Nr. 109 Erstes Blatt
178. Jahrgang
Mittwoch, 9. Mai 1928
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Lolch ritt für Drohtnach- richten Anzeiger »leben. postfcheSlont».
firenffurl am Main 11686.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Vrvck onb Verlag: vrühl'fche UNtverfttülr-vuch. und Sletnörndcrei k. Lange in Gießen. Zchristleitung und Seschäfl5«telle: Zchuvttaße 7.
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Chefredakteur
Dr Frredr CUIt) Lange. Deroniwortlich lür Politik Dr Irr Wilh Lange für Feuilleton Dr h Tdyriol, für den übrigen Teil Ernst Blumlchein; für den Sin- letgenteil tturt hillmonn. lämtlid) in (Biehen
Der Aufmarsch zum Wahlkampf.
31 Parteien.
Don unterer Berliner Redaktion.
Unter nicht weniger al- 31 Wahlvorschlägen — die in einzelnen Wahlkreisen vielleicht noch vermehrt werden -- kann der deuifche Wähler und Staatsbürger am 20. Mai auSluchen. um demjenigen die Stimme au geben, der nach feiner Üeberzeugung leine Jntcrcflen am besten vertreten wird. 31 Listen! Sine furchtbare Zahl, die allein Ichon den Unfug unsere- gegenwärtigen Wahlsystems charakterisiert. Wollte man annehmen. daß die Mandate sich ziemlich gleichmäßig auf alle diese Gruppen verteilen, dann wäre eS mit dem Parlamentarismus au Ende, denn dann mühten jeweils mindestens sechzehn Fraktionen unter einen Hut gebracht werden, um eine Mehrheit zu bilden. Und welche Mühen hat eS bisher immer schon gemacht. Richtlinien für die drei oder vier Parteien auszu- stellen, die Aur Regierungsbildung notwendig waren. Aber die Gefahr. daß eS so kommt, besteht ja glücklicherweise nicht. Don den 31 Listen sind ungesähr zwei Drittel zu einem Schattendasein verurteilt: sie sind teilweise vielleicht auch nur alS eine Derhöhnung der Wahl gedacht, so der Dorschlaa jene- witzigen Herrn, der um sich eine eigene Partei gründete, s i ch selbst ausstellte und von zwanzig feiner verheirateten Freun- olnnen eine Wahlliste mit seinem Damen einreichen lieh. Er hat damit kein Glück gehabt. Dagegen wird die Familie W u l f m e y e r geschichtliche Bedeutung bekommen, die für sich ihre eigene Liste ausstellt und sich gegenseitig wählt. Das Sndziel der deutschen Zersplitterung: jeder Familie ihr eigener Wahl- Vorschlag!
So kann daS wirklich nicht weiter gehen, und wenn der nächste Reichstag nicht stark genug ist, um von sich auS die erforderlichen Korrekturen vorzunehmen, dann muh das eben von außen her im Wege eines Volksentscheides geschehen. sonst machen wir unS mit der Uebcr- spiyung der Demokratie vor unS und vor dem AuSlande lächerlich. Denn die Geschichte hat doch auch ihre ernsten Seiten. Wir haben eS im Mai 1924 erlebt, dah für die Splitterparteien über eine Million Stimmen abgegeben wurden, die für die parlamentariiche Meinungsbildung roll!ommcn a u 6 f I e l e n. Denn nach dem Gesetz entfalt zwar auf je 60 000 Stimmen ein Mandat, auf die RcichSliste übertriebene Stimmen zählen aber nur bann, wenn auch in den einzelnen Wahlkreisverbänden unmittelbar die erforderlichen Stimmen für ein Mandat aufgebracht find. (Sine Partei also, die es in jedem Wahlkreisverband nur auf 50 000 Stimmen bringt, würde nicht ein einziges Mandat erhalten. MnD die Gefahr, bah die Dinge so laufen, ist doch recht groß, wenn man sich vorstellt, dah allein sieben Auswertungslisten, vier Bauernliften und drei völkische Listen vorliegen. au denen noch zahlreiche andere kommen, die überhaupt nur lokale Bedeutung haben. Das Ergebnis kann auch hier wieder sein, dah Hunderttaufende von Stimmen einfach ausfallen, und zwar nur im bürgerlichen Lager, denn die Zerfplitterung sc.bst bei den Kommunisten ist nicht entfernt so grob. Den Schaden hat also das Bürgertum im ganzen zu tragen, selbst dann, wenn es gelingen sollte, dah die eine oder die andere dieser kleinen Gruppen ein oder selbst mehrere Mandate bekommt. Sie sind in dem Parlament der Fünfhundert doch zur Ein - fluhlosigkeit verurteilt. Wer es also mit seinem eigenen Interesse gut meint, muh schon diejenige der groben Parteien suchen, die seiner Ausfassung am nächsten steht. Denn da hat er wenigstens die Möglichkeit, dah feine Anschauungen im Rahmen dieser gröberen Fraktion sich auch gefeygeberi'ch auswirien können.
Die Deichswahlvorschläge.
Berlin. 8. Mai. (WTB ) Der Reichswahl- auschuß tagte am 7. d. M., um über Die Zulassung - Der beim Reichswahtteiler eingegangenen Reichowahlvorschlage zu beschließen. Die vorn Reichswahlleiter mit Zustimmung des Re chs- mimfters des Innern bereits vor längerer Zeit festgesetzte und bekanntgegebene Rummerfolge der Rcichswahloorschläge Rr 1 bis 16 war Gegenstand einer längeren eingehenden Besprcchurg Der Reichswahlausschuß trat, trotz grundsätzlicher Bedenken. mit Stimmenmehrheit der Anordnung des Reichswahlleiiers bei. Zugelassen wurden vorn Reichswahlausschuß insgesamt 31 Reichswahloorschläge. Die Parteibezeichnung mit den vom Reichswahlleiter endgültig festgesetzten Nummern lauten:
1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands.
2. Deullchnotionale Volkspartei,
3. Deutsche Zentrumspartei.
4. Deutsche Volkspartei,
5. Kommunistische Partei,
6. Deutsche Demokratische Partei.
7. Banrische Volkspartei.
8. Linke Kommun sten,
9. Reichspartci des deutschen Mittelstandes (Wirt- fdjaftspariei),
10. Nationalfozialistifche deutsche Arbeiterpartei (Hitlerbewegung),
11. Deutsche Bauernpartei.
12. 23ölti(d) nationaler Block,
13. (Bleibt offen).
14 Landbund.
15. Chnstlichnatlonale Bauern- und Landvolkpartei.
16. Dolksrechtspartei (Reichspartei für Dolksrecht und Slu’uHrtung),
17. Evangelische Volksgemeinschaft (Evang. Partei Deutschlands).
18. Reichopartei für Handwerk, Handel und Gewerbe,
19. Unabhängige sozialdemokratische Partei Deutschlands.
20. Dolksblock der Inflationsgeschädigten (Allgemeine Volksrechtspartei).
21. Deutsche Haus- und Grundbesitzerpartei.
22. Rationale Minderheiten Deutschlands.
23. Alte sozialdemokratische Partei Deutschlands,
24. Unpolitische Liste der Kriegsopfer, Arbeits-In- validen und Unterstützungsempfänger (Volks- wohlfahrtspartei),
25. Deutscher Reichsblock der Geschädigten.
26. Auswertungs- und Aufbaupartei.
27. Reichsarbeitsgemeinfchaft für Dolksrecht und Aufwertung.
28. Christlich-soziale Reichspartei,
29. Deutsch soziale Reichspartei,
30. Sächsisches Landvolk.
31. Partei für Recht- und Mieterschutz.
32. Evangelischer Dolksdienst (Christlich-soziale Ge- sinnungsgemeinschnft).
Die Rümmer 13, die für den Reichswahlvorschlag der Deutsch-Hannoverschen Partei vorgesehen war, fällt aus, da von dieser Partei ein
ReichswablVorschlag nicht eingereicht worden ist. Die Romen der Bewerber auf den Reichsparteiwohivor- schlagen werden am Dienstag. 8 Mai d. I., im Reichsanzeiger veröffentlicht werden.
Rur 29 Parteien in Preußen.
Berlin. 9. Mai. (Prlv.-Tel.) Gestern nachmittag trat unter Dorsitz deS LandeSwahllciterS der preußische LandeswahlauSfchuh Aufammen. Der Ausschuß, der wie der Reichswahlausschuß auS je einem Mitglied der stärksten Parteien des Landtages besteht, legte endgültig die Dummern- folge der zugelafsenen Landeslistcn fest. Der Dorfitzende machte die interessante Feststellung, daß im Jahre 1921 zwölf Parteien, im Jahre 1924 sechzehn Parteien und zu den diesjährigen Wahlen insgesamt dreißig Parteien Wahlvorschläge eine c reicht haben. Gemäß den Dom LandeSwahlau^schuß gelabten Beschlüssen weisen die Listen 1 biS 16 bie gleiche Reihenfolge auf to i e im Reiche, wobei allerdings einige der im Reiche aufgeführten Parteien in Preußen fehlen iDayerifche Dvlkspartei und Landbund). Die Dummer 13 die der Deutsch- Hannoverschen Partei Vorbehalten war, bleibt, eben!" wie im Reiche, offen, da die Partei keine Liste eingereicht hat. Insgesamt sind auf der Liste sünfunddreißiq Dummern aufgeführt, da aber einzelne Splitterparteien weggefallen find, bestehen in der Tat nur neunundzwanzig Listen.
Kür und wider Giresemann.
Kreyiaghs Kritik.
DreSlau. 4. Mai. (Sil.) Auf einer deutsch- nationalen Wahlversammlung sprach F r e i h e r r von Zreytagh-Lorlnghoven über Außenpolitik. An den Beispielen der Türkei, Ungari« und Oesterreichs demonstrierte er Die außenpolitischen Möglichkeiten nach dem Zusammenbruch. Der Redner führte u. a. au«- Die Türkei ist unter ganz besonders günstigen Umständen den Weg d.r kriegerischen Be reiung gegangen. Ungarn führt den Kamps auf diplomatischem Wege und hat erreicht, daß die englische Prrsse sich für die Revision deS Dertragcs von Tria ivn eingesetzt. Oesterreich hat sich in das neue Machtegesetz eingegliedert. Deutschland ist trotz seiner wirtschaftlichen und kulturellen D d uting leider denselben Weg gegangen, anstatt dem Beispiel Ungarns zu folgen. DaS Dawesablommen. Lor rio und Genf find die Etappen zu fein r Eingliederung. 3m Völkerbund ist eS forg.ältig bemüht, mit Frank- reich zusammenzugehen. Kennzeichnend Da,ür ist. daß es für die Wahlen Polens und Belgiens in den Rat stimmte. Trotzdem lehnt Frankreich jedeS Abkommen ab. und Tr otrefemann selbst hat zugegeben. Dari die D r tändigungspolitik seit eineinhalb Jahren .eingefroren" sei. Cr erwartete einen Umschwung von den französischen Wahlen. Dun haben diese, wie vcr- auszusehen war, einen Sieg PoincareS gebracht Hält er jetzt noch an seinem Optimismus fest? Im übr gen behauptet er. niemanb habe ihm einen anderen Weg gewiesen. Das ist u r chiig. Soweit ein außenpolitisches Programm sich oh: e Schaden für die Sache ö entlich entwickeln lä7>t. ist das geschehen. Wiederholt ist von nationaler Seite, besonders auch von mir aus die Notwendigkeit hingnviesen worden, statt der Poli.ik der Un erwerung und Eingliedern g eine Politik der Befreiung zu füLr: i. Dicht die aussichtslose Der-, ftänoigu g mit Frankreich anzustreben. sondern mit den Staaten Fühlung zu neunen, die selbst im Gegensatz zu 'Frankreich st hrn. An erster Stelle ist unter diesen Staaten 3 t al i e n zu nennen. Wenn- zwischen ihm und uns Südtirol steht, bann steht zwischen unS und Frankreich mefrr.
Rheinbabens Antwort.
Breslau. 4. Mai. (TU.) 3n einer Wahl- Dcriommlung der Deutschen DollSpart.i b. d;äi- tigte sich Staates r tär z. D Freiherr von Rheinbaben u. a. mit den A.ngri icn_ des deutfch..atio alen Pro essors Freiherrn von Frcy- tagh-Lori ghoven ge^en die Austenpolltil Strese- manns Herr v. Freytagh erweitere diele Kritik ins Srn idfätzliche und habe wiederholt offene 2lblekr von dem Versuch einer Derständ.gung mit Frankreich und statt dessen ein Bündnis mit Italien empfohlen. Dag gen müffe angc- führ werden, daß die Be'olgu g solcher Rezepte Das politisch Törichteste wäre, was die deutsche Außenpol.til im Auge blick tun tonne. Was dem neuen Reichstag au t>rm Gebiete d:r Au en- Politik o:r allem obliegen wird, werde Die große Auseina d rs ryung mit uns.ren Är.eg «gläubigem über eine Revision der Daweslaften in Berbi '.Dung mit dem Problem Der interalliierten Schulde i f in. Auch die Deutschnationalen seien für Herabsetzung und endgültige Begrenzung der deutschen Zahlunaerr. Koirnen ihre Anhänger aber ernstlich glauben, in den bevorstehenden schwi rigen internationalen Derhand- lungen ein für ZX:utfch'.and günstiges Ergebnis zu erzielen, wenn sie in gleichem Atemzuge der
diese Derhandlungspolitik jahrelang mühsam vorbereitenden Außenpolitik erneut Kampf anlagen? Kommen sic gar nicht auf den Gedanken, daß Mussolini Deutschla d vielleicht zum Zwecke der eigenen italienischen Politik des sacro egoismo benutzen werde, um nämlich in Der italienisch- französischen Rivalität Deutschland gegen Frankreich auszuspielen? Zu Kanne- gie^creien und Experimenten hätten wir Deutschen in unserrr heutigen Lage aber in keiner politischen ob r wirtschaftlichen Frage ein Recht, am allerwenigsten aber in bet demnächst für unS wichtigsten, der Außenpolitik.
Der Prozeß gegen die deutschen Oonez-Zngenieure.
Ter Inhalt brr Anklaqcfchrist.
Moskau, 8. Mai. (prlo.-Iel.) 3n der Anklage- fchrift gegen die ver-, asteten deutschen Ingenieure wird ausgeführt, als Zentrum der Sabotagcorganl- fation erscheine Charkow. Aus individuellen Beziehungen einzelner Ingenieure zu den früheren (Eigentümern habe sich eine planmäßige Organisation entwickelt, der ausländische Firmen Geld und Instruktionen zuleltcten. Hieraus sei die mangelhafte Rentabilität und unzureichende Ausnützung des Donezgebietes herzulei- ten. Die konspirative Absicht liege zutage. (Es sei der Versuch gemacht worden, diese Tätigkeit auch auf andere Industriegebiete ouszudchnen. Der Angeklagte kasarInow. der Leiter der Einfuhr- ableilung des Donugoitrustes, fei während eines Aufenthaltes In Deutschland mit einer Re.he von Jirmen in Verbindung getreten und habe von einer Jlrma 8000, von eir.ee anderen 7000 Mk. erhalten. Die ausländischen Firmen hätten planmäßig mit einzelnen Mitgliedern der Organisation Verb ndungen unterhalten und hätten den Saboteuren Belohnungen gezahlt. Die deutsche Firma Rnah (?) habe mit einem Mitglied der Organisation namens Glehki einen Vertrag abgeschlossen und erreicht, dah untaugliche Maschinen angenommen wurden. Dafür seien 2500 Rubel gezahlt worden. Badstieber habe willentlich dem Schachtleiter auf Anwe jung seines Vorgesetzten Sechold Bestechungsgel der gezahlt. Dadurch sei erreicht worden, daß untaugliches Maschinenmaterial (Eingang sand und die Wirtschaft der Sowjetunion unterwühlt wurde. Badstieber habe außerdem unmittelbare D I - rc.lloen aus dem Ausland erhallen. Otto habe frajarinoro nach fe uer Rückkehr aus dem Ausland „konspirative Schriftstücke übergeben. (Es wird aus den Zusammenhang hinge- wiesen, der zwischen den gegenrevolutionären Handlungen und der russischen Abteilung der A C G. bestehe, wo ein Bruder des Angeklagten Baschkin, ein russischer Emigrant, arbeitet. Diese russische Abteilung wird geradezu als der Mittelpunkt der gesamten Verschwörung bezeichnet. Direktor Blrimann w rd beschuldigt, einen bestimmten Prozentsatz aus den Bestellungsgewinnen der Verschwörerorganisation zugesichert zu hoben. Ausfallend erscheint hierbei, daß unter solchen Umständen Bleimann vor kurzem von russischer Seite die (Einreiseerlaubnis nach Rußland erhalten Hal. Otto und Maier wird oorgeworsen, daß sie aus Grund von Beratungen
bei der AEG., die Verschwörerzwecken gedient hätten, nach Rußland abfommanblerl worden seien. Magner habe das dem Angeklagten Baschkin milgeteilt, der von Maier Untcrwe.sung erhallen Hobe, wie eine ausgestellte Turbine beschädigt werden könne. Für die Vornahme der Beschädigung habe Baschkin von Maler 500 Rubel Belohnung erhalten. Maler bestreitet nicht, eine solche Zahlung geleistet zu haben, erklärt jedoch, ste sei nicht zu Sabotagezwecken bestimmt gewesen. Otto soll nach der Anklageschrist während des Krieges als Spion in Rußland gewesen sein: auch wird seine Zugehörigkeit zum „Stahlhelm" hervorgehoben.
Die Verhandlung des Prozesses beginnt voraussichtlich am 15. Mai vor dem Obersten Gerichtshof, der Im Großen Saale des GewerkfchaftLhnufes unter Vorsitz MnschInskIs, des P ftors der Moskauer Universität, tagen wird. Man rechnet mit einer einmonatigen Dauer /des Prozesses. Die Anklage wird durch die Staatsanwälte firtjlenfo und Roginski vertreten. Den Verteidigern sind die Un- terfuchungsergebnisse mllgeteilt worden.
Oer Colmarer Auionomistenprvzeß.
Tolmar, 8. Mol. (WTB.) Die Dernehmung des Pclize-kornmlssarS Dauer wurde forige cOt. Gr beharrt dabei, daß Frau AgneS Eggern a n n bei der Defchasfung größerer Geldsummen auS der Schweiz behilflich gewesen sei. Die Angeklagte habe ihm gegenüber im Derhbr keine hinreichende Auskunft über die Motive ihrer AuSlandreisen geben können. Dasselbe treffe für Abb6 Faßbauer zu. der u. a. in der Zeit von Mitte September bis Dezember 1926 in Kiel, Freiburg und München gewesen fei. Daran Zorn v. Bulach fei zwar der angebliche Eigentümer der Zeitung .Die Wahrheit" gewesen, aber in Wirtlichkeit habe die'cS Blatt Ley gehört, der nach seiner Verurteilung in Frankreich und nach seiner Begnadigung nach Freiburg gegangen und In den deutschen Spionagedienst getreten sci Er ha'e Zorn v. Bulach für Die .Wahr^it' QIn'D. i- fungen gegeben, des Inhalts, die Haupt ad)t fei, daß bei künftigen Wahlen einige Autono- niiflcn in die Kammer einzögen. Das Programm müsse sein, erst DolkSabstimmung und dann ein unabhängiges ® I f a t* Vie Die Schweiz.
Als der Zeuge aus einem Artikel der „Mahr- heit" eine besonders scharfe Stelle verliest, wendet Rechtsanwalt Peter ein, dah solche Artikel auch von Polizeispitzeln geschrieben worden se:en, worauf Zeuge Bauer mit den Achseln zuckt. Rechtsanwalt Beter erklärt bann, diese Stelle habe der Po- uzeifpitzet und Sprachlehrer Fromag-ot geschrieben und Bauer habe ihn durchgesehen.
Dann sprach Zeuge Bauer davon, daß im Elf aß ein Film über Schwuryerichtsverhandlungen und Verurteilungen von Elsässern ausgenommen worden sei, der für bie Wochenschau der „Phöbus- Filmgesellschaft" bestimmt gewesen sei.
_ In der Rachmittagssitzung teilt Rechtsanwalt Fournier mit, daß die Anwälte an den Justiz- m i n i ft e r eine Mitteilung gerichtet haben, in der sie gegen die Beschränkung der Rechte der D e r t e i d i g u n a , die protokollarisch fcftgelegt sei, protestieren, sowie bei dieser Gelegenheit auf den Abbruch des Verhörs der '21 n p r . floaten und auf eine Zusammenarbeit zwischen dem Zeugen Bauer und dem Vorsitzenden bnnxi|en, während von Komplotts gegen die Sicherheit des Staates nichts zu hären sei. — Polizeifommissar Bauer spricht dann weiter. Er kommt auf drei weibliche Perso- j nennamen zu sprechen, an bie Briefe gerichtet wor- : den seien. Diese seien vielmehr die Deckadresse j d o r drei Polizeiagenten aus Freiburg ' gewesen. Der flüchtige Vorsitzende der Autor.o- ! miftenpartei. Roß, habe auf diesem Wege dem | deutschen Spionagedienst Nachrichten zucominen lasten.
Der Angeklagte Ricklin
erklärt, daß Die Autonomu enbewe^ung vor Dem Kriege mit der jetzigen gar nich: z t vergleichen sei. Dor Dem Kr c je Habe eS f.^ Darum gehandelt. Der Germanisierung zu widerst eh en. jetzt handele eS sich Darum, sich Der Ausrottung Der Elsaß-Lothringer zu wider,eßen. Dann werden im Anschluß an eine Frage, welche Beziehunten R (firn zu Ley und Muth gehabt habe, zwei *2: c e Leys aus Fre butg vorn Jahre 1926 an Ricklin verlesen, m denen es heißt: „Wir sind ein deutscher Stamm, wer sich besten schämt, ist ein Verräter am Blute seiner Däler. Ich verlange, daß die vrrru'enen Hunde, die versucht ha.e.i, mch durch 29 Monate Haft langsam und grausam au morden, vor Da5 Straßburger Schwurgericht ge teilt w-.r.en, und zwar wegen erwiesenen Mo.dversuchS. Ich verlange "om Staa s^er.chtsho des autonomen E.sah meine voll Rehabilitierung." Ricklin verwahrt Dagegen, Daß man ihm die einseitige Korrespondenz Leys zum Dorwurf mache, Denn Ley sei durch 'e ne lange Ha'1 nicht mehr normal. Auch die Derteidigung erklärt, man könne Leh nicht ernst nehmen. Ricklin erklärt noch, er ver-


