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m. 6 Zweiter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 7. Januar (928

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Davids Kampf gegen Goliath.

Soll Tlicaragua eine Kolonie der Ll. S. A. werden? - Oer Streit um einen Kanal, der erst gebaut werden soll. - Ein neuer Großschiffahrtsweg zwischen Atlantik und Pazifik.

®enau ein Jahr ist vergangen, seitdem nvrd- amer,konische Truppen in R ica ra - gud landeten, um toie die Regierung der Vereinigten Staaten es auäbrüdte Leben und Eigentum amerckanischer Staatsbürger zu schützen. Wer diese betvasinete Ontrrvention galt weniger dem Schutz amerikanischer Bürger aU der 31 n- Mischung in die Innere Politik deS kleinen Staatswesen«. Das sich die Nikaraguaner daZ schneidige Dorgehen der amerikanischen Trup­pen nicht wderstandslo« gefallen liehen, beweist der schwere Zu'ammenstoß, der sich soeben mit

einer amerikanischen Marineabteilung und Sol­daten de« General- Sandino in der Rühe de« Stüdtzchens Quilali ereignet hat. Man muh sich unter einem nicaraguanischen General nicht gerade einen graften Heerführer oorfteilen; denn ganz Nikaragua ift nur fo groh wie Griechen­land, hat ungefähr soviel Einwohner wie Leipzig und dabei ein Offi-ierkorp-. da- so zahlreich w.c da« manche« europäischen Staates ist. Wenn t>te ersten Meldungen au« Wittelamerika von einer Schlacht zwischen Truppen der Union und reb -titschen Nikaraguanern sprechen, so ist da« zwe >llo« übertrieben, und c« handelt sich nur um einen Guerillakrieg, tote er in den mittel- amerikanischen Republiken zu den ailtägli-chen 6r-

rignifkn gehört DemerlemSwert und außer- ordentkich wichtig im weltpolitischen Sinn ist nur ter Umstand, das) sich diesmal nicht zwei Präsidentschaftskandidaten um die Herrschaft streiten, sondern ein fremder Staat, die arötzte amerikanische Macht an­gegriffen wird und damit die Möglichkeit gegeben ist. dah au« einem kleinen Gefecht der Dorwand «ntsteht. einem kleinen Staat-Wesen den Gar- c u« ju machen und ein größere« Land, nämlich Merikv. durch eine solche Maßnahme schwer zu treffen.

®« Ware seltsam, wenn der Ausgangspunkt de« Konflikte« nicht dennoch ein Kampf um die Prä­sidentschaft wäre 3n Ricaragua herrscht zur Zeit der Präsides Diaz, Führer der konservativen Partei, Freund der Nkreinigten Staaten und er­bitterter Feind feine« Rivalen, de« liberalen Prä­sidentschaftskandidaten Sacasa. Der Vater diese« liberalen Führer« wurde vor ungefähr fünfzig Jahren In Ricaragua zum Präsidenten gewählt Cr war ein sehr kultivierter und gebil­deter Mann, jedoch kein routinierter Politiker, der sich mit Intrigen durchzusetzen versteht und da« ist in mittelamerikanischen Republiken noch nbtiner al« sonst in der Well. Sein Rachfolger, der liberale General Selava. wurde von dem for.prtntlren Prätende ,tm 6 f a m r r c o g stürmt, bet Rückhalt in der materiellen und moralischen Hilfe der Deveinigten Staaten sand. Gr machte seinen Reffen zum Oberbefehlshaber der Armee: aber der junge General Lhamorev mißbrauchte ball» seine Gewalt, um seinen Onkel sowie den liberalen Vizepräsidenten und jetzigen Revolu­tionär Sacasa abzusetzen. Mit Hilfe de« ©cneral« Diaz, der glänzende geschäftliche De- zicchungen zur noeddinerikanischen Union unter­hält. versuchte er. von den Bereinigten Staaten seine Anerkennung al« StaatSchef zu erhalten Da« mißlang; der jüngere Ehamorco wurde nur Desartdter von Nikaragua in Paris, und fein Helfershelfer, der General Diaz, wurde Präsident. Aber diese Regelung ließen sich die Bereinigten Staaten teuer bezahlen. Sie ernann­ten General Diaz erst al- Präsidenten an, nach­dem Nikaragua im Jahre 1916 mit den Derenrig- ten Staaten einen Vertrag geschlossen hatte, der der Union auf 99 Zähre da« Recht zusichert. den schon vor der Erbauung de« Pa na ma-Kanal« geplanten Nlicaragua-Äanal zu bauen. Der kleine mittelamerikanische Staat mußte ferner rimoilliacn. gegen eine Entschädigung von 3 Mil­lionen Dollar« die Ducht von Fonseca an

der Pazifischen Küste als Flottenstation zu verpachten. Die beiden Staaten Honduras und San Salvador, deren Küsten ebenfalls zur Fvnfcrabuchr gehören, haben im Jahre 1917. natürlich vergeblich, gegen b den Vertrag Ein­spruch erhoben. Der liberale Führer Sacasa konnte diese Entwicklung nicht verhindern, will sich ihr aber auch nicht unterwerfen, da er mit Recht fürchtet, daß Nikaragua auf diese Weile bald den Rest seiner Souveränität eingebüßt ha­ben wird.

Sacasa hätte niemals an einen ernstlichen Widerstand denken können, weim er nicht Unter-

ein zweiter Kanal gebaut werden muß. der nach der Ansicht der meisten Fachleute nur im Gebiet bei S aale« Nikaragua liegen kann. Besonder« wichtig wird der Bau eine- neuen Kanal« werden, wenn da« Fluhsystem de« Missis- sippi und de« Missouri erst völlig au-gebaut fein wird. Die Stadl Rew Orleans ist der natürliche UmschligSort für den Außenhandel der riesigen Gebiete. die von diesem größten Flutzfystem der NBelt durchströmt werden. Wird der Hafen dieser Stadt, der ständig erweitert Wirb, sich Im bisher gen Umfang weiter ent­wickeln, fo maß der Schiffsverkehr durch den

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stühung bei einer anderen Wacht, bei NH c r i f o, gefunden hätte Unmittelbar nachdem Sacasa feine Kandidatur ausstellte, hat Präsident (SaHed die Erklärung abgegeben, daß NHcrilo mit diesem liberalen Präsidenten f.hr zufrieden wäre, und er hat ferner den Truppen, die zu Sacafa hielten. Waffen und Munition geliefert. Wahrscheinlich find sogar eine gan$c Anzahl mexikanischer Freiwilliger den liberalen Nllcara- guanem zu Hilfe gekommen, tun sie in ihrem Kampf gegen U. S. 2L zu unterstützen und den Vereinigten Staaten, die ja schon lange in einem ernsten Gegensatz zu Mexiko stehen, in Mittel­amerika Schwierigkeiten yu machen. Tat­sächlich hatte der Widerstand Sacafa« und feiner Anhänger gegen die imperialistische Politik, die zur Zeit im Weihen Hause getrieben wird, immerhin den Erfolg, daß sich die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten gegen das aggressive Vorgehen der nordamerikanischen Truppen gewendet hat. inzwischen war jedoch eine gewisse Beruhigung ring, treten. und e« ist nicht ausgeschlossen, dah die amerikanischen Poli­tiker wieder einen neuen Vorstoß unternehmen, um sich Nikaragua vollends au unterwerfen, in der Hoffnung, dah die öffentlich: Meinung dies­mal weniger Schwierigkeiten machen würde.

Für die Union ist es allerdings außerordent­lich wichtig, den Vertrag von 1916 über den Nlicatagua-Äanal aufrechtzuerhallen. Seit dem im Jahre 1914 der Panama-Kanal dem Nkrr- kehr übergeben wurde, ist diese Verbindung zwi­schen dem Atlantischen und dem Stillen Ozean für die Schiffahrt immer unentbefir- sicher geworden. NH an kann berechnen, daß der Panama-Kanal bald den Ansprüchen des Schiff- fahrtSverkehr« nicht mdjr genügen wird, fo dah

Panama-Kanal dadurch immer stärker belastet und der Bau des Nlicaragua-Äonal« notwendiger werden.

E« ist also ziemlich sicher, daß die Vereinigten Staaten in nächster Zeit Nikaragua in eine ähnliche Abhängigkeit zwingen werden wie sie es früher bei Panama gemacht hoben. Was können die Heinen Republiken, toa« kann selbst NHejrifo auf die Dauer gegen Uncle Sam unternehmen? Die Vereinigten Staaten würden auf diese Weise nicht nur einen neuen wichtigen Schifsahrlsweg in ihre Hand bekommen, sondern auch einen wertvollen Flottenstützpunkt in dem Nlicara gua -See erhallen, der augen­blicklich noch ein Binnen-See ist, aber zweifellos durch den neuen Kanal mit den beiden Welt­meeren verbunden werden soll. Don der Gröhe diese« Sees macht man sich in Europa meist falsche Vorstellungen. Gr ist 7700 Quadratkilo­meter groß, 163 Kilometer lang und bi« zu 80 Meter tief. Man will ihn durch einen Kanal, der nach dem Hafen San 3uan del Rvrte führt, mit dem Atlantischen Ozean verbinden, ist sich aber noch nicht einig, wie der Schiff­fahrtsweg dann toeitcrlaufcn, ob er nämlich an der Salinasbucht ober bei Puerto (Sonnte in den Stillen Ozean münden fort. Gin anderes Pro­jekt schlägt vor, den Nikaragua-See mit dem ebenfalls recht großen Managua-See zu verbinden, an dessen Südufer die Hauptstadt NHanagua mit 70 000 Einwohnern liegt, und den Schifsahrlsweg dann bis zum Golf von Fon- feca zu verlängern, also eine unmittelbare Ver­bindung zu der amerikanischen Flottenstation au schaffen. Für daS Projekt besteht nut eine große Gefahr: Nikaragua ist vulkanischer Bo­den, in feinem Gebiet gibt e« noch heule eine

Reihe tätiger Vulkane, und ba« kann dem K in il verhängnisvoll werden. Denn bei d: kn Niaiur- kräften mutz die Macht bei Dollar und die Gewalt de« Union«beere« versagen, fte find schwerer au bändigen al« der Freiheitsdrang eine« in feiner Unabhängigkeit g -führtet cn Volle«.

Fred E Dillinger.

Zum Landesmissionsfest.

Don Hofprediger Widmann, Pfarrer zu Gedern.

Gott will, daß allen Menschen geholfen werde und zur Erkenntnis der Dührh.-il kommen.

1. TimotheuSbrief Kap 2. D. 4.

Da« LandeSmiffivnSfeft, welch?« nach altem Herkommen in den evangelifchen Gemein­den de« Hcffmlande« am 1. Sonntag nach Epi­phanias gefeiert wird, richtet unfern Bi ck auf da« Glauben«- und ÖiebeSwerk der Heiden- miffion, auf jene« Werk, dessen Nlrbrit und Ziel steht unter dem großen, v>n-pslichtmden .Gott will c«I" Ueberblidt man die G- chichte der evangelischen HeideTUnissiva, so muß man lagen, dah die Mission den kvnventikclhaften Eharakter der Anfangszeit mit seiner Beschrän­kung auf flcine Kreise ernst gerichteter Eh.fften ab gestreift hat unb zu einer lebenSNotw nIngen Betätigung der Gesamtkirche gewortem ist Unsere Kirchen lei tun gen und unsere Kircheng meinden sind durchweg von der Erkenntnis des großen Werte« und der g toalitgcn B Deutung der Mis­sion nicht nur für die Heidenwelt selbst, sond-rm vor allem auch für das heimatkirchlich- Leihen durchdrungeTi. Und e« darf wohl heute al« N1U- gemeinaui kirchlich-sortschrlttlichen Dmlen« an- gesprochen werden, toa« ein MissionSmann sagt: .Die Miffivn i st die verlängerte Front der Heimatktrche, fielst Flan­kendeckung für die Kirche." In dr Tat. die tapferen, glaub.msstark.n und lieb.sw mnen Gotte«boten, die in den heidnischen Land n auf Vorposten stehen, al« Helle Lichter in der Finster­nis. haben die Front der HTimalkirch? to.it hin- auSgctragen in alle Well, eingedenk der großen Aufgabe: .Gott will, daß allen Menschen ge­holfen werde und zur Erkenntnis der NDahrhcil kommen."

Am LandeSmissionSsest gedenken Wir besonders der seit über 100 Jahren ena mit unserer Evan­gelischen Landeskirche verbundenen Basler Mission, die in einer großen Anzahl evange­lischer Gemeinden unsere« Lande« bodenständig ist und deren Reiseprediger jahraus jahrein in treuer Arbeit an die MissionSpflicht erinnern und von der WissionSarbeit berichten. E« darf daher Wohl allgemeine« Inte reffe beanspruchen, wenn mit einigen kurzen Sätzen daS Basler MissionStoerk Im Jahre 1927 skizziert wird.

Da« vergangene Jahr ist gekennzeichnet durch die beiden Tatsachen de« unaufhaltsamen Fort­schritte« unb de« raschen Ausbaues. In den Basler Mission«gek>ieten sind etwa 200 missiona­rische Arbeiter, Brüder und Schwestern tätig, die sich auf 58 Haupt- und ungefähr 300 Nlcben- ftatlonen verteilen. Den Unterricht in den Mis­sionsschulen besuchen 25 000 Schüler. Die Zahl der Taufbetoerber beträgt 10 000. Durch die Dafler NHissionare wird das Evangelium tn 14 verschiedenen Sprachen verkündigt.

Die Arbeit auf den einzelnen MfffionSfeldem ist in erfreulichem Aufblühen begrillen. 3n 3 n » dien ist seit 1927 fast auf dem ganzen Gebiet die durch den Weltkrieg empfindlich gestörte Tätigkeit in vollem Umfange wieder ausgenom­men worden: zwölf neue Stationen wurden ge­gründet. Aus der G o 1 d k ü st e wurde im Asank- Qtebiet eine Station neu besetzt: die Berichte von

Gießener Stadttheater.

Franz und Paul von Lchönthan: Der Raub der Labincriunen "

Wa« NHaff Pallenberg für die . Familie StbimeT bedeutet, da« ist Albert Baff ermann für den .Raub der Sabinennnen". Ohne Pallen- berg unb ohne N5af1 ermann, die die Laune batten, den Iohann Repomuk Zavadil und den Emanuel Striefe zu spielen, wären diese beiden Schwänke zusammen mit vielen andern Mach- Werken da. wo sie läügst hrngehörten: in der Mottenkiste, wo sie am tiefsten ist. und wo man den Blödsinn ausbewahn. auch den mit der Patina der Klassizität behafteten Blödsinn, wie er in den vier Akten der Herren von Schön- t b a n hemmungslos entfesselt wird.

Ost e« nötig, davon zu erzählen? Don den er­greifenden Schicksalen einer P ros ess v ren-Röm er - tragobk. die einem reisenden Schrn.erenkvm.o- biairten tn die Hände fällt? Don Ditzen, bte bem ältesten Sayrgang der Fliegenden Blätter ent flammen und im Laufe der Jahre nicht« von ihrer Fäulnis eingebüßt haben? Don der bösen Schwiegermutter, von der eifersüchtigen Gattin, von der tbeaterbegeifterten Köchin, von hundert Verwechslungen. Ausflüchten, Lügen und Verlegenbelten? Von dem unaus'prech^ichen Klei­dungsstück. daS am dritten Aktschluß mit brau­sendem Beifall, mit tobendem Gelächter unb Getrampel begrüßt wirb? Dom 'Papagei mit dem Küßchen unb von der Verlobung zum Schluß? E« ist nicht nötig.

® oll mar. wo nicht Baffennann, so doch «triefe, Emanuel otriefe aus Leipzig Thcatcrdircktor. Ihm I« ötsagt, dah der sächsische Dialekt nur dann wirkt, wenn er beherrscht wird. Ein laienhaftes Sächsisch erweckt stets die immerhin unerwünschte Dorstcl- lung einer Liebhaberaufführung bei internen Fest­lichkeiten. Er sollte sich ein Beispiel nehmen an dem handfesten und untabeiigen Hannoverschen, wel­ches das Dienstmädchen Luise Jüngling zum Besten gab, unb von dem manche unbegreiflicher- weise immer noch behaupten, daß es die schönste und reinste Mundatt unserer lieben Muttersprack'e fei. Aber freilich: G o 11 yat es gar nicht nötig, sich mit solchen Aeußerlichkeiten abzugeben: er braucht nur aufgutreten und einen Satz zu sagen, dann bat

er schon gewonnen: und wenn er gar in Unter­hosen erscheint, dann ist des Jubels kein Ende.

Zu nennen wäre drittens noch Lolck, der den bedauernswerten Gymnasialprofeffor aus uralten Zeiten spielte, einen Hängebart, eine prachtvoll ge­lötete Krawatte und Rölla>en zur Schau trug, deren eines er im höchsten Affekt über die aufgeregte Bühne hüpfen ließ. Man muß es gesehen haben. Von den übrigen: Marcks, Scherer, Tan­ne r t. Baumann, Gehre. Baste.

Goll hatte auch die Spielleitung, verzichtete auf jede Kürzung unb Raffung unb sorgte bafür, daß auch die abgebroschenfte Pointe nicht unter den Tisch fiel.

Der Erfolg war groß. Dr. Th.

Herschel und das Gespenst.

(Sine Spukgeschichte von Albrecht Schaeffer.

Der folgende Bericht möge ein einfaches unb doch, scheint mir. schätzbare» Zeugnis ablegen von der besonderen Gei st es ar! Sir William Herschels, des Astronomen. Da« Mitgeteilte er­eignete sich zu der Zeit, da der NSierunbbrr.ftig- jährige sich 1772 war da« 3ahr als Musik­lehrer in Bath in Sommerset niedergelassen hatte. Gleichzeitig war er Organist der sogenannten Oktagon-Kapelle: cr komponierte Motetten unb Gesänge, ja ganze Kirchenmusiken, ftubirrtc sie ein und führte sie auf; und er dirigierte öffent­liche Konzerte. Doch diente all biek aufreibende Tätigkeit ihm nur zum Broterwerb, um nämlich in den Mußestunden seiner eigentlichen Leiden­schaft und Berufung, der Himmelserforschung, sich hingeben zu können. Auch das fordert' von chm neben der geistigen eine schwere körperliche Qciftung. indem alle nötigen Instrumente noch fehlten, so daß er feine Teleskope, das erste zwanzigfüßige wie das große vier, g'üfj'ge später, ganz und gar selber erbaute, selber bi: Spiegel schiff i unb mit der Hilfe der sein Haus betreuen­den. vom Strickstruntps bis zum 5?vgarithmus alles erlernenden Schwester Eeroc'ine jeden Einzel­teil an der Drehbank selber Herst?llte.

3n dieser arbeitfiebernd 771. für unendliche Fruchtbarkeit den Grund feurig wirkenden Zeit klagte er einmal in einem kleinen Kreis freund- gesinnter. das Beste von ihm erwartender

Männer über ein Rachlassen seiner Kräfte, und dah ihm nur wenige Wochen einsamer Hingabe an eine gewisse Arbeit fehlten, um sie zu Ende zu bringen. Wenn er auch den nötigen Urlaub von seiner sonstigen Tätigkeit sich aneignen forme, so mangle ihm doch eine Stätte, too er nicht, wie im belebten Dach, beständigen Störungen audgelicfcrt bleibe. Einer b?t Anwesenden, ein begüterter Aristokrat, äußerte, da die übrigen schwiegen, nach einer Welle, halb verlegen und halb tm Scherz: cr wisse vielleicht eine solche Stätte, doch würde fte Herschel kaum zufagen. Dies sei, erklärte er auf Befragen, ein unfern, am AuSgange eines Dorfes gelegenes Schlöß­chen, das im Besitz feiner Familie, jedoch un­bewohnt. nämlich unbewohnbar fei, well es dar­innen spuke. Sin Vetter hatte sich dort da« öeben genommen; jahrelang blieb es leer; dann vertrieb der Ungeist bi? toi ?brr Wohnung Ver­suchenden; nun war es wohl tief im Verfall.

E« läßt sich in Äüne fag?n. dah Herschel einige Wochen später das Spuiyaus bezog; auch ferne damals fechSundzwanzigjahrige Schwester begleitete ihn ohne Anstand vielmehr, um es genau zu Tagen, sie folgte ihm einige Tage, nachdem er sich Quartier in dem Haufe yurecht- gemacht hatte. Er fand für sich selbst in dem allerdings sich schon auflösenben Gebäude einen großen Raum mit drei Fenstern, den er M zwei Dritteln als Nvcrkstätte herrichtetc. Da« letzte Drittel wurde al« Schlafkabinett durch einen billigen, über einer Stange laufenden Vorhang abgeteilt; unb anders al« durch diese Wand von Kattun hatte es keinen Zugang. Für feine Schwester fand er bewohnbar nur ein? Kammer, die am Ende eines vielleicht zwanzig Schritt langen Ganges lag.

Unholdes nahm er in den Tagen der Vorbe­reitung nicht wahr. Don den Dorfbewohnern aber war nicht einer zum Betreten des Grund­stücks zu bewegen, unb das Mädchen, das all- niorgettblich während des Aufenthalts der Ge­schwister mit der Milchkanne kam, fetzte sie nut an der Gartentür nieder unb entfloh.

Freilich, als Earvline, die Schwester, das erste Mal den xu ihrem Zimmer führenden Gang be­treten folue, ba fuhr sie ihn nach einem Zu­sammenzucken in vollem Lauf hinunter unb so in die Kammer hinein, deren Tür sie hinter sich zuschlug. Aber dies bsieb. wie bk Geschwister

erzählten, alles Schrecknis: daß sie den Flur nur im 2auf überwinden konnte, atem- und herzbeklommen von etwa« grausig Unnennbarem in der Luft. Unb sie begannen ein j 'bet seine Arbeit und wohntenfich ein.

Run saß eines Abend« Herschel an feinem Tisch, den er vor ba« eine Fmster gerückt hatte, das letzte Licht über den Gartenräumen aus- nützend für feine Tabellen und Rechnungen, als er die Ringe des oben beschriebenen Vorhangs leise erklirren hörte. Sich wendend, sah er eine Person darin stehen, einen NHann in jungen Jah­ren, fein, als Stutzer gekleidet, Spitzen an Hal« und Nlermetn, eine Hand am Degengefäß den Hut unter« Arm und gepudert. Gleich machte cr einige Schritte, kam vis zum Tisch und setzte sich, übrigens stumm, auf einen davorstehen den Stuhl. Herschel ariMkfcnö, ließ er ihn in der Dämmerung, ein bleiches, etwas gedunsene« Ant­litz und schwarze, rin wenig traurige Augen sehen.

Herschel, die Feder in der Hand, hier der aus dem unbeirrbaren Raum Gekommene ba fo saßen sie, beide worlloS, eine Zrillcmg. Und da. Wie der Astronom später erzählte, stieg ein tiefer Widerwille in ihm auf gegen dies unnütze, dies schauderhaft unfnotige Wesen, ba« nur so d-aher- k am. ein bsiches Regcttiv des Leben«, in seinem erbärmllchen Unvermögen. Ueberbem aber geschah s da« Phantom verlor seine Hall­barkei t, seine Umritte verschoben sich, lösten sich aus. durch feine Kleider wurde der Vorhang sichtbar, und fo verschwand «S

Sarottne ihrerseits tonnte, obschon brr Bruder ihr erst viel später von dem Begebnis NHittei- lurtg machte, an diesem Abend zu Kammer unb Schcnf in ihrer gewöhnlichen Gangart gefangen.

habe dieses Srlebnis meines Urgwßvnkels der Aufzeichnung für wert gehalten, weil es sich zutrug in jenen eifrigsten Jahren, wo der eigent­lich Düchteme. Phantasielose, nur eine einzige Bewegung seines 3nnem kannte: feinen Geist an die wahren Bewohner unseres Zrnseits, die Sterne, näher heranzuschwingen. Unb totil unter vielen Berichten von Geistern und Geisteroertrei- Bungen einzig fein dürste diese mit ihrer geraden Verneinung eines der Unge^torbenen durch einen, nur von der Würde seines Ruhens und freilich anbeter Unsterblichkeit überzeugten Menschen.