Nr. 160 Dritter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfeu)
Dienstag, 10. Juli 1928
Aus dem Turngau Hessen (O T.)
-o- Sine Borturnerftunbe für oie Irauenabteilungen her Xurnoercir.c tm ®au Hessen sand am Sonntagnachmittag in der Turnhalle des Turnverein- 1846 zu Gießen statt Der Gauwarl Rudolf Paul (Dießen konnte beim Ausruf feststellen, daß über 60 Leiter und Turnerinnen angetreten waren; darunter war die Abteilung von Burggcmün- den neu htnzugelommcn. Die Turnsolge beschäftigte sich mit den Hebungen des Gauwettu.rneirund de- Deutschen Turnfestes. Außer ben Geräteübungen wurden insbesondere die Gruppen Her allgemeinen Freiübungen und der Keulenübungen eingehend bis zur Wiedergabe nach Musik herausentwickelt. zumal diese beiden HebungÄarten bei den für den 26. August in Laubach anstehenden Sauwettlämpfen nicht nur al- Massenwirkung zur Darstelluna lammen, sondern auch mit je einer ourch das LoS zu bestimmenden Gruppe in die Pflichtübungen ausgenommen worden sind. Alle bi- zum 15. August sich meldenden Wettkämpserinnen werden in zwei Abteilungen, Turnerinnen und 3ugenöturnerin- nen. mit je einer Ober» und Unterstufe zusam- mengesaht. wobei die 3ugen0ftufen mit dem Jahrgang 1912 beginnen; Schülerinnen, die noch 1916 geboren sind, dürfen unter keinen Umständen sich beteiligen. Der Zehnkamps umsaßt je zwei Hebungen am Darren und Pferd, eine Bed-, Frei- und Keulenübung, und als volks- lümltche Hebungen Hochsprung über die Satte, Kugelstoßen (4 Kilogramm) mit kurzem Anlauf oder aus dem Kreis, und 75-Blcter-2auf. Für die beiden Turns^innenstusen ist, jedoch nur als Ausnahme. noch ein Siebenkampf (Geräte und Handgeräte, vorgesehen. Schließlich werden die volkstümlichen Hebungen aus dem Zehnkampf, aufgc- rundet durch ben Weilsprung ohne Brett, zu einem für alle Stufen offenen, jedoch mit den Anforderungen der Turnerinnen-Oberstuse aus- gestatteten Bierkamps zusammengefaßt. Unter ben Sonbervorsührugen der Bercine werben neben ben rhythmischen Darbietungen insbesondere auch Riegen an Geräten auftreten.
Leichiathleiik-Zugendmeisterschasten des Gaues Gießen-Wehlar.
6. Am Sonntag fanden auf dem 1900er Sportplatz die leichtathletischen 3ugcnb- meisterfchas ten deS Gaues Gieße n - Wetzlar statt. Die Teilnehmerzahl war befriedigend. die Seiftungen bewegten sich bei der guten Witterung auf einem beachtlichen Niveau Die Zugendabteilung der Sp. Bgg. 1900 fchnitt wieder weit am besten ab. schöne Erfolge hatten weiter B. f. D. Dießen und bet Weilburger Fuß- ballverein ^u verzeichnen DaS 3nteresse an der Leichtathletik scheint in Wetzlar im Schwinden zu fein, hatte doch der bestbekannte D. f. S. Wetzlar keinen 3ugendlichen entsandt. Rach- stehend die Ergebnisse:
A-ÄIafft:
100 Meter: 1. Müller (Weilburg) 12; 2. Schlarb (1900) 13; 3. Schlaudraff (Weivburg) 13,1.
1 500 Meter: 1. Schäfer (1900) 4:47,0; 2. Schlief (Dillenburg) 4:47,1; 3 3äger (1900) 5:02.6.
Hochsprung: 1. Wolf (1900) 1,54.5 Meter; 2. Bondani (Weilburg) 1,48,5 Meter; 3. Schlan- braff 1,48.5 Meter.
Kugelstoßen: 1. Wolf (1900) 12.63 Meter; 2. Spei er (1900) 10,47 Meter; 3 Schlaudraff 10,47 Meter.
Diskuswerfen: 1. Wolf (1900) 30,20 Bieter; 2. Bondani (Weilburg) 29 Meter; 3. Becker (1900) 26.20 Bieter.
4xlOO-Bleter-6taffcL 1. F. B. Weilburg 49.3 Bieter; 2. 1900 51.6 Bieter.
Dreikampf: 1. Wolf (1900) 183 Punkte; 2. Bondani «Weilburg) 158 Punkte; 3. Schlau- braff (Weilburg) 151 Punkte
6-Klasse:
100 Bieter: 1. Balser (1900) 12.9; 2. Boll- genanb (Weilbirrg) 13,2; 3. Haibach (Weilburg) 13,3.
Möwe im Sturm.
Roman von Sophie Kloerß.
10 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Aber wahrend Elena, schnell ermüdet, sich bald wieder auf dem Liegestuhl am Strande sonnte, schwamm Maria weil hinaus in die Flut und lachte hellauf, wenn die Stimme der Schwester herüberklagte: „So lange läßt du mich allein."
Sie hatte früh schon auf Erdmannsdorf in der Donau geschwommen, sich mit den starken Strömungen des Flusses herumgeschlagen, war eine sichere Taucherin und Schwimmerin gewesen und gab sich mit Wonne der alten Freude hin.
Ach, Gott, sie war ja auch nicht so zart und schön wie die Schwester. Sie war so viel robuster. Und ihrem Teint, ihrer einzigen Schönheit, konnte weder Wind noch Sonne etwas anhaben."
Nachmittags kam Sergei Wladimirowitsch meist hinaus, sich nach dem Ergehen der Damen zu erkundigen. Er brachte dies und jenes mit aus der Stadt, irgendwelche Nichtigkeiten, die doch recht kostbar waren, und an einem Abend, als er gegangen — „Geschäfte, liebes Kind, du weißt ja" — stand Elena vor ihrem Toilettentisch und bekam große Augen. Der Schlangenring lag dort, als hätte er sich nie heimlich davongemacht.
„Was hast du denn?" fragte Maria, die sie so fonb, ben Ning langsam am Finger auf und ab ichiebend.
"Mein Ning! Mein Talisman! Er war Der- schwanden. In Venedig, Hier lag er jetzt wieder." „Giulietta wird ihn zwischen deinen Sachen gefunden haben. So unordentlich wie du bist, Elena."
„Gesunden? — Schäfchen. — Fortgenommen war er."
„Stiehlt sie denn?"
..Giulietta? — Ich glaube nicht. Sergei hat ihn D€.r'e§t; Unb nun hat er chn wieder eingelöst. Und mir sttll hierhergeleat. Er muß sehr viel Geld gewonnen hoben. Er löst nie wieder etwas ein, was Emma! aus dem Haufe ist."
„Aber, Elena!"
„Was ist denn? Wie siehst du aus? Die Augen!" Sie mchte. Das alte leichtsinnige Lachen, mit dem |te schon in ihrer Mädchenzeit die Geschwister zu
allen Torheiten mitgerissen hatte. „Er nimmt, was er braucht. Menschen und Dinge. Mit Fragen hält er sich nicht auf.
„Und du läßt dir das gefallen?"
„Sei doch nicht so schwerfällig. Soll ich ihm Szenen machen? Szenen find gräßlich unbequem und unfein. Frauen, die Szenen machen, die werden all vor der Zeit. Bekommen einen häßlichen Mund und harte Augen. Und was wäre gewonnen damit? Ich habe mir alle Erregungen längst ab- gewöhnt. — Maria, lache doch mit mir. Wirklich, es kommt mir aus dem Herren. Ich bin so froh, daß ich den Ring wieder habe."
„Ich könnte mich in solche Ehe nicht finden."
„Man findet sich noch in ganz andere Dinge, Ioujou. So, sieh in den Spiegel und mach' ein anderes Gesicht. Fvedi kommt. Ich sehe feinen Panama drüben in der Gondel."
Fredi Hochheim kam jeden dritten Tag, meist schon am Nachmittag, spielte Tennis mit Maria — Elena war viel zu bequem dazu —, las lyrische Gedichte vor, die ihm nur Spott eintrugen, und lamentierte über die Kunden, die nicht kaufen wollten, und über seine Auftraggeber, die nicht zahlen wollten. Denn der flotte Fredi Hochheim war Reisender in Wein, Zigarren, Sardinen in Del, Reise» artikeln, Parfüm.
„Diese Banausen," klagte er. „Ich verstehe mehr von Wohlgerüchen unb Juchten und Zigaretten als die ganze Firmengesellschaft zusammen, aber bekomme ich so oiel, daß ich halbwegs anständig leben kann? Und hat man mal ein bißchen in den Fingern, bann kommen die Damen und die Könige und jagen es in alle vier Winde."
„Ja, wenn du bas Spielen nicht lassen kannst, Fredi."
„Es ist mir notwendig. Notwendiger noch als die Liebe. Und das Glück hätte die Pflicht, ein bißchen ausgleichend zu verfahren, wo ihr zwei mich so schlecht behandelt. Kaltgestellt habt ihr mich. Jawohl. Mir ist nimmer zum Lachen dabei." Aber während er jammerte, flitzten feine blanken Augen über die Kusinen hinweg zur Platane, wo Giu- lietta den Kaffeetisch richtete. Unb bie drehte und hob sich auf den Zehenspitzen, lockerte mit spitzen Fingern die krausen Stirnhaare und war in jeder Bewegung bewußt« Verlockung.
Turnen, Spott und Spiel.
800 Meter 1. Balser <1902. 2:22.1; 2. Motz (1920) 2:22.6; 3. Grünbaum (1900) 2:22.7.
Weitsprung I. Boller 11920- 5.49 B! t.i. 2. Becker (1900) 5.19 Bieter; 3. Gut Hardt 5.15 Bieter.
Kugelst oßen: 1 Decker (1900) 9L8 Bieter; 2. Balser (1900) 9,36 Meter; 3. Sdxmibt «Weil- bürg) 9.25 Meter.
4 100-Meter-Stasfel: 1. 1900 51.2; 2. F. B. Weilburg 55; 3. 1900 2. Mannschaft
Dreikampf: 1. Balser (1900) 225 Punkte; 2 Becker 11900) 209 Punkte. 3. Bollg nanb ("Weilburg) 167 Punkte.
c.Klasse:
5 0 Bieter: 1. Gräf (1900) 7,0 Sek.; 2. Lippert (B. f. B Gießen) 7,3 Sek.; 3. Haas (Dillenburg) 7L Sek.
Speerwerfen 1. Gräf (1900 ) 37.75 Bieter. 2. Srppert (B. f. B. Gießen) 32.12 Meter; 3. HaaS (Dillenburg) 31.30 Bieter.
Wei tf pr ung (S tand): 1. Gräf (1900) 2.48 Bieter; 2. Decker (S. B. Wetzlar) 2,39 Bieter; 3. Haas (Dillenburg) 2,31 Bieter.
4x50-Bieter-Staffel; 1. 1900 30 ; 2. D. f. B. Gießen > t Bieter zurück; 3. S D. Wetzlar.
Drei kam Pf: 1 Gräf (1900) 339 Punkte; 2. Sippert (D. f. D. Gießen) 275 Punkte; 3. Haas (Dillenburg) 271 Punkte.
O-Klasse:
50 Bieter: 1. Happ (B. s. D. Gießen) 8.0 Sek.; 2. Darr (Dillenburg) 8,2 Sek.; 3. Schmitz (1900) 8.5 Sek.
Weitfpr ung (Stand): 1. Happ (B. f. D. Gcehen) 2,12 Bieter; 2. Darr (Dillenburg) 2,02 Bieter; 3. Salzberg (1900) 2,00 Bieter.
Schlagballweitwerfen: 1. Beef (Dillenburg) 46,80 Bieter; 2. Darr (Dillenburg) 43,00 Bieter; 3. Happ (B. f. D. Gießen) 42,30 Meter.
4x50-Bleter-6taffel: 1. Dillenburg 32.3 Sek.; 2. 1900 1. Mannschaft 32,7 Sek.; 3. 1900 2. Mannschaft.
Drei kampf. 1. Happ (B. f. D. Gießen) 240 Punkte; 2 Darr (Dillenburg) 230 Punkte; 3. Beef (Dillenburg) 221 Punkte.
Neue Frauen-Wettrekorde.
Bei den am Sonntag in Duisburg ausgetragenen westdeutschen Frauenmeisterschaften wurden neue Welthöchstleistüngen geschaffen. Frl. Schumann (Schwarz- Weiß Essen) schlug den Weltrekord im Speerwerfen mit 37,855 Bieter. Frl. Heub 1 ein, Elberfeld verbesserte im Kugelstoßen mit 11,86 Bieler den von ihr gehaltenen Weltrekord. Außer Konkurrenz erzielte sie sogar 12,08 Meter. 3m Hochsprung stellte Frl. Botte mit 1,545 Bieter eine neue deutsche Höchstleistung auf.
Tennis.
Gießener Tenni-klub 1922 e. 25. — Leimiskllib Bad Homburg 25:6.
Bach den beiden letzten Städtewettfpielen auf ben Gießener Plätzen (gegen Darmstadt 7:10, gegen Lauterbach 10:3) trat der Gießener Klub am Sonntag wieder auswärts in Aktion. Bitt hohem Siege konnte er den Homburger Klub schlagen und beweisen, daß er nicht nur eine gute Sonderklasse, sondern auch eine zuverlässige Mittelklasse besitzt. Don 12 Herren-Ginzelspielen ging nur eins verloren! An erster Stelle fertigte Kirchner seinen Gegner Haas, Homburg, glatt 6:2, 6:1 ab, ebenso sicher siegten Bo H und Dr. Fischer. Dr. Dönges lieh sich von dem talentierten Homburger 3unior © a l i n g ej dessen weiches Spiel aufdrängen und muhte nach hartem Kampf diesem Punkt und Sieg überlasten. 2km Damen-Ginzelgingen von sieben Spielen nur zwei verloren. Hier überrascht vor allem der Sieg von Frau v.Stockhausen an erster Stelle gegen Frl. Blümlein, Homburg. 2km vorangegangenen Mixed noch recht unsicher, wurde Frau v. Stockhausen im Single von Spiel zu Spiel besser und gewann schließlich in drei harten Sätzen. Kirchner-Boll schlugen im Herren
Doppel H a a 6 • B i c m a n n in zwei Sätzen sicher, Frau v. Stockhausen-Kirchner i>er- loten in drei Sätzen nach Kamp« gegen Frl. B1 ü m 1 e i n - H a a s.
Deutsche Meisterschaft im öer-Haienratbali für 1028 in Sießen.
Dem Gau 73 >Sahn» im B. D. B. wurde die Deutsche Meisterschaft im 6ei-Balen- rabball für 1 928 zur Ausrichtung übergeben. Zur Austragung, die am 15. Juli auf । dem Sportplatz der Cp;e;i>etci.ügung 1900 Gießen stattsindet, haben folgende akreinc ihre Meldung abgegeben: Deutsche Meister 1927:
Radsport-Abteilung der Erfurter Tumerschaft, ferner Wanderlust 05 Frankfurt-West. B. 6.1895 Frankfurt-Oberrad, B. B. 1889 Schweinfurt. R. B. Esfen-Rüttenscheid, B. B 1835 unb Germania Gießen. Es sind Mannschaften von erstklassigem Buf, benn sie enthalten Barnen wie Gebrüder S1 o 1 ye, Erfurt, Deutscher Meister im 2er Radball 1924, mehrmaliger Meister im 3er Radball; Schreiber-Blersch von der Wanderlust Bockenheim, die vor kurzem die Kreismeister- schaft errangen und hierbei ihre größten Widersacher, Gebr. Etoltze. knapp auf ben zweiten Platz verwiesen. Pantle-Grebe, Obcrrab; Deibel-Rieger. R. B. 1885; Bon Eiff- Pfund, Germania Gießen und die Mannen au- Schweinfurt und Essen-Rüttenscheid garantieren für erstklassigen Sport. Wer der bessere ist, soll der 15.3uli entscheiden, denn da beweist sich, welche Mannschaft die Berarbeiten richtig getroffen, sich die nötige Ausdauer verschafft hat und am besten eingespielt ist. Denn das ist die Hauptsache: Derständnis der Mannschaft unter sich selbst. Es ist ziemlich schwer, irgendeinen Tip im voraus abzugeben, denn die Mannschaften stellen das beste bar, was der B. D. R. zur Zeit zur Berfügung hat. Die Spiele beginnen vormittags. Die Sieger der Borspiele gelangen in die nachmittags ftaitjinbenben Zwischenspiele und bie beiden End-Sieger bestreiten dann den End- kampf.
Kegelsport.
Die erste Bund^sfahrt des Keglerbun- deS Sahn-Duseckertal. verbunden mit dem 30. Stiftungsfest des Kegelllubs „®ut Holz" Wieseck. brachte am Samstagabend in Wieseck einen Festtommers. Sonntagsiüh trafen die 12 Dundesvereine zum B e re i n s ke g e ln an, das sich reibungslos abwickeltc. Geworfen wurden von 5 Mann je 5 Kugeln. 'Während der gleichen Zeit sand das Einzelkegel h statt, wozu der festgebende Verein mit sehr schonen Preisen aufwartete.
Das Dereinskegeln hatte folgcnbeß Er- SiS: 1. Preis: Gut Holz Alten-Buseck 159
I; 2. Preis. Dahnfrei Wißmar 153 Kegel; niS: Alle Barne Alten-Buseck 151 Kegel; 4. Preis: Gut Holz Wieseck 149 Kegel; 5. PreiS: Alle Beunc Wißmar 148 Kegel, 6. Preis: Gut Hvh Svllar 143 Kegel; 7. PreiS: Gut Holz Krofdorf 142 Kegel; 8. Preis: Vorwärts Wieseck 136 Keael; 9. PreiS: Gut Holz ReiSsirchen 135 Kegel; 10. PreiS: Alle Bernte Trohe 124 Kegel; 11. Preis. Alle Beunc Wieseck 120 Kegel; 12. Preis. Alle Beune Grohen-Sinden 114 Kegel.
Das Ginzelkegeln mit 4 Kugeln bei einer Beteiligung von 246 Keglern ergab folgendes Resultat: 1. H. Loth (Trohe) 30 Kegel; 2. Otto Strack (Wieseck), 3. W. Dopp (Alten-Buseck), 4. KDöringer (Wieseck), 5. K. Körber (Wieseck) je 29 Kegel; 6. P. Schmidt (Alten-Buseck). 7. S. Mandler (Wihmar). 8. Fr. Krämer (Alten- Buseck), 9. Adolf Mandler (Wieseck) und 10. W. Hofmann (Alten-Buseck) je 28 Kegel.
Englischer Sieg auf dem Nürburgring.
Auf dein Bürburgting wurde am Sonntag bei schönem QDetter der Große Preis von Deutschland für Motorräder ausgetragen. 2fn allen Klassen wurde hart um den Sieg gekämpft. AIS Sieger aus dem Rennen ging der Engländer Aodson auf Sunbeam hervor, der
die 424.5 Kilometer lange Strecke, die in 15 Runden zu je 28,3 Kilometer zu durchfahren war. in 4: 18.48, bet schnellsten Zett des Tages, zurücklegte ।
Arbeiter-Turn- und (Sportbund.
Gießen Ib — Großen Linden I 5:0.
Da das Spiel Giehen I - - Westen!» I abgesagt wurde, trugen diese Mannschaften ein Freundschaftsspiel aus. Gießen war den Gästen technisch überlegen. Die durch ihren Eifer versuchten, daauszugleichen. Bereits bei Halbzeit führte Gießen 3:0. Auch nach Seilenwechfel war Dießen weiter überlegen und konnte noch zweimal einsenden. Mit dem Stande 5:0, Ecken 6:3 für Gießen, trennten sich die fairen Gegner
Bettstein 1 — Gießen II 10:1.
Dießen- 2. Mannschaft wallte als Gast zu einem Berband-spiele in Bellstein und mußte sich dem körperlich stärkeren Gegner mit 10:1 beugen.
Raunheim I — Alsfeld I.
Kanrpflos für Raunheim gewonnen, da Alsfeld nicht antrat.
Lollar I — Jronhaulen I 7:0.
Fronhausen spielte kein Derband-spiel gegen Burkhardstelden. sondern war zu einem Freundschaftsspiel in Lollar zu Gast. Lollar, da« mit Ersatz spielte, war den Gästen technisch überlegen und konnte bei Schluß mit 7:0 da- Feld als Eieger verlassen.
Kinzenbach I — £eun I 2:2.
Die Gegner trafen sich in Kinzenbach. Leun konnte bald zum ersten Erfolg kommen, dem Kinzenbach kurz vor Halbzeit den Ausgleich entgegensetzte. Rach Seitenwechsel dasselbe Spiel. Beide Parteien konnten noch einmal erfolgreich sein. Kurz vor Schluß sollte ein Spieler LeunS wegen unfairen Spiels da- Feld verlasfcn, was nicht geschah. Hierdurch sah sich der Hnparteiische gezwungen, das Spiel abzupseisen.
Der 16 Bundestag
deS Arbeiter-Durn» und LportbundeS fand zum ersten Male in der neuen DundeS- fchule statt. 3m Bor'oerarunde der Beratungen stand der Richtungsstreit, der eine ausgiebige Debatte veranlaßte. Die Abstimmung ergab eine sehr starke Mehrheit für da- Wirken des Bundesvorstände-. Die Spartenfrage, die auf den vorhergehenden Hpartentagungen ausgiebig behandelt worden war. fand eine rasche Erörterung Durch Annahme des neuen Bun- desstatutes ist auch dieser Stein deS Anstoßes glücklich überwunden und der Weg zur weiteren Entwicklung der Bewegung frei. Der Bericht über die Bunde-s chule wurde von allen Delegierten mit lebhaftem 3nteresse entgegengenommen. 3hr Wirken wurde ganz besonders hervorgehoben, stellt sie doch allen Sehrgan^-S- teilnehmem freie Fahrt und Verpflegung zur Verfügung. Der Bunde-beitrag fand, veranlaßt durch die hohen Aufwendungen für den Etat der BundeSschuIe, eine ErhöHuna. Hebet die Pressefrage soll eine Im Herbst stattfindende Presseleiterkonfevenz enbaültig beschließen. Mit bet Festlegung de- nächsten Bundestage-, der 1930 in Köln stattfinden soll, und einem Bor* trag über das nächstjährige BundeSsest in Nürnberg, zu dem die Vorarbeiten rege im Gange sind, fand die Tagung ihren Abschluß.
Amtsgericht Gießen.
In der Rächt vorn 25. bis 26. Dezember 1927 morgen- gegen 4 Hhr, beabsichtigten mehrere junge Männer und Mädchen, die vorher auf der Liebigshohe gewesen waren, die um diese Zeit noch erleuchteten Räume auf der Hardt auszusuchen. Zur selben Zeit kamen von der Hardt her mehrere junge Leute, die sich auf dem Heimweg befanden. Ein Schlossergehilfe und ein Maschinist gerieten dadurch in Streit, daß ersterer den letzteren anstieh, ihm mit einem Schaumschläger vor dem Kopfe herumfuchtelte und ihm
Der Baron war interessanter. Und gefährlicher. Und sie zitterte vor heimlicher Erregung, wenn er nur im Zimmer war. Aber der zierliche Herr von Hochheim war zum Zwischenspiel auch nicht zu verachten. Das bißchen Jugend war schnell genug vorbei, wenn man erst verheiratet war und die Kinder Tag und Nacht keine Ruhe gaben.
„Einen Monat" hatte Elena gesagt und wenigstens auf drei gehofft, doch als erst ein halber vorübergegangen, kam Sergei schon an einem Vormittag hinaus in die Villa, und sein Gesicht war so finster, daß sie sofort wußte, nun kommt wieder etwas ganz Garstiges. Giulietta, die ihm die Tür geöffnet, und sich etwas reichlich in den Weg ge- stellt hatte, wurde mit einer brüsken Bewegung zur Seite geschoben. „Alles zu seiner Zeit, mein Kind." Nichts Unsympathischeres als zudringliche Weiber, — sie war ganz verstört zurückgeblieben, — und bereits verschwand der Herr Baron im Schlaf, zimmer seiner Frau. Nicht einmal melden lassen hatte er sich. Das war noch nie geschehen.
Elena dämmerte ein bißchen auf dem Ruhebett, denn sie hatten schon gebadet, und der helle Maimorgen brachte eine grelle Blendung im Garten. Sie trug nur den leichten Bademantel, das lange Haar hing in zwei Zöpfen über die Rückenlehne, die zierlichen Füße sahen rosig unter dem Mantel heraus. Blutjung erschien sie da im sanften Dämmerlicht hinter den zuyezogenen Vorhängen. Nicht wie eine fast dreißigjährige Frau, die durch alle Höhen und Tiefen des Lebens gegangen, sondern wie ein achtzehnjähriges Mädchen, unberührt von allem, was Staub und Laster heißt.
Als Sergei hereinkam, fuhr sie zusammen.
„So früh, lieber Freund?"
.Leider. Ihr müßt heute noch nach Venedig zurück."
„D nein. Warum denn?"
„Warum mein Kind? Das könntest du dir wohl selber beantworten. Wir stehen wieder einmal gegenüber dem Nichts. Die berühmte Schaukel. Heute hoch, morgen drunten."
„Hast du unglücklich gespielt?"
„Gewettet, gestern beim Pferderennen in Verona. Der Fredi ist ebenso blank wie ich. Eine todsichere Sache. Da überschlägt sich der Gaul — futsch. Und wenn es gut gegangen wäre, hätte ich den verdammten Kasten für etn halbes Jahr schließen ton
nen, und wir wären an die italienischen Seen gegangen. — Nun hilft es nichts. Ihr müßt zurück. Die lieben Herren kommen um so eifriger und setzen um so hoher, wenn eine schöne Frau sie willkommen heißt. Der Champagner schmeckt ihnen nur, wenn du am Kelche nippst."
„Ader ich will nicht, Sergei. Ich will nicht. Es ist alles so widerlich. Dazu bin ich nicht auf der Welt."
„Laß die Reden, Elena. Du weißt, es muß fein. Willst du wieder Vorleserin sein bei irgendeiner alten Protzin? Oder die Liebste von einem Schweinezüchter? Ober —"
„Ich war es nicht. Du sollst so etwas nicht sagen."
„Also, um fünf müßt ihr in der Stadt sein. Wann soll eigentlich die Komödie mit Maria ein Ende haben? Sie kann doch nicht ewig in dieser rührenden Unschuld verbleiben. Und du sollst sehen, wenn sie zum Vorschein kommt, in ihrer ganzen herben Unberührtheit — für diese Art Leute wird sie wahnsinnig aufreizend wirken. Der alte Som- bro ruiniert sich für eine solche Frau, auch wenn sie ihm nicht mehr gewährt als einen Kuß auf ihre Fingerspitzen."
.^!aß Maria aus dem Spiel."
„Se$r töricht. Ich denke, du kommst noch zur Einsicht." Er stand auf, zündete sich eine Zigarette an, trat auf den Balkon hinaus und sah in die Weite. Maria erblickte ihn vom Strand aus, wie er so groß und schlank gegen die Hausmauer lehnte, der schmale Kops wie helle Bronze im jungen Licht. Ui* die dunklen Augen hinter den langen seidenen Wimpern, immer ein wenig versteckt, als lohne es nicht, diese elende Welt mit vollem Blick in sich aufzunehmen, suchten chr Gesicht. So weit sie von ihm entfernt war, sie spürte den Blick. Was will er von mir? dachte sie. Es ist, als wenn er mtt den Augen die Menschen heranzieht und zwingt, seinen Willen zu tun. Wer was will er von mir?
An diesem Wend, als Maria nicht schlafen konnte, wollte sie noch einmal in das Nebenzimmer zur Schwester gehen und fand die Tür verriegelt. Warum das? Wünschte Elena ihren Eintritt nicht mehr? Sie klopfte und rief leise, es kam keine Antwort. Die mußte tief schlafen.
(Fortsetzung folgt.)


