llr.184 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)
Dienstag, 7. August (928
Schweizer Brief.
tloifebffldirrn und fremde Lrden Von unffrm Berner Mitarbeiter.
Bern, un üugufi 1928.
8m 21.Juli wurde her eidginu'lisch-. Bunbce» tanzt«i In Bern rin neue» Vol!->v«^hren über» reicht, bo» mit 76IX«' Unlerfchriften versehen war. (l s verlangt Dir Ausnahme eine» neuen Her» sassungeorlikei». der (ehern Schweiz erdür- fl e r die Annahme eine» von einer fremden Begierunfl verliehenen Orden» verbietet. Damit ist eine Bewegung zu einem vorläufigen flb|d)luh gefommen, die die ichweizc rische Oeffentlichkeit schon seit Dohren beschösligt hat.
Di Lchwiz Hai dem 16. bi» zum 18., ,a bi» ins 19. Jahrhundert hinein eine Zeit fi 6 r f fl e r ausländischer Einflüsse erlebt^ Dem lamen nach war die Schweiz unabhängig. Tatsächlich vermochte sie auch ihre inneren Angelegenheiten ziemlich selbständig \u regeln. Nach außen ledoch ivar sie zwar neutral, aber doch vor ollem mit Frankreich durch zahllose feste Bindungen verkettet, Da» Crgedni» war, bat) die Schwell dem nwfUid)en Nachbarn durch diese ganzen Jahrhun- Derte hindurch einen ansehnlichen und hochg.-icha« ten Teil seiner Armee lieferte. Aus allen Schlachtfeldern der französischen Eroberungskriege oerfprih- len Schweizer zu lausenden, ja Zehntausenden ihr Blut. Die Fortdauer dieses Verhältnisses aber wurde durch einen unaufhörlichen Segen von Auszeichnungen und hohen Geldzahlungen an alle einflußreichen Peiivnlichkeiten der vidgenossenschast gewährleistet. Und mit diesen Bestechungen von Frankreich her wetteiferten immer wieder von Zeit zu Zeit der Papst, Venedig, Spanien, chabcburg, die Niederlande usw.. die cb-nfaUe schweizerische Truppen gebrauchen konnten Diese» Bestechiingssystem im großen bildet «inen sehr trüben Abschnitt unserer Geschichle.
3m 19. Jahrhundert wurde mit allen diesen Dingen Schluß gemocht. Die fremden Kriegsdienste wurden verboten. Den eidgenössischen Behörden wurde es streng untersagt, irgenwelche Geschenke und Auszeichnungen vom Ausland onzunehmen. lind diese Verbote blieben nicht nur auf dem Papier, sondern sie wurden wirklich streng durchgeführt. So verschwand der unmittelbare Ein- fluß de» Auslandes auf unser politisches Leben. Die Erinnerung aber on die früheren Zustände ist geblieben, und sie ist im Volke so stark, daß jederzeit an diese Volksabstimmung appelliert werden kann, wenn neue Mißstände auszukommen drohen.
Dazu aber zeigten sich in den I eßt en beiden Jahr- zehnten immer stärkere Ansätze. Wie in allen neutralen Kleinstaaten waren schon vor dem Krieg, besonders aber seit 1914 die Großmächte eifrig an der Arbeit, um ihren politischen Einfluß zu stärken. Da» hotte man In der Schweiz auf die verschiedene Weise merken können. Wohl am eifrigsten hat sich dabei Frankreich umgetan. Ein fjaupt- lockmittel bildete hierbei die Verleihung von Orden. Die Ehrenlegion wurde in freigebiger Weise an Schweizer verliehen. Heute gibt es in der Schweiz schon über ein halbe» Tausend Inhaber diese» Orden», davon auch eine Anzahl der höheren Grade. Dazu kommen die noch weit zahlreicher verteilten grünen, violetten usw. Bändchen der verschiedenen geringeren Auszeichnungen. Und schließlich stehen Frankreich ja auch die Orden de» Bei von Tunis und de» Sultan» von Marokko zur Verfügung. Bon dieser billigen Art der Propaganda Hot Frankreich, wie gesagt, in Immer steigen d e m Maße Gebrauch gemacht. Alle andern Staaten kommen dabei nur wenig in Frage. Von Pari» aus aber macht man aus den Ordensverleihungen ein förmliche» System. Man belohnte damit alle die Leute, die sich während de» Krieges und nachher der französischen Sache an- genommen hatten. Man bedachte mit den Orden auch die Kreise, die Einfluß auf die öffentliche Meinung haben, und die man also gerne gewinnen möchte. An zahlreiche Journalisten, Hochschullehrer, Persönlichkeiten de» politischen Leben», bekannte Künstler, Sportleute usw. wurden Orden verliehen Dabei blieb jedoch der französische Ordenssegen falt durchaus aus die welsche Schweiz beschränkt. Hier wurde die Annahme fremder und vor allem französischer Orden nach- gerade zur Selbstverständlichkeit. Bei allen möglichen öffentlichen Anlässen konnnte man die roten
‘Der Sieg her deuischen Krau.
Von Kurt Hallberg.
ttxmij die deutsche Stau der Amerikanerin heute noch nochsteht. wenn es gilt, im Wettkampf ..ihren Mann zu stehen' . geht aus dem Erfolg von Frau Radke-Batfchauer hervor, jener Breslauerin, die soeben in Amsterdam die Strecke von SAD Metern in 2 Minuten 18.6 Sekunden gelaufen ist und damit einen neuen Weltrekord ausgestellt hat. S.e hat sich mit ihrer hervorragenden Leistung die Goldene Medaille wohl verdient, die außer ihr auch der deutschen Florettmeisterin. Fräulein Helene Mayer, zuerkannt wurde. Den zweien Platz im Florettfechten der Damen konnte eine Engländerin. Als Freeman, belegen, während der dritte Platz wieder einer Deutschen zufiel, nämlich Frau Oe Ikers-, deren Leistung um so anerkennenswcrier ist. als sie nicht mehr zu den jüngsten Jahrgängen deutscher Sportlerinnen gehört. Sie ist nämlich Mutter eines vierzehnjährigen Knaben, der die Florettkllnge ebenfalls schon geschickt zu führen weist, wie sich daS bei einer solchen Mutter eigentlich von selbst versteht. Böswillige Kritiker haben früher behauptet. daß es der deutschen Frau, verglichen mit ihren romanischen Schwestern, an Dehcndig- fe-.t und Gewandtheit fehle: sie werden durch deutschen Florettmeisterinnen eines besseren belehrt, da auch der vierte Platz in den intev-
^cist^rfchastskämpfen von einer Deutschen. nämlich von Frau S o n d h e i m . errungen worden ist.
Zum Sport gehört nicht nur Körperkraft. fon- oern Dor allen Dingen auch Mut. Daß es dem wewlichen Geschlecht an Mut und Glan nicht < staunende Welt erst vor sieben Wochen erfahren, als Miß S a r h a r t als erste S£aUoJt 2ü[ant.;f<fcen Ozean überflog und so -hr Leben für eine Sache einsetzte, die schon w darunter auch einigen Frauen.
Ni« Leben gekostet hatte. War doch erst kurze - 1 ^gangen, seitdem Glsie Mackav. Lord ^nchcapes muttge Tochter, mit ihrem Piloten ? c 1 lJ f * cm Grab m den Wellen des Atlantischen Ozeans gesunden hatte. Schon vorher
hatte die Fürstin Löwenstein-Wertheim, die seit 20 Jahren Pilotin und ein wirklicher Pionier der Aviatik gewesen ist. in dem Flugzeug „6t. Raphael" das große Wagnis unternommen. von England nach Amerika $u fliegen, und war dabei verunglückt. Auch Eist« Mackay war eine vorzügliche Fliegerin, die zusammen mit zwei anderen Damen der brittschen Aristokratie. mit Lady Diana Eooper und Lady Äinnoul. das erste Fliegerpatent für Frauen erhalten hatte. Heute gibt es in England über 200 Damen, die in den Fliegerschulen arbeiten, um später ihr P i loten«?amen abzulegen. Selbswerständlich gibt es auch deutsche und amerikanische Fliegerinnen in größerer Zahl: aber es ist wenig bekannt, daß sogar bei den orientalischen Böllern Frauen mit sicherer Hand daS Steuer deS Flugzeugs zu führen verstehen. 3n China und Japan können mehrere Hundert Frauen fliegen, und man behauptet, daß sogar die .Königin von Mesopotamien eine gute Pilotin sein soll. 3n Rußland gibt eS etwa 50 Fliegerinnen, und eS würde zu weit führen, wollt« man von allen anderen europäischen Ländern, in denen sich Frauen dem Flugsport gewidmet haben, genaue Zahlen angeben. Die erste Frau, die em Pilotenexamen abgelegt hat. war Wohl die Amerikanerin Auch 3ato Hud son. die schon im Jahre 1912 Fliegerin wurde. 3n Deutschland -st Thea Rasche durch ihre Kunstflüge besonders bekannt. Bevor man aber im Flugzeug durch die Lüfte eilte, haben sich schon viele Frauen in Dallonslügen ausgezeichnet: so flog a. D. Miß Moulton mit ihrem Ballon, an dessen Bord sie zwei Passagiere hatte. 1072 Kilometer in 19 Stunden. Noch einige Minuten länger blieb Frau Lernaire in der Luft, die am 9. unb 10. September 1910 von Paris zur Goldküste flog. Daß es aber auch schon in früheren Generationen Sbortamajonen gegeben hat. beweist das Schicksal der Madame Blanchard, die vor einem Jahrhundert an den Luftballonfahrten ihres Mannes teilnahm: sie setzte die Ballons lüge fort nachdem ihr Mann im Jahre 1809 gestorben war. verunglückte dann aber im Jahre 1819 bei einem Aufstieg in Paris tödlich.
Man muh nicht immer das Leben einsetzen, um große Sporlleistuygen vollbringen zu tonnen.
Bändchen im Knopsloch feher. Die Zeitungen wrmtrften die Neuoertcidungim forgtoltig unter brm Sltnntcort „Au. zeichnung . E» tarnen bereu» ct:v Heide Falle vor. wo dem fr...zö> Orden juliebe auf jqweizerische Ehrenämter verzichtet warbt
In onfcb .‘iiben v'tikn der welschen Schro z Li.b vor allem in her gdai.uen i an bleien Ordcn» unwesen so gut wie frei gebliebenen deutschen Schweiz erregte das Verhallen Frankreichs nach und nach immer größere Mißstimmung. Man iah immer deutlicher, daß offenbar mit dem ganzen Vorgehen fehl b e h i in in t < politische Ziele uci folgt wurden. Osten kam diese Stimmung jui t ersten Male zum Ausdruck im Jahre 1923. als in Genf mitten im Kampf mit Frankreich um d,e Genfer Zonen nn verschiedene Journalisten die (Ehrenlegion verliehen wurde. Damals wurden in den Straßen Plakate mit Protesten angeschlagen. Unb seither ist dann das Vorgehen nicht mehr zum Stillstand gekommen.
Die Führung bei dieser Bewegung gegen die fremden Orden übernahm ichsteßlich der ..Volk» bund für die Unabhängigkeit der Schweiz". Er schlug als einziges Mittel gegen eine derartige Beeinflussung vom Ausland her das Verbot der Annahme aller fremden Orden und Auszeichnungen für jeden Schweizer vor. Und damit dieses Verbot nicht nur auf dem Papier stehen bleibe, schlug er vor, die Ucbertrehing mit dem Verlust des aktiven und paffioen Wahlrechts und des Stimmrecht» zu bestrafen. Dieser
Vorschlag wii'de zu einem neuen Verf ifsungsartikel zusammen gefaßt und zu seiner Durchführung ein Volksbegehren emgeleiirt.
Da» Zeichen zum r.o»sch?aaen gab ein Vorfall in d n eikgenötsilchen Bäten im vergangenen Dezi über. Da ruckte für ein verstorbene» Mitglied bi Uatior.alratc» aus dem Kanton Neuenburg ein techt»anwalt üu» Neuenburg nach, der zum Kreis der „Action Franpis .-* gehört und Ritter der Ehrenlegion ist. D.r Rat genehmigte zuerst die Wahl nicht, bi» e» sich dann heraus- stellte daß man dazu eigentlich keine gesetzliche .'-andhade hatte. Da» Volksbegehren wurde nun ir ort cmackilrt. Es l-anbeii sich tn einem solche,i Falle darum, 500iNi Unterschriften von stimmfähigen Burgern — die Schweiz keimt ja bas Frauenstimmrecht nicht — innerhalb sich» Monaten zufammenzubringen. Die Unterschriftensammlung verlief ruhig, ohne große Kundgebungen noch außen und ohne einen größeren Zeitung», kämpf. Trotzdem und trotz der Aufwendung ganz minimaler Mittel wurde die nötige Zahl der Unterschriften weit überschritten. So wurde bereits Die Einleitung de» Volksbegehrens zu einer wuchtigen Kundgebung gegen die fremden Orden und gegen das ganze Verhalten Frankreichs in dieser Frage. Ob man in Paris daraus eine Lehre ziehen wirb? Auf jeden Fall wird jetzt die ganze Angelegenheit in der Schweiz zur Behandlung in den Räten gclangegn und schließlich dem Doll zur Abstimmung unterbreitet werden. Die Frage wird also ihre Lösung finden.
Die deutschen Ringer schneiden gut ab.
Am Somttag wurden die Entscheidungen i m Ql i n g e n <griechisch-römischer Still ausgetra- g n. Das GrgednrS bicler Gndkämpfe verlief für Deutschland sehr befriedigend, konnten unsere Binger doch eine goldene, zwei silberne und eine bronzen« Medaille für Deutschland erobern. — Die Ergebnisse Bantamgewicht 1 Leucht .Deutschland). 2. Staube (TlchechoNowalei). 3. Gozzi fItaliens. Federgewicht 1 WäIi |G,ftianb). 2. Ma Imberg (Schwedens. 3. O. ua - g*. ta (Italien). Leichtgewicht 1 KereszteS
2 Sperling (Deutschland),
3. Besterlund (Finnlands Mittelgewicht: I. Kolkin en (Fmnland). 2. Papp (Ungarn), 3. KusnetS (Gffland). Halbschwergewicht: l. Moustasa (Aegypten). 2. Sieger (Deutschland), 3. Pellinen (Finnland). Schwergewichte 1-S v e n s s on (Schlveden), 2. 21 fr- fl r om (Finnland). 3 Gehring (Deutsch- ia n d). — 3m Gesamtklassement schnitt Deutschland am besten von allen teilnehmenden Hahonen ab. GS belegte mit acht Punkten den ersten Platz vor Finnland mit heben. Schweden und Ungarn mit je fünf, Estland mit vier. Aegypten mit drei und Italien und Tschechoslowakei mit je zwei Punkten.
Spielvcreinigung 1900 Sieben.
1900 Alte Herren - F. G. 02 Kreuznach Alle Herren 3:0 (1:0).
1900 I Jugend — Dillingen 1. Jugend 1:0 (1:0). 1900 2. Jugend — Grohen-Buseck 1. Jugend 3 l (2:0).
1900 3. Jugend — Leihgestern 2. Jugend ausgefallen.
1900 Schüler — Leihgestern 2. Schüler 1:1 (1:0).
ö. Die Allen Herren vom Fuhball-Glub 1902 Kreuznach waren bereits am Samstagabend nach Gießen gekommen und nahmen an der wohl- gelungenen Feier des 28. Stiftungsfestes der Spiel Vereinigung 1900 im Saalbau Gafö Leib teil. Das am Aachmlliag auf dem Sportplatz an dec .Liebigshöhe" zum Austrag gebrachte Freundschaftsspiel überraschte auf das angenehmste und t>ähe unbedingt besseren Besuch verdient gehabt. Obwohl der heftige Wind sich sehr störend bemerkbar machte, standen die Leistungen beiderseits zeitweise aus hoher Stufe. Man kann mit Recht sagen, daß es biöjetzk da- beste Alle-Herren- Fußballspiel in (Silben war DaS Spiel, das bei dem Seitenwechsel erst 1:0 für 1900 stand, vnbebc mit 3:0 für die Dinheimischen. Der Platz- verein hatte m der ersten Spielhälfte, trotz (Degen- tDJiD. mehr Torchancen, war aber nur einmal durch einen wetten flachen Schuß des linken Läufers erfolgreich Bach der Pause machten die Gäste auS dem Bahetal. die ihre Dis am Sonn- tagvornrittag noch durch zwei nachgekommene Spieler der Ligamannschast verstärkt hatten verzweifelte Anstrengungen um den Ausgleich, der aber nicht glückte. Gegen Schluß tarnen die Blau- weißen aus Dießen, mit dem Bückenwind spielend, immer mehr auf und stellten durch zwei wertere schöne Tove, von Mittelstürmer und Halblinks erzielt, den Sieg sicher. DaS Spiel verlief, trotz des beiderseitigen rgieaufwundes. fair. Der Nnparteitsthe machte hin und wieder kleine Schmtzer, die aber für den Spiekausgang nicht von 'belang waren.
Dor dem Alle-Herrenspiel trat 19006 neu- zusammengestellte 1. Jugend der angeblich 1. 3u- genb vom Sportverein 1922 Dkllingen bei Hungen entgegen und blieb mit 1:0 siegreich Das einzige Tor war ein Gigentor der Gäste. Bon der Platzclf hatte man von vornherein keine große Leistung erwartet, da ja bis jetzt jedes Zusammenspiel sohlte und auch noch Srsatz eingestellt war Ein Schluß läßt sich nach dieser Begegnung daher auch nicht ziehen, insbesondere, da der Gegner statt einer Jugendmannschast. Senioren gesandt hatte, die körperlich den Gießenern wert überlegen waren.
Die 2. und 3. Jugend kombiniert, weilten in Großcn-Duseck und biteben dort nut 3. 1 über Grohen-DuseckS I. Jugend Sieger. DaS Spiel. daS sehr unter dem Wind und der Bodenbe- lchrssenhett litt, stand bei Halbzett bereits 2:0 für 1900.
IX. Olympische Spiele in Amsterdam.
Jleunfer Tag. — Unsere Ringer und Ruderer halten sich gut. Deutscher Wafferballsieg.
Bach dem Abschluß der leichtathletischen Kämpfe und der B i n g k 2 m p f e im griechisch-römischen S.il beherrschten nunmehr am Montag die Bahnradrennen, das Schwimmen und daS Rudern das Programm der Olynwiade. Im Ringen konnte Deutschland, wie bereits gerneibet. durch Leucht in der Bantam-Klafsc eine weitere Goldene Medaille erobern. Ferner fielen unS noch durch Sperling im Leichtgewicht > nd Rieger im Halbschw.-r'.eMicht zwei zweite Plätze, sowie durch Gehring im Schwergewicht ein dritter Platz zu.
3m Schwimmstadion fielen die ersten Entscheidungen. Arne Borg gewann die lange Freistilstrecke über 1500 Meter unangefochten in der neuen olympischen R e- k o r d z e i t von 19.51,8 vor Charlton -Australien und (Srabbc- Amerika. Ebenso überlegen holte sich die Amerikanerin Martha Rore- liuS den Sieg im 400-Meter- Freistilschwimmen für Damen In der neuen Weltrekordzeit von 5.423. Zweite wurde die Holländerin Marie Braun und 3. Mac Äim- Amerika.
In der zwe.ten Wafserballrunde fiegte Deutschland nach Verlängerung über Belg.en 5:3. Die deutsche Mannschaft kommt nunmehr in die Dorschlußrunde gegen England. Frankreich schlug Malta 16:0. England siegte über Holland 5:3. und Ungarn legte Amerika 5:0 hinein.
In den olympischen Bahn-Radrennen konnte Deutschland im Tandemrennen durch Bernhardt-Köther nur einen dritten Platz besetzen. Olympia-Sieger wurden: der Däne Falk-Hansen im Zeitfahren, der Franzose Beaufrand im 1000-Meier-Hauptsahren. der Holländer van Dyk im Tandemsahren. und Italien tm 4000-Meter-Mannschaftsfahren.
Die Ruderer trugen die Hofsnungs- laufe aus. Im Bierer mit Steuermann schlug der Berliner ..Sturmvogel" die ungarische Mannschaft und erkämpfte sich damit die weitere Teilnahme. Im Doppelskuller setzte sich das deutsche Paar D o i g t - H oe ck gegen Kanada erfolgreich durch. Ebenso konnten tm Zweier ohne Steuermann Wüller-Möschter Hollands Vertretern das Rachsehen geben. Im Vierer ohne Steuermann scheidet Deutschland aus.
da der Dresdener Ruderverein durch Pech den sicheren Sieg gegen England vergab.
Tsuruta beffer als Rademacher?
Das Gchwimmprogramm des MontagS begann mit dem Kunstspringen, dessen Vorergebnisse jedoch nicht bekanntgegeben wurden. »Man hörte" nur. daß in der 1. Serie der Amerikaner DesjardinS vor dem Deutschen Plumanns führte Die Entscheidung fällt hierin erst am Mittwoch. Dqtzn folgten die Vorläufe für daS 200 QH c t e r • 09 tu ft - schwimmen. Im 1. qualifizierte sich der Hamburger Sietas durch einen 2. Platz hinter S pen c e-Kanada für die Entscheidung: der 2. Vor!auf brachte insofern eine Enttäuschung, als ► Budig zum Schluß abfiel und letzter wurde, somit also für die Entscheidung auLflel. Dafür schwamm Rademacher, ohne bedrängt zu werden, mit 2:52 im 3. Vorlaus einen neuen olympischen Rekord, der allerdings im 4. Laus von dem Japaner Tsuruta auf 2:50 herabgedrückt wurde! Das Duell Rademacher—Tsuruta wird sicherlich die Zuschauer in höchste Spannung versehen.
Deutscher Wasserballsieg gegen Belgien 5:3.
Deutschland» Start im oly maischen WasserbaHturnler gestattete sich äußerst erfolgreich. Zielbewutzte Aorbereitungsardeit hat hier die ersten Erfolge reifen lassen. Belgien, ein gefürchteter Gegner, wurde mit 5:3 geschlagen, obwohl der englische Schiedsrichter alles mögliche versuchte, um Deutschland nicht gewinnen zu lassen. Teilweise waren nur vier Deutsche im Kampf mit sieben Belgiern, da er wegen klein- ft e r Vergehen Deutsche heraus st eilte, Belgier aber in ähnlichen Fällen nicht bestrafte. Da» Spiel sah zunächst Belgien tm Vorteil, was sich auch im Pausenresultat von 2:0 für Belgien richtig ausdrückt. Aber dann kam Deut|ch- land auf. Bis Schluß der regulären Spielzeit wurde der Ausgleich erzielt. Im nächsten Spielabschnitt kam noch jede Partei zu einem Erfolg, im darauffolgenden aber nur Deutschland noch zu zweien, so daß unsere Vertreter mit 5:3 einen von den an- wesenden Deutschen vielbejubelten Erfolg herausge- holt hatten. — In der dritten Runde trifft nun Deutschland auf England.
Richt mit unmittelbarer Lebensgefahr verbunden find zum Beispiel die Schwimmrekorde, die die kühnen Kanalschwimmerinnen ausgestellt haben ES sei nur an die Deutschamerikanerin Gertrud Eder le erinnert, die zu Ehren ihrer alten und ihrer neuen Heimat als erste Frau den Kanal durchschwömme:' ha', und an Miß Mercedes Gleitze, die durch ihre ge- toaltigen Schwirnnttelstungen ebenfalls berechtigtes Auflehen erregte, llebr.gens gab es auch schon vor zwei Jahrzehnien Meisterinnen der Schwimmkunst. die BewundemSwertes vollbrachten. Do hat Miß Rosa P i t o n o w auS Boston, ein athletilch gebautes Mädchen, das damals siebzehn Jahre zählte. 1912 die Strecke von 40 Kilometer schwimmend zurückgelegt. 3m Tennissport braucht man nur die Hamen der Oesterreicherin Eilly Äußern, der Französin 2en g (en unb der Spanierin d'A lvarez zu nennen, um zu zeigen, daß die Frauen auf diesem Gebiet ganz Hervorragendes leisten können. Ratürlich gibt es auch bedeutende Automobilistinnen, unter denen in Deutschland Elairenore St inne«, die Tochter des verstorbenen Jnbustrieführers, am bekanntesten ist. Von jeher hat es daS weibliche Geschlecht auch gereizt, sich unter den Alpinisten hervorzutun. G;ne Tat, die den kräftigsten Mann erschrecken kann, "t auf diesem Gebie! vor 23 3obren von einer jungen Amerikanerin, Miß Sbvtb Baker aur Chicago, vollbracht worden. Sie stieg nämlich im Jahre 1905 zweimal an einem Tage auf daS 3795 Meter hohe Dreithvm, flettertc also innerhalb von 24 Stunden 7590 Meter hoch und führte auch den entsprechenden Abstieg aus.
Richt aus sportlichen Gründen, sondern um einen Beruf auszuüben. hat vor wenigen Wochen Frau Christine Böttcher als erste deutsche Frau daS Aapitänexamen abgelegt. Sie darf jetzt selbständig ein Schiff führen und hat damit gezeigt, daß nicht nur Männer für den Daflen'port geeignet sind. .Aus dem Sattel gehoben" wurde das mäirnliche Geschlecht — im wahrsten Sinne des Wortes — auch im Reitsport. Im vorigen Jahr gab es in Budapest ein großes .Herrenreiten", bei dem auch eine junge Dame in den Sattel stieg und den zweiten Platz Wegte. während zehn Herren
reiter im geschlafenen Feld endeten. Diese erfolgreiche Rennreiterin war Miß TonnlS Reeve S. die auS einer englischen Trainerfamille stammt und sozusagen mit den Rennpferden, großgeworden ,ft. AuS der jüngsten Geschichte der Reit- und Fahrturniere in Deutschland braucht man nur Hamen wie Frau v Franke Frau v. Dottberg. Frau Dr. Wiener' IVrau von der Decken, Fräulein van Lungen. Fräulein Sauermann und Lilly Fe i n d t zu nennen, um die Gewißheit zu haben, daß es den Kavalleristen nicht mehr leicht Ist, sich an der Spitze der Tumierliste zu behaupten. GS besteht kein Zweifel, daß die Sportleidenschast der Damenwelt der Volksgesundheit zugute kommen wird, und die Ausgaben, die für weiblichen Sport gemacht werden, sind sicherlich an Arzt- rechnungen zu sparen.
Sin poilamt in Schweden vor 650 Zähren.
Rach Feststellungen des bekannten schwedischen Historikers Dr. L.M. Daath hat es in Stockholm bereits vor 650 Jahren ein reguläres Postamt gegeben. Dr. Daath. der ausgedehnte Forschungen in der Vatikanflchen Bibliothek unternommen hat, tie rm besonderen mit der mittelalterlichen Geschichte Schwedens in Zusammenhang stehen ent- hedte eine päpstliche Dulle aus dem Jahre 1262, d-.e den päpstlichen Segen zur Errichtung eines neuen Stockholmer Postamtes enthielt. daS von dem großen schwedischen Staatsmann Birger gegründet wurde. Aus der Bulle war eintoanbirei zu entnehmen, daß zwischen der schwedischen Hauptstadt und Rom regelmäßig Driespost befördert wurde, und zwar in der Hauptsache durch reisende Mönche. Der Papst segnete diesen Trans- port von Postsachen mit den poetischen Worten: .Die Schwingen der Liebe mögen sie tragen/*
Hochschulnachrichten.
Dem Regierungsrat Dr. Auf ermann tn Darmstadt ist ein Lehrauftrag zur Vertretung deS Treuharrdwesens und der betriebswirflchast- lichen Steuerlehre in der wirflchafts- und sozial- wissenschaftlichen Fakultät der UntoetfttM Frankfurt a. M. erf’t'Tf toor^zTL


