Nr. 156 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GberlMn)
Dienstag, 12. Juni 1928
Bosnische Reisebriese.
Mohammeoanische Znseln im christlichen Europa.-Harems, aber keine Viel, weiberei mehr. — Oie Ziele der Moslem Reformpartei. — Oer Schleier fällt nicht! Eine unangenehme predigt.
Don unserem Sonderberichterstatter Or. G. Strelister.
Hochdruck, auch mit Quellenangabe, verboten
Sarajewo, Juni 1928.
Während bekanntlich in der morbernen Türkei unter Mental Paschas Herrschaft das konservative (Element seiner ganzen Einflusses beraubt wurde und sich während der letzten Jahre der gewaltsamen „(Europäri|ierung* mehr ober weniger zähneknirschenb fügen muhte, genießen bie Mohammedaner im christlichenKonigreicheSHS. noch alle überlieferten Vorrechte religiöser und juri- stilcher Natur. So hat sich in Sübserbien und vor allem in Bosnien und der Herzegowina ein bedeutender Nest alttürkischer Milieu» erhalten, da» von der Welle neuzeitlicher Bestrebungen so gut,wie unberührt blieb. Noch heute gehen wie vor hundert Jahren die Moslemsrauen in Sarajewo, Mostar und in anderen Orten dicht verschleiert, noch heute leben sie ihr eigenes, von der Außenwelt abgeschnittenes Dasein, obgleich die frühere Haremsromantik nicht mehr ausrecht erhalten werden konnte. Zwar unterstehen die Moslems in Jugoslawien In bezug auf das Ehe- und Erbrecht den allen Scherialsgesetzen, die dem Mann aeftatten, bi» zu vier grauen zu heiraten, so- fern er in der Lage ist, seine Gattinnen wirtschaftlich und fepteU gleichzuhalten. Denn so gebietet e» bie Vorschrist. Eben die traurige, wirtschaftliche Lage ist es aber, die den jugoslawischen Mohammedaner zwingt, sich mit einer Frau zu begnügen, so daß faktisch, wenn auch nicht de jure die Monogamie auch unter den Türken Jugoslawien» wie überhaupt der christlichen Balkanlander (Rumänien und Bulgarien) eingesührt ist. Nur unter den moslemitischen Bauern Sübserbien» unb Bosnien» finbet man vereinzelt Männer, bie zwei unb auch brei Frauen besitzen, um über billige A rbeitskräf te zu verfügen. Die Stellung einer solchen „(Baltin* entspricht ber einer europäischen Dienstmagd Männliche Türken als Felbarbeiter sieht man selten. Die Frau erlebigt alle Obliegenheiten, bie Frau hält bas Hau» und bie Wirtschaft in Drbnung, bie Frau besorgt bas Vieh unb trägt die Lasten. Und es ist schon ein sehr gutmütiger und rücksichtsvoller Ehemann, der sich herbeiläht, höchstpersönlich bie Pflugschar zu führen ober bei den (Erntearbeiten selbst Hand anzulegen
Gewiß fehlt es unter den Moslems selbst, beson- der» natürlich unter der Intelligenz, nicht an Bestrebungen, die eine gründliche Reform beabsichtigen, ober der Großteil ber türkischen Bevölkerung will von einer Modernisierung unter keinen Umstän- den etrocre wissen. So hat sich in Jugoslawien erst vor kurzem eine m o 11 e m i t i f d) e Reform- Partei gebildet, bie für die Abschaffung des Fez und die OJIeidjfteUung des Weibes mit dem Manne pläblert. Diese Partei, noch Nein und unansehnlich, aber von jungen, überzeugten Akade- mitem geführt, bie sich nur in religiöser Beziehung al» „Türken", sonst aber als Serbo-Kroaten fühlen unb daher eine watlonarte Einigung mit ber christ- lichen Bevölkerung herbeiwünschen, besitzt In Sara- jewo ein eigenes Organ, die „Reforma*. Das Blatt führt eipe schneidige Sprache, kämpft wacker für bie mobernen fcbeen, kann aber naturgemäß gerade unter ber türkischen Dcw-lkerung wenig Wirkung erzielen, da der größte Teil der Mohammedaner, rund 90 Proz. heute noch des Lesens und Schreiben» unkundig Ist.
Um Die Gleichberechtigung der Frau zu ver- wirNichen, um die Frauen, Die jetzt noch immer ein völlig abgeschlossenes Blumen- oder Last- tierdasein führen, für die Neformbestrcbungen zu interessieren und $u gewinnen, ist es aber vor allem notwendig, ihnen Bildungsmöglichkeiten zu verschaffen. Die in Jugoslawien eingeführte allgemeine Schulpflicht. Die allerdings zum größten Teil noch auf Dem Papier steht, weil es noch immer nicht genügend Elementarschulen gibt, gilt beispielsweise nur für die mohammedanischen Knaben. Diese besuchen
Die lör mit öen fleüen 5 Wto.
Roman von Edgar Wallace.
Copyright kH Wilhelm Goldmann, Verlag. Leipzig
29 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
(Er stieg wieder die Treppe hinaus, aber er vermied den Blick in das Gesicht der starr ausgestreckten Frau. Dann ging er von Zimmer zu Zimmer. Alle Türen standen offen, überall herrschte die tadelloseste Ordnung, nirgend» fand sich auch nur der geringste Hinweis auf Sybil. Dafür entdeckte er auf dem Teppich im Korridor wieder die Slutfpur unb folgte ihr durch den ganzen Gang bis zu einer schmalen Stiege. Die Fugabdrucke verblaßten und verschwanden allmählich ganz, nur hie und da noch fanden sich vereinzelte Spritzer. Dann aber traf er auf einen unregelmäßigen Fleck in halber Höhe der weißgetünchten Wand, der ganz so aussah, als sei hier jemand mit offener Wunde Dorübergeftreift Die Höhe de» Fleckes ließ ungefähr auf die Lage ber Wunde schließen.
(Ein paar Schritte weiter stieß Dick auf ein kleines Bündel blutiger Lappen, die offenbar als verband gedient hatten. Nun kam er sofort auf die Lösung.
Lew Pheeneys Mörder, sein Angreifer in Stalettis Park, der Mann, ber zweimal mit mörberischer Absicht in seine Wohnung eingedrungen war, hatte auch diese Untat begangen. Offenbar hatte sich Cody im letzten Moment verzweifelt gegen ihn gewehrt. Dabei hatte sich der verband verschoben und die Wunde von neuem geöffnet.
In tiefen Gedanken erklomm er bie Stiege unb befand sich in einem engen Mansarbengang, auf den nur brei Türen mündeten. Wahrscheinlich war dies nicht die einzige Bodentreppe, und doch war es Dick, al» stünde ihm hier, in diesem abseits gelegenen Dachwinkel des Hauses, eine wichtig.- Entdeckimg bevor. Er öffnete die erste Tür und schloß sie ent- tauscht. Dahinter lag ein kahler Raum, der nichts enthielt außer einer Zinkwanne. Die zweite Tür führte hx eine Rumpelkammer, deren Staubschichten davon Zeugnis ablegten, daß sie seit Monaten nicht betreten worden war. Dann kam er zur dritten Tür, ganz am Ende des Gangs». Und da sah er sofort:
zwischen Dem fünften und siebenten Lebensjahre gewöhnlich Die türlilche Religionsschule. Die sogenannte .Mekjteb". von Denen in Bosnien allein runD 800 Klassen existieren. Der Unterricht in einer solchen Mcksteb beschränkt sich in Der Hauptsache auf religiöse Zää>er. Wan lernt etliche Koranstrophen auswenDig unD wird mit Den komplizierten Geboten Des Propheten einigermaßen vertraut gemacht. Später erst treten Die Knaben in Die Rormalschule ein, wo sie gemeinsam mit Den katholischen unD griechisch-orthodoxen Kindern unterrichtet toetben.
Für Die moslemitischen MäDchen besteht aber Die allgemeine Schulpflicht nicht. Rus innerpolttischen Gründen hat sich Die jugoslawische Regierung Dieser ForDerung Der konservativen Mohammedaner gefügt. So kommt eS. daß Die Mädchen unD Frauen nach wie vor in tiefster Unwissenheit gehalten werden. so kommt es. daß gerade Die Frauen unD Mädchen, für deren Gleichberechtigung Die Reformpartei kämpft, in Dieser Partei fast gar nicht vertreten finD, einerseits wohl aus Lethargie, andererseits. well der Respekt und die Angst vor Den meist recht konservativ gesinnten Tätern und Gatten noch so groß ist, daß sie es einfach nicht wagen, gegen deren Willen die modernen Anschauungen zu vertreten.
Geführt werden die konservativen Mosiems von den A g a S und Begs. den früheren bosnischen Großgrundbesitzern. Die unter österreichischer Herrschaft DaS LanD wirtschaftlich unD politisch in der Hand hatten und mit großer Zähigkeit alle ihre Bor- und Sonderrechte zu bewahren wußten. Die nach und nach in Jugoslawien nach dem Kriege eingeführte Agrarreform hat diese stolzen, feder Arbeit, jeder Betätigung abholden bosnischen Aristokraten wirtschaftlich ruiniert und zum Teil an den Bettelstab gebracht. Die geringen Entschädigungen, Die ihnen Der Staat für Den enteigneten GrunD und Boden gewährte, reichten nicht auS, um DaS alte, geruhsame Paschaleben weiterzuführen. Umstellen konnten sich nur die wenigsten. So sind sie verarmt, müssen stückweise ihre letzte Habe verlausen und fristen ein recht bescheidenes Dasein. Die Unzufriedenheit unter ihnen mit den bestehenden Verhältnissen ist groß. Sie haben nichts mehr zu verlieren. Und so wollen sie zumindest die traditionellen Formen gewahrt wissen und versuchen Die Trennung zwischen ber christlichen und mohammedanischen Bevölkerung zu verstärke», um gegebenenfalls daraus Kapital schlagen zu können.
Gelingen dürfte eS ihnen nicht. Ihr politischer Einsluß ist untergraben. Und die Heranwachsende Jugend macht sich langsam andere Ideale au eigen. Die Derührungsmomente mit den christlichen Devölkerungsschichten mehren sich. Auch mit der Schulbildung geht es langsam vorwärts. Dorläusig wehren sich noch manche Moflem- väter In den Gebirgstälern, ihre Kinder zur Schule au schicken, aber der Widerstand nimmt von Jahr zu Jahr allmählich ab. Es wird von den Resormisten als Erfolg gebucht, daß in Sarajewo ungefähr 25. meist berufstätige. Moslemfrauen sich auf der Straße oyne den ominösen. schwarten Schleier zeigen. Das erscheint wahrhaftig nicht viel, wenn man bedenkt, daß es in Bosnien rund 400 000 mohammedanische Frauen gibt, die der Ueberlieferung nicht zu trotzen wagen. Aber es ist immerhin ein Anfang. Besonders wächst Die Schar Der Kompromißler. Da« finD jene Frauen, Die ihr Gesicht zwar noch verhüllen, aber mit einem Schleier. Der so zart unD Durchsichtig erscheint, Daß es wirklich nicht mehr Der ReDe wert ist. Auch Die alten, türkischen Frauentrachten legen f(e nicht mehr an, sondern zeigen sich gleich Den andersgläubigen Damen gern in Den modernsten Pariser Toiletten.
Mit dieser Tür mar etwas Ungewöhnliches geschehen. Sie hing nur noch lose in Den Angeln. Ein breite» Loch Hoffte in ber Füllung. Das Schloß war durch furchtbare Gewalteinwirkung heraus- Beschlagen worden, und nur eine einzige Schraube ielt es noch im Holz fett. Drinnen standen die we- nigen Möbel in wilder Unordnung. Ein Stuhl, ein Waschständer lagen umgestürzt auf dem Boden. Das Geschirr war zerbrochen, das Bett .zerwühlt — und da — auf dem Boden neben dem Bett sah er--
seine Hand umkrampft« die Laterne — — hörbar zog er den Atem ein--ein kleines blutbeflecktes
Spitzentaschentuch liegen.
Einen Moment stand er wie an gefroren auf seinem Platz, unb da» Herz wurde zu einem so schweren Eesklumpen in seiner Brust, daß e» ihn auf die Änte niederziehen wollte.
Dann stieß er den Atem aus. bückte sich rasch und hob das Tüchlein auf. Er suchte nach einem Monogramm» unb er sah es schon im Geiste vor sich, ehe er es auf ber vierten Kante fand
Dann starrte er lange auf die blutgeröteien verschlungenen Initialen.
Kein Lug — kein Trug — fein Traum ...
Dort stand es:
Sybil Lansdvwn.
Aus fein lautes Rusen kam Sneed, so schnell er konnte, die Stiege herausgestürzt. Zusammen suchten sie noch einmal den Raum ab.
„Die ganze Tür ist mit Blut bespritzt. Hoben Sie es gesehen? Sogar dort unten.* Sneed ließ bas Licht seiner Campe an der Tür herabgleiten. „Unb dort an der Türkante .. .!* Er Dürfte sich ächzend nieder. „Sehr deutliche Finaerabdrücke. Jemand hat die Hand unter die Tür geschoben und sie aus den Angeln zu heben versucht. Ein Draoourstürfchen für einen Athleten. Donnerwetter, was für Tatzen der Mann hat! Martin, das muß der Kerl gernefen fein, ber Ihnen nachstellt!*
Dick nickte stumm. Wenn er sich den Riesen nur oorstellte, jetzt, wo er ihn auf Sybils Fährte wußte, so würgte es ihn im Halse.
Sneed richtete sich mühsam auf. Dabei fiel sein Blick auf die Dachluke.
,»m! Hm! Das sieht doch alles mehr nach Flucht und Verfolgung aus. Klettern Sie doch mal nach oben, Martin. Ich bin um ein paar Kilo zu schwer dazu!*
Ebenso nähert sich — wenigsten» in den größeren Städten, wie Sarajewo und Mostar — ber JBerfehr zwischen den Geschlechtern den europäischen Formen. E» tomnu äußerst selten vor, daß. wie es früher der Fall war. ber Mann erst nach erfolgter Irauun g seine Gattin kennenlernt. Auch ber konservativ gesinnte, moslemitische Freier kauft heutzutage nicht gern die Katze im Sack. Zwar besitzt noch jedes türkische Haus in Bosnien da» vergitterte .Liebesfenster*, hinter dem fast unsichtbar bas türkische Mabchen hockt, um mit dem draußen auf ber (Baffe stehenden Verehrer zu abendlicher ctunbe leife Zwiesprache zu pflegen — wenn man bei Mondschein durch die schmalen, steinigen Türkengäszchen von Sarajewo geht, hat man tatsächlich noch die Illusion eines „1001-Nacht* Erlebnisses — aber in der Regel treffen sich letzt die türkischen JüngNng« mit den Moslemmädchen ungeniert auf dem Abendkorso. ber entlang bes rechten Miljacka- ufers flutet, ohne baß Dies irgenbwie Anstoß erweckt. Die ftrenggläubigen Alten sehen natürlich diese male- rilche und interessante „Sünden- unb Seufzerallee* mit scheelen Augen an. Aber es gehört auch bei ben auf Irabition sehenden Moslemfrauen zur Gepflogenheit, mit ihren Freundinnen auf dem Korso zu erscheinen, um durch den Schleier den vorbeipromenierenden Herren der Schöpfung, seien es nun Christen oder Mohammedaner, kokette Blicke zuzu- werfen. Frauen sind nun einmal Frauen. Korso ist nun eittmal Korso!
Daß übrigens auch die oberste geistliche Behörde der jugoslawischen Moslems sich nicht mehr der Ein
sicht verschließt, daß eine Reform unter den Türken eine Forderung ber Zeit sei, beweist eine Predigt des Reisul-Uleman, der kürzlich in einer Mosche« anläßlich eine» Festgottesdienstes sich nachdrücklich für verschiedene moderne Ideen, vor allem für bie Abschaffung de » „F e z* und die., Befreiung der mohammedanischen Frau* ein- setzte Diese Predigt erregte bei den konservativen Elementen einen Sturm der Entrüstung, obgleich der höchste türkische Bischof de» Landes durchaus keine radikalen Forderungen im Sinne der Reform Partei gestellt hatte. Es handelte sich eben nur um einen ieisen, vorsichtigen Versuch, bie Stimmung ber streng- gläubigen Kreise zu ersorschen. Wie e» heißt, soll bieser Versuch von ber höchsten kirchlichen Behörde in Konstantinopel be-1 Reis ul-Uleman anempfohlen worden fein. Aber es ist immerhin ein Zeichen der Zeit, baß überhaupt ein hoher Priester in einer Moschee moberne Ansichten vertritt unb es wagt, gegen bie Engstirnigkeit ber Masse aufzutreten.
Der Fremde allerdings, der nach Bosnien kommt, wird e» schmerzlich vermissen, wenn mit der Zeit dieser letzte malerische Rest alter Türkenherrlichkeit, diele» farbenumfloffcne, märchenumwobene, traumhafte Stück Orient aus dem christlichen Europa ver- schwindet. (Ein bi» zwei Jahrzehnte noch — bann wirb ber Geist Kemal Pascha», bes großen türkischen Reformator», auch hier ben Sieg davontragen In unserer harten Zeit hat eben die Romantik keinen Platz mehr. Man möchte gern „Schädel* sagen. Aber dies wäre wieder ungerecht ...
Tumen, Sport und Spiel.
Olympisches Zuhballturnier.
Italien — Aegypten 11:3.
Am Samstag spielten Italien und Aegypten um den Dritten unD vierten Platz beS Olympischen FuhballturnierS. Die italienische Mannschaft konnte sich rermöge ihres besseren technischen Könnens Den Dritten Platz mit einem ll:3-Siege über Aegvpten sichern und sich Damit gleichzeitig als stärkste europäische Vertretung qualifizieren.
Argentinien — Uruguay 1:1 (0:1).
In Gegenwart zahlreicher ostizieller Persönlichkeiten wurde am Sonntag im Amsterdamer Olympischen StaDion Der En D kämpf DeS Olympischen FußballturnierS zwischen Argentinien und Uruguay ausgetragen. DaS Spiel, DaS eines Der spannenDsten. aber wohl auch härtesten Kämpfe des olympischen FußballturnierS war, endete trotz zweimaliger Verlängerung unentschieden 1:1 (0:1). Beide Mannschaften zeigten ausgezeichnetes technisches Können. Die Sympathien De8 Publikums waren auf Seiten der fairer spielenden argentinischen Mannschaft. Hauptsächlich der rechte Verteidiger Uruguays, Rasazzi, fiel wieder durch seine groben fouls auf. Den Beweis, wer die wirklich beste Mannschaft ist, hat das Endspiel 'nicht gebracht. Es wird wahrscheinlich am Mittwochabend wiederholt werden
Westdeutsche Fußball-Meisterschaft.
Um Den Dritten Platz in Der Tabelle ber westdeutschen Fußballmeisterschaft trafen sich am Sonntag in Elberfeld Schwarz-Weiß Barmen unb Schalke 04. Bis kurz vor Schluß ftanb bas Spiel noch 2:2, als in letzter Minute Schalke einen (Elfmeter zugefprochcn erhielt, der ihm den Sieg brachte unb damit die dritte Dertreterftelle in ber westdeutschen Fußballmeisterschaft.
Süddeutsche Fußballmeisterschaft.
Trostrunde. Grupp« Sübost.
S.T. 1860 München — D. f. K Fürth 2:1.
Bis zum Ablauf der ersten Spielhälfte am Sonntag lagen bie Münchener zumeist im Angriff, konnten aber trotzdem kein Tor erzielen. Da bie Fürther Verteidigung sich den Ball nicht ins Retz hineindrängen ließ. Bei Gegenangriffen erzielten bie Fürther rasch hintereinander fünf Ecken, ohne aber auch nur eine einzige zu einem zählbaren (Erfolg verwandeln zu können. In der zweiten Spielhästc ging München wenige Minuten nach Wiederanftoß durch seinen
ljalblinfen S d) ä f e r In Führung: doch konnte Fürth kurze Zeit darauf ausgleichen. In ber letzten Viertelstunde erzielte Schäfer für München bann ba» siegbringende Tor.
Zußbatt Altona 93 gegen U. (5. A. 4:3 (1:2).
Die Olympia-Fußballmannschaft der Vereinigten Staaten trug am Freitagabend in Altona ihr zweite» Gastspiel in Deutschland gegen den Altonaer F. E. von 93 aus. In einem außergewöhnlich fairen Spiel siegten die Altonaer dank besserer technischer Leistungen verdient mit 4:3. Hur Pause logen die Amerikaner noch mit 2:1 in Führung.
Neue deutsche Leichtathletkretoröe.
Die am Sonntag in Braunschweig auSgelra- genen nationalen Wettkämpfe l>.S S. V. Eintracht Braunschweig waren entsprechend der Teilnahme von Olympiakandidaten der D. T. und D. S. D. hauptsächlich auf Wurikonkurrenzen zugc chnitlen. Hierin w^rde tatsächllch Hervorragendes geleistet. Emil Hirs chf eld stieß die Kugel bestarmig 15,73 Meter unb überbot beidarmig den deutschen Rekord um mehr als einen Meter: mit 17,96 Meter stellte er eine neue Höchstleistung auf. die nur um 4 Zentimeter hinter Dem Weltrekord von Ralph Rose zurückbleibt. 3m DtSkus verbesserte PauluS-Wetzlar den deutschen Rekord aus 47,53 Meter, während Hoffmeister nur 45.83 schasste. Sehr gute Leistungen gab «S auch im Weitsprung, wo der Braunschwci er Gehrk« mehrmals die Siebenmetergrenze ü sprana und mit 7,16 Meter Sieger wurde, während fein Klubkamerad Bensch mit 3,70 Meier den Stabhochsprung gewann. Besonderes Interesse verdient auch der Start Der Olympia-Aus- wahlstaffel für Frauen: die 6-Mannschaft gewann vor der ^-Mannschaft In 49,6 Sek.
Eintracht Frankfurt läuft in Halle neuen deutschen Rekord.
Im Rahmen der Saaletal-Zehnkampfrneister- schäften startete am Sonntag in Halle die zweite deutsche Olhmpiastaffel In Der Besetzung Story, Schüller, Decker, Malitz gegen Die Frankfurter Eintracht-Staffel, Die in der Belebung Gerling, Wichmann, Metzger, Salz lief und einen neuen deutschen Rekord für BereinSmannschaften mit 41.0 (aller Rekord 41,8) Sek. aufstellte. Die Eintracht- Stasfel lies ein großes Rennen, vor allem zci :e Wichmann eine ausgezeichnete Leistung. Die
wehr unD hielt Die Leiterftützen in beiden Fäusten
daß ein Schrei, eine Bewegung, fliehenden Schritte« gefolgt war«
von wir
de» po
fest, während Dick in die dunkle Tiefe hinabstieg.
Als er von der Leiter hinabsvrang, sah er, daß er sich Im Gemüsegarten befand. Zu beiden Seiten
«Herunter! Licht aus!* zischte der Inspektor, und in dem Bruchteil einer Sekunde warfen sie sich nieder und lagen Seite an Seite auf Dem taufeuchten ®oben. Und bann brach, fast gleichzeitig, dicht über ihren Köpfen,^ein Trommelfeuer, ein pausenloses Stakkato von Schüssen Io», das ben ganzen Umkreis Der Luft mit seinem Summen, Wimmern, Brausen unb Klatschen erfüllte. Doch ebenso plötzlich wie bas Schießen begonnen hatte, endete cs wieder. Und bie Totenstille, bie einsetzte, als ba» letzte von ben Schüssen bewegte Blatt zur Ruhe kam, war hoppelt beängstigend. Die beiden Männer lauschten mit angespannten Nerven in die Nacht. Minutenlang Drang fein Laut zu ihnen hin, bis Dicks sensibles Gehör ein leises Rascheln auffing, als ob bie Jacke Des unsichtbaren Schützen dicht neben ihm das Gebüsch gestreift hätte. Dick sandte dem Geräusch ben Knall feiner Pistole nach, aber er verhallte, ohne daß ein Schrei, eine Bewegung, ein Knirschen von fliehenden Schritte« gefolgt war«. (Forts, folgt.)
schmalen Kiesweges standen die Kohlläpfe in rademäßiger Aufstellung.
,»alten Sie die Leiter*, rief Sneed plötzlich oben herab. „Ich komme nach. E» ist besser, sind zu zweien!*
Troy seiner Herzensangst kam Dick bei diesem Mut ein Lächeln. Er stemmte die Leiter fest in ben Boden und beschwerte sie mit seinem Gewicht, während Sneed eine neue erstaunliche Probe von seiner Geschicklichkeit gab.
Zusammen rekognoszierten sie ben Garten.
,r3ur Einfahrt konnte sie von hier aus nicht gelangen. Die Hecke ba versperrte ihr den Weg. Sie muß gerabeaus gegangen sein, unb soviel ich in dieser Finsternis sehen kann, liegt dahinter der Obstgarten. Aber wie konnte sie aus dem Obstgarten entkommen?* fragte Sneeb unb rieb sich ratlos das Ohr. „Stammen Sie! Was kann uns schon geschehen! Es ist am besten, mir sehen selber nach.*
Doch kaum hotte er ben ersten Schritt getan ... Peng! Peng! Peng! Peng! erklang es.
Aus ber Dunkelheit, dicht über ihren Häuptern, schoßen zwei Flammenstriche hervor, unb an ihr« Ohren schlug das Summen einer erzürnten Wespe.
Dick stellte ben Stuhl unter bi« Dachöffnung. Er I (prang hinauf unb tastete an ber Luke noch einem I Halt. Als er ihn hatte, schwang er sich mit einem ! kühnen Klimmzug empor.
Er befanb sich auf einer brei Fuß breiten Dachrinne. Eine niebrige Brustwehr begrenzte sie auf ber einen Seite, auf ber anberen stieg bas Dach steil bis zur Fahnenstange in bie Höhe.
Dick sanbte sein Licht an ber Rinne entlang unb sah plötzlich eine Leiter über bie Brustwehr hinwegragen. Vorsichtig bewegte er sich auf bie Lecker zu, griff um die Brustwehr herum und beugte sich in die Tiefe. Nun sah er, warum bie Leiter vorhin, als sie bas Haus umschritten hatten, ihrer Aufmerk- famfeii entgangen war. Sie lehnte in einem recht- eck.gen Winkel des Hauses unb entzog sich bahcr bei einer oberflächlichen Untersuchung den Blicken.
Er kehrte auf demselben Wege zurück, um Bericht zu erstatten.
„3emanb muß ihr von außen zu Hilfe gekommen sein*, sagte er. „Sicher ist sie geflüchtet!^
Der Inspektor maß die Entfernung bis zur Dach- lute.
.»elfen Sie mir hinauf*, bat er entschlossen.
Im ersten Augenblick schien Dick dieses Verlangen lachhaft. Dann aber stellte es sich heraus, daß Sneed unter seinem Fettpolster über Bärenkräfte verfügte. Die einzige Unterstützung, die er zu Dicks großer Erleichterung brauchte, waren ein paar aufmun- tembe unb anerkennende Worte.
Dann saß er auf der Rinne, ließ die Beine in die Luke herabbaumeln und spähte über bas Dach.
Plötzlich zog er bie Unterlippe scharf burch die Zähne unb streckte bie Hand aus.
,»ier ist Der Kerl auch gewesen. Sehen Sie den dunklen Fleck? Da hat er sich mit der Hand auf Das Schieferdach aeftüfit Dann hat er bie Leiter mit blutigen Händen berührt. Die erste unb die Dritte Sprosse sind ganz mit Blut besteckt.*
Das Licht seiner Lampe unterstrich seine Beobachtungen.
Dick biß bie Zähne mit hörbarem Ruck zusammen. Die leise Hoffnung, bie ihn feit der Entdeckung der Leiter belebt hatte, erlosch bis zum letzten Funken.
,»ch werde bie Leiter hallen. Sie steigen hinunter unb suchen im Garten nach Spuren*, schlug Sneed vor. Er stemmt« bi« Füße gegen die Brust-


