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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 2|5 Zweites Blatt

Mittwoch, 12. September 1928

Brockdorff-Ranhau.

Ne T<»*4utton Hot nichts fraran ändern können, haft br. uni di« btp.omai -chen Xe lenk nicht wild wachten. Das alte Veibrn. daß wir bestenfalls imstande sind, gute Beamte heraus- zuschlckcn aber keine Diplomaten hat stch >eit 1818 nicht geändert Und es ist ein furchtbar«« Verhävsuis, bah unter den wenigen, die wir haben, nun auch noch der Lod so 'chnelt auf- räumt. 3m vorigen Jahre wurde un« TI alt* ia hn genommen t«tzt ih ihm T r o d b o r f I an bau gefolgt brr mit Maltzahn der Trager einer mehr naa> Olten orientierten deutschen Politik gewct«ni ist. Die kne'e Lüde auLgesüllt werden soll, daran mag man tm TuflmHid noch gar nicht den len. Schwer genu^ wird es sem. Brockdorlf har m den sechs Jahren, bic e- in Moskau arbeitet«, sich ein ungewöhnliche« Mah von Vertrauen nicht nur bei den Tuffen erworben. 9x war vielleicht der Einzige, der ihnen die Wahrheit sagte und lagen tonnte: und er hat dabei gleichzeitig, in unserer parieipott- tisch zerrissenen 3rit gerade-u eine Merkwürdig- Mt. die Unterstützung aller Parteien von den Veütschnationalen biS au den Sozialdemokraten erlahren Und da», obwohl er in den ersten Lagen seiner Miniftertätigkeit in Weimar dem Deist der Revolution zunächst Conzes tonen ge- macht hatte, die starken Anstost erregten. Aber sie DerWabtcn doch gegenüber den unleugbaren Verdiensten, bi« Brockfrorss-Tanyau sich um bei nadbretoluttonäre Deutschland erworben Hal. Er nxubte lange warten, bis er an die Tcihe tarn; sein Tarne als Leiter der Aubenpolitik würbe eigentlich bei jeder Krise fett 1914 genannt. Aber erst nach dem Umsturz holte man ihn au« Kopenhagen und bürdet: ihm die schwerste Last aus. bi« ein Auftenministet zu tragen hatte: die Führung der Frieden«Verhandlun­gen, angesichts de-^ Haffes der Gegenseite von vornherein (in au-sicht-lo'es Beginnen. Aber er bat e« wenigstens verstanden, unser Unglück mit Würde zu tragen. Da« soll ihm unverge sen sein. Mi-t vornehmer Form hat er Elemence au einige Lehren erteilt, die doch den Crfolg ballen, bah die Deutschen Halbwegs menschlich behandelt wurden. Or hat In Bersaille« Tlemenceau und Wilson in« Gesicht «sagt, da« Dekenntni« von der Alleinschuld Deutschland« am Kriege würde in seinem Munde eine Lüge sein Solgcridfrtig ist er in Weimar für d e A b- lehnung de« Teriaitier Diktats cingctrcLm unb ist gegangen, weil er überstimmt wurde: weil er der Meinung war. baft. wenn wir nicht unterschrieben wir vielleicht durch ein Fege­feuer von einigen Monaten gehen mühten, wenn w'rd dagegen unter Mir «eben, das einer sch.eichen- ben Krankheit gleiche, die da« Bolk zuletzt ver­zehren würde. Trotzbern hat et sich der Republik spater wiicher zur Verfügung gestellt unb den Weg nach Osten geebnet (Jr war der eigentliche Vater der deutschen Aussenvolittk: doppelt schmerzlich, das» er un« gerade in dem Tugenbhd fehlt wo möglicherweise die Tür nach Osten wieder weiter ausgemacht werden mutz.

Llm die Nachfolge.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 12. Sept Obwohl sich selbstver* ständisch die zuständigen Stellen noch nicht mit der Tachfolg« de« Grasen Brock- dorfs-Tandau beschäftigt haben, wird doch in politischen Kreisen bereit« lebhaft über diese« Problem gesprochen, da« obne Frage nicht so einfach zu lösen fein dürste. Ss stehen schon jetzt zwei Tarnen im Mittelpunkt der Erörte­rungen, nämlich einmal Tudolf Tadolnh, der deutsche Botschafter in Angora, und Ul­rich Tauscher, der deutsche Gesandte in Warschau. Beide sind im Grund« genommen für diesen Posten, der eine ganz besonder« Per­sönlichkeit verlangt, vorbercttet. Ulrich Tau­scher hat im Verlauf der Jahr« in Warschau mancherlei Fühlung mit den russischen Stellen nehmen müssen, so das) er immerhin über eine gewisse Sachkenntnis verfügt Dazu tonrmt noch, bah er. der seine diplomatische Karriere als Gesandter in Athen anfing, einen Poften, den er aber in Wirklichkeit niemals antrat, bi« zu

Gießener Siavitheater.

Prcsbtr undLtein:Lifelott von dcrPfalz"

Da« Stück von Tubolf Pr««b«r und Leo Walther Siern, mit dem man die heurige Sommerspielzeii beschloß, ist aus einer sehr ehren werten Gesinnung heraus geschrieben unb übri­gen« gerade in diesen Lagen, da man sich um die Aechtung des Kriege« unb di« friedliche An­näherung der Tattonen so angelegentiich und ernstlich zu bemühen scheint, da das Theinland nod) immer befcrtt ist, und Briand ernt so bemer­kenswerte Tebe vernehmlich gehalten hat... von einer gewissen Aktualität

Weil es aber für bi« Beurteilung eines Stücke« mindesten« nicht ausschließlich aus di« unantastbar gute Meinung an kommen darf, in bet es gemacht würde, fo ILHt sich die Fest­stellung kaum unterdrücken, bah in diesem Falle weniger die künstlerischen al« bto patriotischen Ansprüche des Zuschauer« unb HStctS befnebtgt würben.

Ein Vorspiel Heidelberg 1670: drei Akte Versailles 1689. Das Ganze nicht so sehr em (sehr personenreichesl Lustspiel, als eine ertön« in die Läng, gezogene Geschichtsstunbe mtt leben­den Bildern und locker gefügt ?n. teil« idottlschen, teil« sentimentalen Epi öden auf dem «Lbcaler. T«bmbei bemerkt für eine dramatische Ge- tung de« Stoffes hätte sowohl eine erheblich« Beschränkung das Personals wie auch eine ernste, um nicht au lagen: tragisch« Einlleidung näher gelegen. Die Auffrischung der geschicht ichen Daten an sich ist allerdings schon um de-willen durch­aus zu begrüben, weil die Prinzessin Elisabeth Eharlott« von der Pfalz, und nachmalige Her­zogin von Orleans ganz gewiß eine der liebens­wertesten unb kaum genügen!) gekannten Gestalten der deutschen Geschichte gewesen ist: baft man sie vielleicht später ein wenig überschätzt hat. tut nichts zur Sache: ihre urwüchsigen Briefe zu lesen, ist noch heute ergötzlich, lehrreich unb oft wahrhaft erfrischend.

3m Lustspiel nun. wie es einmal ist, geht es, zuerst in Heidelberg, um die Verehelichung der blutjungen Prinzest - gegen ihren Willen

feiner Ernennung zum Gesandten in Warschau in den Zähren 1920/21 cl« Gesandter in aufter- ordentlicher Mission bei bet Sowjetrepudlll Ge­orgien tätig war Grohere Aufftchten hat dem­gegenüber allcrbing« Botschaster Tadolnh. Al« Tv.gdonlul beim Generalkonsulat in Peters­burg in den Jahren 1933 07 hat er einen tiefen (JinbM in die russischen Derhältnilfe nehmen können Unb auch feine weitere Karriere, zu­nächst als üegaticnsrat im Auswärtigen Amt und dann al« Sonderdeleaierter zu verschiedenen Steign'lsen in den östlichen Staaten, hat chm eine besondere Kenntnis bet östlichen Verhält-

niffe verschafft. Dazu kommt noch hast Tadvlnh eine aufierotdentlich zäh« Persönlichkeit ist. die ähnlich r e BroMorif-Tannau am beste, für ben Moskauer Poften gee gnet zu fein schei-.t Sr -.st feil Ma 1924 der diplomatisch. Ver­treter Deutschland« in der Türkei unb hat es dort verstanden, nch em auhervrdentllches Anlehe M irwerd.n Käme er für die 2iachlolge Brock- borff-Tannau« tn Frage bann bliebe natüritch immer noch die Frage offen, wer lein Tachfvl- ger werden würde. Auf jeden Fall steht wieder einmal ein ar 66 e re« Tcoirement Im deutschen dtpwmatifchen Korps bevor.

Herbstübungen der Flotte.

Don Äorocttcntdpitän Ctracblcr fLinienschiff Reffen').

I. 3n der Torblee.

Em Ausbildungsjahr der Flotte geh; za Ende. Bi« zum Mai Imb Werfttiegezetten, Fachschule und EinzelousbÜbung erledigt worden. Di« Be- lichtigungen der Schtss« Im 3uni hoben bieten Tblcbnili beendet.

Darnach ist da« Zusammen schweifte.« der Einzel­kräfte zum Flottenverbande m den Vordergrund getreten Die AuSlanbausbildungsreise, die dies­mal nach Torwegen führte, die Flsttenartillerie- schieben, denen der Herr Teichsprälident durch seine Anwesenheit besondere Wethe gab. unb die Tvrpedoschtesten aller in Frage kommenden Teil« haben biefer Verbandsaufgabc gedient.

Die am 4 September von Wilhelm-haqen aus bcgonr-cnen Herbftübungen der Flott« sollen in ihren drei Abschnitten, dem Tordsee-, dem Ostsee- unb dem abschließenden Teil unter Führung der Marineieitung zuerst die Berbandsausbildung Aiun Abschluh bringen, bann im ganzen Techeri- schaft oblegen, was im letzten Flottenjahr ge­leistet. wie weit der Wiederaufbau der Flott« gefördert worden tst.

Tach der Tücklehr vom Notterttorpeboschiehen herrschte reges Leben m den Warineftandorten der Oft- unb Tordsee Brennstoff. Derpslegungs- horräte und Ausrüstung aller an den Herbst- Übungen teilnehmenden Schiffe und Fahrzeuge werden aufgefüllt. Die Linienschiffe nehmen ge­lackte Kohle al« Deckslast, um gelegentlich den Torpedobooten auSzuhelfen und ihren Aktions­radius zu vergröbern.

Auf allen Fahrzeugen sieht man eifrige Hände an der Arbeit, Farbe auszubessern. zu waschen und zu scheuern, um die Schisse in ihrem Teufte* ren herzurichten. Jeder will vor bfcn Augen der höchsten Vorgesetzten unb der vielen heimlichen Knitter gut aMdjneiben Beim Soldaten und besonder« bei k<n Schiffen einer Krieg-marin« gehört gute« Aussehen zu einwandfreien Lei­stungen.

Endlich ist man so wert. Die Urlauber kehren an Bord zurück

Die kommandierten Schiedsrichter unb Teichs- Wehroffiziere, dieBadegäste", bi« zu jeher Den- banbäübung gehören, steigen ein.

Am Montag, dem 3. früh laufen die Ostsee- schiffe au«, um burch den Kailer-Wilhelm-Kanal den Aufmarschhafen für die Hebungen in der Tordsee, Wilhelm«hav«n. rechtzeitig zu erreichen.

Herrlicher Sonnenschein liegt über dem Kanal, der von zahlreichen Schiffen aller Tat tonen be­lebt ist. über der Elbe unb der Tordsee. 3m Abenddunst finb die Umrisse von Helgoland zu erkennen. 3adeaufwäri« Wird gegen 11 Uhr abends auf der Tecbe von Wilhelmshaven ge­ankert, wo bereit« die Torbseefchiff« auf ihren befohlenen Ankerplätzen liegen. Toch herrscht tiefer Frieden: Heller Lichterglanz strahll auf allen Schiffen.

Am 4. vormittag« ist an Land eine Sitzung, in der der Flottenchef. Vizeadmiral Oldekopp. die Unterführer unb Kommandanten begrüßt unb allgemeine Tichtlinien für die Hebungen befarmt- gibt.

Tun kommt Leben in den Flottenverband. Dicht gedrängt, mit brausenden Wrndmaschinen, warten die schwarzen Torpedoboote und die grau-grünen Zerstörer mit den Taubtiemamen am Bug. auf das Oeftnen ber Schleusentore der 111. Einfahrt.

Schnellboot, Pin assen unb 3ollen bringen bi« Schungsteixnehmer auf ihre Schiffe zurück, bl« auf Signal vom Flo.tmslagg'^iff ..Schleswig- Holftem" Anker lichten und den voraus- g«dampften Torpedobrot«- und Minensuchhalb- Rottillen jadeabwärts folgen.

Tach Gewinnung der offenen Oec, bk mit leichter Dünung bic Lch.tfe fantt bin und her bewegt, führen die einzelnen Verbände für sich fdbuimäfjigc Hebungen durch

Auf Flaggensignale vom Flaggschiff ober, wie von unfichtbarer Hand bewegt, auf Funkspruch, schwenken unb wenden Linienschiffe unb Kreuzer ötuunenb beobachten bi« zahlreichen Fahrgast« des vorbeckommenden Helgolanddampser«Ta# habe" die genauen Bewegungen, die bk Schiss« tote Soldaten auf weitem Ererzierplatz aus­führen. Manch einer auf dem kleinen unmodernen Taddampfer mag beim begeisterten Tücher- schwenken wehmütig an alte Zeiten gedacht haben, wo sich dieselben Schiffe, die jetzt die Flott« hüben, im Verbände mit zahllosen modernen Linienschiffen unb Kreuzern in rastlosem Fleitz um Helgoland tummelten.

Gegen abend wird auf ber Anfangsstellung für die Hebungen der Tacht geankert

Tach Einbruch der Dunkelheit setzen sich die ab- geblendeten Schisse, au« denen nicht ber f.einftc Lichtschein bringt, wie gespenstische Schatten in Bewegung unb treten ben Vormarsch gegen ernt markierte Stellung an. Die germgen Einheiten der un« verbliebenen Flotte erschweren die Manöverübungen: Gedanken und Phantasie müssen in oernen ft gemäßen Grenzen arbeiten, um in einem Minensuchboot oder Tender ein Linienschiff ober einen Kreuzer dar gestellt zu lehen. seine Bewegungen und Waffenhanbluntzen in seinen beabsichtigten Wert zu übersetzen Die­ser Umstand erfordert besonderes Geschick bei den von den Schiedsrichtern zu treff en ben Entschei­dungen.

Auf allen Schiffen herrscht gespannte Tufmerfl- famteit unb scharfer Ausguck. Angriffe von Torpedobooten. Kampf mit Kreuzern unb Linien­schiffen flnb zu erwarten. Bald zetgen Schein­werferleuchten unb Sternsignale an, haft bte Aufklärungen beider Parteien in Gefechtsberüh­rung gekommen finb. Bei ber sternklaren, weit­sichtigen Tacht werden auch an greifen bc Tor­pedoboote meist rechtzeitig entdeckt und an Schein­werfer-licht für die Artillerie festgehalten, die mit schnellster Salven folge auf di« unheimlichen Gesellen hersällt. Wird ein markierter Torpedo­schuft von den Booten loSgemacht, bevor da« Boot von Scheinwerfern gefaßt und beschossen ist. werden von den Schiedsrichtern Ausfälle für da« getroffene Schiff eingelegt.

Immer zahlreicher werden die Torpedoboots­angriff«, denen sich da« vormarschierende Gro« burch Wendungen zu entziehen sucht. Tach Lag« der Dinge mutz damit gerechnet werden, haft der Gegner Standort und Kur« des vordringenden Verbandes kennt. So fommt c« schon gegen 11 Uhr abend« zur Beendigung der Hebung, sobald ihr« Aufgabe und Zweck erfüllt erscheinen.

Freudig wirb da« BeenbigungSsignal begrübt, wenn auch der folgenbc Tachtmarsch mit abge­blendetem Schiff, in dem sich allmählich eine nur mit dem Messer teilbare Luftmasse anlammelt, nicht gerade zu ben gröftten Annehmlichkeiten gehört.

und chr fest in der pfälzischen Heimat wur­zelnde« natürliche« Gefühl. ... im Stück selbst nach achtzehn langen, mit Enttäuschungen unb Erfahrungen reich gesegneten 3ahr«n um die Verheiratung ihres zweiten Sohne« Philipp, deS Herzogs von Thartre«. mit der .natür­lichen" Tochter deS Sonnenkönigs unb der Mont- eSpan... wogegen die Liselotte sich leidrn- schaftlich gesträubt hat, ohne doch ihren Willen durchsetzen zu können: so baft beim zum Schluft. wie es in einem Lustspiel sein soll, ein noch dazu historisches Brautpaar den Segen der aller- christlichsten Majestät in Empfang nehmen dar«, während die Pfälzerin feinerzett em nicht ganz so freundliches Gesicht dazu gemacht haben soll, trte eS hier zu sehen ist.

Die dramatisch wenig ergiebiae Fabel wird im Verlaufe der Drei Akte durch allerlei thea­tralisch nicht uninteressant«. stellenw«il« auch freilich etwas langatmige Einschiebsel abendfül­lend ausgesponnen. So etwa durch die beftigt Äontraftierung Liselottes mit ihrem Gemahl, der durchaus als ein eitler Harlekin bezeichnet wer­den muh. Oder oa« schlechthin rührende Wieder­sehen mtt einem Iugendgesptelen. der als ge­fangener pfälzischer Hauptmann von dem van- d al ischen KriegSzuge bet berüchtigten TZ dar be­richtet. Ober die ausführliche Lev4e des Kö­nigs nebst anlchlieftendem Frühstück, wobei er von der schlagfertigen Liselotte di« anmutigsten Grobheiten griagt bekommt. Endlich die höchst giftige Auseinandersetzung mit ber intriganten Maintenon: allerdings ist die Technik gerade des au-gehenden letzten Aktes sowohl wo es sich um die Aufdeckung einer aue-geflügelten Hofka- bale wie um die etwa« sehr gut geölte Verlo­bung handelt von einer, gelind« gesagt, be- neibenstoerten Bequemlichkeit.

Der Aufführung war ein klarer unb herzlicher Erfolg befchieden: es Dxrb dem Tegifkur, Ober- Ipielleiter Tele ky. ber sich mtt dieser Vor­stellung verabschiedete, um in gleicher Eigenschaft nach Tegertoburg überzusiedeln, eine Freude ge­wesen fein, in den toicberftolten stürmischen Bei­falls Kundgebungen des Hause« wie in oerichwen- derilchen Blumenangebinden ben sinnfälligsten

Ausdruck dankbarer Anerkennung entgegenzuneh­men für da«. waS er tn langen 3ähren ver­dienstvoller künstlerischer Tättgkeit am Siebener Theater geleistet hat. Telekh vermochte sich auch mit der sauberen unb wohl temperierten Einstudierung ber gestrigen Vorstellung wie in der <otglam au«gefeilten Tolle des Ehevalicr von Damartin einen sympathischen Abgang zu sichern.

Ansonsten kann angesichts de« ausladenden Perionenverzeichnisse« nur mit Auswahl auf die Besetzung eingegangen werden, die übrigens irn Onlemble recht befriedigende Eindrücke hinterlieft.

Was die Hauptperson betrifft, fo ist sie am besten unb kürzesten mit ihren eigenen Worten gekennzeichnet:ich habe... allezeit ein teutfches Hertz unb gemühte': in der vortrefflichen Ver­körperung durch Maria Koch war beides. Hem und Gemüt: e« entpuppte sich in ihrer Prinzey und Herzogin gleicherweise eine Frau vom .rech­ten. alten, teutschen Schlage", mund fertig, mutter- witzig, ehrlich bis zur Grobheit^ ein Menfch unter lauter Larven, eine .fühlende Brust"; ihr und ihrem prächtigen Urbild war der grobe Erfolg eine« schwächlichen Stückes tn erster Linie zu oct banten.

Der vierzehnte Ludwig wurde von Tan­ner t gespielt, welcher lich mit viel Geschick einer naturgemäß heiklen Ausgabe unterzog: et gurgelte wahrhaft königlich unb fuhr mit edlem Anstand in die Hosen aber er bemühte sich auch, im ferneren Verlaus, der historischen Ge­statt. über Kostüm und Maske hinaus, vetfönllch empfundenen Umri ft, Farbe unb Haltung zu geben.

Eine interessante und diesmal untadelige Leistung bot Lrselotte Fuhrmann, die tn ber knappen unb saft etwa« au glatten Charge der Maintenon eine ihr offenbar sehr ent­gegenkommende Tolle fand. Arzdorf zog sich mit diskretem Humor au« der Affäre: der herzogliche Windbeutel von Orleans wirkt in der leucht selbstnwuilchen Beleuchtung noch am ertraglüchsten. Das junge Paar Trude Heft unb Otto Knur mochte eine gute Figur unb versprach eine bessere Partie al« sie ge­schichtlich zu bezeugen wär«.

Ctraftlenber Sonnenschein licat am nächsten Morgen über der ruhigen Se« Vor- und Aach- miitage finb au«getüllt mit Fahrübungcn im Aahmen takttscher Aufgaben unb Der'uchen. in bie Tnanfe der Torpedoboote srischrS Leben frincmvuDringen. Di« Ichneibigen Durchbrüche am Heck der Schiff.' ziehen immer wieder d e Augen aller, die nur irgendeine Gelegenheit zu schauen erhaschen können, aul sich

Für bi« Aulgabe der xaeiten ..:bung raftt bte dem schönen Lage Icügend.- mondhelle, ster­nenklare Tacht nicht recht Ein «Stegner w.rb zur Durchführung eme* gröberen Unternehmen«, wie im vorliegenden Falle angenommen, eine solche Tacht nur unter für ihn günstigsten 2te- bingungen für die erho' te erso'.greick - Erledi­gung Ivtner Tut gäbe wählen. 3n fol«t ?r Tacht- bclle find auch leichtere Streitkräfte auf größere Entfernungen rechtzeitig au« zu machen und zu vernichten.

Auf ben Linienschiffen zieht sich btc Tacht bis zum Morgengrauen emsörm.g und ohne Be­unruhigung irgenbemer Art babin Trotz schar­fen AuSgucks der Kriegswachen ist nichts zu

den Gegner ein Einzelne Torvedodoote greifen an: ihr Angriff wird zur Feit erkannt und erfolgreich abgelcb'.agcn

Erst am sonnenhellen Morgen kennzeichnen starke Tauchwolken das Heraimahen bc# (Seg­net«. E« kommt zum Gefecht, ba« bald nach Beginn abgebrochen wird, ba bie gestellte Auf­gabe bered# ihre prakt.kche Lösung gefunden bat.

Freund unb Fe mb vereinigen sich zu mebr- flünbtger Tube, um den Besatzungen Gelegen­heit zu geben, ein paar Stunden Schlaf nach- zuholen, während die Lorpedoboote ihre Kohlen- vvrräte ergänzen.

Während der seemännischen und artilleristischen Uebungen des Tachmittage« ändert sich da« Wetter zum Sch'.echten. Bei den Schleppudung^ir erklettern bereit« einzelne Leen Auf.eufreck« und Back der Linienfchisse: dl« kleinen Kreuzer rollen aufgeregt bri unb ber. Schäumend brandet die See. wenn die wuchtig im Wasser liegenden Linlenschilf« in geringster Entfernung aneinander vorbeifähren, um die Sch'eppleinen überzu­nehmen.

Tach einem Postaustausch auf bem Flagg­schiff. zu dem sich die Kutter mühsam über do re Wellenberge und durch tiefe Täler, tn denen sie sekundenlang verschwinden, bindurchkämpfen mül­len. werden die einzelnen Streitkräfte auf ihre Anfangsftettungen für bie ilebung de« nächsten Tage« entlassen.

Am 7 September morgens beginnt diese He­bung. die Skagen zum Ziele hat und den Torbleeteil ber Flottenreise beenden soll Gc- tpannte Aufmerffamkeit bält die Besatzungen ben ganzen Tag über in Atem. Bald ruft sie ein markierter U-Boots- oder Flugzeugangriss an die Kanonen, ober eine gedachte Mlnengesahr erfordert Schließen sämtlicher Schotte. 3m übri­gen verläuft der Tag im allgemeinen ruhig.

Das Wetter hat sich wieder zum Besseren ge­wendet. Gegen Dunkelwerden haben sich feind­liche Xorpcboboote heran gefühlt, die sich an den Linienschiffen fest bei hen

Abgeblendet verschwinden die Schisse im Dunkel und versuchen durch Hafenschlagen die lästigen Beobachter abzuschütteln. Wiederholte Torpedo­bootangriffe beweisen, baft «in Entschlüpfen nicht gelungen ist.

Inzwischen haben aber auch bie eigenen Boote ben Gegner gefunden und versucht, ihn für den bevorstehenden Kampf möglichst zu schädigen.

3n diesem Augenblick steigt das besonders nacht« gern gesehene Stemsignal für Beendigung der Hebung vom Flaggschiff auf. Gesammelt treten Freund und Feind durch die invndhelle Tacht ben Weitermarsch nach ©tagen an. wo bereit« bie Kvhlenbampser auf ihre Beute lauem. Tach ber Kohlenübernahme soll Sonntag«ruh» mit Landurlaub die erste Woche beschlieften.

Sprechstunden der Redaktion

12 bl» 1 Uhr mittag», 5 bi» 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen.

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Aber ber Historiker soll ja Weber auf bet Bühne noch in ber Kritik ba« letzte Wort be­

halten. (>t 1 h

Die neuen Sriefmarten von Afghanistan.

DaS Erwachen Afghanistan« zu einem moder­nen Staat unter der Tegicrung König Aman- ullah« fpiegett fich auch in der Ausgabe neuer Briefmarken, die zum erstenmal in ber Gefchichte ber afghanischen Post auch bem inter­nationalen Postverkehr dienen werden. Bushec galten die Marken diese« alten Königreiche« nur innerhalb der Grenzen de« Lande«, Postsa^)en, die für die Auftenwett bestimmt waren, wurden von dem afghanifchen Posthalter zu Pelhawar mit britifch-indischen Marken franftert. 3etzt aber sind die nationalen Briefmarken Afghanistans vom Weltpostverein offiziell anerkannt worden, und fo hat man denn neue Marken au-gegeben, die nicht mehr in Englisch wie früher, sondern tn Französisch die AusschristRostes Afghani tra­gen. Die neuen afghanischen Marken sind lttho- Saphiert und zeigen in der Mitte den ISstrah- jen Stern von Kabul, in bem sich wieder das Bild einer kleinen Moschee beftnbet. Die fünf Werte find: 2 Puli Hau. 10 Pult grün, 25 Pult karminrot. 40 Putt blau und 50 Puli rot. Der kleinere Wert in Blau hat «ine lange rechteckige Form. Für Pakete gibt e« auch noch eine Zwei- Tupienmarke in Orange. Alle Marien find rund um bie Tander perforiert und haben Inschriften in europäischen und afghanischen Buchstaben. Dor 58 Iahten wurde die Briefmarke von dem Emir Scher Ali in Afghanistan eingesühri. Die Marken erhielten damals das Bild emeS Tiget- kopfes, da sich der Emir .Tiger von Äabur nannte. Diese erste und alle folgenden Serien wurden von eingeborenen Arbeitern in bet Münze von Kabul hergeftellt, unb sie fanben in­folge ihreS unscheinbaren AuSsehenS wenig Bei­fall bei ben Sannnleriv Auch war es aufter- ordentlich schwierig, solche afghanischen Marken zu erhalten. Daher hoben sie bisher in bet Philatheli« eine geringe Tolle gespielt. 3etzt aber wächst die Tachfrage nach den alten afghanischen Marien, und sie wird durch die Ausgabe bet neuen schönen Serie sich wohl noch steigern.