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Aus der Provmzialhauptsiadi.

G i e h e n, den 7. Februar 1928.

J>rof. Or. phil. h. c. Carl Kramer t-

Am Sonntag, 5. Februar 1928, hat ein Mann die Augen geschlossen, dessen Persönlichkeit für alle Wietzener etwas Eigenartiges besah: Sein aufrechter, langsamer Gang und der prächtige Bart mahnte an den Offizier der alten Schule, sein freundliches Wesen und fein gutes Auge erfüllte mit Zutrauen. Und so war er in der Tat, liebenswürdig und entgegenkommend im Verkehr mit jedem, der sich an ihn wandte: er kannte keinen Unterschied zwischen hoch und niedrig; war er doch durch seine Tätigkeit im Museumsfach freiwillig in ein Arbeitsgebiet ge­treten, durch das er mit allen Schichten der Bevölkerung in Berührung kam. Nur wo er aus Böswilligkeit und Hinterlist stieh, ging er mit Nücksichtslosigkeit vor. Denn sein Wesen war lauterste Wahrhaftigkeit:Heraus mit dem Fle­derwisch!" Das war sein Wahlspruch, den er gegen jeden anwandte und von jedem erwai- tcte. So kam es denn, dah er überall die gleiche Liebe und Verehrung fand; er war einer von den wenigen, die keinen Feind haben, denn aus seinem Munde konnte man auch eine ernste Mahnung ohne inneres Sichausbäumen ruhig hinnchmen. Achtundsiebzig Jahre hatte er hinter sich, als ihn ein sanfter, friedlicher Tod dahin­nahm, einen ehrwürdigen Greis, der in den lehten Zähren durch schwere Schicksalsschläge ge­troffen, aber nicht gebeugt wurde, impavidum ferient ruinae.

Es ist hier nicht der Ort, den Lebenslauf des Entschlafenen zu schildern; in einem der Hefte von ,Bolk und Scholle", sowie imGießener Anzeiger" bei Gelegenheit feines siebzigsten Ge­burtstages mag man nachlesen, wie Kramer in und durch die Welt gegangen ist; es entspräche auch nicht seiner im tiefsten Grunde geradezu rührenden Bescheidenheit und Zurückhaltung, wollte man davon viel Wesens machen. Er sah sich nicht gern als den Mittelpunkt von Feiern, und ich denke noch heute mit Rührung daran, wie er das treffliche, von Meisterhand gemalte Oelbild, das ihm für das Museum bei der lehten Aufstchtsratssihung überreicht worden war, in Tücher einpacken und beiseite stellen lieh: .Später einmal, jetzt noch nicht", sagte er; nur den Platz, wo es hängen sollte, suchte er selbst aus. Ob er geahnt hat, wie bald es dahin kommen würde? Fast möchte man es aus allerlei Bemerkungen schließen, die er in den vergangenen Tagen machte. Denn über das früher oder später eintretende Ende sprach er mit einer gewissen heiteren Gelassenheit, nur eins wünschte er sich: ein ruhiges Ende ohne das mit dem höheren Alter so leicht eintretende Nachlassen der geistigen Spannkraft.

Denn eins zeichnete ihn ganz besonders aus: er besaß ein wunderbares Gedächtnis auch für kleinere, nebensächliche Dinge, selbst wenn sie Jahrzehnte zurücklagen, und das ist ihm treu geblieben bis in die lehten Lebenstage. Das befähigte ihn neben anderen Eigenschaften aber auch zu dem Beruf, dem er sich in der zweiten Hälfte seines Lebens mit der ihm inne­wohnenden Energie widmete: der Museums­tätigkeit. Was er hier für Oberhessen und im besonderen für Gießen aus dem Nichts ge- schafsen hat, das ehrt seinen Namen für alle Zeiten. Drei Museen sind es, die unter seinen Händen emporgewachsen sind: das Oberhessische Museum, seine Lieblingsschöpfung, das Dölker- museum und das Kriegsmuseum. Gewiß, er ver­stand es, durch den eigenartigen Zauber seiner Persönlichkeit, alle für seine Ideen zu gewinnen, und reiche Mittel flössen ihm von allen Seiten zu; aber er erst hauchte den Dingen seinen Geist ein, er erst gab ihnen das Leben, so dah sie sich zum Ganzen harmonisch fügten und ord­neten. In der Aufstellung der Vor- und Früh­geschichte unserer Heimat hat er Hervorragendes geleistet; nicht genug, daß er sich in den ge­waltigen Stoff hineinarbeitete, dah er schon bald die Hauptrichtungen in den noch planlos fluten­den Wassern der HeimatSarchäo^ogie heraus­zuarbeiten verstand, nein, er setzte dies alles in Leben um; er ging selbst mit Hacke und Spaten hinaus und prüfte an den Tatsachen, was noch vielfach nur Vermutung und Hoff­nung war; die Hügel auf dem Trieb, die Gräber am Rodberg, die Untersuchungen in der Lindener Mark, in Leihgestern und an vielen anderen Orten Oberhessens sind des Zeuge, mit welchem heiligen Eifer er arbeitete. Aber damit war er noch nicht zufrieden, sondern nun folgte die wiffenschaftliche Bearbeitung der Funde, die Verwertung des Vcrgleichsmaterials, die Aus­deutung der Fundumstände und schließlich die Gesamtdarstellung in farbigen Plänen und in ausführlichen Berichten. Blättert man die Bände der hessischen Denkmalpflege durch, liest man in Schumachers Siedelungsgeschichte, überall fällt

sein Dame inS Auge. Weit über Hessens Gren­zen hinaus bekannt und berühmt sind die einzigartigen Frauengräber der Frankenzeit, die er m Leihgestern sand und strs Museum brachte. Der Oberhessische Geschichtsverein ehrte chn durch eine sinnige Gabe, die Landesuniversität durch die Verleihung des philosophischen Ehren­doktors und der Staat durch den Pkofessortitel; im Deutschen Archäologischen Institut wurde er zuerst als korrespondierendes, dann als ordent­liches Mitglied gesührt, lauter beredte Zeugnisse dafür, wie hoch Kramers wissenschaftliche Tätig­keit bewertet wurde.

Neidlos freute er sich später, als das zuneh­mende Alter ihn von körperlicher Tätigkeit ab­hielt, an den Erfolgen von uns anderen; wie herzlich wußte er zu trösten, wenn die Erfolge einmal nicht den Erwartungen entsprachen! Meist hotte er mit seinem Optimismus recyi, und mit echt rheinischem Humor streute er goldene Lichter über die treffenden Bemerkungen seiner Kritik. So steht er vor uns, ein Vorbild als Mensch und als Wissenschaftler. Gießen, dessen Manern so manchen tüchtigen Mann bargen, darf ihn zu i einem feiner Besten zählen; das Oberhessische ! Museum ist Carl Kramers monumentum aere perennius. H.

Daten für Mittwoch, 8. Februar.

Sonnenaufgang 7.29 Uhr, Sonnenuntergang 17 Uhr. Mondaufgang 20 Uhr, Monduntergang 9,02 Uhr.

1587: Maria Stuart in Totheringhay hingerichtet (geboren 1542); 1795: der Humorist und Satiriker M. G. Saphir in Looas Berenn in Ungarn geboren (gestorben IS); 1819: der Dichter und Schriftsteller Wilhelm Jordan in Insterburg geboren (gestorben 1900); 1828: der französische Schriftsteller Jules Verne in Nantes geboren (gestorben 1903); 1867: der Philosoph Max Dessoir in Berlin geboren.

Gietzener Wochcnmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter das Pfund 1,50 bis 1,70; Matte 30 bis 35; Käse, 10 Stück) 60 bis 1,40; Wirsing 35 bis 40; Weißkraut 20 bis 25; Rotkraut 30 bis 35; gelbe Rüben 15 bis 20; rote Rüben 15: Spinat 35 bis 40; Sinter-Kohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 25; Rosenkohl 50 bis 60; Feldsalat 1,50; Tomaten 1,20 bis 1,40; Zwiebeln 20 bis 25; Meerrettich 40 bis 1,00; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kar­toffeln 5 bis 51/2; Aepfel 10 bis 15; Birnen 10 bis 15; Eier das Stück 16 bis 17; Blumenkohl 60 bis 3.00; Salat 25 bis 40; Endivien 30 bis 35; Lauch 5 bis 15; Rettich 10 bis 30; Sellerie 10 bis 60.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag: Stadttheater: 7.30 Uhr, Jubiläums- und Ab- fchiedsvorstellung für Intendant Hofrat Stein- goetterEin Sommernachtstraum" (Ende gegen 10.30 Uhr). Lichtspielhaus Bahnhofstraße: ..Heimweh". Astyria-Lichtspiele:Der Polizei­spitzel von Ehieago".

Nervenkraft und Nervenleiden heißt das Thema, über das Dr. med. Malten aus Baden-Baden am morgigen Mittwochabend im Kath. Dereinshause auf Einladung des Natur­heilvereins sprechen wird. Der Redner ist ein Forscher auf dem Gebiete der Nervenleiden. Die Ausführungen werden an Lichtbildern besonders anschaulich gemacht, die vom Redner selbst für diesen Vortrag geschaffen wurden. Näheres in der gestrigen Anzeige.

Alfons Paquet spricht in Gießen. Der bekannte Dichter und Politiker Alfons P a q u e t hat einer Einladung des Amtes für politische Bildung der Studentenschaft zu Gießen Folge geleistet und spricht am Freitag, 10. Febr., abends 20 Uhr im Großen Hörsaal der Uni­versität. Das Thema des Abends ist das Pro­blem der unterdrückten Völker. Bei der Lage Deutschlands zwischen den Siegerstaaten des imperialistischen Westens und dem im Aufbruch befindlichen Osten dürfte dieser Vortrag von ganz besonderem Interesse sein. (Siehe Anzeige.)

** D i e Verkehrsverhältnisse in der Grünberger Straße zwischen dem Schützen­haus und dem sogenannten Prosessoreneck sind feit einiger Zeit Gegenstand ernster Klagen der dortigen Anwohner. Zunächst ist es die Beschaffenheit der Straße selbst, die bei dem nun schon einige Zeit währenden feuchten Wetter und dem regen Fahr- verköhr einen Zustand ausweist, den man für das Schuh werk und die Kleider der Passanten dieses Straßenzuges nicht mit Unrecht als unerträglich bezeichnet. Es ist gar keine Seltenheit, daß man dort oben bis nahezu an die Knöchel im Straßen­schlamm versinkt. Eine weitere, sehr stark empsun- dene Vernachlässigung dieses Stadtteiles ist die völ­lige Dunkelheit, die in den Abendstunden zwischen dem Schützenhans und dem Professoreneck herrscht. Der Verkehr in diesem Straßenteil ist abends oft geradezu lebensgefährlich, denn nicht nur von viel­fach ohne Licht fahrenden Radlern werden Fuß-

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(länger gefährdet, sondern es gibt noch Fahrnisse an­derer Art, die besonders di« Bewohnerinnen jener Häuser betreffen. Daß bisher sowohl hinsichtlich der Sauberhaltung der Straße, wie auch in bezug auf ihre Beleuchtung noch nichts geschehen ist, dürfte wohl darauf zurückzusühren sein, daß an­scheinend keine Behörde hier zuständig sein will. Für die Straße kommt aber die Provinzial­verwaltung in Betracht, für die Beleuchtung wird man die Stadtverwaltung als verpflicht«^ ansehen müssen. Mit den Anwohnern des be­nachteiligten Wohnviertels darf man wohl der dringenden Erwartung Ausdruck geben, daß aus irgendeine Weise den durchaus berechtigten For­derungen nach größerer Sauberhaltung der Straße und nach ausreichender Beleuchtung Rechnung getragen wird. Der Einwand, es handele sich hier um Wohnbauten außerhalb des Bebau­ungsplanes, kann u. E. nicht geltend gemacht werden, wenn es darum geht, an einer sehr viel begangenen und befahrenen öffentlichen Straße Leben und Eigentum der Anwohner zu schützen. Hosfentlich werden umgehend die er­forderlichen Maßnahmen seitens der zuständigen Stellen getroffen.

** Eine große Windschutzanlage wird gegenwärtig im hiesigen Güterbahnhof un­mittelbar am Ablaufberg bei dem großen Kraft­stellwerk errichtet. Die Anlage hat den Zweck, die lästigen Nordwest- und Nordwinde aufzu­fangen bzw. zu brechen, da sie das Ablaufen der Güterwagen in die Sammelgleise stark be- einträchttgen. Die Wagen wurden seither bei heftigem Nord- oder Nordwestwind teilweise zuyr Stehen gebracht, wodurch öfters Störungen ent­standen, Wagen und Ladungen durch (Auflaufen und Zusammenstöße schwere Schäden erlitten. Die Anlage besteht aus Betonklötzen, auf denen Lattenwände ausgestellt werden. Diese sollen je nach der Lage eine Höhe von 5 bis zu 9 Meter erreichen. Die Arbeiten werden von der Firma Deibel- Lollar ausgeführt.

** Der älteste Kriegsteilnehmer in Gießen. Der Altveteran, Oberpostschafsner i. R. Adam E m i g , hier, Wilhelmstraße 45, begeht am 9. Februar bei außergewöhnlicher Rüstigkeit und vorzüglichem Gesundheitszustand seinen 86. Geburts­tag. Der alte Herr ist in hiesiger Stadt ältester Kriegsteilnehmer, welcher die Feldzüge 1866, 1870/71 mitgemacht hat.

" Eine angenehme lleberraschung gab es dieser Tage für die Einleger bei der früher in Lollar bestandenen Sparkasse der Main-Weser-Hütte (Duderussche Eisenwerke,. Die Sparbeträge wurden nach Umrechnung in Goldmark mit 55 Prozent aufgewertet und in bar ausgezahlt. Man kann sich die Freude dieser glücklichen Leute vorstellen, auf einmal Hunderte, ja in manchen Fällen tausend Mark bares Geld zu erhalten. Dieser Aufwertungs­modus der Duderusschen Eisenwerke wird sozial wohltuend empfunden und ist öffentlich hoch an­zuerkennen.

** Zwei Maikäfer, die sich in der Jahreszeit stark geirrt haben, wurden uns gestern von Frau Pfarrer Steiner in Hausen zugesandt. Die brau­nen Gesellen hätten sich ihre Ankunft immerhin noch einige Wochen beschlafen können.

hr. Missions-Gemeindeabend der Matthäusgemeinde. Alljährlich im Ja­nuar oder Februar veranstaltet die Matthäus» gemeinde einen Gemeindeabend, d.r von der Arbeit der Basler Mission berichtet. In diesem Jahr war dieser Abend besonders aus­gestaltet duxch einen Film, der Bilder von der Basler Missionswoche und a^s der afri­kanischen Mission zeigte uub so in be­sonderer Weise die gewaltige Arbeit, die die deutsche Mission treibt, zu ver^nichaulichen und lebendig vor Augen zu führen Gelegenheit bot. Missionar Laut» Frankfurt a. M., der hier in Gießen schon öfters gesprochen hat, war auch diesmal bereit gewesen, zu dienen. In einem besonderen Gottesdienst für Schüler am Samstagabend hatte er diesen den Film erklärt, am Sonntagabend sprach er zur Gemeinde. Zwei Filme wurden in fünf Teilen geboten, die Pausen durch Gemeindegesang ausgefüllt, die ganze Ver­anstaltung mit Gebet begonnen und mit Segen geschlossen: es war Gottesdienst, und Gott zu dienen stehen unsere braven Missionare an ihrem schweren, verantwortungsreichen Werk. Der erste Film führte in die Missionsstadt Basel, wo das heimatliche Missionsleben gepflegt wird und die Missionare ihre Schulung erhalten, die Mis­sionsfestwoche gibt einen feinen Einblick in die Gesamtarbeit. Die große Tagung der Vertreter aus allen Teilen des weiten Heimatgebiets bildet den Auftakt: die Missionsgemeinde erhält in der Laonhardskirche Aufschluß über den Stand der Arbeit auf den verschiedenen Feldern, die Generalkonferenz wird in der Martinskirche ge­halten, ihr folgt die Einsegnung der jungen Missionare in den feierlichen Hallen des Mün­sters: den Schluß der Festwoche bildet das Jah­resfest der Erziehungsanstalt von Inspektor Z e l-

l e r in (Beuggen. Der zweite FUm führt zu den schwanen Brüdern in Ostasrika. Wir ziehen mit den Missionaren, die nach dem Krieg wieder in die alte Arbeit zurückkehren, von Tanga aus ins Innere des Landes nach Hsambara und Wuga. Die Freude der Christengemeinde über die Rück­kehr der Missionare ist groß; die Be­grüßungsfeier wird zu einem großen MissionS- fest. Von besonderer Wichtigfeil ist bei dem Krankheitselend in Afrika die Tätigkeit des Mif- sionsarztes, die im Film gezeigt wird in der Poliklinik, als Chirurg und als Zahnarzt. Ge­waltig groß ist aber auch die Kulturarbeit all­gemein, die die Mission draußen in Afrika treibt. Wir schauen neben den vielen Hand­werkern, Schreinern, Zimmerleuten, Zieglern und Buchdruckern die große Arbeit der Schule, Kin­derschule, Volksschule und Seminar, in denen eine große Anzahl von Schwarzen zu tüchtigen Menschen herangebildet wird. Wenn dann am Schluß des Films der Posaunenchor der Schwar­zen ein Loblied zum Preise des Höchsten an­stimmt, von dem alle gute und vollkommene Gabe allein stammt, dann können wir nur dank­baren Herzens mit einstimmen in dies Lob. Der ganzen Missionsarbeit ist noch eine große Zu­kunft beschieden.

Oie Schulnot in Hessen.

*! Alsfeld, 7. Febr. (Eigener Drahtbericht.) In der gestrigen Sitzung des Stadtvorstan- des wurde ein für die Geschicke unserer Stadt sehr wichtiger, zugleich aber auch außerordent­lich bedauerlicher Beschluß geatzt dahin­gehend, dah die bereits seit über 50 Jah­ren und früher als Privatanstalt hier bestan­dene Höhere Bürge r-(M ä d ch e n)-S chule vom Schuljahr 1928 ab eingehen soll, und zwar in der Form, dah die Schülerinnen der Mädchenschule bis auf weiteres mit den ent­sprechenden Klassen der Oberrealschule verein i g t werden, wodurch die Kredite für die Mädchenschule deine: tsprechend bis auf weiteres für die Stadt fortfallen. Man hat diesen Wei der Vereinigung mit der Oberrealschule gewählt, um eine förmliche Auflösung der Schule zu vermeiden, weil man die Hoffnung hat, dah es sich viel­leicht in einigen Jahren wieder ermöglichen läht, die Schule erneut ins Leben zu rufen. Die Alt* fache zu diesem betrüblichen Beschluh finb die stets steigenden Lasten der persön­lichen Kosten sür die höheren Schulen.

Ein Hundertjähriger.

WSN. Montabaur, 6. Febr. Am näch­sten Samstag, 11. d. M., wird ein Sohn unserer Stadt, der in Baumbach bei seinem Sohn, dem dorttgen Pfarrer, lebende Rentner Peter Schupp, sein 100. Lebensjahr vollenden.

Berliner Börse.

Berlin, 7. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die Meldung, dah der Finanzausschuß des amerika­nischen Senats die Freigabebill jetzt endgültig angenommen habe und die Möglichkeit besteht, dah in etwa 14 Tagen die Vorlage vorn Plenum verabschiedet werden wird, rief im heutigen Vor­mittagsverkehr wieder eine etwas freundlichere Stimmung hervor. Bor allem waren Freigabe­werte lebhaft gefragt und etwa! 3 bis 4 Prozent höher. Sonst betragen die Kursbesserungen etwa 1 Prozent. J.-G-Farben 261,5 Geld, Siemens 285, Harpener 187, Hapag 154,5 und Nordllohd 158,5. Am Devisenmarkt hört man London gegen Kabel mit 4,8717 bis 4,8722, Mailand gegen London 92 05 bis 92,10, Madrid 28,65 bis 28,68, Reichsmark gegen London 20,4175 bis 20,4225 und Reichsmark gegen Kabel 4,1912 bis 4,1918.

Kunst und Wissenschaft.

Professor Felix Marchand f.

Wie aus Leipzig gemeldet wird, ist hort der ehe­malige Direktor des Pathologischen Institutes der Universität, Geheimer Rat, Professor Dr. Felix M a r d) a n b im A.er von 82 Jahren g e st o r b e n.

Professor Marchand, geboren am 22. Oktober 1846 zu Halle a. d. S., wurde nach Absolvierung seiner Sttcdien zunächst Prioatdozent in (einer DatersUdt, kam 1879 nach Breslau, wurde zwei Jahre spater Ordinarius in Gießen, ging 1883 nach Marburg und lehrte seit dem Jahre 1900 in Leipzig, wo er 1921 emiritiert wurde. Marchand war ordentliches Mitglied der sächsischen Akademie der Wissenschaf­ten, korrespondierendes Mitglied der preußis-hen Akademie der Wissenschaften und Herausgeber des Handbuches der allgemeinen Pathologie" (zusam­men mit L. Krehl in Heidelberg).

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