., in Leinen 5,50 Mk. Bücherlese-Verlag, Leipzig. — Die Geschichte einer unglücklichen Ehe, der Bericht vom Auseinanderwachsen und Sichverlieren zweier vertrauter Menschen. Geschrieben von einer bisher kaum bekannten Wiener Autorin, der früheren Gattin des Dichters Jakob Wassermann. Was für die Schilderung spricht, ist die allenthalben wohltuend zu empfindende Objettivität in der nachträglichen Formulierung eines schmerzlich nachzitternden Erlebnisses. So wird der Roman als leidenschaftliches, verspätet anklagendes Bekenntnis eines gebemütigten Frauenherzens empfunden; und gerade weil es sich hier um persönlichste Dinge handelt, muß man die Sachlichkeit loben, mit der diese Frau Öen endgültigen und entschiedenen Sieg einer verhaßten Rebenbuhlerin schildert. Die Unterlegene steht im Mittelpunkt des Geschehens, von ihr aus ist alles gesehen und geschrieben; dagegen ist natürlich nichts einzuwenden. Aber die an sich schon wenig sympathischen Charaktere der beiden anderen Hauptrollenträger bleiben (bei aller Sachlichkeit) blaß und unplastisch, werden dem Leser gewissermaßen als bekannt vorausgesetzt —, während vor allem die mehr als komplizierte Gestalt des Mannes psychologisch glaubhafter gemacht und seine oft geradezu aufreizende Haltungslosigkeit und Verbohrtheit entschiedener motiviert werden müßte... vor allem durch eine weniger verschwommene Zeichnung der zweiten, fremden und schließlich siegreichen Frau. — Der Roman ist stilistisch oft spröde und nicht immer glücklich in der Diktion, zeugt aber von Talent im Versuch zur disziplinierten Gestaltung eines schmerzlich durchgekämpften Erlebens. 31
Vicki Bau m: Hell in Frauensee. Roman. 273 Seiten 8". Brosch. 3 Mk., Ganzleinen 4,50 Mk. Verlag Ullstein, Berlin. — Die Dichterin der „Feme" gibt in dem vorliegenden Buch ein getreues Bild von der neuen Jugend und ihrer unsentimentalen Art, Liebesnöte sowie Röte des Geldbeutels zu meistern. Richt allein die Erlebnisse des jungen Ingenieurs, der sich während eines verregneten Sommers als Bademeister und Schwimmlehrer sein Brot sauer verdienen und sich mit verliebten Frauen und Mädels ehrlich plagen muh, und auch nicht der reizvolle (und reizend gestaltete) Schauplatz, eine Gebirgs- Sommerfrische, machen Vicki Baums neuen Roman so liebenswert — vor allem entzücken ihre frauliche Klugheit und die schone Warme bei der Darstellung einer durchaus neuen Form jener „alten Geschichte": einer Liebe, die ohne Redens
arten auskommt, die eher ohne Probleme als ohne Kraft zu leben vermag. 45
— Wilhelm Speyer: „Frau von Hanka". (Verlag Ullstein, Berlin.) — Mit sicher abwägendem Geschmack rührt Speyer in feinem Roman an das Problem von Sexualität und Ehe — und die dichterische Art der Darstellung bewahrt ihn dabei vor trockenem Theoretisieren: der große Pan spielt eine berückende Melodie in diesem Buch. — Der Band ist in der Reihe der l-Mark-Ullsteinbücher erschienen. 136
— Konrad Beste: Grummet. Roman. 282 Seiten 8°. Stuttgart 1928, Engelhorns Romanbibliothek Band 1017,18. Broschiert 2 Mk., in Leinen 3,50 Mk., in Halbleder 5 Mk. — „Grummet" — dieser Titel ist nicht nur deshalb gewählt, weil die Handlung zur Zeit der zweiten Heuernte spielt. Das Wort weist darüber hinaus auf den tieferen Sinn des Buches: es mahnt an das Heimweh des entwurzelten Großstädters nach dem mütterlichen Boden dörflicher Landschaft; es ist Symbol für die späte Liebe des Mannes zum reifen, wurzelstarken Weibe, das ihn nach seinen langen Irrfahrten durch die Hohlheit großstädtischer Zivilisation und die diabolische Komik kleinstädtischen Spießertums zur Urkraft der einfältigen Ratur zurückführt. 69
— Josef Friedrich Perkonig. Ingrid Pan (Novelle, Verlag F. G. Spcidelsche Verlagsbuchhandlung, Wien IX, Derggasse 16, Preis Leinenband 4,20 Mk.) — Es gibt einen plötzlich lebendig gewordenen Hang zum großen Abenteuer, den nicht das leichtsinnige Blut verursacht, sondern der eine Gnade oder ein Fluch des Schicksals ist. In dieser Rovelle ist das Werkzeug die schone, fremde, seltsame Ingrid Pan, die das Leben zweier Männer mit einem kurzen Glück erschüttert. Liebende werden In dieser hinreißenden Geschichte einer Liebe Öen eigenen Jubel hören; Verlassene werden ihrer Trauer begegnen; Zuschauer des Lebens aber werden von einem sonderbaren Schicksal ergriffen fein, Venn dieses Buch handelt von der schicksalhaften Besessenheit des liebenden Menschen, von seiner berauschten Lust zum Leben und zum Tode. 133
— F. R. Rord: Der ferne Wille. (Roman im Ring-Verlag. Berlin W 30.) — Rord hat eine Reihe außerordentlich spannender Abenteurerromane gcfchrieben, die in Vorderasien meist ihren Schauplatz haben. Der vorliegende dreht sich um den grandiosen Kampf um das Oel. Er teilt alle Vorzüge seiner Vorgänger, aber auch die Rachteile, allzu phantastische politische Verhältnisse zugrunde zu legen und dadurch mehr Verwirrung als Klarheit zu schaffen. 5 •
Kunst- und Kulturgeschichte.
— Prof. Dr. Ed. Heyck: Gaja. Sinne und Sitte des Naiven in vier Jahrtausenden. 238 Seiten 8U. Pre>s 7 Mk. Moritz Schauenburg, Verlagsbuchhandlung, Lehr (Baden), 1928. — Der bekannte Ermatinger Historiker legt hier eine feinsinnig geschriebene Kapitelfolge zur Kulturgeschichte des Naiven in vier Jahrtausenden vor. Menschliches, Allzumenschliches von der Urzeit bis zur Gegenwart wird in ungewöhnlicher, stofflich und stilistisch überlegen bemeister- ter Auswahl behandelt; ein besonderer Wert des Buches liegt darin, dah es den seltenen Stoff nicht, wie meist Üblich, nach den Maßstäben der Gegenwart beurteilt, sondern in feiner historischen Bedingtheit erfaßt und vorträgt. Aus dem reichen Inhalt des ebenso amüsanten wie gelehrten Werkes feien befonders die Abschnitte über das Urbild des neuen Reichen (Zrimal- chiv), über Gautier und Tänzerinnen, über Per- leo, den Heidelberger Karzer, die Denedittbeurer Vagantenliedec, den Stammbaum der Gespenster und über die Rationalgerichte hervorgehoben. Ausgewählles Bildmaterial be c chert den fesselnden Text in wünschenswerter Weise. 84
— Kurt Ara in: Magie und Zauberei in der alten Welt. 378 Seiten 8°. Deutsche Buchgemeinschaft G. m. b. H„ Berlin SW 68. — Zum erstenmal wird hier versucht, in allgemeinverständlicher Weife weitesten Kreisen das viel- umstrittene, aber wenig gekannte Gebiet der antiken Magie und Zauberei zugänglich zu machen. Die Kenntnis dieses Gebietes ist die Grundlage für jedes Verständnis all der heutigen Phänomene, die wir als okkult $u bezeichnen pflegen. Zum erstenmal werden in diesem Buche die neuesten Ergebnisse und Hypothesen der Raturwissenschasten verglichen mit den zahllosen Ausgrabungen des letzten halben Jahrhunderts in Babylonien, Aegypten und Griechenland, um auf diesem Wege die Magie und Zauberei zu erklären. Biologie, Parapsychologie und namentlich die noch so junge Dorweltkunde (Palaäontologie) haben in den letzten Jahrzehnten Fortschritte gemacht, von denen man außerhalb der direkt beteiligten wissenschaftlichen Kreise leider nur sehr wenig weiß. Sowohl die heutige Vorweltkunde wie auch die heutige Kenntnis des Altertums verdanken ihre neuen, oft verblüffenden Ergebnisse ja nicht mehr vagen Theorien, sondern exakten Forschungen mit einem riesigen Material, das Spaten und Spitzhacke aus der Erde ausgegraben haben. Dabei fallen neue und eigenartige Lichter gerade auf das bisher so dunkle Gebiet der Magie und Zauberei. Bisher war all dies reiche Material nur in spezialwisfenschaftlichen Veröffentlichungen niedergelegt, die weiteren Kreisen nicht ohne weiteres zugänglich sind. Aus ihm wird hier alles Wesentliche zusammengetragen. Die Fülle des vorgetragenen Materials wird durch eine Reihe seltener unö interessanter Abbilöungen ausgezeichnet illustriert. 61
— Kurt Pfister: Albrecht Dürer Werk und Gestalt. (Mit 187 teils farbigen Bildtafeln. Amalthea-Verlag in Wien.) Rur wenige Wochen noch trennen uns von dem 400. Todestag des großen Rürnberger Meisters, dessen Werk, wie kaum das eines Zweiten, uns stets gegenwärtig ist. Unö Öoch bringt das Blättern und Schauen in einem Albrecht Dürers Kunst gewidmeten Buche immer wieder neue Überraschungen unö neue Gesichtspunkte. Das darf man auch von dem vorliegenden Buche Kurt Pfisters sagen, wenn es auch grundsätzlich darauf verzichtet, die vielen kunsthistorischen Untersuchungen über Albrecht Dürer um ein neues zu vermehren. Aber Dürers Persönlichkeit aus seinem Leben unö seinem Werk unserer Gegenwart wieder lebendig machen wollte Pfister, und man darf sagen, daß ihm dies gelungen ist. Gerade dem Laien, der sich zwischen kritischen Arbeiten des Kunsthistorikers sckwer zurecht- findet und deshalb leider häufig Den Mut verliert, fich mit Dingen der Kunst zu beschäftigen, wird das Buch Pfisters gewiß viel geben können, besonders auch dank der sehr zahlreichen und meist ausgezeichnet reproduzierten Abbildungen von Werken des Künstlers. 24
— Paul Stefan: „Franz Schubert'. Mit Abbildungen, Handschriften- und Roten- proben nebst einer Zeittaufel zu Schuberts Leben. (Dolksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. ß. H., Berlin-Charlottenburg 2. Preis 2,95 Mk. für den Halblederband.) — Dieses Buch des bekannten österreichischen Musikschriststellers beginnt mit einer farbenprächtigen und kkangreichen Schilderung der Stadt Wien, Oesterreichs und jener großen ereignis- schweren Zeit, die untrennbar mit dem Leben unö Schaffen Schuberts verbunden war. An dieses erste, fast anonyme Kapitel Schubertschen Seins schließt Stefan das zweite, erzählende an, das seines persönlichen, eines menschlichen Lebens. Jede Zeile dieses Buches atmet die tiefe, verständnisvolle Liebe des Verfassers zu Schubert. Stefan hat ein Volksbuch im besten Sinne des Wortes geschrieben. Er seht nichts voraus, auch wer nicht Roten liest, findet in diesem Buch wertvolle, allgemein fordernd? Anregungsstunden. Das Buch umschreibt Musik in Worten und spricht von einem großen Musiker nicht anders, als man sonst Geschichte erzählt. Der Dolksverband der Bücherfreunde, in dessen Auftrage dieses Buch geschrieben wurde, ehrt somit in würdigster Form das Andenken dieses großen Musikers, dessen Leben vor hundert Jahren allzufrüh endete, dessen Werk jedoch unsterblich von Generation zu Generation fortlebt. Auch dieses Werk ist — wie alle V. d. B.-Veröffentlichungen — mustergültig ausgestattet. 137
— Ä a r I Kobald: Franz Schubert und feine Zeit. (Mit 70 teils farbigen Bildtafeln im Amalthea-Verlag, Wien.) Kobald ist als Musikhistoriker kein Unbekannter mehr. Sein Buch über Beethoven hat im Beethoven-Iubiläums- jahr in weiten Kreisen Eingang gefunden. Das gleiche wird man auch der vorliegenden Schubert- biographie wünschen müssen. Sie gibt eine ausgezeichnete Milieuschilderung des Wiens zur Schubertzeit und sucht den Komponisten und sein Werk aus Öen Zusammenhängen von Kunst unö Kultur seiner Epoche zu begreifen. Eine warmherzige Schilderung seines Lebens an Hand der


