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B*fonnhao, Jgeuipiaik'*

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 8 Zweiter Blatt

Dienstag, 10. Januar 1928

Bukarest stellt sich um!

Don unterem 8Ker.-Berichterstatter.

05 u f a r e ft, Januar 1928

Nachdruck verboten.

Aura bevor das rumänische Parlament auf Weihnacht-serten ging, sand her neue liberale Parteichel und Ministerpräsident Din- 111 a Drationu für die Regierung. edTätunfl. die sich mit der künftigen Ruben- und Wirt­schaftspolitik deS LanbcS befaßte, Worte und Leitgedanken, tvelche mit dem DirtlchaftSprv- gramm des bisherigen F t n o n z m i n i ft e r S Dintila Dratianu in keinem Sinklang ftanben. DaS lieb aufhvrchen. IrgendeiwaZ bereitet sich vor Gewiß kommt dieser Wandei in den *3n- schauunq. Dintila BrationuS auf dem Gebiete der Wirtschaftspolitik nicht ganz überraschend. Rn seinen Wuhl'pruch. mit dem er engstirnige Patrioten zu berauschen hoffte .Durch un- allein!" glaubt er selbst wohl schon lange nicht mehr Er. der folangc die Ausländsan­leihen ablehnte und von einer Stabilisierung bei Leu- nicht- wissen wollte, schlägt auf ein­mal andere Töne an und selb st für da- Deutsche Reich hat er eine einladende Ge­ste die wohl die Qkrbanblungen seine- Ruben- mintfterS TituleScu mit Dr. Clrcemann scho­nend vorbereiten soll Wie grob ber Umschwung in ben Anschauungen über ba- Handelsvertrags- Problem mit Deutschland ist. geht darau- hervor, das, noch im Frühjahr d 3.. al- in Bukarest die Frage einer deutschen Anleihe zur Erörterung kam. da- stolze Wort gesprochen wurde .Der Gläubiger kann doch von seinem Schuldner kein Geld verlangen!"

Heute dagegen verkündet da- Regierungen- gramm sehr befllflcn, man müsse auch mit den ehemals feindlichen Staaten sobald al» möglich normale Beziehungen Herstellen Diele Erklärung beruht allerdings nicht, wie man Diel- leicht anzunehrnen geneigt wäre, auf einer plötzlich erwachten Sympathie rür Deutschland sondern auf Informationen, die anläbltd) der schweben­den Anleihe Verhandlungen in Pari-. London und Rom der rumänischen Regierung zuteil wur­den

Acr Dictor Rntone-cu, von dem eS hier heißt, bab er Im neuen Jahre Dintila Dra­tianu daS Finanzportefeuille abnebmen soll, ver­handelt zur Zeit in Pari- wegen einer zehn Milliarden Lei-Anleihe Ebenso sind In Rom wegen einer gleichhoben Summe die ersten Dorbesprechungen eingeleitet worden, wäh­rend in London versucht wird, für die Haupt-- anleihe. angeblich in Höhe von eben.

Stimmung zu machen Aber gerade London zeigt sich wenig geneigt, da die dortigen moh- gebenben WirtschaftSkreise als wichtigste Be­dingung für Auflegung einer Anleihe die völlige IDiebcrbcrhcllung normaler Wirt- fchaftSbeziehungen Rumäniens zu Deutschland bezeichnen Dieser Wink hatte prompte Wirkung. Denn in Bukarest würde man eine englische Anleihe viel freudiger begrub, n als etwa eine französische ober italienische, denn England ist im allgemeinen an Rumänien politisch wenig interessiert. waS man von Frankreich und Italien, die ihre Machtsphäre auf dem Balkan immer wieder zu vergröbern ober wenigsten- zu versteifen trachten, nicht gerabe behaupten kann. Jede von Frankreich ober Italien gewährte Anleihe hätte baher ein politisches Dik­tat aus gewissen Gebieten zur Folge. Seit Jahren aber laviert Rumänien zwischen ben bcibcn Grobmächten unentschieben hin unb her. Die Regierung beS Generals A. ereScu luchte einen Rückhalt an Mussolini. Die Liberalen dagegen bevorzugten bi-her Fronll ch. wollen aber jetzt ihre srankophilen Gefühle bi- zum Ergebnis der Wahlen in Frankreich nicht allzu laut zum Ausdruck bringen, ba ein eventueller Sieg des Link-kartell- in Frankreich Rumänien neuerlich zu einer Annäherung an Italien veranlassen

Außenpolitisch betrachtet stellt sich Rumänien- Lage tum Jahresabschluß nicht eben rosig bar. Die Kleine Entente ist ein Rotnerbanb. der nur gegen Ungarn gewisse Sicherheiten bietet Gegeck Rußland, baS erst vor kurzem deS 10. Jahrestage- der .LoSre.hung Oida- rabiene vom groben russischen Mutterlande mit Wehmut gedachte, und üt^rhaupt die slawische Gefahr schützt er Rumänien ebenso wenig wie da- lockere Bündnis mit Polen. Rußland aber ist unb bleibt Rumäniens gefährlichster Rachbar. Wie immer auch sich bie Verhältnisse in Moskau entwickeln, selbst für ben Fall, bab der Kom­munismus in Rublanb eine* Tages vollständig abwirtfchaftet die Dnjestrgrenze wird auf die Dauer nicht gehalten werben tonnen. Bessa­rabien muß und wirb noch zu einer großen Auseinandersetzung führen Doch über biefei Problem unb bie Frage, ob ein russisch-ru­mänischer Garantievertrag möglich ist, soll später noch einmal RähereS gesagt werden.

Andererseits kann nicht bestritten werben, daß trotz ber versöhnlichen Reden, die während der letzten Wochen von Briand und OHulo! nt gehal­ten wurden. Frankreich und Italien sich auf dem Balkan feindlich gegenüberstehen. Der Aufmarsch der beiden Mächte vollzog sich erst kürzlich, al- Frankreich den Schutzvertrag mit Jugoslawien und Italien ben Vertrag mit Albanien abschloß. Rumänien ist aber noch immer bamil beschäftigt. sich .zu orientie­ren". Dabei mußte ber gegenwärtige Außen­minister Titule-cu erkennen, daß bas alte diplo­matische Korps den Aufgaben nicht gewachsen ist. Bukarest war in ber Au-wahl feiner Gesand­ten und Geschäftsträger nicht eben glücklich. Es hatten sich vor allen unter den Diplomaten Ele­mente eingeschlichen, die es herzlich schlecht ver­standen. in den Ländern, wo sie akkredidiert waren, besondere Sympathien für Rumänien zu erwecken. Titulescu will jetzt unter seinen Leuten gründlich a u f r ä u m e n. unb das Jahr 1928 bürste bei den rumänischen Gesandtschaften im Auslande nicht wenig Veränderungen bringen. So steht es bereits heute fest, daß den Be r l i - ner Gesandienposten b;r bisherige rumänische Vertreter in Genf erhält, der anläßlich der letzten Völkerbundstagung mit Strelemann wegen der künftigen Handelsvertragsverhandlungen schon Fühlung (frnommen hat.

Bei dieser Gelegenheit sei auf einen interes­santen Zwischenfall hingewiesen. Die .Dreptatea" schrieb dieser Tage, Außenminister Titulescu habe seine Absicht, nach Berlin zu fahren, um endlich einmal die deutsch-rumänischen Angelegenheiten zu ordnen, aufgegeben. Er werde zwar den vorgesehenen Besuch in Rom abftatten. aber dann nicht nach Berlin Weiterreisen. Schuld an diesem Entschluß trage der Pariser Gesandte D i a m a n - b y. der durch die Veröffentlichung seiner Er­innerungen in der.Revue des deux mondes" viel von sich reden machte. In diesen Memoiren gab er sich als entschiedener Deutschenfeind zu erkennen und veröffentlichte Dinge, bie angeblich ben politischen Kreisen des Deutschen Reiche- entschieden unangenehm sein müßten. Da Diaman- dy aktiver Diplomat sei, habe er mit der Publi­zierung seiner Erinnerungen etwas begangen, wa- sich mit seiner Amtstätigkeit nicht ver­einigen lasse. Die Folgen für biescS merkwürdige Vorgehen müsse jetzt der Außenminister tragen, der eS unter solchen Umständen nicht für ge­raten halte, 6trefernenn zu besuchen.

Wie ich von maßgebender Seite erfahre, ent­spricht e- der Wahrheit, bah Titulescu über die Memoiren DiamandyS nicht gerade erbaut ist. von einer endgültigen Aufgabe feiner Ber­liner Reife kann aber keine Rede sein Vorläu­fig muß TitulcScu wegen einer Erkältung das Bett hüten, wird aber gleich nach feiner Wieder­herstellung die geplante Ausland-reife unter­nehmen.

Aus dem Vorstehenden ist ersichtlich, daß die liberale Regierung, der man nach dem Tode IonelS C. Dratianu ein baldiges Ende prophe­zeite. keine Anstalten trifft, ihren Geist aufzu­geben. sondern bemüht scheint, durch Umstellung und Ausgabe bisheriger RorurtcLe bie Mög-

Oer Felsen.

Don Erich Tloether.

Da- große Zelt war abgetrennt, ein Quer­vorhang t>erbarg den rückwärtigen Teil. Die glänzende Schar der Uniformen wogte durch­einander. Die Marschälle. Offiziere. (Beamten beS Heere- erwarteten daS Erscheinen des Kaiser-.

Schlecht Wetter heut", sagte Murat.

.Draußen wie hier", entgegnete Angereau.

.Da- lange Herum liegen macht unS müde unb ihn nervös Ganz zu schweigen Don ben Truppen, die da- Boulogner Lager schon hassen", sprach al- Dritter LanneS.

Ein Mann in eleganter Hofuniform ging Dar­über. .He. Monthoulon, wann kommt der Kaiser?" Ein Achselzucken war die Antwort.

.Man glaubt nicht, daß er in einer korsischen Hütte geboren und auf der FluO groß geworden ist", sagte Murat.

.Un- allen sieht man nicht an, wo wir Her­kommen". entgegnete Angereau.

.Ist auch nicht nötig", mischte sich jetzt Oterna- bottc in- Gespräch

Ein Ruck ging durch bie ganze Versammlung. Der Quervorhang wurde zurückgeschlagen. Na­poleon stand im Zelt. Klein, zur Fülle neigend, der feine Mund zulammengepreht. Die Augen gingen von einem zum andern. Jeder neigte sich wenn der Mick ihn traf. Der Kammerherr trat zu dem Kaiser, flüsterte ihm etwa- zu.

.Rein, ich will niemand sprechen. Rur den Amerikaner schickt mir." Rapoleon drehte sich kurz um. Der schwand wieder.

Durch die Menge ber Marschälle. Offiziere und OJeamtcn, die zum Ausgang drängten, wand sich ein schlanker Mann. Der Kammerherr lieh ihn ein treten.

Fulton stand vor Rapoleon: .Sire, Sie haben geruht

Der Kaiser unterbrach ihn. beutele auf einen Feldstuhl .Setzen Sie sich unb berichten Sie mir. Aber kurz."

Fulton, erregt, holte aus einer Mappe ein paar Skizzenblätter: .Sire, meine Erfindung bezweckt, mit Hilfe des Dampfes die Seeschiffahrt unabhängig von Wind unb Wetter zu machen. Ich will

.Geben Sie her," unterbrach ihn der Kaiser, »ich will selbst sehen." Er nahm bie Zeichnungen

unb prüfte sie eingehend. .Gut, vielleicht ist es möglich, warum aber kommen Sie barmt zu mir?"

»Weil ich Sie für ben einzigen Menschen halte, ber mich wirklich versteht."

.Sie sind hochmütig, Herr Fullon."

.Ich glaube an meine Berufung wie Sie an bie Ihrige, Sire."

Rapoleon wandte sich ihm zu: .Vollen Sie auch ein Volk führen?"

.Mehr al- das. Ich will bie Völler juein- anderführen."

Eine Zome-salte erschien auf bes Kaiser- Stirn: .Sie sind kühn, mein Herr."

.Ich kämpfe für eine Idee."

.Warum soll i ch Ihre Erfindung bekommen, warum nicht Ihr Vaterland?"

.Weil Sie England stärker teeff en können als bie Vereinigten Staaten es jemals wagen wür­ben."

.Eie hassen England?"

.Ich liebe mein Vaterland."

Rapoleon schritt mit seinen kleinen schnellen Schritten durch da- Gemach: .Wieviel Zeit brauchen Sie zur Ausführung?" Fulton sprang auf: .Sire, Sie wollten ?"

.Beantworten Sie meine Frage." Knapp und fall sagte es ber Kaiser.

.Sechs Monate. Eire."

.Das ist zuviel, ich fann Ihnen nur sechs Wochen bewilligen."

.Da- genügt mir nicht. Sechs Monate ober überhaupt nicht."

Rapoleon sah ben Amerikaner an, sah bann toieber auf bie Pläne: .Alles ist einfach in sechs Wochen muß eS fertig fein. Soviel ver­stehe ich auch bavon."

Fulton hielt llch am Tisch fest: .Sire, ich tue es nicht. Gewiß, in sechs Wochen kann ein Versuchsschiff fertig sein, aber nicht das Ganze."

Rapoleon trat nahe an ihn heran: .Sie trauen sich selbst nicht, allo kann ich auch Ihrer Ersinbung nicht trauen. Selbstvertrauen ist bie erste Voraussetzung eines großen Menschen Sie aber wollen sich eine Hintertür offen hallen. Ich habe Sie auf bie Probe gestellt, hätten Eie unbedenklich .2a" gejagt, ich hätte Ihnen auch drei Monate Zeit getanen. So aber ist es aus."

Sine verabschiedende Handbewegung. Fulton war entlassen. Er wollle eine Antwort wagen, ein warnender Blick des Mamelucken, ber un»

lichkeiten für ein Weiterverbleiben hn Amte zu Ichallcn. Ob ihr die- gelingen wird, ist eine Stage, bie erst das Frühjahr 1928 entscheiden wird.

preffa.

Oie Internationale presseAusstellung in Köln 1928.

Don Or. Wilh «ülj, M b.TiV ebem. Reichs Minister b. 3nrt, Heichskommiff. der Ausstellung.

Am Rhein, in ber uralten Metropole deutscher Kultur und deutscher Geschichte .st eine inter­nationale Kulturichciu größten Stile- im Werden begriffen. Köln rüstet llch. im Jahre 1928 ber Welt eine internationale PrvsseauSstellung zu zeigen, wie sie in dieser E.genari da» er ne Derartige Unternehmen überhaupt ist. Köln bietet für eine solche Veranstaltung einen überaus glücklichen Rahmen. Prelfeausftellung ist eigen:- lich nicht die richtige Bezeichnung für daS. wa- dori in Köln in diesem Jahre der Welt gezeigt werden soll, sondern die Ausstellung wächst sich während ihrer Vorbereitungen täglich mehr zu einer Weltkulturschau im Spiegel ber Presse auS. Sie will eine Verkörperung deS Kulturellen. beS Geistigen, unb deS wirtschaft­lichen Werdegangs der öffentlichen Meinung in Deutschland unb in den anderen Äuliurftaaten sein. Dabei verfolgt die Ausstellung ben au8- Sesprochenen Zweck, bas Verstänbni- für die irfennmi» zu fördern, daß die Presse, die eine so oft gegeneinander gekehrte Waffe im Leben deS Volkes unb im Leben der Völler war, in ihrer ZukunftSentwickllmg ihre Hauptaufgabe in dem geistigen Ringen mite.nanber und nicht im Kampf gegeneinander zu erkennen hat.

Eine einleitende t u 11 u r b i ft o r i f d) c Ab­teilung wirb in außerordentlich wirkungs­voller Weife von den Uranfängen des Presse- 'wesens dessen Entwicklung bis auf den heutigen Tag zeigen: jeder Abschnitt dieses langen Ent­wicklungsganges ist in ferner geschichtlichen und kulturhistorischen Eigenart gekennzeichnet. Welt­geschichtliche Ereignisse und die Großen ber Ge­schichte treten jeweils dabei in ben Vorder- grunb. Die Thesen Luther- kennzeichnen bas Flugblatt als religiöse und politische Streit­kraft. Die Publizistik des Dreißigjährigen Krie­ges gruppiert sich um bie geschichtlichen Ereig­nisse jener Zeit. Rapoleon- Beziehungen zur Presse werben aufgezeigt, bie Revolution von 1848 bringt die Erstarkung der politischen Zei­tung, .BiSmarck als Publizist" ist der Mittel­punkt eines besonderen Entwicklungsabschnittes. Parallel mit der Darstellung deS kulturhistori­schen Werbens geht bie ber t echn isch en Ent­wicklung der Presse, von ber Holzprelle Guten­bergs an bis zum heutigen Stand.

Rachdein durch bie kulturhistorische Abteilung bie Grundlage gesch.rs'en worden ist, folgt ein Gesamtüberblick über oie im Zeitungswesen zu- fammentoirfenben geistigen und wirt­schaftlichen Kräfte. Einen geschloffenen Gesamtüberblick schließt die Vorführung der Tagespresfe in Einzeldarstellungen an. Verlag, Redaktion, Rachrichtenwefen usw. treten als Tra­ger hervor. Den Gruppen unb EinzelnuSstellun- gen der deutschen Tagespvesfe folgt in gleicher Bedeutung bie Ausstellung des Zeitschriften­wesens, bie sich ihrerseits wieder in .allge­meine Zeitschriften" unb .Jachprclle" gliedert. Jede Zeitschriftengruppe wirb durch g-gcnflänb- liche Darstellung ber verschiedenen Fachgebiete Leben und Anschauung gewinnen. Einzelne be­sonder- wichtige Gebiete werben für sich her- ausgenommen, so »Dresse unb Kunst",Presse und Jugend", .Presse und Frau". Mit Sonder- auSstellunger treten auch die Wellanschauungs- grubben aus.

Das große Gebiet ber Technik, bes Zei­tungswesen- und deS Dr-tckgewerb.'. im wei.es'e.i Sinne wird von den Znttralverbanden dieses Gewerbes und von feinen einzelnen Fir­men bargestellt. Hier findet sich alle-, waS an

beweglich bie ganze Zeit am Türvorhang ge­standen war. ließ ihn ve.stuminen. Fulton packte feine Skizzen zusammen und eilte hnrauS.

Drinnen stand der Kaiser sinnend am Tisch. .Wenn er doch recht gehabt hätte? Ruftan, Hut und Degen." Der Mameluck hiell beides schon in Händen, schnell schritt ber Kaiser aus dem Zelt. .Wo ist der Amerikaner hin?" fragte er bie Wache: der Posten wußte es nicht. Rapoleon sah sich suchend um. Kein Windhauch rührte sich daS Meer lag unter grauen Schleiern. Suchend schritt der Kaiser weiter, tarn ans Ufer. Er blieb stehen, schaute verlangend in ben bichten Rebel, der ihm bie englische Küste ver­barg. Da sauste plötzlich ein scharfer Winb Dom Lanb her. zerriß bie Rebelschwaden, brach einem Sonnenstrahl Bahn. Klar lag bas Meer ba, weithtn sich streckend bis zu ben fern aufbäm- mernben Kreidefelsen England-. Gebannt stand Der Kaiser.

.Sire, das Ziel", sprach Bernadottes Stimme neben ihm. .Und -- wie seltsam eS sieht auS. als ob auf Englands Felsen ein Mann stünde, ber Ihnen gleicht." Rapoleon hob ben Blick. Es war wahr. Die Sonne, ober waren es bie Wollen, zeichneten auf den fernen Felsen ein Bild, dessen Umrisse dem Schatten des Kaisers ähnelten.

Bernadotte grüßte mit emphatischer Gebärde: Der günstige Wind Leibt den Kaiser auf ®ng» * nds Felsen. DaS ist der Sieg."

Rapoleon atmete auf. Wozu brauchte er ben Amerikaner, wozu brauchte er neue Er .nbungen, er hatte seinen Deist, fein Heer. unr> auch bie Raturgewalten fügten sich ihm. Er würde auf Englands Fellen stehen.

Er stand auf Englands Felsen. Es war ber von ÖL Helena.

Sranffurfer Theater.

Erstausführung ovn Emil Rikoiaus von Rez - nice ks Oper .Ri tter Blaubart" im Frankfurter Opernhaus. Dieses blutdürstige, düstere Märchen, daß Frauenneugier, die vor gebeimnisDoIl »erschloßener Kammer nicht halt machen kann, mit Word vergolten wird, hat wie­derholt Komponisten zur Verwnung angeregt, so unter anderen Debussy unb Bartok. Zu dem .'Blaubart" Rezniceks hat Herbert Eulenberg da- Libretto getrieben; oder vielmehr: er Der-

technllchen Hilfsmitteln unb Maschinen beim Druckvorgang gebrauch« wird, von der einfachen

.'!'ck)7-,-dert- bi 6 zu der im Pressewesen auf- tretenden modernen Photographie und dem fom- pltzierreu Verfahren des Filmdruckes.

Den internationalen Eharatter der Ausstellung entsprechend, bringen bie einzelnen ötaa- t e n ihr Prellewefe i auf bem Untergrund ihrer nationalen, winschattllchen und kulturellen Eigen­art zur Darstellung, so daß die besondere Gin- wicklung des Pressewesen- jedes Lande» in die Erscheinung tritt und verständlich wird. Die großzügige Beteiligung des Auslandes ein­schließlich des Völkerbundes wird hier bcfonders oielfeitigc und interessante Vergleiche zulaflem.

Richt nur zwilchen dem einzelnen Volk unb ber Prelle bestehen bi« innigsten Wechselbezie­hungen. sondern die Beziehungen der einzelnen Völker ber Welt untereinander werden kaum durch etwas stärker beeinflußt als durch die Preise. Der große MenschhettSgedankc. welcher der Ausstellung zugrunde liegt, ist der. daß der finnfällige Anblick der ungeheuren Be­deutung unb Leistungskcatt der Presse m allen Ländern der Welt einen neuen An'pom ergeben möge, sich in ben Dienst ber höchsten und letzten Giiter der Menschheitsentwicklung zu stellen.

Oberheffen.

Landkreis (Bictzcn

) Wieseck. S. Ian. Dieser Tage hielt her Kiesige Obst- unb Gartenbauverein eine Versammlung ab. au der auch Richtmitglleder geladen waren Der 1. Vorsitzende Lehrer Petri sprach zunächst über die wirtschaftlichen Vorteile, die sich aus der Einsührung der sogenannten .Reichssorten' ergeben Gs wurde eine Kom- miss ton gewählt, bie alle Obstbaumbesiher. bk dieses Frühjahr Räume pfropfen laffen wollen, zur Bestellung von Reifem der behördlicherseits empfohlenen Sorten veranlassen sollen. Der tveiteie Verlaus der Sitzung brachte einen kurzen Bericht des Herrn Habermehl über die von ihm neu angelegten Demeindeobststücke. sowie eine Aussprache über den Wert der bisher in ber Gemeinde angepflanzten Obstsorten

Oeibgeftern, 9. Ian Am gestrigen Sonn­tagabend sand im Verein-lokal de- Gesang­vereins .Lieberkranz" eine außer» orden tl iche ®cneralDt|ammlung statt. Tagesordnung: Wahl einiger Ausschu'ie. bie mit den Vorarbeiten des am 9.. 10. , nb 11. Juni b. 3. ftattfinbenben GesangSw t - streit- unb großen Hüttenberg erDolk».- unb TrachlentagS betraut wurden. Rach den bisher eingegangenen Anmeldungen aus­wärtiger Gesangvereine verspricht tkr am 29. d. M. flattf inbenbe Delegiertentag einen regen Besuch Ss darf wohl heute schon mit einer starken Beteiligung am Wettlingen g rechnet wer­den Auch bie von bem vberyessischen Heimat­dichter Gg. Heß gemachten Pläne über ben Aus- bau des Voll-- unb Trachtentage- versprechen das Beste, zumal diese Veranstaltung unter feiner Leitung steht. Weiten Kreisen der Oessentlichkeit ist Dg. Heß al- Pfleger ländlicher Heimatsitten bekannt: er hat bereit- genügend Zeugnis über das Wohlgelingen ähnlicher von ihm geleiteter Veranstaltungen abgelegt

) Lich. S. Ian. Am Sonntag hatte Llch einen arohen lag. Wie bereite kurz berichtet, sand als Auftakt zu bem großen Gesangswett­streit am 9., 10. unb 11. Juni b. I., veranstaltet vom Mannergesanaoerein ..Läcillo", Lich, anläßlich seiner Wjähriyen Jubelfeier, ber D e I c g i e r te n tag in ber hiesigen Turnhalle statt. Die Vertreter ber am Wettstreit interessierten Vereine waren von nah unb fern erschienen, um bie enbgültigen Mel­dungen ihrer Vereine zu überbringen unb mitteilzu- nehmen an ber Beratung berZBettftreitbebingungcn unb ber «laffenbilbung. Nach einem kurzen Sanger- gruft entbot Stabtüorftanbsmitglicb Vektor Erb- Lich an Stelle des infolge schwerer Krankheit ocr- h'nderien Bilrqermeisters Volker ben zad,eichen (Baften bie Griiße ber Stabt unb bes Stabtoorstan- bes-. Der im Anschluß hieran oorgetragene Chor ..Labbatsruhe" fanb stürmischen Beifall. Sobann

faßte ein großes dramatische- Schauspiel nach dem gleichnamigen Märchen und überließ eS dem Komponisten der Oper. 3n drei Auszügen Ars qrauenumwobenen Bildern ersteht da- Werk, in krastvoller, säst brutaler Lautheit der Instrumentation spiegelt sich hie zwischen Dä­monie und GesuhlSverwirrung schwingende Tat de- Frauenmörder- Blaubart. Man merkt dem Dichter und dem Komponisten an. daß es ihnen darum zu tun war, mit diesem Märchen psycho­logische Enträtselungen zu versuchen, bem Blau­bart die geheimni-volle MaSke vom Gesicht zu reihen: infolgedessen gingen beide keiner Kras>- hett und Blutrunstigkeit auS dem Weg. Obwohl das Werk bereits 1918 fertiggestellt war. paßt es in unsere Zeit, da man mit der Laterne der Literatur die Untiefen der menschlichen Seele absucht, und ähnliche Sujets den Vorwurf zahl­reicher Warnen bilden. Das große musikalische Können ReznicekS spricht auch auS diesem Werk, mitunter vermag die dramatische Musik mit grauenvoller Lebendigkeit die tragischen Vor­gänge der Bühne zu illustrieren. Die heroische Wildheit der Blaubart-Motive läßt ber zart aufqucjlcnben Lyrik nur wenig Raum. Die Ausführung ber Oper war unter ber musika- "schen Leitung beS Kapellmeisters Rett- st r a e t e r künstlerisch vollenbet SS war er­staunlich. zu welchen musikalischen Leistungen er baS Orchester anzuseuern vermochte. Auch bie Regie beS Gastregilleurs Hans Esdras Mut- zenbecher verriet kraftvollen InszenierungS- willen unb großes künstlerisches Verständnis. Jean Stern wußte seinem Vlaubari interessante Züge dunkler Dämonie unb seelischer Zerrissen­heit zu geben. Viorica ilr,u (eac unb Sli'abeth f onbt würben zu einbringlichen Vestaltennnen ber belben unglücklichen Opser. Gesanglich unb barftellerisch gute Leistungen boten auch HanS Erl (alter Vater) unb HanS Branbt (blinber Diener). Doll unheimlicher Lebenbigkeit bie bei- ben Leichendiebe. Richard v Schenk und Her- mann Schramm, voll geschmackvoller Zurück­haltung Adolf Jäger unb Emil Stauben» weher. Lubwig Sievert gab ber Märchen­oper cineit büsteren Räumen. DaS Werk würbe mit starkem Beifall aufgenommen, fo bah alle, bie am künstlerischen Gelingen bes Abenbs be­teiligt waren, sich wieberholt mit bem Kom­ponisten auf ber Bühne zeigen konnten. L.W.