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traut S biS 15, Rotkraut 15 bis 25. gelbe Rüben 10 bid 20, rote Rüben 10 bis 20. Spinat 20 bis 35, Unter Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 25, Rosenkohl 40 btS 60, Feldsalat 103 bis 120, Tomaten 30 bis 40, Zwiebeln 12 bis 20. Meer­rettich 50 bis 150, Schwarzwurzeln 40 bis 63, Kartof eln 5. Aepfel 20 bis 40, Dirnen 10 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 50, junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 103 bis 120, Gänse 90 bis 120, Rüsse 63 bis 83 Pf. das Pfund: Eier 17 bis 18, .Blumenkohl 63 bis 120, Endivien 10 bis 20, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 53 Pf. das Stück. Wirsing der Zentner: 10 bis 12 Mk., Weißkraut 6 bis 7, Rotkraut 12 bis 15, Aepfel 20 bis 35, Birnen 10 bis 20, Kartoffeln 3,80 bis 4,50 Mk.

Rücktritt

des Offenbacher Oberbürgermeisters.

WSR. Offenbach a. W.. 7. Dez. Ober­bürgermeister Granzin hat mit der Sladt- vervrdne e -veisammlu: g Vrrhandlunacn eingelei­tet, um seinen Rücktritt von seinem 21 int zum 1. Januar 1929 zu ermöglichen. Wie die Offenbach. Ztg." mitteilt, soll Oberbürgermeister Granzin die ßd.ung einer Wohnungsbau- Äktiengesellschaft in Frankfurt a.M. übemeh.nen, deren Hauptatlivnar die S.adt Frankfurt ist.

" Allgem. Deutscher Frauenverein, Ortsgruppe Gießen. Dieser Tage hielt, wie man uns berichtet, die Ortsgruppe Gießen des QlUgem. Deutschen Frauenvereins ihre Mo­natsversammlung ab. Die Vorsitzende begrüßte die 2lnwesenden und machte einige geschäftliche Mitteilungen. Zur Einführung in die von chr geschriebene RovelleDer Kinderfreund", sprach Frau Frieda K l e w i h über die Entstehung und 2Iusbreitung des Bolschewismus in Ruß­land. Sie betonte, daß gerade Frauen und Kin­der am härtesten von den Folgen der politi­schen Zustände getroffen werden. Die gelockerten Ehegesetze, die leicht erreichbare Scheidung und die nur einjährige Unterhaltungspflicht von feiten des Mannes haben bisher dem Staate eine große Zahl schutzloser Kinder aufgebürdet. Seit 1927 werden die Eheschließungen wieder amtlich registriert. 2lus Mangel an Geld und Wohl- sahrtseinrichtungen wird in keiner Qöelfe für die Unterbringung und Erziehung dieser Schutz, bedürftigen gesorgt. 2lls Illustration zu den geschilderten Verhältnissen brachte sodann Frau Klewitz ihre Rovelle zum QSortrag. Es ist nicht möglich, auch nur annähernd das ergrei­fende Bild wiederzugeben, das die Verfasserin von dem Kinderelend in Rußland entworfen hat. Die Stadtväter einer Gemeinde sind ver­sammelt, um darüber zu beraten, was mit den obdachlosen, verwahrlosten Kindern geschehen soll. Grausame, sinnlose Vorschläge von Hinmorden und Verderben werden gemacht, ohne zu einem Ziei zu führen. Da plötzlich erscheint eine Apostel- gestalt Im Saal mit dem Ruf: Lasset die Kind­lein zu mir kommen? Er will der ohnmächtigen Versammlung die Sorge für die Schutzbedürftigen abnehmen. Rur soll die Stadt die ausgehunger­ten, zerlumpten Kinder ihm gesättigt und ge­kleidet übergeben. 2lm Leninstag führt er dann der große Schar der Kleinen, die, von Hoffnung und Glaube beseell, ihm vertrauend folgen, hinaus in die Steppe, wo sie gemeinsam mit ihm unter der sanften Schneedecke hinschlummern zu einer ungewissen Gewißheit, die Rettung und Erlösung für sie bedeutet.

** Vortrag von Pater Wasmann. Der Vorsitzende Des akademischen Bonifatiusvereins konnte ein oollbesetzes Haus begrüßen, als er am Mittwochabend die Versammlung eröffnete, in der der Biologe Pater Wasmann überDie Ent­wicklung des Darwinismus in den letzten 50 Jah­ren" sprechen sollte. Der Vortragende erläuterte zu­nächst den Begriff Darwinismus", und bezeichnete ihn als die von Charles Darwin begründete Theorie von der Entstehung der Arten durch Zucht­wahl. Man habe den Darwinismus oft verwechselt mit der Abstammungslehre. Das sei eine falsche Verallgemeinerung gewesen. Die schlimmste Verall­gemeinerung habe der Darwinismus durch Ernst Haeckel, den Begründer des Monismus, erfah­ren. Die Lehre Haeckels habe viel Anklang gesun- den, besonders in den Kreisen, denen die christliche Weltanschauung nicht mehr bequem war. Es sei kein .Vorteil für die Abstammungslehre gewesen, daß sie auf diese Weise mißbraucht worden f;i, denn alle konservativ gesinnten christlichen Kreise seien abgestoßen worden: in Wirklichkeit lasse sich die Abstammungslehre sehr gut mit der christlichen Weltanschauung vereinigen, denn es sei vernünftig, zu glauben, daß Gott eine entwicklungsfähige Welt geschaffen habe. Jeder, der die Abstammungslehre auf den Menschen anwende, müsse sich klar darüber sein, daß dies Verfahren hypothetisch sei. Die tie­rische Abstammung des Menschen sei nicht erwie­sen. Die Theorie könne aber nicht abgelehnt wer- oeru Abzulehnen sei aber eine geistige Entwicklung des Menschen aus dem Tierreich. Es fei eine der schwierigsten zoologischen Fragen, zu bestimmen, wann der Mensch in seiner fetzigen Daseinsform geworden ist. Vom naturwissenschafllichen Stand­punkt aus könne diesen Zeitpunkt niemand be­stimmen. Wer sich die tatsächlichen Ergebnisse der Forschung immer vergegenwärtige, könne nie in Konflikt mit den übernatürlichen Offenbarungstat­sachen kommen. Alles, was erforscht wird, werde, wenn es wahr ist, vereinbar fein mit der christlichen Weltanschauung. Nachdem der Vortragende gewisse Zusammenhänge zwischen dem Haeckelschen Monis­mus und dem heute in Rußland herrschenden Kom­munismus beleuchtet hatte, kam er im zweiten Teil seines Vortrags auf die Frage zu sprechen, welche Stellung heute die Wissenschaft dem Dar­winismus gegenüber einnehme. Er hob hervor, daß die Theorie Darwins in wachsendem Maße Widerspruch erfahren habe. Insbesondere sei durch die Forschungen des Biologen Mendel In der Vererbungslehre ein Umschwung In den Auffassun­gen eingetreten. Mendel habe festgestellt, daß es in der Hauvtsache innere Ursachen seien, die die Entstehung der Arten bestimmten. Die Zuchtwahl spiele natürlich dabei auch eine gewisse Rolle. Durch Beispiele aus dem Leben der Ameisen belegte der Redner seine Behauptungen. Nachdem der Vortra­gende gezeigt hatte, welchem Wechsel die Anschau­ungen über die Lehre Darwins unterworfen waren, betonte er zum Schluß, daß der Fehler, den man setzt so häufig mache, die Lehre Darwins als wert­los hinzustellen, ebenso groß sei, als der, als man seinerzeit glaubte, eine Wettanschauung darauf auf­bauen zu können. In der Aussprache stellte Pro­fessor Dr. Messer einige Fragen, auf die der Redner antwortete.

Das Ehrenmal für die Gefallenen der Gießener llniversiia'i.

Als am 24. November in unserer Universität die Hülle von der mächtigen Bronzetafel fiel, welche die Namen der 320 im Weltkrieg Gefallenen trägt, war ein ernstes, ergriffenes Schweigen: die un­mittelbare Wirkung dessen, was das Denkmal aus­sprach, aber auch dem Bewußtsein des Beschauers entrückt die Wirkung einer hohen künstlerischen Leistung: Harmonie und Größe. Die Gießener Stu- dentenschaft hat mit der Stiftung des Werkes nicht nur ihre Toten, sondern auch sich selbst geehrt.

Ursprünglich war ein plastisches Denkmal vor dem Vorlesungsgebäude geplant, bis der Entschluß reifte, im Innern des Hauses ei ne Ehrenhalle einHeiligtum des Gedächtnisses, zu schaffen. Dieser Gedanke führte auf das Symbol der Grabvlatte, wie schon die Antike sie verwandte. Im Frühsahr wurde der Gedanke in die Tat umgesetzt. Der damalige Rektor magniücus, Prof. Rosen­berg, gewann den Münchener Maler und Archi­tekten Fritz S ch e r b a u m für die künstlerische Ge- staltung des Ehrenmals. Auftraggeber war die Studentenschaft selbst, vertreten durch zwei rührige und der Sache mit dem Herzen dienende Kommili­tonen, cand. theol. Schmidt und casd. jur. Bergmann.

In Rymobenburg bei München, in dem berühm­ten Rokokoscyloß der bayerischen Kurfürsten, ging es alsbald ans Werk. Fritz Scyerbaum hatte dort, im sog. Knabenbau, sein Atelier. Nachdem der Plan im einzelnen festgelegt und die Größenaus­maße bestimmt waren, entwarf er die Schrift, welche die 4,20 Meter breite und 2,40 Meter hohe Platte bedeckt. 3800 Buchstaben wurden negativ in Gips geschnitten, dann aus diesen Formen eben­falls in Gips abgegossen und gesetzt. 3800 nut der Hand gearbeitete,persönliche" Lettern, von denen keine völlig der andern gleicht? Nur so aber kommt jener einzigartige, die Zeiten überdauernde Eindruck zustande, der jeder Fabrikarbeit versagt ist. Kurz vor der Ausführung hatte Fritz Scherbaum Gelegenheit, im Nationalmuseum zu Neapel und auf dem Nürnberger Johannesfriedhof sich in den geheimnisvollen Rhythmus der antiken Schriften zu vertiefen. Unter solchem Einfluß faßte er auch den glücklichen Entschluß, die Namen nicht in geteilten Kolumnen, wie die Spotten einer Zeitung, sondern

auf ungebrochener Zeile aneinander zu fügen. In klassischer Große ziehen die Tapferen so noch ein­mal gleichen Schrittes an unferm Blick vorüber wie damals, als sie (S^iiacn 7rei96[zevo'. zum Tode gingen.

Aus der Nymphenburger Äünfllerwerkstall wan­derte das Gipsmodell der Platte in die Erzgießerei Ferdinand v. M i l l e r s, aus welcher die Münchener Bavaria und viele andere Monumentalwerke her- Dorgegangen find. Gleichwohl blieb der Guß der Platte eine Aufgabe, die selbst mit neuzeitlichen Mitteln an die Grenze des Möglichen rührte. Acht Wochen nahm diese Arbeit in Ansvruch. Und wei- terc vier Monate erforderte das Ziselieren, das un­ter dauernder Ueberwachung des Künstlers ausge­führt wurde. Eine besondere Schwierigkeit bedeutete sodann das Verbinden der einzelnen Telle, da "ich nicht schweißen läßt, sondern mit größ- satt zusammengehämmert werden muß. Die Aatte hatte ein Gewicht von 30 Zentner. Für die Fahrt von München nach Gießen mußte sie auf einen eigenen Güterwagen verladen werden. Zehn Mann bewältigten ihre Aufftellung an der für sie bestimmten Stätte.

Ihr Ernst, ihre Größe, chre erschütternde Sprache zwangen dazu, auch den Raum, der sie aufnahm, würdig umzugestalten. Der Sockel aus Lindenfelser Granit, der den Wahlspruch trägtLitteris et armis ad utrumque parati', konnte nicht, wie es in der Absicht des Künstters gelegen wäre, aus einem Stück hergestellt werden: er weist darum in der Mitte eine feine Nahtstelle auf. Durch geeignete Vorhänge, eine vornehme Deckenbeleuchtung und einen ruhig blauen Deckenanstrich wurde die Weihe des Raumes gehoben. Ein besonders glücklicher Griff war es auch, die beiden schon vorhandenen, ausgezeichnet schönen alten Bronzeplatten aus ihren Stuckrahmen herauszunehmen und frei der Wand aufzusetzen. So ist der kleine Vorraum zur Aula selbst zum Denkmal, zur Ehrenhalle geworden, die profanen Zwecken für immer verschlossen bleiben sollte.

Die Universität Gießen kann sich rühmen, eine Gedächtnisstätte für ihre im Weltkrieg Gefallenen zu besitzen, wie Deutschland ihrer wenige aufzu- weisen hat. M. D.

Bronze ter Sor;

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

ED Lollar, 7. Dez. Das kommende Jahr wird für die Sängeroereinigung Lollar ein Jahr regster, aber auch verantwortungsvollster Arbeit im Dienste des deutschen Männergesanges und des deutschen Liedes sein. Groß sind die Auf­gaben und Ziele, die sich der Verein für das Jahr 1929 gesteckt hat. Neben der Beteiligung an den vom 22. bis 24. Juni 1929 in Weilburg anläßlich des 100jährigen Bestehens des dortigen Vereins veranstalteten Bundesfest des Lahntal- Sängerbundes wird die Sängervereinigung erstmalig seit chrem Bestehen an einem Gesangs- Wettstreit teilnehmen. Das 10jährige Be- stehen der Sängeroereinigung soll am 6. und 7. Juli in entsprechender Welle gefeiert werden, um die Bedeutung des Ereignisses der Verschmelzung der VereineLiedertafel" und Männergesang­vereinGermania" (dieser wiederum entstan­den durch die Vereinigung des Gesangvereins Germania" und des Mannergesangvereins im Jahre 1906) wachzuhalten. Bei den vom 12. bis 14. Juli in Darmstadt stattfindenden Bundesfest des Hessischen Sängerbundes wird der Verein durch eine Abordnung vertreten fein.

4= Mainzlar, 7. Dez. Die Schamotts- fabrik von Scheidhauer & Giebing hat unter dem Drucke der Rückwirkungen des Arbeits­kampfes in der Ruhreifenindustrie gestern den Quarzit st einbruch, den sie in der benach­barten Daubringer Gemarkung betrieb, st i l l g e - legt und die Belegschaft entlassen. Eben­falls unter dem Einfluß der verschlechterten Wirt- schaftslaae mußte in der letzten Zeit schon einer Anzahl Arbeiter des Werkes gekündigt werden. Um eine stärkere Ausdehnung der Arbeitslosigkeit in der hiesigen Gegend zu verhindern, ist in dem Betriebe der Schamottefabrik jetzt Kurzarbeit eingeführt worden.

z Rödgen, 7. Dez. Rm Donnerstagabend sand im Saale der Kleinkinderschule eine schlichte Advents feier für die Mitglieder des Frauenvereins statt. Zwei Advents­kränze mit roten Kerzen und die dielen roten Adventslich lein auf den zwei langen Tischreihen bewirkten die trauliche, hrimelige Stimmung, die notwendig ist, um die prachtvollen Bilder rrach- zuempsinden, die der Bildwerfer an die Wänd zauberte. Die Seriedas deutsche, evangelische Kirchenlied", in der Hauptsache DUder von Ru­dolf Schäfer, wurde gezeigt. Pfarrer Bön­ning gab die zum Verständnis notwendigen geschichtlichen Erklärungen und brachte manches Bild durch glückliche Hinweise dem Beschauer näher. Die Feier war eine gelungene Einftim- mung auf die Weihnachiszei'.

D Lich, 7. Dez. Die hiesige Geschäftswelt hat sich nach den guten Erfahrungen des Vor­jahres wieder in vorbildlicher Weise für eine weihnachtliche Kundenwerbung ein­gestellt. .Unter Beteiligung unserer Stadtver­waltung hat sie auf dem Adlerplatz inmitten der Stadt einen hohen, prachtvollen Christbaum aufstellen und mit elektrischer Beleuchtung ver­sehn: lassen. Der Wechnachtsbaum wird vom Kupfernen Sonntag ab bis zum 24. Dezember während der Abendstunden in buntfarbigem Lich e erstrahlen und mit seinem Glanze jung und alt erfreuen. Die Inhaber der hiesigen Laden­geschäfte haben sich mit der Dekoration ihrer Schaufenster offensichtlich viel Wühr gegeben. Jedenfalls dürften sie auf die Besucher unserer Stadt einen recht guten Eindruck machen. Am Svnktag, den 16., und Montag, 17. Dezember, findet eine von dem Gellügeizuchtverein Lich und llmgegend veranstaltete Geflügelaus- st e 11 u n g (Bezirksschau) in der hiesigen Turn­halle statt, Die; wie man hört, gut beschickt wer­den wird. Ein Besuch dieser Veranstaltung dürfte recht lohnend fein. Die Hebung der Geflügel­zucht gehört mit zu dm Aufgaben, die zu einem Wirtschaf, llchcn Wiederau: schwang Deutschlands gehören. Der beliebte Licher Weihnachts­markt (Schweinemarkt) wird am Montag, 17. Dezember, vormittags ab gehalten. Auch hier wird, en.sprechend den Ergebnissen der Vorjahre, mit einem starken Ferkelauftrieb au rechnen sein. Alles in allem hofft man, daß diese Veranstal­

tungen genügend Anziehungskraft besitzen, um einen guten Besuch unserer Stadt zu gewähr­leisten. Auf die heutige Voranzeige sei noch besonders hingewiesen.

I Hungen, 7. Dez. Der hiesige Oberamts- rich-ter Vol k wurde nach Gießen versetzt und hat bereits feine Tätigkeit daselbst auf- genommen. Die Versetzung war für die hie ige Be­völkerung eine gro£e lleöerraschung, und man sieht den geschätzten Beamten, der sich während seiner langjährigen Tätigkeit an seiner seitherigen Dienststelle eine wohlverdiente Hochschähung er» toorlen hat, nur sehr ungern scheiden. Än Dach­folger für die hiesige Oberamtsrichterstelle ist noch nicht ernannt Eine baldige Besetzung dieser Stelle dürfte im Interesse des ganzen Amts- gerichtSbezirkS als wünschenswert bezeichnet werden.

Kreis Büdingen.

I Hirzenhain. 7. Dez. Der Autobus des Verkehrsvereins Gedern hat nun­mehr ebenfalls die Arbeiterbeförderung aus den Dörfern Glashütten, Eschenrod, Win­gershausen und Eichelsachsen nach Hirzenhain aufgenommen. Die Reuerung wird insbesondere von den Arbettern aus den wett entlegenen Dör­fern begrüßt.

Kreis Schotten.

-4- Schotten, 7. Dez. Die gestern In der hie'igen Turnhalle anberaumtr »Staatsbür­gerliche Bildungstagung", von der Zen­trale für Heiniatdienst veranstaltet, war über Er­warten gut besucht Die Lehrerschaft des Kreises hatte sich fast vollzählig eingesunden. Dr. S t r e u E> e r, der Leiter der Landesabteilung Hessen, begrüßte und eröffnete die Versamm­lung. Pros. Dr. Körber (Frank, urt) verbreitete sich sodann über den deutschen Reichs­gedanken in Vergangenheit und Gegenwart, unter besonderer Hervorhebung d.r Hemmungen und Schwierigkeiten, die seiner Verwirklichung im Wege standen. 3n der Rachmittagssihung refe­rierte als erster der wirtschaftliche Ree:ent der Städtischen Werte Frankfurts, Dr. K l e i n st ü ck, über eine Reugliederung des Reiches. Seinen Ausführungen lag der Gedanke zugrunde, die Reueinteitung nach wirtschaftlichen und kultu­rellen (mundartlichen) Gesichtspunkten vorzu­nehmen, so daß 9 Reichsteile yi verzeichnen wären, die nach den Himmelsgegenden R., R.°W., W., S.-W, S., S.-O., O., Ä.-O. und Mitteideuisch'and heissen I nnhit Jeder der Telle wäre in kultur- und wirtschaftspoii.ischer Hin­sicht in sich abgeschlossen. Anschließend sprach Direktor Beckmann (Fran'.furt- ü'er de Ent­wicklung der deutschen Sozialpolitik und ihre gegenwärtige Lage. Er bejahte ihre Rotwendigkcit, ließ a:ec erkennen, baß auch noch viele Mängel und Schaden zu besei igen wären. Sämtliche Dorträg.' wurden von den Zuhörern mit großem 3nt:r J e ausg nommcn und veran­laßten eine rege Aussprache.

§ Ulrichstein, 7. Dez. Dieser Tage hat in dem Bezirk drs hiesigen Forstamtcs das Holz­fällen an gefangen. Damit ist zahlreichen Männern aus unserer Gegend wieder Gelegenheit zu einem immerhin lohnenden Reben erwerb ge­boten, der. zumal bei dem fast gänzlichen Fehlen sonstiger Lerdienstmöglichfetten in den meisten Grien des hohen Vogelsbergs, dankbar willkom­men geheißen wird. Dank dem Entg;genkom- n:e.i der Postbehörde verkehrt seit kurzem drei­mal wöchentlich je ein drittes Post- auto von hier nach Mücke und zurück. Diens­tags, Freitags und Samstags geht es um 10.34 Dorrn, hier ab. um 14.22, am Samstag wegen der Arbeiterzüge aber erst 17.30 wieder hier ern«' zutrefsen. Dem Vernehmen nach soll die e dritte Linie so lange gefahren werden, als sich der Betrieb lohnt, was bis jetzt der Fall gewesen fein soll. Hoffentlich macht die Bevölkerung von ter in ihrem Interesse geschaffenen günstigen Möglichkeit der Beförderung auch ferner recht regen Gebrauch Im Saale der Gastwirtschaft Groh wurde gestern abend der zweite Tell des FilmsDe. Weltkrieg" vorgesührt. Die zahlreiche Zuhörerschaft folgte gespannt der in großen Zügen gehaltenen und doch wieder durch viele Einzelheiten anschaulich gemachten Dar­

stellung der Erlebnisse an der Front und in der Heimat in den Jahren 1915 und 1916. Die An» grisfsfchlachten von Gortice-Tarnow und von Verdun, die Ueberwindung Serbiens und Ru­mäniens. die großen Abwehrschlachten im Westen und während der Brussilow-Offensive im Osten zogen in packenden Bildern auf der Leinwand vorüber. Es ist der K r e i s f i 1 m st e l l e und insbesondere Schulrat Kinkel zu danken, daß sie trotz des an diesem Tage herrschenden un­gemein dichten Rebels von Schotten zur Vor­führung heraus gekommen sind. Der beste Dank war wohl der glänzende Besuch der zwei Dor» sührungen von hier und von auswärts, deren letzte erst gegen Mitternacht beendet war.

* Eichelsdorf, 7. Dez. 3n dem bei Ridda gelegenen Steinbruch der Bauunternehmer Wirth von Ocer Schmitten und Drott von Ridda verunglückte gestern der 23jährige Ar­beiter Hofmann von hier. Er war beim Drechen der Steine befchästigt, hat aber wahrscheinlich einmal an der Steinklopsmaschine nach- gesehen. ob keine Störung vorhanden sei. Dabei scheint er von dem Getriebe ersaht wor­den zu sein. Augenzeugen waren nicht dabei. Man fand ihn schwerverletzt aus. Der Ver­letzte klagte über große Schmerzen und wurde auf ärztliche Anordnung sosort In die K inik nach Gießen gebracht. Dort wurden innere Versetzun­gen sestgestel t Das Befinden des Bedauerns­werten ist e r n st.

I Ober-Lais, 7. Dez. 3m laufenden Win­ter wird innerhalb der hiesigen Försterei nur ganz verschwindend wenig Holz ge­fällt. Auch die Fällungen in dem Fauerbach- Ob.-Laiser Gemcindewald halten sich in den aller- bescheidensten Grenzen. Sie haben hier noch nicht begonnen und werden innerhalb von 14 Tagen erledigt sein. 3n den staatlichen Wal­dungen werden bedeutendere Fällun­gen nur in der Försterei Michelnau vor­genommen, wo eine größere Fläche abgetrieben wird. Es werden hier allein etwa 4000 Fest­meter Holz geschlagen, fast durchweg sehr gute Buchenbestände. Die meisten der hiesigen Holz' Hauer, 28 Mann, haben bei diesem Abtrieb Beschäftigung gefunden. Bei der verhältnismäßig sehr großen Entfernung zur Arbettsstätte be­grüßen sie es sehr, daß sie wenigstens morgend den Autoomnibus benutzen können, der sie bis in die unmittelbare Röhe der Holzhauerei bringt. Die in den letzten Jahren hier er* stellten Reubauten haben, soweit es sich um Wohnhäuser handelt, fast ausnahmslos ihren Platz an der Straße nach Ginter-Lais gefun­den. Da hierdurch das Dorf sehr auseinanderge- zogen wird, ist für die für nächstes Jahr ge­planten Reubauten die Anlage einer neuen Straße in Aussicht genommen worden, die von der Straße nach Unter-Lais abzweigen und im Bogen das bisherige Weichbild des Dorfes nach Sübost erweitern soll, ©egenüber anderen Plänen hätte diese Straßen- führung den Vorteil, daß den Baulustigen hier umfangreiche Erdbewegungen erspart würben; allerdings ist das Gelände stellenweise feucht. Man hofft jedoch, hier durch die im Zuge der Feldbereinigung geplante Verlegung deS Dachbettes Abhüfe schaffen zu können. Wegen der im Gange befindlichen Feldbereinigung sollen die Bauplätze an dieser Stelle den Dau- luftigen wohl zugemessen, jedoch nur pachtweise übernommen werden, bis hie endgültige Rege­lung im Feldbereinigungsverfahren durch Aus­tausch oder auf anderem Wege erfolgen könnte.

KreiS Alsfeld.

L Rieder-Ohmen, 7. Dez. Hm einen all­gemein empfundenen Mangel abzustellen, wurde in unserem Dörfchen eine tägliche zweite Po ft Zustellung eingerichtet. Die längere Zett hier stationierte Bergwerksverwal­tung wird nun nach Weickartshain ver­legt, da die hiesige Grube an Buderus in Wetzlar verkauft wurde. Während des Som­mers waren Bettler so gut wie gar nicht hier und in unserer Umgegenb zu sehen. Mit Eintritt der kalten Jahreszeit werden triefe Leute nun immer häufiger. Es vergeht kein Tag, an dem nicht 4 oder 5 die Häuser besuchen, ein Almosen heisch« cd.

Preußen.

«kreis Wetzlar.

Aus dem Kreise Wetzlar, 7.Dez. Der Bezirksausschuß in Koblenz hat den Beginn der Schönheit für Birk-, Hasel» und Fa» sanenhennen auf den 18. Januar 1929 fest­gesetzt, so daß der 17. Januar der letzte Jagdtag ist.

Dillkreis.

WSR. Dillenburg. 7. Dez. Der Kreis­tag beschloß in seiner Mittwochsitzung den Bei- tritt zum EleNrozweckverband Rassau und genehmigte die Aufnahme eines Darlehens von 20 000 Mk. zur Weitergabe als Hand­werkerkredite. Ferner wurde ein Darlehen von 28 470 Mk. beschlossen, das bei der Wie«, badener Drandversichn.ungs-Anstalt für die He­bung der Feuersicherheit im Kreise auf­genommen werden soll. Einem Kreisbaudar­lehen von 73 000 Mk. tourbe gleichfalls zuge- stimmt. Ebenso wurde der Kreiszuschlag zur Grunderwerbssteuer bei dem gebundenen Besitz genehmigt.

Maingau.

WSR. Frankfurt a. W-, 7. Dez. Der Frankfurter Magistrat hat sich damtt einver­standen erklärt, daß an die bedürftigen Alt- Veteranen aus den Feldzügen 1864, 1866 und 1870/71 bzw. an D e t e r a n e n w i t w e n auch in diesem Jahr eine einmalige Winterbeihilfe in Höhe von 30 Mk. vor Weihnacht en gezahlt wird. Die Bedürftigkeit soll weitherzig geprüft und im allgemeinen dann anerkannt werden, wenn kein höheres Einkom­men als monattich 200 Mk. vorhanden ist.

Landrat v. Gilsa in den Ruhestand verseht.

WSR. Kassel. 7. Dez. Das Verfahren gegen den Landrat von Kirchhain, v. G i l s a, hat seinen Llbschluß gesunden. Durch D schlich des Staats­ministeriums ist Landrat v. Gilsa einstweilig in den Ruhestand verseht worden. Dir Frage seiner weiteren Verwendung ist noch nicht entschieden.

Wie dieÄaffeler Post" von gut unterrichteter Seite erfährt, ist Regierungsrat BeauchampS aus 2lachen zum kommissarischen Land­rat in Kirchhain bestimmt worden.