Nr. (62 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefseu)Donnerstag, (2. Znli (928
NashesfischeGewerbesteuergeseh für 1928.
5>ae vom hessischen ßonbiag beschlösse,^ <*e* icß vom 10. Mai 1928 stellt lieh die Aufgabe, für dre Zeit bis zur rcichsrcchllichen Regelung für die Gewerbesteuer eine Zwischenregelung von Landes wegen zu finden. Das Gesetz beschränkt sich daher aus das vteuerjahr 1928. weil mit dem 1 April 1929 mit dem Aeichsrahmeugesey für bic Gewerbesteuer gerechnet wird. Das tfeiett liebt aber in Art. 19 die Ermächtigung für die Regierung vor. die Geltungsdauer le ner Dorfchristen aus ein oder mehrere Steuerjahre zu erstrecken, lall» sich wider Erwarten da» genannte Aeichsgeset) ven^Skrn 'ollte Vas Gcwerbefteuergcled für 1928 stellt kein selbständige» Gewerb?teuergeletz bar sondern grundsätzlich gilt da» fksideriae hellilche Ge- >ir ndcumlagegefetz tom Z. August 1920 für bic staatliche und kommunale Gewerbesteuer werter, '»weit nicht unter Berücksichtigung der geänderten Wlrtichaltsverhältnisse die Vorschriften de» i.euen Gewerbesteueogesetze» treten
Die Gewerbesteuer wird nach zwei Beran- lagung»grundlagen erhoben, einmal von hem nach den Vorschriften de» ReichsbewertunaS- »eletze» vom 10. August 1925 zu bewertenden steuerbaren Anlage- und Betrieb-kapital, fobann । on dem nach den Vorschristen de» AeichSein- 'oiiimensteuergesetzes und Körperschastsgesetze» zu rmitUlnben Ertrag de» Unternehmen». (®e- ^rbeertrog 1 Das Seiet) enthält gegenüber dem '«-itherigeii Gen.eindeumlagengesetz nicht mehr die Acfteuetunfl des land- und forstwissenschast- Uchen Anlage- unb Betriebskapital» Indent e» hiefe erheblichen Veraunstigungeii für die Land- Virtschalk ausrechterhält. welche chr in der Zwi- ^chenrsgelungci, der letzten Jahre bereit» zuae- standen wurden deutet es zugleich dadurch Die Einstige Entwicklung der Grundsteuer auf der Grundlage des da» Anlage- und Betriebsla- pital mit ilinsalsenden Cinheit-werle» des land- und forsrivillenlchaftlichkn Vermögen» an. We,- lere grundsätzliche Aendrrungen des leitherigen Gemeindeumlagengesetze» bestehen in der Aeu- faslung der Steuerbefreiungen und in der an- derweitigen Bemessung be» Besteuerungsmast- stabe» Gegenüber dem ®emehibeumlagengelen ilt der Schuldenabzug erweitert worden, auch wird dem sozialen Gedanken durch die Freigrenzen, durch D e g r e s s i o n unb Berücksichtigung der pers önlichen Arbeitsrente Rechnung getragen.
Sine staatliche Gewerbesteuer wird nach dem Gesetz nicht erhoben, wenn da» Gewerbela- pital weniger al» 500 Vlark beträgt Die Gemein den sind mangel« einer entsprechenden gesetzlichen Vorschrift an diese Greivze nicht gebunden, sie !honen also eine Steuer vom De- a>erbekapital erheben, auch wenn diese» weniger al» 500 Mark beträgt. Bei dem Gewerbeertrag wird, wenn dieser weniger als 1200 Blark betragt, die staatliche Dewerbeertrags- Hcuer nicht erhoben Die Gemeinden können nach hier bei einem niedrigeren 6ttrage die Steuer erheben.
21 c u und wichtig in dem hessischen Bewerbest euergeletz ist die vom Landtag hereingebrachte Bestimmung in Artikel 2 Ziffer c, hast al» Gewerbebetrieb Im Sinn« dieses Gesetze» die Tätigkeit der sogenannten freien Berufe gilt, d h. die Ausübung be« Beruf» der Rechtsanwälte. Aerzte. Tierärzte, Zahnärzte, der staatlich geprüften Dentisten, sowie der Architekten. Geometer, Markscheider, der Heilgehilfen und Hebammen.
Der Veranlagung der Gewerbesteuer vom Ge- iverbekapitai hab die für den Beginn b«s 1. Januar 1928 festgesetzten S i n he i t» w e r t e zugrunde zu legen. 3n gewissen besonderen Hallen kann eine Aeuveranlagung erfolgen. Mast- gebend für die Feststellung bc3 CDetocrbeertrage« ist das Ergebnis des Kalenderjahre« 1927. evtl, da« Geschäftsjahr. sofern diese» vom Äalenber- jahr abweicht.
Mit bem neuen Gewerbesteuergesetz sollte nicht, nie die Regierung in der Begründung zu dem Geletzentwu^e angibt, die Absicht einer ©teuer- crtöoun-i verbunden sein, sondern da» Gesetz clt lediglich auf eine gerechtere Ver -
Möwe im Sturm.
Vornan von Sophie ttloech.
12. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
.Politik? Steckt er dazwischen? — Hat er darum den wunderlichen Verkehr. Und spielte mit den .eilten? — Ich sah euch gestern abend durch das 2oggiafenftcr, Elen."
..Da hast nicht viel Lchoncs gesehen. Denk' nicht mehr dran. Ein Spielchen und ein Glas Seit — und da kam die Polizei dazwischen. Die politische, weiht?" Sie gähnte leicht. „Ach. immer solche häßlichen Sachen. Aber so Im ganzen, da bin ich recht »roh. daß wir da heraus lind. Puh, in meinen Kleidern sitzt immer noch der Moderdunst. Ich staub', in dem Wandschrank, wo sie hängen muß- ten, hat man mal Leichen aufgehoben."
„Pfui, was für Gedanken!"
„9a. in Venedig ist allerlei geschehen in den ulten Zeiten. Und was die Augen nicht mehr sehen, das spürt die Nase noch."
..Jetzt schweigst du." r ä _
„Wann werden wir in München fein? sagte der Fredi nicht, am Nachmittag? Schön werden wir aussehen. Nicht einmal die Haare konnte mir die ©iulietta noch richten. Nur das Diadem ber- außgeriffen und den 5)ut darüber und fort. Wir müssen ein geschlossenes Auto nehmen, daß uns keiner so sieht. Kennst ein Hotel da?"
„Wie ich einmal mit der Tante bort war, noch vor dem Krieg, da wohnten wir im Bayrischen w
„Schön, gehen wir dahin."
„Ich glaube, es war ein sehr feines Hotel."
.Bann ist's schon recht."
..Es wird viel Geld kosten. Elena."
Die zog die leichte Tasche hervor, die ihr in den Schatz geflogen war, und sah hinein. ..Da steckt eine Menge drin. Das reicht auf lange. Inzwischen wird der Sergei schon von sich hören lassen. Und zur Slot — sch hab' mein bißchen Schmuck ja auch noch mitgenommen. Der Ning hier — sie deutete auf den Rubin im Schlangenring —. „der ist ein ncineß Vermögen wert."
„Dein Diadem rnuß ja auch sehr kostbar (ein. Hast du es eingepackt?"
teilung der Gewerbe st euerla st. denn bic «eltberigen Besteuerung«grundlagen muhten al» längst überholt unb ungerecht angesehen werben.
Heft. Erlaß gegen den Arbeilermangel in der Landwirtschaft.
La» ®damtminifkrium de» Freistaates He«.en hat vor kurzem an sümliche ihm unterstellten Behörden ein Ausschreiben gerichtet, in dem es heißt, daß e» nach übcrcinftimmcnben Meldungen aus säst allen deutlchen Ländern den Anschein habe, wie der Reichsarbcitsminister mitteile als obderMangel an landwirtschaftlichen Arbeitskräften in dic'e.n Jahre besonders groß sein werde. Ter Präsident der Velchsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arleitslo enver'.iche- rung hak daher die Arbeitsämter angewiesen, für die rechtzeitige Befchaf- fungder notwendigen Arbeitskräfte für die Landwirtschaft nut allem Nachdruck bemüht zu fein und» alle Arbeitsuchenden bei denen es sich nach sorglältiger Drüfung ergibt, dah s.e für lanbwirlscha't.iche Arbeiten geeignet sind, den (andwirtschaft.ichen Betrieben zuzu ühren. Die Arbeitsämter sind dabei nochmals auf ihre Pflicht hingewiese-i worden. Arbeitslosen, die land- wirtschastliche Arbeiten ohne genügenden Grundablebnen. die Unterstützungzu entziehen. Tie.cnigen Berufsgruvpen der Untcrstutzungse.npsänqer, un.cr denen sich erfahrungsgemäß ehemalige Landarbeiter lesinden. sollen besonders überprüft werden.
3n einem besonderen Rundschreiben hat der hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft den
Industrie- unb Handelsta nmern. sowie der Hand- w-erkstammer empfohlen. sich bei Bcdar« an Arbeitskräften stets ber Arbeitsämter zu bedienen, die in der Lage finb. geeignete Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen, rhr.c die Belange der Landwirtschaft zu stören
Die belcnbcrc Act.agc auf dem landwlrt'chafl- lichen Arbeitsmarkt im Jahre 1928 macht es aber auch allen anderen Stellen, die aa der Sicherung der Arbeitskräfte für die Landwirtschaft Mitwirken können, zur Pflicht, d.ele Bemühungen mit allen Kräften zu unterstützen unb alles AU unterlas en. was fie beeinträchtigen könnte Die Behörden sollen hierbei mit gutem Beispiel vorangehen Daher fol en diese
l. ihren Bedarf an Arbeitskrästen. unbeschadet der Auswahl unter den Angebotenen, au«- schiießlichdurch Vermittlung derArbeitsämter decken, es sei denn, daß unter den abgebauten Angef.eiiten geeignete Kräfte vorhanden sind die zur W-edereinsteliuna vorgemerkt unb dringend auf Verdienst angemiesen finb;
2. bei Arbeiten, d e im ganzen an Unternehmer vergeben toerben, diesen zur Pflicht machen, sich ihre Arbeiter mit Ausnahme der sogenannten Stammarbeiter durch Vermittlung der Arbeitsämter zu beschossen.
3. soweit es sich nicht um land- und sorstwirt- schastliche Betriebe handelt. Arbeitskräfte, die nach ihrer Ausbildung und früheren Tätigkeit für die Landwirtschaft geeignet erscheinen, möglichst ausscheiden, und zwar Lebige an erster ©teile. Verheiratete auf Anfordern der Arbeitsämter und wenigstens für die Dauer der landwirtschaftlichen Bestellung»- und Grn.ezeiten.
Den Kreisämtern ist empfohlen worden, auf die Gemeinden in gleichem Sinne einzuwirken.
Körperbildung oder sportliche Rekorde?
lieber dieses Thema sprach auf Deran- lasfung des Verbandes zur Förderung be« Volkssportes e. V. in Helsen unb Nassau gestern abend Universitälsprosessor Dr. O 11 o H u n t e m ü l l e r. Der Redner führte u. a. au«:
Vach dem Kriege hat in Deutschland die Pflege der Lcibesübungen erfreulicherweise einen gewaltigen Aufschwung genommen. Ueberall im deutschen Vaterland, selbst in den kleinsten Ortschaften, bilden sich Tunr- oder Sportvereine, die in irgendeiner Horm die Ausbildung tc3 KörprrS betreiben. TDenn man sieht, wie oft ganze Spalten unb Seiten der Tageszeitungen mit Turn- und Sportberichten gefüllt sind, so kann der Leser leicht auf den Gebanlen kommen, wir in Deutschland marschierten bezüglich der lörperliche.i Ausbildung an der Spitze aller Völker, und es wäre alles getan, was auf diesem Gebiet möglich sei. Dem ist aber nicht so. Die Turn- und Sportvereine haben oft nur eine geringe Zahl von Mitgliedern, und diese betätigen sich noch lange nicht alle sportlich. Vor allem fehlt es an einer geeigneten Ausbildung der Schwächlichen: gerade Ihnen wäre aber eine solche sehr vonnötenI Ss muß mehr für die körperliche Ausbildung der 3ugcnb geschehen. Mährend man für die geistige Ausbildung der schulpflichtigen Jugend beiderlei Geschlechts täglich 4 bis 6 Stunden verwendet, vernachlässigt inan die körperliche. Zwei Turn- unb ebensoviel Spielstunden in der Woche reichen dazu nicht aus, um die tägl icheTuru stunde wird noch stark gekämpft. Die werktätige 3ugenb glaubt man ganz und gar ohne körperlich? Ausbildung lassen zu können Eins ist llar: Die Wehrhaftigkeit eine» Volke« kann nur durch körperliche Ertüchtigung erhalten werden. Dazu kommt ein Andere-: Var durch Arbeit kann unser Volk wieder in die Höhe kommen. Di: Arbeits- krast eine« Volkes kann aber nur erhalten und gesteigert werden, wenn ein.' sachgemäße und vernünftige Ausbildung de» .Körpers bei jedem einzelnen Volksgenoslen betrieben wird. 90 Proz. unterer 3ugenb wendet sich Berufen zu. die körperliche Arbeit verlangen. Gs ist unbedingt notwendig, daß diese Jugend gerade in der Zett des Wachstum- und der Entwicklung eine s a ch- gemäße Durchbildung de» Körpers erfährt, damit ein gesunde« und starke«
Geschlecht heranwächst und nicht Schwächlinge. Bei der Landjugend zeigt sich im allgemeinen eine besser: körperliche Beschaffenheit al« bei derjenigen ber Städte, vor allem der Großstädte. Vor bem Kriege gab es bei der männlichen Jugend auf dem Land: bis zu 66 Proz. Militär- tauglichkeit. in den Großstädten nur 35 Proz. W e mögen die Verhältnisse jetzt nach bem Kriege, nach der Hungerblockade und nach den schlimmen feiten ber VachkriegSjahre dort liegen!
Jeder Mensch ist das Produkt aut (irlxuuagc und Umwelt. Die Erbanlagen müssen entwickelt und ausgebildet werden, auch bei den körperlich schwächlichen Menschen. Die Turn- und Sportvereine legen auf die Mitgliedschaft solcher Leute zumeist gar keinen Wert, weil diese nicht in der Lage sind, Höchstleistungen zu vollbringen. Ein Vachteil unserer heutigen Sporlbetätigung liegt auch darin, daß bei den meisten Sportarten nur eine einseit lac Ausbildung des Körpers erfolgt. Di« allen Grieche haben uns bezüglich der Körverbildung ein bi« heule unerreichtes Vorbild gegeben, da fie eine all,eilige Durchbildung des Körpers pflegten. Der Verband zur Förderung de« Volkssports hat sich zur Aufgabe gestellt, für eine fach- und vernunftgemäße körperliche Ausbildung, die auf alle Kreise der Bevölkerung ausgedehnt wird, zu betreiben. Er denkt nicht daran, den bestehenden Turn- und Sportvereinen irgendwie Konkurrenz zu machen. Don dem Gedanken ausgehend, daß zum Turnen und zur Ausübung des Sports eine sachgemäße Anleitung notwendig Ist, lenkt er zunächst sein Augenmerk darauf, Turn - und Sportlehrer in genügender .*,abl herauszubilden. Darum hat et in einem Schlöffe in der Vähe von Waldeck eine Schule zur Ausbildung solcher Lehrkräfte gegründet, die schon mit bestem Erfolg arbeitet Eine Hauptaufgabe fieht der Verband darin, auch die Dchwächsichen zur sportlichen Betätigung hcranzuziehen. Innerhalb des Böhmens des Möglichen kann jeder Mensch, auch der körperlich schwächliche, ausgebildet werden. Dabei ist aber unbedingt notwendig, dah der Arzt mit zu Date gezogen wird: auch bei den Sportvereinen ist die ärztliche Beratung ber Mitglieder eine unbedingte Aotwendigkeit. Die Dereine stellen an ihre Leute oft zu hohe Anforderungen,
„Wozu? Das Ding, mit dem kann sich Giulietta putzen, roenn es ihr Spaß macht. Das war nur gut, den Katzlmachern die Augen zu verblenden. Hundert Lire hat'» gekostet. Sie wollen so etwas sehen. Dav bürgte ihnen für die russische Großfürstin. — So. nun mußt mich noch ein bißchen schlafen lassen, ich bin sehr müde."
Und wie ein Kind fiel sie wieder in tiefen Schlummer, während die lungere Schwester, sorgen- voller und ernster als auf der Weife vier Wochen zuvor, in den grauenden Morgen hinausschaute und sich sagte: ,Lch muß jetzt für sie sorgen. Sie wird nie verstehen, mit dem lieben fertig zu werden. Ja, und was versteh' ich denn davon?"
Wie gut mir München gefallt!" sagte Elena, als sie an einem herrlichen Maimorgen durch den Englischen Garten fuhren. „Viel besser als Venedig. Alles so sauber und anständig, und nirgend» ein Skelett in den Schränken. Und die netten Leutchen. Und keiner, der hinter einem steht und jagt: ,Das muß geschehen, und das darfst du nicht.' Maria, so sorgenlos vergnügt bin ich in meiner ganzen Ehezeit noch nicht gewesen. Weißt, es soll mich ja freuen, wenn der Großfürst bald kommt, aber ich könnt' e» aushalten, wenn er noch ein paar Wochen oder Monate da unten bei seinen Italienischen Freuden bleiben würde."
„Hat dir Fredi endlich seine Adresse geschickt?"
,.O bewahre. Der Hebe Fredi spielt sich auf den Geheimnisvollen heraus und darf nichts sagen. Laß ihn. Sergei wird schon eines Tages hier fein. Dis dahin haben wir Ferien." Trotz der Herrschast, die ihr Mann über fie ausübte, konnte sie ihn zuzeiten recht gut entbehren. Und Maria war solch entzückender Ersatz. Ais fie in das Hotel zurück- kamen, lag auf dem Tisch im Salon — Elena hatte drei Zimmer und eine kleine Zofe genommen — die Dochenrechnung. Die dritte seit ihrem Kommen.
„Sieb mal nach, wieviel das macht, Maria. Ich kann mich nicht zurechtfinden mit diesen Billionen und Milliarden. Rechne es doch einmal um in Lire."
Maria setzte sich gehorsam vor bas Papier. Sie hatte es schon gelernt, die täglichen Kurie zu lesen, und war froh, daß sie italienisches Geld m Hän
den hatten und jck dem rasenden Sturz der Mark mit einiger Sicherheit begegnen konnten.
„Zweihundertdreiundzwanzig Lire. Elena."
„Was sagst du? Zweihuuderidrelundzwanzig? Oft das nicht schrecklich viel. Wir leben doch wie die Nönnchen." Sie kramte in ihrer (steldtasche. Maria — n Gott — Maria, ich glaube, man hat mich be- stöhlen."
„Bestohlen? Wann denn?"
„Ich weiß nicht. Es ist mit einemmal so wenig geworden. Und mir geben doch nichts aus."
„Äch ja, Elena, du hast allerlei ausgegeben. Das graue Tuchkostüm und der silberne Rosenkranz, und die Goldkäferschuhe und das seidene Theater- kleid. Und die drei Tage in Bayreuth zur Ausführung des Parzioal — Ls ist schon allerlei ge^ wesen."
„Wenn man das nicht einmal haben soll. Wo du bei der Tante Innozentia so gesangengesessen hast — Ich muh dir doch ein kleines bißchen Freude schaffen."
„Meine Freude ist, bei dir zu sein. Nun gib mir mal die Tasche endlich ganz in die Hände. Das geht so nicht weiter. Wenn ich dich wirtschaften laste, sind wir bald am Ende. Und auf Sergei baue ich nicht so sehr."
„Da, nimm sie. Ich bin froh, wenn ich von der ganzen Sorgt nichts mehr hören muß. Sergei wird schon kommen unb uns beistehen. Jetzt sind cs schon drei Wochen. Maria — komm mal her an das frenfter. Schau, da ist wieder der große Blonde, der uns in der Theatinerstraße immer nachgeht, er schaut herüber zum Hotel. Ob er weiß, wo wir wohnen?"
„Wird er wohl herausgebracht haben.'
„Was wird er sein? Auf einen Grafen kann man ihn immerhin schätzen."
Maria trat neben die Schwester hinter die leichten Vorhänge. Plölllich wurden ihr die Augen groß, und ihr Heiz schlug ein paarmal ganz ItfmflL Hinter dem Blonden ging cm anderer, ein Dunkler. Schlanker, einer, der die Schultern ein wenig nach vorn sinken ließ und nicht einmal herüber- 'choute. „Siehst du den andern, Elena? Detr Dunklen? Das ist mein Ritter van der Wiener Reise. Noch nicht einmal find wir ihm begegnet München ist doch nicht so klein."
sie Übtt an strengen he, so daß l:ch körperliche Fch.er etnftelkn, die bei sportärztlicher Beratung hätten Dtrmicbcn werben können. Leut:, die Ac- korbleistmmen aufweifen, nehmen gar oft Schaben an hrer Gcfundhe«! Da» stell.en schon die alten Griechen 'clt, d.e leben mußten, daß d.e Liegcr in den cüdmpischen Sp eien hä.er oft nicht mehr in der Lage waren, eine Höchstleistung zu vollbringen. iveil ihre Gesundheit gelitten bat.:. Bei den Höchstleistungen n-etScn oft alle Aelerve- kräste des Körpers aufgebraucht: allerlei Her^- fehler tte.cn bei fola, einteiliger Betätigung auf. In Bern konnte ein dortiger Schuiarzl dir Sei.- steilrma machen, baß von Schülern, die vorzug»- we.te tem Scknuetchuhtpsrl huldigten, ein ftar.tr Prezenttatz mit ^erzfeblcrn behaftet war Vebcn dein SkUau en ist cs da» Aadfahren, das Karle Anforderungen an das Herz st eilt Bei Aad- tenn’abretn werden deshalb auch häufig Herzkrankheiten icftgeficilL Der Verband zur Förderung des VolkSsporis stellt deshalb tue brliv- gen de Forderung aui. daß viel mehr als bisher der Sportarzt hetangezogeir werden muß er macht c< fich zur Aufgabe, die Au-bl!dui-g foicher Aerzte zu betreiben.
Vorbildlich bezüglich der Jugendpflege hat bet Landrat be» Kreise» Schmalkalden Dr. Hagen, gewirk». In 211 übriger Tätigkeit, die er in engster Fühlungnahme mit Lehrern und sonstigen Iugendpsleaern ausübte, hat er ganz ungr- wövnliche Erfolge errungen Davon feien nachstehende erwähnte Von den letztjährigen 500 Konfirmanden erschienen frei willig 4z3. d... 94.6 Proz. zur ärztlichen Untersuchung. Davon waren in der Berm-wahl unbeschränkt 72.3 Proz. und nut 11.83 Prvz. waren erheblich bc- schränlt. 99.15 Prozent hatten eine geluni c Lunge und 93.23 Proz ein ganz gesunde» Her,. Die Bevblkerungszunabme stteg im Ärciic Schmalkalden um 40 Proz. und die Mllttäi- taugUchkeit lon 35 auf <1, in manchen Gemeinden togar auf 100 Proz. Die luberhilole- sterblichkeil fiel auf 40 Proz. des preußischen Durchlchi'.tts. In Amerika hat man eine vorbildliche Iugendpflcae. Ueberall sind seitens her Kommune oder sonstiger Körperschaften Spiel-, Sportplätze unb Schwimmhallen bcreilgefiellt, überall finbet sportärztliche Beratung statt Die LcbensrerlicbernngSgclellschaften konnten dort zahlenmäßig nachw.l en. tote günstig d'.efe dauernde ärztliche Kontrolle '.ich bei ihren Unlcnxbmca auswirkt. Das Institut für Körperkultur an der bi es i gen Universität, das erste hie,er Ar> in Deutschland, hat es hdy zur Ausgabe gestellt, bieleii Gedanken ber periodisch stattsindenden ärztlichen Untcrsuchnngeir z i propagieren und zur Aussüprung zu bringe . denn Vorbeugen ist besser als heilen: die vorbeugende Tätigkeit des Arzte» ist richtiger als bic heilende.
In einer großen Anzahl sehr guter Lichtbilder konnte der Dortragcnde die Viannigsaltig- feit ber Leibesübungen in den verschiede neu Turn- und Spottarien zeigen Er schloß seine eiirdrucksvollen Aussührunaen mit bem Wunsche, jeder Anwesende möge doch an feinem Teil da,'t beitragen, daß das große Werk der lörperlici> i Ertüchtigung unseres Volke» gefördert werde. (Starker Beifall.)
Hessischer Hauptverein der Gustav-Adols'Gtisiung.
Zweiter und Dritter Lag.
wg. Langen, 10. Juli. Der Montagvorrnlttag war mit der Berwallungsratssihuna ernster Arbeit gewidmet. Vach Erledigung der Rechnungsangelegenbeiten unb Erstattung be« Jahresberichtes durch den Schriftführer Pfarrer Wagner- Bei,«heim erfolgte bie Ersatzwahl des Vorstandes, wobei die ausscheidenden Mitglieder wiedrrgewählt und für den verstorbenen Vizepräsidenten I). Dr. Bern beck neu- gewählt wurde Oberkirchenrat Dr. Horrc Der U n t e r ft ü tz v n g s p l a n de» Vorstandes wurde fodann genehmigt und die zur Verfügung stehenden 39 000 Mi in folgender Weise verteilt: bem Zentralvorstand in Leipzig 13000 Vlk., der Bau- aemeinbe Obcr-Aodeii H 500 Ml. der Gemeinde >>erl'steln zur Erholluna ihrer evonaelifchenSchule 500 Wk., den 16 hessischen Sammel gerne in den zu-
„Schau. schau. Der kann mir gefallen. Hat was vom 'jlriftofraten an sich. So selbstl,cher, so: Was kümmert mich die gof-ic elendige Welt! Ob man ihm einmal schreiben sollte? So als dicnsttiicnder Kammerherr wäre er vielleicht nicht schlecht zu brauchen."
.„Ich schreib' ihm nid)L" sagte Maria kurz. „Und nun laß mich einmal ruhig rechnen." Ihre Stint krauste sich, sie war in schwere E^empel versunken. Als sie mit denen fertig war, stand sie cntschlosseit aus. „So geht es nicht weiter. Menn wir hicrblci- ben. sind wir in kurzer Zeit zu Ende. Wir muffen uns bas Leben billiger einrichten, Elen."
„Noch billiger? Soll Ich wieder Vorleserin werden? Oder Kellnerin in einem Cass^ Oder Modell? Die Theres" — das war das neue Zöschen —, ,,die sagt, für schöne Modelle geben die Künstler ein sündhaftes Geld aus."
„Du wärst imstande zu solchem Unfug —" Mieder bas Krausen der Stirn. „Hätt' man nur einen Menschen, der einem raten könnte. Aber so srernd, wie wir hier find —"
..Also schreib an deinen Reisesreund."
Maria antwortete nicht. Doch am anderen Margen. als Elena wieder von ganz notwendigen Einkäufen beim Juwelier unb der Modistin begann, setzte sie sich hin und schrieb ein Brieschen-
„Sehr geehrter Herr Godesheim! Schneller als wir beide wohl gedacht, bin ich in die Lage gekommen. Sie um einen Rat zu bitten. Wollen Sie heute mit mir unb meiner Schwester, der Baronin Biron, im Bayrischen Hof eine Taffe Tee trinken, werden wir uns freuen. Sie zu empfangen. Ihre sehr ergebene Maria Erdmannsdors."
_ Das war freundlich, ohne zu vertraulich zu fein. Sie schickte es durch einen Dienstmann an die Adresse, die sie noch glücklich in ihrer Manteltasche gefunden hatte. Und dreimal am Tage ertappte iie sich auf einem erwan inqsvollen Glücks- geföbl, das He für einen Augenblick gar nicht verstand. bis sie spürte, fie freute sich aus das Wiedersehen.
Elena blinzelte fie einmal mit den (Bofbaupen jin und sagte listig: „So hübsch bist bu heute. So etwas Weiches ist in beinern Gesicht. Und wie die Haare leuchten' Hast du Feuer unter bem Dachel, Kind?"
(Fortsetzung folgt.)


