Nr. 38 Erster Blatt
178. Zahrgang
Dienstag, 14 Februar 1928
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Der Endkampf um das Schulgesetz.
Die Verhandlungen innerhalb der Regierungskoaliiion werden fortgesetzt. — Geringe Aussicht für eine Einigung.
Der Reichsschulausschub der Deutschen Voltspartei hat mit voller Einstimmigkeit eine Ent- schliehung angenommen, in der die Haltung der Reichstagsfraktion der Partei rückhaltlos gebilligt und Verbleiben aus dem beschrittenen Wege empfohlen wird. Bedeutsam ist dabei die Tatsache, daß sich die Aussprache nicht allein um den berühmten § 20 des Reichsschulgesehen twurses, also um die Simultanschule, gedreht hat, sondern um den Gesamtentwurs im ganzen, der noch eine ganze Reihe von Punkten enthält, die für die Deutsche Volkspartei als unannehmbar bezeichnet werden müssen. Dieser Tlmstand war in letzter Zeit infolge des Kampfes um die Simultanschule etwas in den Hintergrund gedrückt worden, darf jedoch nicht übersehen werden. Der Abgeordnete Runkel hatte vollkommen recht, als er unter voller Zustimmung der Versammlung feststellte, dah auch ohne den § 2 0 der Entwurf in seiner jetzigen Form von der Deutschen Volkspartei a b g e l e h n t werden würde. Daß der Ausschuß so einstimmig sich hinter die Reichstagssraktion stellen würde, war zwar zu erwarten, ist aber doch ein besonders deutliches Zeichen dafür, wie einig und geschlossen die Partei in der Schulfrage zusammensteht.
Das Ergebnis zeigt also, dah die Hoffnung, die man noch innerhalb der anderen Koalitions- Parteien auf die Tagung gesetzt hatte, enttäuscht worden ist. Aus Zentrumskreisen erschallt sofort wieder mit verstärktem Rachdruck die Forderung, die Deutsche Volkspartei habe mit ihrer Haltung gegen die Verfassung und gegen die Richtlinien der Koalitionsparteien verstoßen, weshalb sie ihre Mini st er ausdem Kabinettzurückziehen müsse. Die Antwort daraus hat der Vorsitzende der Reichstagsfraktion der Deutschen Dolkspartei seinen Kollegen bbm Zentrum im Interfraktionellen Ausschuß bereits so deutlich erteilt, daß man kein Wort hinzuzufügen braucht. Falls das Zentrum bei weiteren Besprechungen noch einmal mit einer solchen Forderung hervortreten sollte, wird eS die gleiche Antwort erhalten und darauf hingewiesen werden, dah die Reihe des Abberusens der Minister an der Partei ist, der die Fortsetzung der Koalitionspolitik unmöglich erscheint. Es ist eine völlige Verdrehung der Tatsachen, wenn die Koalitionspolitik und ihre Ziele allein und ausschließlich auf daS Schulgesetz abgestellt werden. Dieses war eine der Aufgaben, die sich die Koalition gestellt hat, aber nicht die einzige. Der Herr Reichspräsident bat in seinem vortrefflichen Bries sehr richtig die dringlichen Aufgaben gezeichnet, die noch zu lösen sind und gelöst werden können, wenn der ehrliche Wille dazu vorhanden ist. Das Verhalten des Teiles des Zentrums, der von Herrn v. Guerard geführt wird, zeigt jedoch nur allzu deutlich, daß man dort nur das Schulgesetz im Auge gehabt hat und die gesamte Koalitions- Politik für nebensächlich, sogar für überflüssig hält, wenn dieser eine Wunsch nicht in Erfüllung geht. Das ist jedoch nicht Koalitionspolitik, sondern Diktatur innerhalb einer Koalition. Deshalb muß nun in diesen Tagon die Entscheidung darüber fallen, ob die der Lösung harrenden dringenden Aufgaben bewältigt werden können oder ob die Auflösung des Reichstages die notwendige Folge der parlamentarischen Lage sein muß. Die Deutsche Volkspartei ist bereit, im Sinne des Reichspräsidenten ihr Teil zur Losung der noch vorhandenen Aufgaben beizusteuern. Mindestens sollte der Etat noch unter Dach und Fach gebracht werden. ,, , „ r
Daß gewichtige Gründe wirtschaftlicher und außenpolitischer Ratur gegen einen Wahlkampf und Reuwahl des Reichstages in den Monaten Marz und April sprechen, sollte man auch rm Lager des Zentrums, wie bei den Deutschnationalen wissen und begreifen. Es stehen wirtschaftliche Kämpfe vor der Tür, deren Austragung für den Ausgang des Wahlkampfes bei den beiden anderen großen Koalitionsparteien eine verhängnisvolle Wirkung haben könnten. Aus diesem Grunde wäre dringend zu wünschen, daß in ihren Reihen ruhige Tieberlegung und De- sonnenheit die Oberhand über ehrgeizige tBe- strebungen einzelner Richtungen und Persönlichkeiten gewinnen, deren Hervortreten in jüngster Zeit manches Kopfschütteln verursacht hat.
Frankreich und die Wahlen.
„Was du nicht willst, daß man dir tu. . ."
Paris, 13. Febr. (TU.) Jacques Ba in vi Ile weist in der nationalistischen „Libertö auf die Auf- fassuna eines Teiles der französischen Oersentlichkeit hin, die m i t D o r l i e b c e i n e n E r f o l g d e r deutschen Linksparteien bei den bevorstehenden deiitsä-en Reichstagswahlen sehen mochte Es wäre unverständlich, daß man diesen Erfolg des Sozialismus in Deutschland wünsche, gleichzeitig aber in Frankreich selbst den Sozialismus als das größte Unglück beze'chnet habe. Was den französischen Finanzen schade, ,ck>ide auch den deutschen F i n a n z c n , und man könnte daher im Interesse der Regelmäßigkeit der Reparationszahlungen nur wünschen, datz in
Deutschland eine Mehrheit der Rechtsparteien zur Herrschaft gelange. Ohne eine derartige Mehrheit könnte auch Dr. Stresemann nicht am Ruder bleiben und Locarno wäre verloren. Man müsse eben wählen zwischen einem demokratischen, anarchischen und zahlungsunfähigen Deutschland, dessen Wirtschaft schwach und für Frankreich keine Gefahr bedeute, oder einem gut regierten, gut organisierten Deutschland, das aufblühe, aber in der Lage fei zu zahlen, damit allerdings in Kauf nehmen, daß ein derartiges Deutschland für Frankreich eine Gefahr bedeute. Im übrigen werde Präsident Hindenburg, dessen verfassungsmäßige und moralische Autorität in Deutschland sehr groß sei, Frankreich die Wahl erübrigen.
Oie Koalitionsbesprechungen.
Berlin, 13. Febr. (VDZ.) Am Monlagnachinil- tag um 4 Uhr trat der Interfraktionelle Ausschuß zu seiner mit Spannung erwarteten Sitzung zusammen, um die enlscheidenden Beratungen über das Schulgesetz und damit über die gesamte politische Lage vorzunehmen. An der Sitzung nahmen auch Bizekanzler h e r g t, Innenminister von fieubell und Staatssekretär Pünber teil. Die Besprechungen dauerten bis kurz vor 18 Ahr und erstreckten sich auf den gesamten Umfang der strittigen Fragen; sie konnten daher noch nicht zu Ende geführt werden. Sie werden am Dienstagvormittag um 10 Uhr wieder aufgenommen werden. Die heutige Besprechung erstreckte sich nur auf rein schulgesehliche jragen, ohne die politische Seite der parlamentarischen Lage, soweit sie sich auf die Koalilionvverhaltnisse bezieht, zu berühren. Die Parteien haben vereinbart, daß sie ihre Forderungen zu den verschiedenen Paragraphen des Schulgesetzes, bei denen sie nicht zufrtedengestellt find, auslauschen, damit die Forderungen dann gegeneinander abgewogen werden können. Dieser Auslausch dürste voraussichtlich noch hevte abend erfolgen, fo daß sich die morgen vormittag 10 lihr beginnende Sitzung des Interfraktionellen Ausschusses bereits mit dieser Liste der unerfüllten Wünsche beschäftigen kann. 3n unterrichteten Kreisen rechnet man bamlt,
dah die morgigen Verhandlungen, da sie sich auf den Gesamtkomplex der strittigen fragen erstrecken, ziemlich lange dauern werden, betont aber, daß außer diesem Austausch der Parteiforderungen 1 eine Veränderung der Lage nicht eingetreten ist.
Trotzdem werden bereits von der „Germania" und anderen Blättern diepolitischenFolgen erörtert, die sich aus einem Scheitern der Verhandlungen ergeben würden. Das Berliner Zentrumsorgan erklärt, daß das Scheitern des Schulgesetzes nur jur Folge haben könne, daß d i e Koalitionsgeipeinschaft unheilbar e r- schüttert ist. wenn nicht sofort ein Bruch der Koalition erfolgen, sondern diese als eine Zwangsgemeinschaft noch für gewisse Zeit weiterbe st e h e n sollte, so wäre dies nur dem Umstand zuzuschreiben, daß noch einige wichtige Rot - standsarbeiten erledigt werden müssen. Es handelt sich um den Etat und den Rachtragsetat, das Liquidationsschädengesetz und die Hilfe für die Landwirtschaft. Was das Strafgesetzbuch anbe'riffl, so werde nichts anderes übrig bleiben, als durch ein Ue b e r l e i - tungsgeseh die bereits geleistete Arbeit zu retten. Ein solches befristetes WeNerbestehen der Koalition komme jedoch nur bann in Frage, wenn die Verhandlungen über den Etat und Rachlragsetat beschleunigt werden. Es müßie eine Beschränkung der Arbeit auf das notwerdigste Blag erfo jen. Es würde bann mit einer Verabschiedung des Etat» und ber Tlachtragsetat» innerhalb vier Wochen gerechnet werben können, so baß die Wahlen in die erste Hälfte des 2Uai — man spricht ooin 13. 2R u 1 — fallen würben. Die Zentrumsabgeorbneten von G n 4 t a t b trab Skegerwaib haben gestern ben Reichskanzler Marx aufgesucht, um mit ihm bie Lage bnrchzufprechen. Sie haben den Reichskanzler von bet oben skizzierten Stellungnahme b»s Ien- trnms unterrichtet. Dr. Marx soll sich mit dem Vorschlag einverstanden erklärt nnb seine Bereitwilligkeit ausgesprochen haben unter der Voraussetzung, daß die anderen KoaliNonsparteien kel,'? Einwen- b tragen erheben, bem Reichspräsidenten In diesem Sinne seine Anträge zu stellen.
Die Diktatur der Parteien.
Wo bleibt die Regierung.
Parterendiktatttr und Parlamentskrisis.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Der litt, 14. Febr. Die augenblickliche parlamentarische Lage ist derart, dah die Zurückhaltung der Oeffentlichkeit gegenüber dem hier gebotenen Schauspiel eigentlich erstaunlich ist. Wir haben ein Parlament. Wir haben eine Re- gierungsloalition, und wir haben eine parlamentarische Koalitionsregierung, noch dazu eine recht starke. Aber was wir nicht hab en, ist eine Regierung, denn es läßt sich beim besten Willen nicht mehr behaupten, daß das Gremium von ansonsten zweifellos achtbaren und tüchtigen Männern, daS daS Reichskabinett darstellt, einen einheitlichen Willen und eine zielbewußte Führung eines 65-Millio- nenvolkes darstelle.
Das Schulgesetz in Ehren — es ist für wichtige Teile des Volkes zweifellos eine Haupt- und Kardinalfrage; aber schließlich ist die Erledigung irgend eines Gesetzes und sei es des wichtigsten und am heißesten ersehnten, noch lange nicht so wichtig wie das richtige und korrekte Funktionieren der Regierungsma- s ch i n e r i e und wie das Bewußtsein eines Volkes, das seine Geschicke mit Ruhe und Vertrauen in den Händen der Regierung lassen kann, die es sich gegeben hat. Schon daß diese Regierung notwendigerweise zur Zeit ihre besten Kräfte daraus verwenden muh, um seit Wochen in immer erneuten Verhandlungen die öffentliche Meinung zu beschwichtigen, Parteien mit der von Tag zu Tag veränderten Lage vertraut zu machen, sich untereinander zu neuen Besprechungen über das gleiche Thema zusammenzusehen usw. usw., muh notwendig die Volks- gesamtheit mit Besorgnis erfüllen. Liest man aber dann noch die Hauptblätter der beteiligten Koalitionsparteien, die sich gegeneinander in kaum noch durch Koalitionsrucksichten gemäßigten Worten in Kampfstellung befinden, und beobachtet man, wie bald dieser und jener parlamentarische Führer wegen seiner Haltung in dieser Frage verunglimpft wird, so muß man selbst als überzeugter Anhänger eures Schulgesetzes zu dem Eindruck kommen, daß es andere Mittel und Wege geben müßte, um
solche Fragen zu erledigen. .
Es scheint uns in der Tat em typisches Beispiel für die Ueberspannung der Parteiendiktatur vorzuliegen, ■ unter der die Minister mit ganz seltenen Ausnaymen zu reinen Sprachrohren ihrer Fraktionen werden und in immer höherem Maße die Selbständigkeit und die Selbstverantwortlich
keit einbüßen. Das aber ist nicht der Sinn eines parlamentarischen Systems; die Betrauung mit einem hohen verantwortlichen Amte entläßt den Beauftragten au5 der Pflicht zur unmittelbaren und fortlaufenden Rücksichtnahme auf die Wünsche seiner Partei und macht ihn dieser gegenüber nur insofern verantwortlich, als er nach Ablauf einer bestimmten ausreichenden Periode Rechenschaft abzulegen hat über das, was er angestrebt, getan und erreicht hat. Wenn der frühere badische StaatSprälident H e l l p a ch kürzlich in seiner neuesten Schrift „Politische Prognose für Deutschland" die Forderung der direkten Demokratie aufstellte, die unter Vermeidung der tödlichen Listenwahl das Parlament aus lebendigen und führenden Prsönlich- leiten zusammenstellen will, so ist das der Ausdruck von Empfindungen, die vielleicht nie stärker waren und nie berechtigter als angesichts der augenblicklichen Krisenerscheinung.
Der Rachtrageeiai.
Die Perfonalwünfchc der Ministerien.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 14. Febr. Mitten in der ärgsten Krisenstimmung fand gestern morgen eine Ka- binettssihung statt, in der man sich ruhig und als ob nichts geschehen wäre, mit Etatsfragen beschäftigte. Zur Diskussion stand der Rach- t r a g s e t a t von 1927, der schon im Dezember mit dem Ergänzungsetat für 1928, besonders was die Personaltitel betrifft, zusammengelegt wurde. Riemond weiß, wenn diese Etats vor den Reichstag kommen, aber trotzdem dürften die Auseinandersetzungen über diese Etats, die jetzt stattfinden. schon aus rein prinzipiellen Gründen die Oeffentlichkeit lebhaft interessieren. Wie wir aus gut unterrichteten parlamentarischen Kreisen hören, ist diesmal der Rachtragsetat für 1927 ganz ungewöhnlich hoch belastet. Man schätzt, soviel wir wissen, nach den jetzigen Aufstellungen allein seine sächlichen Ausgabeposten auf rund 600 Mill. Marl. Also wirklich eine sehr große Summe. Der heftigste Kampf innerhalb des Kabinetts und erst recht, wenn der Etat noch jetzt vor das Parlament kommen sollte, geht und wird gehen um die Wunsch- l i st e der verschiedenen Ministerien für den Personaletat. Besonders angesichts der seinerzeit vom Reichstag angenommenen Bestimmung. daß jede dritte Beamten- stelle, die frei wird, nicht mehr beseht werden soll, haben, wie man hört, manche oberste Reichsbehörden diesmal besonders weitgehende Personalanforderungen aufgestellt, die noch Anlaß zu schwierigen Verhandlungen werden müssen.
Unter den Pers onaltiteln sß-eint von ben verschiedenen Behörden alles nachgeholt werden zu sollen, was seinerzeit bei der Besoldungsreform nicht erreicht wurde. Höhereinstufungen und neue Stellen werden verlangt, obgleich für Planstellen nach dem Reichsbesoldungsgesetz jetzt überhaupt kein Platz ist, wenn nicht außergewöhnliä-e Umstände dazu zwingen sollten. Wie man hört, ist es innnerhalb der Reichsregierung bei diesen Kämpfen zu recht lebhaften Konflikten gekommen. Befonders haben sich anscheinend Reichsinnen- und Reichsarbeitsministerium gegen die Politik des Herrn Köhler gewandt, wobei sie sich auf frühere Zusagen berufen, die man ihnen hinsichtlich ihrer Personalanforderungen gemacht habe, die jetzt aber vom Finanzminister nicht eingehalten würden.
Weiter wurde in der Kabinettsfitzung auch die Einberufung ber vielerörterten sog. Achtzehner- ko m mif s i o n der Länderkoirferenz burchgespro- djen. Es tft nicht ganz klar ersichtlich, warum -eigentlich diese Angelegenheit: Benennung der Vertreter ber Reichsreglerung für bie Achtzehnerkommission und Festsetzung des Termins ihrer Einberufung jo gar nicht weiterkommen will. Man oewinnt immer mehr den Eindruck, daß das in dieser Frage wichtige Reichst nnenmini- ft e r i u m dabei nicht die wünschenswerte und notwendige Energie entwickelt.
Oie Bermindemng
der Oöerpofidirettionen.
Ein der großen Bcrwaltungsreform.
Berlin, 13. Febr. (WB.) Der Arbeitsausschuß des Berwaltungsrats der Deutschen R e i ch s p o st hat nach dreitägigen Derhandlunden! bem Voranschlag für 1928 zugestimmt. Er hat ferner bie Denkschrift über bieBermlnberung her Zahl der Dberpoftbiref Honen jur Kenntnis genommen, ohne dazu btnbenbe Beschluss«- zu faßen. Der Reichspostminifter erklärte hierbei, als die Absicht der Reichsregierung, die 21 uf- Hebung von Oberpostdirektionen nicht etwa für sich durckMführen, sondern als einen Teil der im Vollzüge ber L ä n d e r k o n s e re n z zu ergreifenden Verwaltungs- und Fi- nanzreform in Reich und Ländern. Die Reform der Oberpostdirektionen wird daher m engster Fühlung und im Gleichschritt mit den übrigen beteiligten Verwaltungen und den Regierungen der beteiligten Lasher burchgesührt werben. Die Denkschrift wird nunmehr bem Reichstag oorgelegt werden. Hierauf werden die Verhanbllmgcn mit den übrigen beteiligten Verwaltungen ausgenommen werden.
Sozialpolitik im Reichstag.
Die Sozialversicherung. — Das Schlichtungswesen.
Berlin, 13. Febr. (DDZ.) Die Einzelberatung des Haushalts des Arbeitsministeriums wird fortgesetzt beim Kapitel der Sozialversicherung. Der Ausschuß hat hierzu eine Reihe von Entschließungen eingebracht, in denen die Vorlage von Gesetzentwürfen gefordert wird zur Sicherung derEyi- stcnz der älteren Arbeiter und Angestellten, zur Erhöhung der Lohnpfändungsgrenze und zur Veseiti- gung der rechtlichen Benachteiligung der technischen Angestellten gegenüber anderen Angestellten in der Gewerb^odnuny. Ferner wird eine Verwaltungs- Vereinfachung m der Sozialversicherung verlangt.
Abg. Frau Schroeder (Soz.) weist daraus hin, daß die Arbeitnehmerschaft bei der Krankenkasse zwei Drittel, bei der Knappschaftsversicherung drei Fünftel der Beiträge auszubringen habe. So habe auch auf diesem Gebiet die schlecht bezahlte Arbeitnehmerschaft den größten Teil der Kriegslasten zum Wiederaufbau der Wirtschaft und Volksgesundheit übernommen. Die fortwährenden Klagen über zu starke Belastung kämen aber nicht aus diesen Kreisen, sondern aus denen der Unternehmer. Die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft sei aber abhängig von der Pflege der Gesundheit und Arbeits- traft de. Arbeitnehmerschaft. Darum dürfe die Sozialversicherung nicht abgebaut, sondern müsse weiter aus gebaut werden.
Abg. Brekelbaum (Dn.) fordert eine Verwaltungsreform bei der Sozialversicherung und weist auf die Innungskrankenkassen hin, deren Praxis vorbildlich sei.
Abg. Ziegler (Dem.) verlangt Rationalisierung der Sozialversicherungsverwaltung Die Selb st Verwaltung stehe nur auf dem Papier und werde durch die Aussichts- behörden der Länder immer mehr beschränkt und geradezu aufgehoben. DiS Behauptung, dah die Znnurgskrankenlassen am billigsten verwaltet werden, sei. ^urch die Statistik widerlegt. Auf eine Zerschlagung der Ortskrankenkassen würden sich die Demokraten nicht einlassen.
Abg. Leopold (Dn.) meint, seitdem im Reichsknappschaftsverein statt der Unternehmer der Bergarbeiterverband herrsche, werde von den Angestelltenverbänden bittere Klage über die dort herrschenden Verhältnisse geführt. Die Arbeitnehmerbeiträge seien unter diesem System von 1926 bis 27 so gestiegen, daß trotz zweifacher Lohnerhöhung der Reallohn heute geringer sei als früher. Die nachträgliche Kürzung der Renten der Dergbauangestellten sei


