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Sol. Ixbtitet 'i'i I. alt In sich. Stellung, wünscht mit liebem Mädchen ob. tiitroe zwecks baldigerkei< ehellchung in Stieb wechsel zu treten. Ernligemelme 14t. Anträge unt A-si an den Sieb. Am.
NetteS Oräulein möchte geblldetkit frrrn an*, spaterer
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Nr. 185 Zweiter Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch. 8. August 1928
Gießener Stadttheater.
W L.Maughamfinden Lik. datzConstanck sich richtig verhält?"
5inbcn Sic... Huben Sie nicht...? Sin fom- liches Gefellschastsfpiel. an dem sich die manchmal merkwürdig anspruchslosen Berliner Theaterbesucher unzäUigc Abende ergötzt haben.
Wir sanden zuletzt, daß Maugham lden man wie .Mohrn" cru-fpricht) immerhin mehr Talent Aum handsesten Reiher bat. al- zur Komödie. Stücke, wie der .Regen" oder .Der Dries" geben ja wenigsten- den Leuten an die Riercn oder an- Gemüt. Aber dies hier, mit dem gesuchten und umständlichen Titel um Constance herum, ist eigentlich weder Fisch noch Fleisch.
Es ist in seiner besten Szene — im zweiten Akt — «in so effektvolles Theaterstück wie der ..Dries". Es möchte aber mehr fctn; wir lasen etwa- vom literarischen Erbe Oscar Wilde-, da- Maugham hier angetreten habe. Wir bezWeiseln auch nicht, baß er da- gewcnlt hati aber vir können nicht finden, dah es :hm gelungen ist.
Der Unterschied liegt in der geistigen Haltung sowohl wie im Still Wilde war wirklich wihtg. geistreich und non verblüffender Eleganz und Dcwcglichkext in seinem Denken und in feinen Formulierungen. Maugham aber ist — wo- jener niemals war - hier von einer krampfhaften und erzwungenen Schtaafertigkcit. die ihrerseits wiederum die wahre Komödie ausfchliestt. Denn in einer Komödie in unserem (vielleicht nicht im etiglischm) Sinne handelt es sich um Dinge des E>erzen-, welche man stockender zu verhandeln v^egt, als es hier immerfort der Fall ist. Zeden- '«I- nicht mit einer so plätschernden Geläufigkeit wahrhaft musterhaft gebauter Sätze, die man Tyxt> in der miserablen ilcbertragimg von Muni "of bewundern muh.
- ~~?5 also, baß es sich hier um eine wpteler« handelt, um einen originellen Einfall, der einige Spannung und einige recht dramatische ^^"^rupven zeitigt, der ein unterhaltsam.'s etlichen prächtigen Rollen .■ 0er aber — zum wenigsten mit Maughams für bbc Komödie verloren ist.
. bie Fabel selbst betrifft, so kann sie in d^r-^e prechung nur ebenso zur T-iskulsivn gestellt werden, wie im Stück geschieht. Finden Sie... 'tnOen Tie nicht...? Das ist eine reine Privat-
Aufruhr -er „Society".
Die .Dolf 3t4.* läht sich von ihrem Londoner Korrespondenten Rom Landau folgend.'- interessante Stimmungsbild von der Londoner .Sealon" melden
Seit mehreren Jahren bereit.« w.rd die Londoner Sealon immer w eder von einer Epidemie hetmgesucht von brr Epidemie der .Gate Crusher" .Gate Crusher auf deut ch Torstürmer, find nicht aus Sportplätzen zu finden tragen auch keine Trikothrmdä en und nackte Knie, sondern es sind jene vornehmen Ladies und Gentlemen. die sich, mit ihren bett gebauten Frack- und liebreizendsten Roben angetan, zu groben Gmpsängen in vornehme Häuser begeben, ohne eine Ginladung erhalten zu haben' in den nunsten Fällen vermuten sie auf betagtem Dall einen Freund oder Bekannten zu treffen, der über eine gütige Ginladung verfügt
Dennoch s ind London- .Gate Crusher" eine furchtbar. Epidemie, die sich über die unvorbereiteten und erschrockenen Büfett- der schmucken Dining-Room- herstürzt und jene Salate, Gänseleberpasteten und Eisbomben verschlingt, die den legitimen Gästen zugedacht waren. Dei Gmpsängen. zu denen 200 Gäste eingeladen wurden, pflegen oft doppelt soviel Frack- und Drokat- Sdichte au erscheinen den hilflosen .Hostefses"
cibt nach einem solchen Empfang nicht- anderes übrig, al» sich am nächsten Morgen auf drr ersten Seite der .ktlangen in teuren Bekanntmachungen vor ihren Gästen dafür zu entschuldigen, dast die Speisen nicht gereicht haben, und da- Gedränge beängstigend toar; aber man Hatto nur 200 .Invitation- versandt und 400 Gäste waren er- schierren.
Kein Unkraut ist gegen die Pest der Gate Crusher gewachsen. Man konnte auch nicht gut gegen sie einlchreiten, da. abgesehen davon, dah sie der Gesellschaft angehören, e- zur Londoner Sitte gehört, dast eine populäre Hostest zumeist weder weist, an wen alle- Einladungen versandt wurden, noch wer von den Cingeladenen Freunde mitgebracht batte; auch ist eS schwer festzustellen, wo der .Gate Crush" als juristischer Begriff beginnt Die meisten .Season Hostefses" kennen einen Teil ihrer Gäste überhaupt nicht, und viele der erschienenen Gäste bemühen sich gar nicht darum, ihre Hostest kennenzulernen. Kurzum, man war den .Gate CrusherS" hosfnung-lo- auS- geliefert
Da kam aber, wie ein loderndes Kriegsschwert, vom Gott der Sealon und der Ordnung nach Mayfair entsandt. Lady Sllesmere, die Besitzerin von Dridgewater House, in dem sich die bestrickendsten Raffaelmadonncn Tizianschönbeiten und sonstige Kunstunlchatzbarkeiten befinden. Zu ihrem gros.en Zahrese.npsang lud sic 300 vor- iiohme Gäste ein, aber 500 Ladies und Gent- lernen waren erschienen Zornentbrannt begibt sich die stolze Ladn auf die kostbare Marmortreppe. den ersten ungeladenen Gindringling persönlich und erbarmungslos auszuwei'en. Gin paar schlank« Geschöpfe in Tüll und Spitzen besteigen die Treppe Unbekannt. Ha. Götter der Rache hebt mir bei! Wogenden DusenS stellt sich die edle Lad» in den Weg. fragt nach Rarnen. weift den Gntsetzten die Tur. Tut- noch einmal, noch einmal in ihrem Kampfesmut Ha. welche Wollust Schwert Gotte- zu sein! Am nächsten Morgen bringen alle Gazetten die Ramen der entehrten .Gate Grusher". 3n gleicher Rächt hatte sie die Lady den Redaktiotten mitgeteilt. S- sind schöne Ramen bekanntester Societnmitglieder.
anal!
Gin Skandal, wie ihn sich die schmunzelnden Zeitungen, die vergnügten Bürger seit Jahr und Tag nicht schöner erträumen konnten. Aber die Society tobt. Die de- Saale- verwiesenen Mädchen veröffentlichen in Zeitungen Driese. in denen sie beweisen, dah sie al- Gäste eines edlen Lord- Bridgewater House betraten, andere waren überhaupt regelrecht eingeladen, noch andere, deren unschuldige Ramen die zornentfachte Peerest den Zeitungen nannte, wurden überhaupt nicht auS- gewiesen. Die Mutter einer von ihnen, die edle Lady Willoughby. erNärte der Rasfaelhostest
durch Spalten der'Zeitungen Krieg solcher Miß- gnff ki einer Ladv nicht würdig lind die Societo fpaltet tih in zwei Lager das der Antigatecrusher unter Laky Gllesnere- Führung. und da- der Freunde der Lady Wil» loughbv
Ss labt fich nicht leugnen: K ieg.
Za. Krieg.
Süße De - itantinnen nehmen Einladungen zu den verlockendsten Partie» nicht an weil die eine oder die andere der beiden Ladys irgendwie mit btr Party liiert ist vornehms e Peerv- gctiinnc.i werden zu würdigen Gmpfängen nicht
eingelaben treil sie diesen oder jenen Gatecrulher- glaubv. teilen; man Zchne det" sich und kennt sich nicht, man wird te nach dem Temperament, bei unpassendsten Gelegenheiten verlegen oder arrogant.
Gotter der Society der guten Sitte, der tadel- lolen britischen Manieren und der gefelttchatt- lichen Langeweile verhüllt euer Rn lrtz. d e Götter der freien Meinung des unverblümten Wortes der sensationellen, interessanten Part^ drohen t»u sittliche Tradition britischer Geselligleit in Stücke zu schlagen.
Die Großmacht Bleichröder.
Von her LotterielolleNion zum DelibonshauS. — Der Bankier Bismarcks und des preußifcken Staates
Von Herbert Hufanb.
Gnde Zuli beging da- weltbekannte Berliner Bankhaus Blechröder die Feier seines hundertsünsundzwanzigjährigen Bestehen-.
Al- .Wechfelgeschäli und Lotterietollektion" wurde im Fahre 1305 da- kleine Bankhaus S Blcichröder gegründet, dessen Seniot^hef Paul Hermann von Schwabach vor einigen Zähren den Vorsitz im Aufsichtsrat sieben grober a :icn sich
die 1kreinigte Königs» und Laurahütte, die Hed- wigshätle, und die Contii.enlal-'Te egraphen-^om- pan e befanden, gleichzeitig aber stellvertretender Vorsitzender in den Aussichtscäten der Deutschen Grdöl-Attiengesellschaf!. ixr Vulkan-Werke in Hamburg und Stettin, der Kamerun-Eisenbahn- aesellfchast der Reu-Guinea Compagnie und der Preußischen Zentralbodenkredit Aktiengesellschaft war unb daneben das Amt eines Mitgliedes des- Aufsichtsrates in weiteren vierundzwanzig groben Aktiengesellschaften ausübte. Ratürlich ist dieser einflußreiche Mann auch Mitglied der Handelskammer zu Berlin, und gehört zum Zentralaus- schuh der Reichsbank. Aber das sind nur die Aemler, die in der Hand des Seniorchess dieses Bankhauses vereinigt sind;' Werner von Dleichröder. ebenfalls Mitinhaber der Firma, war zur selben Zeit Vorsitzender im AuslichtSrat ;Untier Aktiengesellschasten und gehörte als stell- vertretender Vorsitzender oder als Mitglied den AufsichtSräten von sieben anderen Untemebmun» gen an.
Der junge Samuel Dleichröder. der vor anderthalb Zahrhiinderten alS Lehrling im Frankfurter Stammhaus der Rothlchrlds begann und damit wohl die beste Ausbildung erhielt, die damals einem jungen Bankbeamten zuteil werden konnte, hat wohl nie geahnt, zu welchem bedeutenden Unternehmen er den Grund legte; zu Träumereien war er viel zu nüchtern. Sein Wechselgeschäft nahm erst einen gröberen Aufschwung. alS er im Zahre 1820 die Berliner Vertretung des Bankhauses Rothschild erhielt, da- damals schon zu internationaler Bedeutung gelangt war und sich bemühte, in allen wichtigen Städten Curvpas durch vertrauenswürdige Persönlichkeiten seine Znteressen wahrnehmen zu lallen Vertrauenswürdig waren natürlich in erster Linie die Söhne des Hauses; aber die »fünf Franksurter". die in Men. Reapel. Paris, London und in Frankfurt selbst sahen, reichten für daS wachsende GeschäftSgebiet ni«cht aus, und da man Samuel Dleichröder auS seiner Frankfurter Zeit gut kannte, überliest man dem redlichen, zuverlässigen Ikmfier die wichtige Derliner Vertretung. Weltbedeutung erlangte das Bankhaus S. Dleichröder aber erst unter Samuels Sohn, dem spateren Baron Gerson von Dleichröder. der am 22.Dezember 1822 in Berlin geboten wurde. Dieser zweite Znhaber des Bankhauses, das ihm nach dem am 30. Dezember 1855 erfolgten Tod seine- Vaters gehörte, war ein Finanzgenie. Er gewann sich das besondere Vertrauen des Fürsten Bismarck, dessen Vermögen er mit Geschick unb Umsicht
verwaltete, allmählich wurde er dann auch zur FinanzieruTtg der preusttfchen Staatsgefchäfte her- angezogen. Als das preustifche AbgeordnelenhauS der Regierung in der Kontliktszeit die Gelder verweigeNe. wurde Gerfon Bieichröder im Zahre 1865 von König Wilhelm nach Karlsbad berufen, um die Preustifche Regierung darüber zu beraten. tote die nötigen Mittel für den Ausbau des HeereS aufgebracht werden lömxtcn. Zn Karlsbad wurde beschlossen, das Rückkauf-recht des preustischen Staates an der Köln -Mindener Eisenbahn für 14 Millionen Taler zu verkaufen, eine Transaktion, die Bieichröder mit grobem Geschick durchführte. Zum Dank wurde er hn Zahre 1867 zum Geheimen Kommerzienrat ernannt.
Auch in der Finanzierung des Krieges von 1 8 70 7 1 spielte das Bankhaus Bieichröder eine groste Rolle Bismarck berief den Derliner Bankier in das Groste Hauptquartier und beauftragte ihn. für die Erhebung der Äon- tribution zu sorgen, die die Stadt Paris damals zu zahlen hatte. E-s wird berichtet, day sich Bleich- röber in jenen kritischen Tagen erfolgreich für den Pariser Marquis de Rothschild eingefctzt haben soll, den Bismarck als Franctireur festnehmen lassen wollte, um eine Geiste! in der Hand zu haben — und das mußte Gerson Bleich- röber. der Vertreter der Rothschii,bfchen Hän'er war. natürlich sehr unangenehm fein. Eine wichtige Rolle spielte der bedeutende Bankier dann bei der Festsetzung der sranzösischen Kriegsentschädigung; er hatte errechnet, dast das reiche Frankreich mit Leichtigkeit fünf Milliardmi zahlen konnte, unb Bismarck glaubte dieser Rechnung natürikb gern. (Sine Anekdote, die vielleicht nut gut erfunden ist. beleuchtet die Rolle, die Dleichröder damals spielte, recht treffend. AlS Zules Favre von 'Bismarck erfuhr, dast Frankreich fünf Milliarden zahlen solle, sprang er entsetzt in die Höhe unb rief auS: .Wenn ein Mensch von Thrifts Geburt an bis aus den heutigen Tag ununterbrochen Geld gezählt hätte, so wäre bis zum FriedenSschlust noch nicht eine so ungeheure Summe durch seine Hände gelaufen.“ — .Darüber können Sie mrbesorgt sein." entgegnete BiSmarck mit einer Anspielung auf seinen Begleiter. .Dafür habe ich mir den Bankier Bleich- röber mitgebracht; der zählt nicht von Ehristi Geburt. sondern von Erschaffung der Welt an." Zn den FriedeTrsverhandlungen gelang es Bleich- röder dann, noch ein paar Millionen mehr für das Deutsche Reich herauszuschlagen, da er durchsetzte. dast die KriegSentschäbigung bis zu ihrer vollen Bezahlung auch verzinst werden müsse.
Durch da- Adelspatent vom 8. März 1872 wurde Bieichröder battn in den erblichen Abels- ftanb erhoben; es ist wenig bekannt, dast jedoch nur Gerson von Bieichröder den Titel eine- Baron- erhielt, während feine Rachkommen. die im VollSmund ebenso tituliert werden, tatsächlich nur zum gewöhnlichen Brief ade! gehören. Erst viel später ist auch die Familie feines Kompagnon- geadelt worden. 6cit dem Zahre 1847 war
nänüich auch Gerson- Detter, der spätere Xom* r.erzienrat Zuliu - Leopold Schwabach, in dem Berllner Bankhaus tätig, er wurde im Zehre 1866 Mitinhaber des Geschäftes. Dir Farn...e Schwabach ist erst am 16. 3uni 1907 txobi» hhetl worden Ader auch andere Ehren häuften sich bei den Znhabern des zu Weltruf gelangten Bankhauses. Schwabach und Bletchröder wurden brinsche GetreralkonsulS. und alS Gerson von Ble.chröder am 19. Februar 1893 starb, schritten die «chwarzau-gefchlage nc Marmortrep.-e des Trauerhause- nicht nur Vertrete, deutfcher Ye- berben unb Abgefandte grvstter mländ.fcher Un- temebmungen ernpor, sondern man sah danct^en auch die golbbetrestten Uniformen au-ländllcher Bottchafter. die im Hamen ihrer Reaieruitgen ihr Be.leid aussprachen. 3M Millionen Mark soll
haben Znzw.lchen sinh die Bleichrödere. in jener Zc.t die reichsten Bewohner Berlins, durch viele Erteilungen zu gewöhnlichen Multimillionären hinabgesunken. Gerfon- ältester Sohn, der im Zanuar 1917 verstorbene Han- von Dleichröder. übernahm die Leitung de- Bankhauses, da- nicht nur in der Anleihepolittk des Re.che- und PreustenS fowie bei bet Verstaatlichung bet preustischen Eisenbahnen eine sührende Rolle gespielt hat. sondern auch im internationalen Anleihegeschäft zu den mastgebenden Kräften gehörte. Tie (firma S. Dleichröder arbeitete mit der österreichischen. der ungarischen und der italienischen Regierung, wirkte auf dem chinesischen Aktienmarkt mit und schlost Gefchäste mit Rustland. der Türkei. Aegypten. Mexiko, Brasilien und Rumänien ab. Während man im Hause Mendel-fohn immer noch nach alter Tradition daS reine Finanzgeschäft pflegte, betätigte sich Bieichröder auch aus industriellem Gebiet, und die Entwicklung der Laurahütte. der Bergwerk-gefell- schaft Hibernia. sowie der Vulkanwerke sind eng mit der Geschichte de- Hauses Dleichröder verknüpft. da» auch an der Deutsch-Astatischen Bank, der Deut-ch-Ostafrikanifchen Bank, der Deutsch?!» Orientbaftf. der Danca Eommerciale Ztaliana. der Danque Generale Roumaine. der turkifchen Tabak-Regie und anderen Unternehmungen beteiligt war. Der Frieden-schlust brachte da- Bank- chrus um den gröstten Teil ferner au-länbilchen Besitzungen, und es mustte in ben letzten Zohren eine vorsichtige unb hartnäckige Wiederaufbauarbeit leisten. Es gelang den Znhabern, dem Deniorchef Doktor Paul von Schwabach, Doktor ZameS von Dleichröder. Ernst Kritzler, dem Münchener Kommerzienrat Martin Aufhäuser. Kurt von Dleichröder unb Paul Zuliu- vonSchwabach. in fast alle wichtigen Industriezweige e.nznbrin- gen. Enge Beziehungen verbanden bald mit den» Rorddeutfchcn Lloyd in Bremen, her Rorbstern- Verslcherungsgefellfchaft und dem Wolff scheu -Te» legraphenburean und der Deutsch-Atlantischen Te- legraphen-Gesellschaft. Wichtig finb auch die De- tctlogunflen an der Kali- unb ber Zementinbustrie fowie dve Beziehungen zu einer Reihe von Banken üi Braunschweig, in Stettin, in München und in Amsterdam.
Oberheffen.
Ziegenmartt in Hungen.
L Hungen, 7. Aug. Zu dem hier abgehaltenen Ferkel- und Ziegenmarkt teuren aufgetrieben. 468 Ferkel und 143 Ziegen Der Handel auf dem Ferkelmarkt toar infolge des groben Angebot- schleppend. eS verblieb reichlich Ueber- stand, toäbrcnb sich ber Verkauf auf dem Ziegenmarkt in mittleren Bahnen bewegte. TS kostelen 6 bis 7 Wochen alte Ferkel 12 bis 17 Mk. 8 bis 8 Wochen alle 18 bi« 22 Mk. 10 bis 12 Wochen alte 23 bi- 28 Ml. bei Stück. Ziegenböcke wurden verkauft je nach Ware bis zu 100 Mark da- Stück. Ätt dem Ziegenmarki war gleichzeitig eine Prämiierung von Ziegen verbunden, die folgendes Ergebnis bitte:
Klasse I: Böcke. 2 Zahne alt und älter: Gemeinde Utphe 1 Pr.; die Gemeinden Laubach und Linbenstruth 2.Pr.; die Gemeinden Obborn-
angelegenhe.t deS verehrl:chen Theaterbesuchers, eine Sache des Geschmack-, deS Sllicrs. des Geschlechts. der Erziehung unb. meinetwegen, der Wellan.chauung; die Beantwortung hat jedensallS mit der Beurteilung des Stückes an .ich wenig zu tun. <
Eonstance. die glücklich (ober .glücklich"! verheiratet ist. wird von ihrem Mann mit ihrer besten Freundin betrogen. Ober von ihrer besten Freundin mit Ihrem Wann; einerlei. Alle Verwandten, Freunde unb Bekannten wissen es. Unb glauben, dast Eonstance. die es ja schließlich am elften angeht, nichts ahnt. Sie ahnt es aber nicht nur. sie ipeifo es Sie deckt sogar ihren Mann samt ihrer Freundin, al- deren wutschnaubender Gemahl mit der .Reuigkeit" hereinplatzt, macht ben Tölpel glauben, er habe sich geirrt unb setzt ibn vor die Tür.
Selbst diese große Szerre mag in einer Komödie stehen; was aber nachfolgt, kann nur in einem Gesellschaftsstück stehen. Zn einem Gefellschasts- stück ist alles möglich. Zn einer Komödie mühte jetzt die Probe ausSHerz. die Probe aufs Gefühl bestanden werden. Aber es bleibt eine Spielerei, ein geklügeltes Spiel mit teohlgefetzten Worten und wohlauSproblerten Situationen. Man spürt, wie dieses Stück gemacht wurde, nicht: daß eS gewachsen ist.
Der dritte Akt liefert nach etlichen zeitgemäßen Beiträgen zur .Kameradschaftsehe" deS Richtcrs Ben Lindsay ben merkwürdigen Triumph Eon- stances und die Bestrafung ihres Hatter haften Gemahls mit dem fragwürdigen Experiment, dah Eonstance mit einem zur rechten Zeit eingetroffenen Zugendfreunde für sechs Wochen auf Reifen geht — eetsch! Und über der zum Schluß liebenswürdig ins Parkett gctoor^cnen Frage .Finden Sie. dah Eonstance sich richtig verhält?" vergaßen wohl die meisten, darüber nachzudenken. wen von beiden. Ehemann oder Zugendfreund. die wunderliche Eonstarrce denn nun eigentlich wirklich liebt. Die Beantwortung dieser leider offen« gelaßenen Frage scheint uns aber für bas Stück wichtiger zu.fein, als jener nach dem richtigen, schicklichen ober ztoecknäßigen Verhalten ber jungen Frau.
3m Rahmen einer von Löffler entworfenen, geschmackvollen 'Dekoration von angenebm-mober- nen Formen Iba» heißt ohne bic radikalen Auswüchse des Dessauer Bauhauses) hatte ber Dra-
I maturg Dr. Karl Ritter eine teohlpoinlierte I unb recht flüssige Aufführung herausgebracht, | die unseres Erachtens nur gerabc tn ber Hauptszene mit dem allzu stürmischen Austritt des eifersüchtigen Gatten jener lasterhaften Freundin bic Linie des eleganten Konversationsstückes verlor. Zhn spielte Dolck als Elefanten im Porzellanladen. zum allgemeinen Vergnügen, aber am gedämpfteren Stil des Ganzen entschieden vorbei.
Maria Koch hatte die Paraderolle der Constance. die sie schauspielerisch glänzend aus- schöpfte so umsichtig und scharfsinnig wie mit leiser Zrvnie entwickelte, daß man ganz gefesselt von soviel Grazie des Verstandes unb Ditzes die manchmal erkältende Gefühlsleere der Gestalt vergessen tonnte
Auguste Prasch-Grevenberg umgab die Rolle der Mrs. Culver mit gewinnen der Ucbcr- lezenheit. zwangloser Raturllchkeit unb entwaffnendem Humor; unb auch biefes zweite Gießener Gastspiel gedieh zu einem Erfolg von strahlender Herzlichtot.
Tannert als Constance- wankelmütiger Gatte durfte erst im Schlußakt, knabenhaft schmollend und trotzig aufgebracht, richtig aus sich herauZgehen. Arzdorf (Bernhard) wirkte zu glatt und konventionell, was aber auch an ber unglücklichen Rolle liegen mag. Lieselotte Fuhrmann hatte alS Barbara nicht viel zu spielen; Zngeborg Scherer, die Sünderin Marie Luise, war eine englische Dame, wie sie von Reynolds oft gemalt wurden. Alis Kräh - mer, die grobe Martha mit den männlichen Gebärden, eine Tochter Albions, wie man sie in deutschen Zeitschriften mit Vorliebe verulk! h<tt.
3m übrigen fanden wir das Theater für einen f»genannten Hundstag sehr gut besucht; es wurde stürmisch geklatscht; mit ben Spielern erschien zuletzt der Regisseur. Dr. Th.
Die Elaudius-Laieme.
Don Max JnngnirfeL
Der Küster soll ein närrischer Mann fein. Man erzählt sich wunderlichc Lachen von ihm. —
Damals, als er noch keine Frau unb keine drei Kmder hatte, soll er leidenschaftlich das Tanzbein geschwungen haben vom Abend bis -um Morgen-
I grauen. Auf allen Bauernbällen glänzte sein gewichster Schnurrbart. Und wenn er mit der Mor-
I gensonnc nach Hause geschlichen kam, holte er, ehe er durch die Dorf gaffe ging, ,dn großes, buntes Taschentuch heraus, sammelte Steine hinein und ging nun, als ob nichts geschehen wäre, seiner Houstüre zu. Za, er sah sogar sehr emsig und fürsorglich aus. Und wenn ibn einer fragte. „Ula, was haft du denn da, so früh am Morgen schon?"---
Dann gab er sich einen Ruck und fugte: „Ach, ich habe mir Pilze gesucht. Ganz früh am Morgen findet man die meisten." — — Za, ja, so war er.
Jetzt ist er freilich in die Zahre gekommen und hat sich eine Frau ertan.jt. An seinem Hause, das in allen Gliedern die Gicht au Haden scheint, hängt eine Uhr. Das sieht freilich (ehr extra aus; denn eine Uhr an einem Dorfhause ist wohl eine große Seltenheit —
2Iber wie das so ist: Die Uhr ist eingeschlafen. Die Sperlinge haben nämlich in das Uhrwerk, mit ötrunf und Stiel und Strohhalm, sich ihr Lumpen- lager gebaut. Und nun will die Uhr nicht weiter. Cs ift nichts zu machen mit der Zeit. Die Sperlinge wohnen darin, werden Großväter und Urgroßmutter t'arin, halten Schule darin ab und Erntefest und zum zehnten Male Äinbtaufe.
Aber das Haus vom Küster hat noch ein Wunder- t'tng an der Stirn (Eine alte Laterne, wie man sie im Zahre siebzehnhundertsoundsoviel in der Hand trug, wenn man abends durchs Dorf ging oder den dunklen Hausstur damit beleuchtete.
Und diese Zauberlaterne, sagen die Leute, soll cinftmals dem Matthias Claudius gehört haben, und der Küster soll sie auf einer Auktion gekauft heben. Wie verrückt soll er darauf gewesen sein. Den ganzen Wochenlohn soll er darum gegeben haben. Und tas alles, weil er sich bas Abendlied vom ewigen Claudius in die tiefste Seele gesungen hat:
verschon' uns Gott mit Strafen, Und laß uns ruhig schlafen.
Und unfern kranken Nachbar auch.
Da hängt sie nun, die Laterne, die Claudius-Laterne. —Und sie brennt nicht. Ganz in sich versunken hängt sie da. Manchmal ift's doch, als ob sie leuchtet, wenn die Sonne kommt oder der Mond. Und nranchmal strahlt sie auch. Das kommt davon, well sie immer noch an das alte Poctenangestcht non Claudius denken muß.


