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gtntQ nach ®fa«1>ütfen seichter überwinden zu ßnrcn. 'Beim Versuch, cm hiel g.r Pferd vor- Duhöngen, schlug dieses aus und trai den jungen Hann, der gerade die Kette befestigen DvlUc unglücklicherweise mitten int ® t sjch, Steven einem Bruche des Aasen­de ins trug der Bedauernswerte noch mehrere ! schwere Wunden davon Aach Anlegung Eines Notvetbandes wurde der Dcrlehte nach Hause gebracht. Das sonst ruhige Psctd must durch die sehr starte llngez.eerplage zu seinem AuSschlag veranlaßt toorben sein.

Starkenburg.

WSA. Darmstadt. 11. Juli. Sin aus- regender Dorsal! spelte sich gestern auf der Aheinslrabe ab. Sin im hiesige.' Unter­suchungsgefängnis wegen Spionagever- dachiS inhaftierter Mann war zur Unter­suchung einem Spezialatzt vorgeführt worden. Als der UntersuchungSgesangene mit dem Straf- an statt« Wärter die Treppe der Arztwohnung herabging, drehte er sich plötzlich um. warf dem Beamten ein beizendes P a lver ins Ge­sicht und versuchte zu fliehen. Trotzdem der Beamte geblendet war. stürzte er ihm laut rufend nach Die Straßenpassanten wurden aufmerksam, nahmen die Verfolgung des Flüchtttngs auf und f i n g e n i h n a l s b a l d ein. Sin herbetgerusener zweiter Gesüngnisbeamter führte alsdann den Ausreißer mit Handschellen ab. Der GcfängniS- beamte muhte sich wegen beS inS Deftcht ge- worfenen atzenden Pulvers sofort in dt? Behand­lung eines Augenärzte- begeben.

Preußen.

Ureis Wetzlar.

WSA. Wetzlar, 11. Juli. Der Händler Levy auS D e r d v r f fuhr mit seinem Fahr­rad« in Derdors in voller Fahrt gegen ein aus Herborn stammendes Personenauto- mobil 6r wurde durch die Windschutzscheibe geschaudert und stürzte auf die Steuerung. Die Gla-spliiter der Scheibe brachten ihm gefähr­liche Schnittwunden im Gesicht und am Halse bei; auch erlitt er einen schweren kom­plizierten Armbruch. Der Lhaufseur trug schwere Schnittwunden davon, konnte aber den Schwer­verletzten in das Krankenhaus zu Ehringshausen bringen. Levys Verletzungen stellten sich hier als äußer st schwer heraus, so daß sein Zu­stand zu Besorgnissen Anlaß gibt. Auf wessen Seite die Schuld liegt, konnte noch nicht sestgestellt werden.

O A iederkleen. 11. Juli. Don einem Unfall wurde die Tochter eines hiesigen Landwirts und Müllereibesitzers betroffen. alS sie sich mit einem Kuhfuhrwer? auf dem Aach- Hausewege auS dem Felde befand. Durch _ ein vorbei fahren des Auto scheuten die Kühe und gingen durch DaS Mädchen bemühte sich, di« Kühe durch «Mtaalten an der Leine zum Stehrn zu bringen, tt jbei es zu Fall kam und erhebliche Derletzungen am rechten Bein davontrug. SS muhte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Julius Hofmann f.

Das Deutschtum in den Bereinigten Staaten von Aordamerika hat einen empfindlichen Ver­lust erlitten. Am 19. Mai 1928 erlag, wie im .Gieß Anz." vom 2.3uli bereit« kurz berichtet wurde, einem wiederholten Schlaganfall Ju­lius Hofmann. Pfarrer an der Deutsch- Svangelischen ZionSgemeinde in Baltimore, Ehrendoktor der Theologischen Fakultät der Lan­desuniversität. Srst im Januar war et von einer mit seiner Gattin unternommenen mehrmonatigen Suropareise zurückgekehrt.

Am 9. April 1865 zu Friedberg geboren, be­suchte Hosmann nach der Liebersiedluna seiner Eltern nach Gießen zuerst die Realschule, dann da« Gymnasium. Aach der Reiseprüfuna Ostern 1885 widmete er sich dem Studium der Theologie. Die Fakultät-Prüfung bestand er Ostern 1889, worauf er in das Predigerleminar in Friedberg eintrat. Bereits im Herbst folgte er durch Ver­mittlung eine« älteren Gießener Freundes einem Rufe al« Pfarrer (zunächst Hilssprediger) an die Deutsch-evangelische Zivnsgemeinde in Baltimore, do er nun n^ch beinahe vierzigjährigem segens­reichem Wirken, mitten aus der Arbeit, aus dem Kreise der Konfirmanden herausgerissen, zur ewigen Ruhe gegangen ist.

In der strengen Schule Hermann Schillers, dem er stets dankbare Erinnerungen bewahrte, beranwachsend, war er (.Deowulf ) Mitbegrün­der des Wikingerbundes, eine« Lchülerlesekränz- chen«. da« die Beschäftigung mit der germani­schen Götter- und Helsensage und die Blütezeit der deutschen Literatur um 1800 pflegte (die .Gießener fiamtlienblätter" brachten darüber im Jahre 1907 anläßlich der 302-Jahrfeier des Landgraf-Ludwig-Ghmnasiums einen Aussatz). Hervorragend waren schon des Obersekundaners Aufsätze und Vorträge. Als Student an der Gründung der damaligen Reform-Burschenschaft Arminia beteiligt, wirkte er eifrig für die Ver­tiefung des Gedankeits der Rückkehr zu den Zielen der Alten Burschenschaft.

Hofmann war ein vielseitig veranlagter Mensch. Rur schweren Herzens verzichtete er darauf. Schauspieler zu werden; hervorragende Vertreter der Kunst hatten seine Begabung anerkannt. Manche Gießener werden sich noch seine-.Luther" in HerrigS Festspiel erinnern, das 1886 von Stu­denten in der Stadtkirche wiederholt aufgeführt wurde. Die oft hat er kleine und große Kreise durch seine .Faust"-Rezitationen entzückt! Er be­saß einen wundervollen Bariton (Mitglied bc« Kronbauerschen Quartetts) und zog. lange vor Einsetzung der Wandervogelbewegung, gern mit der Guitarre an der Spitze derPutschen" zu Gießens Toren hinaus. Er war Maler und Zeichner und in mancher Handwertstätigkeit äußerst geschickt. Auch als feiner Lyriker hat er sich ausgezeichnet, und wissenschaftliche Forschun­gen haben ihn bis zum lebten Atemzug be­schäftigt Als Prediger und Redner genoß er einen ausgezeichneten Ruf, Französisch und Eng­lisch beherrschte er in Wort und Schrift. Eigen­artig war sein Humor, der sowohl in seiner Lebenshaltung zutage trat, als auch in Zeich­nungen und Versen Blüten trieb. Mit einem reckenhaften Aeußeren verbanden sich bei Üjm gewinnende Umgang «formen; mit aller Welt in Dießen war er bekannt, für die ausländischen ®tubenten besaß er eine besondere AnziehungS- fcaft. Höchsten Ruhm jedoch hat er sich dadurch erworben, daß er eine nicht geringe Zahl Lands- Icutc die durch eigene Schuld im Vaterland zu­grunde gegangen wären, in der Reuen Welt auf die rechte Dahn gebracht hat.

Tom Beginn seiner Tätigkeit kn Baltimore an , t Vorkämpler deS I

heutig»tums. Grausame Pri ungen verhängte

über ihn der Weltiteg, beio..;ers nachdem sich die Bereinigten Staaten von Aordamerika un­seren Gegnern angeschlossen hatten. Aach Frie- denSschluy war «ein HauS wieder eine Gaststätte iur zahlreiche deutsche Gelehrte, die zum Studium de» amerikanischen Lebens hinübergingen; rüh» rcnZ> wußten besonders manche Werkstudenten von der Aufnahme im deutschen Pfarrhaus in Baltimore zu erzäh«en.

Sin gtualiches Familienleben war ihm beschert. Mit der Gattin, den Kindern und Enieln trauern um ihn viele diesseits und jenseits deS großen MeereS.

Elektrische Schlachtviehbetäubung.

WSA Die elektrische Schlachtvieh- betäubung wurde dieser Tage im Schlachthof in Frankfurt a. M. einem größeren Kr *i» von Interessenten vorgeführt. Es Handei: 'ich um einen von Ingenieur Weinberger, München, ionftruierten Apparat, der unter Anwendung niedergespannter Ströme, sog. Leducscher Ströme, mit einerStärke von etwa 40 bi« 50 Doll in wenigen Sekunden eine völlige Betäubung der Tiere hervorzurufen vermag. Die Art der De- täubung, die in erster Lime bei Schweinen vorgeführt wurde, erfolgt ähnlich wie bisher mit dem Schußapparat; die Tiere werden in die sog. Schwernfaile getrieben, die mit einem Pol der elektrischen Leitung verbunden ist, der andere Pol der Leitung befindet sich in einer sog. Schaltstange, mit der der Kopf de« Tieres be­rührt wird. Sofort nach Berührung mit der Schaltstange scheint das Tier in einen Schlaf zu sinken, der nach etwa fünf Sekunden so tief wird, daß die Dlutentziehung vorgenommen werden kann. Der ganze Vorgang geht so ruhig und lautlos vonstatten, daß der Eindruck einer ein» wandfreien'u nd denkbar schonungs­vollen Betäubung gewonnen wird, die allen Anforderungen des T.er schütze« gerecht zu werden scheint. Auch die Entblutung der Tiere ist dabei eine sehr vollkommene, Vorzüge, die insbesondere für die Haltbarkeit des Fleisches von Bedeutung sind, die um fv größer ist, je besser die Ausblutung erfolgt. Um dar­zutun, daß e« sich bei Anwendung des elektri­schen Stromes nur um eine Betäubung und nicht, wie bei dem Schuhapparat, um eine Tötung handelt, wurde bei einem stark betäubten Tier die Stromzuführung eingestellt, nach einigen Mi­nuten wachte das Tier wieder auf und erholte sich in kurzer Zeit, ohne irgend welches Un­behagen oder.Angstgefühl zu zeigen. Die Ver­suche sollen später fortgesetzt ©erben, um zu prüfen, ob ein derartiges Verfahren auch die An­forderungen eines Großbetriebes erfüllt. Die Vorführung wurde hauptsächlich dadurch veran­laßt, daß bei der bisherigen Verwendung deS BolzenschuhapparateS, die im übrigen ebenfalls allen Forderungen deS Tierschutzes nachkommt, mitunter Blutungen in dem Fleisch der Schweine auftreten, die bann manche Stücke im DerkaufS- toert mindern. Es kann angenommen werden, daß derartige Uebelftänbe bei bet elektrischen Betäubung vermieden werden. 3m Anschluß an bk Betäubung bet Schweine wurde der Apparat auch bei Großvieh zur Anwendung gebracht. Wenn auch die Wirkung des elektrischen Strome- hier ebenso plötzlich ernt rat, wie bei den an­deren Versuchen, so sind hierbei die Vorbereitun­gen immerhin umständlicher, so daß für den Großbetrieb der Tötung mit dem Schuhapparat, bet hier zu keinerlei Klagen Anlaß gibt, vor­läufig der Vorzug zu geben fein wird. Aach den Vorführungen gab bet Konstrukteur des Appa­rate- nähere Auskünfte über dessen Bauart und die Wirkungsweise der niedetgespannten elektri­schen Ströme, au deren genaueren Erforschung aber wohl auch nach Ansicht der anwesenden Physiologen noch weitere Versuche erforderlich sein werden.

Atteriumsfunde ein Mißtrauischer.

Da- Interesse, wie es in früheren Zeiten in unterem Vaterland und m unterer Gegend au«- sah, hat erfreulicherweise wesentlich zugenommen. Die Ermittlungen sind jedoch schwierig. Die schriftlichen Urkunden gehen nicht weit zurück, lieber t*-* Zeit vorher geben un« die Bodenkunde Auskuni» Jeder bearbeitete Stein ist dabei von Wert und .tte stets dem Denkmalpfleget für Oberhessen Professor Helmcke in Gießen angemeldet werden. Eine Zerstörung derartiger Steinurkunden, au- denen der sachverständige Forscher viel herauslesen kann, sollte niemals vorkommen. Doch wie geht es manchmal! Davon ein Beispiel.

In den 80er Jahren luchte ich, soweit meine beschräickten Mittel eS zuließen, ab und zu schöne Altertümer zu erstehen. AuS erster Hand waren sie schwer zu bekommen. Sobald man etwas der­artige« haben wollte ich spreche hier im all­gemeinen, nicht nur von Bodenkunden - wähnte der Besitzer, man wolle ihn über das Ohr hauen, oder forderte unsinnig. In selbst unbedeutenden Gegenständen glaubte er em Vermögen zu be­sitzen. Da muhte man sich schon an einen Alter­tum-Händler wenden. Aber auch hier schwankten die Preise sehr. AlS ich in einem Fall zu dem alten Rothenberger sagte, ich würde an einem billigeren Tag wieberkommen, meinte er: Sie wissen gar nicht, wie schwer es ist. ein gutes Stück zu bekommen!" Dabei griff er in die Schublade seines Ladentisches und legte da- Bruchstück einesDonnerkeils" vor mich. Mancher Cekr wird fraacn:Was ist das ein Donnerkeil?" Donnerkeil wird in hiesiger Gegend ein bearbeiteter Stein in Keilform genannt, wie er sich manchmal, meist in der Erde, findet. Man glaubte, er sei bei einem schweren Gewitter vorn Himmel gefallen.

In ander en Gegenden werden damit die ähn­lichen spitzkonischen Reste auÄgeftorbener Tinten­fische der Jura« und Kreideperiode bezeichnet. Daß auch im letzteren Fall Aberglauben mit der BezeichnungDonnerkeil" verbunden ist, geht daraus hervor, daß diese auchTeufelfrnger" genormt werden.

Das von Herrn Rothenberger vor mich gelegte Stück war ein Teil eines richtigen, von der Wissenschaft alsbrettnadig bezeichneten Steinbeil«, 6 Zentimeter breit, vorn beilartig, hinten konisch verlausend. SS bestand au« blau­grauem Quarzit, und hatte vorn eine etwa« geschweifte Schärfe, welche durch kleine Scharten noch die Spuren der Benutzung zeigte. Das fehlende Stück lief augenscheinlich spitz zu. Der Stein war fein poliert. Daraus ging hervor, daß er aus der jüngeren Steinzeit etwa 2000 Jahre vor Christi Geburt stammte. Gefertigt konnte er im Vogelsberg oder Spessart

kein, wo Quarzit vorkommi. Im hiestgen Mu­seum im Alten Schloß am .^unzlciberg ftnb derartige toohlerhaltene Stücke zu lehen. - Wozu der Donnerkeil gebient Hal? Vielleicht al« Hand­werkszeug, al» Meißel vielleicht als Beil, viel­leicht al« Walse. Dann war er in einen ge­spaltenen Holzstiel eingeklemmt und in diesen mit Tiersehnen erngrichnürt. Derartige Wieder- Herstellungen finden sich auch im hiesigen Mu­seum.

Aber da- mir vorgelegte Beil war kaput. Schade, schade? Da sagte Rothenberger:3a, sehen Sie. vor etwa 8 Tagen kam ein Dauer mit dem unverletzten Donnerkeil und fragte, ob ich ihn vielleicht kaufen wolle? Da er so schön war. bot ich dem Bauern einen Gulden. Der Mann guckte mich verwundert an. betrachtete seinen Donnerkeil von allen Seiten, packte ihn schließlich 'orgfältig in fein Taschentuch und ging. Gestern kam er wieder. Der Donnerkeil war in zwei Stücke gesprengt. ..Ja, sage ich. was haben Sie denn mit dem Stein gemacht?" Zuerst wollte der Dauer mit der Sprache nicht heraus. Aach langem Hin und Her gestand er endlich: ..Wie Sie mir für den Staa (Stein) n* Guide bote, muhte ich erst gucke, was drin st a a t (steck te)!" So hatte er ihn mit einem Schmiedehammer zertrümmert. Die Gewalt, mit der das geschehen war, konnte man an den brei­ten Vertiefungen auf der polierten Fläche deS ungemein festen Stein« sehen.

Zur Enttäuschung, daß im Stein kein Gold oder dergleichen war. kam die zweite, daß Herr Rochenberger den Donnerkeil nun nicht haben wollte. Schließlich nahm er ihn -war. er muh aber nicht viel dafür bezahlt haben, denn ich bekam die größere charakteristische Hälfte für 50 Pf.

Ich besitze sie noch und erzählte manchmal die Geschichte vom mißtrauischen Bauer. Als Ku­riosum. aber auch al« Warnung und Mahnung sei sie der Allgemeinheit zugänglich gemacht.

Wie eS so geht, fällt mir dabei eine andere Geschichte ein. die mir und meinet Frau der Dom-Goldschmied Brems in Trier erzählte. Zu dessen Vater brachte ein Dauer ein Stück Achat mit einer lateinischen Inschrift. Er hatte es in seinem Garten gefunden. Bei näherer Unter» suchung erwieS eS sich alS da- Rezept eine« rö­mischen Augenarztes. BremS verkaufte den Achat für etwa 25 Taler an einen Altertumsforscher in Köln. Den genauen De trag haben wir ver­gessen. Er ging durch mehrere Hände und kam schließlich für übet 100 000 Mk. in das Britische Aluseum in London. Es war ein sehr seltenes Stück, einzig in seiner Art. Dieser schlechte Han­del. fügte Herr Brems hinzu, habe seinem Vater am Heiden genagt und zu seinem frühen Ende beigetragen

Man sieht. eS empfiehlt sich, stets einen un­parteiischen Sachverständigen zu Rat zu ziehen, auch wemt es sich nicht um ein so kostbare- Stück wie den römischen Achat handeln kann.

K.

15 Zahre Zuchthaus für den Llebernthaler Mdchenmörder.

WSA. Limburg, 11. Juli. Zu Beginn des heutigen dritten Cßerban&lung«tage« im Mord- prvzeß Peter wurden zunächst die Sach­verständigen vernommen. Der Frankfurter Ge­richtsarzt Professor D o r k a st n e r hat die Leiche der Ermordeten seziert. Damals war man im Zweifel, ob Selbstmord oder ein Verbrechen vorlag. Daß das Mädchen nicht im Wasser erstickt fein könne, habe sich daraus ergeben, daß bet Magen vollständig teer gewesen sei. Alle Umstände, insbesondere ein kleines Druckmai am Hals und die Rötung der Pupillen, deuteten darauf hin, daß es sich um einen Tod durch Erst icken handle. Vieles spreche dafür, daß dieser Erstickungstod durch Würgen hcrvorgc- rufen sei. wenn daS auch nicht absolut sichet seststehe. Der Angeklagte behauptet bekanntlich, die Pfeifer habe ein Stück Zucker im Munde gehabt, das in den HalS gerutscht sei. Dadurch, und nicht durch feinen Griff fei da- Mädchen zu Tode gekommen. GerichtSchemiker Dr. Popp ergänzte noch feine Aussagen an den beiden Vortagen. Der Marburger Psychiater Professor Dr. Jahrmätker hat den Angellagten m seiner Anstalt auf feinen Geisteszustand unter­sucht. Aach seinem Gutachten ist der Angeklagte für seine Tat voll verantwortlich zu machen. Der § 51 liege nicht vor. Auch eine beschränkte Zurechnungsfähigkeit sei bei Peter, der ein vollkommen gesunder junger Mann, wenn auch jähzornig, sei. nicht gegeben.

Das Gericht trat darauf in die Mittagspause ein, nach der die Plädoyers begannen. Staatsanwalt Dr. Hofmann, der zu Bcg nn seines Plädoyers darauf hinwies, daß augenblick­lich im Linckurger Gefängnis vier Mörder lähen. sah durch die Beweisaufnahme als erwiesen an. daß die Tat nicht km Affekt, sondern mit voller ileberiegung begangen und auch vorbereitet sei. Der Angeklagte lei also des Mordes über­fuhrt. Er beantragte die Todesstrafe. Der Verteidiger. Rechtsanwalt Dillmann, plä­dierte auf Körperverletzung mit töd­lichem Ausgang. Es könne dem Angeklag­ten nicht nachgewiesen werden, daß er die Pfeifer bei seinem Griff an den Hals habe töten wollen, noch viel weniger, daß diese Tötung mit Lieber- legung begangen sei.

DaS Gericht zog sich zu einer zweistündigen Beratung >:rüd. Dann verkündete der Vor­sitzende folgendes Urteil:Der Angeklagte wird wegen Totschlags zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die bürgerlichen Ehren­rechte werden ihm auf die Dauer von zehn Jahren aberkannt." In der Begründung ließ bet Vorsitzende erkennen, baß da« Gericht sehr stark zu der Annahme neige, daß eS sich um einen vorsätzlichen, mit Ueberlegung ausgeführ­ten Mord handelt. Dafür sprächen nSbesondere der einsame Spaziergang und das schnelle Fori- schaffen der Leiche. Gewisse Bedenken gegen diese Auffassung seien jedoch zutage getreten. Die Zweifel hätten zugunsten des Angeklagten ent­schieden, jedoch sei für die verwerfliche Tat des Angeklagten die höchste Strafe am Platze. Der Angeklagte nahm das Urteil getaHen entgegen.

Berliner Börse.

Berlin. 12. Juli. (WTD. Funkspruch.) Die zu erwarten war, reagierte bet heutige Früh- verkehr auf den flauen gestrigen Aeuyorker Börsenverlauf. Das Geschäft hielt sich, zumal heute Wedioliquidation ist, in engsten Grenzen. Man hörte Farben 258 bis 259 und Siemens 358 M« 359. »

Vunies Allerlei.

Der größte Diea- und Schiachthof Europa».

Man kann !id) kaum einen Begriff von der 2Iu«gcXbntbetl der Anlagen machen, die ein« Weltstadt für den Vicddandel. für da« Schlach­ten der Tiere und für den Großhandel mit Fleilch besitzt. Die größten Anlagen dieser Art driitzt Berlin, das zu biefem Zweck ein Ge­lände von mehr al« 450 preußischen Morgen tur Beringung h.n und in ihr« 2ln Mt ge­waltigste Anlage Europa« ist. Ueber 100 Gebäude, von denen verschiedene Flächen von 13 000 bi« 20 000 Quadratmeter etnnehmen, dienen den genannten x/.uecten. Ein eigener Güterbahndos mit einem Jahre«verkehr von mehr al« Z0 000 Waggons sorgt für den An- tranSpo.t der Tiere unb bc« Fletsche«. Zur Zeit beträgt der Jahreseingang über 1 552 000 Schweine. 533000 Achate. 238 530 Kälber und 172 000 Rinder. Außerdem laufen tn geschlach­tetem Zustande noch etwa 64 000 Zentner Fleisch ein. In einem besonderen Vörsengebäub« bienen verschiebene kapitallrästige Banken leih mehr als 50 -Biebagenturcn bem Biebhanbel. Sie vermitteln das Vieh meist an Großschlächter, die da« Fleisch an über 4000 Labenschlächter weitergeben. Die Stabt bat setzt Den Reubau eine« modernen Hochschlachthause« für Schweine im Bauwert von rund 4 500 000 Mark beschlossen. Es wird dort der Versuch ge­macht werden, amerikanische Schlacht- metboden dem deutschen selbständigen Schlächtergewerbe nutzbar zu machen. Au-ac- dehnte Kühlhäuser dienen dem Au-kühlen und der Konservierung deS Fleische«. Die hier­für vordtndenen Maschinenanlagen leisten 2 600 000 W E. pro Stunde. Diese Anlagen sind den heutigxN Ansprüchen nicht mehr gewachsen. Die Erwetterung der Kühlbäuset um 5KXX) Qua­dratmeter ist deshalb beschlossen. Ebenso werben die Hallen bes Fleischgroßmarkte« noch in diesem Jahre um 8500 Quadratmeter vergrößert. Interessant ist daS Bild de« Fleisch- großinarites in den srühen Morgenstunden der Hauptmärkte, d. h. an den Montagen und Don­nerstagen. Etwa 6000 Menschen widmen sich dem Handel. Zum Abtransport de« Fleisches dienen rund 1000 Fuhrwerke, von denen >/,' Automobile sein dürften. Auch die Verwaltung selbst besitzt einen Fuhrpark, der auf 16 Elektro­karren mit zahlreichen Anhängern und 8 Spezial- automobilen besteht. Eingehende Studien werben Kacht, um im Transportwesen den ständig lenden Anforderungen entsprechen zu können. Die hier an die Verwaltung herantreten den Auf­gaben sind bei der AuSgebehntheit bei Ge­ländes und ben großen zu bewältigenden Men­gen nicht ganz ernfach Aber auch anbere tech­nische Probleme der verschiedensten Art müssen gemeistert werben.

Da» Grab eine»alten <Ki»fönig»**.

Großes Aussehen erregt in Amerika ein be- beutungsvoller Fund, bet ber Mc Erackcn-Stvll- Expebition, die von bem amerikanischen Museum für Raturgeschichte nach ben Aleuten, ben In­seln sübwesllich von Alaska, ausgesandt würbe, nach längeren Nachforschungen geglückt ist. CM Honbelt sich um Mumien au« bemStein- z e 11 a 11 e r , von drei Erwachsenen und einem Kinde In bem großen Kühlschrank, ben die Na­tur biefer Gebiete barstellt, ftnb bie Körper burch bie Jcchrhunbcrte fett ihrer Bestattung vollkommen erhalten, auch ihre Kleibung ist un- verfehrt geblieben unb ebenso ber hölzerne Sava, ber sie unb bie mannigfachen Segenftänbe, tote JagbWaffen unb andere Ausrüstungsbinae. bie ihnen zum Gebrauch aus bet Reise nach bem Tode mitgegeben waren, vor ben Elementen schützten. Die Nachricht von ber Entdeckung wurde derNew Pork TimeS" von einem ber Führet ber Expedition, Harold Wc Eracken, durch drahtlose Telegraphie von dem Expedi­tionsschiff übennittelt. Die Forscher hatten die Felsen und Klippen der Aleuten methodisch un­tersucht, ohne etwas zu finben, unb sie wollten gerabe weitergehen, um in Sibirien ein neue« Forschungsfelb zu finben, al« sie noch eine beson- bers schwer zugängliche Klippe einer Felseninsel unter unsägltchen Mühen unb mehr au« sport­lichem Interesse erklommen. Sie nahmen auch nicht an, daß ein Eskimo einen so unzugänolicben Ort für die Bestattung eines Toten aufsuchen würde. Da bemerkte plötzlich einer ber Teilneh­mer ein Zeichen von einer menschlichen Hand. Da lag, halb bedeckt von Moo« und Sand, eine Art Hügel, der von großen Dranitstücken auf- gerichtet unb tief in eine natürliche Grube de« Muttergesteins eingesenkt war. Mit den schwachen geologischen Werkzeugen, die sie mitgebracht hat­ten. machten sich die Forschet an Die Aufdemmg deS Schatzes. Es war ein arktischer Sar­kophag. der au« einem großen hölzerne« Grabgewölbe bestand und die mumifizierten Kör­per von drei Erwachsenen unb einem Äinbe ent­hielt. Der Bau war auS hervorragerrb gut be­arbeitetem unb verzapftem Treibholz, ba« mit Knochennägeln zusammengehalten wurde, her- gestellt. Da bie Stelle 600 englische Weilen von bem nächsten Holzgebiet entfernt ist imo mehrere hundert Fuß über bem Seespiegel liegt, so ist die Leistung der Männer, die btefe Be­gräbnisstätte hergerichtet haben, bewunberns- wert. Die Gruft war mit gut bearbeiteten Ott et- fellen. bie mit fein gewebtem Gta« verkleide« waren, eingefaßt. Sie war in zwei Teil« geteilt; in bem einen tag ber Körper einer Person von augenscheinlich hohem Rang, in bem anberenbte Mumien zweier anberer unb eines Kinbe«. Der alte Eisionig", wie Mc Cracken ihn nennt, wat in ein Gewand von gegerbtem Seeotterfell übet einem Hernb von Vogel bälgen gekleidet. Die Gewänder waren fotgfälliger gestickt, al« fie je unter den heutigen Bewohnern Der Aleuten beobachtet wurden. Die anderen Mumien waten nicht in derselben Art geschmückt, so daß die For­scher annehmen, daß e« sich um Diener handelt, die vielleicht getötet wurden, um dem Siskönig aus seiner Fahrt in bie Griftetwell zu bienen. Die Bergung ber Mumien unb ber anderen Funde gelang unter großen Schwierigkeit«. Während Mc Eracken glaubt, bah es sich utv zweifelhaft um Funde aus dem Steinzeitalt« handelt, findet er leinerlei Berührung mit ben allen weißen Rassen. Dr. Clark Wisler, bet Anthropologe bes amerikanischen Museum-, meinte, baß es sich um Mumien von Eskimo« bes Sleinzeitallers hanbeln körme. Sollten sie von Indianern hettühren, so wäre bie Entdeckung noch interessanter; man nimmt an. baß bie Indianer vor den Eskimos kamen, well sie sich über ben ganzen amerikanischen Korrttnenl ver­teilt finben. Jedenfalls handelt es sich um eine einzigartige Begräbnisstätte, wie sie bishtt noch hn ganzen Norden nicht gefunden würbe.