Kreistag des Deutschnationalen SandlungSgehilsen-Verbandes.
Am Sonntag fand hier im Äaufmännifcten DereinShauS der Ärei»tag de» Ärei- f e S 11 (Mittelhessen) beS Deutschnationalen Handlungsgehrlfen- VerbandeS statt, zu dem weit über 100 Tkr- tretcr au3 den Ortsgruppen AlSfelb. 'Sieben* köpf, 'Büdingen, 'Butzbach, Dillenburg. Friedberg. Gießen. Haiger. Herborn. Hirzenhain. Lau* terbach, Lich. Marburg. Schlitz. Wetzlar und Nidda erschienen waren.
Die Tagung wurde vormittag- durch den KreiSvorsteher Emil Deuter- Dieben eröffnet. Der KreisgefchättSführer Artur Stiel er- Dieben gab seinen Bericht über die gekeifte te Jahresarbeit, besonder» erörterte er anschliehend eingehend die sozialpolitischen Aufgaben deS Verbände-. wie sie dem 'Reichstag vorgelegt wurden. AuS dem Bericht war zu erkennen, dab die Entwicklung deS Der- bandes im Streife li sich stark nach vorwärts bewegt hat SS konnte ein Mitgliederzuwachs von über 250 Berufskollegen verbucht werden
3m anfchliebenden Referat sprach der Gaubil- dungSobmann WartenS-Frankfurt über: „Neue Aufgaben und Ziele unserer BerbandSarbeit", namentlich daS Bestreben deS D. H. B.. durch Schaffung von Orts- gruppcnheimen den Nachwuchs heranzubilden. Die Berichte und Aussprachen zeigten, dab der D.H.D. auf dem Gebiete der Fach- und Allgemeinbildung in vorbildlicher Weise tätig ist und sich auch darum besondere Derdienste erwarb.
Nunmehr wurden die geschäftlichen und organisatorischen Angelegenheiten erledigt.
Gouvorstehcr A u e r b a ch - Frankfurt o. M. faßte dann in seinem großangcleatcn Schlub- toort die behandelten Gebiete zusammen und zeigte deutlich Wege und Ziele, die durch ver» mehr'.'« Bildung und selbstlose Berufsertüchtigung erreicht werden. Allen Ausführungen wurde mit grober Spannung gefolgt.
Streisvorsteher Reuter konnte hierauf den ordentlichen Kreistag, der in voller Einstimmig- und Einmütigkeit sich abwickelte, in dem Bewußtsein schließen, daß damit ein gutes Stück fortentwickelnde Standesarbeit geleistet worden ist.
Am Sonntagabend veranstaltete der Verband im „Äatßolifdjcn Dereinshaus" einen obe r- hessischen Heimatabend. Die Vordere!» hingen dazu hatten in den Händen deS rührigen Vildungsobmannes Hirsch (®ießen) gelegen. Die Auswahl der Solisten und der Vorträge war gut getroffen. Nach kurzen DegrüßungS- worten deS Vorsitzenden der Ortsgruppe Gießen, Karl Schaub, erwarb sich Kurt Richter. Tenor am Stadttheater in Bonn, von allen seinen Gießener Freunden aufS herzlichste begrüßt, mit den „Gralserzählungen" aus der Oper „Lohen- grin" auch die Sympathien derer, die ihn noch nicht kannten. Sein voller Tenor, dabei doch weich und anmutend, gab dem Vortrag die nötige Wärme. Auch die später gesungene Arie aus der Oper »Zauberstöte" von Mozart wurde von den Zuhörern mit starkem Beifall auf genommen, so daß sich der Künstler zu einer Zugabe entschließen mußte, die natürlich ebenso dankbare Ausnahme sand. (Bin oberhessischcr Heimatabend läßt sich aber nicht denken, ohne auch die heimische Mundart und Tracht auf ihr Recht kommen zu lassen. 3n dem oberhessischen Hei- matdiähter Georg Heß (Leihgestern) war der rechne Mann gesunden worden, der einen ober» hessischen Heimatabend auSgestalten kann. Gleich seinIersteS Auftreten in Hüttenberger Tracht und fein „Gruß", dem DHV. gewidmet, wurden beifällig auf genommen. Seine Stücke einzeln aufzuführen, ist hier nicht möglich, alle waren gleich schön und erfüllt von gutem, würzigen Humor, so daß der Dichter immer wieder zu Zugaben genötigt wurde. Gin flott gespieltes Theaterstückchen, ein ober hessisches VolrSstückchen in drei Aufzügen, verfaßt von Georg Heß, in dem der 'Verfasser zwei Rollen selbst übernommen hatte, führte die Zuhörer in oderhessische Bauernverhältnifse ein. Den mitspielenden Damen, die ihre Rollen recht gut wiedergegeben hatten, widmete ein Vorstandsmitglied prachtvolle Dlumengebinde. Daß auch die Mitglieder der Kapelle Weller voll und ganz auf der Hohe waren, bewiesen
Verhängnisse.
Vornan von Lieübel Dill.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale).
24. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„6ol? Damals behaupteten Sie aber" — der Richter schaute in die Akten —. „meinem Bor- ganger haben Sie ganz genau die Stunde angegeben, wann Sie aus Ihrem Haufe gingen, wann öle Ins Haus Ihrer Tante kamen und wann Sie dort fortgegangen fein wollen. Daß Sie sich bei dem Unwetter beim Spazierengehen unterwegs aufgehalten haben, ist doch ziemlich unwahrscheinlich .. ."
„Gewiß. Ich bin nur vorher spazieren gegangen, weil ich frische Lust schöpfen wollte. Es war ein drückender tag; ich hatte Kopfschmerzen, und als ich am Waldrande ging, sah ich das Haus meiner Tante und trat ein. Daß man kein Licht in ihrem Haufe sah, ist auch erklärlich. Die Hauslaterne brannte noch nicht, als ich hinkam. und Tante hat sie bann auch qar nicht mehr anaeftedt. Der Brief» bote kam um fünf Uhr das letzte Mat dort oben hin, später kam fein Mensch mehr in das abgelegene Haus. Dadurch daß dicht hinter dem ©arten der Wald beginnt, ist es sehr gut möglich, daß sich ein Mensch dort verborgen gehalten hat, während ich im Hanse war, und daß weder er von mir. noch ich etwas von ihm bemerkt habe. Das Schlaf- zimmer meiner Tante lag |a nach dem Walde zu. Wir haben auf der Veranda gesessen, und als es anfing zu regnen, sind wir in ole Küche gegangen. Meine Tante hatte Erdbeeren eingemacht und wollte mir davon mitgeben. Aber ich sagte, ich schickte morgen Qrmefte hinauf, der könne sie holen ..." , r
„Ihre Tante war doch sonst nicht so freigebig? Wie kam sie darauf, Ihnen Erdbeeren zu schen» fen?” fragte der Richter und sah 0bette an.
Sie holte manchmal solche Anwandlungen. Sie meinte, ich solle das Gewitter abwarten. Und als es dann immer weiter goß, bin ich schließlich doch forlgcgangcn. Wenn Ich damals ge’ngt habe s mar gegen zehn Uhr. fo könnte ich bas heute wir' kich nicht mehr beschwören
die ausgezeichnet vorgetragenen Mullkstücke von Lortzing Hahdn. Strauß u. a. Auch bei dem Gesang des Tenoristen Kurt Richter schmiegte sich die Begleitung recht geschickt dem Vortrag deÄ Künstlers an
Oberheffen.
Landkreis Giefzen.
X Klein-Linden. 11. Sept. Dieser Tag« wurden einem hiesigen Einwohner auS einem unverschlossenen Raum seiner Hofreite ein fast neueS Herren- und ein Damenfahrrad gestohlen. Weiter wurde gelegentllch eines Festes aus dem Nebenraum einer Wirtschaft ein neues Herrenrad entwendet.
ck. Heuchelheim. 11. Srpt. Am Sonntagvormittag fand unter starker Beteiligung der aktiven Turner und Turnerinnen. Jugend. Schuler und Schülernnen daS Abturnen deS TurnvereinS Heuchelheim statt. Die große Beteiligung, sowie die auf beachtlicher Höhe stehenden Ge ltungen legten Zeugnis ab von der großen Arbeit, die inaechall» deS Ver- c ns auf turnerischem Gebiew geleistet wurde. In den einzelnen Abteilungen wurden folgcnte Turner und Turnerinnen Sieger. Turner» O b e r st u f e: 1. Heini. Rinn, 195 Punkte. 2. Ludwig «Pfeiffer. 162 P. 3. Ernst Reidel. 161 P. 4. Werner Barch. — Zöglin g-Unterst u f e: 1. Wolf Henkelmann. 189 P. 2. Karl Rinn 184 P. 2. Fritz Leinberger. 184 P. 3. Karl Weber, 181 P. 4. Heinz Müller. 180 P. — Schüler-Oberstuf«: 1. Arthur Kehr. 161 P. und Fritz Kreiling. 161 P. 2. Ernst Kreiling 160 P. 3. Otto Kröck. 154 P. 4. Willi Hofmann. 151 P — Schü le r-Un ter st uf«: 1. Hans Ebe. 66 P. 2. Walter Sack, 60 P. 2. Arthur Metzler. 60 P. 3. Walter Druchmann, 56 P. 4. Willi Schmidt, 55 P. - Turnerinnen. aktiv: 1. Smilie Reuschlina. 183 P. 2. Käthe Barth. 173 P 3. Emilie Gilbert. 172 P. 4. Marra Sack. 161 P — Turnerinnen- Zöglinge: 1. Johanna Bu«ch. 130 P. 2. Lina Löber 129 P. 3. Gretchen Kehr. 115 P. 4. Düse Hofmann. 112 P. — SchÜ le r i n n e n - O b e r- stufe: 1. Henriette Dusch. 124 P. 2. Marte Volkmann. 120 P. 3. Hedw g Leinberger. 117 P. 4. Emma Fink. 114 P. — Schü le r innen- Unter stufe: 1. Hilde Arnold. 119 P. 2. Elisabeth Wämser. 3. Gvetel Keil, 115 P. 4. Elle Sack, 112 P. 4. Irmgard Leinberger, 112 P
Z 211 len b o r f a. b. ßumba, 11. Sept. Nachdem der hiefige K r ie g« r v e r c i n an den letzten Sonntagen auf dem neu hergerichteten Schießstande — am Kinnwalde gelegen — Schulschießen abgehaltrn hatte, fand dieser Tage daS diesjährige erste Preisschießen statt. Es standen im ganzen 22 zum Teil recht wertvolle Preise zur Verfügung. Geschossen wurde mit Kleinkaliber auf 50 Nieter Entfernung. Die Beteiligung war sehr lebhaft; die erzielten Resultate sehr gut. Verfchiedenemal wurde daS sogen. Stechen bei mehreren in der Ringzahl gleichstchenden Schützen notwendig. Preisträger waren: 1. Preis: Karl Müller mit 35 Ringen, 2. Preis: Ludwig Schwarz mit 35 Ringen, 3. Preis: Eb. Loh mit 34 Ringen, 4. Preis: Hevnr. FormhalS mit 34 Ringen, 5. Preis: Heinr. Krieb VI. mit 33 Ringen, 6. PreiS: Konrad Wallon mit 33 Ringen. 7. Preis: Wilhelm Reinhardt mit 33 Ringen, 8. Preis: Iohannes Damm mit 32 Ringen, 9. Preis: Heinrich Schneider mit 31 Ringen. 10. PreiS: Gerhard Hambsch mit 31 Ringen, 11. PreiS: Wilhelm Wallenfels III. mit 30 Ringern, 12. PreiS: Heinrich Förster mit 30 Ringen, 13. Preis. Heinrich Benner I. mit 30 Ringen, 14. Preis: Heinrich F a u l st i ch mit 30 Ring:n. 15. PreiS: Heinrich Schmidt mit 30 Ringen, 16. PreiS: Eberhard Ranft mit 29 Ringen, 17. Preis: Heinrich Hofmann mit 29 Ringen, 18. PreiS: Christoph Ranft mit 29 Ringen, 19. Preis: Ernst Wüst mit 29 Ringen, 20. Preis: Christian Käs mit 29 Ringen, 21. Preis: Christoph Wallenfels II. mit 28 Ringen, 22. Preis: Wilhelm Römer mit 28 Ringen — alle aus Allendorf a. d. Lda. Da die Teilnahme an dem Preisschießen jedermann gestattet war. ncchmen auch verschiedene Nichtmttglieter des Kriegervereins hieran bell. — Die (brummet* grosversteigerung der städtischem Wiesen erzielte ein günstiges Resultat. Zum Ausgebvt tarnen etwa 50 Normalmorgen. Don den besserem Wiesen mit gutem Grasbestand kam der
„Wenn wir Sie aber dazu zwingen müßten, Madame?" sagte der Richter. „Sie find heule nicht mehr Angeklagte, sondern Sie sind letzt Zeugin ae- worden. Und zwar eine der wichtigsten. Sie müssen sich also jedes Wort überlegen. Sie stehen unter Eid vor dem Gericht. Und was Sie heute sagen, werden Sie befchwören müßen."
..Ich kann nur sagen, was ich weiß", sagte Odette fest und sicher. „Z)le Zett weiß Ich tatsächlich nicht mehr genau anzugeben."
Die Richter warfen sich einen Blick zu. Der Untersuchungsrichter durchblätterte die Akten und schlua eine Seite auf, die er sorgfältig burchlas.
Wir können Ihnen leider den Mörder nicht mehr gegenüberfteUen", sagte er. „Er ist tot. Wir haben nur noch eine Zeugin, die alle Wirtschafterin, wie hieß fie doch?"
„Artemis", sagte Odette, der bei Nennung dieses 'Jlamcns ein leichtes Frösteln über den Nacken rann.
„Ja. die alte Artemis. Wir haben |a ihre Adresse, wir müssen sie kommen lassen. Ts ist, wie gesagt, nur eine Form. Verzeihung, Madame, aber dieser Punkt ist noch ungeklärt. Und er ist wichtig."
..Ich verstehe das", sagt« Odette, ..wenn ich auch nicht recht erstehen kann, tnas man eigentlich noch von mir will. Der Mörder hat die Tat gestanden" — ihre Stimme schwankte —, „sie ist also klar. Morin hat selbst gestanden, baß er mich nicht kannte er hat mich nie gesehen und mußte nur, daß ich die Nichte der Frau Longeoille mar."
..Eine Nichte, die für das Erbteil in Betracht kam", warf der Richter ein.
„Und der Neffe in Algier", erinnerte Odette. „Leiber kann man auch ihn nicht mehr vernehmen, denn er Ist auch tot Aber wenn sie wollen, so kann ich beschwören, baß ich nie ben Namen LSon Morin gehört habe, bis ich den Brief las, und nie wußte, wo er lebte, noch was für Verbindungen zwischen ihm unb meiner Tante bestanden haben, eie nehmen doch wohl nicht an, baß ich mit diesem Manne in Verbindung gestanden habe* Unb weshalb hätte ich das tun sollen?"
Der Richter schwieg unb kniff ein Eselsohr in das Aktenstück.
Ihre Tante hat ihr Testament oft geändert, es *t immerhin möglich, baß Sie non dem letzten Testament mußten."
Morgen auf 25 W 30 Ml. von den übrigen Welen. i« nach Bestand unb Qualität. 5 bis 20 Mk. SS hatte ^ch eine Anzahl auswärtiger Steigerer eingefunden.
: Lindenstruth. 11. Sept. Infolge des von Iahr zu Iahr sich steigernden Autoverkehr» befindet lich die Straße vom Q u e ck- borner Wald bei Grünberg biS zum Gießener Wald in einem beklagenswerten Zustand. Zur Zeit wird vom Bahnhof Reiskirchen her da» Material angefahoen. um die Strecke von Grünberg bis nach Reiskirchen mit einem frischen Xecrtelaq zu versehen. Gin 4 Kilometer langes Stück dieser Straße im Gießener Wald wurde im vergangenen Frühjahr gepflastert. Wenn die jetzt vorgesehenen Arbeiten an dieser Straße au »geführt worden find, dann bleibt noch das 5 Kilometer lange Stück von Reiskirchen bis über die Ganseburg hinaus auSzubesfern. Erst wenn diele letzte Strecke neu überarbeitet worden ist, wird sich der Straßenzug von Ulrichstein bis nach Gießei, wieder in einer einwandfreien Verfassung befinden.
) Lich. 11. Sept. Gestern abend fand die fett einigen lagen angekündigte Alarmübung der Freiwilligen- unb P f l i ch t f e u e r w e h r L i ch statt. Die Alarmierung der Feuerwehr erfolgte um 9 Uhr durch die yeuersirene der Brauerei Ihring-Melchior, hier. Durch ben Bürgermeister der Stadt wurde der Feuerwehr am Spritzenhaus der Brandplan übergeben. Die Brandtdee war folgende: In dem städtischen, früher Hellwigschen Haus am Kirchenplatz ist in dem an den Faselstall angrenzenden Teil Feuer ausgebrochen. Beim Eintreffen der Feuerwehr hat der Brand bas Dach bereits durchbrochen. Drei Familien konnten sich retten, wahrend bie vierte Familie die verqualmte Treppe vor Hitze nicht mehr erreichen konnte. Sie fluchtete sich in Die nach dem Kirchenplatz gelegenen Zimmer ihrer Wohnung unb erwartet durch bie Feuerwehr Hilfe. Die Ausgabe beftanb darin, bie bebrohte Familie zu retten, bas Feuer auf feinen Herb zu beschränken, das wertvolle altertümliche Gebäude vor der vollständigen Zerstörung zu bewahren unb bie bedrohten Nachbargebaube zu schützen. Der Hebung wohnte Kreisfeuerwehrinspektor Dickors (Gießen) bei. In wenigen Minuten war die Feuerwehr voll- zählig zur Stelle unb erledigte prompt die ihr gestellte Aufgabe. Menschenrettung unb Branbbekamp- fung wurden In sachgemäßer unb muftergültiaer Weise vorgenommen. Die Hebung zeigte erneut Die hohe Schlagfertigkeit der Licher Feuerwehr unb die Güte ihrer Ausrüstung.
d. Hungen, 11. Sept. Am Sonntag feierten die hiesigen Schulen, Volksschule und Höhere Bürgerschule, ihr diesjähriges Iugendfest. Eingeleitet wurde das Fest am Vormittag durch einen Iugendgottesdienst, woran fast die gesamte Schuljugend teilnahm. Der OrtSgeist- Ließe Pfarrer Gockel hatte seiner Predigt eine Dlbelstelle aus dem EphZcrbrief 6. Kapitel 1—4 zu Grunde gelegt und führte Eltern und Kindern ihre rechte gegenteilige Stellung zueinander klar vor Augen. -Um 2 Uhr nachmittags bewegte sich der K i n d e r s e st z u g unter Vorantritt der Hungener Musikkapelle bei herrlichstem Fest weiter durch die Stadt zu dem neuen Festplatz. Rach dem gemeinsamen Lied der beiden Oberklasten „Kennt ihr das Land", ergriff Lehrer Meyer daS Wort zu einer kernig?n Festansprache, in der er die Bedeutung des IugendsesteS hervor- hob und gleichzeitig deS 150. Geburtstages deS Turnvaters Iahn gedachte. Reicher Beifall lohnte den Redner, und brausend erklang daS nun folgende Deutschlandlied über den Fest- Platz. Bald entwickelte sich ein fröhliches Treiben der Iugend. dem die zahlreichen Gäste mit größtem Interesse folgten. Außer den verschiedensten Spielen und Vorführungen von zwei Stücken von HanS Sachs wurden noch gleichzeitig die diesjährigen Re i chsj u g en d wettkämpfe audfl:tragen, die gerade, in diesem Iahre hohe Anforderungen an die jugendlichen Turner stellten. Zu diesen Kämpfen hatten sich außer den Schülern der hiesigen Schulen noch diejenigen der Gemeinden LangSdors und Dil- lingen eingefunden, und man konnte beobachten, daß der gemeinschaftliche Kampf zur Höchstleistung ganz besonders anspornte. In der 1. Knabengruppe (Volksschule Hungen) errangen Karl Schäfer 1. Preis mit 102 Punkten, Ernst Diehl 2. Preis mit 79 Punkten, Emst Hofmann und Arthur Pletsch 3. PreiS mit 76 Punkten. Albrecht Seipp 4. Preis mit 75 Punkten, Albrecht Würtz 5. Preis mit 73 Punkten und Emst Grüntein 6. PreiS mit 70
Ihre Augen flackerten auf. „Nun, und wenn ich davon gewußt hätte?"
Der Richter zuckte die Achseln. „Man weiß nichts über dieses legte Testament, es ist zu Asche geworden."
„Ich kann dazu weiter nichts mehr sagen", sagte Odette, der man eine gewisse Nervosität anmerkte, mit Entschiedenheit.
„Dann müssen wir Artemis vernehmen", sagte der Richter, und fie wurde entlassen.
Artemis kam aus dem Fischerdorf der Bretagne angereift. Feierlich, in schwarzem Kleide, ein flatterndes schwarzes Cape um die hageren Schullern, dem Kapollehul Madame Gontards, den gelben Henkelkorb am Arm, den Regenschirm In der Linken schritt die alle Bäuerin steifbeinig die Sandsteintreppen zum Gericht hinauf.
Bor dem Untersuchungsrichter begann das Kreuz feuer der Fragen. In dem Him der Frau hatten sich die Ereignisse verwirrt, aber etwas war bei ihr haften geblieben. „Unb das habe ich mir in der Zwischen zell immer wieder überlegt, Herr Richter, daß es Mitternacht gewesen fein muß. als die junge Frau Gontard nach Haufe kam. Ich würde ja gern sagen, es war früher ..."
„Bttte, Sie sollen nur sagen, was wahr ist. Sie stehen hier unter Ihrem Eid", fuhr sie der Richter an. „Sic haben auf niemand Rücksicht zu nehmen, und hüten Sic sich, daß Sie kein falsches Zeugnis ablegen. Das käme Ihnen teuer zu stehen."
„3efus Marie!" Der baumwollene Regenschirm zitterte bi der dürren Frauenhand. „Ja. meine Herren, ich werbe alles sagen, wie ich es im Gedächtnis habe."
Die Alte bereinigte sich unb begann eine weitschweifige Beschreibung jenes Gcwittertages. Das verspätete Mittagessen, das Warten auf den Herrn (Tapitaine und das Abendeßen, und was sie gekocht hatte, baß der Fisch zerfallen mar. weil sie erft um halb neun Uhr gegeben hatten.
„Um acht Uhr, haben Sie früher gesagt", warf der Richter ein.
„(Bin, es kann auch acht Uhr gewesen fein, aber es mar jedenfalls später als mnft'
Sie wußte noch, was es für eine Sorte Dein oegeben hatte für ben Gast. Ja bas wußte fie gan* genau, unb was Madame Gontard gejagt hatte in ihren Hngflbeflemmungen. in der heißen Nacht, aff
Punkten. 3r der 2. Knaben gruppe errangen ginrich Schloßinger 1. Preis mit 123 Punkten, inrich Auaustin 2. PreiS mit 108 Punkten, inz Kirchhö'er 3. Preis mit 96 Punkten, Ernst
Walz 4. Preis mit 92 Punkten und Heinrich Förster 5. Preis mit 38 Punkten. In ter Vor- Haffe für Knaben errang:n Erich Eifer 1. Preis mit 53 Punkten, Aböls Altrand 2. Preis mit 47 Punkten. Paul Lind 3. Preis mit 46 Punkten und Willi 3odel und Otto Lölller 4. Preis mit 45 Punkten. Die 1. Mädchengrupvc hatte folgende Siegerinnen: Marie Gerhardt 1. PveiS mit 50 Puntten, Martba Stutenroth 2. PreiS mit 49 Punkten, Hermine Weh 3. Preis mit 44 Punkten, Marie Stein und Minna Schmalz 4. Preis mit 42 Punkten und Erna HaaS 5. Preis mit 41 Punkten. In der Vorklaffe für Mädchen errangen Srna Sehrt 1. Preis mit 44 Punkten. Hilde Heine 2. Preis mit 42 Punkten. 3lfe Bordi und Gertrude Diehl 3. Preis mit 41 Punkten. In ter 1. Knabenaruppe iHohere Bürgerschule) errangen Helmut Stutenroth 1. Preis mit 89 Punkten. Fritz Emmerich 2. Preis mit 81 Punkten, Wilhelm Strack 3. Preis mit 75 Punkten, Richard Stock 4. Preis mit 72 Punkten und Karl Henkel 5. Preis mit 69 Punkten. 3n ter VoMasse für Knaben errangen Heinz Horning 1. PreiS mit 56 Punkten, Wilhelm Lutz 2. Preis mit 47 Punkten, Hermann Hörning 3. Preis mit 46 Punkten, Werner Kirchhöfer 4. Preis mit 44 Punkten und Ernst Stock 5. PreiS mit 42 Punkten. In ter 1. Mädchen gruppe errangen Gertrud Ringger 1. Preis mit 49 Punkten und Else Meyer 2. PreiS mit 40 Punkten. In ter Dor- klasse für Mädchen errang zn Margarete Sam es und Suse Schaller 1. Preis mit 50 Punkten. Marie Reiser 2. PreiS mit 44 Punkten und Ruth Fabian den 3. PreiS mit 43 Punkten. In ter 1. Knabeng. uppe (Schule LangSdorf) errangen Karl Schiel 1. Preis mit 79 Punkten und Ernst Schiel 2. Preis mit 76 Punkten. In der Dor.lafse für Knaben errang Heinrich Krieger 1. Preis mit 40 Punkten. In der 1. Knabengrupve (Schule Billingen) errangen Heinrich Zimmer 1. Preis mit 72 Punkten und Wilhelm Bachmann 2. Pr<-iS mit 68 Punkten. In der Vor'lasse für Knaben errangen Georg Döll 1. Preis mit 48 Punkten, Wilhelm Banners heim 2. Preis mit 44 Punkten. Karl Hau II 3. Preis mit 42 Punkten und Wilhelm Zimmer III und Ernst Strack 4. Preis mit 40 Punkten. In der 1. Mädchengruppe errangen Gretchen Pfarrer 1. Preis mit 55 Punkten. Emma PeppelenboS 2. Preis mit 54 Punkten, Erna Schleider 3. Preis mit 44 Punkten und Emma Pfarrer 4. Preis mit 43 Punkten. In der Dorklasse für Mädchen errang m Erna Diehl 1. Preis mit 47 Punkten und Frieda Paul 2. Preis mit 40 Punkten. Die Sieger und Siegerinnen werben die Urkunde deS Reichspräsidenten, bezw. die ilrfunte des Ausschusses für Leibesübungen erhalten.
* Bellersheim. 11. Sept. Die Versteigerung deS Gemeindeobst eS fand in diesen Tagen statt. GS kamen fast ausschließlich ZWetschen zum AuSgebot. Ie nach dem Behang wurden mehrere Bäume gleichzeitig auSgeboten. die Preise waren angemessen ES kam ter Baum tauf 2 biS 4 Mk., so daß sich daS Pfund Zwet- schen am Baum auf 4 bis 6 Pf. stellt. Die Birnen an der Straße nach Bettenhausen wurden auch versteigert, und zwar kamen hauptsächlich „Doppelte Philipptbimen' zum AuSgebot. Durchschnittlich wird sich ter Zentner auf 4 biS 5Mk. stellen. — In den Wäldern hängen die Buchen und Sichen voller Früchte. Do starken Behang zeigten die Waldbäume zum letztenmal im Herbst 1917, wo man durch Sammeln der Bucheckern die Fettvorräte zu strecken suchte und die Eicheln zur Fütterung für die Schweine verwandte. In diesem Iahre wird daS Einsam- mein wohl kaum vorgenommen werten und die Wildfrüchte den Vögeln und Waldtieren willkommene Winternahrung bieten. Obwohl Im Vorjahre erst die Haselnuß st räucher eine ausgezeichnete Ernte brachten, zeigen sie auch diese« Iahr wieder einen starken Behang. Leider werden sie vielfach, noch nicht aaSg.-reift. schon vor Vollentwicklung tev NußschenkelS gepflückt.
Kreis -riedbcrg
WSR. Ba d-R a u he i m. 11. Sept. Der Polizei ist es gelungen. In Wehrda bei Marburg einen flüchtigen Beamten einer hiesigen staatlichen Behörde *u verhaften, ter in dem dringenden Verdacht steht, Urkunde n-
bie Blitze burchs Zimmer fuhren unb sie bas Licht im Nachbarhause sah.
„Es hat sich bann ja, wie 6le selbst sagten, her ausgestellt, baß es eine Täuschung von Mabame war, blefes Licht, nicht wahr?^
Die Alle schwieg unb brehte an bem Henkel ihrs Korbes. Ihr hartes Bauerngesicht sah wie aus gemeißelt aus. Sie schaute burch bas Fenster auf ben leeren Platz mit ben gestutzten Platanen, unter bensn einige Lchulkinber in schwarzen Schürzen Murmeln spielten. Am Brunnen standen Moei Jungens, bie aussahen wie bie Gontarbschen Zwillinge Sie waren nur größer geworben. Sie stockte, verlor den Faben unb stotterte.
„Eine Täuschung, so meinten wir damals aller- bings."
.Herr Dupon hat ja selbst festgestelll, daß nie* manb in seiner Wohnung gewesen war, zu der er ben Schlussel haft*" ,
.X) bitte, ben Schlüssel hatte Herr Lharl«» . sagte bie Alle.
„Nun ja, jedenfalls konnte menianb in bas Haus, ohne diesen 5d)lüffei zu benutzen. Der Schlüssel lag In seinem Gelbschrank Er hätte ihn ja wohl selbst berausgeben müssen. Unb bas ist nicht ber Fall gewesen, was sollte auch jemanb in bem leeren Haufe machen, wenn er nicht stehlen wollte?"
Die Alle schwieg wieder Ihr Unterkiefer zitterte. Sin Blitz aus ihren großen, schlauen Bauern äugen fuhr über den Richter hin. Sie überlegte etwas. Es war aber noch ein zweiter Schlüffe! ba", sagte sie. „8r hat sich später ,m Garten gefunden."
„Im Garten von Herr Dupon?"
„Jawohl, im Frühsahr sand man ihn beim Umgraben ber Beete "
..Das hat denn biefer schlüssel mit bem ®e- öttterabenb zu hin?“ fraale ber Richter und sah ber Alten ins Gesicht. Sie schien Irgenb etwas sagen zu wollen, boch sie zögerte.
„Nun?" erinnert» Der Richter.
In bleiern Augenblick meldete ber Gendarm: Jyerr Charles Äontarb ist draußen."
.Lasten Sie ihn eintreten", sagte ber Richter.
Charles trat »In. Als er bie alle Artemis faß. ging C3 mtc ein Ruck durch feinen Körper, unb er schaute sofort «eg.
(Fortsetzung folgt.)


