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Nr. 184 Erster Blatt

178. Zahrgcmg

Dienstag, 7. August 1928

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dorf cwtOtrlaj: vrihl'lch« Uwtrx^ttu.Bi»» Strtitrxfcrti H. folge ti (Sieften. Sd)riftfethma tut» «eschästr»elle: ;chul*roße 7.

Lr Ich «9,1 !aglt*,axfen Sowetage » d 3«icrtog».

Mlegti: »leftener Jamffienblättei ßetmal zm Sttt vi- Scholl».

BlMiaivBe jigipret«;

2 Ketch»»ark unb 30 Reich» Pfennig fttr Träger» lohn, auch bei Richter» Ichetnen einzelner Hummern infolge höherer (BeroalL Fernfprechanlchlllsfer 51, 54 anb 112.

SwWjrtfl ftr Dmhtnach- rt*ten: Anzeiger Osetze».

Postscheckko«»: grewfliirioeinaiwiim.

Ml Anzeige, sitt bi« lagtermferner bti mm Nachmittag vorher. Preis f*r, mm hähe fix Anzeigen von 27 mm Stette örtlich 8, ansmärle 10 Keichrpsenmg- für -ie- klawteanjeigen von 70 mm Brette 35 Reich»pf«iimg, Platzvorfchrist 30*, mehr. Chefredakteur

Dr. Anedr. Will). Lange. Deramwonlich für Polini Dr. Fr. TDiH) Lana«: für Feuilleton Dr H.IHynot. für den übrigen Teil Ernst Blnmldiein; für Ven An» jeigenteil Mnrt hiNmann, sämtlich tn Biehen

Nach den lNevolverschüffen von Agram.

nicht aufhören, denen die Belgrader Regierung gar keine Bedeutung beimiftt.

Da ist es kein Wunder, daft seit dem Tage der Singliederung Kroatiens in do- jugoslawische Königreich das kroatische Dolk für die LoS- trennung von diesem Staate kämpft, und zwar mit einer solchen Leidenschaft, daß die Regierung im Jahre 1923 24 mit Waffengewalt gegen die kroatische Baueriwartei vorgegangcn ist. Der Führer dieser Partei, eben Stefan A a d i t s ch . wurde verhaftet und in- Gefängnis gesteckt. Trotzdem schloft der alte P a s i t s ch. der damals noch lebte und die Macht in der Hand hatte, ein Abkommen mit Raditsch, denn er wußte, daß man auf die Dauer die Kroaten nicht mit Gewalt zwingen konnte. 3n diesem Ab­kommen verpflichtete sich Raditsch. die Srhal- tung der Staatseinheit und die Dynastie Kara- georgewitsch anzuerkennen. während Pasitsch zu­sagte. die Verwaltung Kroatien- zu ändern und tn den Rordprovinzen eine lokaleSelbst- Verwaltung einzurichtei'.. als Voraussetzung für eine spätere, beschränkte Autonomie. Man bildete ein Kabinett auS vier Kroaten und zwölf radikalen Serben. DaS im Frühtzahr 1925 angestellte örixnmenl scheiterte nach 18 Monaten heftiger Auseinandersetzungen, weil die Kroaten sich enttäuscht fühlten: nicht- von dem. wo- die Serben versprochen batten, war erfüllt. Rin- schitsch. der Austenminister deS serbo-kroattschen Kabinett-, hatte den Vertrag von R e t t u n o mit Italien unterzeichnet, in dem er die wirt- schostlichen Interessen der kroatischen Bevölke­rung in Dalmatien opferte. Zwischen den Kroa­ten und den Serben wurde vereinbart, dah dieser Vertrag erst nach der Durchführung der Agrarreform in Dalmatien ratifiziert wer­den sollte. Aber eS geschah gar nicht-, die Agrarreform ist noch heute nicht über da» Stadium der Pläne und Projekte hinau- ge­diehen.

Sv lösten die Kroaten im Jahre 1927 die Vereinbarung vom März de- IahreS 1925 auf und kehrten zur intranstgenten Oppositton der früheiren Zeit zurück. Dieses Mal aber waren sie verstärkt von den orthodoxen Serben in Kroatien, die in der Skupschtina von den unabhängigen serbischen Demokraten, mit Pri- bitschewitsch an der Spitze, vertreten wur­den. Die Serben KrattenS verbanden ihr Schick­sal mit dem der Kroaten. Diese serbisch-kroatische Opposition gegen die ..S^rbaner" führte zu un­glaublich heftigen Kämpfen in der Skupschtina und dem Lande. Wir wissen, wie der Kampf gegen die Regierung Wukitschewitsch mit den Revolverschüssen Ratschitschs beantwortet wurde. D.e Kroalc» erCnrcn jetzt, daß sie niemals mit den reg.erenden serbischen Kreisen zu einer Verständigung kommen könnten, dast der jugo­slawische Staat in seiner heutigen Form. d. h. als S-.nheitSstaat. unmöglich geworden wäre, und zersallen mühte, wenn er nicht auf ganz neuer BasiS ausgebaut würde.

D.e Opposition hat die Skupschtina verlassen, sie will auch nicht mehr in- Parlament zurück- kehren. S^.e sordevt die Bildung einer neutralen Reg.erung auS unabhängigen Männern, deren Ausgabe d'.e Auflösung der gegenwärtigen Skup» sch^ina und die Ausschreibung von durchaus freien und unbeeinfluhten Reuwahlen wäre. DiefeS neue Parlament soll dann di« Revi- s i o n der gegerrwärtiaen Verfassung vornehmen und da- Kön.greich der Serben. Kroaten und Slowenen aus neuer DasiS wieder ausrich- ten. E.n von Serbien völlig unabhängiges Kro­atien soll nur durch Personalunion :n ?^er Person des Königs Alexander und durch die Dynastie Karageorgewitsch mit Serbien verbun­den fein. Serbien und Kroatien sollen eine Doppelmonarchte bilden, deren beide Teile von­einander völlig unabhängig sind. Rach einigem Zögern haben die Serben die krx»a:ischen For­derungen mit einem kategorischen ..Rein" beant­wortet, und der frühere Hottapian der Kaiserin Zitta, der Abbö Koroschetz. hat die traurige Ausgabe Übernommen, die frühere Regierung Wutttschewitsch etwa- zu Überkleistern und in veränderter Form aufs neue zu präsentieren. D esc Regierung wird auf den verzweifelten Widerstand deS gesamten kroattschen Volkes, ohne ^Interschied der Partei, stohen. 0;c wird eben* f o kläglich f cheitern wie di« vergangene Regierung. Richt einmal Pasitsch. der doch ein anderer Mann war und ein andere- Format bc- afj als der Abbe Koroschetz. hat di« Kroaten -u zähmen vermocht. D efe beiden Völker können nicht in einem Staat zusammen leben. Früher oder später wird sich die Trennung doch al- notwendig Herausstellen, und je später das geschieht, um fo heftiger, um so vollständiger wird si« sein.

Beratungen in Belgrad.

Belgrad, 6 Aug (TU.) König Alexan. der ist Montag nachmittag von seinem Lommersttz in Bosnien plötzlich nach Belgrad zurück« gc k cyrt. In seiner Begleitung befand sich Außen­minister Dr. M o r i n k o w i t s ch. sofort noch sei­nem Eintteffcn empfing der König Ministerpräsi­dent K o r o s e t s ch zur Berichterstattung über die politische Lage. Die letzten Ereignisse in Agram hal­ten Belgrad dauernd in Aufregung. Charakteristisch für die Stimmung ist die Tatsache, dah in Belgrad während des ganzen Tages das falsche Gerücht pon I dem bereits erfolgten Ableben Stefan Ra-j d i t f chc umging.

Die jugoslawische Staatskrise.

7km unserem L dl -Berichterstatter (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Belgrad. August 1928.

Die Krise, die Jugoslawien augenblicklich durch­macht, ist mehr als eine TlegterungSkrise. sie ist eine tt es gehende Krise deS Staat eS. die nicht durch eine Regierungsbildung gelöst werden kann, sondern ganz allein durch eine grundlegende Meuoraanlfatton des Königreiche- der Serben, Kroaten und Slowenen oder, wenn die- nicht gelingt, durch die Auslösung diese- Staate-. Dx wirklichen DrÜnde dieser Krise lie­gen nicht in dem Vertrag von Rettuno, auch nicht in den Tlevolverschüssen, die Ratschltsch in der Sitzung der Skuptschina am 20. Juni ab­feuerte. Sie liegen viel tiefer, nämlich in dem unüberbrückbaren Qfbgrunb, der die Kroaten von den Serben trennt, der zwischen der Be- völlerung der früheren österreichisch-ungarischen Provinzen und des allen Serbiens gähnt.

In einem Interview, da- dec jetzt in Agram aus den Tod barmeöcrliegenbe Stefan Ra­ditsch der Führer der kroatischen Trauern- Partei und gleichzeitig der geistige Kops der ganzen Opposition mir gewährte, umrlß er diese Unterschiede sehr schars mit den Worten: .Wir Kroaten und jene Derben sind Menschen ver­schiedener Kulturen und verschiede­ner Rationalität. Linkere Mentalität ist eine andere al- die der Serben. 3n unserer gan­zen Beschichte, unserer Kultur unb unteren Heber- hcfcrunflcn sind wir unlöslich verknüpft mit dem Westen, jene mit dem Osten, wir sind em Volk westlicher Kultur, die Serben haben eine byzan- finsch-öftllche Kultur."

Die augenblicklich herrschende 7legicrung-form v< rfvigte da- Ziel, den S. H- S.-Staat z u einem einzigen Danzen zusammenzu- schmieden. da- zentral von Belgrad auS regiert wurde Do begann man denn mit der völligen Abschaffung der Atttonomie, die Kroatien in der ehentaligen Habsburgischen Mon­archie besessen hatte. Der patische Landtag wurde aufgellst und ein serbischer Gouverneur wurde eingefetzt. Wenn man wenigsten- die Ver­waltung Kroatien- in den Händen von Kroaten gelassen hätte, oder wenn mindesten- alle in Jugoslawien wohnenden Völker gleiche Rechte besessetr und alle tettgenommen hätten an den gemeinsamen SlaatSgeschäften. so wäre diese Ab- kbaffung der Autonomie, tue Wegnahme der Selbstverwaltung der einzelnen Länder, wohl zu ertragen gewesen. Aber die Serben des alten Königreichs (die Serbiancr. wie man sie in Kroatien zum älnterschied von den bort wohnen­den Serben nennt), hatten bie gefpmtc Verwal­tung einmal an sich gerissen und hielten nun alle Posten unb Aemter in ihren Hünden. angefangen vom Ihinister bi- zum ßanbgenbarmcn. Es waren bic Serben unb g a n a a 11 e i n bie Serben, bk die Herrschaft in Jugoslawien auSubten. Die Kroaten, die in der österreichisch-ungarischen Ar­mee Generäle unb Korpekommanbanten besahen, paben In der jugoslawischen Armee augenblick­lich nicht mal einen einzigen Oberst. Der Rang, zu bem ein Kroate günst.gstenfall- noch auf steigen kann, tft der des Hauptmanns. Die Serben haben sich gesichert und wollen für Gnlel und Urenkel bte Hegemonie in ihrem erweiterten Vaterland verankern. Wenn bann wenigstens noch bic fer- btlibe Verwaltung ehrenhaft, gut unb tauglich wäre, bann lteste sich das Liebel der Zentralisa­tion immer noch rechtfertigen. Aber dieser ganze serbische Verwaltungsapparat stinkt geradezu nach Brutalität. Korruption und Unf üb t gleit. Gr iR einfach unfähig zu einer vernünftigen Regierung. da,zu noch unkultiviert weist viele Analphabeten auf und ist deshalb für ein Volk, das eine so tadellose Verwaltung wie die öfterretchllch-ungarische gewöhnt war. wirk­lich unerträglich.

Vedentt man weiter, welch ein Unterschied zwischen den in Kroatien unb Serbien geltenden sDektzcn besteht, ein Unterschied, der trotz des Vorhandenseins eines speziellen M.ntstenums zu überbrücken überhaupt nicht versucht worden ist. bann kann man fich ein Bild von der Lage Kroatiens machen. Im Königreich S. H. S. find augenblicklich fünf verschiedene bürgerliche Gesetz­bücher und zwei Strafgesetzbücher sowie zwei ver­schiedene Dro,zestordnungcn in Kratt!! Auster diesen politischen Gründen einer tiefen Unzu­friedenheit in den neuerworbenen Provinzen lastet auf diesen unb insbesondere auf Kroatien £'n toirtfdxjftlicber und finanzieller Druck, der durch bie gänzlich ungerechte Der tei - -ungber Lasten unb der Steuern auf ne verschiedenen Lanbesteile '-vorgerufen ist. Kroatien und Wojwodine, bic beiden Provinzen. ?'S..Cinc Bevölkerung von nur uns Millionen f5^Cn- -ahlen tatsächlich 4 , der in Iugo- awten überhaupt em kommenden Steuern. Wer

'Agram) Handel treibt, zahlt für ,cd>^al mehr Steuern ®S'<Wft in Belgrad bat. Eine leih#« k J** demselben Kapital, dem- n* -Un^c^>CTn,c^n Reingewinn zahlt

'xV..hcI\ Dj^rr,l mitunter zehnmal mehr L-'-Mch.« iTwtkrbi^.

u'üersck cdliche Behändtung hat natürlich rrcffinn^n ^^aUliche unk finanzielle S'c- nin en >r ° W*1 behandLten Pro-

nn3cn zur Folge-und läht die heftigen Proteste

Ernste Besorgnis um Äaditsch.

Wiener und Münchener Spezialisten am Krankenbett. Keine Hoffnung der-lerzte.

Agram. 6. August. (I2L) Trost aller abmil­dernden Mitteilungen muh feflgcftellt werden, dah jeden Augenblick mit dem Ableben von Stefan Radilsch gerechnet werden kann. Die Verschlechterung seine» Zustande» wird nicht nur durch die abnehmende Herztätigkeit ge­kennzeichnet, sondern auch durch die Störung ber herzfnnktlonen und vor allem dadurch, dah der Zucker in da» Blut eingetreten ist. Man betrachtet die Katastrophe al» stündlich bevor­stehend.

Am Montag ist auf die telephonische Bitte der Angehörigen Raditsch» Profesior Menckebach au» Wien an da» Krankenlager Radilsch» geeilt. Profestor Wenckebach stellte vor allem eine sehr geschwächte 5)erzlätigkeit fest, die er ja beleben ver­suchte. Die Aerjle haben feine Hoffnung mehr auf Rettung de» Patienten. Der Münchener Internist Professor von Romberg ist ebenfall» an da» Krankenlager Raditsch» nach Agram gerufen worden, um gemeinsam mit Wenkebach eine neue Untersuchung vorzunehmen. Die Beine de» Patten len sind stark angeschwollen. Aeußerste Spannung in Agram.

Agram, 6. Aug. (T. TI.) Die Rachricht über den besorgniserregenden Zustand Stesan Ra- dllschS hat hier bereits starke Beunruhi­gung auSgelöst. Sin erfahrener Polittker be­zeichnete e- al- besondere- Glück, bah ber Führer der tn Kroatien wohnenben Serben. P r l b li­sch e Wit sch. mit der Rabltschpartci verbün­det ist, sonst würbe Im Falle bes Ableben- beS Kroatensuhrers ber Bürgerkrieg vor b « r T ü r « sieben. Die Ermordung deS serbischen Journalisten Rlstvvitsch hat in Agram nieder- drückenb gewirkt. Die ohnehin fragliche Derstän- btgung zwischen Agram unb Delgrab bürste jetzt noch viel schwerer geworben sein. Man hat baS Gefühl, bah bie Häufung ber An­schläge unb Degenanschläge ein Zeichen bafür ist, bah nunmehr bie Strafte tn bie Politik ein­greift. Weber bie Staatsmacht, noch bie Parleien fühlen sich stark genug, um diesem Gmfluft der Strafte wirksam entgegenzutreten. Infolgedessen wird das System, politische Konflikte mit dem Revolver auszutragen. zu einer groften Gefahr

In Agram herrscht eine saft unheim­liche Ruhe Weder die Bevölkerung, noch die Studenten haben irgendwelche Äunbgcbungen veranstaltet. Ausfällig ist nur. daft in den Fluren und Treppenhäusern der Gebäude, in denen sich Redaktionen befinden, Polizisten Wache I halten. Heute wird behauptet, daft der ge­tötete Serbe Ristovitsch einen Anschlag auf |

Pribitschewitsch geplant habe. Man hat beobachtet, daft er am Sam-tag vormittag wiederholt vor dem ^-ranb-Hoi«l auf unb abgegan- gen ist. in bem Pribitschewitsch wohnt Arn 2iach- mittag desselben Tages ging er In Begleitung einer unbekannten Dame zum Bahnhof, wo er fein Gepäck gelassen hatte unb einen schweren Gegenstanb auü feinem Koffer geholt bähen soll. Die Leiche Ristovitsch- wirb aus kosten der Agramer Sektion des jugoslawischen Journa­list enverbanbe« heute mittag in aller Stille nach Belgrad Übergesührt unb bort beerdigt werden.

Die Ermordung des Gerben Ristowitsch.

Wir dah kroatifchc Volk provoziert wurde.

Dien. 6. Aug. (XU.) Hebet die Ermordung deS Belgrader Journalisten Ristowittch lässt l.ch dieStunde" au- Llgram folgenbe Emzelhesten melden: Ristowitsch war von mehreren Sei­ten gewarnt worden, nach Agram zu reisen: er war bei den Kroaten verhaftt. da er leit Monaten Radowitsch unb Pribitschewitsch be­kämpfte. Man warf ihm von kroattscher Se.l« vor. er habe öffentlich zur Ermordung der beiden kroatischen Führer auf» gefordert und sei an dem Attentat in der Slupschttna vom 20. Juni schuld Die Artikel, die auch nach dem 20. Juni in ber Zeitung Fedinswo" veröffentlicht wurden, waren m i t dem vollen Raman Ristowitsch ge­zeichnet. Ristowitsch hat tn Agram gesagt, er hoffte, daft man ihn nicht erkennen wurde, Gr wurde aber in dem Restaurant Kolo er­kannt. und e- entstand «in Wortwechsel zwischen ihm und einem Herrn vom Rachbartisch. Um 1 Uhr nacht- erhob sich der Kroate vom Rach­bartisch und versetzte Ristowitsch mehrere wuch­tig« Hieb« mit einem Stock über den Kopf. *8« entstand ein Tumult ir.ib Ristowitschwurde veranlaftt. da- Lokal zu verlassen. (3r »eigene sich zuerst, aing bann aber schlieftlich mit ben Worten.DaS werden Raditsch und Pribitschewitsch mit dem Kops« büft « n." Ristowitsch begann zu lausen und bie Menge folgt« ihm. Gin Polizist hielt ihn auf und führt« ihn zur Wache. Aus dem Wege rief ihm die Menge nach, daft er an dem Mord an Raditsch schuld sei. Von der Polizei ging Ristowitsch in- Krankenhau-, um seine ziemlich schweren Kopfverletzung«,i verbinden zu lassen Auf dem Wege nach dem Krankeirhaus, den er in Begleitung einet Kriminalschutzmanne^ zurück.'egte. kam es dann au der Bluttat. Der Attentäter Dchunltsch gab die Schüsse a u J allernächster Räh« ab. Gleich der erste Schuft streckte Ristowitsch nieder. Als Ristovitsch auf dem Boden lag. richtete Schunitsch ben Re­volver gegen die Brust deS Liegenden unb gab zwei weitere Schüsse ab.

Das Programm der Genfer Raislagung.

Oos Ostproblem. Minderheitsbeschwerden. Oie Abrüstung.

Gens, 6. Aug. (WB.) Die am 30. August beginnende 51 Ratstagung wirb von bem finni­schen RatSrnrlglied. voraussichtlich bem Qluften- mmiTter Procope. eröffnet werden, ber in lernet Sigenschaft als neuer Ratspräsident auch die 9. Völkerbundsverlammlung am 3. September mit einer Eröfsnungsansprache einleiten wirb. Auf der vorläufigen TageSorbnu,stehen 28 Punkte, barunter al- wichtigste politische Frage em neuer Bericht des holländischen Auhenmini- sterS Beelaerts van Blockland über ben Cianb der Verhandlungen zwischen Polen und Litauen.

Don Interesse sind ferner verschiedene Min - berheitSbeschwerbcn. darunter -olche deS Deuttchen VotkSbunbeS über bec Sicherheit-ver- hältmsle in Polnisch-Oberschlesien unb über Srnschulungsfragen, die wegen verspäteter Ginreu-unz vom Völlerbundsrat in feiner letzten Tagung rocht mehr geregelt werden konnten, fer­ner bic ebenfalls noch unerledigte Defchwerdr der Ittaui'chen Regierung über bic BehandluTuz litaurfcher Minderheiten im Wilnagebiet. 'JSeücrc Punkte bc rc(fen bie Schaffung bc5 in der Genfer Opium-., onvention vorgesehenen Zentralkomrollamies. bie DenehmiguTtg der Sat­zungen des Rönnlchen Institute - für Pri- vatrecht. deS Weltlehrsilm-Institu- t«s m Rom unb ber von bem Internationalen LufttahrtauSschuft vorgeschlagenen Verkehrs« ordnung und Signalisierung im Luft­fahrt wesen sowie verfchiebene wirtschaftliche Arbeiten auS den letzten Monaten.

Der Bericht des unter bem Dorfitz des Grafen Bernslorsf arbeitenden Sonderausschusses, ber am 27. August zu einer neuen Tagung zusammen- tritt unb bem Rat Vorschläge über die baldige Einberufung einer internationalen Konferenz für die Kvnt rolle der Rüstungsindu­strien machen soll, bilbet den einzigen Punkt der Tagesordnung, ber sich auf das Abrüstungs- Problem bezieht. Die Behandlung dickes Pro­blems bleibt zunächst ber Döllerbundsversamm- lunfl Vorbehalten Der VöllerbundSrat. der nach

den Ergänzung-wahlen für bie biesmal tumu8- ntäftig auSscheidenden drei nichtständigen Mit­glieder des Rate-, China. Eolumbia unb Hol­land, bereits Mitte September au feiner52. Ta­gung Aufammentritt. wird erst in ber zweiten Scptemberhälfte unb auf ®nmb ber Stellung­nahme ber Völkerbundsversammlung sich mit bem AbrüstungSprvblem befassen Vermutlich wirb auch bie Entfcheibung über ben polnisch-Iitauischen Konflikt erst in biekr unter bem Vorsitz Eham- berlainÄ ftattfinbenben Tagung fallen.

Die beutsche Regierung wird nach ben bishee in Gens vorliegenben Mitteilungen sowohl int Dölkerbundsrat als auch in ber Dollverfamm- lung des DölkerbunbeS burch ben Reichsauften- mlnifter Dr. Oirefemann vertreten sein Der deutschen Delegation werden ferner wie üblich Staatssekretär von Schubert. Ministerial- bireftor Dr. Dauft unb eine Reche von Par­lamentariern angehören. Graf Bernstorff unb Staatssekretär von Sim son, die Deutsch- lanb tn ber Abrüstungvlommission und im Sicherheitsausschuft vertreten haben, werden vor- ausfichtltch gleichfalls ber beul schen Delegation angeboren

Oie Ersatzwahl zum Haager Schiedsgerichishvf.

Tic merkwürdigcdeutfcheToppclkandidatur . ®. n f - 6. 2ug. (DB.) Für bie Ersatzwahl m t>«n StäTldigen Internationalen Gerichtshof an Stelle des zurückgetretetten amerikan/chen MUg.iebes Moor« haben nach einer Rote deS Generalsekretärs an ben VöllerbundSrat und d'.e Vo.lerbunbsm-.tglieder bis zum 1. August d. I. 33 nationale Gruppen bes alten Haager SchiedS- g«rchtshoseS burch Vermittlung chrer Regierun­gen ihre Kandidaten be-eichttet. Jede nationale Gruppe kann nach bem Statut deS Ge­richtshofes zwei Äanbibaten benennen Unter ben auf gestellten 33 Kand.baten haben 26 na­tionale Gruppen, darunter auch Deutschland, chre Stimmen für den früheren amerikanischen Staats-