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Aus der Provinzlalhaupistadi.

® t«b« n, den 10. 3onuir 1928

Liebe jur Heimatfladt.

Das lebhafte politische Tempo brr letzten Jahre hat vielfach eine Erscheinung im kommuna'en Le­ben Kart zurückgcdrungt die früher viel Stoff -u Spott gab: Den beschränkten Lokalpatrio- titmuS. Das war bekanntlich eine überspannte Hrimatliebe. die au» geistiger Beauemlichkrit er- wuchs und sich durch völligen Wang»! an Der- stsndnis für notwendig« Wand'.ungen kennzeich- nrtr. .Doch nur au Hause bleib» beim Alten" sagt schon der Bürger In Goethes Faust, dem es Bedürfnis ist. das flutende Leven draußen In der weiten Welt aus gehörtaer Entfernung zu betrachten Gegenüber dieser G.fahr. in der Hin- gabt an die Heinen Dinge des engsten Lebens- dezirkes den Blick für das große öaru« au ver­lieren, findet man heute nur zu häufig bei vielen ein« schädlich« Geringschätzung der Ange­legenheiten des engeren Kreises. Das eine ist so falsch wie das andere. Der grob« Organismus des Staates ruht au« dem kleineren der Pro­vinzen, Kreile und Städte, und für das Wohl­ergehen de» einzelnen kann im kleinen Or­ganismus am besten gesorgt werden.

Die richtig« Einstellung zur Verwaltung der großen, wie der kleinen Gememschaften findet man sofort, wenn man begriffen hat, daß da» Wohlergehen aller d i e wirksamst« Förderung de» einzelnen sichert. Dann wird man weder entrüstet die Zumutung zurückweisen. Er­erbte». aber Veraltete» aufzugeben und Belfere», Vollkommeneres an seine Stelle zu fetzen, noch wird man das Heue nur aus dem Grunde für da» Alte eintauschen. weil e» eben neu ist. Ge­genüber Besonderheiten, die überlebt und uner­freulich geworden sind, fetzt sich da» Reue aber mit Recht durch. Dieter Kampf wird weniger schmerzliche Wunden schlagen, wenn sich der Lo- kalpatriot mehr und mehr zum städiesreu- digen, tatfrohen Bürger entwickelt. Der Stadlbürger, wie ihn unsere Zeit braucht, muh sich als Glied eine» lebendigen Organ.»mu» füh­len und an der Gestaltung der neuen Gemeinde ebenso bereitwillig Mitarbeiten, wie er ihre Ver­waltung au würdigen weih. Deren erhaltende Tätigkeit Darf aber nie in Widerspruch mit den Ansprüchen de» drängenden, stet» sich wandeln­den Leben» geraten. Der in der Gemeinschafts­arbeit tätige Bürger macht ihre Arbeit erst fruchtbar

Die Stadtbürgerpolitik, wie sie einst im Mittelalter und tn der Renaissance die Blü­tezeit bet 6täbte herauf führte, müsssen wir wieder au beleben versuchen Sie ist die rechte Frucht der Liebe Aur Heimatstadt und der Achtung ihrer ehrwürdigen Vergangenheit. Derantwor.ui gsbe- wuhtjem. tätige Bereitschaft. Gemeinschaftsgeist und großzügigen ®tftal tung6toil.cn kann die deut­sch« Stadt heute weniger al» je entbehren. Da­rin tut der rechte Heimatsinn sich kund!

Mensch und Maske.

Dte Zeil «wischen Weihnachten und Fasching ist bte einzig« Zeit, In Der der Mensch eingestandener­maßen «in« Mask« aufsetzt. Womit «r vorzugeben Öl«gt. daß sein sonstigem, normale«, unbekleidete« ntiltz der oftenfte Spiegel seiner Seele, seines Cha- roller» und seiner Stimmungen Ist. Man braucht nicht ausgesprochener Misanthrop oder Hypochonder zu fein, um schon längst erkannt au haben, daß das ganz« menschliche Leden «in unotichorliches Masken­wiel voller Verkleidungen, Illusionen. 'Selbsttäu­schungen und Eulenspiegeleien ist. Die karikierende, groteske, oft abschreckende Mask« und Larve des Fasching» ist nicht hn entferntesten so bedeutungs­voll. so gefährlich, so trugerich wie die, die wir Men­schen rni Karneval de, Ledens vor unser Gesicht und vor unser wahre» Wesen zu ziehen belieben. Schia- gen wir uns an die Brust: wie wenig sind wir, trotz unterer friedlichen, freundlichen, freundschaftlichen Larven im stampf um da» Dasein willens und ge­neigt. auf die Bedürfnisse, auf^die seelischen Note, au, Ne Empfindungen unserer Mitmenschen Rücksicht zu nehmen und ihnen gegenüber auch nur das win- !igitt Mast von unserem eigenen Wollen und Mün­chen auszuopsern ober aiiszuschieben! Und die an- eren machen es nicht anders mit uns. so dast wohl jeder von ims einmal th einer verbitterten, verzwei­felten Stunde an sich das Dichterwort empfunden be­ben mag,unter Larven die einzig fühlende Brust" zu fein!

lieber all dies wollen uns die vielen Feste und Vergnügungen dieser kalendarisch gewährten Mas- kenzeit hinwegtaiiichen: sie sollen uns di« grobe menschliche Tragikomödie vergessen lassen, die keinen kalendarischen Beginn und kein Ende hat. bi, der Meister alles Lebens, der Tod, uns die letzt«, di« starre Totenmaske. über das erloschen« Antfttz legt.

taten für Mittwoch, 11. Januar 1928.

Sonnenaufgang: 8.02, Sonnen Untergang 16.13. Mondaufgang 21.07. Mond uni er gang: 10 41. 1826: der amerikanische Schriftsteller Dayard Tohlor zu Könnet Swuare geb. igest. 1878); 1841: Roh entdeck am Südpol feste» Land: 1853: der Dichter Gustav Falle in Lübeck geb. (gest. 1916); 1904 AuSbruch de» Herero-Auf« standes; 1923. Besetzung des Ruhrgebiet» durch Me Franzosen.

Hicftcncr TLochenmarltpreise.

E» kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 130 bi» 150 Pfennig. Watte 30 bi« 35. Käse (10 Stück, 60 bis 140, Wirsing 30. Weifte traut 15. Rotkraut 30. gelbe Rüben 15. rote Äübcn 15. Spinat 40 bi» 60. Unterkohlrabi 8 bi« 15. Grünkohl 25. Feldsalat 150. Tomaten 50 bis 120. Zwiebeln 20. Meerrettich 40 bi» 80. Schwarzwurzeln 50 bis 60. Äartolfeln 5 bi» Sch. Aep el 12 bi» 20. Birnen 10 bis 15. Rüss« 50 bis 80, Honig 45 küs 50 pro Pfund; Sier 19, Blumenkohl 60 dis 140. Salat 40. Sndivien 10 b's 50, Lauch 5 bis 15. Rettich 10 bis 15. Slllerie 10 bis 70 Pfennig pro Stück.

Bornotizen.

TageskalenderfürDienstag Stabt* lheater: 7.15 Uhr,Der Zigeunerbaron ' (Ende nach 10 Uhr). Lichtjoiclhaus, Bahnhofstraße:Wochen* enbjauber". Astoria Lichtspiele:Der Teufels* jäger-.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns ge Abrieben: Da Fräulein Friedrich durch ernstliche Erkrankung, die ihre Aufnahme in die Frankfurter Klinll nötig machte, dienst­unfähig geworden ist. wird b:e Partie derSaffi" in der heutigen Aufführung des ..Zigeuner» baronS" von der Vertreterin dieses Faches am Darmstädter Landes: Heater, Fräulein Paula Kapper, gegeben werden. Di« Dame hat diese Parti« in der letzten Zeit wiederholt am Landes-

Oie neuen Aus« u. Durchführungsbestimmungen zum Kapiialverkehrsteuergefeh.

Don Dr. (J. (Kretschmann, Regierung-rat.

flm 1. Januar 1928 sind bie neuen flut* und Durchführungsbestimmungen zum Ä a pitaiverkehrsteuergesetz vom 22. Juli 1V27 in Kraft getreten von den 121 Paragraphen ind bereit» drei, nämlich die §§ 14. 24 und 36 am 1. Juli 1927 in straft getreten (t; 14 betraf die Befreiung von gewissen Arien von stapitalgesellschaften nach 6 108 der 5le<ch»abaabenort)nung. § 24 die Er­starrung der ®ricU|d)ait»ft.xr. nach § 108 AO. bei den sogenannten 8-Geselstchaften. tz 36 die Erstattung der Dertpapiersteuer bei Borliegen von bcstimmken Voraus'etzungen ebenfalls nach §108 Ä O Es waren also Vorschriften über Billigkeitsmaßnah­men, die man schon am 1 Juli 1927 in Straft tre­ten lasten wollte )

Mit dem Inkrafttreten der gefamten übrigen Vor­schriften sind die au» dem Inslationsfayr 1922 stammenden alten Ausführungsbestimmungen, die sich vielfach als nicht mehr zeitgemäß erwiesen haben, ausgehoben worden. Man hat übrigens da» Inkrafttreten der neuen Vorschriften, mit Aus­nahme der soeben bezeichneten drei Paragraphen, auf den 1. Januar 192* f.stgcsctzt. damit den Fi nonzamtem, Banken, Notaren, Amtsgerichten, und beteiligten streifen Zeit gelosten wurde, sich mit den neuen Bestimmungen vertraut zu machen.

Was ist nun heute gegenüber 1922 neu? (Die Neuerungen können im folgenden natürlich nur in großen Zügen gegeben werden. Minderwichtiges mußte wegbleiben).

1. Die Regelung der örtlichen Zuständigkeit der Finanzämter. Zuständig zur Derwaltuna der Äa- pitalverkehrstcuer find jetzt die sogen.2kmtcr mit erweiterter Zuständigkeit" In Oberhessen gibt es nur ein einzige» derartiges Amt, nämlich Wichen- Diesem Amt obliegt die Verwaltung der Rapitai- oerkehrsteuer für die Finanzamtsbezirke Alsfeld, Büdingen. Butzbach, Friedberg, Gießen, (Brünberg, Homberg, Hungen, Lauterbach, Nidda und Schotten. Dieser Rechtszustand besteht schon feit dem 1. Ja­nuar 1925. Die Kenntnis hiervon ist aber noch nicht Allgemeingut der Steuerpflichtigen und der Behör­den geworden

2. Weggesallen ist die Vorschrift, wonach die Urkundspersonen (Amtsgerichte und Notare) eine Erklärung der Beteiligten über den Wert des Ge genftandes sowie darüber aufzunehmen hatten, ob und welche in der Urkunde nicht aufgesiihrten steuerpflichtigen Zahlungen und Leistmigen von den Gesellschaftern neben den Beurkundeten über­nommen worden find und ob die Gesellschafter der Gesellschaft Darlehen gegeben oder ihr Forderungen gestundet haben. Weggefallen ist diese Vorschrift offenbar deshalb, weil man sie al» praktisch beden- tungslos erkannt hat.

3. Die Finanzämter haben, (sofern die Berechnung der Steuer von der Bewertung von Sacheinlagen abhängig ist), di« Steuer noch den Wertangaben der Beteiligten vorläufig sofort seftzusctzen (§ 7). Wir haben hier, wenn auch nicht formen, so doch der Sache nach ein Gegenstück au den vorläufigen »ngen der Grunderwerbvsteuer, die bekannt- dem Muster A an die Pflichtigen ergehen. Wenn hier (bei der Grunderwerbsteuer) als Zweck oorschwebt, eine möglichst baldige Umschreibung im Grundbuch herbeizuführen, so soll bei der Ge- ellschastssteuer durch die oft zeitraubenden und chwierigen Ermittlungen wegen der Sacheinlagen >ie Eintragung der Gesellschaft ober der Kapital- erhöbt!ng in da» Handelsregister nicht auf­gehalten werden. Selbstverständlich richtet sich dann die endgültige Festsetzung nach dem Ergebnis der Ermittlungen über den wahren Wert der Sachein­lagen.

4. Die Bespeiungsvorschristen für gemeinnützige und mildtätige Gesellschaften Jinö den Vorschriften de» Körperschaststeuer- und Vcrmögensteuergesetzes angepaßt worden. Es ist nicht m e h r geordert, daß die gemeinnützigen Gesellschaften wesentlich der Förderung minderbemittelter Volkskreise

dienen! von Intereste dürft« fein, daß unter den be­freiten Gesellschaften. *ür die nebenher ein« Beteili­gung de» Reiche» oder eine» Lande» oder einer Ge­meind« geiorden ist. al» Beispiel bi« ..Fernheiz­werke' genannt find.

5. Der bisher vorgeichriebene versteuenmgsoer- merk auf Aktien, Kuxen usw. ist nicht mehr er- forderlich.

8 Das Finanzamt hat jetzt der Urkundsperson nur mehr den Eingang der beglaubigten Abschrift der Urkunde zu beitätigen. Die H ö h e der festgesetz­ten Steuer braucht nicht mehr mitgeteilt zu werden.

7. Bei den Gesellschaften, die nichtÄapitalgefeU- schäften' find (Teil I B. C de» Geletze») ist künftig ein Recht»anfpruch auf Erstattung der Gesell- schaftsteuer gegeben, wenn da» dem steuerpflichtigen Rechtsvorgang zugrunde liegende Geschäft au» tat­sächlichen oder rechtlichen Gründen nicht zur Au»- fuhrung gebracht werden konnte ober vor der voll- ständigen Ausführung rückgängig gemacht worden ist.

8. Für die Verwaltung der Lorfenumsagfteuer de, Abtretung von G. m. b. H Anteilen gilt letzt nicht mehr der Satz, daß dasjenige Finanzamt zuständig fein soll da» zuerst mit der Besteuerung besaßt uxirbe, vielmehr ist die Versteuerung berariiaer Ge- schäfte dem Finanzamt übertragen, in besten Zu- standigkeitsbereich die Gesellschaft die Geschäfts- 1 e i t u n g bat.

9. Eine Prooinzbank mit Händlereigenschaft ver­liert diese nicht ohne weitere» mehr wie bisher da­durch. daß sie an einem Börsenplatz eine Zweig­niederlassung errichtet.

10. Die Finanzämter können in Zukunft unter ae- wissen Voraussetzungen die Löschung von Perso- nen in der (vom Börsenvorstand geführten) Hand- le r liste beantragen. Die Finanzämter haben in Fällen vorsätzlicher Steuerzuwiderhandlung nach Rechtskraft des Straferkenntnisses sogar ein« M i t teilungspflicht.

11. Die Börsenumsatzsteuer muß von allen Händlern tm Abvechnungsversahren entrichtet wer- den, während Personen ohne Händlereigenschaft die Steuer nur durch Verwendung von Börsenumsatz- ftcuermarfen zu Schlußnoten entrichten können. Zur Behebung von Zweifeln sei angefügt, daß Vorstehen­des nicht gilt für die Besteuerung von Anschaffung», gefchäften, die öffentlich beurkundet wer- den. In diesen Fällen wird die Dörienumsatzsteuer durch das Finanzamt zur einzelnen Urkunde fest- gesetzl imd durch Zahlung an die Kasse de» Finanz­amts entrichtet.

12. Der Abrechnungszeitraum für ®e- 'chäftsbetriebe mit geringem Umfang kann in Zu­kunft vom Finanzamt auf sechs Monate ver­längert werden.

13. Zur Entrichtung der ®örfenumfa(jfteu«r*bür- fen von jetzt ab nur mehr die neuen, auf Reichsmark lautenden Börfenumfatz- steuermarken verwendet werden, während die alten, auf Goldmark lautenden Marken eingezogen werden. (Die Marken werden von den Finanzämtern verkauft und zwar auch von den mit der Dermal- hing der Börsenumsatzsteuer nicht befaßten Aemtern).

14. Die Verfahrensvorfchriften bei Kommis­sionsgeschäften sind grundlegend geändert worden. Einzelheiten hier zu bringen, würde zu weit führen. Es fei hier nur bemerkt, daß in $u- fünft der Schwerpunkt der Prüfung durch den Ra- pitalDcrfehrfteuerprüfungsbeamten zum Zwischen- kommissionär verlegt wird, was m. E. durck» aus richtig ist, da bei diesem die Art des Abwick- lungsgeschäfts und damit auch die Höhe der Gesamt- steuer sich ohne weiteres aus den Büchern und dem Schriftwechsel feftfteUen lassen. Der Prüfung der Prooinzbanken wird also in Zukunft erhöhte Bedeu­tung zukommen.

15. Bei Prüfungen ist nunmehr stets zu Beginn ein mit dem Lichtbild des Prüfers und mit dem Ab­druck des Dienstftempels des Finanzamts versehener Ausweis vorzuzeigen.

lheater mit stärkstem Erfolge gesungen. Infolge einer Spielplanänderuna mußte auch Herr von Schenk sein Gastspiel absagen- für ihn wird Herr AloiS R e s n i eintreten.

Der Goethe-Bund hot für nächsten Donnerstag den Dichter Jakob Schaffner zum Lesen aus eigenen Werken eingeladen Bei die­sem Dichterabend will der Goethe-Vund die li­terarisch interessierten Kreise mtt einem hier wenig gelesenen Dichter bekannt machen, besten hart errungenes Dichtertum und dichterisches Schassen die Anerkennung und Bewunderung aller Raturfreunde verdient. (Siehe heutige An- Seigel)

** Hindenburg-Gedenkmünze. Das Bayerische Hauptmünzamt hat anläßlich des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten eine (ur­sprünglich al- Fünfmarkstück gedachte) Gedenk­münze mit dem Kopfe Hindenburgs geprägt. Die Medaille bat Stempelglanz, trägt da- staat­liche WünzzeichenD und die Randstempelung ..Bahr. Hauptmünzamt". Die Kehrseite trägt den Wappenschild von Hindenburg und den Reichs- schild. Don schöner, reiner Prägung, ist die Gedenkmünze ein - Meisterwerk plastischer Klrin- kunft.

Kriegsgräberfürsorge. Mu dem neuen (Zähre beginnt die Dundeszcitichrift des Dolksbundes Deutsche Kriegsgräb-rsürlcrge, e. V. Deriin. den 8. Jahrgang. Der Leserkreis dieser schlichten und doch wertvollen Zeitschrift Hal sich von Jahr zu JaJ&r vergrößert, denn allmählich besinnt sich das deutsche Voll auf feine Pflicht des Dankes gegenüber seinen über 2 Millionen im Weltkrieg gefallenen Söhnen. Vlldet doch die Zeitschrift . Kriegs gräberiü ri orge das Band »wischen un# Lieberlebenden und den zahllosen le&ten Ruhestätten unserer unvergessenen, teuren Brüder in fremden Landen! Die Theis der Heeres- und Marinelritung haben dem neuen Jahrgang warme Geleitworte mit auf den Weg gegeben und darin zum Ausdruck gebracht, daß die junge Reichswehr m echt soldatischer Treue zu den gefallenen Kam er ade: i des Wei krieges an der Verwirklichung der Ziele des Dolks­bundes Deut'chc Kriegsgräberfüriorge auch weiter mit arbeiten wird. Das Januarheft toirb allen Dien stellen von Heer und Marine bis in die Kompagnien und auf die einzelnen Kriegsschiffe kostenlos zugelandt. Dann bring: das Heft einen Aufsatz über den deutschen Kriegerfricdhvf De Ruyter, Gemeinde Roulers in Belgien, Paten- friedhos des Zollinspektors i R Albert Schrö­der, 1. Schriftführer der Ortsgruppe ünter- toefer des Völlsbundes. Weiermünde, mit Abbil­

dungen über den jetzigen Zustand deS Fried- Hofes, den Ausgestaltungsplan nach einem Ein­wurf des Gar enarchitekten Tischler, München, und des Holzmodells, das den Zustand des FriedhvfeS nach Verlaus einiger Jahre ver­anschaulicht. Die in dem Januarheft enthaltene neueste Lifte von deutschen Kriegerfriedhöfen in zahlreichen Landern gibt den Angehörigen Ge­legenheit, dir Grabstätten ihrer teuren Toten zum Dollstrauertag (4. Marz). Ostern und Pfingsten 1928 durch Vermittlung de» Dolks­bundes mit einem Kranz zu schmücken. Darüber hinaus berichtet das Heft über die Arbeit deS Dollsbundes auf einer großen Zahl deutscher Kriegerfriedhöse in Frankreich, Dänemark. Polen. Schweiz, Lettland. Rußland. Tschechollvtoak<i. Italien, Rumänien, Jugoslawien Aegypten und der Heimat.

Vermißt. Der Polizeibericht meldet: Vermißt wird seit dem 6. 3anuar der am 12. August. 1898 au Frankfurt a. M geborene Bäcker Friedrich Kohl, wohnhaft in Gießen. Aeuenweg Ar. 28. Er hat seine Wohnung ver­lassen. um sich nach Heuchelheim zu begeben und dort eine Schneiderrechnung zu bezahlen, ist jedoch dort nicht eingetroffen. Lieber seinen Verbleib ist inzwischen noch nichts bekannt ge­worden. Kohl ist etwa 1.70 Meter groß, von schmaler Statur, hat dunkle Haare, englisch ge­stutzten Schnurbart, trug gestreifte Hofe, schwär- zen Rock und Weste, grauen Hut und schwarzen MaMel, schwarze Schuhe und weihe Unterwäsche. Gr führt eine schwarzlederne Brieftasche (Brief- mappe) mit 20 Mk. und Papiere aus seinen Aamen lautend bei sich. Sachdienlich« Mittei­lungen über den Verbleib des Mannes nimmt die Kriminalpolizei Gießen entgegen.

DaS Aussehen von Katzen ist eine Unsitte, die in S'.adt und Land leider noch vrelsach übllch ist. Besonders zur Zeit des Holzfahreirs im Früh fahr und im Sommer werden Katzen jeden Alkers mit in den Wald genommen und dort ausgesetzt. Gewöhnlich find es solche Tiere, die lästige Lfttgewohnheiten «Raschen. älTrreinlich- keir ober Weg sangen des Iunggeflügels) ober irgendeine Krankheit an sich haben. Auch junge Katzen, die überflüssig sind, werden häufig aus­gesetzt. Während die letzteren wohl bald elend zugruride gehen, da sie noch nicht in der Lage sind, sich selbst für Futter zu sorgen, bilden die ausgewachlenen Katzen, die sich rasch an die neue Umgebung gewöhnt haben, bald den Schrecken der Walder. Sie fallen in ihre angeborenen Raub- nereigenichaften zurück und obliegen vornehmlich dem Raub der Singvögel und ihrer Brut, wie überhaupt dem Raub aller Tiere, denen sie ge­

wachten stnd Es ttt 6*grctfn4). daft bfcfc r-ev- UMlbcren Xurc uncrmeßllH.m Schaden anr->ch:en. brioabrre tn her Srngoogelweft. Da» ist bet bem ohnebin schon bedeutenden Rückgang unserer Stng- oögei nur zu bedauern Wer sich scheut, eine Katz« Wu täten, weil ft« lästig Ist. »der we.l sie Uu- rügenden an heb hat. der übergebe sie einem 3ager. bet ft« schnell und sicher in» Jen leit» befördern wird 3l»enfo soll man junge Katzen, bi« nicht zur .fticht beftimmt nnb schnell und ohne Xterquäleret toten. Da» überlasse man aber unter keinen Umständen den Kindern Jeder der Interesse an der Erhaltung unterer beunftchrn Sogeltoelt hat, must vor der Unütte toxi men. Katzen tm Walde auszu'etzen!

Strafkammer Gießen.

* E t c 6 c n. 6 3an All» undankbarer kittetet erwies sich rin wiederhol: vorbestrafter Rc.'ender. der einige Wochen bei einer alten Frau h er zur Miete wohnte. Kurz vor seinem Auszug ver­mißt« dte Dermi-fterin emc Ae.he »y.x Wäsche­stücken, die zum Tri! nachher bri dem Aug^ klag­ten tote berg funben und beschlagnahmt wurden. Das Amtsgericht Gießen hatte chn bc» Ein­bruch» hiebst ahls für schuldig befunden Die von chm gegen dieses Urteil etnaclegte Berufung hatte nur wenig Erfolg. Das Gericht hielt chn auch jetzt des Diebstahls tm Rückfall für überfuhrt und verurteilte ihn zu 1 3 a b t 6 Monat Zucht- hau». Mildernd« Umstände wurden ihm ver­sagt. da er als Mfnger, In den besten 3ahren stehender Man.n fich nicht gescheut hvttte, einer alten Frau, die auf bi» Zimmervermieten imgc- toiefen ist, einen Teil ihres in Bettwäsche be­stehenden De!ri.l»ekapi:alS wegzunchmen.

Ein trauriges Bild eines vollkommen zerrüt­teten FamUienlebens gab die D.rhandlung gegen einen alleren Mann, bet der Körpel-verletzung und Bedrohung seiner Frau und Sl>estachter angeklagt war. Sine einwandfreie Aufklärung des Sachverhalt» war nicht möglich Die einzigen belaftenben Zeugen waren die Verletzten, die aber seitens des 2lng?flagten. bet sich auf Not­wehr berief, in gleicher Weise der Korperver- letzungen beschuldigt wurden. Das Gericht bestä­tigte daher mangel» ausreichenden Be­weises das auf Freisprechung lautende Urteil befl Amtsgerichts Glesien.

Ein wiederholt vorbestrafter Landwirt war durch daS Amtsgericht Lich wegen Betrugs zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden. Die erneute Verhandlung ergab wiederum erhebliche Verdachtsmomente, doch konnte sich dis Gericht von der betrügerischen Absicht des Angeklagten nicht zweifelsfrei überzeugen und sprach den An- neflagten unter Aushebung des erstinstanzlich«! Urteil» frei.

Gin wiederholt oorbeftröfter Bettler war durch das 2mts«rich1 L'.iubacb zu 2 0 Xagen Haft unter Ueberweisung an die Landes- Polizeibehörde verurteilt worden. Mil Rücksicht auf di« vielen Vorstrafen und in Anbe­tracht. daß er körperlich tn der Lage ist. feinert Unterhalt durch redliche Arbeit zu verdienen, verwarf dis Gericht die gegen das Urteil des Amtsgerichts eingelegte Berufung.

(Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Die bunte Stadl".

3n der Reklame für .Di« bunte Stadt" wurde viel versprochen, doch als ich am Sonnraanach- mirtag gegen/t3 Uhr mit meinem fünfjährigen Töchterchen in die DolkShalle kam mit der Ab­sicht. meiner Kleinen ein vergnügtes Dlertelstünd- chon zu bieten, toaS sah ich für 75 Pf. Eintritt (Erwachsene 50 Pf. Ktnder die Hälfte): Zuerft ein zu gehängte» Karussell. ein russisches Karussell außer Dettieb. eine zugehängte Bude mit einem SchildPreiSkcgeln", und eine Schießbude. 3m ersten Stock eine eben­falls zugehängte Bude mit einem SchildWovon man spricht" oder ähnlichem Text. Außerdem ein Podium mit nackten Notenständern Die Lust war durch Kohlengase bfau, weil bie ..Unter­nehmer" offene Oefen ausgestellt hatten, so daß ich Deranlaslun^ nehm ' m ißte, den Türwächter aus die Rachtelle hinzu elfen. Da» Publikum wurde gebildet durch i. meine Kleine, mehrere beschäftigungslose Schausteller und einige Frauen mit großen Ohrringen und ..feudalen" Frisuren. War das nicht genug für 75 Pf ? Ich ginp natürlich nach kurzer Zeit wieder her­aus. mich fragend, wie man e» wagen (amt, dem Publikum so etwa» für (ein Geld zu bieten! Wie kann auch der Dolkshallenverein so etwa» zulassen? P. 3.

Sprechstunden der -iedaktion

12 bis 1 Zlbr mittag», 5 bi» *7 Uhr nachmittag». Samelaq nachmittag geschlossen

Geschäftliches.

Tugend oder Nutzen.

Wer hätte nicht schon oft. gerade au» der Ge- schästswelt, die Worte gehört: .Warten Sie noch so lange!" Und wieviel mal ist er enttäuscht wor­den? Zuweilen hatte aber die Mahnung zur Ge- duld auch ihre Berechtigung. Wie wir erfahren, verhält es sich so bet dem in den nächsten Tagen beginnenden Ausverkauf de» bekannten S Ijubbaufe» Süß. Trotz der dauernd steigenden Leder- und Schuhpreise hat das SchuhhouS Süß feine Prrife derart rücksichtslos herabgesetzt, daß diese Gelegen- heit unbedingt weiten Kreisen von Vorteil sein wtrd. Besonders, da die genannte Firma nur Qualitäts­ware führt Wir tonnen deshalb nur empfehlen, die erscheinenden Anzeigen zu beachten, und sich an Hand der 8 Schaufenster dcL SchuhhauseS Süh von der Fülle der gebotenen Vorteile selbst zu überzeugen.

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