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Amerika rüstet zum Empfang.

Große s-anuung in Neuhork. Die letzten Vorbereitungen.

Neuhork, 12. April. (WTD.) Der uner­wartete Abflug der^Bremen bildete heute auf allen Straßen und in allen Verkehrsmitteln fast das ausschließliche Gesprächs­thema der zur Arbeit eilenden Neuvorker Bevölkerung, wobei einmütig der Wnnscy und die Hoffnung geäußert wurde, daß der Flug erfolgreich ende. Schon beim Abflug der .Bre­men" nach Irland war das Interesse groß und hat sich in der Zwischenzeit noch gesteigert. Auf dem Flugplatz Mitchellfield begannen so­fort die umfassendsten Vorbereitungen für den Empfang der Flieger.

KriegSsekretär Dawes hat die Armeekorps­kommandeure in Nerchork, Boston und Phila­delphia angewiesen, den deutschen Fliegern jede nur mögliche Unterstützung zu gewäh- ven, wo immer dieBremen" landen wird. Der Kommandant des ersten Armeekorps, General­major Preston Brown, hat sämtlicheArmee- p ost en der Befestigungen in Neuengland an­gewiesen, nach der .Bremen" schärfsten Ausguck zu halten. Die Offiziere des Armee- Funkdienstes sind die Nacht hindurch für den Meldedienst tätig.

In Neuhork treffen die Stadtbehörden um­fangreiche Vorbereitungen für einen begeisterten Empfang der Bremen-Flieger. Bei dem offi­ziellen Empfang in der Stadthalle morgen mittag wird eine riesige Menschenmenge die Flieger begrüßen. Die Armee-Flieger in Mitchellfield äußern sich zuversichllich über das Gelingen des Fluges. Die ganze Besatzung des Flugfeldes wird zur Aufrechterhaltung der Ordnung bei der Landung aufgeboten werden. Der Komman­dant von Mitchellfield, Major Neunolds, erllärte, daß er die Bremen-Flieger einlade, in seinem Heim zu wohnen.

Botschafter Echunnan zum (Start derBremen".

Berlin, 12. April. (WB.) Der Botschafter der Bereinigten Staaten, Jakob Gould Shurman, gibt den Transozeanfliegern folgenden G e l e i t s p r u ch mit auf den Weg:Von ganzem Herzen hoffe ich, daß das Unternehmen der tapferen und wagemutigen Flieger Hauptmann Köhl und seiner Begleiter auf derBremen" durch die Gunst der Elemente und des Geschickes gefördert werden möge, und daß sie glücklich in A m e r i k a eintreffen, wo meine Landsleute bereits sich rüsten, ihnen einen ihrer würdigen, herzlichen Empfang zu bereiten."

Die Koalitionspolitik des Zentrums.

Ohne Bindungen nach rechts oder links.

Berlin, 12. April. (WTB.) Der Reichspartei- ausschuß der Deutschen Zentrumspartei trat heute vormittag im Sitzungssaal des preußischen Land­tages zusammen. Die Sitzung wurde eröffnet mit einer Ansprache des Parteivorsitzenden Dr. War-, der einen Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit der Zentrumsfraktion des Reichstages erstattete. 11. a. wieS Mar? darauf hin, daß das 3entrum feit Weimar ununterbrochen in der Verantwortung gestanden habe. Besonders beschäftigte sich Marx auch mit der Koalition des letzten Jahres im Reiche, wobei er betonte, daß es ein bedeutender Fortschritt auf dem . Wege der Sicherung der Republik war, daß die Deutschnationalen sich genötigt gesehen l hätten, die von der Zcntrumspartei entworfenen Richtlinien als Richtschnur für die Politik F der Koalition anzuerkennen. Hinsichtlich der künftigen Koalition nach den Wahlen er­klärte Marx, daß das Zentrum ohne jede Bindung nach rechts und nach links in die kommenden Wahlen gehe. Wir werden, so sagte er, unsere Kräfte auch später toieber für die Regierung zur Verfügung stellen, wenn nicht unvorhergesehene Gründe grundsätzlicher Natur entgegenstehen und werden mit allen Par - - t e i e n zusammenzugehen bereit sein, die mit uns für das Wohl des Staates und des Volkes einzutreten bereit sind. Dr. Marr machte dann dem Parteivorstand offizielle Mitteilungen von der fertiggestellten Reichsliste für die kom­mende Wahl. Diese hat insofern eine Aenderung erfahren, als an vierter Stelle, für die vom Parteivorstand der Abg. H er old nominiert war, der schlesische Abg. Dr. Perlitius tritt. Der von einer vom Parteiausschuß eingesetzten Kommission nochmals überprüfte Wahlaufruf wird Ende der Woche veröffentlicht werden

Die Gefangenenbefreiung in Moabit.

Keine Spur von den geflüchteten Kommunisten.

Berlin, 12. April. Der Untersuchungsrichter beim Reichsgericht, Landgerichtsdirektor Vogt, hat gegen die Stenotypistin Olga Benario, unter deren Mithilfe Braun befreit wurde, Haftbefehl erlassen. Da Braun Unter- suchungSgesa n gener war, besteht gegen ihn nach wie vor Haftbefehl. Von Braun und seinen Kom­plizen fehlt vorläufig nock jede Spur. Zahlreiche Beamte der politischen Abteilung des Polizei­präsidiums waren die ganze Nacht hindurch unterwegs, um Nachforschungen durchzuführen. Es besteht durchaus die Möglichkeit, daß Braun und die Olga Benario sowie ihre Komplizen sich nicht mehr in Berlin auf Gülten, vielmehr versuchen werden, mit falschen Pässen zu entkommen.

Im Berliner Kriminalgericht fand heute vor­mittag unter dem Vorsitz des Landgerichts- Präsidenten eine Konferenz der Spitzen der Ber­liner Gerichtsbehörden statt, die der Aende­rung des Reglements für Unter- suchungsgesangene galt. Einmütig war man der Ansicht, daß der bisherige Zu­stand nicht weiter anbauern dürfe. Vor­läufig wird man sich mit einer Zwischenlösung behelfen, die den bisherigen Zustand erheblich verbessert Man wird nämlich die Gänge, die von den Zimmern der Untersuchungsrichter zu den anderen Gänaen führen, mit Eisen­gittern abschl keßen. Vor jedes Eisen­gitter, das automatisch verfchliestbar sein soll, wird man zum Zweck der Kontrolle einen Iustiz- wachtmeisterposten einrichten. Die nötigen Bau- arbeiten sollen sofort in Angriff genomm-n werden.

Gtresemann im Wahlkampf.

Oer Außenminister spricht in Kassel.

Kassel. 12. April. (WSA.) Innerhalb des am 12. und 13. April in Kassel ftatthnbenben Parteitages der Deutschen Vottspartei für den Wahlkreis Hessen-Nassau eröffnete Reichsausten- mintster Dr. Gtresemann in einer öffentlichen Wahlversammlung in der Stadthalle den Wahl- kainpf mit einer großangelegten Rede. Er führte u. a. folgendes aus: Der frühere volksparteiliche' Abgeordnete dieses Wahlkreises, Herr Hepp, hat sein Ausscheiden aus der Deutschen Dolls- partei mit seinem Gegensätze zur Wirtschafts­politik der Partei begründet. Folgerichtig mühte Herr Hepp auch allen andern Partelien der Regierungskoalitwn den Kamps ansagen. An dieser PÄitik der Reichsregierung waren alle Parteien beteiligt, die in ihr vereinigt sind. Wir haben bei dem deutsch-französischen Wirt­schaftsvertrag und dem deutsch-griechischen Ver­trag genau dieselben Richtlinien verfolgt, unter denen die Verhandlungen mit Polen geführt werden. In diesen Fragen bestand im Kabinett Einigkeit. Um so seltsamer ist es, daß die Kritik sich immer wieder an bet Wirtschafts­politik des Reichswirtschaftsministers oder des Reichsaußenministers vergreisen will.

Wir alle sind uns der schwierigen Lage der Landwirtschaft bewußt, und haben daraus die gebotene Rücksicht genommen. Die Erhaltung der Bauernfrf)aft und des für die Ernährung der Städte unerläßlichen Grundbesitzes ist eine Frage, in der es keine Parleiunterfchiede geben sollte. Die landwirtschaftliche Frage ist aber nicht nur eine Frage des Zollschuhes, sondern auch eine Frage der inneren Organisation zur beste, reu Befriedigung des heimischen Bedarfs. So, wie in der Gesamtwirtschaft leider der indivi­duelle Betrieb den Konzernen hat weichen müs­sen, so kann er sich auch in der Landwirtschaft nicht aufrecht erhalten, wenn wir nicht gegen­über dem Wettbewerb der ausländischen fion- zernwirtschast erliegen wollen.

Hur Innenpolitik übergetyenb, führte der Reichs­außenminister aus: Das Scheitern desSchul­gesetzes war zugleich das Scheitern der Koalition. Mancher sucht die Schuld der Deutschen Volkspartei aufzubürden. Es ist geradezu grotesk, Herrn Dr. Scholz, der, wie kein anderer, feit Jahren für eine bürgerliche Koalition gewirkt hat, als denjenigen bin« zustcllen, der mutwillig dieser Koalition den Scheide« or,ef gegeben hätte. Der Hauptgegenstand der Schul­frage war der Kampf um die Erhaltung der Simultanschule. Ader man hat seitens des Zentrums und der Deutfchnationalen eine Lö­sung überhaupt nidjt abgewartet, da man in der Frage der Simultanichule nicht einmal diejenige Fas­sung akzeptieren wollte, die im Kabinett von den beiden volksparteilichen Ministern vertreten wurde, und die sich vollkommen deckt mit dem Reichsschul- gefetzentwurf des Kabinetts Fehrenbach, nämlich die Erhaltung der Simultanschule in ihren hi- storifchenGebieten bis zu dem Zeitpunkt, wo die Länder selb st ihre Auslösung beschließen. Wenn die Weltanschauung des Zentrums ihm ge­statteten, diese Fassung in dem einstigen Reichsschul- gesetzentwurf zu ertragen, so ist nicht zu verstehen, worum diejenigen Kulturkämvfer fein sollen, die heute für eine Bestimmung eintreten, die vor we­nigen Jahren dem Zentrum annehmbar erschien.

Wir haben mit kulluckämpsecischen Neigungen nichts zu tun. 3d) habe stets an das Wort Bassermanns gedacht, daß her Kulturkampf der größte Jebler der Bismarckschen Politik und des Liberalismus gewesen sei, und danach meine Einstellung gebildet.

Die heutige Situation läßt irgendwelche Vor­aussagen für künftige Koalitionen nicht mit Sicherheit zu. Nicht der Wahlausfall entscheidet über die künftige Regierung, sondern die Per­sönlichkeiten, die die Aktionen führen. Die Deutschnationalen scheinen sich auf eine künftige Oppositionsstellung einzurichten. Die Deutschnationale Korrespondenz erklärt plötzlich, daß die Arbeit dieser bürgerlichen Regierung eine Enttäuschung nach der andern gezeigt habe, während bisher diese Arbeit gerade von den Deutfchnationalen gelobt wurde. Die Aufstellung von Männern rechtsradikaler Richtungen zeigt die Zunahme des Radikalismus in der Partei, die sie aber nicht einmal davor schützt, von den Konservativen abgeschüttelt zu werden. Der Deutschen Volkspartei hat ihre Mitarbeit an der Regierung gegenüber den Wahlen von 1920 zunächst schwere Verluste ge­bracht. Trotzdem ist sie immer den einzig rich­tigen Weg gegangen. Auf Popularitätshascherei kann auf die Dauer keine Partei aufgebaut werden. Wir haben so wichtige wirtschaftliche, soziale und ganz große außenpolitische Fragen zu losen, daß die rein politischen inneren Fragen demgegenüber in den Hintergrund treten sollen und müssen.

Der Streif um die Slaalssorm muß au» dem politischen Leben ausscheidea. Wir werden ar­beiten am republikanischen Deutschland und im republikanischen Deutschland. Die Republik ist so gefestigt, daß e» ihr nur zum Schaden ge­reichen kann, wenn ihre allzu eifrigen Ver­fechter vor jeder jridericurmarke erschrecken.

Die Welt der Nachkriegszeit hat un5 von der Zeit der Volksbeauftragten über daS konsti- tutionelle Deutschland zum Wiederaufbau in der Gegenwart geführt. Die Deutsche Volkspartei hat dabei nicht versagt, sondern hat unendlich viel dazu beigetragen. Nach einer Darstellung der außenpolitischen Entwicklung betonte der Redner zum Schluß: Die Aufgabe der Deutschen Volkspartei ist Dienst am Staate. Wir wissen, daß wir allein die großen Aufgaben nicht lösen können, vor denen wir stehen. In Zeiten, wie den heutigen, kann man Programme für eine Regierung nicht wie Parteiprogramme mit einem Endziel oder Ideal aufstellen, sondern muh sich freuen, wenn eine möglichst trag­fähige Majorität für die Hauptlinien der Politik in der Gemeinschaft vorhanden ist. Dabei soll man von den parteipolitischen Spielen mit dem Wortenational absehen. sondern allein die Möglichkeit fruchtbringender ge­meinsamer Arbeit inS Auge fassen. Der Minister schloß mit den Worten: Ich möchte wünschen, daß die Wahlen so auSsehen, daß eine festgefügte Mehrheit sich findet zu einem Programm, das unS vor Rückschlägen bewahrt und uns auf dem dornenvollen Wege zu einer besseren Zukunft und Freiheit führt.

Ist Gefangenenbefreiung strafbar?

Don unserer Berliner Redaktion.

Berlin, 12. April. Die Gefangenenbefreiung im Moabiter Amtsgericht gibt Anlaß zu der Frage, inwieweit die ©efangenenbefrehmg straf­rechtliche Folgen hat. Die strafrechtliche Seite der in Deutschland im allgemeinen seltenen Art von Oefangenertbefreiung unterscheidet Gefan­genenbefreiung und Gefangenenselbstbefreiung. Letztere ist nicht strafbar, die Gefangenenbefrei­ung durch dritte ist es jedoch. Der Gedanke, der den Gesetzgeber bei dieser Regelung geleitet hat, ist der: Der Freiheitsdrang des Menschen ist so groß, daß er durch keinerlei Strafen unter­drückt werden kann. Aufgabe des Staates ist es, selbst auf die Gefangenen zu achten. Erfüllt er diese Pflicht nicht, so soll der Gefangene für eine menschlich verständliche Tat nicht erneut be­straft werden. Sine zweite Frage ist es jedoch, inwieweit sich der Gefangene nicht anderer Delikte bei seiner Gefangenenbesreiung straf­bar^ n?acht. Würde er beispielsweise seinen Wächter.Niederschlagen, so würde er je nach dem Tatbestand, wegen schwerer Körper­verletzung oder Mordes zu verurteilen fein. Bei Ausbruch aus dem Gefängnis dürfte meistens Sach b e schädigung vorliegen, die jedoch nur geringfügiger Natur sein und dementsprechend nur milde bestraft wird. Der Gefangene, der einen Befreiungsversuch gemacht hat, kann jedoch ohne weiteres disziplinarisch bestraft werden, indem ihm alle Vergünstigungen ent­zogen werden Auch wird bann in den meisten Fällen sofort die Strafhaft verschärft.

Die Gefangenenbefreiung durch dritte Personen ist als selbständiges Delikt straf­bar, ebenso die Beihilfe and Mittäterschaft dazu. Der Gefangene selbst jedoch, der befreit werden soll, kann niemals wegen Beihilfe zu dem Delikt des dritten bestraft werden. Denn, ist schon die Gefangenenselbstbefreiung strafbar, so kann man sich nicht einer minderen Form der Gefangenenbefreiung, wenn es sich um die eigene Person handelt, strafbar machen. Im Falle bet Befreiung des Kommunistenführers Braun kommt für diesen selbst also feine Straferhöhung in Frage. Das Strafmaß, mit dem die Befreier bedacht werden sollen, läßt sich in seiner Höhe freilich nicht eher an geben als bis diese alle ermittelt sind und der Tat­bestand restlos geklärt ist.

Die Donez-Affäre.

Ter Prozeß gegen die deutschen Zugenleure. DieSpezialisten".

Eigene Drahtmeldung des .Gießener Anzeigers".

Berlin, 13. April Den verhafteten brutschen Ingenieuren, die sich jetzt in Moskau befinden, ist die Anklageschrift ausgehändigt rvor- ben. Was sie enthält, wird allerdings nicht verraten, mie es ja auch den Verhafteten uirmögttch gemacht nwro, den Beamten der deutschen Botschaft, die sie

jetzt in kürzeren Abständen besuchen dürfen, irgend- welche nennenswerten Mitteilungen über die An­klage zu», machen. Dafür hat die höchste pariamen- tarische Instanz der Sowjetunion, bas Bereinigte Plenum des Zentralkomitees und der Zen- tralkontrollkommissian der Kommunistischen Partei, sich mit der sogenannten Donez - Affäre beschäf­tigt und in einer Resolutton die alten Klagen über eine im Donezgebiet bestehende gegenrevolu­tionäre Bewegung wieder ausgewärmt. Wirklich Neues enthält diese Resolution nicht. Merk­würdigerweise wird in ihr aber gar nicht auf die deutschen Ingenieure Bezug genommen, man spricht nur allgemein von den Spezialisten, verlangt die Heranbildung zuverlässiger roter Ingenieure und chünscht sogar die Betätigung ausländischer Spezia­listen. Beinahe sieht es so aus, als versuchte man von höchster Stelle aus wieder abzu wiegeln und den Kampf gegen die Fachleute abzublas en, nachdem man sich überzeugt hat, daß man auf ihre Mitwirkung nicht verzichten f<um und daß bei dem Prozeß in Moskau doch nichts herausspringen wird. Das Gesicht soll aber gewahrt werden, der Prozeß findet statt. Allerdings nicht in den nächsten Tagen, sondern erst Mitte Mai. Angeblich will es das russische Strafgesetzbuch so, in Wirklichkeit hofft mau aber, daß sich die künstliche Erregung gegen die Ingenieure wieder verlaufen wird, so daß man zu einem Urteil kommen kann, durch das die deutsch-russischen Wirtzschaftsbeziehu-n- gen nicht aufs Spiel gesetzt werden.

Der Reichöelterntag zum Schulgesetz.

Magdeburg, 12. April. (WTB.) Aus dem hier tagenden 6. Evangelischen Reichseltern- f a g wurde eine Entschließung angenommen, in der zur Schulfrage das Bedauern ausgesprochen wird, daß das im Reichstag oorgelegte Reichsschulgesetz nicht verabschiedet wurde, und in dem es weiter heißt: Wir bekennen uns unbeirrt zur evange­lischen Schule und verlangen nach wie vor ihre Sicherung durch ein Reichsschulgeseh. Wir fordern die ganze evangelische Elternschaft auf, bei den bevorstehenden Reichstagswahlen nur solche Parteien und Kandidaten zu wühlen, die glaubhaft erklären, bei Einbringung des neuen unerläßlichen Reichsschulgeseßes für die eoanyelischen Schulforde­rungen eintreten zu wollen. Zu gleicher Zeit mit dem Reichsellerntag waren über 100 evange­lische Lehrer und Lehrerinnen aus ganz Deutschland zu einer Besprechung über den Zusam­menschluß der evangelischen Lehrerschaft zur Wah­rung der evangelischen Schule zusammengekommen.

Gastwirt Kaslatter vom römischen Gondergericht freigesprochen Rom, 12. April. lTU.) Das Sondergericht zum Schutz des Staates hat in dem Prozeß gegen den Südtirvlex Gastwirt K a s l a 11 e r auf Freispruch erkannt. Der Staatsanwalt hatte fünf Jahre Gefängnis beantragt Der Freispruch tvird mit Mangel an Beweisen begründet. Kaslatter stand bekanntlich unter der Anklage, Druckschriften verbotenen Inhalts verbreitet #n haben Ob KaSllrtter bereits

freigelassen ist. konnte noch nicht festgestellt wer­den. Die hiesige Presse verschweigt den Prozeß.

Verhaftung an der Tiroler Grenze.

Wien, 12. April. (WB.) Zu einer Meldung fr*?Innsbrucker Nachrichten", wonach in der K .-Loche der Postmeister Girstmair auS Ma- trei, der Verwandte über die Grenz« nach Welsberg begleiten wollte, von den italienischen Gcenzbehvrden verhaftet worden sei, erfährt die amlliche Nachrichten­stelle von zuständiger Seite in Innsbruck, daß Girstmair eine Verwandte, die im Herbst unter Umgehung der Patzvorschriften nach Tirol ge­reist "toar, heimlich über d i e Grenze xurüdbr.ingen wollte und deshalb wegen Mithilfe in Haft genommen worden ist.

Weitere Ausdehnung der Unruhen in Venezuela?

London. 11. April. (TU.) Wie aus San Jose de Eucuta im Staate Eolumbia gemeldet wird, herrscht in Caracas, der Hauptstadt von Venezuela, nach den revolutionären Un­ruhen vom vergangenen Samstag, nunmehr w i e- der völlige Ruhe, doch surchk?t man, daß sich die Bewegung auf die Provinzen ausdchnen könnte. Regierungstreue Truppen werden m Be­reitschaft gehalten, um nötigenfalls für Ordnung und Sicherheit zu sorgen. Genaue Ein­zelheiten über die Borgänge vom vergangenen Eainstag waren nicht zu erhalten, da von der Regierung eine strenge Ueberwachuna der Presse ausgeübt wird. Die Verluste aut beiden Seiten sollen jedoch sehr groß sein. Auch in Washington werden die Nachrichten über die inneren Unruhen in Venezuela mit einiger Be­sorgnis auf genommen. Sollte sich die Bewegung von Caracas auch auf das Land erstrecken, fv ist damit zu rechnen, daß die britische Re­gierung die nötigen Schritte ergreifen wird, um den ausgedehnten britischen Oelinter- essen genügenden Schutz zu gewähren, doch be­steht die Möglichkeit, daß di« Bereinigten Staa­ten auf Grund der Monrr^-Dvktrin Einspruch erheben werden.

Kleine politische Nachrichten.

Dem Hamburger Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Kießelbach ist vom Deutschen Industrie- und Handelstag ein Ehrenhonorar von 500000 Mark zugesprochen worden. Dr. Kießelbach war bekanntlich an den Verhand­lungen um die Freigabe des in Amercka beschlagnahmten deutschen Eigen­tums maßgebend beteiligt. An der Summe des Ehrenhonorars beteiligen sich die Schiffahrts­gesellschaften mit 200 000 Mark, die Industrie mit ebenfalls 200 000 Mark und die Banken und Versicherungsgesellschaften mit je 50 000 Mark

Neben König Aman Ullab von Afghani­stan ist auch oessen Schwester, die Prin­zessin Nur Es Serahi in der Klinik des Pro- sossors Dr. v. Eicken unter Assistenz des Chirurgen Dr. Fricke an den Mandeln vpe - y e r t worden. DaS Befinden der beiden Pa­tienten ist gut. Ihre vollkommene Genesung wird voraussichtlich etwa zehn Tage in Anspruch nehmen.

Der deutsche Botschafter S t h a m « r und Frau begaben sich auf Einladung des eng­lischen Königspaares nach Schloß Windsor, wo fk bis Freitag verbleiben Werdern

Sie Wetterlage.

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Wettervo raussage.

Mitteleuropa liegt in einer Furche tiefen Drucks, in der Druckstörungen sich östlich nach Rußland wei terbewegen. Heute morgen lag eine flache Druck störung über Westdeutschland und Holland, die bfr reite wieder zu stärkerer Bewölkung und Nieder schlagen führte. Wenn auch das Hochdruckgebiet über Skandinavien sich weiter gekräftigt und füb roärts ausgebreitet hat, so ist bei uns zunächst noch mit unbeständigem Wetter zu rechnen, denn die Reihe der Störungen ist noch nicht abgeschlossen.

Wettervoraussage für Samstag: Wechselnd wolkig mit Aufklaren, kühl, nur vereinzelt noch Niederschläge.

Witterungsaussichten sürSonntag: Bei schwankenden Temperaturen zeitweise ftärfer bewölkt mit Neigung zu Niederschlägen.

lagestemperaiuren am 12. April: mittags 12,7 Grad Celsius, abends 7,8 Grad Celsius! am 13. April: morgens 7,3 Grad Celsius. Maximum 13 Grad Cel­sius, Minimum 5,2 Grad Celsius. Erdtempera­turen in 10 Zentimeter Tiefe nm 12. April: abends 11,t Grad Celsius: am 13. April, morgens 8,8 Grad Celsius. Niederschläge: 2,8 Millimeter. Sonnen- schetndauer: S Stunde