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Nr. 212 Erft« Blatt

178. Jahrgang

Samstag, 8. September 1928

Sonntags i*h 5«rtoge.

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Reichskanzler Müller fordert allgemeine Abrüstung.

Eine ausgezeichnete Rede gegen das doppelte Gesicht in der internationalen Politik.

Man feat M> Don ber Rave, die her deutsche Held)*tangier bei her allgemeinen Aus­sprache in her VölkerbundSversammlung halten wollte, eine Sensation versprochen, weil eS all­gemein alt selbstverständlich galt, bah Deutsch­land die Gelegenheit benutzen mürbe. um daS Stocken der 2 b r ü ft u ng S ve r h an d lan­gen zur Sprache zu bringen und auf die Dis­krepanz hinzuweisen, die zwischen den fachen*- triefenden Heben und den Taten der Machte deS Bundes besieht. DaS ist beim auch geschehen, und zwar mit einer Deutlichkeit, die doch viel­leicht niemanb erwartet hat. Herr Müller ist Sozialdemokrat. Sr braucht nicht erst zu ver­sichern das, er aufrichtig an die menschhftt«- beglüd'enben Ziele des Völkerbünde« glaubt, und baft ihn deshalb nicht nur politisch, sondern auch menschlich die Art. wie der Abrüftungs- gebante sabotiert wirb, mit schwerer Sorge erfüllt Sr hat seine Hebe sehr geschickt aus­gezogen. intern er auSging von bem Äcllogg- Pakt unb ben Erwartungen, die sich daran knüpfen, aber auch gleichzeitig in wirksamen Gegensatz dazu die rauhe Gegenwart stellte. Und eS war mehr als eine diplomatische Fein­heit.* # war eine sehr deutliche War - nun , . wenn er im Gegensatz zu anderen Stim­men ben Kellogg-Pakt al« günstige« Moment für die Entwicklung der Qfbrüftung in Anspruch nahm, während er für da« englisch-französische Marineabkommen nur die Hoffnung auSsprechen konnte, bah e« in der gleichen Hichtung wirke.

Der deutsche Kanzler hat sich damit zum Sprechrohr der Sorgen gemacht, die ohne Unter- schied her Parteien durch da« ganze deutsche Holk hinburchgehen. @r hat auf die innere Unwahrhastigleit hingewiesen. die darin i^steht. das) da« entwaffnete deutsche Volk bei dem geringfügigsten Anlast mit den schwersten Herbaebtigungen überschüttet und al« Feind de« Weltfrieden« hingeslellt wird, während gleichzri- tig andere Staaten ihre militärischen Machtmittel bi« an die Grenzen de« Möglichen au«bauen, ohne irgendeiner Kritik zu begegnen. Gr hat daran« bm Anspruch abgeleitet bah bet Völ - ferbunb fetzt endlich zur Erfüllung beS vertraglichen Versprechen« kommen müsse, der Entwaifnung Deutschland« die allgemeine Abrüstung nach-oigen zu lassen, nachdem Deutschland feit drei Saferen vergeblich aus den geringsten Fortschritt wartet. Er feit schlicstlich auf den Tisch de« Hause« ben formellen Antrag deponiert, dah die BnnbeSversamm- '.ung sich endgültig über die Einberufung der EntwaffnungSkonserenz schlüssig wird, so hast die technftchen Arbeiten be« Vor- hereitenben Ausschüsse« unverzsglich zum Ab- 'chlust gebracht werden. Diesei, Antrag im Po­ft erlorb verlchwinden zu lassen, wird ein Äunft- 'lück sein, das leibt Herrn Paul-Bvncour nicht gelingt. Es ist also verständlich, bah die Franzosen über die deutliche Sprache teS Kanz­ler« einigermaßen entgeistert sind. Die Diploma­ten vermeiden gern Drohrrngen. Acrr Mül - l er hat deshalb auch leine Drodung au«ge- fprochen, aber er Hit doch erkennen lassen, bah. wenn die Durchsührung der Abrüstung nicht gelingt, damit auch der Völkerbund sich selbst ein Todesurteil spricht. Er ist auch nicht so unhöflich gewesen, von der Räu­mung de« Rhetnlande« zu sprechen. 3m- merfein, wenn er daraus aufmerksam machte, dah das Vertrauen die Voraussetzung be« Völ­kerbundes sei. dah aber eine Reihe von Mäch­ten dieses Vertrauen ans Ende stellten unb vor­her ihre Machtposition bi« zum letzten auSzu- iouen suchten, so wirb jeder verstanden haben, hast dieser Pfeil auf die Des atzungSmächte gezielt war. Er hat auch getroffen, wenn wir auch nicht gl iuben. dah die Wirkungen diese« Schusses sich äuherlid? gleich irgendwie bemerk- bar machen werden.

Oie Vonnitiagssitzung.

Dens. 7. Sept. (MB.) Die Dölkerbunds- ncrfammlung ivibmetc sich heute vormittag u a. ter Beratung des vom Präsidrum aus Ver­anlassung Deutschlands. England« unb Frank­reichs gestellten Antrages auf ausnahmsweise nochmalige Anwendung der Ucbergang«beftim- mungen für die Rats wählen vom 3ahve 1926 auch auf die bevorstehenden Neuwahlen. Der ctmed dieses Antrages ist. Spanien rm Falle feiner Wahl in ben Hat als nichtständiges Hotemitglieb auch gleidfeieitig durch einen wer­teren QDablaft ausnahmsweise sofort auch da« Prädikat der Wiederwählbgrkeit zu- zuerkeirnen. Sin solcher Beschluß bedeutet da« schon zu Beginn des dreijährigen Ratsmandats ausgesprochene Privileg, nach seinem Ablauf sofort für ein weiteres dreijähriges Mandat kandidieren zu tonnen, während Imft bis zur Aufstellung einer neuen Kandidatur im Interesse des Turnus drei Jahre gewartet werden muh. Der Antrag wurde nach längerer Aussprache mit 44 Stimmen gegen vier Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Dagegen ftimmten Norwegen, Schweden. Holland unb Per­sien. Südafrika enthielt sich der Stimme.

5X1 rauf setzte das Haus die Generalde­batte fort. Der indische Delegierte. Mo­hammed Kahn, befahte sich hauptsächlich mit

bat Arbeitsgebieten be« Völkerbunde«, wie Hh- gienc- unb Opiumfragen. die für die fernöstlichen Länder besondere Bedeutung hoben. Der nächste Hcbner, Adatei-3apan, verlangte u. a. insbesondere zur liebe nm nbung wirft chastlicher Schwierigkeiten, soweit sie au« dem Hattenkamps entstehen, ein Eingreifen des Völkerbünde«. Da­nach verbreitete i*ch der griechische Gesandte tn Paris. PolitiS, üter die Bedeutung be« Kellvgg-PakteS.

Reichskanzler Müller

sprach in feiner etwa halbstündigen Hebe tn der heutigen VachmittagSi ihung der Dölker- bundSversammlung zuerst sein Bedauern darüber au«, dah Heichsminister be« Auswärti­gen Dr. Str'esemann nicht auch diesmal wie­der Wortlührer Deutschlands sein kann und führte bann au«:

Menn ich in diesem Jahre hier die Auf­fassung de« deutschen Volkes vet- mttfle, so geschieht daS in dem gleichen Geist unb in dem festen Millen, in bet Organisation be« Völkerbundes durch offene und auf­richtige Zusammenarbeit mit den an­

deren Nationen auf die Erhaltung de« Welt- frieden« hinzuwirken. Die Bedeutung be« in Pari« unterzeichneten Pakte« zur A echt ung de« Krieges ist von verschiedenen Vorrednern bereit« tn heile« Licht gerückt worden. Ich kann mich ihren Ausführungen nur au« vollster Ueterzeugung anschliehen. Die Welt sucht heute nach neuen Formen be« internationalen Geben«, toeK sie sieht, bah wir dieDinge nicht mehr allein mit ben Methoden zu meistern vermögen, auf deren Anwendung the frühere Politik tm wesentlichen beruhte.

Die Aufgabe des Staatsmannes fordert, bafj er, im engsten Kontakt mit dem Jütten bet Völker stehend, die hindernistc beseitigt, die sich der lebendigen Entwicklung entgegensetzen, und dah er vor allem dieser Entwicklung nicht seinerseits Hindernisse bereitet.

Sv erwarten den Staatsmann auch aus bem Pakte aut Aechtung be« Krieges von selbst neue Ausgaben. Ist e« uns ernst mit bem Verzicht auf eine gewaltsame Lösung von Gegensätzen zwischen den Staaten, so sind wir auch gezwungen, immer mehr daraus Bedacht zu nehmen, die Mittel für einen anderweitigen, friedtichenAuS-

Briand beim Reichskanzler.

7lun auch Besprechungen mit den anderen Besatzungsmächten.

Genf, 7. Sept. (IDIB.) In Fortführung der vorgestrigen Besprechung zwischen dem Heichskanzler und dem französischen Außenminister über die Deutschland und Jranfreid) Interessierenden Probleme stattete heute abend nach Schluß der völkerbundsoersammtung B r i a n b dem Reichskanzler im Hotel .Me­tropol" einen Besuch ab.

3m Anschluß an die heutige Unterhaltung wer­den im Lause der nächsten Tage zwischen dem Heich»- kanzter und den Vertretern der anderen Besatzungsmächte Besprechungen übet das gleiche Thema stattfinden, welche bie g e m e I n - f a m e Besprechung oorbereiten sollen.

Bach Abschluß der Besprechung trat die deutsche Delegation zu einer D e l e g a t i o n s s i h u n g zu­sammen

Eine offiziöse deutsche Mitteilung

Genf. 7. Sept. (211.) Aach der Besprechung wurde von feiten der deutschen Abordnung mit» geteilt, bah Gegenstand der ilntcrrebung bie gleichen Fragen waren, die bereits am Mittwoch zwilchen dem Heichskanzler unb dem sranzö'.schen Auhenminister zur Sprache gekom­men seien. Man habe sich im Laufe der Freitag- Unterredung daraus geeinigt. daß vor ben Besprechungen zwischen den vier Besatzungs­mächten und bem deutschen Heichskanzler zu­nächst Sinze Ibesprechungen zwischen den einzelnen Vertretern bet Besatzungsmächte und bem deutschen Reichskanzler ftattfinben sollten. Wann diele Unterredungen vor sich gehen wür­den. stehe bisher noch nicht fest. Da jedoch Lord L u s h e n d u n erst am Sonntag früh sein Week­end antrete und auch Senator Scialoja ben Samstag über in Genf bleibe, kann angenommen werden, dah He.chskanzler Müller im Lause de« Samstage» mit Tuihendum unb Scialoja zu­sammen treffen werde. Erst nach biefen Einzel­besprechungen werde dann voraussichtlich zu An­fang oder Mitte der nächsten Woche bie erste Zusammenkunft zwischen ben vier Besatzungs­mächten und 'Deutschland ftattfinben.

Ministerkonferenzen der Gegenseite.

Genf. 7. Sept (DTB.) Lord E u I fee nb u n. der heute eine Unterredung mit Driand hatte, empfängt fxutc abend den belgischen Auhen­minister Hymans. Es wird angenommen, dah diele Hnterrebungen im Zusammenhang stehen mit ben feit vorgestern abgehaltenen Besprechun­gen zwischen bem deutschen He ichSkanz- ler unb bem französilchen Auhenminister B r i a n d.

Der polnische Auhenminister Z a l e s k i stattete heute bem französilchen Auhenminister D r iand einen Belach ab. bei bem der polnilch-litauilche Streitfall unb bie zurzeit bem Hat unterbreiteten Beschwerten des Deutschen Volksbunbes in Polnisch-Oberschlesien besprochen wurden.

Conbon, 8. Sept. lWTD. Funklpruch., P e r t i n a x meidet im ..Daily Telegraph" aus Genf, m der gestrigen langen Besprechung, die zwischen Brian b. Eushendun unb Hy­mans stattfand, fei die Sage erörtert worden, bte durch das Ersuchen des Heichskanzler« um bieHheinlandräumung entstanden ist. Die genannten Delegierten wünscht n anfch inend alle, dah Verhandlungen mit der deutschen Dele­gation in naher Zukunft beginnen, feien

jedoch so sagt Per ft na? entschlossen, weder privat, noch In Qhrtocfenpeit be« Heichskanzler« ?usammenzukommen, solange der Stander nicht ormefi seine Anregungen unb Vor­schläge zu ihrer Kenntnis gebracht habe.

pariser Rätselraten.

Paris. 8. Sept. (WTD. Funkspruch) Der Donberberichterftatter be« .Pritt Paristen" be­richtet au« Genf, dah Lord Eushendun am Sonntag bem tn Air-leS-Dain« weilenden eng­lischen Premierminister Baldwin über bie Frage derH heinlanbräumung und kt? Un­terredungen B r i a n b « mir Hermann Muller Bericht erstatten wirb. Der gleiche Berichterstatter spricht von einer Konferenz in ber Frage ber Hbeinlanöraumung zu Fünfen, die aber nicht vor Montag ftattfinben könne. Der Berichterstat­ter des »Petit Journal" dagegen ist der Ansicht, dah ber Gedanke der Fünser -X on f ere nz aufgegeben worden sei unb bah man jetzt plane, dah der Heichskanzler getrennt Eushendun, Hymans und S z i a l v j a über seine Forde­rungen unterrichten werde. Der Sonderbericht­erstatter be« .Oeuvre" will erfahren haben, dah Driand aus feiner Unterredung mit Müller, Hymans und Scialoja den Eindruck ge­wonnen habe, dah niemand der beteiligten Mächte den Verhandlungen über dieRäumung des HheinlandeS Widerstand entzegensetzm werde, sondern dah im Gegenteil jeder davon überzeugt sei, dah alle interessierten «Mächte sich beteiligen werden, aber die vier Mächte seien der Ansicht, dah Deutsch­land durch entsprechende Angebote hierzu die Grundlage bieten müsse.

Rheinlandkonferenz in Paris?

London. 8. Sept. lWTB. Funkspruch.) Reu­ter berichtet au« Genf. Dort herrsche allgemein bie Ansicht, dah die Genfer Rheinlandbespre- chungen nicht enbgültiger Art seien und nur zur Schaffung einer gemeinsamen Grund­lage für friedliche V.erHandlungen führen werden, die wahrscheinlich in Pari« ftattfinben werden.

Das englisch-französische Flottenabkommen fallt?

London, 8. Sept. (DIB. Junffprutfe.)Daily Herold" meldet: Die Regierung hol beschlossen, das französisch - britische Jloltenabfom- men fallen ; u lassen. Dies wird noch einer endgültigen Besprechung, die wahrend des kvochen- ends zwischen Dremietminiflet Baldwin und Lord Eushendun ftattfinben wird, mitgeteilt wer­den. Der diplomatische Berichterstatter des Blattes bemerkt dazu, die formelle Zurückziehung des Abkommens werde die erzeugte Verstim­mung nicht beseitigen, do allgemein angenommen werde, doh das Abkommen nur ein Zeil einer gröberen Abmachung sei, die auf Wieder­herstellung einer Aalten. Militär- und diplomati­schen Entente, der Vorkriegsentente entsprechend, hinanslicse.

AuchDaiig Telegraph" nimmt cn, dah das fran­zösisch-britische Jlottenabtoramrnt o I sei und rech­net nicht damit, dah es je vor die Mbrüftungsfom- mifsion kommt. Der Hauptgrund für die Preis­gabe des Abkommens sei die Erkenntnis der Feindseligkeit, die es in den Bereinig­ten Staaten und in Italien erzeugt Hot.

gleich solcher Gegensätze zu finben 3ft es un« ernft mit bem Verzicht auf ben Äcieg so kann bas auch auf unsere Auffassung über b e mili­tärischen Machtmittel, die für ben Krieg bestimmt find, nicht ohne entscheitentei, (Sinfiufi bleiben. Da« Komitee für Schiedsgerichtsbar­keit unb S icherhe i t hat da« ihm zu- gewiefene wette Gebiet sorgsam durchfurcht und den Staaten mancherlei Wege gewielen. auf denen sie neue Friedensgarantien finden können. Deutschland kann mit Genugtuung feststellen, dah e« zu seinem Teil die Empfetzlun- gen be« Komitee« bereit« vorher durch die Verträge von Loearno. durch da« System feinet Sch ie d « ve r t r ä ge und durch die Unterzeichnung der Fakultativklausel in die Wirklichkeit umgeeQt hat. ES hat versucht, ein neue« Element in die Verhandlungen hinein- zubringen. Da« ist der Gedanke, bah. um die Kriegsgesahr zu beseitigen, e« nicht darauf an­kommt, den Krieg gegen den Krieg vorzubereiten, sondern dem Ausbruch von Feindseligkeiten vor- zubeugen. Dieser Teil der Arbeiten de« Ko­mitee« dürfte auch deute noch die Aufmerksam- ke.t der Bundesversammlung verdienen. So leb­haft fich die letztjährige VölkerbundSarbeit dieser einen Seite be« Prob.em« der Frieden»'iche ng zuwandte, so kann doch nicht daSfelbe gesagt werden von der anderen Seite de« Drob.em«, die die Unterdrückung ber Kriegs» mittel betrifft.

3d) mache kein hehl daraus, dah mich der Stand der Abrüstungsfrage mit ernster Sorge erfüllt. Wir stehen vor der unleugbaren Tat­sache. dah die langen Beratungen bisher zu keinem positiven Ergebnis geführt haben.

Sett nahezu drei Zähren tagt immer wieder die vorbereitende AbrüstungSkvinmission. Es tft aber dabei nicht gelungen, bie ber Kommission über» wiesenen Arbeiten ernsthaft tn Angriff zu neh­men. geschweige denn zu erledigen Wir waren nach den wichtigen Beschlüssen der vorjährigen Tagung zu der Erwartung bered)tigt, dah sie endlich ben Weg für bie aKbalbigc Srzielung praktischer Ergebnisse sveimachen wurden. Für ein lange umstrittenes Problem, das Verhält­nis der Sicherheit zur Abrüstung, war eine Lösung gesunden, die zwischen zwei ent­gegengesetzten Thesen einen Au-gleich schasst und so bie Gewähr für bie Erzielung prakttscl-er Re­sultate zu bleien schielt. Auch diese Erwartung ist wieder enttäuscht worden. Wa« da« lieberetnkommen zwilchen Grohbritan» n i e n und Frankreich angeht, so werde ich e« begrüben, wenn es sich als ein geeignet.-« Mittel zur Förderung des Abrüstungsproblems crtociU. Aber die Bundesversammlung darf sich heute nicht mit ber Konstatierung blofjcr Hoffnungen zufriedengeben. Ich Halle es für ihre dringendste Aufgabe, biejenigei. Beschlüsse zu sassen, bie ge­eignet sinb, derartige Hoffnungen zu verwirk­lichen. Wir haben gestern unmittelbar nachein­ander zwei sehr bedeutsame Reden gehört, die in der Frage der Abrüstung einen Kon­trast der Auffassungen zutage treten lie­hen, wie er schärfer kaum gedacht werden kann. Ich gestehe, das, e« mich dv-ft tief betroffen hat. von der einen Sette in ergreifend n. unmittelbar aus dem lieben genommenen Worten die An­zeichen und Gefahren einer ungehemm­ten HüstungSpolitik geschildert zu hören, und von der anderen Seite, wenn ich recht ver­standen habe, den Standpunkt vertreten zu schen, daß dem Abrüstungsproblem vielfach eine über­triebene Bedeutung beigemessen werde, dah es also sozusagen eine Frage zwei ten Han­ge« Jet. dah eS verfrüht wäre, unmittelbar praktische Resultate feerbeiführen zu wol­len unb dah man mit solchen Resultaten erst rech­nen dürfe, wenn bie einzelnen Staaten das ihnen noch fehlende Gefühl Der Sicherheit gewonnen hätten. Ich hoffe, aiuiefemen zu können, dah dieser letztere Standpunkt in Völkerbund nicht btc Oberhand gewinnt. Da« würde nicht möglich sein, ohne die ganzen Deschlüste der Bundesver­sammlungen der letzten Jahre zu verleugnen.

Iedensalls Halle ich mich als Vertreter Deutsch­lands für berechtigt und verpflichtet, einer sol­chen Auffassung mit der gleichen 0sfenheit die entgegengesetzte gegenüberzustellen. Ls liegt auf der Hand, dah ein Land wie Deutschland, dos völlig entwaffnet worden ist, den bisherigen 7Nih- crfolg der Abrüstungsdebatten befonbers stark empfindet.

Man vergegenwärtige sich doch einmal die Sach­lage. Ein Volk hat durch seine völlige Entwaffnung eine Leistung ganz auherordenllicher Art vollbracht. Es sieht, daß es trotzdem aber aus dem gering- ptgigften Anlaß von gewissen Stimmen dc- Aus­landes mit den schwersten Lerdachtigun- gen und Vorwürfen überschüttet und womög­lich als Feind des Weltfriedens hkngcstellt wird. Und gleichzeittg muß es feststellen, daß a n bere Länder den Ausbau ihrer mtlitä- rischen Machtmittel ungehemmt fort- setzen, ohne dabei einer Kritik zu begegnen

Die Entwaffnung Deutschlands darf n'cht länger dasteben als der einseitige Akt der den Siegern des Weltkrieges in die bände gegebenen Ge-