Einzelbild herunterladen

Nr 65 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhesfeiß Mittwoch, U. März 1928

...... I Illi...... I 'I I

Zur gegenwärtigen Wirtschaftslage.

Oer Charakter unserer Wirtschastskonjunktur. Oie,/EelbstkosienkrisiS". Oie Selbstfinanzierung" der Industrie Preise u.'.d Löhne.

Von Or. Paul Mombert, o. Professor der Siaatswissenschasten an der Universität Gießen.

Das Iahr 1927 war für die deutsche Wirtschaft eine Zeit aufsteigender Äonjunt- tur und starken inneren und äuheren Wachs­tums. An den alierverschiedensten Symp­tomen ist diese Entwicklung sestzusteklen. Gegenüber dem Jahre 1924 war die Güter­produktion im Jahre 1927 um etwa die Halste größer, die Ausfuhr an Fertigwaren hat eine erhebliche Zunahme er'ahren. Die gün­stigere Gestaltung aus dem Arbeitsmarkt. Lohn­steigerungen und ein starkes Wachstum der Sreuereingänge waren die zunächst sichtbaren Folgen dieses Aufschwunges. Es sind vor allem zweierlei Faktoren, die bei der Beurteilung und Entwicklung dieses Aufschwungs besonders we­sentlich sind: einmal der Ein'luh, den darauf die Auslandkredite gehabt haben und ferner die Zusammenhänge, die sich zwischen diesem wirtschaftlichen Aufschwung und dem Ratio- nalisierungsprozeh in der deutschen Wirtschaft zeigen.

Die Auslandkredite waren erforderlich, um der deutschen Wirtschaft die nöligen Kapitalbeträge, hauptsächlich auch zur Durchführung der Ratio­nalisierung, zur Verfügung zu stellen. Sie haben auch jedenfalls stark zur Belebung der Jnlandkonjunktur beigetragen und insoweit hat der Präsident der Reichsbank durchaus Recht, wenn er davon gesprochen hat, dab unsere Konjunktur in hohem Matze eine ge­borgte sei und dah es deshalb notwendig sei, in der weiteren Aufnahme von Auslandkrediten die größte Vorsicht walten zu lassen. Diese Auslandanleihen haben alsAnkurbelungs- lredite" für die Wirtschaft gewirkt; sie haben auch als neue, zusätzlich hinzugekommene Kauf­kraft, die nicht aus der eigenen Produktion stammte, jedenfalls auch zu der Preis st eige- runa beigetragen, die wir im letzten Jahre er­lebt gaben. Während die Indexziffer der Groß­handelspreise im Jahre 1926 bei den Produk­tionsmitteln 132,5 und bei den Konsumgütern 162,2 betrug, beliefen sich diese Zahlen im De­zember 1927 aus 133,6 bzw. 172,2.

Don dieser Preissteigerung ist heute bei uns vielfach die Rede. Vor allem find es zwei Ge­sichtspunkte, unter denen sie besonderes Inter­esse bietet. Man hat zunächst ganz allgemein als Folge des Rationalisierungsprozesses, der doch zu einer Verminderung der Produktions­kosten führte, eine Verbilligung der Preise er­wartet; ferner stehen mit dieser Preissteigerung die Forderungen nach Lohnerhöhungen, die jetzt von den Gewerkschaften erhoben werden, in engem Zusammenhang. Zwar sind auch die Löhne vom 1. Januar 1927 bis 1. Januar 1928 nach den Berechnungen des Statistischen Reichs­amts im Durchschnitt um etwa 10 Prozent ge­stiegen, eine Erhöhung, die jedoch von feiten dec Vertreter der Arbeiterschaft im Hinblick auf diese gute Konjunkturperiode als unzulänglich bezeichnet wird.

Freilich wird nun demgegenüber auS den Krei­sen der Wirtschaft betont, daß diese sog. gute Konjunktur des Jahres 1927 doch in mancher Hinsicht nur einen recht illusorischen Charakter getragen habe. In den Kreisen von Industrie und Handel spricht man deshalb von einer Mengenkonjunktur" und einerSelbstkosten- krisis". Mit diesen Ausdrucken soll gesagt sein, dah wohl die Produktion in ganz er­heblichem Ausmaße g e st i e g e n sei, daß auch der Absatz zugenommen habe, daß aber infolge der Steigerung der Selbstkosten der G e -

Gießener Stadttheater.

Ludwig Fulda:Höhensonne".

DaS muhte mal kommen. Früher oder später. Der Stoff lag gewissermahen in der Luft. Denn die abenteuerliche Gestalt des Harry Dvmela ist beinahe ebenso charakteristisch für die grotesken älmkehrungen und Aeberschneidungen unserer auf­geregten Zeit, wie etwa Max Schmeling oder Otto Peltzer, und an sich ebenso unbedeutend wie die Rekordfliegerei über den Ozean oder der aufgebauschte Empfang Aman älllahs in Berlin.

Es ist so lange über den phantasiebegabten Rachfolger des weiland Hauptmanns von Köpe­nick geredet und geschrieben worden viel zu ausfichrlich und viel zu wichtig. bis schlieh- lich Fulda, etwaigen Filmspekulanonen des geschäftstüchtigen jungen Mannes energisch vor- greifend, ihn zum Pseudohelden eines (mehr als harmlosen) Lustspieles erkor, dessen durchsichtige Decknamen keinen kundigen Zeitgenossen zu tau­schen vermögen.

Was die in umfänglichen Presseberichten be­quem bercitliegende Fabel angeht, so ist zu sagen, dah hieraus eine handfeste Komödie hatte wachsen können, ein halb tragisches Zeitbild viel­leicht, eine hanebüchene Satire zum mindesten. Bei Fulda langte es eben zu einem gemütlichen Lustspielchen mit nachhaltigen Abstechern in reich­lich ausgebeutete Schwantreviere. und jedenfalls wäre es dies festzustellen, gebietet die Ge­rechtigkeit für den minder mit den Fort­schritten der jüngstkn Zeit vertrauten Theater­besucher nicht leicht gewesen, dem Stück seine Herkunft aus den erlauchten Bezirken der immer weiter um sich greifenden Dichterakademie an­zumerken. t

Die K .-rnPunkte der drei QUte tt d m Kurze wie­dergegeben. Beim Aulo.abri an'.en Kno t erscheint, zwecks Erstehung eines feudalen Tourenwagens, derFreiherr von Löwenklau". Das ist er. So genannt, weil er der Löwe aller Salons ist und klaut. Mithin eine sinnige Visitenkarte. Geschäf­tige Fama, ihm vorausgeeilt, lüftet das In­kognito. Leider das falsche. Die Bauchkriecherei beginnt, vonHöhensonne" mild beschienen. Hin­gegen wird Herrn Knosts Privatsekretär, der bloß Bert Burger heißt, gleich zu Ansang bem vergnügten Publiko mit vertraulichem Augen­zwinkern als der richtige Prinz vorgestellt. Tüch­tiger junget Mann. Ohne Hochmut. Herz auf dem rechten Fleck. Arbeit schändet nicht. Im Gegen­teil: trögt ihm ernstgemeinte Sympathien von Herrn Knosts überraschend vernünftiger, aufge­klärter und moderner Tochter Marlene zu.

w i n n damit nicht Schritt gehalten habe; im Gegensatz zu anderen Au,schwungsperioden habe sich Die Rentabilität der Linlerneh* mungen nicht gebessert. Zur Erklärung dieser Tatsache wird namentlich auf d e gewaltige Steigerung der sozialen und steuer- l i ch e n L a st e n hi gewie en. Rach den Angaben der bekannten, im Februar dieses Jahres her­ausgegebenen De.ilschrist der Vereinigung dec deutschen Aroettge.ecverbänve zur Lohnbewe­gung, haben sich die Aufwendungen für Soz al» versicherung im Jahre 1927 gegenüber 1913 etwa vervierfacht und damit eine Steigerung um über 2,5 Milliarden erfahren, während nach den Angaben des Reichsveröandes der deutschen Industrie im Jahre 1925 gegenüber 1913 die Ge­samtsteuerbelastung einer Reihe caür untersuchter industrieller Llntecnehmungen auf mehr als das Achtfache gestiegen ist. Der soeben er­schienene Geschä:s e.icht der Deuts en Dank für das Jahr 1927 teilt mit, datz die ge anue Steuer­last die es Jahres mit 13,23 Millionen Mk. 88. Prozent des Betrages ausmache, der für die Dividendenausschüttung bestimmt sei.

So stehen also in der deutschen Wirtschaft zwei Kräfte einander gegenüber und sind nach verschiedenen Richtungen hin wirksam: auf der einen Seite die eben erwähnte Zunahme der steuerlichen und sozialen Lasten, die steigernd auf die Produktionskosten wirken muh und auf der anderen Seite der Prozeß der Rationalisierung, der einen entgegengesetzten Einfluß ausgeübt hat. Es ist natürlich vollkommen ausgeschlossen, für die deutsche Wirtschaft in ihrer Gesamtheit zu sagen, welche Kräfte die stärkeren waren, die­jenigen, die auf eine Steigerung oder diejenigen, die auf eine Senkung der Produktionskosten yin­gewirkt haben. Je nachdem das eine oder das andere der Fall ist, wird man mit Recht oder Unrecht für das vergangene Jahr von einer Selbstkosten.ri'is und lediglich von einer Mengen­konjunktur iprechen dürfen. Denn es ist ja auch zweifellos, dah in dieser Hinsicht die Derhält- nisse bei den einzelnen Industriezweigen und Llnlernehmungen recht verschieden gelagert sind. Das gilt weniger von der Kostensteigerung durch soziale Lasten und Steuern, von der wohl alle Llnternehmungen gleichmäßig betroffen wurden, als vielmehr davon, ob die Möglichkeit vorlag, dafür einen mehr oder weniger vollkommenen Ausgleich auf dem Wege technischer und wirtschaftlicher Verbesserungen zu schaffen. Es ist sicher, daß in dieser letzteren Hinsicht die Ver­hältnisse recht ungleich liegen. Davon ganz ab­gesehen, dah schon allein die technische und wirt­schaftliche Eigenart der einzelnen Industrie­zweige und Unternehmungen allzu verschieden ist, um einen derartigen Rationalisierungsprvzeh überall mit dem gleichen Erfolg durchführen zu können, sind doch dazu beträchtliche Kapital­beträge erforderlich, die keineswegs allen Unter* nehmungen in der gleichen Weise zur Verfügung ftanden. Man wird wohl im allgemeinen an­nehmen dürfen, dah in dieser Beziehung be­sonders die kleineren Unternehmungen un­günstiger gestellt waren, als die größeren.

Wenn also in dieser Hinsicht die Verhältnisse keineswegs gleichartig lagen und wenn man es ohne weiteres verstehen kann, dah es zahlreiche Unternehmungen gab, bei denen man recht wohl nur von einer bloßen Mengenkonjunktur und einer Selbstkostenkrisis reden konnte, so darf man das freilich nicht für die ganze Indu­strie verallgemeinern. Zahlreiche Di-

Zweiter Akt man kann sich jetzt kürzer fassen: Honoratiorenversammlung im Hause des Autofabrikanten; Festessen, Toast, große Cour. Kriecherei steigert sich, die Sonne scheint. Durchlaucht" haben ein zartes Techtelmechtel mit Frau Knost; dann brennt ec durch mit ihr und dem Auto. Indessen Knosts Tochter und junger Mann" sich verloben und selbständig machen. Zum Kummer des Alten. Ieht gleitet das Ganze sanft in bewährte Schwanksituationen über und lebt bis zum Schluß von der allzu gründlich ausgeschlachteten Verwechslung zwischen dem echten und dem falschen Prinzen, welcher erst der alte Fürst, dann Frau Knost, zuletzt Herr Knost (samt den übrigen) zum Opfer fallen. Der dritte Akt wird außerdem mit der Fürsten­abfindung, mit der Vernehmung des erwischten Hochstaplers und der obligaten Verlobung (des echten Prinzen mit Knosts Tochter; so daß Knost also gewissermaßen trotz allem noch die Treppe hinauf fällt) etwas künstlich aufgepäppelt.

Irn Ganzen hat sich Fulda so vorftchtig wie möglich zu benehmen versucht, damit keiner (außer den allzu unmittelbar Beteiligten) vor den Kopf gestoßen oder an politisch empfind­lichen Stellen gelitzelt werde. Zur Satire fehlt ihm das Zeug; ihm genügte der dankbare, mehr als dankbare Stoff; die schon fast als billig zu bezeichnende Gelegenheit, dec herrschenden Stimmung liebenswürdig lächelnd enlgegenzu- kommen. Und es mag genug Leute geben, die es für unnötig halten, eine an sich schon reichlich breilgetretene Affäre ohne lieferen künstlerischen Ehrgeiz auf die Bühne zu stellen. Auch solche, die am Ende von einem gewissermaßen offi­ziellen Dichter ein wenig mehr erwartet hätten an innerem Gewicht, an Repräsentation im Stil und an Originalität in der Wahl feiner Mittel. (Es fei hier nur an die äußerst bequeme Drama­turgie des ersten Aktes bescheiden erinnert)

Die Ausführung, von D o l ck geleitet, hatte Bewegung und allerlei handfesten Humor in den ersten Akten, schleppte aber zuletzt, wo ener­gische Konzentration des abfallenden Textbuches geboten war, merklich, konnte (und wollte wohl auch) die Mängel des Stückes nicht verbergen und tat gelegentlich, für unser Empfinden, mit dick Auf getragenem, des Guten etwas zuviel.

Im Ensemble glänzte Goll als der durch eigene Schuld heftig blamierte, jedoch keineswegs geheilte Autofrihe mit saftigen Pointen. Baste (Löwenklau oder Domela oder Wuttke aus Pasewalk: nach Belieben) hochstapelte mit Nonchalance und abgefeimten Gaunermanieren, die stellenweife von fataler Echtheit waren.

lanzen von Aktiengesellfchaften, die in den letzten Wochen und Monaten herauSgekommen sind, zeigen doch, dah c*ei vielen wichtigen Industrien recht wohl von einer ausgesprochenen Ge­winnkonjunktur gesprochen werben kann, wobei noch hinzuzufügen ist, daß im vergangenen Iahre noch keineswegs überall bereits die E - folge des durchge ührten Rattonatts.erungs- prozesses zum vol.en Ausdruck kommen konn.en.

Allerdings muh man, um einen genügenden Einvlick in diese Zusammenhänge zu erhalten, beachten, dah die Dividendenpolitik einer Unternehmung nxh kein brauchbares Bild iür die Höhe des Ertrages abgibt und datz diel heute in weit geringerem Maße der <^a!l ist, als in den Zeilen vor dem Kc.ege. Wir dürien nicht aus dem Auge verlieren, daß innere In­dustrie in starkem Llm.ang laufende Ue^erschüf,e z u Investitionszwecken verwendet. Zahl­reiche Gesellscha ten haben bei uns en.weder ganz auf die Ans chüttung einer Dividende verzichte, oder nur eine niedrigere gegeben, a.s es nach dem Ertrag möglich gewesen toä.e, weil sie De- triebsüberschüsse da ür verwendet haben, um den Betrieb zu verbessern und auszubauen. Es ist das eine ganz besonders wichtige und vorfichtige Form der Bildung von inneren, von stillen Re­serven; auch manche priva.en Unternehmungen werden ähnlich gehandelt haben.

In die er sog. Selbstfinanzierung der Wirtschaft liegt ein Vorgehen, das volkswirt­schaftlich nicht hoch genug gewertet werden kann. Es ist das eine Form der Kapitalneubildung, die volkswirtschattlich genau die gleiche Bedeu­tung hat, wie das übliche Sparen bei einer Spar­kasse. Beträge, die sonst als Dividende verteilt, vielleicht mehr oder weniger für den Konsum von Genutzgütern verwendet worden wären, haben so dazu gedient, Mittel für Betriebs- Verbesserungen und Detriebserweiterungen zu liefern. Es entzieht sich jeder zahlenmähigen Schätzung, in welchem Umsang z. B. im vergange­nen Iahre eine solche Selbstfinanzierung sich vollzogen hat; nur das eine wird man mit aller Bestimmtheit sagen dürfen, dah es in recht gro­ßem Umfang dec Fall gewesen ist. Soweit es aber zutrifft, wird man auch wenn die Höhe der Dividenden gering war nicht von einer reinen Mengenkonjunktur sprechen dürfen; denn dann tragen die Gewinne beträchtlich größer, als es in den zur Vec.ei.ung georachten Dividenden zum Ausdruck gekommen ist.

Wenn man diese Zusammenhänge beachtet, dann wird man auch zum Teil die Tatsache ver­stehen, datz trotz der Rationalisierung die Preise nicht gesunken sind, ja, sogar noch eine Steigerung erfahren haben. Ganz abgesehen davon, dah das immer in Zeiten auf- steigender Konjunktur der Fall zu sein Pflegt uni) dah hierbei auch als Folge der Ausland­kredite gewisse inflationalistische Momente eine Rolle gespielt haben, wurden eben die durch die gesunkenen Produktionskosten gestiegenen Erträge eine Quelle, um die Unternehmungen innerlich zu kräftigen und auszubauen. Soweit die Steigerung der Preise darauf beruhte, der deutschen Wirt­schaft Mittel zur Kräftigung zuzuführen, und sie damit auf fremden Märkten konkurrenzfähiger zu machen, wird man auch das unbedingt vom Standpunkt der ganzen Volkswirtschaft aus g u t h e i h e n können. Denn von diesem Stand­punkt aus ist es doch immer besser und vorteil­hafter, die Mittel zur Kräftigung unserer Wirt­schaft durch eine Ein schrän kung der Le­benshaltung, auf die ja schließlich jede Preissteigerung hinausläuft, als durch eine wei­tere Vers chuldung an das Ausland, zu gewinnen. Daß eine jede Stärkung der Wirt­schaft, die sich auf solchen Grundlagen vollzieht, auch günstig auf die Entwicklung der 2age auf dem Arbeitsmarkt wirken muß und auch erst die wirtschaftlich unentbehrlichen Voraus­setzungen weiterer Lohnsteigerungen schassen farm,

Eine sehr hübsche Leistung bot Alix K r a h m e r , der die ihr sichtlich zusagende Aufgabe anver- traut war, eine junge Dame von heute zu spielen, welche ihren alten Herrn mitFerdinand" an­redet, über eine Weltanschauung von neuester Sachlichkeit verfügt und keineswegs auf den Mund gefallen ist. Zurückhaltend und sympathisch spielte Hennig den jungen Prinzen mit dem schlichtbürgerlichen Ramen. Sein seriöser Papa, der sich schwerfällig in denveränderten Ver­hältnissen" zurechtfindet, wurde von G e f f e r s sehr angenehm gesprochen. In kleineren Rollen: Baumann, Telekh und V o l ck.

Die Reuigkeit wurde mit vielem Beifall ent­gegengenommen. (In Erfurt wird man sich um die Erwerbung des Stückes reißen.)

Dr. Th.

Lichtspielhaus Bahnhofstraße.

Als Abfchluß der Filmdarstellung aus dem Leben Friedrichs des Großen läuft gegenwärtig im Lichtspielhaus Bahnhofstraße der zweite und letzte Teil des FilmsDer Alte Fritz". Dieser Ausklang, wie der zweite Teil des Films ge­nannt ist, rückt noch einmal die Persönlichkeit des großen Königs scharf in den Vordergrund, vermeidet alle Rebensächlichkeiten und unwesent­lichen Dinge und ist ganz darauf abgestellt, dem Beschauer die überragende Gröhe dieses Fürsten sowohl als Soldat, wie als Staatsmann ein­dringlich vor Augen zu führen. Mitten hinein in wichtige Vorgänge der damaligen Zeit führt dieser Dildstreisen. Man sieht Oesterreich in der Zeit des bayerischen Erbfolgekrieges im Jahre 1778 seine Hand nach Bayern ausstrecken. Oester- reichische Truppen marschieren in Bayern ein. aber Friedrich zerschlägt die Annektionspläne des Wiener Hofes, indem er dessen Gesandten in Sanssouci kurzer Hand hinauskompttmentiert und dem Habsburger Joseph sagen läßt, die Antwort aus sein Vorgehen gegen Bayern werde im Feldlager der preußischen Armee geschrieben wer­den. Es kommt dann zum erneuten Ausrücken Friedrichs ins Feld, zum sog. Kartoffelkrieg, der 1779 nach längerem Gegenüberliegen beider Heere mit der Verständigung von Tcschen ab- schlieht. Die Dramatik dieses historischen Ge- schehens hat der Regisseur in packender Weise herausgearbeitet, eine Anzahl militärischer Epi­soden im Feldlager fein im Bild gestaltet Man erlebt bann die vielen Sorgen des Königs, insbesondere seinen Verdruß über den oberfläch­lichen und genutzsüchligen Thronfolger, der dem einsamen Alten auf Sairssouci noch auf dem Sterbebette schwerste Kümmernis bereitet Reben

liegt für jeden klar zu Tage, der ökonomisch zu denken versteht.

Ohne Diesen Rationalisierungsprozeh, der sich bei uns vollzogen hat, wären die Lohnerhö­hungen ganz un, ragbar, um die jetzt bei unS verhandelt und gelämp t wird. Diese Lohn* ncigerungen, wie sie nun langsam einfetzen, wer­den von der re.n sozialen Seite ganz abge­legen auch volkswirtscha.t.ich günstig wir.en können. Sie bedeuten einen verstärkten A b- satz aus dem inneren Markt und können damit auch unsere Konkurrenz ähigkeit auf dem Weltmärkte günstig bceinfluf e... Ist es doch be­kannt, dah eine Industrie um so leichter der Kon­kurrenz auf fremden Märkten begegnen kann, ür einen je größeren Teil ihrer Produktion sie uen gesicherien Ansatz aus den eigenen inneren Markte ha.. Freilich sind diese günstigen Wir­kungen nur dann möglich, wenn die jetzt kommen­den Lchne.höhun. en zui ächsi ein bestimmtes Mah nicht überschreiten. Sie öüt en nicht in zu großem Hm ang die Mittel ab­sorbieren, die in der eben dargelegten Weise dec Industrie die Deträ e zu wirtschaftlichen und technischen Derocj e.ungcn und Reuanlagen zur Verfügung -gestellt haben. Da unsere Wirtschaft solche M.tie' auch aus eigenen Lieberschüssen braucht, tonnte sonst e ne über das zur v,eit wirt­schaftlich mog.lce Mah hinausgeßende Lohn­steigerung zu weiteren Preiserhöhun­gen führen, die unsere Konkurrenz.ähigkeit auf fremden Märk.en verminde.n. aber auch die Konkurrenz äh.g.eit fre.ndländifcher Jndustr en auf dem deutschen Markte erhöhen mühte. Da­durch könnte dec Absatz der heimischen Industrie eine Einbuße erfahren. Dah eine solche Entwick­lung aber ungünstig auf un eren Arbeitsma.kt und damit auf die Lage der Arbeiterschaft teu­fen mühte, liegt auf der Hand, davon abge­sehen, dah durch solche Preissteigerungen die jetzt eintretenden Lohnerhöhungen mehr oder we­niger illusorisch gemacht würden. Denn für die Lebenshaltung des Arbeiters kommt es ja nicht auf die Höhe des Rominallohnes, sondern auf die Höhe des Reallohnes an, daraus, welche Mengen an Gütern er sich mit dem ihm gezahlten Lohne zu laufen imstande ist.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

!! Lollar. 13. März. Dieser Tage ver­anstaltete unsere Konfirmandenklasse in dem überfüllten Saaleder Linde" einen wohl- gelungenen Elternabend. Rach einleitenden Wyrten über die Bedeutung eines solchen Abends von Rektor Saab und dem Klassen­lehrer Keller unterhielt eine sehr reichhaltige Vortragssolge die Besucher aufs angenehmste. Die Darbietungen, die nach den Gesichtspunkten Winter" undFrühling" ausgewählt waren, und aus Vorträgen. Chören, Gruppenspielen, Theaterstücken, Reigen und Musikstücken einer kleinen Schülerkapelle bestanden, wurden alle recht flott vorgetragen. Die Einübung der Rei­gen, die noch besonders durch felbftangefertigte Papierkostüme sehr wirkungsvoll waren, halte unsere Handarbeitslehrerin. Frl. Weimar, übernommen. Zum Schluß sprach Rektor D a a b dem Klassenlehrer und den Kindern für ihre überaus große Mühe und Arbeit den wohl­verdienten Dank aus.

t Allendorf a. d. Lda., 13. März. Der Geflügelzüchterverein Allendorf u. Umgebung hielt am Sonntagnachmittag bei Mitglied Eberhard Ranft,Gasthof zum Bahn­hof" dahier, eine gutbesuchte Jahresver­sammlung unter seinem Vorsitzenden Wilh. R a ch t i g a l l ab. Rachdem der Vorsitzende auf die gute Entwicklung des Vereins im abgelaufe» nen Jahre hingewiesen hatte, erstattete der Rech­ner, Christoph Ranft, die Rechnungsablage, die vom günstigen Stand der Kassenverhältnisse

diesen beiden Hauptteilen des Filmausklangs stehen noch eine Reihe feingestalteter Episoden, die sich ebenfalls durch Handlung und feine Dildwickung auszeichnen. Erichüttemd wirkt am Schluffe die Darstellung von dem Hinscheiden des großen Königs. Otto Gebühr als Hauptdar­steller überragt in feiner wunderbaren Maske des Alten Fritz und in feiner künstlerisch höchst eindrucksvollen Gestaltung der Rolle alle übri­gen Mitwirkenden um ein Vielfaches. Rächst ihm ist vor allem Franz Stein als Lord- marschall Keith eine Persönlichkeit, die packend wirkt. Die übrigen Darsteller bewegen sich in ihren künstlerischen Leistungen etwa auf der Durchschnittslinie. In der Gesamtheit bewertet ist festzustellen, daß dieser letzte FilmteU aus Friedrichs Leben als eine hervorragende künstle­rische Leistung anzusprechen ist, die als würdiger Ausllang der bisherigen darstellerischen und film- technischen Schöpfungen auf diesem Produktions­gebiete deutscher Filmkunst bezeichnet werden muß. B.

Preußen kündigt Goethe.

Wie wir von der Leitung des Frankfurter Goethemuseums erfahren, hat der Preußische Fi­nanzminister es abgelehnt, für-das Frankfur­ter Goethehaus weiter Unterstützung aus Staatsmitteln zu gewähren. Roch ist die Rot des Goethehauses am Hirschgraben in aller Erinne- rrng, jene grausen Jnflationsjahre, da durch die aus dem Ausland zusammengebettelten Dollar,cheine und Pesetanoten die Instandhaltung des Dichterhauses ermöglicht wurde. Zwei Jahre lang hatten die preußischen Zuschüsse, geholfen, diesen unwürdigen Zustand zu beseitigen. Run scheinen die schmachvollen früheren Verhältnisse wiederkehren zu fotlen, und toir werden wieder wie in der Inflation erleben können, dah es heißt: Goethe geht betteln. Man sollte aber bedenken, daß auch beim Goethehaus der Verlust des Stisttingsvermögens durch die staat­liche Jnflationspolitik verursacht worden ist, und daß der Staat die moralische Pflicht hat, hier wenigstens zum Teil gutzumachen, was er ver­schuldet hat. Darüber hinaus s ollte man sich vergegenwärtigen, daß der Rame Goethe bei der Zersplitterung unseres Volkes in Stämme, Kon­fessionen und Parteien vielleicht das einzige Symbol ist, das im Inland und Ausland als Repräsentant deutscher Gröhe in gleicher Liebe und Ehrfurcht gegrüßt wird. Wir sind zu un­einig, um unseren Gefallenen ein Ehrenmal er­richten zu können, sind wir aber auch wirllich so arm, daß wir die Rattonaldenkmäler, die wir haben, preisgeben müssen?