Nr. «2 Drittes Blatt
Aiehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheste»)
Samstag, 12. Mai;928
Wandem und Reisen • Bäder und Sommerfrischen.
Am Wochenend-Lagerfeuer.
Don (Lavt 3- Luther.
Braun und träge steht — kaum xu glauben. Mb es ffiebt — da» Mvorbächlein schtlfbewold«! neben unsrem Lager 31» wir au» bewegterem Doller hier etn'uhren. flatterte eine •ntenfa- mlfic mit kaum flüggen Jungen ängstlich vor un» auf Fische sprangen an der Mündung noch Mücken.
2$erboraen und aegen West durch Dusch und Daum oogedeckt, steyt unser Zelt. Au» einer Mtffbreumiete haben wir ein weiche» Laaer geholt Der Abend kommt. Weithin noch Westen in glühende Wolkensäume hinein schweift Der Blick. Sin dünner Aauch steigt vom Lagerfeuer auf. da» wir Neinzuhalten wissen: flackern soll c» nur um die Abendsuppe herum. Die lodernden Flammen find so. nah am dürren Wolde gefährlich, und wir haben keine Der- anfallung dem Moorbauern unsere Anwesenheit zu verraten.
Auch der Dach dampft in der Abenbkühle. 6ie ist noch empfindlich, blaue Derge find nah. die Mailäfer brummen durch» junge Suchen la ub.
Danz still kommt e» den grohfladtgewohnlen Ohren vor. und doch ist viel Leben lautbar um un». Die Frösche beginnen ihren Abendchor, unsichtbar trommelt auf groben, raschen Kreisflügen um unser Lager eine Bekassine. Fisch» räuber mit langen gebogenen Schnäbeln flohen mit gellendem Tiüpl Tiüpl irgendwo nieder.
Der Teekessel summt, blaue Flämmchen züngeln au» der ®lut. die schon dunkelrot in der Dämmerung scheint.
Bruder. du. in der Stadt, weiht du, wie ein Feuer ist. schön und purpurn in der Rachl am Waldrand drauhen? Du nimmst e» hin, wie es dir in der Stadt gegeben wird, al» eine der vielen Selbstverständlichkeiten un’ere» Dasein» Wir aber sühlen hier drauhen seine Wohltat lost wie unsere Doriahren, denen au» Blitz oder Feuerstein da» erste Flämmchen wurde: müssen doch auch wir auf der Wa ff erwandern ng da» Feuerzeug hüten wie die gefeiten Männer da» heilige Feuer, da» sie einst der wandernden Horde Dorauetrugcn, und die dem Tode geweiht waren, wenn e» in ihrer Obhut erlosch.
An vielen Feuern lag ich in den letzter, Sommern. Unb immer war solche Stunde ein Erlebnis Oder sollte e» leine» fein, wenn auf diese Weife um viele Jahre zu spät, aber gerade deshalb absonderlich wirkend, der Mann daS mitmacht, wa» er al» Knabe so gerne getan hätte und nicht konnte oder durfte. An Den Fenstern meine» Daterhause» zogen leider keine Wandervögel vorüber Run muh ich nachholen. waS sie mich hätten lehren können, und e» ist gut fp So erleb' ich Lederstrumpf und Indianerspiel al» alter KindSkvpf. und da» macht merkwürdig jung.
Der Mond ist untergegangen. Aun legen wir einen dicken Klotz noch auf und ziehen un» in» Zelt zurück
Ist am Morgen dann unter der gehäuften Asche noch etwa» Glut zu finden, fo freuen wir un», daraus für Den Morgentrunk eine neue Flamme blasen zu können.
Wanderfahrten.
(Dieben — (Banfeburg — Großcn-Lufeck — (Bieben.
Sine hübsche 4 stündige Wanderung ist die folgende' Wir gehen die Landstraße nach Grünberg entlang, lassen Annerod recht» liegen und genkben in der Rähe de» Wasserbehälters einen entzückenden Blick auf das Lahn tat, die Durgen. den Dünsberg und die sich anschließend den Höhen. Aach schöner Waldwanderung erreichen wir die Ganseburg, die zur Rast einlädt. Der Weitermarsch erfolgt auf derselben Strohe, von der wir noch die Hohen de» DogelS- beras leben können, bi» zum nächsten Feldweg nach link», den wir einschlagen. Rach Lieberschrei ten eines niedrigen Höhenrücken» bietet sich unS ein malerisches Bild auf den Hohen Berg und Grohen-Duseck, da» wir bald Darauf erreichen. Für den Heimweg wählen wir die 6trabe über Rödgen, die un» wiederum hübsche Ausblicke bietet
Gießen — Dadenburg — Hangelstein — Beuern — Grohen-Dufeck.
Wir beginnen unsere Wanderung an der Unterführung in der Ederstraße und folgen dem blauen Strich, der unS läng» der Dahn nach der Dadenburg bringt. Don dem alten Gemäuer der
bewirtschafteten Burgruine genießen wir schöne Ausblicke in da» Lahntal. Durch da» 'Babenburger Wäldchen führt un» das Zeichen die Marburger, später de Daubnnger S.rahe überschreitend, zur ^ellenlanzel auf dem Hangelstein mit reizendem Blick. Hier verlassen wir da- sei!« beri;e Wegezeichen und folgen nunmehr blauen Dreiecken, die un» über den Saubringer Paß mit hübschen Ausblicken in da» Bulecker Tal und die Rabenau mit Dem lotenbcrg leiten. Rach schöner Waldwanderung, von G eßen etwa 3*/i Stunden, erre chen wir Deuer i. wo gute Gasthäuser sind: beim Austritt aus dem Wald übe.raschender Ausblick. Auf guter Landstraße wandern wir in •/« Stunden nach unk ent Endziel Grohen-Buseck.
Don deutschen Bädern.
Bad Salzschlirf.
Don der Beliebtheit deS vornehmlich durch feinen Bonisa iuSbrunnen und durch seine schöne Umgebung bekanntet Heilbad:» Salzschlirf zeugten auch in der vergangenen Saison der rege Besuch, der den de» Bor a'ne» weit übertraf, und die beträchtliche Anzahl der verausgabten Sol- und Bloorbub:r. Der Ruf Salzschlir S gründet sich auf seine außerordentlichen Hei er olge bei Dicht. Rheuma, Stein- und Stoffwechselleiden. e» gewährt aber infolge seiner idy lischen Lage zwilchen den Ausläufern d » Bogel »berge» und der Rhön, eingebettet in ein von grünenden Laub- und Radelwäldern umgebene» Wiesental. auch Erholungsuchenden Ruhe und Gelegenheit zum Ausspannen inmitten einer verschwenderisch aungestalteten Ratur.
Bad rölz
Da» Kurtheater Bad Tölz untersteht auch in diesem Iahre der bewährten Leitung der grau Direktor S t a i n l, die Heuer ihr 23 jährige» Dienstjubiläum feiert. Ihr ist es gelang n, daß 1928 von Anfang Mai ab regelmäßig die Münchener Kammerspiele mit Mitgliedern t>e» Münchener StaatStheaters im Bad Tölz Gastspiele geben. Außerdem wird da» Schlierseer Bauerntheater wöchentlich Borftcllungcn g ben. Regelmäßig finden Konzerte statt. Die Kurmusik wird
von der bewährten Kapelle d.-S Kapellmeister» Albert aus Bremerhaven im Mai mit 21 und von Iuni ab mit 25 Mann geboten. Tie Kammerlänger Heinrich Knote und Dr Erich Schipper, von der Wiener StratSoper w.rd.n Dad Tölz ihre Kunstdarbietungen g?b:n. Tic Kurverwaltung steNt ein reich S Programm abwechslungsreicher Beranhaltuivgcn in Aussicht.
Borknm dir grüne Insrl.
Da» Rordseebad Borkum, die .grüne Infel*, heißt mit Recht die Perle der Rordsee. E» ist auf dem Land- und Seewege zu erreichen und hat Flugverbindung. Bor.um le:i.)t einen schönen Strand mit ei e. vier Ki.omc er langen Promenade, we che bedeutend verbreitert und verschönert worden ist. Die schönsten Tünenpartien mit großen Tälern, die prächtigsten Spazierrve-« hat Borkum au zuweifen. Die Kurmittei sind: warme und kalte Seebäder. Licht- und Luftbad, elektrische Bäder. Inhala.o.ium usw. Für Unterbringung der Gaste ist durch eine Anzahl bester Hotel» und Pensionen gesorgt.
Flugverkehr nach Westerland
Rordseebad Westerland wi d auch in diesem Jahre wieder aus zwei Strecken ange- flogen, und zwar ab 16. Iuni von jamburg au» über K el—FlenSburg nach Bkfterlanb bi» zum 15. September, und von Lübeck -Travemünde ü1 er K.el -FlenSburg nach Westerland vom 2. Juli l iS 1. September einschließlich. Wegen einer dritten direkten Strecke Hamburg Westerland schwe en noch Berhandlungen. Die glug’citen haben für Hinflug und Rück lug unmittelbare Anschlü le in Hamburg. Lübeck und den Zwischenhäfen.
Ein Bilderbuchüber Westerland legt die Westerländer Badeverwaltung vor. Ss ist die diesjährige Kurfchrift. die sich von den früheren Prospekten wefentltch unterscheidet. Sin knapper, suggestiver Tert begleitet eine große Zahl prachtvoller Raturaufnaßmen. welche die Shit eigentümliche, charalt.-ristifche Land dbaft dieser größten und schönsten deutschen Ror ec- Insel anschaulich darstellen. AuS dem Tcit vermag jeder Leser zu entnehmen. waS er al» Westerländer Badegast tolf.cn möchte.
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— das ixt am Pfingstsonnabend — spielt die Kurkapelle ihr erstes Kurkonzert im Noroseebad Westerland. Von diesem Tage ab bis l.Juli bietet Westerland seinen Gästen alle Annehmlichkeiten der Haupt Kurzeit zu den billigcnVorsaison-Preisen. Wem es möglich ist, wer nicht gerade die rauschende Lustigkeit der Hauptsaison liebt, so'lte zu dieser Zeit Westerland aufnidien. — Im übrigen auch in diesem Jahre wie früher schon:
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