gäbe lediglich der einen oder anderen Kolonie ein Danaergeschenk für uns bedeuten und uns politisch gewisser Vorteile berauben kann, die Wir dank unserer Kolomallosigkeit genießen. Treten wir wieder in eine aktive Kolonialpolitik ein, so muß sich der uns dann bietende Kolonialbesitz so sein, daß er die Nachteile des damit verbundenen außenpolitischen Engagements aufwiegt. Die Hoffnung auf eine uns dienliche Kownialpolitik ist keine Utopie, wenn wir keinen Zweifel darüber lassen, daß uns mit der Rückgabe der einen oder anderen Kolonie nicht gedient ist, wenn wir uns ferner die eventuelle östliche Orientierung offen halten und auch gegebenenfalls ein Zusammengehen mit farbigen Völkern als Druckmittel gegenüber den Wcst- mächten nicht grundsätzlich von der Hand weisen. Schließlich ist eine Entwicklung ins Auge zu fassen, die auf eine gemeinsame europäisch-imperialistische Kolonialfront hinausläuft. — Colin Roß lehnt sich also mit seiner Auffassung eng an die Bestrebungen der Gesellschaft für koloniale Erneuerung an, deren Zweck es ist, den kolonialen Gedanken in seinen neuen, zeitgemäßen Formen in die breiten Schichten der Bevölkerung zu tragen, als den Inbegriff einer wirtschaftlichen Notwendigkeit, nicht einer politischen Prestigefrage.
Aus der englischen presse.
Nach einer Meldung der „Köln. Ztg." ist die Tageszeitung „QD e st m inster Gazette" in der „Daily News" aufgegangen und hat damit ihr Erscheinen als selbständige Zeitung e i n g e st e l l t. Das Verschwinden des Sterns der Westminster Gazette vom Zeitungshimmel bedeutet zweierlei. Zunächst einmal Schwächung einer Partei, denn die Westminster Gazette hielt die Fahne des alten Flügels der Liberalen unter dem ehemaligen Premier Lord Oxford and Asquith.' Dann aber geht mit der Westminster Gazette eine der wenigen wirklichen Zeitungen dahin, die m England die liberale Tradition vertreten haben. Sie wurde vor 35 Jahren gegründet, und zwar von Sir George N e w n e s, der damals 'einen Teil des Redaktionsstabes der Pall Mall Gazette mit übernahm, als diese in konservative Hände überging. Sie wandte sich hauptsächlich an einen gebildeten und politisch unabhängigen Leserkreis, ihre Auflage war daher nie besonders hoch. Vor dem Kriege war die Westminster Gazette durchaus deutschfreundlich — um das verfängliche Wort zu gebrauchen —, und auch während des Krieges hat sie eine zwar scharfe aber doch durchaus sachliche Gegnerschaft bewiesen. Selbst während der Zeit der größten Hetze hat die Westminster Gazette die Fassung nie verloren und unter anderem ihre Gegner- schuft gegen die allgemeine Wehrpflicht nie aub gegeben. Die Daily News, in die die Westminster Gazette aufgehen wird, ist ebenfalls liberal und gehört zu den meistgelesensten Blättern Englands. Die Daily News vertritt das Manchestertum im englischen Liberalismus. Mit dem Verschwinden der Westminster Gazette gewinnt Lloyd George nahezu die Alleinherrschaft über die liberale Presse.
Oberheffen.
Landkreis Gienen.
* Klein-Linden. 6. Fel-r. Ansere Turn- g em ein de (D. T.) feiert: am Samstagabend in ihrem Heim ihr diesjähriges Winterfest. Nach den Begrüßungsworten des 1. Vorsitzenden, Sattlermeister Weiß, traten die Turner unter Führung des 2.Turnwarts Heinrich Adolp h zum Turnen am Barren an. Dir plebungen fanden großen Anklang, so daß die Riege viel Beifall erntete. Auch die Barrenübungen der Turnerinnen wurden dankbar ausgenommen. Fm Mittelpunkt des Abends standen die „Overhrssi scheu Heimatbilder" in 4 Aufzügen von Wilhelm Von alt, Lehrer in Worms, die von den Spielern recht natürlich wiedergegeben wurden und einen echten Einblick gaben in das Leben und Treiben unserer Vogelsberger Bevölkerung. Der Vorsitzende ernannte die Turner Heinrich Steinmüller, Daniel Jung, Ludwig Jung und Heinrich Knapp aus Anlaß ihrer 25jährigen Mitgliedschaft unter Lieberreichung von künstlerisch ausgestellten Llrkunden zu Ehrenmitgliedern des Vereins.
-o- Großen-Linben, 6. Febr. Der Gesangverein „Harmonie" hielt am Samstag im Saalbau Faber seinen Llnterhal- tungsabend, verbunden mit der Feier seines 78. Stiftungsfestes. In seiner Begrüßungsansprache wies Rektor Bach auf die erfolgreiche Entwicklung des Vereins hin, der sich unter der Leitung seines Chormeisters, des Musiklehrers Wilhelm Schüttler zu Gießen, zu beachtenswerter Höhe emporgearbeitet hak, so daß er im vorigen Jahre auf dem Gesangswettstreit zu Schotten den ersten Preis in der Stadtklasse und dazu den Hauptehrenpreis und den Dirigentenpreis davontragen konnte. Auch die Chöre, die im Lause der Vortragsfolge der aufmerksam lauschenden TereinSg«meinde dargeboten wurden, gaben Zeugnis davon, daß die Sänger sich die Pflege des deutschen Liedes mit Fleiß und Verständnis angelegen sein lassen. Neven weihevollen Gesängen von Freiheit, Männerwürde und Vaterlandsliebe ?and auch der Humor seinen berechtigten Platz in einem Fährmannslied von der Lahn im ..Rußmännchen". Zwischendurch erfreute der Chormeister, ein gebürtiger Großen- Lindener, durch sein ausdrucksvolles und technisch hochstehendes Geigenspiel innerhalb der Orchester- musik. als auch in Cinzetleistungen. Der zweite Teil der Vortragssolge wurde hauptsächlich aus- gefüllt durch ein größeres Theaterstück „Ein Frühlingstraum", das die guten Saiten des Gemütslebens wirkungsvoll auslti.igen ließ. Die Darsteller hatten sich gut in ihre Rollen ein- gelebt und ernteten lebhaften Beifall für ihr flottes Zusammenspiel. Zu Ehrenmitgliedern wurden ernannt: aus den Reihen ter Sänger Karl Henrich, aus dem Kreis der passiven Mitglieder Rektor Bach. Der geräumige Fest- saal mar vollbesetzt, und es darf bemerkt werden, daß der Bitte der Vereinsleitung, während der Vortragssolge das Rauchen zu unterlassen, restlos entsprochen wurde.
L a n g - G ö n s ,' 6. Febr. Die N e u g a s s e erhält jetzt längs dem Pfarrgarten ein neues A n s e l) c n , cs schließt sich das Gemeindehaus mit Kranken- und Kinderschwestcrwohnung, Klein- linderschulsaal, Gemcindc-Konfirmandensaal und Kleinkindergarten an. Die alte Pfarrscheune ist von der Bildfläche verschwunden, auch der alte Pfarrstall soll jetzt noch verschwinden. Die Ausgrabung der Keller zum Gemeindehaus schreitet schnell vorwärts, man hofft, daß bald der Bau dasteht. Pfarrer Wahl und unsere Polizeidiener haben eine Hauskollekte für den Bau veranstaltet und sind damit bei den Bürgern willkommen gewesen.
cf. Heuchelheim. 6. Febr. Der Gesangverein „G e r m a n i a" hielt am Samstagabend in der Turnhalle sein diesjähriges Winterfest ab. Die Vortragssolge bestand aus einigen unter Leitung des Dirigenten Lehrer K u a b gut vor- getragenen Chören und einem sehr gut zur Darstellung gebrachten Theaterstück. Stotter Tanz beschloß die schöne Feier.
* Lollar, 6. Febr. Der Kurzschrift- herein Lollar hielt dieser Tage seine gut besuchte H a u p t j a h r e s v e r s a m m l u ng ab. Der Verein hat seinen Mitgliederstand im abgelaufenen Jahre verdoppelt, neue Mitgliederkarten und Satzungen eingeführt, aus zwei Wettschreiben 28 Preise errungen, zwei Anfängerkurse, einen Diktierkuru.s, einen Fortbildungs- lursus und einen Redeschri,tlursus abgehacken und wurde als Jugendpflege treibender Verein amtlich ausgenommen. Die Kassenverhältnisse wurden in Ordnung befunden und zeigen dem Vorjahr gegenüber eine Besserung. Die Wiederund Ergänzungswahlen zum Vorstand erfolgten einstimmig. Wie in der Vergangenheit, so werden auch weiterhin die Bemühungen des Vorstandes darauf gerichtet sein, die Cinheitskurz- schrift durch gründliche Ausbildung der Anfänger- und fortgeschrittenen Mitglieder zu verbreiten und strebsamen Menschen ein Mittel zum Vorwürtskommen in die Hand zu geben.
ch & r ü n b e r g , 6. Febr. Dieser Tage hielt die freiwillige .Feuerwehr ihre cie ährige Jahres-Hauptversammlung im Hock! „Hirsch" ab. Hauptmann Karl G eit art erstattete kurz den Geschäftsbericht. Der Rechner des Vereins, Otto Allmendinger, gab den Kassenbericht. Die Kasse schließt in Einnahme mit 347.32 Mk., in Ausgabe mit 335,92 Mk., so daß ein Kassenbestand von 6,40 Mk. verbleibt. Dem 2lecf)r er wurde Entlastung erteilt. 2m Laufe des Jahres wurden mit Auszeichnungen bedacht: für 40jährige Dienstzeit
Cs zogen drei Burschen Wohl über den Mein ....
Roman von Erica Grupe-Lorcher.
37. Fortsetzung. 8lad)örud verboteu.
Raymond hatte den Nachmittag bei Dietwart verbracht. Gerade die ungeheuren äußeren Umwälzungen, die für alles Deutschtum hier einsetzende tiefe Depression verband di? beiden Freunde nur noch enger.
Und doch lag ein Schatten über ihrem freundschaftlichen Beisammensein. Es war der gemeinsame Gedanke an Melusine!
So kamen sie überein, Melusine aufzusuä-en. Raymond war hoch erstaunt, als er in Begleitung von Dietwart bei seinem Eintreffen zu Hause von dem Zimmermädchen benachrichugt wurde: das gnädige Fräulein sei zur alten Frau Baronin hinausgefahren, um sich nach dem Ergehen zu ertun- digen. Im Moment ihrer Abfahrt sei ein fremder junger Herr auf^etaucht, den das gnädige Fräulein jedoch sogleich wieder erkannt habe und ausgefordert habe, mit ihr das Auto zu besteigen, um gleichfalls die alte Frau Baronin mit zu besuchen. '— Raymond war frappiert. Er überflog in Gedanken seinen Bekanntenkreis. Auf keinen paßte die Beschreibung, di^ das Zimmermädchen von den, jungen Fremden gab, der nach ihrer Aeußerung vollkommen wie ein Franzose ausgesehen, und mit dem das gnädige Fräulein durchweg französisch gesprocheii habe.
Dietwart grub die Zähne nervös in die Unterlippe. Auch er war erstaunt. Mehr noch als das, ein unbehagliches Gefühl quoll in ihm hoch. War cs Eifersucht? War es die Scham für Melusine, sie in einer Affäre vermuten zu müssen, die eigentlich nicht ganz ladylike war, sondern auch ein gewisses Doppelspiel vermuten ließ? Raymond bewahrte vor den Untergebenen immer seine Haltung. Deswegen merkte man ihm sein peinliches Erstaunen nicht gleich an, sondern erst, nachdem er das Zimmermädchen mit ihrer Meldung entlassen und mit Dietwart sein Zimmer betreten hatte, äußerte er offen sein Befremden. Mit einem gewissen Ingrimm setzte er hinzu: „Ich werde der Sache noch heute auf den
Grund gehen! Wenn du dich entschließen kannst, Dietwart, dann bleibe jetzt hier bei mir und erwarte mit mir die Rückkehr von Melusine. Es kann nicht mehr zu lange währen! Des sei gewiß!"
So schleppte sich die Unterhaltung zwischen den beiden Freunden weiter.
Plötzlich sprang Raynond auf imb horchte aus die oträne. Der Staden pflegte jetzt am Abend ziemlich still und ohne Verkehr zu sein. Selten bot er einem Gefährt eine Durckfahrtsstraße. Mit Recht vermutete er jetzt das Rayen des eigenen Autos. Draußen verlangsamte sich das Tempo, knatternd und surrend bog das Gefährt jetzt in den großen Torweg des Hauses ein.
„Sie kommt! 0, ich werde ihr sogleich draußen entgegengehen, wenn sie aussteigt! Falls vieler sonderbare Fremde sich noch im Wagen ve- sindet —?" Mit wenigen schnellen Schritten war er über den Gang zur Entreetür geeilt. Diese stand weit offen, und Dietwart, der seinem Freunde in kurzem Abstand folgte, vermochte durch die geöffnete Tür genau die Einfahrt zu übersehen. Er hörte Raymond feine Schwester anrufen. Hörte Melusine irgend etwas Kurzes antworten. Run tauchte noch eine fremde Herrengestalt hinter ihr auf.
Das veranlaßte ihn, jetzt ebenfalls, äußerlich unter größter Selbstbeherrfchuna, in die große Einfahrt hinauszutreten. Melusine blieb stehen. Rur zu deutlich sah er ihre Betroffenheit über seine Gegenwirt. Ein flammendes Rot der Erregung, wie er es an ihr noch nie bemerkt, lag in iyrom Gesicht. Ihre Augen funkelten und leuchteten. Jetzt schoß ein jähes Erblassen über ihre Züge. Wohl »vor sie eine wellgewandte junge Dame, die sich einer unerwarteten Situation gewachsen zeigte. Aber sie war keine Schauspielerin, keine Meisterin der Derstellungs- kunst.
Melusine grüßte Dietwart jetzt einzig mit einem stummen Reigen des Kopfes. Dann sagte sie, zu ihrem Bruder wie zu Dietwart gewandt: „Monsieur Bouvier ist soeben aus Frankreich eingetroffen. Ich habe ihn seinerzeit in Bezay zufällig kennenaelernt. Monsieur Bouvier darf ich Ihnen meinen Bruder und den Freund meines Bruders, Herrn von Schöl- zer, vorstellen?"
Eine kurze, stumme gegenseitige ißerneigung wurde Milchen den drei Herren getauscht. Mit einem einzigen Blick umfaßte Dietwart die Erscheinung Bou-
Frieörtch 36del und Otto Gebauer, für 25jährige Dienstzeit Fritz Gehringer. Karl Böß. Karl Möser, Konrad Trinkaus, Karl Dörr, Max Kärger, Karl Möller, für 20jährige Dienstzeit August Leineweber, Hermann Eiertänzer, für 15jährige Dienstzeit Heinrich A m e n d , Karl Rühl, Ernst Möller, Karl Siegfried, Ludwig Hofmann. Da das alte Spritzenhaus den Anforderungen nicht entspricht und erheblicher Schaden an den Geräten usw. verursacht wird, forderte der 1. Hauptmann Seifart baldige Abhilfe von der Stadtverwaltung. Bürgermeister Iöckcl führte aus, daß man die frühere Schule am Kirchenplah zum Spritzenhaus ausersehen habe. Da es aber an dem nötige: Kapital fehle, tonne die Ausführung noch nicht erfolgen. Im Interesse der Sicherheit der Bewohner und der Schlagfertigkeit der Wehr dürften keine Kosten gescheut werden, zumal es sich hier um ein Allgemeininteresse handelt. Die übrigen Punkte der Tagesordnung waren interner Art.
~ Stangenrod, 6. Febr. Dieser Tage hielt Landwirtschaftsrat Trautmann, Direktor des Landwirtschaftsamtes Grünberg, einen sehr interessanten Dortrag über: „Iungviehauf- zucht und L e i st u n g s z u ch t". Der Redner erläuterte die sachgemäße Aufzucht unserer Jungtiere. die Bedeutung der Weide für die Entwicklung des Tieres, die Fütterung und Pflege der Zugtiere. Weiterhin besprach Direktor Traut- mann die Zucht auf Leistung und erläuterte die Vorteile leistungsfähigen Viehes. Die fick anschließende Aussprache war sehr rege. Die vielen, an den Redner gestellten Anfragen wurden in verständlicher Weise beantwortet. Bürgermeister K n a u ß . der den Vorsitz führte, dankte dem Vortragenden für seine lehrreichen Ausführungen.
L i ch , 6. Febr. Unter Vorsitz von Kammerrat C l e m in (Winnerod) fand gestern in Steins Saalbau eine Zusammenkunft der ehemaligen Artilleristen des Bezirks L i ch statt, die aus der ganzen Umgebung sehr gut besucht war. Der Vorsitzende entbot herzlichen Gruß, vor allem auch dem erschienenen Vorsitzenden des Hessischen Artilleriebundes, Generalleutnant a. D. von K l e i n s ch m i t (Darmstadt) und den anwesenden Mitgliedern des Hauptvorstandes. Generalleutnant v.Klein- s ch m i t verbreitete sich in längeren Ausführungen über Ziel und Aufgabe des Ar- tilleriebundes. der über den Parteien stehe und in erster Linie den' lameradschaft- l i ch e n Geist pflegen wolle. Echter Kameradschaftsgeist sprach auch aus den Worten, die Landwirt Karl Alb ach (Hattenrod) an die Versammlung richtete. Ohne Widerspruch wurde der geschlossene Beitritt des Bezirks L i ch, dem insgesamt etwa 20 Orte der näheren und weiteren .Umgebung angehören, zum hessischen A r t i l l e r i e v u n d beschlossen. Die nächste Tagung soll im Juni in Langsdorf stattfinden, woselbst sich die stärkste Ortsgruppe befindet. Es wurde Wecker einstimmig ein jährlicher Beitrag von 1,50 Mark für die Ortsgruppe Lich beschlossen. Von diesem Beitrag wird je 1 Mk. an den Artillcriebund in Hessen abgeführt, wofür dieser jedem zahlenden Mit- gliede die alljährlich mindestens zweimal erscheinende Bunde-zeitung liefert. Die Kameraden wurden ausgefordert, möglichst eigene Erlebnisse vor und wahrend des Krieges der Schriftleitung einzusenden. Eine große Anzahl älterer Kameraden, die bereits in den 80er Jahren ihrer Militärpflicht genügt haben, waren anwesend, als ältester Herr Weil aus Langsdorf, der bereits im Jahre 1869 beim Militär eingetreten ist, mit seinen nunmehr 79 Jahren in ganz seltener geistiger und körperlicher Frische an den Verhandlungen teilnahm und von dem Bundesvorsitzenden in herzl: ster Weise begrüßt wurde. Der Musikverein N i e d e r - W e i - s c l unter seinem bewährten Dirigenten Oberpostsekretär L i c b a u in Butzbach hatte sich in liebenswürdigster Weise zur Verfügung gestellt und trug durch seine vorzüglichen, mit großem Beifall aufgenommenen musikalischen Vorträge zu dem schönen Verlauf der Veranstaltung bei, die den Zweck hatte: das Wiedersehen der Kameraden. die Pflege des echten kameradschaftlichen Geistes und die Erinnerung und Aufforderung zu treuer Pflichterfüllung, deren Sinnbild das Artilleriedenkmal in Darmstadt ist, die unsere Armee zur besten der Welt gemacht, und die auch heute und in Zukunft so äußerst wichtig ist.
viers. Lom Scheitel bis zur Sohle der Typus des Südfranzosen. Aber er als Deutscher besaß keine Vorliebe für diesen etivas weichlichen Typus mit diesen schwärmerischen samtschwarzen Augen, diesen weichen, sinnlich gezeichneten Lippen und der weichlichen Rundung des schwarzen Schnurrbartes, wie man ihn in Deutschland feit Jahr und Tag nicht mehr trug! Ganz deutlich entdeckte er in den Zügen des Fremden ein leichtes Lächeln von selbstgefälliger Ueberlegcirheit!
Einige Sekunden des Schweigens folgten. Da griff Melusine ein. Sie setzte bereits einen Fuß auf die unterste Stufe zur Treppe nach oben. „Ich werde eben noch Monsieur Bouvier zu Alceste hinauf- geleiten und die beiden Herren miteinander ebenfalls bckannimachen. Dann komme ich zu euch herab!"
Schon bei der Einfahrt ins Haus hatte sie sich durch einen Blick aus dem Auto hinaus vergewissert, daß Licht im Zimmer von Alceste war und sie ihn zu Hause wissen durfte. Oben wickelte sich ihr Plan durchaus nach Wunsch ab. Alceste empfing den Fremden mit großer Liebenswürdigkeit und bat ihn, noch ein wenig bei ihm zu bleiben, um noch seine Ansichten tauschen zu können. Er schien seiner Kusine ihre Aufmerksamkeit, Monsieur Bouvier auch zu ihm zu führen, sogar recht hoch auszunehmen, denn als er sie — nachdem sie füh kurz daraus wieder von den beiden Herren oeraoschiedete, zur Tür des Zimmers geleitete, streifte er sie mit einem Blick von Zufriedenheit. Es gewann doch den Anschein, als ob Melusine sich allmählich zu derjenigen Seite hinneige, zu der sie nach seiner Meinung längst hingehörte!
Droben am Absatz des Treppengeländers blieb Melusine sekundenlang stehen. Das Bewußtsein, im Augenblick sich von niemand beobachtet zu sehen, tat ihr wohl. Wie mit einem Schlage war die süße Stimmung, die sich während der Fahrt eben wie ein zarter Rausch um sie geschlagen, verflogen! Durch das Auftauchcn ihres Bruders, dessen innere Ablehnung nur zu deutlich aus seinen Mienen sprach. Durch die unvermutete Begegnung mit Dietwart, die ihr Gewissen zur Scham aufgejagt.
Vorhin hatte sie beim Aussteigen den Strauß weißer Narzissen und Tuberosen aus der Vase von der Innenwand des Autos genommen, damit die Blumen nicht vergessen und über Nacht dahinwelken würden. Unter ihrem berauschenden Duft wollte sie
df. Langsdorf, 6. Febr. Am Samstagmorgen fand im Rathaussaal die Sitzung des Gemeinderats, Kirchenvorstandes, der Kirchen- gemeindevertrctung, des Kirchenvorstandes unseres Filialdorses Bettenhausen mit dem Vertreter des Landeskirchenamtes, Oberkirchen- rats Wagner, sowie den Vertretern des Kreisamts und des Hochbauamts statt. Cs sollte über den Neubau eines Pfarrhauses verhandelt werden. Die Abstimmung hierüber fiel, wie im Voraus schon anzunehmen war. so aus, daß der Neubau mit 30 gegen 3 Stimmen abgelehnt wurde. Statt dessen soll das Pfarrhaus nun doch renoviert werden. Auch nach Ansicht des maßgebenden Sachverständigen, Oberbaurats Kuhlmann, kann das Haus, welches gar nicht so schlecht ist, so renoviert werden, daß es sehr wohl eine würdige und gesunde Wohnung darstellt, die einem Neubau, bei dem doch gespart werden müßte, immer noch vorzuziehen ist. Zur Zeit wäre auch ein Neubau in Anbetracht der noch bestehenden Wasserleitungsschulden, sowie angesichts der gestiegenen Preise für Baumaterialien dem Steuerzahler gegenüber nicht zu verantworten. Dem tonnte sich auch der Vertreter des Landeskirchenamtes nicht verschließen, so gab er seine Zustimmung zur Renovierung. Alsdann wird die Stelle, welche nun P/2 Jahre verwaist ist, hoffentlich bald ausgeschrieben. Schon heute ist mit einer recht ansehnlichen Bewerberzahl zu rechnen. In späteren Jahren, wenn die Gemeinde finanziell wieder belfer gestellt fein sollte, läßt sich bann auch über den Psarrhausbau diskutieren.
s. Hungen, 6. Febr. Am Samstag fand im „cot' t Hof" eine Versammlung des Bezirksleh.ervereins Hungen statt. Im Mittelpunkt der Tagung stand ein Vortrag des Lehrers Jockel (Hungen) über „Erforschung der Ortsge schicht e." Er gab zunächst einen Ucberblicf über die Zusammensetzung des Gaues „Wettereiba" nach Landau und behandelte bann besonders die beiden Marken Berstadt und Hungen, sowie die dazu gehörigen Ortschaften. Cs wurde im Anschluß hieran ein Arbeitsplan ausgestellt, so daß nach und nach aus allen Orten des Bezirks das bereits erforschte ortsgeschichtliche Material ausgetauscht werden kann. In dankenswerter Weise hat sich Pfarrer Schulte (Großen-Linben) zur Aebersetzung von lateinischen Urkunden bereit crtlärt. Um Doppelarbeit zu vermeiden, wurde beschlossen, daß man bei Bearbeitung einer Quelle nicht nur die den eigenen Ort betreffenden Stellen ausziehen solle, sondern auch solche, die sich etwa auf Nachbargemxinden beziehen, so daß sie bann ebenfalls bei Zusammenkünften ausgetauscht werden können. Rach einer regen Aussprache erstattete Rektor S ch a a b (Hungen) ein Referat über „die Disziplinarmittel der Volks- und Fortbildungsschule" und verglich die diesbezüglichen Artikel des alten und des neuen Schulgesetzes von 1921, sowie der später erschienenen Ausführungsbestimmungen. Zum Schluß sprach noch Lehrer Volz (Dillingen) über die neueste Dienstanweisung für Schulleiter.
s. Lltphe. 6. Febr. Gestern wurde einer unserer ältesten Einwohner, der Schreiner und Landwirt Karl Koch, im Alter von nahezu 81 Jahren z u Grabe getragen.
Kreis Friedberg.
Pb. Butzbach. 6. Febr. Gestern vormittag fand hier im „Deutschen Haus" eine von dem neu bestellten Provinzial-Inspekteur der Freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz in der Provinz Oberhessen, Sanitätsrat Dr. Hahn (Dad-Nauheirn), einberufenen Sitzung der Kolonnen-Aerzte, Kolonnen-Dor- sitzenden und Kolonnenführer statt. Vertreten waren die Kolonnen Alsfeld, Bad-Nauheim. Butzbach, Friedberg und Gießen durch die Vorsitzenden. Kolonnenführer und Aerzte. Es handelte sich um wichtige Organisationsfragen. die nach eingehender Aussprache, an welcher sich Ober-Regierungsrat Dr. Heß (Gießen), Medizinalrat Dr. Vogt (Butzbach), Sani-' tätsrat Dr. Balser (Alsfeld), Kolonnenarzt Dr. Rau (Butzbach), Kolonnenführer Kratz (Gießen) und Kühn (Friedberg) beteiligten, sestgelegt wurden. Nachmittags folgte eine •Hebung und Besichtigung der Kolonne Butzbach. Die Hebung fand in der ehemaligen Brauerei Melchior statt und nahm einen interessanten Verlauf. Der Inspekteur betonte in seiner Kritik,
nachher einschlafen. Jetzt preßte sie die Finger um die Blumenstiele und sah auf sie herab. Hell sprang das elektrische Licht in einer kostbaren Deckenlampe über das ganze Treppenbaus und ließ die weißen Blumen noch heller aufleuchten. Schwer und füß und köstlich in schier unversieglicher Frische stieg der Duft zu ihr empor. Nie in ihrem Leben würde sie die Stunden vergessen, in denen sie einst mit Mutter und Bruder In den Blumenfeldern bei Nizza und Cannes hatte dahinwandeln dürfen!
Sonderbar, der Dust von Narzissen und Trrbe- rosen zauberte immer wieder jene Erinnerung in ihr auf! Und dieser Dust wurde ihr zum SimÄnld Frankreichs. Hatte ihr nicht Jean Paul Bouvier seine heimatliche Provence, die gleichfalls dort unten im Süden lag, in ebenso glühenden Farben geschildert, wie die Riviera es war? Vielleicht würde sie einst mich die Provence kennen lernen, vielleicht gerade an seiner Seite, wenn er sie zu feiner Heimat führte!
Aber um zu diesem Zukunftsbild von glühender, leuchtender Sonnenpracht zu gefangen, mußte sie nun durch peinliche Augenblicke hindurchschreiten. D, sie besaß die Kraft hierzuI Seine Küsse brannten ihr noch auf die Lippen. In ihr pulste und raste eine Fieberglut. Damals, als Sietmart ihr das Herz zur ersten Liebe erschlossen, schritt sie mit ihm in Frühlingsglanz hinein. Jetzt aber neigte sich ihr Dasein als Weib der flammenden Glut des Sommers zu.
Als sie drunten wieder die mütterliche Wohnung erreicht, vernahm sie im Gang die beiden Freunde im Wohnzimmer sprechen. Da betrat auch sie das Zimmer. Raymond und Dietwart standen am Mitteltisch. So blieb auch sie stehen. Ihnen beiden gegenüber. Keiner von Ihnen ließ sich zum Sitzen nieder. Jeder einzelne von ihnen verspütte die Unruhe der Situation, das Provisorische des Deisam- mcnseins, das Friedlose in der Stimmung.
Wer sollte zuerst zu sprechen beginnen? Melusine trat einige Schritte vor. Sie war die Schuldige, das fühlte sie. Deswegen mußte sie nun auch den Mut haben, zu bekennen. „Wir wollen miteinander sprechen, Dietwart. Es hat keinen Zweck, wenn wir uns aus dem Wege gehen und eine Aussprache auf-- schieben. Was mir neulich zu erörtern begonnen haben, muß jetzt geklart werden. Wir wollen Klarheit zwischen uns schaffen!" (Fortsetzung folgt.)


