3u den vier Bedingungen 06er den evts. Der- traasabschluß mit Gießen, die von den OBitJeder Unterhändlern In ihrer Erwiderung vom Montag angeführt wurden, ist zu sagen, daß die Ziffern 1, 2 und 4 bereits Bekanntes nur noch einmal bestätigen. Wenn die Wieseder Bevollmächtigten in Sffer 3 ih.er Erklärung betonen: „Qln einer Zubringerlinie 2l l - ten-Dufeck — Wieseck Hit die Stadt kein Interesse", so steh, diese Erklärung tot Widerspruch zu de m BerHan dlangsVerlauf der Kommissionssitzungen vom 15. Oktober und 14. November. Am 15. Oktober regte Gemeinderat Benner bei der Besprechung im Wieseder Verwaltungsgebäude u. a. an, „bie Stadt Gießen solle mit Alten-Duseck wegen Auf» rechterhrltung der Kraftwagenlinie Wieseck— Alten-Dused verhandeln. Bürgermeister Dr. Selb empfahl, auf diese letzte Anregung heute nicht mehr einzugehen". Hiernach kann man doch auf keinen Fall von einer Ablehnung durch Gießen sprechen! Es handelte sich ledigllch darum, den Derhandlungsstoff für die betreffende Sitzung zu begrenzen. Am 14. November aab Bürgermeister Schomber die Anregung, die Stadt solle die Wagen für ihre Zwecke übernehmen, Wieseck solle alsdann einen Pendelverkehr nach Alten- Duseck betreiben. Auf Anfrage von Bürgermeister Dr. Selb hierzu wurde festgestellt, daß dies eine persönliche Anregung von Bürgermeister Schomber darstelle. Sollte mit dieser Feststellung gesagt werden, daß die beiden anderen Wiesecker Bevollmächtigten und der dortige Gemeinderat mit der Anregung des Bürgermeisters nicht einverstanden waren? Wie die Wiesecker Bevollmächtigten angesichts dieser Sachlage jetzt behaupten können, die Stadt Gießen habe kein Interesse an einer Zubringerlinie Alten-Duseck—Wieseck, ist unverständ'ich
In diesem Zusammenhänge noch einige Worte über unsere eigene Stellungnahme zu den Alten- Dusecker Verkehrsbelangen. Wir haben uns schon seit Jahren wiederhol' mit Entschiedenheit öffentlich dafür ausgesprochen, daß man bei der Wetterführung der Gießener Straßenbahn nach Wieseck von vornherein ins Auge fassen tolle, die Elektrische zu einer Lleberland- bahn nach Alten-Duseck auszugestalten, damit auch der dortigen Bevölkerung, die für das Gießener Wirtschaftsleben von großer Wichtigkeit ist, die Möglichkeit einer bequemen und täglich öfteren Fahrverbindung nach Gießen geboten wird. Dieser Ge ichtspunkt war für uns von jeher sogar einer der Hauptgründe für unser entschiedenes Eintreten zugunsten der Straßenbahnerweiterung nach Wieseck. An dieser Einstellung des Gießener Anzeigers hat sich nichts geändert. Wenn wir in unserem Artikel vom 3. Dezember die Alten-Busecker Interessen zunächst aus dem Krttse der Betrachtung ließen, so nur deshalb, weil es für uns auf Grund unserer ganzen bisherigen Stellungnahme von Anfang an keinem Zwei el untrrtog, daß Gießen ein starses Interesse an der Befriedigung der Alten-Dusecker Derkehrswüiffche habe. Wir sind auch der Lleberzeugung, daß mit uns alle für dir Derkehrsförderung in Betracht kommenden Gießener Stellen weiterhin sich bemüht hätten, den Alten-Dusecker Wünschen im Anschluß an ein Strahenbahnabkommen Gießen^Wie'eck Erfüllung zu verschaffen. Wir unserseits werden jedenfalls, tote bisher schon stets, entschieden dafür eintreten, daß die Derkehrsverbindung zwischen Gießen und Alten-Duseck immer fester und dauerhafter wird.
Zu den übrigen Erklärungen der Wiesecker Linierhändler mögen einige kurze Randbemerkungen genügen. Hinsichtlich der Frage der Eingemeindung haben die Gießener Vertreter «ruf Anfrage von Bürgermeister S ch o in b e r in der Kommissionssitzung vom 15. Oktober erklärt, daß die Stadt der Angelegenheit sympathisch gegenüberstehe, die Zeit dafür ’e'och noch nicht gekommen sei. Don einer grundsätzlichen Absage GicßenS kann also nicht gesprochen werden! Lieber die Auflösung des Zweck- verbandsverhältnisse's zwischen Wieseck und Alten-Duseck wäre sicherlich ein befriedigendes Arrangement erzielt worden, bei dem man es von Gießen aus faum an Entgegenkommen hätte fehlen lassen, wenn die Wiesecker Bevollmächtigten den mit Gießen wieder angesponnenen Faden nicht vorzeitig hätten abreißen lassen Interessant ist in diesem Zusammenhänge, daß Herr Benner schon am 15. Oktober den Gießener Vertretern gelegentlich der ersten Kommissionsbesprechungen erklärte, daß für den -Zweckverband die Möglichkeit bestehe, den Be-
Lach« Wajarr»!
ZRoman von Z. Schneider-Foer-sil.
Urbeberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.
19. Fortsetzung Nachdruck verboten.
Nichthofen benützte ihre versöhnllchere Stimmung, um auf sie einzureden „Ich fahr jetzt naus. Mizzerl, zu ihm und bring dir Nachricht. Er wird sch gar net denkn können, warum keins zum Nachschaun und zum Fragn kommt. Soll ich ihm sagn', er möcht in die Mariabttserstraßn gehn, daß d' dich mit ihm ausredn kannst?"
.Ja!"
.Wirst ihm doch rächt gleich 'S Messer auf die Brust setzn, heut, wo er so schon soviel zum tragn hat?"
„Ich werde ihm nicht zu wehe tun!" gab sie mit leichtem Spott zurück. „Wenn er wirllich eingesteht, daß es sich so verhält, tote es in dem Briefe heißt, werf ich ihm mein Geld vor die Füße, dann soll er sich eine neue Existenz damit gründen Ich selbst aber will nichts mehr mit ihm zu schaffen haben"
Richthofen kam nicht dazu, etwas zu erwidern, denn der eintretende Diener meldete den Baron Hettingen
Leopold riß die Türe auf, die nach dem Korri" dvr führte. „Joachim! — Alter!" Er schluckte an den Worten, vermochte vor Erregung nicht weiterzusprechen und zog ihn zu sich in das Zimmer. „Kopf hoch haltn. mein Lieber! Kopf hoch' Kommen auch wieder andere Tage. Das verdammte Geld! Nix wie Scherereien hast damit! Wie geht'- dem Herrn Papa?"
Ein Achselzucken Das blonde Haar klebte Hettingen feucht und wirr an den Schläfen Das ins Gelbweih« spielende Gesicht war völlig verändert. „Ich habe meine Mittler vor einer Stunde ins Irrenhaus gebracht."
„Na, Joachim! Das net!"
Hettingens Kopf fiel «mit einem todwunden Aufstöhnen zur Brust herunter. ..Die ganze Straße hinunter hat man sie lachen hören, Lev-
trieb der Araftwagenlinie abzutrete». Wie verhält sich diese Erklärung zu der jetzigen Behauptung, daß nach dem 15. Oktober (den die Wiesecker Vertreter hier im Auge haben) das Angebot der Kraftverkehrsgesellschaft Hessen „plötzlich kam"? Ob der jetzige Vertragsabschluß mit der Kraftverkehrsgesellschaft „Hessen" den Interessen Wiesecks und Allen- Dusecks „weitgchendst Rechnung" trägt, ist eine Frage, über die man erst nach Ablauf einiger Jahre wird urteilen können. Daß nach 5 Jahren die Gemeiiide Wieseck „die elekt rischeBahn ohne wesentliche finanzielle Belastung bekommen" wird, ist heute nichts mehr als eine bloße Mutmaßung.
Die Wiesecker Bevollmächtigten wollen in ihrer Antwort vom Montag auch den Anschein erwecken, als ob man in Wieseck Lieberschüsse aus dem Autoomnibus-Betrieb gar nicht erwartet, sondern sich von Anfang an auf Zuschuhleistungen ge'aßt gemacht habe. Dabei haben aber semerzeit bei der Einrichtung dieses Betriebes Männer, die heute noch an führender Stelle des Llnternehmens stehen, nicht oft genug von den zu erwartenden äleberschüssen sprechen können! Herr Benner Hai, wie Wiesecker Einwohner uns heute noch bestätigten, seinerzeit der Gemeinde Wieseck sogar in Aussicht gestellt, daß man aus dem Autobetrieb alljährlich soviel her- auswirtschasten werde, um für die Gemeinde in mancher Hinsicht finanzielle Sorgen bannen zu können. Die gleichen äleberfchußankündigungen sind damals auch wiederholt in Berichten für die Oeffentlichkeit gemacht worden. Diese Derheißun- & dürften den weitesten Devöllerungskreisen noch bekannt fein.
Bezüglich der Indienst st ellung des neuen Omnibusses im Oktober d. I. sind wir nach wie vor der Meinung, daß man diese Maßnahme im Hinblick auf die im Gange befindlichen Verhandlungen mit Gießen hätte vermeiden sollen, um auf der Gießener Seite gar nicht erst Mißtrauen gegenüber dem Verhaute lungsgegner aufkommen zu taffen. Zur Frage des Baues der Straßenbahn brs zur Gießener Gemarkungsgrenze dürfte wohl die Gießener Stadtverwaltung etwas zu sagen haben. Wir unsererseits wöllen jedenfalls den Wiesecker älnterhändlern die Freude darüber nicht trüben, daß sie die „KaPitaÜdummheit" mit den 40 000 Mk. nicht gemacht haben. Auch hierüber wird ja erst die Zukunft lehren, wer in dieser Hinsicht das Richtige getroffen hat.
LandjugendSund für Oberheffen.
Unter sehr starker Beteiligung der Landjugend aus allen Teilen Oberhessens fand am Sonntag int Hotel „Hopfeld" in Gießen die Tagung deS P rovi n z i a l v e rb an des Oberhessen des Landjugendbunbes statt. Der Präsident, Robert Schmidt (Steinheim bei Hungen), begrüßte besonders als Ehrengäste den Provin- zialvorsitzenden des Landbundes, Landtagsabg. Fenchel (Oberhorgern), MtbürgernreisterM ö r- ler (Ockstadt), den Vorsitzenden der Ortsgruppe Gießen, Postsekretär North, und Fräulein Kampf (Gießen). Die Rechnungsabtage, welche D. Lenz (Friedberg) erstattete, zeigte einen günstigen Kasscntestaad. DeDorstandswohl ergab die Wiederwahl des 1.Vorsitzenden Robert Schmidt (Steiirh.nm), des Stellvertreters Karl R ü fj l (GönSmühle bei Schotten), der Vorstandsmitglieder Landwirt Kreud er (Grünberg) und W. Georg (Hollhof bei Alsfeld).
Eine lebhafte Aussprache erfolgte über die Punkte »Organisationsfragen" und „D a u e r n h o ch s ch u l e". Der Vorsitzende Schmidt erstattete Bericht über die Bauernhochschule Oranienstein. Obwohl die VrrsMnm- lung der Dauernhochschule volle Sympathie zollt, wurde von einer derartigen Einrichtung für Ober- Hessen aus finanzilllen und wirtschaftlichen Gründen vorläufig abgesehen. Das Augenmerk soll zunächst aus den weiteren Ausbau der Organisation, besonders der Ortsgruppen, gerichtet werden. Deshalb sollen int Laufe des Winters in verschiednten Teilen Ober heftens sechs Führerkurse abgehallen werden. Eine Anregung auf Abhaltung von Lichtbildervorträgen und Vorführung von Lehrfilmen fand insofern Zustimmung, als man mit den Kinos der Qante städtchen in Verbindung treten will.
Allseits begrüßt wurde die Ausbildung zum Samariter - und Sanitätsdienst. Zunächst soll mit den Landärzten in Verbindung getreten und dann nach Möglichkeit zur Abhaltung von Sanitätskursen geschritten werden. Hin
sichtlich ter Abhaltung von Spvrtkursen wurde kein endgültiger Beschluß gefaßt. Die Ver- anstallung einet Lotterie zum Besten sportlicher Ausbildung der Landjugend fand einstimmige Annahme. Eingehend besprochen wurde die Frage der Siedlung und des Austausches von Bauernsöhnen und -töchtern. Den Mitgliedern wird empfohlen, sich in dieser Frage an den Vorsitzenden zu wenden, der die Vermittelung nach Nord- und Ostdeutschland übernimmt.
Das Bundesfest für Oberhessen erhielt Hungen: es wird auf den ersten Sonntag im Juni 1929 festgelegt. Das Bundess chie- ßen (Kleinkaliberschießen) um den Wanderpreis wurde Echzell übertragen.
Don welltragender Bedeutung ist die einstimmige Annahme eines Antrages, wonach alle Söhne und Töchter der Landwirte pflichtgemäß Mitglieder des Land- lugendbundes sein müssen.
Der Vorsitzende, Robert Schmidt (Stein- Heim). schloß die harmonisch und in größter Einmütigkeit verlaufenen Provinzialtagung mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland.
Hessischer Landesausschuß für Leibesübungen.
WSN. 2) a r m ft a b t, 10. Dez. In der Landes- Baugewerbeschule fand heute vormittag in Anwesenheit des Staatspräsidenten Adelung, des Mini- fterialrats Gluckert und des Schulrats Has. finger vom hessischen Ministerium für Kultus und Bildungswesen eine Sitzung des Landesausschusses für Leibesübungen statt. Nach den Begrüßungsworten des Ausschußvorsitzenden, Medizinalrats Dr. Friedrich, betonte der Staatspräsident sein verständnisvolles Ver- bundensein mit den Bestrebungen des Ausschusses. Trotz der Not der Zeit werde er versuchen, soviel Mittel als möglich für diese Bestrebungen flüssig zu machen. Darauf überreichte der Staatspräsident Ehrenurkunden für Verdienste um die Pflege der Leibesübungen in Hessen an Medizinolrat Dr. Friedrich (Darmstadt), Hochschulprofessor Dr. Georg Finger (Darmstadt), Oberrealschullehrer Peter Luley (Darmstadt), Werkhelfer Philipp Wolf (Darmstadt), Kreisvor- sitzender Karl Stroh (Offenbach), Bürgermeister Willi Zimmermann (Offenbach), Buchdruckerei' befitzer Georg Frey (Mainz), August Hannen- berget (Mainz), Wilhelm Will (Gießen) und Karl Schießen (Osthofen). Anschließend hielt Dr. Sippel, Dozent an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen, ein Referat über „Menschtum und Körpererziehung". Schulrat H a s f i n g e r referierte über das Thema „Was erwartet der Staat von den Turn- und Sportvereinen?" Oberftudien- bireftor La u t e n s ch lä g e r sprach über die Frage „Landesturnrat oder Zentralstelle für Leibesübungen in Hessen?" Am Nachmittag erstattete zunächst Medi- zinalrat Dr. Friedrich Den Tätigkeitsbericht. Dann sprach Oberrealschullehrer Luley über die Turnlehrerausbildung und das Fortbildungsturnen, Werkhelfer Wolf über die Turnspiel- und Sportfrage. Nach einer anregenden Aussprache folgten die Wahlen, die die einstimmige Wiederwahl der Landes- ausschußmitglieder ergaben.
Oie Ehrung Will's.
Die vom Staatspräsibenten Adelung dem Universitäts-Turnlehrer und Gauoberturnwart Wilhelm W i l l (G t e ß e n) überreichte Urkunde hat folgenden Wortlaut:
Ehrenurkunde für
Herrn Universitäts-Turnlehrer Wilhelm Will in Gießen
zum Zeichen der Anerkennung keiner vortrefflichen Leistungen zur Förderung der Leibesübungen und der Volkserziehung. Ueber fünfzig Jahre wirkt er nun in Verein, Gau und Deutscher Äirnerschaft auf allen Gebieten der Leibesübungen gleich segensreich. Immer hat ihn dabei die Ueberzeugung geleitet von dem hohen Wert der Leibesübungen für Volksgesundheit und Volksgemeinschaft. Dafür fei ihm der Dank des Hessischen Staates ausgesprochen.
Darmstadt, den 10. Dezember 1928.
Der Hessische Staatspräsident und Minister für Kultus und Blidungewesen: Adelung.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
*DasAmtsverkündigungsblattNr.89 vom 11. Dezember enthüll: Feldbereinigung Wieseck. Dienstnachrichten.
oachim! Sie ist zwar noch recht aufgeregt. Ja — recht aufgregt is über drin LInglück," er*
Richthvfen erschund. „Das sollst mir auch noch antun, Joachim! Sie ist zwar noch recht aufgeregt.
pvld! Lachen! Sie hat kein Weinen mehr gefunden!"
„Du armer Kerl!" Richthofen ncchm ihm den Hut ab, den er noch immer krampfhaft zwischen den Händen hiell. „Kann ich dir was Liebs tun, Joachim? Sag!" Er wischte sich hastig über Augen und Wangen. „Is dir für 'n Augn- blick mit ein paar tausend Schilling gholsn? Brauchst jemand, der für dich einspringt? Hast Außenständ, die ich rcchtmachn kann? Mein letztn Groschn nimm ich raus aus ’m Gschäft! Red doch, Alter!"
Joachim stand wortlos und fab nach dem Divan, auf welchem kurz zuvor noch Maria gelegen hatte. Ihr großes, seidenbefranstes Tuch hing noch über der Lehne. „Wenn ich jetzt nicht Pflichten gegen deine Schwester hätte — jede Art des Sterbens wäre mir recht," sagte er ohne irgendwelche Färbung tat Ton.
gänzte er unsicher.
Er merkte, tote Hettingen auf den Klang seiner Stimme horchte und die Augen in mißtrauischem Forschen weitete. „Es fehll chr nichts?"
„Ein bffferl Kopfschmerzen! Sonst nix. Die Sorg hall, weißt! Die Sorg um dich!"
Ein knabenhaft weicher Zug löste die Starrhell in Joachims Gesicht. „Wenn ich dich nicht hätte und Maria! Ich wäre verlassener als unser Herrgott am Kreuz es gewesen ist!" Er hiell inne und sah nach der Portiere, die eben von Marias Händen zurückgeschoben wurde. Mit ein paar raschen Schritten ging er auf sie zu, umfaßte sie behutsam und lehnte ihren willenlosen Kopf gegen seine Brust. Ihre Wangen unaufhörlich streichelnd, begann er halblaut auf sie etazureten. „Verlaß mich nicht, meta Liebes! Qlud), wenn du jetzt einige Zeit Geduld mit mir haben mußt. Ich bin ja völlig zerschlagen! Begreifst du das? Maria, ich bin ein Bettler! Aber ich hoffe, daß es bald wieder vorwärts- geijt. Wenn ich dir auch kein so glänzendes Los mehr bieten kann, wie ich es mir gedacht habe, entbehren sollst du deswegen nicht das gertngfte.
Nur — du wirst mich doch verstehen — muß ich jetzt in erster Linie für die Eltern sorgen, daß ich ihnen ein einigermaßen erträgliches Dasein verschaffe. Die Mutter im Irrenhause — der Vater im Sanatorium. Sie haben beide niemanden als mich. Maria, bist du einverstanden, wenn wir die Hochzeit bis übers Jahr verschieben. Ich nehme jede Stellung an, die sich mir bietet, daß ich rasch zu einem Verdienste komme."
Es fiel ihm nicht auf, daß ihr Gesicht reglos gesenkt blieb. Ohne ihn anzuseheir, gab sie ihm Bescheid. „Wäre es dir nicht möglich, dir mit meinem Gelde eine Existenz zu gründen?"
Er hob liebevoll ihr Kinn hoch. „Mit deinem Gelde, Maria? Nein, Kind! Ich rechne nur mit meinen Händen und mit meiner eigenen Kraft. Sie sind beide noch völlig unverbraucht."
„Aber früher!" — sie würgte an ihren Worten. „Früher, Joachim — als du um mich warbst, hall du doch auch mit meinem Gelte gerechnet!"
„Wer sagt das!" Gr hatte sie so jäh los- gelaffen, daß es sie Mühe kostete, sich im Gleichgewichte zu halten. „Gib Antwort, bitte!" sagte er schroff.
Sein Ton verletzte sie. Sie dachte nut an sich und nicht an die furchtbar große Qual, die er ohnedies schon in sich trug. In den Gürtel ihres Kleides greifend, reichte sie ihm den Dries mit ter eh.lvsen Anklage.
Er wurde noch um einen Schatten farbloser. Sein Mund verschob sich. Die Finger um das Blatt geballt, stand er vor ihr. Sie empfand eine solch lähmende Furcht vor ihm, daß sie hinter einem S-uhle Deckung suchte. Ohne daß ein Wort taut wurde, entfiel ter Zettel seinen Häit- ten. Gr griff nach seinem Hut, verneigte sich und ging nach der Türe, wo ihre Stimme ihn zurücffchauen machte.
„Dein Ehrenwort, Joachim, daß es Verleumdung ist! Mehr verlange ich nicht!"
„Wan hat dir die Wahrheit berichtet," kam es heiser.
„Dann hast du mich also betrogen!" schrie sie auf und nestelte die Arme in das Seidentuch das sie vom Stuhle ausgenommen hatte.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
i. Wetzlar, 11. Dez. Am Sonntag fand hier auf der Spilburg das von vielen Hunderten von Meistern und Brüdern besuchte Ordenskapitel der Groß-Ballei Hessen-Waldeck des Jung, deutschen Ordens statt. Don dem Großkomtur S t ö ß n e r wurden im wesentlichen Drganifalions- fragen besprochen, der Nachrichtenwart der Ballei Oberhessen verbreitete sich über die Grundlagen der jungdeutschen Idee und des Gemeinschaftsstaates, Ordenswanderwarl Generalleutnant a. D. Salzen- berg behändeste die Jugendbewegung und den Wanderdienst, und der Hochmeister, Artur M a tz- rau n, klärte auf über die innerpolitischen Kraft- zentten und ihre Absichten. Das sehr fruchtbare Ar- bellskapitel fand um 3 Uhr seinen Abschluß.
Kreis Biedenkopf.
Gladenbach, 11. Dez. Durch Beschluß des preußischen Staatsministeriums vorn 16. November 1928 ist die Landgemeinde Ammenhausen mit Wirkung vom 1. Januar 1929 ab in die Canik gemeinde Gladenbach im Kreise Biedenkopf einverleibt. — Am Freitag, 14. Dezember, findet hier Kram-, Rindvieh- und Schweinemarkt statt. — Die M ä r k t e f ü r 19^.9 sind wie folgt festgesetzt: 8. Februar Schweinemarkt: 15. März Kram- und Schweinemarkt: 3. Mai Kram-, Rindvieh- und Schweinemarkt; 2. Juli Kram-, Rindvieh- und Sckroeinemarkt; 23. August Kram-, Rindvieh- und Schweinemarkt: 18. Oktober Kram-, Zuchtvieh- und Schweinemarkt; 13. Dezember Kram-, Rindvieh» und Schweinemarkt.
Maingau
WSN. Frankfurt a.M., 11.Dez. Heute abend gegen 6.30 Ufjr brach im GervinUS- haus, Gervinusstraße 17, ein gefährlicher Dachst uhlbrand «uS, ter von drei Löschzügen unter Leitung von Branddirektor S ch ä n k e r und Brandrngenieur Gehre in mehrstündiger Tätigkeit auf feinen Herd beschränkt tourte. Der Brand war gegen 630 Uhr bereits als verdächtiger Rauch bemerkt Worten, ohne daß es sofort ge- (Tungen wäre, die Llrsache festzustellen. Als man den Herd entdeckte, waren die in Tätigkeit gefetzten Feuerlöscher und Haushtzdranten bereits wirkungslos; auch die Feuerwehr, die nach vier Minuten zur Stelle war, konnte wegen ter Unzugänglichkeit des Brandherdes teil Dachstuhl nicht mehr retten. Es wird vermutet, daß ter Brand auf einen Koksofen oder auf Schäveiß- arbeiten — das Dachgeschoß tourte gegenwärtig umgebaut — zurückzusuhren ist. Ein großer Teil ter unter dem Dach Regenten Alten ter zur Metckllgesellschaft gehörenden Lurgi-Ge'ellschaft tourte vernichtet. Der Gebäuteschaten von etwa 10 000 Mk. ist durch Versicherung gedeckt.
Rundfunkprogramm.
Donnerstag, 13. Dezember.
6.30: Morgengymnastik. 12.30 bis 13.30: Mittagskonzert tes Rundfunkorchesters. 15.05 bis 15.35: Stunde ter Iuzend. 16.35 bis 18.05: Von Stuttgart: Kon^nci tes Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18.30: ßefeftunte. 18.30 bis 18.45: Don Kassel: Fünfzehn Mtauteir Ratschläge für den Gartenfreund. — „Der Dilettantengarten". Vortrag von Garteningenieur Äarf Hinze. 18.45 bis 19.15: Von Kassel: „Kind — Bühne — Märchen". Vortrag von Karl von Feiner. 19.15 bis 19.45: Stenographischer Fortbildung« Kurses für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 60 Silben aufwärts). 20.15: „Hörspiel in Dielfachumschalter Nr. 1001 knS 1150“. Von Hoboiken. Anschließend.' Don Kassel: Militärkonzert.
.Freitag, 14. Dezember.
6.30: Morgenghmnafti-k. 13.30 bis 14.30: Mit- 1 agskoirzert te£ Rund,unkorchesters. 15X5 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,35 bis 1735: Haus- frauen-Nachmittag, veranstaltet vom Franlsurler Hausfrauenverein, Frankfurt a. M.: „Geeignete Werhnachisgefch-enta für Kinder", Vortrag von Dr. Käthe Neumark. 17.35 bis 18.05: Von Stuttgart: Konzert tes Rund'unkorchesters. 18.10 bis 18.30: Lesestunte. 18.30 bis 19: S-unte tes Süd- westdeutschen Radio-Clubs. 19 bis 1920: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik." 1920 bis 19.30: Film-Wochenschau. 19.30: Vom großen Saal tes Saalbaues (Rach Stuttgart): Konzert der Museumsgesellschaft. Anschließend: „Roald Amundsen", Vortrag von Prof. Dr. Waller Behrmann. Darauf: Von Kassel: Kvmposllionsabend Walter Riemann.
„3a---Betrogen!"
„Du hast um mich geworben, weil du mein Geld wolltest!"
„Weil ich dein Geld wollte." Todweiß tot Gesichte und um den Mund zwei tiefe Rinnen der Verachtung gegraben, sah er nach ihr hin. „Du hättest mich früher darum fragen sollen, dann wäre dir teese fürchterliche Enttaufckvmg erspart geblieben.“
Sie weinte hinaus, vor Zorn und Empörung über ihn. „Unb das wagst du mir zu sagen und mich todunglücklich zu machen."
„Todunglückllch?" Er lachte auf. „Heber to einen, wie ich bin, kommt ein Mädchen in einer halben Stunde hinweg. Einen Lumpen, der dein Geld brauchen tarnt, findest du an jeder Straßenecke. Er muß ja nicht gerate Hettingen heißen!"
„Du bewirfst dich selber mit Schmutz!" rief sie und weinte haltlos in ihre Hände. Ihr letzter Rest von Selbstbeherrschung verflog.
Er kam ein paar Schritte in das Zinuner zurück. „Du hast Glück gehabt, Maria! Das Geschick hat dich vor einem Menschen bewahrt, ter möglicherweise dein ganzes Hab und Gut verspielt und dich mit ins Verderben gerissen hatte. Davor bist du nun ein für allemal gefeit Gestatte!" Gr streifte den Handschuh ab und nahm den breiten Ring, den er an ter Linken trug, vom Finger. Noch etwas näher tretend, legte er ihn auf die blau schwarze Sam ttecke tes kleinen Tisches. „Willst du deine Enffobung öffentlich in den Blättern mitteilen? Oder lassen wir die Sache einschtasen. In drei Wochen bin ich in Wien ein vergessener Wann! Dir wird es sicherlich kein Mensch verdenken, daß du dich von dem Bankrotteur loSgefagt haft. Zudem kannst du ja auch dm Brief vorzeigen, welchem Schur-« ken du in die Hände gefallen wärst!"
Ihre weißen Zähne bearbeiteten die feine Haut der Lippen, daß sie wie blutroter Mohn in dem farblosen Gesichte standen. Dann hoben sich ihre beiden Hände zur Abwehr gegen ihn, ter mit brenn entern Auge auf sie zutrat.
(Fortsetzung folgt)


