Nr. 135 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für ©berifefleii)
Freitag, 8. Zuni 1928
Turnen, Sport und Spiel.
Westdeutschland — Güddeutschland im Zuhball 5:2.
Dor etwa 30 000 Zuschauern trafen Mittwoch abenb auf der Hauptkampsdahn im .Kölner o t a- b t o n die süddeutschen Olympiaspieler, von Amsterdam kommend, auf die durch Swa - losch verstärkte we st deutsche Pokalmannschaft. Die Süddeutschen erschienen ohne Ä a I b. Dir erste Viertelstunde gehörte klar den Süddeutschen. die auch gleich nach Beginn durch einen Hand- elfmeter xu einem billigen Erfolge kamen Dann aber wurde das Spiel durch die gute Arbeit der grünen Läuferreihe mehr und mehr ausgeglichen, jjnei Minuten vor Schluß der ersten f)alfic stellte (Euler durch Kopfstoß den Ausgleich her. Nach der Pause kamen die Bayern durch Hofmann wieder Sm Führungstor, aber die Ueberlegenheit der rünweißen war jetzt sehr deutlich. Ein prachtvoller Kopfstoß Sackenheims und ein flacher Schuß von S w a t o s ch brachten innerhalb einer Minute Ausgleich und Führungstreffer für die Westdeutschen. Die Süddeutschen ließen sich von nun an die Spielführung vollkommen aus der fianb nehmen. Eackenheim erzielte in der 6. Minute vor Schluß da» vierte Tor und (Euler stellte in der letzten Minute da» überraschende Siegesergebnis her.
Olympia-Fußball in Amsterdam.
Argentinien — Aegypten 6:0.
Am Mittwochabend standen sich im Amsterdamer Olympischen Stadion in der Vorschlußrunde A r - gentinien und Aegypten gegenüber. Wie nicht anders zu erwarten war. blieben die Südamerikaner siegreich, doch brauchten sie geraume Zeit, um sich auf die (Eigenart der schnellen Aegyp. ter einzustellen. Die ägyptische Hintermannschaft arbeitete sehr genau und sicher. Bis zur Pause lagen die Argentinier mit 3.0 in Führung. In der zwetten Spie'bälfte kam die Ueberlegenheit der Süd- amerikaner mehr zum Ausdruck, da sich der Kampf meist in der Hälfte der Leute vom Nil abspielte. Trotzdem konnten die Südamerikaner nur noch Dreimal erfolgreich fein, während die Aegypter leer aus- gingen. Mit 6:0 endete das sehr schnell durchgeführte Tressen. Argentinien hat sich nunmehr für das Endspiel am Sonntag qualifiziert und erwartet den Sieger aus dem Kampf Italien-Uruguay.
Uruguay schlägt Italien 3:2 (3:1).
In der Vorschlußrunde des Olympischen Fußballturniers spielte gestern Uruguay gegen Italien. Italien überraschte durch die Art. in der sie ich gegenüber den gefürchteten Südamerikanern fielt Die äußerst kampffreudigen Italiener mußten Ich, nachdem sie zuerst mit 1:0 in Führung lagen, chließlich 3:2 geschlagen geben.
Amerikas Olympiamannschaft siegt in Bremen.
Dte Olhmptasußballmannschaft der 33« r« l n i g t en Staaten trat gestern abend In Bremen zu einem Spiel gegen Den S. D. Tderder-Bremen an. Hervorzuheben ist die außerordentlich faire Spielweise der Amerikaner. 3m ganzen Spiel wurde nicht ein einziger Strafstoß verhängt. DaS Tressen stand bis zur Pause 1:1. Aach dem Wechsel gelang es jeder Partei, noch ein Tor zu erzielen. Kurz vor Schluß schoß der Rechtsaußen der amerikanischen Gäste noch ein drittes Tor und verhalf somit seiner Mannschaft zu einem 3: 2-Siege.
Neue Leichtathletikrekorde.
Nicht nur In Deutschland, sondern auch im Aus- lande werden fast täglich die bestehenden Landesrekorde oerbeffert. Bei einem Sportfest in Wien blies der bekannte österreichische Sprinter Geißler den (eil 1913 bestehenden Rekord im 200- Meter-Laufen von Eassinon mit 22,3 Sekunden mit der neuen Zeit von 22 Sekunden, das Lebens- licht aus. Blödiy (Hakoah) unterbot im 1000- Meter-Laufen den Rekord von Friede (Graz) von 2:34 mit 2:33,8 und der Speerwerfer Umfaßter (Graz) übertraf seine eigene Höchstleistung von 56,94
Meier mit 57.51 Meter. In der Tschechoslowakei stellte der Brünner Bartl den 300-Meter-Rekord auf die immerhin noch mäßige Zeit von 36,5 Sekunden.
Neuer 500 Metee Weltrekord im Radfahren.
^Nachdem es am vergangenen Sonntag Osz - nie 11 a gelungen war, mit 1 12-8 Minuten einen lOW-Meter-Weltrekord mit stehendem Start auszu- stellen, schlug 2 i n a r i (Italien) am Mittwochabend auf der Berliner Rütt Arena den 500 Meter-Weltrekord mit fliegendem Start. Der Italiener brauchte für die Strecke 32 Sekunden und unterbot den von seinem Landsmann M o r i gehaltenen Rekord um ’/»• Sekunden. Vorher hatte Cinari versucht, den 1000-Meter Rekord mit fliegendem Start des Schweizers E g g zu drücken. (Er legte die Strecke in 1:09,8 Minuten zurück und verfehlte den Rekord um genau eine Sekunde. Eine bessere Zeit erzielte E h m e r , dessen mehrmonatige Disqualifikation jetzt abgelaufen ist. Der Deutsche legte die 1000 Meier in 1:09 Minuten zurück und blieb also nur ’/u» Sek. hinter der Welthöchstleist ig.
Äeutsch.and-Zrantreich im Schwimmen.
Für den Schwimmländer - Wettkamps Deutschland-Frankreich am 10.Juni in Bielefeld hat der Deutsche Schwimmverband faltende Mannschaft aufgestellt: Staffel, 4 mal 200 Meter, beliebig: H. Heinrich, F. Berges. W. Neitzel. E. Derichs. — Wasserball: E. Rademacher . F. Gunst. O. Cordes. E. Benecke: M Amann. K. Bahre. I. Rademacher. Ersatzmann: H. Protze.
Westdeutsche Wafferballmeisterschafi.
In Köln kam am Dienstagabend ein Spiel um die westdeutsche Wasserballmeisterschaft zum Austrag. Sparta-Köln zeigte sich seinem Gegner Düsseldorf 09 klar überlegen und gewann mit 11:2 (5:1) Toren.
Heinrichs neue Schwimmrekorde.
Irn Freistilschwimmen über 300 Meter in 3:46, 400 Meter (5:07) und 500 Meter (6:29,1) wurden jetzt vom Deutschen Schwimmverband als neue deutsche Höchstleistungen amtlich anerkannt.
Barany und Arne Borg in Form.
Der Ungar Barany konnte in Wien mit einer neuen europäischen Rekordzeit im Freistilschwim- men über 100 Meter aufwarten. Er schwamm die Strecke in der glänzenden Zeit von 58,6 Sekunden, lieber 200 Meter benötigte der Ungar 2,27. Diese Leistung übertraf Arne B o r g ganz bedeutend. Der am Sonntag Die gleiche Strecke in 2:17,1 zurück- legte.
Pferderennen in Frankfurt.
Der bis kurz vor Beginn der gestrigen Frank- furt-Äiederräder Rennen niedergehende Regen beeinträchtigte den Besuch des zweiten Renntages erheblich. Sportlich verlief die Beranstal- tung überaus spannend. Die Qualität und Quantität deS aufgebotenen Tiermaterials beanspruchten größtes Interesse. Recht starke Felder. knappe Endkämpfe und ansehnliche Totvquo» ten hielten die Besucher ständig in Spannung. Der heimische Stall Schläfke erzielte mit Tarzan und Goldeise einen schönen Doppelerfolg. Der (3feg von Ancilla im Forsthaus-Iagdren- nen belohnte Der Toto mit 118:10 für Sieg. Auf den Sieg Originals im Preis von Erlenhof gab es neunfaches Geld. In beiden Fällen handelte es sich nicht einmal um Außenseiter.
Preis vom Grafenbruch. 2700 Mk., 1800 Meter. 1. Schläfles Tarkan (Rarr), 2. Pom- peius (Kohl), 3. Balor (®öbl); ferner: Abend- wind. Lärche. Wollfrau. Martell. Zeit: 1.59V,:
V/i, 2 L.: Tot. 17. 10. 10; 13:10.
Logeisberg-Iagdrennen. 2700 Mk. 3600 Meter. 1. Kornblums Kätherl III (Seiffert). 2. Strumen (Roval), 3. Carla (Deschner); ferner: Countryside. Allah (gef.). Fruczi. Zeit: 4.30; 5,7, 4 L.; Tot. 21, 15, 31:10.
Preis von Homburg 2700 Mk. 1200 Meter 1. Kandclhardts ©turmnije (Ludwig».
2. Fvnta (Harri; 3. ©trug (Gobi); ferner: Farmerin. Äraut;unler. Horeb Zeit: 1.16; 1. * i. 1 Tot 30. 15. 13:10.
Forfthaus-Iagdrennen 3000 Mark. 3200 Meter 1. D Dewil» Ancilia (Schikowstv).
2. Feucrmahl (Machanl. 3 Sturm (v. Eglofs st ein. ferner Kontrahent. Iohannisfeuer. Amper. Mo- tis. Troja. Herenprinz. Aitpreuße Zeit: 3.52; Hals. 3. »/• L; Tot. NS. 33. 3b. 22:10.
Preis vom Erlenhof. 5000 Mark, 2000 Met. 1. Silbernagels Original (Bleuler». 2. Avec Dieu (Tarras). 3 Hohenfels (Heidt); ferner: Hilf Dir selbst. Falkner. Lu». Ruisseau d or. Ru- 8ülo, Gvldelse, Erzcllenz. Zeit: 2.9; 1 . L.. Hais. Hals. Tot. 90, 26, 15. 21:10.
Grüneburg-Iagdrennen. 4500 Mk., 4000 Meter. 1. v. Dewitz Tasso II (Schikows- ky). 2. Opanke (n. Mossner,. 3. Le ©erfaut (Deschner); ferner: Leistung. Ienoe. Szentes. Heber» läufer. Die Zuversicht Zeit: 4.58; 1*/,. Kopf. 3 L; Tot. 43. 20. 21. 24:10.
Preis vom Romer. 2700 Mark. 1400Me- ter. 1. Schläfles Lichteste (Rarr). 2. Sans Atout (Kohl). 3. Mazcppa (Gltstch». ferner: Corps- geift. Mission. Arber. Rorfpol. Zeit: 1.29; 2, HalS. IV, L.. Tot. 28. 15. 24. 20:10.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
Nur noch zwei Spielsonntagc trennen un» von der diesjährigen Sommerfußballpause, Die vom Westdeutschen Spielverband ausnahmsweise von zwei Monaten auf sechs Wochen ermäßigt wurde. Vom 18. Juni bis 3. August ruht also der Lederball, ausgenommen für die Jugend der 24. Juni, der zum Iugendspiel-Werbetag gewähtt ist.
Die Spieloereinigung 1900 will in dieser kurzen Zeitspanne noch viele alte Verpslichtungen einlösen. Bereits am kommenden Samstag wird voraussichtlich Die Ligama nnlchaf t zum Rückspiel gegen Die zur 1. Bezirksklasse Südwestsalens gehörenDe IugenD 06 Betzdorf antreten, während Die Blauweißen am DarauffolgenDen Sonntag auf eigenem Platz Dem ^-Klassen Gruppenmeister von Der Dill, Sportvereinigung 1911 Dillenburg, entgegentreten.
Bei Dem evtl. Spiel in BetzDorf kann man Den 1900cm wenig Gewinnchancen einräumen, Denn bereits im Vorfpiel auf eigenem Plag unterlag Gießen 2:4, Dazu käme noch, daß die Mannschaft am Samstag hl chstwahrscheinlich mit mehrfachem Ersatz reisen mußte.
Gegen Dillenburg ist schon eher ein (Erfolg möglich, wenn auch nicht überfehen werden fall, daß Dillenburg von jeher eine schnelle Kampfmannschaft stellte. Die letzte Begegnung sah 1900 mit 6:2 (1:2) siegreich. Damals gehörte jedoch der Gastgeber Dillenburg noch der Kreisliga an.
DieLigareseroe 1900s fährt zu einem Ge- sellschaftsspiSI nach Lollar; sie Dürfte auf dem kleinen ßoUarer Sportplatz gegen die zur A-Älaffe aufsteigende Lollarer 1. Mannschaft nicht viel zu bestellen haben.
Die 3. Mannschaft spielt gegen Die 1. (Elf von Nanzenbach aus Dem oberen Dilltal. Der Ausgang ist ungewiß.
Die A 11 c • f) e r r e n e l f weilt zu einem Freund- schaftstreffen beim Verein Rasenspiele 07 Limburg. In bester Ausstellung sollte es für die Gießener zumindest zu einem Unentschieden langen.
Gleichfalls nach Limburg fährt die 1. Iu- gendmannschaft. Das Vorspiel in Gießen endete 0:0, ein Resultat, das auch dem Spielverlauf entsprach. Die Chancen werden auch diesmal wieder geteilt (ein.
Die 1. Schülerelf steht'in Marburg Der 5. Jugend vorn D. f. B. Äurhessen gegenüber. Das Vorspiel an Pfingsten in Gießen endete nach beiderseits guten Leistungen 0:0.
D. f. B.
Der Verein für Be we a un g s s p iele begeht am kommenbrn Sonntag Die Feier seines 20jährigenDe stehens. Das sportliche Pro
gramm der schlichten Jubiläumsfeier sieht fvlgenbe Spiele vor:
Di« Ligamannschast hat bie Liga des TD c 61 a r c t Sportvereins zum Gegner. Die Gäste find feit ihrem guten 'Abschmiden gegen den damaligen Lahnkreiemeister und nunmehrigen Bezirks!igaverein D. f.B Kurhessen Marburg. Dem sie nur knapp mit 4:5 unterlagen, fpieierifch nicht mehr hervorgetreten was der Spielstärke iek»och kaum Abtrag getan haben dürste. TDetzlars spielerisches Können sollte trov der Ruhepausen der letzten Machen hinreichend fein, der B. s B -Liga einen spannenden und harten Kamps zu liefern. Für diese besteht keinerlei Veranlassung, das Spiel etwa schon vorher als gewonnen zu betrachten, sondern sie wird gut tun. sich vor Ueberraschungen zu schützen und von vornherein alles daranzusetzen. das Spiel für sich zu entscheiden
Für die Ligareserve ist die bisher der Lahnkreisliga angehörende und nun zur A-ÄIaffe abgeftiegene erste Mannschaft des Sportvereins Herborn als Gegner verpflichtet worden. Daß die in den Berbandfpielen vom Pech verfolgte Herborner Liga trotz ihres Abstiegs immer noch al« recht spielstark anxu- sprechen und mit ihrem Können vielleicht mancher der noch in der Liaaklassc verbliebenen Mannschaften überlegen ist. hat sie durch ihr Spiel an Pfingsten gegen die Ligareserve des Fußballsportverein- Frankfurt, das sie nur ganz knapp verlor, bewiesen. Die B. s. B -Mannschaft wird in Anbetracht der Stärke des Gegners kaum mit einem Sieg aufwarten können, im besten Fall sollte c-8 ihr möglich sein, ein Unentschieden zu erzwingen.
Die erste Ligamannschast bat durch Umstellungen und Reueinstellungen von ihrer bisherigen Spielstärke ein gut Teil verloren. Ihr Gegner am kommenden Öotmtaq ist die erste Iugendels Herborn«, die ebenso wie die D. s. B.-Iugend sich an den Diplom» spielen den ersten Platz erkämpfte Denn die Platzmannschaft sich nur einigermaßen zusammenfindet. sollte es ihr doch möglich fein, einen knappen Sieg zu erringen.
Die erste Schülerelf trägt gegen kne gleiche vom B.I.D. Friedberg ein fällige« Rückspiel au«. Da« Dorspiel endete mit einem 2:l-6ieg Friedberg«. Der Ausgang diese« Tressen« ist offen.
Arbeiter-Turn un- (Sportbund
Da Raunhei m wieder in die Bezirk-klasse ziirückg «kommen ist, muß e- alle Spiele der Dorrunde nachholen. Im ersten Spiel tritt es gegen Gießen Ib am kommenden Sonntag an, um sich hier die ersten Punkte zu boten.
Wieseckl fährt nach Alsfeld, um danach ausstehende Spiel gegen di« dortig« erste Mannschaft au«duttagen. Besannen sich die Gäste auf sich selbst, fo dürst« ihnen der Sieg nicht zu nehmen sein.
In der zweiten Klass« fährt Kinzenbach nach BeiIst «in, um da« erst« Spiel gegen diesen Renting auäAutragen. Der AuSgang de« Spiele« muß, da die vpielstärk« diese« Verein« noch unbekannt ist, offen gelassen werden.
Hungen bat Fronhausen jum Gegner und wirb Wohl auf eigenem Platze Sieger bleiben.
Oppenrod fährt nach Al «selb, um sich dort die Punkte zu holen.
Großen-Lindenl hat DaubringenI zu Gast. Hier wird e« ein scharfes Spiel werden, dessen AuSgang offen zu lassen ist.
In der Jugendklasse treffen sich Gießen gegen Raunheim, Trat« — Kleiw-Linben. Leun gegen Allen-Duseck, jeweil« auf dem Platze de« erstgenannten Vereins.
Sprechstunden der Redaktion
12 bl» 1 Uhr mittags, 5 bi« 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen.
Für unverlangt eingesanDte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wirb keine Gewähr übernommen.
MMMSenWeMWern.
Nomon von Edgar Wallace.
Copyright by Wilhelm (BolDmann. Verlag, Leipzig 26 Fortsetzung Nachdruck verboten.
Die in einem elektrischen Transparent flammten Buchstaben vor ihm auf und bildeten ein Wort:
EodyI
(Er war Der Pächter von South WealD House. (Er hatte mit ihm gesprochen. Er mußte gehofft haben, daß seine Verbindung mit Dem gefürchteten Detektiv Die Mörder von Dem Schlimmsten abhalten würde.
Die Hosinung hatte ihn getrogen. Seine derbe- schreie legten davon ein grimmiges Zeugnis ab.
(Es dauerte einige Sekunden, bis er sich gefaßt hotte. Dann bat er das Fernamt, unter Schilderung der näheren Umstände, die nächstgelegene Polizeiwache von dem UeberfaQ in Kenntnis zu setzen.
Schließlich ließ er sich die Nummer Brixton 9007 geben. Eneed war sein erster Gedanke gewesen. (Er mußte helfen. Wenn nur das Klingelzeichen stark genug war, um seinen Bärenschlaf zu unterbrechen. Zu seinem Erstaunen meldete Sneed sich sofort.
„Sie sind es. Dick Martin? Menschenskind, Sie stören meine schönste Bridgepartie. Ich nehme hier einigen Kollegen vom Hauptquartier scheffelweise bi Geld ab. Es sind die reinsten Säuglinge, sag' ich Ihnen —" Protestierende Stimmen wurden im Hintergrund laut — „Na, wollt ihr etwa behaupten, daß ihr mehr von Bridge versteht als ein schnul- lernbes Baby", brachte Sneed sie zur Ruhe.
Jetzt riß Dick Die Gedull).
„Aber so hören Sie Doch mit Dem Unsinn auf, Sneed. Ich habe Ihnen etwas unerhört Wichtiges zu sagen. Eody hat mich angerufen. Er ist überfallen worden — Mörder besinden sich in seinem Hause."
(Er schilderte, auf wie sonderbare Weise ihn Die Kunde davon erreicht hatte
„Das fflngt böse", sagte Sneed, plötzlich sehr ernst geworden. „Dir fahren hin. Ich rufe sofort ein Auto!"
„2Rein Wagen fährt schneller. Ich hole Sie ab.- „Gut, Martin. Wir kommen Ihnen entgegen. Erwarten Sie uns unter dem Eisenbahnbogen. Inspek
tor (Elbert und Sergeant Staynes werden uns begleiten.-
„Ausgezeichnet. Ich fürchte, wir brauchen jeden Arm!-
Dick hängte an, froh über die Unterstützung, Die er sich gesichert hatte. Er riß Den Mantel vom Riegel unD stürzte zur Tür. Als er sie öffnete, fuhr er in höchstem Erstaunen zurück.
Eine bleiche Frau hob Die HanD zur Türklingel.
„Mrs. Lansdown!- stammelte er.
Sybil! floß es eiskalt Durch seine Seele.
„Ich weih mir keinen Rat mehr-, klagte sie. „Meine Tochter ist verschwunden!"
„Bitte, kommen Sie doch herein-, sagte Dick, der plötzlich sein Herz schlagen hörte. „Erzählen Sie mir alles Der Reihe nach. IeDe Einzelheit ist von ®ert-
Mrs. LansDowns Geschichte war rasch erzähtt. Als sie gegen acht Uhr nach Hause kam, war Sybll nicht Da. Bis um zehn Uhr machte sie sich Desroeocn noch keine Sorge. Dann rief sie bei ihrer Freundin an, bei Der Sybil oft Die AbenDe verbrachte. Sie hatte he seit Tagen nicht gesehen. Ein zweiter, ein Dritter Anruf bei anDcren Bekannten blieben ebenso erfolglos. Dann war es ihr geglückt. Sybils Kollegin zu erreichen. Das junge Mädchen gab endlich Den gewünschten Aufschluß. Eine fremDe Dame habe Sybil besucht unD sie zu einer Autofahrt ringe- laben. Der war Die Dame? Damit zergrübelte sich Die Mutter Den Kopf. Inzwischen wurde es Mitternacht, und von Sybil war noch immer keine Spur.
Dick hörte aufmerksam zu. Mit eiserner Ruhe zwang er die tobende Unruhe feines Herzens nieder.
„Hat Sybils Kollegin eine Beschreibung Der frem- Den Dame gegeben?^
Mrs. Lansdown nickte.
„Die sah sie aus?-
Mrs. Lansdown gab ein paar Anhaltspunkte. Sie mar noch nicht zu Ende, da setzte fein Herz Den Schlag aus. Er kannte Die grobknochige, penetrant Duftende Dame, Die er ursprünglich für eine einfältige Wirtschafterin gehalten hatte.
Es war Mrs. Codv.
Mrs. LansDown say ihn erbleichen. Das Dort zer- brach ihr im ThinDe, sie packte seinen Arm.
„Mein Gott! Sie ahnen etwas! Ist es so schlimm^-
Dick schüttelte mühsam den Kops.
„In zwei Stunden habe ich Klarheit-, sagte er, äußerlich gefaßt. „Wollen Sie meinen Anruf hier erwarten? Mein« Bibliothek steht Ihnen-zur Ber- fügung'.-
„Nein — nein —! Es ist besser, ich gehe heim. Es ist doch nicht ausgeschlossen, daß Sybils Verschwinden sich ganz harmlos auflöst. Dann kommt sie zurück und änaftigt sich zu Tode, wenn sie Die Wohnung leer finDet. Aber gehen Sie nur, Mr. Martin. Kümmern Sie sich nicht um mich. Ich finde meinen Weg schon allein, und mein Auto hält vor Der Tür.-
Es war keine Minute zu verlieren. Dick befolgte ihren Ratschlag unD eilte vor ihr die Treppe herab. Er riß Die Tür zur Garage auf, schob Das Auto hinaus, sprang ans Steuer. (Es war ihm wohler, als er Das Rollen Der Räder unter Den Füßen spürte. IeDe SekunDe brachte ihn jetzt Dem Tatort näher.
Unter Dem Eisenbahnbogen in Brixton RaaD standen Drei vermummte Gestalten.
„Steigen Sie schnell ein-, rief Dick ihnen zu.
SneeD wählte Den Platz an seiner Seite
Dick starrte auf die menschenleere Straße, die sein Scheinwerfer verschlang.
„Miß Lansdown ist verschwunden,- preßte er durch die Zähne hervor, „und ich fürchte ...-
Er schwieg einen Moment. Der Winker flog heraus. Das Auto schwang um eine scharfe Kurve.
Als die freie Bahn sich weithin im Mondlicht erstreckte. sprach Dick in dürren Worten leine furchtbare Vermutung aus.
Dann schwieg er eine Weile, die Lippen hart auf- rinandergepreßt. Langsam stieg der Zeiger, der die Geschwindigkeit maß.
.Letzt wird die Polizei von Suflex bereits in South Deald sein-, sagte er, und sein Ton drückte Wunsch und leisen Zweifel zu gleicher Zeit aus.
Sneed schüttelte den Kops.
„Glauben Sie nur Das nicht, Martin. Sie ahnen gar nicht, wie rücfftänDig Das ganze Posizeiwesen m der Provinz ist. Möglicherweise Hal Die nächste Dache gar kein Telephon ober, wenn sie es hat, ist es nicht im Betrieb, well Die Dermttttungsstelle ihren LaDen um zehn Uhr zumacht. Selbst angenommen, Der Fernruf hätte die Polizei erreicht, so wird sich Der Dorspolizist Deswegen noch lange nicht aus den Federn bemühen. (Er hält sich an ferne In
struktionen unD handelt nur, wenn rin beglaubigter Hilferuf oorliegt Dissen wir denn auch, ob Eody die Wahrheit sprach? Vielleicht wollte er Ihnen nur eine Falle stellen!"
Dick konnte nicht gleich antworten. Er regulierte den Oe IDruck.
„Nein,- sagte er endlich, „Die Schreie waren ed)L-
Die nächste Viertelstunde verbrachten sie schweigend, jeder hing seinen Vermutungen noch.
„Sind wir hier nicht in ber Nahe vom Galaen- Hof?- fragte Sneed plötzlich und beugte den Stopf hinaus.
.Links-, erwiderte Dick und ließ den Scheinwerfer aufleuchten.
Plötzlich ‘brach die zerbröckelnde Mauer aus der Dunkelheit hervor und trat grell ins Licht. Das Tor hing noch mehr windschief als sonst in Den Angeln. Die Baume ragten als dunkles Massiv tn Den Himmel, scharf umrissen vom Mondlicht. Das dauerte einen Moment. Dann sank alles in Den AbgrunD der Nacht. Das Auto raste vorüber.
„Ein Scheinbild — diese ganze Affäre Selford-, sagte Sneed sinnend. „Wo man sie auch an packt, man greift ins Leere. Ich möchte wohl wisien, was er auf dem Kerbholz hat!-
„Der?" fragte Dick aufschreckend.
„Wer anders als Lord Selsord! Warum umkreist er als zweiter Ahasver unaufhörlich Den Globus? Um ein Buch zu schreiben? Um ßanb unD Leute zu sehen? Erzählen Sie mir Das nicht IeDer jung« Poir hat Den natürlichen Wunsch, zunächst in (Eng- lanD zu glänzen. Und was für ein Interesse könnte er als harmloser Globetrotter Daran haben, sich jeher Feststellung durch dauernde Ortsoeränderung zu entziehen? Denken Sie doch —! Acht Monate reisen Sie ihm nach und haben ihn niemals von Angesicht zu Angesicht gesehen!-
,Lhn selbst wohl nicht, aber seine Photographie", war Dicks überraschende Antwort.
Sneed zuckte zusammen. Im Schein der Lampe sah Dick seinen auffunkelnden Blick.
„Menschenskind, und das sagen Sie mir erst jetzt?-
Dick ließ Den suchenden Blick Des Inspektors an seinem Profil abglriten.
(Fortsetzung folgt)


