Nr. 265 Drittes Blatt
Hreitag, 9. November 1928
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Turnen, Spori und Spiel.
Auch in dem Treffen der 1900er
Liga Liga
senburg. Dagegen werden Union Aiederrad und Kickers Offenbach bis zum Schlußpfiffe um den Sieg ringen. Die Parteien sind gleichwertig. F.C. 1893 Hanau wird Germania Dieber Wohl kaum die Punkte überlassen wollen und kann auch bei seiner derzeitigen Form tyohl gewinnen.
Auch in der Gruppe Hessen hat der Tabellenerste, Wormatia Worms, einen seiner leichtesten Gegner bei sich. Die Sp.Gem. Höchst wird in Worms wohl keine Punkte sammeln. Ebenso darf man beni S.D. Wiesbaden einen ziemlich leichten Sieg über die Sp.Dg. 04 Ar- heilgen zutrauen. Der F.Sp.D. 05 Mainz hat dagegen in Alemannia Worms einen recht harten Widersacher zu überwinden. Vielleicht gelingt ihm dies auf eigenem Platze. Dei der Begegnung Hassia Bingen und V.f.L. Reu-3fenburg wird der Bezwinger der Wormatia, V.f.L., als Sieger ertoartet.
Bezirk Bayern.
3n der Gruppe Rvr bbayern wird der 1. F.C. Aürnberg nicht so ohne weiteres als Sieger über den V.f.R. Fürth anzusprechen fein. Der .Club" wird besseres zeigen müssen, als zuletzt. Auch die Begegnung des F.D. 04 Würzburg mit Bayern Hof ist noch nicht entschieden. Mit großer Bestimmtheit sollte man dagegen auf einen sehr hohen Sieg der Sp.Dg. Fürth über Franken Aürnberg zählen können.
3n der Gruppe Südbayern wird Wacker München Teutonia München nicht zum Siege kommen lassen. Schwaben Augsburg ist auf eigenem Platze dem S.V. 1860 München um ein geringes vorzuziehen. Der D.S.D. München wird sich gegen Dayern München wohl alle Mühe geben, schließlich aber doch zu kurz kommen.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
ö. Aach einem Ruhesonntag treten die 1900er am kommenden Sonntag wieder mit allen Mannschaften in die Meisterschaftsspiele ein.
Den Reigen eröffnet d're dritte Elf, die Queckborns erste Mannschaft als Gegner hat. Dei einem Vergleich der seither von beiden Mannschaften erziellen Resultate muh man den Einheimischen unbedingt Siegeschancen in dieser Degegnung einräumen, wenn auch die Aufstellung der Giehener nicht die beste ist.
sollte.
Anders steht es mit der Degegnung der beiden Ligamannschasten. 5)ie Elf des Platzvereins kann wieder auf bessere, bewährte Spieler zurückgreifen und zeigt dementsprechend ein ganz anderes Mannschaftsbild, als vor vierzehn Tagen bei dem Verlustfprel in Herborn. 2&er auch Dillenburg tft fern zu unterschätzender Gegner: das beweist fein derzeitiger Tabellenstand. Dillenburg hat durch den Wiedereintritt von Schwarz (früher 1900 Giehen), sowie zwei weiterer neuer Spieler, auherordrntlich anSpiel- stärke gewonnen. Immerhin sollte das bessere technische Können und der Vorteil des eigenen Platzes den Spielvereinigungsleuten zu einem, wenn auch nicht allzuhohen, sicheren Sieg verhelfen.
Die 1.3u gen ö hat auf eigenem Platz die 1. 3ugend vom Sportverein Wetzlar im Rückspiel zum Gegner. Das Vorspiel in Wetzlar endete unentschieden (3:3). — 1900'8 3. 3 ugend erprobt ihre Spielstärke gegen Queckborns 1. Jugend in einem Gesellschaftsspiel. — Auswärts spielt nur die 1. Schülerelf, die zum Pflichtspiel in Heuchelheim gegen die dortigen Schüler antreten muß, wobei Heuchelheim die besten Chancen hat.
D. f. 23
Die Ligamannschaft ist am kommenden Sonntag Gegner der Liga des Wetzlarer Sportvereins. Dies ist wohl das schwerste Spiel, das sie auswärts auszutragen hat. Wetzlar
ist, zumal auf eigenem Platz, als eine der stärksten Mannschaften des Lahngaues anzusprechen. Wohl ist sein Spiel technisch gerade nicht sehr hochstehend, dafür aber hart und sehr schnell und dadurch nicht minder erfolgreich. Wetzlar hat es schon oft fertiggebracht, mit seinem primitiven, aber produktiven Spiel technisch bessere Mannschaften zu schlagen. Der W. S. 23. sollte in der Lage sein, den Siegeszug der bisher ungeschlagenen 23. f. B.er zu unter- brechen, wenn diese nicht alles aus sich herausgeben, um ihren Punktvorsprung zu halten. Falls Gießen dieselben Leistungen zeigt, wie am vergangenen Sonntag in der zweiten Halbzeit gegen Burg, vermag es mit seinem besseren Können das Treffen für sich zu entscheiden. Man darf trotz der Spiel- stärke des Gegners unter normalen Voraussetzun« gen doch der Gießener Elf ein kleines Plus zusprechen und einen knappen Sieg von ihr erwarten. Sie muß sich nur davor hüten, sich vom Gegner dessen hohes Spiel aufdrängen zu lassen, sondern muß bemüht sein, ihr flaches System beizubehalten: nur dann wird sie die Punkte mit nach Hause bringen können.
Die Ligareservemannschaft steht der gleichen des Wetzlarer Sportvereins, ebenfalls auf dortigem Platz, gegenüber. Auch sie hat in der diesjährigen 23erbandsfpielserie noch kein Spiel verloren und kann in der Wetzlarer Ligareserve, die als ihr stärkster Gegner gilt, sehr leicht ihren Bezwinger finden. Nur im besten Falle sollte ihr ein knapper Sieg über die als spielstark bekannten Wetzlarer, die in der letzten Zeit sehr gute Resultate erzielt haben, gelingen.
Die erste 3ugendMannschaft ist in Aiedergirmes Pflichtspielgegner der dortigen ersten 3ugendelf. Ihre Leistungen am vergangenen Sonntag waren so wenig überzeugend, daß ein Sieg in Aiedergirmes durchaus nicht als von vornherein feststehend zu betrachten ist. Sie wird sich anftrengen müssen, wenn sie gewinnen will.
Auf eigenem Platz steht die z w ei t e3 u g en d- mannfchaft der gleichen der hiesigen SfÄel- Vereinigung im fälligen Pflichtspiel gegenüber. Die Spielstarke beider Mannschaften ist ungefähr die gleiche, so daß nicht vorausgesagt werden kann, wer als Sieger aus dem Lokaltresfen hervorgehen wird.
Einen ziemlich sicheren Sieg darf man der ersten Schülerelf Voraussagen. Die kleinen V. f^er sind zur Zeit in einer so guten Form, daß sie ihr Pflichtspiel, zumal auf hiesigem Platz, gegen Grohen-Busccks Schüler glatt gewinnen können.
Fußballklub 1926 Großeu-Buseck.
Für nächsten Sonntag erwartet der F.C. Grohen-Duseck die erste Mannschaft des Sportvereins 1920 Heuchelheim. Heuchelheim gehört mit zu den erfolgreichsten Mannschaften der A-Klafse im hiesigen Gau und hat wiederholt gegen starke Vereine bewiesen, daß beachtliches Können in der Elf steckt. Der Plahverein weiß, um was es am Sonntag geht, daß alles getan werden muß, um wenigstens einen ebenbürtigen Gegner abzugeben.
D. f. X Lich.
Am kommenden Sonntag fährt die erste Maim- schaft nach Grünberg, um gegen die dortige Erste zum fälligen Verbandsspiel anzutreten. Bei der Gleichwertigkeit der Gegner ist der Ausgang des Spiels ungewiß.
Die zweite Mannschaft hat die spielstarke Erste von Leihgestern zu Gast und dürfte sich damit wohl etwas zuviel zugenmtet haben.
Vom vorigen Sonntag ist der 2:1 - Sieg über Queckborns erste Mannschaft noch zu berichten.
Arbeiter-Turn- und Sportbund.
Am kommenden Sonntag fährt die 1. Mannschaft der Freien Turnerschaft Gießen nach Frankfurt-West end, um das fällige Rückspiel auszutragen. Das Vorspiel in Gießen endete unentschieden 2 :2. Wohl neigen die Siegesausfichten nach Frankfurt, doch dürfte
5. Bezirk im Turngau Hessen. (O.T.)
Der 5. Bezirk im Turngau Hessen D. T. hält am kommenden Sonntag in Butzbach eine wichtige Tagung ab. Der Dezirlsvorturnerstunde schließt sich eine Sitzung der Vereinsvorsitzenden an. Bezirksturnwart Fritz Hartmann, der ein Menschenalter lang den 5. Bezirk technisch go leitet hat, und Bezirksvertreter Studienrat Schuchmann (Friedberg) haben ihre Aemter niedergelegt, letzterer aus Gesundheitsrücksichten. Die Wahl der neuen Führer erfolgt am Sonntag. Handball im Turnverein 1846 Gießen.
Größtes Znteresie dürste das Spiel der 1846er gegen den Mio. beanspruchen. Für den Turnverein gilt es, zu beweisen, daß die Erfolge der letzten Sonntage nicht Zufälle waren, und ferner die letzte Schlappe gegen Mtv. wettzumachen. Für den Mtv. gilt es, feine Spitzenstellung weiter zu festigen. Den letzten Spielen nach zu urteilen stehen sich zwei völlig gleichwertige Gegner gegenüber.
Die 2. Mannschaft hat gegen die 1. Butzbachs wenig Svielausfichten. Butzbach ist wieder gut in Form und wird wohl glatt gewinnen.
Handball im Lahn-Dünsberg-Gau.
Arn kommenden Sonntag beginnen die Hanö- ball-Verbandsspiele. Es spielen in Kinzenbach: Wieseck I gegen Kinzenbach I; in Garbcnteich: Londorf I gegen Garbenteich l. Da die Spielstärke der einzelnen Vereine ziemlich ausgeglichen ist, wird der Sieger erst beim Schlußpfiff feststehen.
Handball der Sp.-Bg. 1900.
ö. Wie an den beiden Dorsonntagen, so hat auch am kommenden Sonntag die Spielvereinigung 1900 vier Mannschaften in die Derbandsspiele zu schicken. Die erste aktive Elf fährt nach Wetzlar, um gegen die zweite des D. f. L. Wetzlar anzutreten. Da b e 1900er mit reichlich Ersatz spielen werden, müssen sie wohl alles aus sich herausgeben, um sich die Punkte zu sichern. — Die zweite Garnitur der Spielvereinigungsleute steht auf dem Waldsportplah dem V. f. D. gegenüber, also derselben Mannschaft, die der ersten 1900'18 am Sonntag den unerwartet starken Widerstand ent» gegenzusehen vermochte. Die Dewegungsspieler dürften hier zu ihren ersten Punkten kommen, zumal die 1900er ihre ersten Leute für das Wetzlarer Spiel werden abgeben müficn. — Die erste Jugend fährt ebenfalls nach Wetzlar, wo sie von der zweiten 3ugendmannschaft des V.f.L. empfangen wird. Es ist mit einem knappen Spielausgang zu rechnen. Dasselbe Bild kann sich evtl, in dem Tressen ergeben, das die zweite 3ugend der Spielnereinigung im Kampf mit der ersten des D. f. D. Gießen sieht.
Sandballvorrunde um den Ä. S. d.-poka!
Am kommenden Sonntag firrden die Vorrundenspiele um den Pokal der Deutschen Sport-De- hörde tm Handball zwischen den einzelnen Landesverbänden statt. Es spielen: Berlin argen den Daltenverband in Stet t i n, Süddeutschland gegen Aorddeutschland in Hann over und Westdeutschland gegen Mitteldeutschland in Leipzig.
Oie süddeutschen Fußballspiele.
Bezirk Main-Hessen.
3n der Gruppe Main wird es am kommenden Sonntag wieder Entschndung-en von einiger Wichtigkeit geben. Die Frankfurter Eintracht hat in Fec^nheim gegen die F.Bg. 03 anzutreten, die am vergangenen Sonntag Germania Bieber ganz glatt schlug. Eintracht, die nicht in kompletter Stärke anzutreten in der ßage ist, wird sich sehr in acht nehmen müssen. F.SP.V. Frankfurt hat in der Sp.Vg. 60/94 Hanau einen leichten Gegner. Es kann sich hier nur um die Torzahl handeln, mit der der Frankfurter Verein Sieger zu werden vermag. Aehnlich ist die Lage zwischen Rotweiß Frankfurt und Viktoria Aschaf-
r e s e r v e gegen Dillenburgs reserve neigt man zu der Ansicht, daß der Platzverein ziemlich leicht zu einem Sieg kommen
Geld W vorn Himmel.
Roman von Paul Gnderling.
Copyright by Carl Sünder, Verlag, Berlin.
39. Fortsetzung Nachdruck verboten.
Grotteck zuckte zusammen. Da war das Wort, das ihn selber so beschäftigt hatte. Und plötzlich bekam es einen Sinn: es war das Losungswort, die Parole, das Erkennungszeichen. Und es hing mit jener Zeitung zusammen und mit den abenteuerlichen Plänen, die dort entwickelt waren. Es kamen noch zwei andere hinzu, die mit einer kleinen Verbeugung das gleiche Wort murmelten. Dem Uneingeweihten mußte es wie eine Vorstellung erscheinen.
Grotteck atmete auf, als er sie jetzt deutsch reden hörte. Es war ja die internationale Verständigungs» spräche des Ostens. Die beiden letzten schienen keine Russen zu sein. Grotteck riet auf Letten oder Polen.
„Nichts ist entschieden. Nichts ist beschlossen", sagte Blinsky leise und eindringlich. „Die Versammlung war gar nicht beschlußfähig. Die Statuten besagen ..."
„Wir pfeifen auf die Statuten", unterbrach ihn der erste. „Wenn wir legal vorgehen wollen, können wir ja den Polizeipräsekten selber zu unserm Konvent einladen. Es handelt sich nur um eins. Das weißt du gut."
„Nein, es handelt sich für mich darum, was hier vergeßen wird. Hättet ihr, um nur eins zu nennen, den englischen Streik ohne meinen Plan auch nur vier Wochen finanzieren können? Konnten wir etwa ein Drittel unserer ganzen Ausfuhr — und soviel machte es aus — als Unterstützung nach England schmeißen? Eine Tollhäusleridee! Jeder Muschik kann euch da belehren. Eine Diertelmilliarde Rubel ist über den Kanal gegangen. Wer hätte sie gegeben?"
Ein sattes Lachen klang herüber. „In fremden Schemen."
,«3n Duplikaten, ja."
„Sag' ruhig: in Fälschungen. Wir sind ja unter uns."
„Man muß vorsichtig sein. Denkt ihr, bei unsrer Zahlungspassioität hätten unsere kurzfristigen Bank
kredite zu dieser Riesenausgabe genügt? Es ist zum Lachen/
„Du vergißt, daß jeder Arbeiter, jeder Ingenieur, also auch bie fremden, einen Tagelohn im Monat hergeben mußten. Es sind wahrhaftig genug Opfer gebracht worden."
„3a, und in Kiew und Poltawa haben unsre Arbeitslosen dagegen demonstriert. Es roch nach Re- Dolurion."
„Nitschewo. Man hat sie mit Gummiknüppeln auscinanbergejagt und die Führer eingesperrt — bis auf weiteres. Du biegst aus/
Blinsky rang die Hände. „3ch weiß alles. Ich kenne die Opfer wie ihr. 3ch weiß, daß wir für unsere Ausfuhr sofortige Zahlung verlangen und daß die Fremden für ihre Warenlieferungen Kredite bis zu einem 3ahr und darüber hinaus gewähren müssen. Aber das alles waren doch nur Tropfen auf einen heißen Stein. Erst meine 3dee ..."
„Halt dein Maul", fuhr eine grobe Stimme dazwischen. „Es handelt sich darum zu wissen, wo das deutsche Geld geblieben ist. Das ist das einzige, was uns hier interessiert. Und da hast du dich zu recht- fertigen." Ein beifälliges Murmeln der andern war zu hören.
Blinsky ließ sich in einen Stuhl fallen. Seine Fäuste trommelten auf der Tischplatte. ,3ch sagte es schon ... ich sagte es ja schon: ich weiß nichts ..."
„Nimm dich zusammen. Spiel nicht den Hysterischen. So was können wir hier nicht gebrauchen. Dir war es anvertraut."
„Ich bin unschuldig", stöhnte Blinsky.
„Möglich. Wir lassen dir ja auch deswegen oier- undzwanzig Stunden Zeit, es zu beweisen."
„Wie soll ich denn den Beweis erbringen?"
„Sehr einfach. Das Geld ist der Beweis."
„Ich habe doch alles erklärt."
„Ja, aber wir glauben dir nicht."
„Ich schwöre ..."
Wieder klang das gemütliche Lachen herüber. „23eim brennenden Dornbusch ober bei der heiligen Mutter von Kasan, ber wir die Edelsteine aus- brachen?"
Eine Weile hörte Grotteck nur bas leise Fluchen Blinskys unb den Wirbel seiner Handknöchel auf der Schreibtischplatte. „Nur Zeit! Ich bin auf ber Spur."
„Das bist du schon feit einiger Zeit. Ich bin müde. Genossen. Außerdem glaube ich, daß wir allmählich auffallen, der Betreßte draußen sieht schon ziemlich argwöhnisch her, und allzu beliebt sind wir hier ja am Ende nicht. Blinsky entrinnt uns wie Quecksilber. Ich denke, wir heben die Sitzung auf. Bis morgen abend hast du Zeit, dich reinzuwaschen. Was geschieht, wenn du es nicht kannst, weißt du?"
„Ich weiß", sagte Blinsky dumpf. „Ich würbe selber an eurer Stelle nicht anbers handeln."
„Nun also. Auf morgen." Die Schritte entfernten sich, kamen aber wieder zurück. „Und keine Dummheiten, verstanden? Die Bahnhöfe sind von zuverlässigen Leuten besetzt."
Der erste blieb noch zurück. Er sprach beruhigend auf den dasitzenden Blinsky ein. „Es bleibt ja noch eine Möglichkeit ..."
„Welche?"
Von nun an sprachen sie wieder russisch, und Grotteck konnte nur den Namen Brodersen verstehen. Die beiden gingen auch, ohne auf den eifrigen Tempsleser zu achten.
Nach einiger Zeit erst wagte Grotteck, sich zu erheben unb den leergewordenen Raum zu verlassen.
Er brauchte nur wenige Minuten zu warten, bis Inge aus dem Speisesaal trat. Sie errötete glücklich, als sie ihn begrüßte. „Wir wollen in den Wintergarten gehen."
Als sie in dem feuchtwarmen Raum zwischen Or- chideen und breitblättrigen erotischen Bäumen standen, nahm Grotteck ihre Haiw und sagte: „Ich vollende jetzt den Satz, den ich damals, an jenem Freitagabend, begann: Ich habe bisher nur die Hand meiner Mutter geküßt, unb ich habe ihr versprochen, nur bie Hand ber Ewiggeliebten zu küssen. Ich liebe bich, Inge."
Sie neigte ihm mit einer keuschen Gebärde den Mund zu. Als sie den ersten Kuß ihres Lebens empfangen hatte, sagte sie, seine beiden Hände fassend: „3d) wußte, daß du kommen würdest, wenn ich dich rief."
„Du hast mich nicht gerufen, 3nge!"
„Doch. Ich rief bich Tag unb Nacht. Hast du es wirklich nicht gehört?^ 3hr Lächeln füllte die ganze Halle mit Glanz und Leben.
Er nahm sie jubelnd in feine Anne. „3a, ich hörte es. Heber Länder hinweg. Bis in bas stille Trott-
Gießen bei stärkerem Siegeswillen ein hohe» Resultat vermeiden.
Gießen 1 b muh zu einem Spiel der Aachrunde gegen die 1. Mannschaft Heuchelheims in Heuchelheim antreten. Hier dürften die Städter auf einen zähen Gegner stoßen. Heuchelheim hat in den letzten Spielen bewiesen, daß es sich wieder erholt hat und seine frühere Stärke wieder gewinnen wird. Gießen wird einen schweren Stand haben unb eine Niederlage hinnehmen müssen.
Wiesecks 1. Mannschaft fährt zu ihrem letzten Spiel der diesjährigen Serie nach Marburg. Aormalerwerse müßte Wieseck, trotzdem es abermals mit Ersah antreten muß, Sieger bleiben. Wenn auch der Ausgang des Spieles feinen Einfluß mehr auf die Spitzenführung ausübt, so wird die Mannschaft bei den in Marburg bestehenden Verhältnissen doch auf der Hut sein müssen, weil sonst Marburg vielleicht als Sieger den Platz verlassen wird.
Wiesecks 2. Mannschaft und 3 u g c n b » m ann scha s t gehen zu Freundschaftsspielen nach Heuchelheim, um mit den gleichen Mannschaften des dortigen Vereins ih.e Kräfte zu messen. Der Ausgang des Spieles der 2. Mannschaft muß offen blcibeir, während beim Spiel der 3ugend die Gäste als Sieger den Platz verlassen werden.
A. v. O. und 23. O. K.
Zwischen dem Automobilclub von Deutschland und dem Bund Deutscher Radfahrer ist eine 3nterefisengemelnschaft geschlossen worden, um den automobil» und motorradfahrenden Mitgliedern des Bundes Deutscher Radfahrer die Möglichkeit einer Teilnahme an nationalen und internationalen Wettbewerben und allen anderen Vergünstigungen zu verschaffen, die der Auio- mobrlchib von Deutschland seinen Mitgliedern bietet. Der wirtschaftliche und sportliche Zu- sammenschluß dieser beiden Spitzenverbände dürfte wohl nicht ohne Einfluß auf die Entwicklung des Kraftsiports in Deutschland bleiben.
Kleine Strafkammer Gießen.
• Gießen, 6. Aov. 3m Frühjahr 1927 wurden dem Cteinbruchbesiher Z. aus Bisses abends ober nachts öfters Steine aus seinem Bruche gestohlen. Anfangs Mai hörte ein gewisser T., der bei dem Z. in Arbeit steht, abends beim Heimgehen von der Feldarbeit tm Bruch des Z. Geräusch, wie wenn Steine geladen würden. Er ging nach dem Bruch und sah dort zwei Männer mit Pferdesuhrwerk, von denen der ältere Steine auflud, während der jüngere sie von der Böschung herabwarf. Als 2L sich bemerkbar machte, fuhr der ältere mit dem Fuhrwerk in der Richtung nach Bingenheim davon, während der jüngere dem 2E. nachlief. Letzterer kannte bie Leute nicht und teilte ferne Beobachtungen dem Z. mit, der Verdacht gegen einen Steinbmch- besiher W. auS Bingenheim äußerte. Einige Tage später wollte 3k. in dem Sternbruchbesitzer W. auS Echzell imb in dessen Resten die beiden Täter erlernten. Z. erstattete daraufhin gegen W. und feinen Reffen Anzeige wegen Diebstahls, bas Strafverfahren gegen sie wurde jedoch nach längeren Ermittelungen mangels ausreichenden Beweises eingestellt. Außerdem sprach Z. aber auch in einer Wirtschaft in Echzell über die Sache unb äußerte, fein anderer als W. habe ihm die Steine gestohlen, wenn er es noch bis zum nächsten Abend in die Reihe bringe, könne es noch mit 1000 Mk. erledigt werden, andernfalls koste es ihn 1500 Mk. Daraufhin erhob W. Privcttklage gegen Z. Dieser gab die Aeußerungen zu, behauptete aber nach wie vor, W. unb fein Resse hätten ihm die Steine entwendet. Er versuchte auch, den Wahrheitsbeweis zu führen, was ihm jedoch nicht gelang. Es wurde vielmehr durch Zeugen einwandfrei bekundet, daß W. an dem Qlbenb, an dem der Diebstahl der Steine erfolgt ist, bis gegen 8 ^Ihr in einer Wirtschaft in R e i ch e l s - heim und bann zu Hause in Echzell gewesen
Hausen hörte ich deine Stimme. Wäre ich sonst gekommen? Hätte ich dich sonst gefunden?"
Eine Weile schwiegen sie, erschüttert vom Glück und Erfüllung.
„Es müßte schön fein, jetzt sterben zu können ..."
„Das Leben beginnt, Inge. Wach auf!"
Sie wiegte plötzlich ernst den Kopf. „3ch wage es nicht zu glauben. Verzeih, Liebster, aber es ist so überwältigend, das Glück."
Er sah in ihre tiefen Augen. „3ch bin in Sorge um dich."
Sie warf den Kopf zurück. „Wir wollen nur an uns denken, nicht an das andere, das Feindliche ..."
„Was ist das Feindliche, Liebste?"
„Laß das!" bat sie. „Höre nicht auf mich! Alle diele Dinge gehen ihren Gang. Wir beide können nichts dazu tun. Es wäre gerade fo, als wollten wir eine rasende Maschine mit unseren Händen zum Stillstand bringen."
„Und ich soll ruhig zusehen, wie du zerquält und verängstigt dasitzest und wie du selbst in dieser Stunde unruhig nach der Tür blickst?"
„Du irrst."
„3ch wollte, daß es so wäre. Aber glaubst du, ich fühlte nicht den gleichen Herzschlag wie du? 3ch spüre all diese Zeit eine dunkle, schrecklich rätselvolle Macht, die uns bedroht und die dich mir entreißen möchte. Inge, was hat dein Vater getfbn mich?"
„Er hat nichts gegen dich. Oder zürnst du ihm noch wegen deines letzten Besuchs?"
Seine Stirn umwölkte sich. „Warum tat er das? 3ch habe oft darüber nachgedacht. War es das, was der kleine Surrmann meinte? Du kennst ihn doch?"
„Er hat mir seine Sonette mit einer überschwenglichen Widmung gesandt. Was sagte er denn?"
„Dein Vater hätte ihn mit einem Geldgeschenk außer Kurs gesetzt. Wollte er das vielleicht bei mir auch?"
Sie sah ihn offen an. „3ch will nichts verheimlichen. 3a, er wollte es. Wenigstens nehme ich es an. Aber er wollte es sicherlich nur aus Liebe/'
„Eine sonderbare Liebe, findest du nicht auch?"
„Aus Liebe zu mir. 3ch bin ihm alles. Er kann den Gedanken nicht fassen, daß ich einmal von ihm gehe, daß ich einem Mann meine Liebe schenke. Du mußt versuchen, ihn zu verstehen."
(Fortsetzung folgt.) )


