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178. Jahrgang
5rettag, |5. Januar |‘)28
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2 Reich»»<ua und 20 Beidtepfenetg ftr Tragen lohn, auch bet 5hd)ter» ld)e tnen einjeiner9himment infolge höherer (Bemalt Iernsprechans chlüsse: 51, 54 und 112.
l*|d)rtft ftr Drahlnach- richten Anzeiger Gieße», poßlchecklonlo:
granflnrt am Main 11636.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
Dntd Hnö Derlafl: vrühl'sche Untrerhtäts-Bncb- und Sfrtnöniderel R. fange In Gießen. Sdfriftlcitung und Geschäftrtzele: 5-nlitraße T.
InO« Anzetaen fir btze lagetnummtr bts zn» RachmMog vorher.
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Dr. Fnedr TDilb. Lange. BerantetorUid) fir Vohtiit Dr Fr TDilb Lana«, fir Feuilleton Dr H Ihyriol; für den übrigen Teil Ernst BlRNtschein, ftr den In» zeigenteil JUrt AiOwtann, sämtlich in (Bietzen.
Die Etatsberatungen im Haushalisausschuß.
‘Berlin, 13.3an (DDZ.) Im HauShalts- au-fchuß deS Reichstag-, der den neuen Reichs- lhauShaltSvoranfchlag berät, sprach zunächst
KeichSjustizministef Dr. Hergt
über das Problem der Verreichlichung der Justiz. Im Vordergrund ständen für manche Ä reife allgemcinpolitifche und unitaritac ®k- fichl-punkic Derstärkuna der Hoheit-rechte deS Reich» auf Kosten der Länder Zu dieser politi- scheu Stage wolle er sich heute nicht äußern. ör perfönlich mache sich solche (Dehanfengänge nicht ?u eigen. Ändere stellen die Fragen de- Rechts elbst in den Vordergrund Man denke babei an die Verschiedenartigkeit der AuS - führungsgefetze in den deutschen Ländern, der Ausbildung der Juristen, der Handhabung der Strafverfolgung durch die StaatSanwaltfchafl, de- Begnadigungsrecht- der Länder ufw. lÖeiter fiele auch der Gedanke der Rationalisierung ;n» Gewicht. Gewiß könnten die Länder selbst innerhalb Ihre- Bereiche- eine Art Rationalisierung, d. h. Vereinfachung und Verbilligung der Justizverwaltung, herbei führen. wenn hier die Verreichlichung der Justiz verlangt wird, so erwarte! man gerade von der zentralen Stelle besondere Ergebnisse durch Zusammenlegung von Gerichten und dergleichen
heule sei die brennendste Jrage ba» Interesse von solchen Ländern, die notleidend und sInan , schwach seien, denen man zu Helsen gedenke durch 'Abtretung einer Teil- Hoheit der Länder an da» Reich aus dem Gebiete, auf dem gerade da» Deslzlt in die Erscheinung trete. Bekanntlich weise jede 3ufllj- oerivaltunq in den deutschen Ländern ein Defizit aus. Vie Frage selbst aber sei eine gani hochpolitische, deshalb werde sich mit ihr auch die Ministerpräsidenlenkonserenz In Berlin am 16. und 17. Januar zu beschäftigen haben.
Der Reichekanzler habe in München schon zum Aus» druck gebracht, das; man an die Frage: Vermal» tung-reform von '.Reid) und Landern, nicht ein» jfitifl oun Reich» wgen Herangehen könne. (Er für feine Person mache sich diesen Standpunkt de» Herrn Reich»kanzlers aus vollster Ueberzengung zu eigen. Heute könne er hier als Reichsjustizminister den Fragen unmöglich oorgreifen. Die Frage, den Jnstanzenzug zu verringern ufw. verfolgt dic Reichsjustizoerwaltung mit größter Aufmerksamkeit.
Der Minister ging bann auf bi« Frage ber einheitlichen Ausbildung der Juristen ein. Dor einigen Jahren fei bereit- ber Versuch einer Vereinheitlichung ber juristischen Vorbildung im Deutschen Reiche gemach! worben. Die Länber seien baten stark interessiert Ferner fei die Freizügigkeit der Rechtsanwälte gefordert worben. Auch hier ständen die Länder einer Aenberung vielfach ablcbncnb gegenüber. 'Auch die Auflassung in der Anwaltschaft selbst sei durchaus geteilt. Der Gesetzentwurf über die unehelichen Kinder liege im "Reich-rat. Töcnn die Vorlage dort bisher nicht erledigt sei, so habe doch da- Justizministerium sein Möglichste- getan. Mas die Zivilprozeßreform anlange, so werbe der auf Grund ber Arbeiten einer besonderen Äommiflion auszuslellende Entwurf nach Fertigstellung der Oesfentlichkeit unterbreitet werden.
Eine erhebliche Tätigkeit mache sich auf dem Gebiet de» internationalen Recht» bemerkbar.
Gegenwärtig tage die Konferenz im Haag über Fragen be- internationalen Privatrechts. Er glaube gezeigt zu haben, wie stark fein Reff ort in der Arbeit begriffen sei. Or hoffe, daß diese Arbeit auf allen Gebieten im Laufe deS IahreS ersolgreich fein werde.
Abg. Dr. Kahl (D. V.) erbebt die dringende Warnung, nicht alle gesetzgeberisch wünschenswerten Ausgaben mit drängender Eile auf einmal im Reichstage in Angriff nehmen tu wollen. Dor lauter Hast blieben die alten Vorlagen liegen. Der „liebergang der Iustizhoheit von den Sandern auf das Reich" fei eine Frage, die nicht isoliert gelöst werden könne. Die Emminger-Verordnung habe sich belfer bewährt als auch er erwarte! habe. Denn noch heute von einer ausgesprochenen Klassenjustiz gesprochen werbe, fo sei das eine objektive Unwahrheit.
Abg. Haas (Dem) sühn auö, wie die bayerische Justiz, meße auch das Reichsgericht mit zweierlei Mast, das zeige die Freisprechung von Claß und das scharfe Verhalten gegen Kommunisten. Seine Fraktion beantrage einen Gesetzentwurf betreffend Freizügigkeit der Rechtsanwälte
Reichsjustizminister Hergt^ Der Abg. Dr. Haas hat gegen das Reich-geeicht den Dor- Wurf erhoben, datz es mit zweierlei Maß messe. "Dir wenden unZ gegen eine Generalisierung solcher Einzelsällc. Der OberrcichSanwalt fällt die ihm Obliegenheit Entscheidungen unter eigener Verantwortung. Das schließt nicht aus. daß das Reichsjustizminifteriunt sich bei gegebenem Anlaß mit ihm in Verbindung setzt. Im FaN Iacubowski sei erwiesen daß die Prefse- mittcilungen über ein Geständnis der Großmutter des ermordeten Kindes erfunden gewesen seien. Das habe die mecklenburgische Regierung festgestellt.
Oie Aussichten des Veichsschulgesehes.
Oer Kampf zwischen Zentrum und Bolkspartei um Schulaufsicht und Gimultanschule.
Eigen« Drahtmeldung de» „Gießener Anzeiger»'.
Berlin. 13. Jan. Die heul« verbreitete Meldung, wonach eS zwischen dem Vorsitzenden und den Sachverständigen der Regierungsparteien gestern zu einer Verständigung über die Paragraphen 14 bis 19 deS RetchSfchul- gefetz ent würfe- gekonrmen ist, wird mancherfeitS dahin glossiert, daß hier dieDeutscheVolk-- Partei einen Hmfali vollzogen habe Demi die Bestimmung deS Paragraph 16, wonach da- Recht der Einsichtnahme in den Reit- gionSunterricht nicht dem Onsgeistl.chen al- solchem übertragen werden darf, bedeutet in der PraziS. daß die alte geistliche OrtSaus- frcht über di« Schule wiederhergestellt werde.
Wir glauben zu wissen, daß bitf« Interpretation durchaus unzutress end ist. Wenn der Wortlaut in feiner gegenwärtigen Fassung zu emer solchen Auslassung Anlaß geben könnte, so wird bei der endgültigen Deratuna deS Gesetzes, mit der sich ja auch der Reichstag selbst eingehend zu befassen haben wird, für eine eindeutigere Fassung Sorge zu tragen fein. Die Abficht der umstrittenen Worte ..al- solchem" ist jedenfalls keineswegs von volkSpart-eilicher Seite die, daß dadurch der O r t S-g e i st l i ch e als Vertreter der geistlichen Obrigkeit die Aufsicht auSüben fall, sondern vielmehr das direkte Gegenteil davon: dec Ort-geistliche soll diese Befugnis nicht haben. er soll sie jedoch in A u S n ah in e s ä 11 e n, wenn der allein hierzu befugte höhere Kirchenbeamte. also z. Z. der Bischof oder der Domkapitular krankheitshalber oder aus anderen Gründen an einer angesehten Inspektion verhindert ist. ihn ausnahmsweise vertreten dürfen. Da- geht au- dem neuen Absatz 2 de- § 16 auch deutlich hervor, der besagt, daß die Religionsgemeinschaften und ihre Vertreter gegenüber den Religionslehrern keine Befugnis der Dien st aufficht haben. GS ist aber durchaus wünschenswert daß die vorerwähnten Einwände tn der Oessentlichkeit letzt schon gemacht werden, weil sw eine Handhabe dafür bieten, den bei dem Kompromiß zugrunde liegenden Willen demnächst in klarererFor- m u I i c r u n g zum Ausdruck zu bringen. 3m weiteren Verlaus der Beratungen soll deshalb noch sestaestellt werden, daß nicht durch ^luy- führungSbestimmungen der Länder aus den Worten .alS solchen" die frühere geistliche OrtS- schulaufficht aus 11 m to c g c n wieder ein» geführt wird. Ferner wird betont, daß die Koftensrage nach dieser Regelung deS § 16 gleich Rull fei. da die Einsichtnahme eine Angelegenheit der Kirche ist.
3m Gegensatz zu dieser Beurteilung des § 16 sieht man in beteiligten volk-parteilichen Kreisen die Au-fichten des § 20 tGimultanschul» länber) sehr pessimistisch an. nachdem die Parteien bei den Beratungen erklärt haben, daß sie nicht in der Lage seien, einem Kompromiß zuzustimmen. Der § 20 wird wahrscheinlich in der nächsten Woche zur Beratung stehen. Die einzige Möglichkeit, ihn durchzubringen, wird darin gesehen, daß die Sozialdemokratie entsprechend ihren Kieler Gchulbeschlüffen f ü r den volksparteilichen Standpunkt stimm t. der die bisherigen Simultanschulländer dauernd von der Reuregelung entnehmen will. Unsicher würde aber auch in diesem Falle die Haltung deS Zentrum- fein, fo daß jeden'alfS im Augenblick trotz des Kompro» miffeS über den § 16 die Au-fichten de- Schul- gefetzes noch immer außerordentlich zweifelhaft sind.
Die Haltung des Zentrums.
Berlin. 13. 3an. (Priv.-Tel.) lieber die Haltung deS Zentrum- in der Frage deS innerhalb der Regierungskoalition noch heiß umstrittenen 8 20 des Reichs'chulgeseNeS schreib! die .Germania" unter anderem: ES ist für da- Zcntrum ganz untragbar, auf eine Sicherung der Simultanfchule unter dauerndem Au-fchluß der konfessionellen Schule einzugehen. W.r verhehlen uns gar nicht, daß gerade wegen dieses Punktes die Lage ernst ist und leicht zu politischen Verwicklungen führen kann. Wir erwarten de-halb. daß eine befriedigende Klärung v o r der zweiten Lesung gesucht wird und auch zustande kommt Unerträglichen Beschlüsfen durch eine unhomogene Mehrheit würde sich da- Zentrum nicht aussetzen
können. Da- gleiche trifft für den § 14 zu. der von den Lehrmitteln für den Religion - u n - terricht handelt. Da- Zentrum will weder einen Druck auSüben. noch da» -Gesetz dur Drohungen erzwingen. GS will niiptS andere-, al- daß feine klar« kulturpolitische Linie nicht ab- gebogen und durchbrochen wird. Die Verhand
lungen. bte dauernd gepflogen werden, deweifen. daß da- Zentrum stet- zum Entgegenkommen bereit gewefen ist und Wetter bereit ist. Ader da- eine darf ihm nicht verdacht werden, daß c - an Forderungen feftbält, die grundsätzlich sind Wenn cs um Fragen der Weltanschauung geht, muß klare Bahn sein.
Um den Wnslriefrieden in England.
Eine gemeinsame Konferenz zwischen Unternehmern und Arbeitern.
London, 12.3an. tWB.) Heute nachmittag trat hier die von dem Großindustriellen Sir Alfred Mond angeregte erste Konferenz zwischen Vertretern der englischen 3 n d u ft r i e und Vertretern deS GeneralrateS der englischen G e». w e r k f ch a s t e n zur H e t b c l f u b r ■: n g deS Industriefriedens zusammen, lieber da- Ergebnis der mehr als dreistündigen Sitzung äußerte sich der Vorsitzende de- GewerkschaftS- kongrcffes Ten Turner lehr befriedigt, ■ reno der durch seine radikalen Tendenzen bekannte Arbeiterführer E o o k die Konferenz alS eine Komödie bezeichnete. Eook beklagte fich vor allem darüber, daß er von verschiedenen feiner Kollegen auf der Konferenz in schamloser Weise angegriffen worden fei. Ofltziell ist über die Sitzung nichts befanntgegeben worden.
Auch da» Hauptthoma ber Blätter bildet die In» dustriefricdens-Konferenz. Die Blätter äußern sich optimistisch. Sie heben hervor, daß die an» wesenden Unternehmer ein Kapital von einer Milliarde Mund vertreten, wahrend die beteiligten Gewerkschaftsführer 4,3 Millionen Arbeiter hinter sich stehen haben. Sir Alfred Mond schlug in seiner Eröffmingsrede die gemeinsame (Erörterung neuer industrieller Methoden imb industrieller Amalaamienig vor, sowie (Erörterung de» Problem» der Arbeiter, die durch neue Erfindun
gen ausgeschaltet werden, ber Pensionen, ber Wah» nungsirage, Wohl sahn und der Arbeitslosen. Ber- jidxrung, der industriellen Erziehung und der Ber- Meldung von Zndustriekämpscn. (Ein Ausschuß von Unternehmern nxurbe ernannt um diese Fra- ?en zu untersuchen. Die Gewerkschaft»oartret«r er- larten sich bereit, einen gleichen Ausschuß zu ernennen.
Während in führenden Kreisen der Arbeiterpartei und der Gewerkschaften al» Vorbereitung für die am 20. Januar zularnmentretenbe Konferenz der Exekutive beider Organisationen ein weitgehender Nationalisier ttngsplan i m englischen Bergbau erörtert wird, aber wie e» scheint, heftig umstritten ist, haben am Bergbau interessierte Abgeordnete einen Plan ausgearbeitet, der die Nationalisierung ber Gruben burch Staat»» mittel bi» zur Höhe von 5,5 Milliarden Mark vorsieht. Hierbei scheint e» sich aber mehr um ble Po» pularifierung der Idee der Nationalisierung de» Bergbaues, als um die (Erörterung praktischer Vor» chläge zu handeln. Die wirtschaftlich denkenden ilhrenden Persönlichkeiten der Arbeiterpartei sind gegen die Nationalisierung in dieser allg.meinen Form und warnen davor, für die Wahlkampagne ein Wirtschaftsprogramm auszustellen, das allzci sehr von sozialistischen Doktrinen durchtränkt ist und breite Angriffsflächen bietet.
Die internationale Schiedsgerichtsbarkeit.
Oie Unterzeichnung der Haager „Fafultativklausel" durch Oeuffchland.
(Eigene Drahtmelbung de» »Gießener Anzeigers-
Berlin, 13. 3an. Dem ReichSr>at ist, wie heute bekannt wird, em Gesetzentwurf zugegangen, der die Durchführung der vkstr Dr. Strefe- mann während der letzten DöllerbundStagung in Genf gemachten Zusage l>ezweckt, also die Unu-t- zeichnung der sog. Fakultativklaufel deS Haager Statuts. ES handelt sich hierbei um die Bestimmungen deS Artikels 36 deS Statuts für den Ständigen 3ntemationalen Gerichtshof, der unter Festlegung bestimmter Kategorien von Rechts st rettigkeiten zwischen Staaten bestimmt, daß die Regierungen durch ihre Unterschrift unter die besagte Klausel sich jedem Mitunterzeichner gegenüber dauernd und bedingungslos, oder mit vorher der Unterschrift beigefügten Bedingungen verpflichten, etwa auf tauchende Recht -ft reitigkeiten durch den Haager internationalen Derich! Shof entscheiden zu lassen. Dabei sind die sog. Ehrenfragen, alfo im wesentlichen all diejenigen Streitfälle, die einen ausgesprochen politischen Charakter tragen, dos solcher automatischen Rechtsprechung ausgenommen. Deutschland hat de-halb in der bekannten, erstmals feit 1921 im deutfch-fchweizeri- fchen Schiedsgericht-- und Derg.'eichsvertrag zur Anwendung gelangten Formel einen Weg gefunden, um über die Bestimmungen deS Artikels 36 hinaus mit denjenigen Ländern, wo Gegenfeitigkeit zu gesichert ist, auch für politische Streitfragen ein der Schiedsgerichtsbarkeit entsprechendes Vergleichsverfahren herbeizuführen.
Der beifpielgebende Entschluß, a l S erste Großmacht bedingungslos dic K.aufcl deS ArtikelS 36 deS Haager Statuts zu unterzeichnen, hat die Frage allgemein in- Rollen gebracht, und eS find tn bet Folge bereits in Frankreich. England ufw. weite Teile der Oeffentlichkeit barangegangen, eine Befolgung diefeS deutschen Beispiels auch bei den übrigen Grohn ächten herbeizuführen 3n England ist bereit- tm Herbst 1925 eine gemeinsame Petition der eng
lischen Dölkerbundliga zusammen mit dem Rational Touncil for Prevention of war mit annähernd '/, Million Unterkünften an die Regierung gerichtet worden, um ihren Beitritt zur Fakultativ-Klausel zu erwirken. Die englische Regierung hat aber damals mit der Begründung adgelehnt. sie wolle sich die Freiheit darüber wahren, gewisse Streitfragen statt vor den Internationalen GercchtShof vordenDöl- kerbund-rat selbst zu bringen. Inzwischen Hai Kanada sich zur Annahme der Klausel bereit erklärt, und nach der letzten V.lketbundS- Derlammlung ist sowohl von liberaler, wie von feiten der Labour-Party ein neuer starker Druck in dieser Richtung auf die englische Regierung ausgeübt worben.
In Frankreich ift etwa gleichzeitig von Paul-Boncour eine Aktion e-.nge leitet worben. die den bedingungslosen Beitritt Frankreich- zur Fakultativslaufel bezweckt. Frankreich hatte diesen Beitritt bereit- tm Jahre 1925 vollzogen. aber unter der Bedingung. daß da - Genfer Brotokoll ratifiziert würde, eine Bedingung, die den Beitritt bisher wirkung-lo- machte. Alle übrigen bisherigen Unterzeichner find kleinere Mächte^ denn die Bereiniaten Staaten von Amerika, die grundsätzlich vor etwa IahreS'rift über ihren Beitritt verbandelten, haben sich dabei fo weitgehende Vorbehalte sichern wollen, daß es n'.cht zur Verwirklichung diese- Beschlüsse» kam. Immerhin dar' man heute fest stellen, daß die während e.niger Jahre in- Stocken geratene Bewegung für den Ausbau einer allgemeinen Schied-gertcht-barkeil wieder in Fluß gekommen ift und aller Voraussicht nach n.cht eher wieder zum Stillstand kommen wird, al» bis alle Rationen fich chr angcfchlo'fen haben. Da- Verdienst daran gebührt zum großen Teil dem deutschen Snt- fchluß zur Tellnahme. dessen Verwirkitchuttg augenblicklich durch die etngang» erwähnte Ge- setze-vvrlage im Zuge befindlich ist
Der Rest des Iustizetats wird genehmigt. — Es folgt die Beratung des Etats des Reichs- arbeitsministeriumS. Die Beratung leitete
^eichsarbeitsministef Dr. Brauns durch folgende Darlegungen ein Die gute Konjunktur des Berichtsjahres erleichterte wesentliche soziale Fortschritte. Die Arbeitszeit konnte beträch_t 11ch verkürzt werden, dazu verhalf u. a. daS Arbeit-zeitnotge^etz. Die neuen Tarifabschlüffe brachten unS auch Erhöhungen der Tariflöhne, die tm al'gemeinen sowohl die MietScrhöbun.gen. wie die Koftcnsteigcrung der LebenSbaitung deckten und vielfach darüber hinaus gingen. Im letzten Jahre ift mit der Erhebung der tatsächlich gezahlten Löhne begonnen worden. Sie beweisen
klar den Eharakter der Tariflöhne al» Mindes! I ö h n e und widerlegen den früher oft gehörten Dorwurf des deutfchen LohndumpingS. Die SchlichtungSinstanzen find in erhöhtem Maße in Anspruch genommen worden. Die Innehaltung der Arbeitsverträge wird mehr als früher gewährleiste! durch die allgemeine Einführung der Arbeitsgerichte, de reibungslos in diesem Jahre vor sich ging. Die Ar - beitemarltenttoidlung ist in allerletzter Zeit ungünstig. DaS erklärt sich in der Haupttache aus den winterlichen Wirt'chafts- Verhältnissen lln er Wohnungsbau weift beachtenswerte Fort chritte gegenüber den Vorjahren auf. 3m Laufe des Jahre- traten allerdings neue Schwiengleilen in der Beschaffung deS nötigen Baukapitals ein.
die einer Behebung bedürfen, zum Teil auch mittels auSländifch«! Kapitals Die ReichSre- aierung hält den Zeitpunkt für eine Steigerung Der gesetzlichen Miete in ab'ehbarer Zeit nicht für gegeben. Der mit der Vermittlung der Kredite für die Siedlung betraute Ausschuß bei der Rentenbankkreditanstalt vermittelte die nötigen Gelder zur Besiedlung von 72 000 ha Land. Die für die Klein - und Sozialrentner angekünd gten Maßnahmen seien zum Teil durchgeführt. Aum Teil vorbereitet — Die Lage der Kriegsbeschädigten ist toelent.il) verbessert worden. Die Verbesserung wirkt sich finanziell in einem Aufwand von mehr alS 200 Millionen Rentcnmark auS.


