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Nr. 108 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

Dienstag, 8. Mai (928

Deutsche Erziehung und deutsche Schulen im Auslande.

Don Or. Wilhelm Henß, Gießen.

Der Verfasser spricht am Freitag im®er* ein für das Deutschtum im Aus­land über Grundfragen deutscher Erzieh­ung im Ausland.

Der Weltkrieg mit seinen Kriegsschauplätzen in den verschiedensten Teilen Europa» und der Welt und der aus den militärischen und wirt­schaftlichen Zusammenbruch hin erfolgende lang­same Wiederaufbau Deutschland» sowohl, wie die gleichfalls nach dem Kriege von Jahr zu Jahr stärker werdende deutsche Auswanderung haben nicht nur einen groben Teil de» deutschen Volke» über die Grenzen de» 'Batcrlanbei ge­führt. da» deutsche Volk hat auch durch Krieg und Snflation am eigenen Leibe erfahren, daß die wirtschaftliche Lage Deutschland» abhängig ist von der gesamten WeltwirtschastSlage. Diese Erkenntnis hat auch die Bedeutung de» Deutsch­tum» im Ausland« für den Wiederaufbau und die weltwirtschaftliche und weltpolit.sche Stellung Deutschland» mehr denn je erkennen lassen. So erklärt es sich, dab gerade nach dem Weltkriege, dank auch der intensiven Arbeit de» .Vereins für da» Deutschtum Im Au»lande" da» Interesse am Deutschtum im AuSlande immer stärker ge­worden und In die weitesten Schichten unsere» Volke» hineingedrungen ist. Und diese» Interesse erscheint noch um so begründeter und notwendi­ger. weil wir Deutsche eine so grobe Zahl von StammeSangehörigen und Volksgenossen haben, die aus der ganzen Welt zerstreut in kleinen oder gröberen Siedlungen unter fremden Volkern leben. Bund 40 Millionen sind c». die außerhalb der Grenzen de» Mutterlandes wohnen und Zu­sammen mit den 60 Millionen innerhalb der Grenzen de» Reiche» die grobe deutsche DolkS- und SchicksalSgemeinschast bilden. Diese Tatsache schlieht aber eine grobe Aufgabe in sich, die Deutschland gestellt ist, und an der alle Volks­genossen miizuarbeiten berufen sind. Im AuS- landdeutschtum sind nämlich die Eigenschaften deutschen Wesen», seine Licht- und Schattenseiten in stärkerem Mähe erkennbar. alS e» bei den gleichsörinigeren Verhältnissen de» Mutierlande» Der Fall ist. Glühendste Liebe zum Deutschtum und zäheste» Festhalten am deutschen Wesen unter schwierigen Derhültnifsen stehen neben kränkendster Gleichgültigkeit und raschestem Aus- gehcn im fremden Volkstum ebenso unvermittelt, wie die glühendste Vaterlandsliebe der August­tage 1914 und die schmählichste Gleichgültigkeit im November 1918. Ausgabe ist e» darum, die in einer fremden Umgebung wohnenden und durch die mannigfachen Einflüsse einer fremden Sprache, eine» fremden Volkstum» und einer fremden Kultur in ihrem Deutschtum stark ge­fährdeten DolkSgenosien dem Deutschtum zu er­halten. sie an deutschem Kultur- und Geistesleben teilnehmen und sie au Kulturträgern und zu einem Kultursaktor im AuSlande werden zu lassen. DaS aber ist wesentlich und in erster Linie eine Frage der Erziehung. Deutschland wird diese grobe Kulturausgabe darum nur dann erfüllen können, wenn es auch der deutschen Erziehung im Auslande und den dieser Ausgabe im besonderen dienenden deutschen Schulen im AuSlande ein gröbere» Interesse al» bisher und feine materielle und moralische Unterstützung zukommen läßt.

Sin kurzer Blick auf unsere deutschen Schulen im AuSlande. auf ihre geschichtliche Entwicklung bi» auf den heutigen Stand, mag un» die ge­leistete Arbeit und die bevorstehend« Aufgabe auf biefcm Gebiete zeigen. Ich verweise bei dieser Gelegenheit auf das kürzlich im Verlag IuliuS Beltz. Langensalza, erschienene zweibän- big« Werk .Aus deutscher Bildungsarbeit im AuSlande. Erlebnisse und Erfahrungen in Selbst- zeugnissen aus aller Welt", herausgegeben von Pros. Dr. Franz Schmidt und Staatsminister a. D. Dr. B o el i h. das uns in einer großen Zahl von Beiträgen auS den verschiedensten Teilen Europas und der Welt ein lebensvolles Bild dieser Arbeit gibt.

Die Geschichte der Entwicklung unserer deut- schen Schulen im Auslande liegt vielfach noch

Oer Vater des Roten Kreuzes.

$u Henri Tunnute 100. (Geburtstag

Da» Rote Krmz, dessen segensreiche» Wirken zur Linderung der Leiden der Menschheit sich tn Krieg und Frieden bewährt hat. gehört heute in allen zivilisierten Ländern zu den Einrich­tungen. die wir un» nicht mehr fortdenken können, die un# als selbstver ländlich erscheinen. Die ganze Welt vcr inigt sich daher, um dem Schöp­fer dieses internationalen Bundes der Menschen- liebe an seinem 100. Geburtstag den Dank ab- zustatten. Henri Dunant entstammte einer Gen­fer Patrizier!amilie und widmete sich schon früh menschen r undllchen und gemeinnützigen Ideen. Sein Plan war. einen großen internationalen Verein zur Linderung des Unglücks aller Art zu schassen. Aber durch ein ihn im Innersten aufwühlendes Erlebnis wurde er zunächst daraus hingelenkt, sich mit dem Schicksal d r Verwun­deten im Kr ege zu beschädigen. Durch einen Zufall geriet er. auf einer Geschäftsreise durch Italien begriffen, am 24. Juni 1859 auf daS blutige Schlacht «Id von Sol erino. wo bei Ein­bruch der Rächt Taufende und aber Taufende von Verwundeten, ungelabt und unverpflegt unter den Toten lagen. D r junge Menschenfreund widmete sich, im Ini'.er'tcn erschüttert, ben Un­glücklichen; in seiner weißen Kleidung weithin sichtbar, war et unermüdlich tätig, tränkte die Dürstenden, bettete die Unglücklichen und unter­stützte die A:rzt:. Er wußte auch andere Reifende dazu zu bewegen, an diesem W.r. teilzunehmen, und errichtete mit ihrer Hilfe in einer Kirche ein Lazarrtt für 500 Kranke. Als der .Sama­riter von Golferin o" lebt Henri Dunant in der Geschichte fort, denn diese Tat wurde zum Ausgangspunkt seines ganzen W r en» und feint r weitweiten Wirkung. In dem heißen Drange, gegen diese unwürdige und graufame Behandlung d r Verwundeten im Kriege etwas zu tun, we id.t er sich an den französischen Korn- mandiere.iden MacMahon und dann an Ra- poleon III., der zunächst einmal die Freilassung der gefangenen österreichischen Aerzte befiehlt.

lehr im Dunkeln Der Deutsche im Ausland« hatte nicht die Muse au geschichtlicher Betrach­tung. die Heimat fein Interesse für das Schicksal der Hunderttausend« ihrer in die Fremde ge­zogenen Söhne. Erft gegen Ende des vorigen Jahrhundert» wurde die Bedeutung de» AuS- landdeutfchtum» für die weltpolitischen und weit- wirtlchaftlichen Beziehungen de» Deutschen Rei­ches erkannt und damit wurde auch die Heimat auf die BildungSarbeit im Ausland« aufmerk­sam. was u. a. auch daraus hervorgeht, daß im Jahre 1878 ein ReichSschulsondS zur Unter­stützung und Förderung deutscher Schulen im Ausland« geschassen wurde.

Der erste stärkere Anstoh zur Gründung deut­scher Schulen im AuSlande wurde gegeben durch die Reformation. Luthers Bibel lesen und ver­stehen können, den Katechismus kennen, di« Kirchenlieder mitsingen können, das empfand der Deutsche im Auslande nun alS eine Überlegen­heit seine» Wesens gegenüber dem Nichtdeutschen. Das wollte er auch seinen Kindern mitgeben, da­mit sie der Väter würdig seien. Die ältesten deutschen Schulen, die es. abgesehen von den deutsch-baltischen und den sieoenbürgi ch-sächsi- schen Schulen, gegeben hat. waren demgemäß Kirchenschulen, wie die in Stockholm (1569), Moskau (1626). Kopenhagen (1643), St. Peters­burg 11710), London 117t-9), Warschau '1780'. Alle damaligen Schulgründungen waren Veran­staltungen evangelischer Kirchengemeinden. _ Es gab noch feine deutschen Schulen als GeschästS- untcmcbincn einzelner Schulmänner. Die reli­giösen. sittlichen und nationalen Kräfte der Re­formation find so zu einem der stärksten Hebel der Erhaltung des Deutschtums im Auslande geworden. Darum kann auch das deutsche Aus­landschulwesen nach seiner inneren Kraft und nationalen Bedeutung ohne volle Würdigung der Auswirkung de» reformatorischen Geistes überhaupt nicht verstanden werden. Die erste Gründung einer katholischen deutschen Schule im Auslande fällt In das Jahr 1846. Es war die Deutsche Schule in Santa Catharina da Felix, einem deutschen Ansiedlerdorf in Brasilien. Von der Mitte de» vorigen Jahrhundert- an ist dann in Süd- und Nordamerika sowie in den euro­päischen Staaten eine ganze Reihe deutscher katholischer Schuler, entstanden.

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts etwa weicht die deutsch« Kirchenschule mehr und mehr der deutschen R a t i on alschule. In Chile wer­den die ersten nicht bekenntnismähigen deutschen Schulen gegründet. 1851 in Ofotno. 1858 in Valdivia und Valparaiso, 1859 in La Union. Ihr Träger ist feine evangelische oder katholische Kirche mehr, sondern ein deutscher Schul- verein. Auch in Europa vollzog sich an vielen Orten eine Umgestaltung in diesem Sinne. Aber auch wo die alte kirchliche Gemeindeverfassung er­halten blieb, streifte die Schule oft selber den konfessionellen Charakter ab und wurde zur all­gemeinen deutschen Schule für Schüler aller Bekenntnisse. 3m 19. Jahrhundert stieg die Zahl der deutschen Schulen im Ausland« sehr rasch an. In den ersten drei Jahrzehnten traten nach einer Zählung von Pros. Dr. Schmidt nur 4 Schulen neu inS Geben, im 4. Jahrzehnt 5, im 5.: 12. im 6.: 21. im 7.: 44. im 8.: 74. im 9.: 89. Ihre Ursache haben diese vielen Schulgründungen in der starken Auswanderung seit den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhun­derts und dem dadurch bedingten Anwachsen des Auslanddeutschtums. Der besonders starke Auf­schwung nach 1870 aber erklärt sich aus dem ge­waltigen Eindruck, den der deutsch« Sieg und die Gründung des Deutschen Reiches in der garten Welt machten. Es war ja nun eine Ehre. Deut­scher zu sein, und es wuchs darum auch das Bestreben, deutsch zu bleiben und seine Kinder dem Deutschtum zu erhalten. In diese Zeit fällt auch die Gründung der ersten höheren deut­schen Auslandschulen. Mit dem Ein­treten Deutschlands in die Reihe der Weltmächte nimmt auch das deutsch« Aus- landschulwesen wieher einen gewaltigen Aus- und damit den ersten Schritt zur Reutralisierung des Sanitätspcr onals tut

Sein Ergebnis legte Dunant in dem ergreifen­den Buch .Eine Gr.nnerung an Solserino" nie­der in dem er fordert, daß .ein internationales Prinzip ausgestellt und durch einen Vertrag völlerrechtlich geheiligt werde". Da» Heine Buch, von dem Victor Hugo schrieb, daß es .die Menfchlichkeit b.waffne'. sand überall größte Beachtung und wurde die erste Anregung zur Begründung des Roten Kreuzes Auch die Köni­gin A u g u ft a von Preußen la» e» und machte König Wilhelm daraus ausrnerkfarn. der sich tat räftig für die Durch ührung dieser Ideen einsetzte Dunant wußte durch sein eifrige» Wir­ken zahlr ich« Herrscher und Staatrn für seinen Plan zu gewinnen. König Johann von Sachsen sagte .Ein Volk, da» sich nicht an diesem men- scher, r undlichen Werk beteiligte, würde von der öffentlichen Meinung Europas in die Acht er­klär. werden. Eo kam es 1864 zu den .Genfer Konvention", an der sich 16 Staaten be­teiligten. und bei d r die Verwundeten und da» Sanitätspersonal krieg ührender Rationen unter den schuh und die Unoerletzlichfeit des Roten Kreuzes gestellt wurden. Dieser erste Sieg eines neuen milturm Geistes bewährte sich zum crftc-i- ma! bei dem Krieg von 1863. und König Wil­helm konnte, als er bald danach Dunant an seinen Hof lud. ihm mit Stolz sagen: -Ich habe jetzt Ihr Werk zur praktischen Ausführung ge­bracht." 'Der Gedanke wurd.' dann auch auf die Marinen ausgcdrhnt und zeigte seine Kra't im deutsch- ranzösischen Kriege. Auch während der langen Zriedrnszrit hat Dunant unablässig für seine Ideen weitcrzearbeitet und besonders für die Friedensbewegu ig aetoirft. Er opferte seinen Def.r bungen sein halbes Vermögen und Der- amte schließlich vollständig. Ein« furchtbare Zeit der Rot kam über den Greis, der in einem Ge- meindelrankenhaus Ausnahme fand. .Im Alter von 73 Jahren schrieb ich die schmerzlichste Seite meintr Erinnerung", erzählt er davon, .es war die Zeit da ich alle» v r'oren hatte und man mich zu Urrecht beschuldigte, ich hätte mich auf Kosten anderer bereichern wollen. Was ich nw»

Ichwung. So sind in der Zeit von 1890 bi» zum Ausbruch de» Weltkrieges nicht weniger al» 450 Schulen neu gegründet worden, wie. um nur einige zu nennen: Antwerpen (1890). B rufet tlL2' Barcelona (1L9' Madrid (189t?). Rom (1901 Budapest (1908 London (1912) Um da» Jahr 1914 gab es kaum noch einen gröberen Ort in der Welt, in dem sich nicht eine deutsche Schule befunden hätte. Auch die Schülerzahl wuchs, namentlich auch durch den vermehrten Andrang fremdländischer Schü­ler. in diesen Jahren ganz gewaltig. Die deutsch« Schule in Antwerpen hatte im Jahre 1891 270 und im Jahr« 1913 813 Schüler, die deutschen Schulen in Bukarest und Konstantinopel in den gleichen Jahren entsprechend 637:2373 und 330: t42 Schüler

Mit dem äußeren Aufschwung ging Hand in Hand auch eine bebeutenbe innere Entwick - l u n g. ber sich vor allem in dem Streben funb- gab. bi« Schulen zu höheren Schulen in Anlehnung an die deutschen Schulverhiiltnisse aus-ubaucn. Bereits vor dem Kriege halten sich so 13 Schulen zu Realschulen mit dem Recht zur Ausstellung be» Einjährig-Freiwilligen Zeug­nisses entwickelt. Das waren die deutschen Schu­len in: Antwerpen. Barcelona. Brüssel, Del- prano, Buenos Aires. Bukarest, Davos. Genua. Konstantinopel. Madrid. Mailand. Mexiko und Rom. Darunter waren vier Schulen, die zu CBollan ft alten mit dem Recht zur Erteilung d«S RciiezeuanisteS au»gebaut waren. Das waren die Oberr.alschulen in Antwerpen. Bukarest und Konstanlinopek und das Deutsche Realgtzmnasium in Brüssel.

Als der deutsche Kaiser und die Kaiserin nebst dem Reichskanzler, Fürsten Bülow, im Jahre 1898 gelegentlid) der O t i e n t r c i f e die deutsche Schule in Konstantinopel besuchten und einen Eindruck bekamen von der kulturellen und po­litischen Bedeutung einer AuSlandschule. hatte das die Wirkung, daß der sogenannte ReichS- s ch u l s o n d S . ber bisher nur 150 000 Mk. be­trug. auf das Doppelte erhöht und in ber Kulturpolitik des Auswärtigen Amts neue Wege eingeschlagen wurden. Der Reichsschulfonds wuchs bann in den Jahren 1904 auf 530 000 Mk. 1910 auf 900 000 Mk.. 1912 auf 1 030 000 Mk. DaS Auswärtige Amt nahm durch Berufung eines Schulmannes in di« Kulturabteilung die Förderung des Ausland­schulwesens felber kräftig in Die Hand, sorgte vor allem für die Vermittlung von Lehrkräften sowie deren Sicherstellung und zweckmäßige Vor­bereitung. Insgesamt hat da» Auswärtige Amt bis zum Kriegsausbruch rund 700 Lehrer auf Grund eigener Auswahl in» Ausland geschickt. Ein besonderes Gepräge erhielten die deutschen Auslandschulen durch den starken Andrang einheimischer Schüler zu den deutschen Schulen, der etwa um die Wende des Jahr­hunderts einsetzte und von Jahr zu Jahr stärker anichwoll. So waren im Jahre 1912 von den 2373 Schülern und Schülerinnen ber beullchen Schule in Bukarest nicht weniger als 1399 Ru­mänen. Dazu kamen noch viele Kinder sonstiger fremder Staatsangehörigkeit und nicht deutscher Abstammung.

Reben diese deutschen Schulen deutscher Kirchengemeinden und privater deutscher Schul- vereine, die auS dem Bedürfnis nach deutscher Crzicchung für die eigenen Kinder hervor- gingen, entstanden vom Jahre 1907 an auch deutsche Dropagandaschulen", nament­lich in Ehina. die von der deutschen Reichs­regierung errichtet und unterhalten wurden. All­mählich kamen auch andere Länder, wie Japan, Chile. Argentinien. Peru. Panama. Colurnbien, Persien, die Türkei. Afghanistan und Rord- amerila ganz von selbst darauf, deutsche Schulmänner und Gelehrte zur Um« Seftaltung ihres Schul- und Bildungswesens nach eufchem Muster zu berufen. Das deutsche Aus- landschulwescn war also vor hem Kriege auf einer beachtenswerten Höhe ber Entwicklung an­gelangt unb bot ein erfreuliches Bilb rast­loser Arbeit und gesunden Fortschritts. Auch in der Heimat wuchs das Verständnis für die De- deutung der deutschen Schulen im Ausland« immer mehr, und es war zu hoffen, daß sie nach­holte. was sie bisher versäumt hatte.

Da kam der Krieg unb vernichtete mit einem Schlage den Erfolg jahrzehntelanger mühe­

voller Arbeit. In allen gcinbftaatcn war die deutsche Bildung»arbeit von 19141920 oder gar noch länger unterbrochen. In einigen ist sc« auch heute noch nicht wieder ausgenommen Fast über­all aber, wo deutsche Schulen beute wieder in» Leben gerufen werben, muh wieder von vorn« und vielfach unter ganz anderen und weit schwie­rigeren Verhältnissen al» vor dem Kriege be­gannen werben, denn es haben sich burch ben Krieg nicht nur bie politischen und staatsrecht­lichen Verhältnisse vieler Länder geändert, auch die Zusammensetzung unb die Zahl ber Deutschen ist wieber eine ga^i anbete wie vor bem Kriege Dennoch macht sich in ben letzten Jahren schon wieder ein« erfreulich« Aufwärtsentwicklung bei unteren deutschen Schulen im Ausland« bemerk­bar. Richt nur. bah eine ganze Reihe ber alten Schulen ihre Pforten wieber geöffnet haben, e» sind auch weiter«, neue Schulen hinzugekom- men. hier unb ba haben sogar bie Schulen bie Be'uchsziffem der Vorkriegszeit wieber erreicht. Auch der deutsche Auslandlehrer strebt schon wie­der au» seiner Isolierung heraus unb sucht nach einem Zusammenschluß, um die vielen 5ra- g.n. d e an ihn herantreten, gemeinsam zu lösen. Sv konnte im vorigen Jahr in Darmstadt ein .Weltverband deutscher Luslandlehrer" ins Le­ben gerufen werben ber alle an beutschen Schu­len im 2[u»lanbe tätigen Lehrer umfaßt unb ihre Interessen vertreten tri L Gemeinsam He­ben diele deutschen Lehrer auch eine Zeitschrift.

Vie Deutlch« Schul« Im AuSlande' . heraus, r e allmonatlich er cheint iDerlag Heckner. Wolsen- büttel) und fortlaufend über bie Entwicklung des AuSlandschulwelen» in ber weiten Welt sowie über bie Erziehungsfragen beS Auslanddeutlch- tum» berichtet.

Wenn auch ber Ansana zu einem Wieberauf- bau unserer beutschen Schuten im Ausland« ge­macht ist. so bleibt doch noch viele» au tun. bie wir ben Stank) vor dem Kriege wieder erreicht haben werben. Unb biese Arbeit wirb noch man­ches Opfer kosten, an dem sich auch die Heimat beteiligen muß. indem sie bie Bestrebungen d«S V. D. A. und damit auch die Bestrebungen un­serer deutschen Schulen unterstützt, nicht nur ma­teriell, londern auch dadurch, daß da» Interesse an dieser Äulturaufgab« ständig wach gehalten und in bie weitesten Schichten unsere» Volke» hineingetragen wirb. Rur bann kann wieber ein beutfäK» Schulwesen im Ausland« erblühen, das der Bedeutung d«S deutschen Gedankens in ber Welt würdig ist.

Oie Jagd im Mai.

In frischem Grün prangen Forst unb Flur. Feier stimm ung burchzieht des Weidmannes Herz, wenn er sein Revier betritt, da» wie verjüngt er­scheint. Zwar ruht die meiste Jagd, doch entschä­digt manch guter Anblick den Heger und Pfleger seines WildeS.

Die Jagd auf Rot- unb Damwild ist für ben Weidmann geschlossen, auch wenn da» Gesetz wie in Hessen den Hirsch freigibt. Der Rothirsch schiebt sein neue» Geweih, der Schaufler wirft ab. Da» Mutterwild setzt und muß vor allen unnötigen Störungen bewahrt werden.

Schwarzwild hat keine gesetzliche Schonzeit, doch wird kein anständiger Jäger die führende Bache ahschießen.

Das Hauptinteresse pflegt jetzt dem Rehwild zu gelten. Der Bock ist mit dem Ausbau seiner Krone fertig. Gute Böcke haben schon gelegt und verraten durch Fege- und Plähstellen ihre Wechsel, die sie noch fest einhalten. In der Zeit von Mitte Mai bis Anfang Juni beginnt denn auch in den meisten deutschen Ländern die Schuß- zeit des RehbockS. In Hessen ist der 16. Mai der erste Oagbtag, während in ben benachbarten preußischen Teilen der Tag alljährlich burch bie Bezirksausschüsse besonders festgesetzt wirb. So ist im Reg -Bez. Kassel ber 27. Mai als erster Tag und in der Rheinprovinz <Kr. Wetzlar) ber 30. Mai festgesetzt Für ben Weidmann sollte im allgemeinen nicht ber gesetzliche Termin maß­gebend fein, sondern die Frage, ob der Bock bereits verfärbt hat und feine Sommerdecke trägt Die Jagd auf ben roten Bock gilt mit Recht für die meisten unserer einheimischen Jäger alS die Krone des Weidwerks. Daher ist auch in zahl-

ralisch unb materiell gelitten habe, übersteigt jede Delchr ibung." Don Stuttgart, wo er bei einem Fr unbe freundliche Aufnahme sand, ging bann ein Appell an bas össentliche Gewissen auS. das nicht ohne Er olg blieb. Die russische Kai- scrin-Witwe setzte ihm ein Ehrengehalt aus. ur.b als der RobelpreiS zum erstenmal ver­liehen wurde, da war eS felbstverständllch. daß dcr greife Vorkämpfer ber Friedensidee bedacht wurde: er erhielt den Preis zusammen mit Fre- b.ric P a s s y. Dunant hatte sich unterdes,en in eine stille Einsiedelei in dem Appenzeller Städt­chen Heiden zurückgezogen, wo er seine Memoiren schrieb. Hier ist er friedlich am 30. Oktober 1910 gestorben.

Lichtspielhaus Bahnhofstraße.

Nach langer Zeit hat man wieder einmal Ge­legenheit, im gegenwärtig lausenden Programm des Lichtspielhauses in der Bahnhofstraße, Elisabeth Bergner zu sehen. Und zwar in ihrem neuesten FilmD o n n a Ö u a n a, einem nach dem Spanischen des Tirso de Molina von Paul C z i n n e r dramaturgisch bearbeiteten und insze­nierten Filmdrama, das eine sehr glückliche Mischung^ von Shakespearelustspiel unb Schelmenroman dar­stellt und der mit Recht gefeierten Schauspielerin Elisabeth Bergner selbst in der naturgemäß stum­men Rolle der Donna Juana wundervolle Möglich­keiten der (Entfaltung ihres persönlichen Liebreizes und ihrer fast beispiellosen darstellerischen Kunst bietet. Der Film, halb Komödie der Irrungen, halb Märchenspicl, in das Gewand einer altertümlich­spanischen Romantik gekleidet, schildert Leid und Freude und glückliches Ende eines kleinen Liebes­romans der jungen Juana, der noch allerlei Donqui- choterien, Irrfahrten und ritterlichen Abenteuern mit der endlichen Bereinigung der beiden Lieben­den freundlich und wolkenlos endet. Die Bergner steht inmitten der altfränkischen Grandezza des spanischen Zeremoniells wie eine der kleinen, kind­lich zarten Infantinnen des Delasquez und ist durch alle sechs Akte hindurch entzückend anzu- lehen. (Ihre Stimme muß man sich, leider, dazu- denken.) Aber auch ohne die silberne Musik dieses munberjeltenen Organs bleibt noch genug des Schönen

und Anmutigen und charmonievollen im Spiel der Augen, der Hände und des unendlich zarten Kör­pers in der Bildgestaltung gefangen, daß es ein wirklicher Genuß ist, dem graziösen und dramatisch belebten Spiel bis ans Ende zu folgen Es ist auch sonst an dem Werk nichts zu tadeln: die Regie ist von künstlerischem Empfinden bestimmt und technisch sehr sicher: die Photographie auege zeichnet und die übrige Besetzung sorgfältig gewählt. Wir nennen besonders Walther Ri 11a, Max Schreck und Wolsgana v. S ch w i n d. In der Vorführung dürfte es sich jedoch empfehlen, bas Tempo stellenweise etwas zu mäßigen, einige grö­ßere Titeltexte konnten nur erraten werben. Ein Formfehler ist es oußerbem, diesen Film, ber an ben Schluß des Programms gehört, in die M tte zu stellen. Die Bilder von der Winterlporiolym. piade in St. Moritz würden zweckmäßigerweise an die Wochenschau anzuschließen (ein. -r-

Das Elekiron-Metall.

Heber bie V«rsuchs«rgebnisfe mit bem ßleftron- Metall werben jetzt weitere Einzelheiten be­kannt. Es hanbelt sich bei bem Elektron-Metall um eine Lezierung aus Magnesium (80 bis 99 Teile) unb Aluminium. Es ist unge'ähr 40 Pro­zent leichter als alle bisherigen Alumintum- Legierungen. Von besonderem Interesse ist bas neue Metall bisher schon für bie Automobil- inbuftrie gewesen, unb verschiebene große deutsche Firmen haben wichtige Teile aus dem Metall für ihre Konstruktionen angefertigt.- Die größte Bedeutung hat es aber fraglos für die Flug­zeugindustrie, bei der dem Metall besondec» große Aussichten zugesprochen werden, ©egen» wärtig werden schon vielfach bie Scheibenräder unb bie Echwanzspvrne au» Elektron her gestellt; bie Junkers-Werke sollen bedeutende Aufträge gegeben haben. Eine süddeutsche Flugzeugfirma soll bereits dabei fein, ein ganzes Flugzeug aus Elektron-Metall zu konstruieren. Was ben Preis be» Elektrons anbelangt, fo stellt er sich im we- sentlichen nicht erbeblich höher als Aluminium, was natürlich auch einen erheblichen Vorteil be­deutet.