Welch« Maßnahmen find mm zu er greifen, «m die jetzigen Schäden zu beseitigen und künftige zu vermeiden? Die Aufbereitung der Schneebruchhölzer muh schon mit Rücksicht auf die bestehende Feuers- und Insektengefahr im Sommer mit allen Mitteln gefordert werden. Da die Arbeit in den zerbrochenen Stangenhölzern nicht als normal bezeichnet werden kann, muh die Forstverwaltung erhebliche Lohnzulagen bewil- ugen. Bei dem Umfang der Katastrophe können nut die Schaftbrüche ausgehauen und entfernt Werden. Gipfelbrüche und alle noch lebensfähigen Fichten bleiben zunächst erhalten. Die entstandenen Lücken wieder in Kultur zu bringen, ist eine ganz besondere Aufgabel Flächenbruch muh wegen des ungeheuren ^Inkrautwuchses wieder der Fichte zugewiesen werden. Resterbruch soll durch Unterbau mit geeigneten Laubhölzern wieder in Schluß gebracht werden. Zur Vermeidung künftiger Schäden ist bereits seit vielen Iahten angeordnet, die Pflanzweite der Fichten bestände zu vergrößern, an geeigneten Orten Laubhölzer einzusprengen und in besonders gefährdeten Lagen Den Anbau der Fichte zu unterlassen.
Wo für die 2lbfuhr des Holzes geeignete Wege nicht zur Verfügung stehen, muh Hand in Hand mit der Veseitigung der Schneebruchschäden der Ausbau des Wegenetzes in Eingriff genommen werden, allein im Forstamt Schotten eine Ausgabe, die die Kraft eines Wirtschafters fast übersteigt! Bedenkt man ferner, dah im Oberwald keine neue Vermessung besteht und dah die Wirtschaft auch auf diesem Gebiet ge- wissermahen auf Schritt und Tritt auf Schwierigkeiten stöbt, so wird man begreifen, dah die gewöhnlichere Mittel $ur Bestreitung dieser vorliegenden Aufgabe mcht ausreichen.
Um diese auherordeutlichen Schäden in einem mit Schutzwaldcharakter behafteten Waldgebiet auszuheilen, bedarf es der Ve r e i t st e l l u ng besonderer Mittel. Diese Forderung erscheint weder ungerecht noch unbillig irn Hinblick auf die Tatsache, dah der Erlös aus Schneebruchholz auf etwa 330 000 Mk. eingeschäht werden kann. Für Holzhauerlohn hofft man mit der im Staatsvoranschlag beantragten Summe auszukommen. Geringe Ueberfchreitrmgen erscheinen im Hinblick aus den gleichzeitigen Mehrerlös für Holz unbedenklich. Für Wegebauarbeiten, insbesondere Bau neuer Straßen, wird ein Sonderkredit von 360 00 Mk. verteilt auf drei Iahre mit je 12 000 Mk. für erforderlich gehalten. Für die Ausführung der Schneebruch- Kulturen werden für die Dauer von zehn Iahren je 6000 Mk., in Summa 60000 M k., notwendig werden.
In diesem Zusammenhänge sei darauf hin- gewiesen, dah in den höchsten Dörfern des Vogelsberges die arbeitsfähige Bevölkerung für Jahre im Walde beschäftigt werden kann. Mit der Bewilligung von Sonoerkrediten für Wegbauarbeiten und der Schaffung von Arbeitsgelegenheit ist der schwer ringenden Landbevölkerung mehr gedient als mit der Bereitstellung von Rotstandskrediten, die zurückgezahlt werden müssen.
Aus der pwvinzialhauptstadt.
Viehen, den 10. März 1928.
<Hraf Golms-Laubach über feinen Zlug nach Ostaflen.
Auf Einladung des Oberhessischen Automobilklubs und des Vereins für Luftfahrt in Gießen sprach am Donnerstagabend im Großen Hörsaal des Physika- lischen Instituts Graf Georg Friedrich zu Solms-La ubach über feinen Ostasienflug mit ST ö 11 n e (t i', die Erfahrungen bei diesem Un-- tetnelihten und die Ursachen seines vorzeitigen Abbruchs. Ein außerordentlich zahlreiches Publikum füllte den Großen Hörfaal bis zum letzten Platz, ja, zahlreiche Besucher standen sogar bis in den Vorraum hinein.
Rach einem kurzen Begrühungswort des Vorsitzenden des Oberhessischen Automobilklubs, Ge- ncraldireklors Dr. Gail, im Ramen der beiden veranstaltenden Vereine begann Gras Solms- Laubach in schlichter Grzählungssorm mit seinem fesselnden Vor trage. Im Geiste konnte man dabei die Flieger auf der „Germania" (Könnecke als Pilot, Herrmann als Funker und Graf Solms-Laubach als Begleiter) zunächst bet dem bekannten 18-Stundenflug von Köln nach Angora ohne Zwischenlandung begleiten. Dann zog die wechselvolle, ja romantische Geschichte des Weiterfluges über Aleppo, Bagdad, Basra, den Persischen Golf bis nach Dender- Abbas in auherordentlich eindrucksvollen Erzählungen des Vortragenden an dem geistigen Auge der Besucher vorüber. Man lernte die ungeheueren Gefahren kennen, von denen die Flieger beim Ueberqueren der mächtigen Gebirge Kleinasiens und der glühenden Wüstenstriche mit ihrem furchtbaren Sonnenbrand und der schrecklichen Einöde des Landes bedroht waren! man konnte sich einen Begriff machen von bett Qualen, des Durstes, die die Flieger in den engen Räumen des Flugzeuges unter der glühenden Sonne Arabiens zu erdulden hatten: man erfuhr, welche Sorgen und Röte um den Bestand des Fleug- zeu.ges die Flieger ertragen mußten und wie sie bei den verschiedenen Zwischenfällen bet den Rotlandungen in Aleppo und Bagdad durch ihre bcgeifterungsvolle Atbeit und durch die kameradschaftliche Hilfe der Engländer in Bagdad doch immer wieder die Möglichkeit fanden, ihr Unternehmen fortzuführen; und man lernte begreifen, wie groß die Enttäuschung der Flieger war, als sie bei Bender- Abbas, nachdem sie schon bis zum Oftaud^ang des Persischen Golfes in der Richtung nach Indien vorgestoßen waren, erkennen mußten, daß die Fortführung des Fluges unmöglich wurde, weil der Motor versagte, da er den starken Einwirkungen der ungeheueren Hitze nicht gewachsen war. G r a f Solms-Laubach berichtete dann weiter in sehr fesselnder Weise über seine gradezu abenteuerliche Heimkehr, bet der er u. a. mutterseelenallein ohne alle Hilfsmittel und unter quälendem Durst und Hunger einen etwa fünfzig Kilometer langen Marsch durch die arabische Wüste machte, um in einem englischen Militärlager die Möglichkeit rascheren und besseren Heimkommens zu finden. Der Vortragende sprach dann mit anerkennenden Worten über das entgegenkommende Verhalten der Engländer, die ihn nach dem Erreichen des englischen Militärlagers in der Wüste durch ein Flugzeug nach Bagdad und von dort wiederum im Flugzeug nach Kairo brachten, von wo er über das Mi tel tneer und Italien nach der Hei nat zu rück lehrte
Das Publikum folgte dem interessanten und beifällig aufgenommenen Dortrage von Anfang bis Ende mit außerordentlicher Spannung. Die
starke Anteilnahme der Zuhörer an dem romantischen Geschehen auf diesem großen Fluge wurde noch verstärkt durch die sympathische Art des Vortragenden, der bei seiner Erzählung jedwede Ruhmredigkeit und Anklage gegen andere, die bet mißglückten Unternehmungen doch meist recht nahe liegen, in anerkennenswerter Weis« unterließ. Recht bedauerlich war nur, dah die von dem Vortragenden mitgebrachten Lichtbilder einer systematischen Ordnung ermangelten und infolgedessen keine zusammenhängende Illustrierung des Vortrages boten und daß einem erheblichen Teile der Bilder die erforderliche Erklärung durch den Vortragenden nicht beigefügt wurde.
Daten für Sonntag, 11. März.
Sonnenaufgang 6.24 Uhr, Sonnenuntergang 17.58 Uhr. — Mondaufgang 23.28 Uhr, Monduntergang 8.23 Uhr.
1544: der italienische Dichter Torquato Tasso in Sorrent geboren (gestorben 1595); — 1785: Eleonore Prohaska geboren (als Jäger Renz im Lützowschen Freikorps bekannt geworden), gestorben 1813 in Potsdam, — 1917: Ausbruch der russischen Revolution; — 1923: der deutsche Seeoffizier Karl von Müller, Führer der „Emden", in Braunschweig gestorben (geboren 1876).
Daten für Montag, 12. Marz.
Sonnenaufgang 6.22 Uhr, Sonnenuntergang 17.59 Uhr. — Mondaufgang 0 Uhr, Monduntergang 8.43 Uhr.
1365: (Eröffnung der Wiener Universität; — 1607: der Dichter Paul Gerhardt in Gräfenhainichen geboren (gestorben 1676); — 1684: der Philosoph George Berkeley in Kilkrin geboren (gestorben 1753); — 1728: der Maler Raphael Mengs in Außig geboren (gestoxben 1779); — 1855: der Hygieniker Erwin von Esmarch in Kiel geboren (gestorben 1915); — 1909: Hermann I. Meyer, Inhaber des Bibliographischen Instituts, in Leipzig gestorben (geboren 1825).
Gießener Wochenrnarktpreisc.
Er kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis 170, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 40 bis 50, Weißkraut 20 bis 26. Rotkraut 35 bis 40, gelbe Rüben 20 bis 25, rote Rüben 15 bis 20, Spinat 40 bis 45, Unter-Kohlrabi 12 bis 15, Grünkohl 35. Rosenkohl 50 bis 65. Feldsalat 150 bis 200, Endivien 100 bis 120, Tomaten 130, Zwiebeln 20 bis 25, Meerrettich 40 bis 100. Schwarzwurzeln 40 bis 65. Kartoffeln 5 bis 5’ 2, Äspfel 10 bis 20, Birnen 10 bis 15, Dörrobst 30, Honig 45, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund; Eier 11 bis 12, Blumenkohl 30 bis 200. Salat 30 bis 40, Lauch 10 bis 20. Rettich 10 bis 30, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück.
Keine Reisen mittelloser Studenten nach der Türkei! Die Deutsche Botschaft in Konstantinopel hat sich mit folgender Mitteilung an das Reichsaußenmini- sterium gewandt: ,.Im vorigen Sommer haben die Fälle in außerordentlichem Maße zugenommen, in denen deutsche äiniversitätsstudenten angeblich zu Studienzwecken, einzeln ober in größeren Gruppen, nach Konstantinopel tarnen, ohne die notigen Mittel für den Aufenthalt in der Türkei und die Rückreise zu besitzen. Diese Studenten fallen hier der deutschen Kolonie zur Last unb mußten in einzelnen Fallen auch von ber Konsulatsabteilung unterstützt werden, da bte jeweils drahtlich zur Ueberfenbung von Geld auf geforderten Verwandten nicht immer die nötigen Mittel fofort bereitstellen konnten. Die Tatsache, bah diese Leute in abgerissener Kleidung, Hunger leidend und zum Teil bettelnd, hier in Erscheinung treten, ist dem An ehe« des deutschen Akademikers höchst nachteilig. Dem Auswärtigen Amte bars ich daher anheimstellen, die Hochschulen Deutschlands bitten zu lassen, dah sie die Studenten vor ungenügend finanzierten und vorbereiteten Reisen nach dem Orient warnen." Sehr richtig!
** Keine Weide kätzchen abreiß «n. Infolge des gelinden Wetters in den letzten Wochen find an den Weiden die Triebe herausgekommen. Das gibt vielen Unverständigen Veranlassung, darüber herzufallen und die Zweige in Massen abzuschneiden. Es wird durch diese Unsitte in der Hauptsache den Bienen, die für die erste Frühlingstracht 'ast ausschließlich auf diese Weidenkätzchen angewiesen sind, ihre Hauptnahrungsquelle entzogen. Das Abschneiden, sowie das Feilbieten und der Verkauf von Weidekätzchen ist strafbar. Die Eltern und die Lehrer werden gebeten, ihre Kinder auf dieses Verbot hinzuweisen.
** Verkehrssünder. Zn der Zeit vom 1. bis 29. Februar wurden folgende Anzeigen wegen Zuwiderhandlungen durch Fahrzeugführer bzw. Kraft- und Radfahrer gegen verkehrspolizeiliche Vorschriften erhoben: 21 Anzeigen wegen Fahrens zur Nachtzeit ohne hellbrennende Laterne, 9 Anzeigen tnegdn Fahrens auf Bürgersteigen, 7 Anzeigen wegen Fahrens mit übermäßiger Geschwindig» feit, 7 Anzeigen wegen Fahrens ohne die rechte Straßenseite einzuhalten, 8 Anzeigen wegen Fahrens durch gesperrte Straßen und 47 Anzeigen wegen sonstiger Zuwiderhandlungen in verkehrspolizeilicher Hinsicht.
•' Geprüfte Geschäfts-Stenographen. Dieser Tage sind vom Stenographischen Prüfungsamt der Hessischen Industrie- unb Handelskammern in Mainz die Urkunden eilige- troffen für die Prüflinge, die sich der Geschäfts- Stenographenprüfung an der Industrie- und Handelskammer am 28. Ianuar in Gießen mit Erfolg unterzogen hatten. Die Prüfung haben mit ber Rote sehr gut bestanden: Ottilie Treser, Hildegard Kuhl, Bruno Schneider von bet 1. Reichskurzfchrijtgesellschaft und Damenabtei- lung, Gießen. Ferner mit der Rote gut: Otto Klingel, Alsfeld unb Paul Feick, Schlitz. Die llebcrtragung erfolgte von Hildegard Kuhl auf der Schreibmaschine unb bei den übrigen Bewerbern mit der Hand. Diesen wichtigen amtlichen Ausweis über die guten Fähigkeiten eines Stenographen und Stenotypisten sollten sich viel mehr junge Leute erwerben. Leider finden aber die meisten jungen Leute vor lauter „anderen Abhaltungen" die Zeit nicht dazu, sich für ihren Beruf gründlich auszubilden. An merklich brauchbaren Stenotypisten herrscht bekanntlich stets Mangel.
** 21 r b e i t s j u b i I a u m. Der Schneider Friedr. A u l e n b a ch e r ist am heutigen Tage 25 Jahre bei der Firma Gebrüder Stamm, Herren-Konfektionsgeschäft, iäf.g
" De r H u b e r t u s, Verein weidgerech- ter Jäger, Sitz Gießen, hielt am_Mittwoch feine gut besucht? Märzversa.nmlring ab. Sie galt zunächst bem Gebente i des verstorbenen langjährigen Vorstandsmitgliedes. Universitätsforstgartenverwalters Börmer, dessen Person und Verdienste der erste
Vorsitzende, A. Pascoe (Dutenhofen), würdigte. Sodann sprach ber Schriftführer, Studienrat Holzel, über „Einiges aus der Biologie der Waldschnepfe", woran sich in der Diskussion eine Aussprache über die Jagd der Schneofe anschloß. Im Anschluß an den Bezug von ©alMecffteinen durch den Verein wurden prakttsche Erfahrungen damit ausgetauscht. Weiter wurden die Ausschreiben und Vorbereitungen zu einer Derbandsjugendprüsung bekanntgegeben und genehmigt, mit der der Verein, wie alljährlich, die Gebrauchshunde zücht fördern helfen will. Im Anschluß an das Aussetzen von Fasanen, deren Bezug ber Verein vermittelte, durch verschiedene Mitglieder fand ein Mei nun gsaustaus ch über die zweckmäßigste Art des Aussetzens statt.
•* Konzert In der Rervenklinik. Man berichtet uns: Am Donnerstagabend veranstalteten Herr Paul Buchwald, Pianist und humoristischer Vortragskünstler (Gießen), Frau Martha Wtnkler-Duchwald. Konzertsängerin (Gießen), Herr Friedel Gör tel, Violinist (Wetzlar) unb Herr Theo Frank, EeUist (Wetzlar), in der hiesigen Universitätsklinik für psychische und nervöse Krankheiten zum Besten der Kranken ein Wohltätigkeitskonzert. Die Zusammenstellung des Programms für den Abend zeugte von dem feinsinnigen Kunstverständnis der Mitwirkenden. Es ist nicht möglich, im einzelnen auf das Programm näher einzugehen, jedoch soll nicht verfehlt werden, den Vortrag der Ouvertüre zur Oper „Zauberflöte" (W. A. Mozart). die Sonate (O-Dur) für Cello, Solist: Theo Frank (von Gio. Bat. Sammartini), An den Frühling (Grieg), Melodie-Walzer (A-tSur), Solist: Friedel Görtel (von Rubinstein Brahme) und zum Schluß Symphonie Rr. 41 (Iupiter) von W. A. Mozart als besondere Glanzleistungen hervorzuheben. In angenehmer Weise erfreute Frau Martha Winkler-Buchwald die Zuhörer mit ihrem Gesänge. Von den Liedern seien nur kurz erwähnt: „Zur Drossel sprach der Fink" (von Eugen d'Albert) und die im zweiten Teil des Programms mit besonderem Kunstverständnis bzw. feinsinnigem Humor vorgetragene „Bettelprinzeßchen" von Relson und „Die beiden Alten" von Pallas. Kapellmeister Buchwald begleitete die Vortragenden auf dem Klavier, und wirkte insbesondere das exakte Zusammenspiel der Künstler, sowie die feinsinnige Vortragsweise erhebend auf die dankbare Zuhörerschaft. Die humoristischen Vorträge Herrn Buchwalds liehen noch gegen Ende des Programms eine fröhliche (Stimmung unter den Anwesenden aufkommen, die für den schönen Abend sehr dankbar waren.
** Die Paowa inFrankfurt. Aus dem Bureau des Schumann-Theaters in Frankfurt wird uns geschrieben: Um den vielfachen Wünschen auswärtiger Besucher entgegenzukommen, hat die Direktion des Schumann-Theaters für Sonntag, den 11. Mätz, nachmittags 3.30 Uhr, eine Fremdenvor- stellung unter persönlicher Mitwirkung von Frau Anna Pawlowa angesetzt. In dieser Vorstellung gelangen zur Uraufführung das große Ballett „Walpurgisnacht" aus ber Oper Faust von Gounod, ferner „Chopiniana", Ballett von Chopin, arrangiert von Joan Clustin und einer Auswahl Divertissements. Die Eintrittspreise für diese Nachmittagsvorstellung sind erheblich ermäßigt. — In der Abendvorstellung wird sich Frau Pawlowa in „Coppelia", ferner „Puppenfee" als Novität „Undine" und in Divertissements u. a. „Der sterbende Schwan" von dem Frankfurter Publikum verabschieden. (Siehe heutige Anzeige.)
Kirche und Schule.
Dorfkirchenlag in Ober-Ohmen.
* Ob er-Ohmen, 7. Marz. An^ Sonntag unb Montag fand in unserem Orte eine Tagung ber Dorftlrchenvorsteher im nördlichen Oberhessen statt. Die Tagung wurde am Sonn- taoabenb mit einer Feierstunde in ber Kirche eingeleitet, bei ber ber Posaunenchor von Unter-Seibertenrod in anerkennenswerter Weise mitwirkte. Ortspfarrer G u h m a n n wies in einer Ansprache auf den Zweck des Dorftirchentages hin. Das kirchliche Leben auf bem Lande solle so lebendig gestaltet werden, baß es die GesundungsgueUe für unser deutsches Volk in geistiger und sittlicher Beziehung werde. Hieraus sprach der bekannte Volksschrfttsteller Naumann, der an Hand des Wortes Iss. 35,10 „Die Erlöseien werben wieder- kommen usw." die Zuhörer ermahnte, treu zu Jein in ihrem Glauben, zu wachen, baß sich nicht städtische Unsitten auf dem Lande einbürgem, dah wir auch in Trübsal fröhlich seien als Christen und über den technischen Fortschritten ber heutigen Zeit bas Wichtigste, die Sorge für unsere Seele, unsere Stellung zu Jssus nicht vergessen. Der Posaunenchor von Unteri^eibertenroib eröffnete und beschloß die Veranstaltung mit ausgezeichneten Darbietungen seiner Kunst.
Am Montag, dem Haupttatze ber Veranstaltung, vereinigten sich vormittags über 200 Gäste aus 40 Gemeinden des Vogelsverges zusammen mit den Gliedern des Kirchspiels zunächst zu einem festlichen Gottesdienst. Der Gesangverein „Germania" unter ber Leitung seines Dirigenten Döring (Bo- benhaufen) eröffnete die Feierstunde mit dem Gesang „Das ist der Tag des Herrn". Nach ber Liturgie sang der Kinderchor „Harre meine Seele". Hieraus hielt der Superintendent für Oberhessen, Ober- kirchenrot Wagner (Gießen), bie Festpredigt über die Speisung ber Fünftausend, wobei er zu gemeinsamem Wirken der Pfarrer und der Kirchenvor- stände am Werke Gottes aufrief. Mit einem nochmaligen Gesang des Gesangvereins „Germania" und mit Gemeindegefang unter Begleitung des Posaunenchors von Unter-Seibertenrod schloß der Gottesdienst. Nach ber Mittagspause, bei der die auswärtigen Besucher Gäste in den hiesigen Familien waren, 'bte sich in vorbildlicher Weise gastfreundlich zeigten, folgte eine stimmungsvolle Gedenkfeier am Kriegerdenkmal zum Andenken an unsere Gefallenen, daran anschließend begann in ber Kirche die Hauptversammlung unter der Leitung des Vorsitzenden unb Veranstalters des Dorfkirchentages, Pfarrer Georgi (Ermenrod). Den Gruß des Gesamtkirchenvorstandes ber Kirchengemeinde Ob er-Ohmen überbrachte Bürgermeister V ö l z i n g. Darauf hielt Pfarrer Köhler (Darmstadt) den Hauptvortrag über das Thema ,,D e r ländliche Friedhof". Der Redner fesselte seine große Zuhörergemeinde nicht nur durch die formvollendete Art seines Vortrages, sondern auch durch bie Tiefe und Innigkeit, mit ber er das Thema bis in s letzte behandelte, ebenso durch sein warmes Verständnis für bie oberhessische Volksseele. Er ermahnte seine Zuhörer In eindringlichen Worten zur rechten Pflege des Friedhofes, dmn die Seele des Dorfe? rede am stärksten un bem Platze, der bie letzten Ruhestätten der Heimgegangenen berge. Weiter gab ber Redner wert »olle Mnke für eine künstlerische, auf die Heiligkeit des Ortes gestimmte Herrichtung der Friedhöfe, an ber
es Mbcr noch vielfach fehle. Dies« Httnvoise des Redners biibeten ihrer Wichtigkeit wegen den Mittelpunkt ber anscPießenden Aussprache, in ber allgemein anerkannt wurde, baß die von dem Vortragenden vertretene Meinung über die Ausgestaltung unserer Friedhöfe voll berechtigt ist. Die Gedanken des Redners wurden babei unter lokaler Betrachtung je nach den Besonderheiten bes Ortes in vielgestaltiger Weife ausgewertet. Pfarrer Köhler Unterstrich feine Ausführungen in bem Referat noch einmal in einem wirkungsvollen Schlußwort, wobei er auch die Gedanken ber Diskuffionsred^er in den Kreis feiner Betrachtung zog. Hierauf fahb die Ta- guna, die am Vormittag von nahezu 900 unb am Nachmittag von über 1000 Teilnehmern besticht war, mit einem dank eichen Schlußgebet des Orts- vfarrers G u ß m a n n und bem gemeinsamen Gesang „Nun danket alle Gott", wobei der Posauien- chor die Gemeinde eindrucksvoll begleitete, ihr Ende.
Missionsfest des Dekanats Büdingen.
)( Glauberg, 8. März. Gestern nachmittag fand in unserer vollbesetzten Kirche das M i f - fionsfest des Dekanates Büdingen statt. Eine größere Anzahl auswärtiger Gäste, besonders aus der Pfarrerfchaft des Dekanates, war dazu erschienen. Im Gottesdienst predigte im Anschluß an das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus Pfarrer Schäfer, Bad- Rauheim; er wußte in anschaulicher Weise der Missionsgemeinde das Elend der armen Heiden- wett und die Missionspflicht der reichen Christenheit vor Augen zu führen. Dann boten die Missionare Bachmann von der Herrnhuter Brü-- dermission und Lauck von der Baseler Mission packende Bilder der großen Taten Gottes in Ostafrika und China. Posaunen- und Kirchenchor machten sich durch Vortrag von verschiedenen Choren sehr um das Gelingen des schön verlaufenen Festes verdient. Eine ansehnliche Kollekte konnte der Mission Angeführt werden.
Starkenburg.
* Darmstadt, 9. Marz. Das Darmstädter Lubwig-Georgs-Gymnasium, das der Landgraf Georg II. im Jahre 1629, «ine ihm von feinem Vater Ludwia V. letztwillig gemachte Auflage erfüllend, ins Leben rief, blickt im nächsten Jahre auf fein 3 00jähriges Bestehen zu rück. Dieses Ereignis soll festlich begangen werden wie schon frühere Jubelfeiern, zuletzt die 250jährige im Jahre 1879. Man erwartet dabei die rege Mitwirkung der früheren Schüler der Anstalt.
Preußen.
Oer Mörder Wichmann verhaftet.
WSR. Frankfurt a. M., 9. März. Der Mörder Wichmann, ber vor einigen Tagen hier seine Frau und seine drei Kinder getötet hatte und seit ber Zeit flüchtig war, ist heute in Bergzabern in ber Pfalz festgenommen worden.
Zu der Verhaftung Wichmanns erfährt ber Lpd. noch auS Bergzabern, bah Wichmann heute vormittag um 11 Ähr an ber französischen Grenz« bei bem Versuch, bei bem Ott Schweigen auf französischen Boden z» gelangen, von der dortigen Gendarmerie ergriffen wurde. Don ber Frankfurter Polizei waren alle pfälzischen Grenzstationen benach- richttgt, dah Wichmann möglicherweise bie französische Grenze überschreiten würde. Wichmann war gut gekleidet und gab zuerst einen falschen Ramen an. Er wurde nach seiner Festnahme in das Amtsgerichtsgefängnis Bergzabern einae- liefert, wo er ein umfassendes G»stävd- n i s ablegte, lieber die Tat selbst gab er an, daß et in großer R o t gehandelt habe: er will sich mit seiner Frau verabredet haben, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Wichmann belastet seine Frau, bte ihn zu der Tat bewogen habe.
Kreis Wehlar.
- Lützellinden, 9. März. Die vorgestrige letzte diesjährige Brennholzversteige- rung im Oberwald ber hiesigen Gemeinde hatte einen starken Andrang von Bietern auch aus den umliegenden Orten zu verzeichnen. ES wurden folgende Durchschnittspreise geboten: Buchenscheiter 35 bis 42 Mk., Duchenknüvpel 32 biS 36 Mk. je Rm.; BuchenweUen 14 bis 18 Mk., Weichhvlzwel'en 7 bis 8 Mk. je 50 Stück; Fichtennuhreisig 1,40 bis 1,60 Mk. je Rm.; Fichtenderbstangen 2. Kl. 2,50 Mk., 3. Kl. 0,80 bi« 1 Mk. pro Stück, Fichtenstammholz 45 Mk. je Festmeter. Bei ber Versteigerung des Ruhholzes aus bem Oberwald wurden gleichfalls kehr hohe Preise erzielt. Eichenstammholz Kl. 6N kam auf 110 Mk.. Kl. 3N 32 Mk., unb Kl. 2 N 30 Mk. je Festmeter. Eichennutzscheiter (Küferholz l.Kl.) kostete 53 Mk. je Rm.; Eichen- nuhscheiter 2. Kl. (3 Meter lang) 67 bis 69 Mk.. Eichennuhknüppel 2. Kl. (2.5 Meter lang) 36 Mk. je zwei Rm.; Buchenstammholz Kl. 3 dl kam auf 42 Mk., während für Kiefernstammholz, das in sehr schönen Stücken zum Verkauf kam, in Kl.l b 21 bis 27-Mk., Kl. 2o 24 bis 29 Mk., Kl. 2 b bis 3b 42 bis 44 Mk., Kl. 4 s 52 bis 53 Mk. je Festmeter geboten wurde.
I Groß-Rechtenbach, 9. März. Dieser Tage fand im Gemeindesaal im neuen Schulhanse eine Versammlung der Ortsgruppe der Kreis- bauernfchaft statt, in der der Direktor der Landwirtschaftl. Schule Au Wetzlar, Dr. Ulrich, einen Vortrag über „Grünlandfragen", hielt. Der Redner bezeichnete die Verbesserung der Wiesen durch Düngung, Pflege, Eggen imb Dränage als ein dringendes Erfordernis. Der Landwirt müsse mehr Grünfutter als Körnerfrucht anbauen. Auch der Luzernsanbau fei sehr zu empfehlen. Der Vortrag löste eine lebhafte Aussprache aus. Anschließend fanden Verhandlungen über die Anlage einer Viehweide statt. Es sollen Schritte unternommen werden, daß die Weidegenossenichaft bald gebildet wird. Bürgermeister Schneider wies besonders auf die Notwendigkeit der Schäftung von Dränageanlagen in unserer Gemeinde und die baldige Gründung der Weidegenosfenschaft hin, wegen Fener-o.MÄis«en
werden in einigen Tagen repariert
I Ksunststopferei
(Inhaber L. Weih) »kn
> Giehen, Walltorstraföe Nr. 12


