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der Konfirmanden gemeinsam mit den Konfirman­den aus Laasen sand am Mittwoch dieser Woche statt, der geplante Besuch der Konfirmanden im Lutherfilm mußte wegen der Ungunst der Witte rung in der Karwoche unterbleiben.

Grünberg, N. April. Der bei der Bohn meisteret Grünberg beschäftigte Reichsbahnbetriebs­assistent Heinrich S ch e l l h a a s feierte dieser Tage sein 25jähriges Dienstjubiläum. Ober­bahnhofsoorsteher Mack vom Bahnhof Grünberg gratulierte ihm im Nomen des Eisenbahnvereins Grünberg-Mücke, bei dem Herr Stbellhaos Mit begründet war und langjähriger Schriftführer ist Oberbahnmeister K i tz übermittelte herzliche Glück wünsche im Namen der Beamten und Arbeiterschaft der Bahnmeisterei Grünberg. Durch Ueberreichung eines seyr schönen und rocrtoollen Geschenkes seitens der Beamten, und Arbeiterschaft wurde die besondere Wertschätzung und Achtung des Jubilars zum Aus­druck gebracht.

ri Kloster "Arnsburg, 11. Avril. In Kloster Arnsburg findet alljährlich am Oster- dienStag eine besondere Oster- und Mis­sion Sfeier statt, zu der die Freunde des "Rettungshauses ArnSburg auS der Ilmgegend sich zahlreich einfinden. dem wannen Wetter konnte diese Feier diesmal zum erstenmal wieder seit vielen Jahren im Freien unter den Linden des Klosterhofes stattfinden. Pfarrer Fischer aus "Riederweisel hielt eine Osterpredigt. Darauf erzählte nach gemeinsamem Gesang Missionar Haibach aus Herborn in überaus frischer und lebendiger Art, die alle Zuhörer mitriß, von seinen Erfahrungen und Erlebnissen in Sumatra, wo er zwei Jahrzehnte lang im Dienst der rheinischen Mission stand. Eine Sammlung von Missionsgaben war bestimmt für die Rheinische Mission, die in diesem Jahre ihr hundertjähriges Jubiläum feiert und in deren Dienst auch unsere frühere Arnsburger Lehrerin Fräulein Lydia Schmidt aus Fauerbach getreten ist, die jetzt als Lehrerin an einer Missionsschule in Sumatra stebt.

Krei- Kriedberg

WSR. Friedberg, 11. April. Im Herbst des vergangenen Jahres folgte der Gemischte Chor der hiesigen Blindenanstalt einer Einladung, um Den Gefangenen deö Landes- zuchthauses Marienfchlvß bei Butzbach eine musikalische Feierstunde zu bereiten. Die Darbietungen des Chors haben einen nachhal­tigen Eindruck bei den Anstaltsrnsassen hinter­lassen. Davon zeugt ein Akt, der erst jetzt be­kannt wird. Bon ihrem kargen Arbeitsverdienst haben die Strafgefangenen 2 7 4 Mark erspart und an die Blindenanstalt als Zeichen der Dankbarkeit abgcführt.

WSR. Bad-Rauheim, 11. April. Wäh­rend der Osterseiertage hat ein Dieb an ver­schiedenen Stellen der Stadt Einbrüche ver­übt. In einem Privathaus erbeutete er Lebens­mittel, Briefmarken und sonstige Kleinigkeiten, in einem weiteren Falle wurde er in der Arbeit gestört und flüchtete. Bei einem Photographen entwendete er wertvolle Apparate im Werte von etwa 1000 Mk. Der Meb konnte ver­haftet werden.

m. Butzbach. 11. April. Am zweiten Osterseier taa fand in der St. Markuskirche dahier die feierliche Einsegnung der diesjährigen Kon­firmanden, 35 Knaben und 39 Mädchen, durch die beiden evangelischen Geistlichen, Pfarrer Schneider und Pfarrer Linden st ruth, statt. Das Fortbestehen der beiden oberen Kl assen unserer Weidig-Oberrealfchule ist in Frage g e st « l l t. In der für morgen Abend an­beraumten StadtverorimetenversammLung soll über diesen Punkt beraten werden, und wird sich dann Herausstellen, ob die Stadt noch weiter die erforder lichen Mittel bewilligt.

< Wohnbach, 11. April. Bis auf den heu­tigen Tag hat sich in unserem Dorf ein schöner alter Osterbrauch erhalten. Am Rachmittag deS zweiten Ostertages ziehen Knaben und Mäd­chen deS nun kommenden obersten Jahrgangs der Volksschule, mit Blumen und Bändern geschmückt, hinaus auf die sogenannte ..Maiwiese", um hier den wunderbar geziertenMaibäum" aufzu­stellen. Bewundert von der Einwohnerschaft des Dorfes, die im Umkreis Aufstellung genommen hat, drehen sich um diesen Baum herum die jungen Tanzpaare im Takte der Musik, die von der altehrwürdigen Ziehharmonika bestritten wird. Mit mehr oder weniger Geschick vergnügen

Mel auf Teilzahlung und ohne Berufssiörung.

Don Karl Sttlbrück.

Die vor kurzem aufgedecktcn Titelschwin-- belcien, über die wir berichteten, lenken wieder einmal die Aufmerksamkeit der Oef- sentlichkeit auf die Tätigkeit gewisser dunk­lerVermittler" akademischer und anderer "Würden.

Seit jeher haben klangvolle Adelstitel und glänzende Ordenssterne eine geradezu faszinie­rende Wirkung auf die Menschheit ausgeübt, und auch noch heute, im Zeitalter der modernen Sachlichkeit, darf man die Vorteile nicht unter­schätzen. die ein Titel oder eine Ordensauszeich­nung leincm Inhaber verschafft. Schon immer haben sich mehr oder minder geschickte Betrüger die Sehnsucht weiter Kreise zu Ruhe gemacht, um jenen Leuten, die nie alle werden, für beträchtliche Summen ganz wertlose Auszeich­nungen oder Titel zu verschaffen. Wenig ge­schickt zeigte sich der Leipziger Titclfabrikant Dr. Albers, der in großen "Tageszeitungen Bewerber für eine Konsulatsvertretung in Sachsen suchte. Richt weniger als 35 000 Mark verlangte Albers für seine Vermittlungstätig­keit. Er hatte aber auch Titel auf Lager, die weniger kostspielig waren, so verlangte er für einen Doktortitelnur" 610000 Mark. Um sein Geschäft zu heben, verlieh sich einer seiner Komplizen, der in Berlin vergiftet wurde, nicht weniger als 22 Titel und 45 Orden. Geheimer Hosrat, Geheimer Kommerzienrat, Ge­heimer Domänenrat, Exzellenz, Professor und Doktor, daS ist nur eine Heine Blutenlese aus dem Titelvorrat diesesWürdenträgers". Selbst­verständlich haben sich die Titelfälscher ihre Dienste sehr reichlich bezahlen lassen, und daß sie ihre betrügerischen "Manöver streng geschäft­lich audübten, beweisen einige fertige Ver- trüge, die man in dem Bureau der Titel- Händler oorsand, und die die Einzelheiten deS dunklen Betriebs genau regelten. Daß man sich auch in dieser »Branche" dem Geist der Zeit anzupassen verstand, geht schon daraus hervor, daß auch Rateinahlungen gestattet waren. Auch

sich die jugendlichen Tänzer bis zum Abend. Fortgesetzt wird dies Treiben von der schul­entlassenen Jugend am 3. Ostertag. der bei uns als ordentlicher Feiertag gilt. Die Freude der Kleinen" wird nun von den .Großen" über­nommen und dann feiern Burschen und Mädels ihrenMaien".

KreiS Büdingen.

Ortenberg, 11. April. Am zweiten Osterfeiertag fand hier die Konfirmation statt. Es wurden 17 Kinder konfirmiert. Der Gottesdienst erhielt dadurch besondere Bedeutung, daß sich der bisherige G e i st l i ch e , der über 14 Jahre in der Gemeinde gewirkt hatte, von der Gemeinde verabschiedete. Eine für die Lehrwerkstätte des Krüppelheims in Riederram- stadt erhobene Kollekte ergab 108 Mk. Die Verwaltung der Pfarr stelle wurde für die Zwischenzeit Pfarrer H o ch in Selters über­tragen. Der Gottesdienst wird von den Rach­bargeistlichen abwechselnd gehalten werden. Um die hiesige Pfarrstelle hatten sich nur drei Geist­liche beworben. Wie wir hören, ist Pfarrer L e tz i n g - Engelrod von dem Fürsten zu Stol- berg-Rohla präsentiert worden. Er wird bei Uebertragung der Stelle noch vor Pfingsten auf­ziehen.

# Geiß-Ridda, 11. April. Gemäß De- schluh der letzten ordentlichen Generalversamm­lung deS SängerbundesMittleres R i d d a t a l" findet die geplante R h e i n f a h r t am 22. Juli statt. SS haben sich bereits über 400 Teilnehmer gemeldet, so daß sich die Bundes­vereine ziemlich geschlossen beteiligen. Vorberei­tung und Durchführung des Ausflugs liegen in den Händen des rührigen Bundesvorsitzenden. Lehrer Lentz von hier.

|: | Gelnhaar, 11. Avril. Am Metten Oster­feiertag ereignete sich hier ein s ch w« r e s M o t o r - radungluck. Ein junger Mann wollt« ein neues Motorrad, das seinem Vetter gehörte, einmal fah­ren, als er kurz hinter dem Ort durch ein Loch fuhr und die Gewalt über das Nad verlor. Er stürzte ab und blieb halb besinnungslos neben dem Bade liegen. Als er wieder etwas zu sich ge­kommen war, wollte er den noch laufenden Motor abstellen, kam dabei aber mit der rechten Hand in die arbeitende Kette am Hinterrad, wo­bei ihm die Hand mit Ausnahme des Daumens vollständig abgequetscht wurde. Dr. O t t o von Wennings überführte ihn sofort nach Büdingen ins Mathttden-Hospital.

Kreis Schotten.

S Laubach, 11. April. Am Ostermontag durch Dekan V o l p die Konfirmation der evangelischen Jugend in der hiesigen Stadt­kirche statt. Es waren insgesamt 20 Konfirman­den, elf Knaben, neun Mädchen' sechs hiervon besuchen die Realschule. Im Jahve 1918 wurden nur zwölf Kinder hier geboren, im Jahre 1919 dagegen 24 Kinder. Seit dieser Zeit überschritt, von einem Jahrgang abgesehen, die Zahl der Geburten in unserer Stadt die Ziffer 30. Während der Karwoche und der Feiertage fand ein lebhafter Touristenverkehr hier statt. In der neu und sehr bequem her gerichteten Jugendherberge in der hiesigen Turnhalle, die von Bahnhofsvorsteher i. R. S t ö r m e r um­sichtig geleitet wird, sanden im Durchschnitt je 20 Uebernachtungen statt. Wie wir bereit« meldeten, wird mit dem diesjährigen Aus­schuß f e st außer dem seit drei Jcchrhunderten bestehenden Schweinemarkt ein Bullen- markt mit gleichzeitiger Prämiierung von Vogelsberger und Simmentaler Zuchtvieh, sowie von Ziegen veranstaltet werden. Hiervon werden jedoch die Festlichkeiten des Laubacher Ra­tion alfe st es, des dreitägigenAusschusses", nicht berührt. Am ersten Festtag, am zweiten Sonntag vor Johanni (10.3uni), beginnt das Fest mit allgemeiner Volksbelustigung (Konzert, Tanz unter den Linden auf der Hälle usw.). Am Montag, hem Hauptfesttag, ist großer Fest­zug, hierauf bis zum Abend Preisschießen. Am Dienstagmorgen ist Markts am Rachmittag klingt das Fest mit allgemeiner Volksbelustigung aus. Gestern sanden imSchützenhof" nach alter Sitte die Wahlen deö Ausschuß-Haupt­manns und der H a u p t f ü h r e r der 13 Sek­tionen statt. Zum Ausschuß-Haupttnann wurde Pferdehändler Stotz gewählt, der einer alten, schon 1574 auftretenden Laubacher BürHer­fa m i l i e entstammt, die noch in zahlrelchon Zweigen vertreten ist.

1 La rdenbach, 11.April. Arn zweiten Öfter- taa fanb hier die Vorstellung und Prüfung der dies­jährigen Konfirmanden statt. Ts waren diesmal 8 Kinder, 3 Shtoben und 5 Mädchen, bar­unter 1 Knabe aus Solms-Ilsdorf. Die Konfirma­tion ist am weihen Sonntag. Wie alljährlich, so machten auch diesmal die Konfirmanden am dritten Feiertag einen Ausflug. Das Ziel war dies­mal Marburg. Auch di« Konfirmanden aus Groß- und Klein-Eichen nahmen an dem Ausflug teil.

* Groh-Eichen, 11. April. Zur Zeil herrscht in unferm Dorfe eine Masern- und Keuch- h ust e n « p i de m i e. Fast in jedem Haufe finden sich Kinder, die die eine der beiden Krankheiten haben, meistens jebod) beide zusammen. Auch stellt sich hie und da in Verbindung mit diesen Krank- heiten Lungenentzünduna ein. Am zwei­ten Ostertag wurden in unserer Kirche 22 Kinder konfirmiert (9 Mädchen und 13 Knaben), dar­unter 4 Mädchen und 1 Junge a-us Mein-Eichen.

V Gedern. 11. Llpril. Die Vorbereitungen zu dem diesjährigen Gederner Prämiie- rungs markt sind in vollem Gange Am 21. Mai findet ein Pferde markt statt Der folgende Tag wird neben dem eigentlichen R i n d- viehmarkt noch die Prämiierung von Oberhessifchem Fleckvieh und von Tieren der Vogelsberger Rasse bringen. Wie im notigen Jahre, so findet auch diesmal wieder eure Auktion von Bullen seitens deS Landwirt- schaftskammerausschusseS der Provinz Oberhessen statt. Bekannte Züchter werden bei der Prä­miierung als Preisrichter fungieren. Die Tiere werden, wie im vergangenen Jahre, in drei Ab­teilungen geprüft. In der Abteilung A wird nur angekörtcs Oberhessisches Fleckvieh, in Ab­teilung B nicht an gekörtes Oberhessisches Fleck­vieh und in Abteilung C reinrassige Tiere der Vogelsberger Rasse berücksichtigt werden. Den Preisrichtern steht eine beträchtliche Summe für Prämiierungszwecke zur Verfügung. RÄben dem Rindviehmarkt geht gleichzeitig ein Schweine­markt einher. Rach den letzten Berichten darf auch hier mit einer starken Beschickung gerechnet werden. Rachmittags findet daim eine Prä - mienmarkt-Verlosung statt.

0 Hartmannshain, 11. April. Ein hiesi­ger junger Landwirt streute dieser Tage k ü n st - lichen Dünger, wobei er eine kleine und unscheinbare Wunde an der Hand nicht beachtete. In der folgenden Nacht stellten sich heftige Schmerzen ein, die von einer Blut­vergiftung infolge Eindringens von Dünger in die Wunde herrührten. Der Vorgang hat zum Glück bis jetzt keine schlimmen Folgen gezeitigt, er sollte aber allgemein als eine Mahnung zur Vorsicht sein.

Kreis Alsfeld.

-er. Homberg a. d. Ohm, 11. April. Der heutige Schweine- und Krämer markt erfreute sich bei dem herrlichen Frühlingswetter eines guten Besuches. Der Austrieb an Schwei­nen betrug 580 Stück. Hiervon wurden 5 bis 6 Wochen alte Ferkel mit 15 bis 18 Wk. pro Kopf, 6 bis 8 Wochen alte Tiere mit 20 bis 28 Mk. bezahlt. Es verblieb nur ein geringer Meberftanb, besonders an jüngeren Tieren. Auf dem Krämermarkt waren einige Verkaufs- stände aufgeschlagen, bei denen dieJakobS" die besten Geschäfte machten. 3m Verhältnis zur wirtschaftlichen Lage muß der Geschäftsgang als ein guter bezeichnet werden.

=<r. Deckenbach, 11. April. Der Alt-Ve­teran Georg Kornmann, der an dem Feld­zug von 1870/71 teilgenommen hat, feiert am 12. April in voller Rüstigkeit und Gesundheit feinen 8 2. Geburtstag.

Z Maulbach, 11. April. Das Kirchspiel Maulbach, das die Orte Maulbach, Dannenrod und Appenrod umfaßt, hat jetzt feinen allgemein be­liebten Pfarrer Müller verloren. Pfarrer Müller wurde als Nachfolger von Dekan Scriba nach Eichels­dorf (Kreis Schotten) versetzt. Der Seelsorger, der 314 Jahre lang unser Kirchspiel in verdienstvollster Weise betreute, hielt in den letzten Tagen in Maul­bach und in den beiden Filialdörfern seine 2l b schiedsgottesdienste, die sehr gut besucht waren und dem Geistlichen noch einmal überzeugend zeigten, daß sein gesegnetes Wirken von den Be­wohnern der drei Ortschaften allgemein mit Dank­barkeit und Liebe anerkannt wird. Pfarrer Müller war u. a. der Gründer des im Jahre 1925 ins Leben gerufenen Kirchenchors, ferner hat er sich auf volks

in Köln hatte sich in letzter Zeit ein solcher Titelichwindler niedergelassen, doch hatte sich dieser auf den Handel mit Doktor ti­teln spezialisiert. Er arbeitete mit gefälschten Stempeln der Kölner und Bonner Universität, die er sich zu Dutzenden beschafft hatte, und bescheinigte seinen Kunden, die oft nie eine Universität betreten hatten, die Absolvierung einer stattlichen Anzahl von Semestern.

Während diese Titelhändler ausgesprochene Be­trüger sind, die ihren Abnehmern für ihr Geld nur gefälschte Ware lieferten, ging ein Frei­herr Ernst Leuchtmar Baron von Rei­chenau in Düsseldorf geschickter vor. In einem wirksam abgefahten Propagandafchreiben stellte er sich als »Leiter des Düsseldorfer Repetito­riums für Volkswirte" und zugleich alsbevoll­mächtigter Delegierter der Rationalen Philofo- phifchen Hochschule der Vereinigten Staaten von Rordamerika " vor. Die Universität, die er zu vertreten vorgab, stellte bei der Verleihung ihrer Doktortitel keine allzuhohen Ansprüche, und der Freiherr übernahm es, die Dvktorarbeiten, die die Anwärter pro forma einreichen mußten, zu redigieren. Die Tätigkeit des Anwärter- be­stand allein darin, eine größere Zahlung zu leisten. Mit langwierigen Formalitäten scheint sich dieRationale Philosophische Hochschule der Vereinigten Staaten" nicht aufgehalten zu haben, denn schon nach acht Wochen konnte der Zukünftige Doktor im Besitz seine- Diploms fein. Diese Urkunde bestand aus mehreren Formu­laren, deren erstes alle Titel der angeblichen Universität aufzählte und ein Verzeichnis ihrer Zweiganstalten bildete. Man muß es den Lei­tern dieser Universität lassen, daß sie tüchtige Psychologen waren, denn das Formular machte auf den Unbefangenen einen durchaus glaub­würdigen Eindruck, da e» in der Form einer eidesstattlichen Versicherung abge­faßt war. Ein zweites Formular, das Wappen und Kronen aufwies, regelte da- Geschäftliche, denn auf ihm mußte sich der Kandidat ver- pflichten, dem Düsseldorfer Vertreter eine be­stimmte Summe für feine Bemühungen zu zah­len. Außerdem mußte eine Spende von 150 Dollars für den Bibliotheksfonds der Muloerfttät geleistet werden Dieses Un­ternehmen soll glänzend gegangen fein, und auch auf strafrechtlichem Wege wir dem Vertreter

dieser amerikanifchen Universität nicht beizu- fomnien. Die Geschädigten waren allein die titel­süchtigen Kunden, denn ein Deutscher darf aus­ländische Doktortitel nur mit Genehmigung der zuständigen Ministerialstellen führen. Auch in Amerika will man sich jetzt energisch gegen diese Institute wenden. Ein Gesetz soll diesem Titel- Handel ein Ende machen, der sogar die ernsthaften amerikanischen Universitäten in Verruf bringt. Mehr als 250 Millionen sollen jährlich diesen Instituten zusließen, die oft von Personen er­öffnet und geleitet werden, die auf allen anderen Gebieten des geschäftlichen Lebens Schiffbruch er­litten haben.

Einen weit größeren Umfang als der Titel- Handel weist der Ordenshandel auf. der sich meist als Ordrnsschwindel entpuppt. Erst vor wenigen Jahren gelangte ein besonders mar­kanter Fall zur Aburteilung, als ein Wann namens Moser, der sich mit dem phantastischen Ramen Moser de Vega geschmückt hatte, unschädlich gemacht wurde. Diesem Mann war es gelungen, sich durch falsche Vorspiegelungen sehr beträchtliche Sunnnen zu erschwindeln, und die ineisten feiner Kunden, bte ihm auf den Leim gegangen waren, scheuten sich. Strafanzeige gegen ihn zu erstatten, da sie mit Recht befürchteten, sich lächerlich zu machen. Daß aber auch Staaten sich nicht scheuten, Orden und Titel gegen eine entsprechende finanzielle Leistung zu verleihen, war schon vor dem Kriea offenes Geheimnis. Ganz ungeniert erboten sich Agenten in In­seraten, derartige Orden zu verschaffen, und be­sonder- die Auszeichnungen des früheren König­reichs Portugal wurden nach festem Tarif vergeben. Ebenfo war die kleine Republik San Marino wenig wählerisch bei der Verteilung ihrer Ehrenzeichen, toentt sich der Bewerber nur durch eine gutgefüllte Brieftasche au-weisen konnte. Daß auch grobe Staaten nicht immer ganz korrekt bei der Vergebung von Auszeichnun­gen verfuhren, bewies der große Orden-- flanbal in Frankreich ter im Jahre 1887 auf gedeckt wurde und mit der Verhaftung des französischen Generals ©affatel, de- stell» vertretenden Ehefs tm Krieg-Ministerium. begann. Gin anderer, schwer kompromittierter General floh nach England, und als gar Daniel Wil­son, der Schwiegersohn de- damaligen Präsi­denten des OrdenSschachers bezichtigt mmA»,

wurde eS auch dem Einfältigsten klar, daß nicht immer die Würdigsten da- rote Band der Ehren­legion erhalten hatten. Seit einigen Jahren haben sich die Vermittler von Orden und Titeln ein Spezialgebiet geschaffen, da» ihnen reich­lichen Verdienst abwirft, ohne daß sie allzuviel riskieren. Die Vermittlung von erotischen Orden ernährt ihren Mann, und wenn die glücklichen Besitzer dieser OrdenSsterne, die meist Löwen. Drachen, Elefanten oder Blumen darstellen, auch gewöhnlich nicht die blasse Ahnung haben, wo der Souverän, der sie ausgezeichnet hat. residiert, so verdunkelt solche Unkenntnis die glitzernde Pracht keineswegs. Wie schön hebt sich doch vom Frack der OrdenSstern des Sultanats Kambodscha ab: einen anderen farbenprächtigLn Orden darf noch heute der Bey von Tunis verleihen, und auch derOrden der afrikanischen Be­freiung", den der Freistaat Liberia zu ver­geben hat, ist nicht zu verachten. Derselbe Staat schmücktVerdienstvolle" mit einem Militärver­dienstorden und dem Orden des afrikanischen SternS, Venezuela dagegen kann würdige Be­werber in eineLegion der Rationalen Befrei­ung" einreihen.

Schwerer sind schon die Auszeichnungen zu erhalten, die sich die neuen Staaten nach dem Kriege geschossen haben. Während die Tschecho­slowakei ihren Staatsbürgern keinerlei Auszeich­nung verleiht, erhalten Ausländer von diesem Staat denWeißen Löwen", der in mehreren Klassen emittiert Polen hat den feit 1705 be­stehenden Orden deS Weißen Adler- und den 1792 geschaffenen Wilitärorden erneuert. Außer­dem wurde eine neue Au-zeichnuna, herOrden der Wiederherstellung Polen-" geschaffen. Lett­land legte sich den Bärentöterorden und den Zivilorden bet drei Sterne zu, wäboend Est­land das FreiheitSkreuz und Finnland den Orten ter Weihen Rose besitzt. Man lieht also, daß für Liebhaber von Auszeichnungen noch immer Ge­legenheit besteht, den Frack zu dekorieren, und wer 'ich nicht durch Dcfonte« Leistungen die Auszeichnung eine- Staate- erringen kann, dem ist bet manchen Kleinstaaten Gelegenheit geboten. Anerkennung für feine finanziellen "Ver-ienstc zu finden. Rur darf et nicht einem Moser stc "Vega in die Hände fallen, ter Au-zeichmmges liefert die cnsfe dem Phantasielarrd stamm«.

bildnerischem Gebiet« erfolgreich in den Dienst imire Gemeinde gestellt.

Rheinhessen.

Ingelheim, 11. April Die foiurigei Ostertage haben das klimatisch begünstigte Rheinhessen und den jenseits des Rhein- gelegenen Aheingau in einen Dlüten- garten verwandelt. Aprikosen. Kirschen und anderes Frühobst blühten bereits in den Vor­wochen. Jetzt haben auch die Dirn- und frühen Apfelbäume ihre Blüten gebffnet, so daß da- obstgesegnete Land im Schimmer weißer und rosafarbener Blütenpracht erscheint. Der Re­st e n s ch n i t t ist ziemlich beendet. Die Wein­reben haben gut überwintert und zeigen ge­sundes Holz, aus dessen Schnittflächen der auf­strebende Saft auf die Erde tropft. Im Wein­handel ist seit Wochen eine merkliche Stille zu verzeichnen, die Preise geben nach Während nach dem ersten Abstich des jüngsten Jahr­gangs um die Weihnachtszeit ein flotter Ber­kaus einsetzte, in dem da- Stück (1200 Itr.) 1100 bi- 2000 Mark (in den Orten mit Quali­tät-Weinen) bezahlt tourte, möchten die Winzer jetzt gern ten Rest ihrer eingekastrrten Weine absetzen. Dabei ist kaum Rachfrage vorhanden. Immerhin wird es von ten Weinprvduzenten al- wirtschaftlicher Fortschritt begrüßt, daß die Wein­preise die doppelte Vorkriegshöhe erreicht Hatzen, so daß die Mehraufwendungen sich einigermaßen bezahlt machen. Schon auß diesem Grünte werten die Arbeiten in ten Weinbergen mit Giser und Sorgfalt durchgeführt, und überall begeg­net man Der Hoffnung, daß da- kommende Wein- jahr nicht nur quantitativ, sondern auch wieder einmal qualitativ ein gesegnetes sein möge.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

-6- Wcylar, 11. April. Die G vangelt sch« Gesellschaft in Elberfeld konnte in diesen Tagen auf ihr 75jähriges Bestehen tm Kreise Wetzlar zurückblicken. Au- diesem An­laß fanden am zweiten Ostertage in unseres Stadt verschiedene Jubiläumsfeiern statt, die von ter Bevölkerung des Kreises Wetzlar und Um­gegend sowie von unserer Einwohnerschaft außer­ordentlich stark besucht waren.

Kreis M bürg.

jl Marburg, 11. April. In Abwesenheit ihrer Herrschaft nahm gestern abend eine Haus­angestellte in einem Hause der Wilhelm- straßc gemeinschaftlich mit ihrer in ter Schwan­allee bediensteten Freundin ein Wannenbast. Angeblich infolge Au-strömenS von GaS aus dem Badeofen wurden die in ter Badewanne sitzenden Mädchen betäubt. Rächt- kam das Mädchen aus der Wilhelrnstraße wieder zu sich. Es fand die Freundin leblos. Gin herbei­gerufener Arzt konnte nur noch deren Tod fest- ftellen. Zwecks näherer Feststellung der Todes­ursache wurde die Leiche zur Sektion in bat pathologische Institut gebracht.

Kundfunlprogramm

des Frankfurter SeuterS.

(AuS terAadiv-Umfchou"Z

Samstag. 14. April.

13 bis 14: Don Kassel: MittagSständchen der Kasseler Hauskapelle. 15 bis 15.30: Die Stunde ter Jugend. 16.30 biß 17.45: Konzert des Rund­funkorchesters: Fr. Händel. 17.45 bi» 18.05: Die Lesestunte. 18.30 bis 18.45 Der Brieflasten 18.45 bis 19.15: Stunde des Kulturkartells der modernen Arbeiterbewegung. 19.15 biß 19.45: Stenographischer Fortbildungskursus für An­fänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). 19.45 bis 20.15: Stunde teß Frank­furter (Bunte» für "Volksbildung:Die "Bedeu­tung Schlesien- für die deutsche Kultur", Dortrag von Pfarrer TaeSler, Vorsitzender des Dchlesier- vereinS. 20.15: Der Vulkan, Lustspiel von Ludwig Fulda. 22.30 biS 23: Von 'Berlin: Tanzkursus Anschließend bis 0.30: Von "Berlin: Tanzmusik.

Sprechstunden der Redaktion.

12 biß 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittag«. Samstag nachmittag geschloffen.