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Nr. M Drittes Blatt

Gießener Anzeiger tSeneral-Anzeiger für Gdrrhesseuj

Dienstag, 8. Mai 1928

Schulpolitik und Wahlen.

Xie Parteien zur evangelischen Lchule.

2 e r l l n . 5. Wai (XII.) Aus bi« vom Evan­gelischen Reichselternbunb an die Par­teien gerichtete Anfrage über ihre Stellung »um Re ichs l chulgesetz und zu den an- deren kulturpoliti'chen Forderungen der cvan- geli'chen Wählerschaft haben bi- heute geant­wortete Die Deutlchnational« Vollspartel. die Deut'che Volk-.-artei. die Deutsche Demokratitch« Partei und die Sozialdemokratische Partei. Die erste der vorgelegten Fragen galt her schnel­len Dorlage und Verabschiedung «ine- Reich-volk-schulgesetze- im neuen Aerch-tag durch da- der evangelischen Schule volle Entsaltung-freihett und Gleiarberech- tigung mit anderen Schularten auch bei Fest- sedung des Eharakiers der bestehenden und bei Errichtung neuer Schulen gewährleistet wird. Die weiteren Fragen hatten zum Gegenstand die gesetzliche Sicherung der Eigenart der evangelischen Schule durch Anpas­sung von Lepr- und Lernbüchcrn. einheitliche Zu- sammentetzung M Lehrkörper», keine Unterstel­lung evangelischer Schulen unter dissidentische Schulaufsicht-beamten, Ablehnung einer Fassung de- ..geordneten Schulbetriebe-'', die aus eine Verkürzung de- Elternrecht- hinau-läust. Ab­wehr einer .Rotlösung' durch «in Sondcrgesetz für die weltliche Schule und Gewährung des Recht- der kirck>lichcn Einsichtnahme in den Re­ligion-unterricht

Die De u t schn a ti onale Vol^-parte, teilt mit. bah sie der Stellungnahme de- Reichs» «Iternbunde- - u st i m m e und sämtliche Fragen mit j<i beantworte.Unsere Reich-tag-fraktivn hat in diesem Sinn« gewirkt und wird in diesem Sinne wirken."

Di« Deutsche Volk-Partei erklärt, das) sie nach wie vor bereit sei. für bi« schnelle Ver­abschiedung eine- Reich-volks'chulgeseye- einzu- treten. do- der evangelischen Schule im Rah­men der durch b te Verfassung gege­benen Möglichkeiten volle Sntsa 1 - tung-sreiyeit und Gleichberechti­gung mit den übrigen, durch die Reich-versas- sung ermöglichten öcfculartcn auch bei der Feststellung deS Eharakter- der bestehenden und bei der Einrichtung neuer Schulen gewähr­leistet, und ferner bereit sei. in Übereinstim­mung mit der bisherigen Haltung der Deutschen Volk-partei. für die Anerkennung der Eigenart der evangelischen Schule einzutreten. Die tre> teren Fragen berührten geleye-technlsche Einzel­belten und mühten der Entscheidung durch die künftige Fraktion vorbehalten bleiben. Die Frage nach ihrer Stellung zu den sonstigen GetetzeS- orbeiten sozialethischer Art beantwortet die Deutsche Volk-Partei zustimmend.

Die Deutsche Demokratische Par- t e i nimmt Dezug auf ihr« Stellungnahme bei den Verhandlungen über da- Reich-schulges-tz. Sie Der trete die Auffassung, dah die Gemein- s ch a s t » s ch u l « nach der Reich-versassung von Amt» wegen eingerichtet werde, wäh­rend die Dekenntni-schul« einen An­trag der Erziehung-berechtigten er­fordere. Rach dieser rechtlich unwiderleglichen Auffassung könne von einem gleichen Recht der durch die Verfassung ermöglichten Schularten nicht die Rede sein. Zur Frag« der gesetzlichen Sicherung der Eigenart der evangelischen Schule wird erklärt' ..Die Deutsche Demokratische Partei erkennt den Wert der in den Konfessionen sich auswirkenden religiö'en Kräfte für die Volk-- erzichung in hohem Mähe an. S.e hält jedoch die Dogma tif ierung de- weltlichen Unterricht- für eine geradezu schädl che Ver­gewaltigung dc- Stoffe-." Die Berücksichtigung der konfessionellen Verhältnisse bei der Zusam­mensetzung der Schulverwaltung sei eine Fraae deS Taktes der Regierungen. Eine grund'äyliche Konfefsionalisierung sei ledoch abzulehnen. Zur Frage der ..Rotlösung" durch ein Svnder- gefeö für die weltlichen Schulen sei die Demo­kratische Partei der Aufsassung. dah die Schul­fragen der ReichSversassung in einer definitiven Form geregelt werden sollten. Die Verstän­digung zwischen Schulverwaltung. Lehrerschaft und Kirchen über den Inhalt deS Religion»-

Die Ilir mit Den Wen SWWn.

Vornan von Edgar Wallace.

Copyright by Wilhelm Goldmann. Verlag. Leipzig

2. Fortlegung. Nachdruck verboten.

..Gewiß ist da» ein Verbrechen." jagte sie ernst- ho|t,ee wird nun leiorr nicht als folches bestraft. Uber qi/xyn feine» Buche» hat er nicht gesessen. Es war eVwas üiel Gräßlicheres. Ich glaube. Dioi- Jehien!"

Worüber handekt da» bud)?'

Er reichte e» ihr zurück

lieber zweibeinige Wesen, so wie Sie und ich , sagte sic feierlich. ..Es steht darin, wieviel glück­licher die Menschen sein würden, wenn sie anstatt mit Latein und Algebra mit Wurzeln und Rüssen aufgezogen würden und frei und nackt im Wald herumliefen!"

Dick erhob sich zu seiner ganzen imponierenden Größe.

Und wo wohnt dieser seltsame Rau^?"

Sie nahm da» Buch auf und schlug die Seiten zurück. bis sie zur Fußnote unter dem Dor­won kam.

.In Sussex Galgenhof! Mein Gott, klingt da» gruselig!"

Der war noch hier außer Stoletti?"

Sie zeigte ihm eine Liste von vier Namen.

Außer Stoletti steht wohl niemand in dem Verdacht, da» Buch gestohlen zu haben, außerdem find die anderen Historiker, und Biologie würde le schwerlich reizen. Es wäre auch in meiner An­wesenheit nicht vorgekommen. Ich passe höllisch auf."

Eie hielt plötzlich inne und blickte auf den Tisch. Das Buch war verschwunden.

,,/jaben Sie es genommen?" fragte sie.

Haben Sie gesehen, wie ich es genommen habe?" forderte er sie heraus.

«Gesehen habe ich es nicht. Ich hätte schwören mögen, daß das Buch eben noch da war."

Er nahm es aus feinem Ueberzieher heraus und gab es ihr zurück.

Man findet selten Leute, die höllisch aufpassen!"

Aber wie war das möglich?" Sie war vollstän­dig verblüfft.Mein« Hand lag auf dem Buch.

unterricht- und da- Zusammenwirken bei feiner Durchführung halte sie für selbstver­ständlich. lehne ledoch die in der Regierung»- potlagc zum Reichslchulgesetz dafür vorgesehene Form ab. Den Gesetzen zur Pflege der Volls- kultur und zum Schutz« der Jugend werde di« Parte', nach wie vor ihre lebhafte Anteilnahme

D.e Sozialdemokratische Parte» verweist auf den Abschnitt ihre» Heidelberger Prvgra nmS über K rchen- und Schul'ragen. der

lautet : . D.e öffentlichen Einrichtungen für Er­ziehung. Schulung Vildung und Fc-r'chung find weltlich Jede öffentl.ch-rechtliche Einfluß- r 2b-.. von Kirche Ndig

ung-gemc.n'chaften auf diese Einrichtungen ist zu bekämpfen. Trennung von Staat und Kirche. Trennung von Schule und Kirche, weltliche Volk»-. Beruf-- und Hoch­schulen Keine Aufwendung au» öffentlichen Mitteln für kirchlich« und religiöse Zwecke."

Europa in zehn Jahren!

Don Joseph Eaillaux, ehcm. französischem premierminifler.

II.

Oer Weg ins Freie.

Man hat oft genug behauptet, daß sich Eu- rvia im Lause des letzten Jahrhunderts zu einem riesigen Zabrikbetriebe entwickelt habe, der hundert Millionen Arbeiter mehr enthält, als er zu ernähren imstande ist und dem eS nur gelingt, diese- Arbeiterheer am Leben zu erhal­ten. indem eS feine Ferügsabrikate gegen die Rohstoffe und Lebensrnittel verhältnismäßig junger Länder wie der weiten Gebiete Rord- und Südamer.kaS sowie Australien- und der alten Gebiete Asien- eintauscht. Der Weltkrieg hat naturgemäß zu einer Verschiebung der inter­nationalen Industriewirtschaft geführt. Er hat Rattonen, die von Eur pa bisher mit Fertig- fabrilatcn beliefert wurden, deren sie zur Auf­rechterhaltung ihre- Leben- bedurften, dazu ver­anlaßt. entweder eine Sigenindustrie zu errichten oder ihre Vedürsnisse auf anderen Märkten besonders in den Vereinigten Staaten zu decken. Die alte Welt muß sich also vor allem xu helfen suchen, indem sie di« Derbraucherkraft ihrer eigenen Bevölkerung in einer We.'e er­höht. daß sie im Innern den Markt findet, den sie im AuSlande verloren hat.

Zu dieser Konsumsteigerung bedarf eS vor allem einer Erweiterung der engen na­tionalen Märkte, um auf diese Weife bessere Absatzmöglichkeiten zu schaffen. Die Er­weiterung der nationalen Märkte setzt eine frei- händlerisch orientiert« Handelspolitik und liberale Handelsverträge voraus, die allmählich zu einem großen freien europäischen Markt« führen. Durch solche Maßnahmen könnte ganz Europa zu einer großen Interessengemeinschaft z» sammengeschweiht und ein ZukunftSkrieg unmöglich gemacht werden. ES würde eine ähnliche Entwicklung eintreten, wie wir sie in den Vereinigten Staaten einst beobachten konnten, als sie anläßlich einet chwe» ren Streites zwischen zwei Staaten der ameri­kanischen Union, der unmittelbar in einen Wassen- kampf auszuarten drohte, di« Aushebung der Zollschranken in diesem ungeheuren Landgebiet gesetzlich festgelegt wurde. Di« un­mittelbare Folg« dieser Destimmung war, daß von einem Krieg zwischen den beiden streitenden Staaten nicht mehr die Rede war.

Eine Utopie für EuropaI werden viel« sagen. Die alte Welt wird nie eine Aushebung der Zollschranken gutheißen. Die protektionistischen CDorurteile. In denen die Handelspolitik Eu­ropa- stagniert, werden zu geschickt von privaten Interessen verteidigt. Ich gebe xu. daß e« schwierig sein würde, di« Gegnerschaft der großen Konzerne, der Stahl- und Kohlen.ndustriellen. zu überwinden, vorausgesetzt, daß sich dies« über­haupt der großen Reform widersetzen würden. Aber ist nicht auch die geistig« Einstellung der europäischen Industrieführer durchaus g ü n - st i g im Sinne einer europäischen Verständigung? Das internationale Stahllartell. der Ehemietrust, sind sie nicht di« Keimzellen einer unge­heuren europäischen Industrieententc? Und wenn dies« Entente sich noch weiter auSdehnt, werden dann nicht di« Zollschranken ganz von selbst fallen?

ES bestehen heute um so mehr Ehancen für eine solche Entwicklung, al- eine außerordentlich interessante Bewegung di« wir heut« bereits am WirtschaftShorizvnt erblicken können, sich weiter au-dehnen wird, nämlich der Druck der

amcr:fanild)cn Konkurrenz auf Eu­ropa. Die amerikanische Industrie verfügt zwar als sichere Kallulationsgruk'dtege »xber einen un­geheuren Inlandmarkt- |ie wird aber im Falle einer UeberfätHgung diese- Markte- die Ge- 'abr besteht beute in stark.

los versuchen, dte alte Welt unter einer Flut ihrer Waren xu ersticken, wenn Europa nicht da­gegen antämpft, und zwar mit denselben Waffen, wie sie Amerika anwendet. ES wäre tatsächlich für Europa nicht ratsam und auch keineswegs wirkungsvoll, diese amerikan.sche Industrie- inva^ion mit der Einleitung einer Schutzzoll­politik zu bekämpfen. Das wäre nur ein Kinder­spiel. wie etwa rifcnn ein kleiner Knabe am Strande einen winzigen Sandhügel aufrichtet, um der hereinbrechenden Flut abzuwehren. Wie die amerikanische Industrie, so bedarf auch die eu­ropäische Industrie eineSgroßen Tinnen- markte-, um die Gestehungskosten ihrer In- dustrieerzeugnisfe zu verringern. Rur eine all­gemeine Industrieentente wird eS ermöglichen, diese- Ziel zu erreichen.

Da eS in der Ratur des Menschen liegt, zu solchen weitgehenden Abkommen, deren Durch­führung überdies sehr schwierig ist. nur bann zu greifen, wenn dte Rvtwendlgieit sie dazu zwingt, so kann Amerika durch den Druck seiner Konkurrenz, ohne es zu wollen, Europa einen großen Dienst erweisen

Erwarte ich nicht etwa zu viel? Hege ich nicht zu große- Vertrauen in die menschlich« Ver­nunft. wenn ich innerhalb diese- Zeiträume- von zehn Jahren ein neue- geeintes Europa er­warte. da- sich allmählich zu einer großen ein­heitlichen Ration entwickelt? Ich wäre durchaus damit zufrieden, wenn in einem Zeitraum von zehn Jahren die alte Welt beginnen würde, sich im Sinne einer solchen wirtschaftlichen Solidari­tät zu orientieren

Ob diese Hoffnung sich erfüllen wird, mutz allein die Zukunft lehren. Erfüllt si« sich nicht, verharrt Europa in seinem jetzigen Zustand, so gerät seine Ssistenz in schwere Gefahr. In sich getrennt, von Interessenkämpsen zerwühlt, wirt­schaftlich aufS schwerste bedroht, wird e- lang­sam dahinslechen. GS wird versuchen, sich wie ein schwerkranker Mensch, der bei dem Gedanken an einen chirurgischen Eingriff zittert, trotz seiner immer größer werdenden Schwäch« dahinzu- schlepp«n.

Hier hat die europäisch« Intelligenz. 61« ich. soweit sie für derartig« altruistisch« Gedanken- gängc überhaupt empfänglich ist. Immer als den wahren Träger deS Fortschritts In der Welt an- gesehen hab«, ein« große Aufgab« zu erfüllen. Ihr liegt eS ob, die schlummernd« Weltmeinung aufzurütteln, indem sie Europa über seinen wah­ren Zustand aufklärt. Sie darf nicht müde wer­den zu wiederholen, daß ein Zusammenschluß für Europa eine Lebensfrage ist.

Alle diejenigen, welche ernstlich und ehrlich wegen der Fehler und Schwächen der Fr.edenS- verttäge, besonders des Versailler Friedens­schlusses. beunruhigt sind, müssen zeigen, dah «S nur eine Friedenssicherheit gibt, die darin besteht, dah sich die alte Welt ändert und so die Fehler unserer Diplomatte wieder gut­macht. Diese Erfolge lassen sich durch die Wieder­holung der Methoden einer veralteten Diplo­matie jedoch nicht erzielen. Man erreicht nicht allzu viel, wenn man die Grenzen einfach ver­schiebt: die großen Schwierigkeiten können nur

überwunden werden, wenn man bic.Ot aalen organisch miteinander verknüpft und verbindet, indem man übergeordnete Or- überträgt, für die Sicherheit zu sorgen und für di« angestammten Rechte unterdrückter Minder­heiten einzutreten.

Helfen wir diesen au-sicht-reichen Weg zu bereiten, außerhalb dessen c» keine Sicherheit für Europa gibt. Suchen wir zu verhindern daß unterem gemeinsamen Vaterland Europa da- Schicksai DabvlonS ober Rinive- bereitet wtrdk

Oeuffchnationale Wähterversammlung.

Am Sam-tagabend trat im ftafl Veib die Gießener Ortsgruppe der Deutschnaliona- len VolkSpartei mit einer öffentlichen Wählerversammlung unter der V- iung de- hiesigen Ort-gruppenvorsitzenden Mehrer Kling hervor, Tiach den DegruhungSworien des Vorsitzenden sprach zunächü der deutsch- nationale S. Itzenkandidat In Hellen

Mcncrai von Prenfchcn Tarmskadt.

Der Redner begründete zunächst bi« Rieder- legung seine- Amte- als Präsident der Äritger- knncrabkbaft ..Hassia' . deren absolute politisch« Neutralität er durch sein Aus treten al- Deut'd)- naiionaler Reichötag-kandidat nicht g fährden wollte. Sodann sprach er sich für einen vor­nehmen. ritterlichen und sachlichen Wahlkampf auS. der unbedingt die Unantastbarkeit der Per­sonen. auch der politischen Gegner, respektier«. Weiter hob er hervor, daß er sich früher eil aktiver Offizier ja nicht mit Politik befallen durste und infolgedessen erst in gereiften Iahven auf dieses Gebiet komme, daß er aber eine Po­litik vertrete, bi« getragen fei von hohem und berechtigtem Stolze auf die groß­artigen und ruhmreichen Leistungen deS deut­schen Volkes im sriedlichen Wettbewerb Der Völler und auch in der schweren Zeit des Krie­ges. Bei den bevorstehenden Wahlen handelt es sich Darum, ob Die marxistisch-sozialistische« internationale Richtung, ober bie national» vaterländisch-bürgerliche Richtung in Deutsch!anb zum Siege kommen soll«. Der Redner lehnte alle Splitterparteien ab und warnte vor beten, da sie nur geeignet seien, bi« Front ber Dator«* länbitebcn Politik zu schwächen. Für unsere h.u- tige schwere Lage machte er die Revolution und bie Daran beteiligten Parteien, insbesondere d « Sozialdemokratie verantwortlich. Solange die'« Partei am Ruder sei, werde untere Lage sich nicht bessern. Die Ausgabe der Deutsch- nationalen VollSpartei sei es. da- deufiche Voll auS seiner beklagenswerten Lag« herau-zubringen. Der Rebner erinnerte u. a. weiter Daran, dah Die Deutschnationale Volks­partei sich stet- mit Eifer und Erfolg für bi« Landwirtschaft eingesetzt habe, die vor dem drohenden Zusammenbruch zu retten immer noch die wichtigst« Ausgabe deS deutschen Volke- sei. Dah die AufwertungSs rage in Fluß tarn, sei da- Verdienst der Deutschnationalen. Beim ReichSschulgesetz hätten di« Deutschnationalen da­ran sestgehalten. daß den christlichen Eitern da- Recht nicht genommen werden Dürfe, bei der Er­ziehung ihrer KinDer mitzusprechen. Unsere 3u» genD müsse zu vaterländischen unD christlichen Menschen herangezogen werden. Die Deustchna- banalen hielten sest an dem Kaiserge>anken> und blickten Stolz auf bie ruhmreichen Farben Schwarz-Weih-Rot. Trotzdem dienten sie dem Daterlanbe unter jeder StaatSform unb wiesen ben Gedanken einer gewaltsamen Aenderung der Verfassung weit von sich. Die Deutschnattonale Partei habe auch daS Verdienst, dah die Reichs­wehr intakt gehalten wurde. Der Redner übte bann Kritik an bet Außenpolitik Stresemann- unb betonte. Die Deutschnationalen hätten diese Politik bisher nicht mitgemacht: soweit st« staats­rechtlich sestgelegt war, hätten Die Deutschnatio- nalcn sie nicht verhindern können, sie hielten sie aber nach wie vor für falsch. Der Redner betonte weiter daS Festhalten der Deutschnatio­nalen an dem Gedanken Der Wehrhaftigkeit, bei aller aufrichtigen Friedenslieb«, verlangte wei­teren scharfen Kamps gegen die Kriegsschuldlüge.

und ich habe nur höchstens eine Sekunde weg- gesehen!"

Ich komme eine» Tages her unb zeige es Ihnen", oerfprach er ernsthaft, und er stand be­reits auf der Straße, als es ihm einfiel, daß es ihm nicht geglückt war, den Namen dieser sehr tüchtigen jungen Dame in Erfahrung zu bringen.

cnbil Lansdown lief zum Fenster, das den Platz überschaute, und sah ihm nach, bi» er ihren Blicken entschwunden war. Um ihre Lippen irrlichterte ein Lächeln, und in ihren Augen stand das Licht des Triumphe». Ihre erste Regung war gewesen, ihn gründlich zu verabscheuen, selbstzufriedene Männer konnte sie auf den Tod nicht ausstehen. Dann aber war er ihr in einem andern Licht erschienen. Ob sie ihn jemals Wiedersehen würde? Es gab so roemg Menschen, mit denen man lachen konnte, unb Unterinspektor Dick Marlin sie nahm feine Visitenkarte auf unb las halblaut feinen Namen war einer jener wenigen, bei deren Anblick es einem warm ums Herz wurde.

r.

Es war am späten Nachmittag, als Dick vor der zerbröckelnden Mauer und der in rostigen Scharnieren hängenden Pforte de»Galgenhofs" feinen Wagen bremste. Der unkrautuberwochsene Fahrwea enthüllte bei einer plötzlichen Biegung ein unscheinbare» Haus.

Er fand fein« Klingel unb trommelte fünf Minu­ten lang an der verwitterten Tür. brs schlürfende Schritte und das Klirren einer zurückgeschobenen Kette sich hörbar machten. Di« Tür öffnete sich genau zwei Zentimeter.

In dem schmalen Spalt erblickte er ein langes, gelbes Gesicht, von Runzeln durchfurcht wie ein eingetrockneter Apfel, einen schwarzen Bari, der [einem Besitzer bis zur Magengrube reichte, eine schmierige Kappe und ein Paar tückisch blickender, abgründig schwarzer Augen.

Doktor Stoletti?" fragte Dick.

Das ist mein Name." Seine Stimme war rauh und hatte einen fremden Klang.Dollen Sie mich sprechen? Das ist ja phänomenal! Ich empfange sonst keine Besucher!"

Er zögerte einen Moment, bann wandte er den Kopf und sprach mit jemand, der hinter ihm stand, unb bei dieser Denbung gab er Dem Detek-

ttv Den Blick auf einen jungen, rotroangiaen, ele­gant gekleideten Mann frei. Bei Dicks Anblick trat dieser rasch zurück.

Guten Morgen, Tommy", begrüßte Dick Mar­tin ihn höflich.Das ist ein unerwartete» Ver­gnügen."

Tommy Caroler bot in ber Tat einen vergnüg­lichen Anblick. Seine Wäsche war tabcUos, sein Anzug bas Kunftprobukt eine» erstrangigen i Schneiders.

Guten Morgen, Mr. Martin." Tommy ließ sich nicht so leicht aus der Fassung bringen.Ich bin zufällig hier, um meinem allen Freund Stoletti guten lag zu sagen."

Dick blickte ihn bewundernd an.

.Donnerwetter! Sie Haden sich rausgemacht!

Was treiben Sie denn jetzt?"

Tommy schlug resigniert die Augen nieder.

J)aben Sie keine Sorge. Ich fress« nicht» mehr ab». Ich habe einen Beruf ergriffen, der seinen

I Mann ernährt! Also, aus Wiedersehen. Stoletti!"

Er schüttelte dem bärtigen Mann mit etwa» übertriebener Herzlichkeit die Hand und schickte sich an, die Stufen hinabzugehen.

.Halt, Tpmmy. Können Sie einen Augenblick auf mich warten? Ich möchte ein paar Worte mit

. Ihnen reden!"

Tommy Cawler zögerte unb warf einen flüch­tigen. sich vergewissernden Blick auf bas bärtige Gesicht Doktor Stoletti».

Na schön", brummte er ungnädig.Aber viel Zeit hab' ich nicht. Nochmal» besten Donk für die Medizin, Doktor, fügte er lauter hinzu.

Allein Dick durchschaute da» Manöver sofort, und seine Lippen verzogen sich spöttisch. Er folgte 6ta- letti in die Halle. Wetter lud chn ber seltsame Monn nicht ein.

Sie sind von ber Polizei, nicht wahr?" fragte er. noch bevor Dick ihm seinen Ausweis gezeigt hatte.Das ist phänomenal! Ich hatte schon eine lange Zeit nicht bie Ehre. Unb alles wegen eines kleinen Hunbes, mit dem man im Intereste der Wissenschaft erperimentiert! So viel Aufhebens um ein unvernünftiges Tier! Unb was wollen Sie jetzt von mir?"

Dick beeilte sich, bie Ursache seines Besuches in wenigen Borten ausemanberzusetzen. Zu feinem

Erstaunen gab Stoletti die Entwendung des Buche- unumwunden zu:

Do» Buch lag auf dem Tisch. Es interessiert« mich, darum nahm ich es mit!"

Aber mein Herr", wandte Dick, verblüfft über soviel Kaltschnäuzigkeit, ein.Sie dürfen doch nicht jo nolens oolens mit einem Buch auf und baoon gehen, nur weil e» Sie interessiert!"

Aber warum denn nicht? E» war eine öffent­liche Bibliothek, deren einziger Zweck es ist, Bucher auszuleihen. Ich wollte bas Buch ausleihen, clfo nahm ich es mit. Ich habe es nicht heimlich getan. Ich habe bas Buch ganz osten unter meinen Arm geklemmt, vor der jungen Signortna den Hut ge­lüftet und bin gcaangen. Ich habe es ausgelesen, und es kann an seinen Platz zuruckgehen. Haeckel ist ein Narr. Seine Schlüsse sind absurd, aber (eine Theorien find ohänomenal! Ihnen würden sie wahrscheinlich sehr langweilig Vorkommen, aber mir ..." er brach ab, zuckte die Achseln unb gab einen krächzenden Laut von sich, der bei ihm wahrscheinlich die Rolle de» Lachens spielte.

Der Detektiv hielt einen kleinen belehrenden Dor­trag über die Leseoorfchriften ber Bibliotheken. Dann schob er bas Buch unter ben Arm unb ging hinaus, um sich bem wartenden Tommy Cawler anzuschließen. Er hatte setzt einen Dorwand für einen zweiten Besuch in der Bibliothek, und da» erfüllte chn mit tief innerster Befriedigung.

Unb jetzt Tommy" er begann ohne über­flüssige Vorbereitung, unb feine Stimme hatte einen gebietenden Klangzu Ihnen! Ist Stoletti Ihr Freund?"

Er ist mein Arzt!" sagte Tommy Cawler kalt- blutig.

Seine blauen Augen hatten einen fröhlichen Blick. Dick stand mit ihm auf gutem Fuße. Er war einer jener wenigenOpfer seines Berufs", für die er eine ehrliche Sympathie hatte. Tommy Cawler mar ein berüchtigter Autodieb, ein Mei- fter in seinem Fach, der mit fröhlicher Selbstver­ständlichkeit und gelassenster Miene von jedem un­behüteten Auto Besitz nahm. Zwei von seinen Der- urteilungen waren Dicks Werk unb das Resultat mühevoller Arbeit.

(Fortfetzung folgt.)