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Donnerstag, 6. VezembeN928

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gherhesseu)

Nr. 287 Zweites Blatt

Hessen und die Neugliederung des Reiches

nun von wir daß wir

fange eigen l.._, __ wurzelt, ist es keineswegs allgemein an die Beziehung zu dem besonderen Einzelstaat in feinen gegenwärtigen Grenzen gebunden.

darüber, dah er nicht sehen kann. Sm Omnibus und in der Straßenbahn müssen wir mit den Deinen seitlich sitzen, und in einem der jetzt so beliebten kleineren Kraftwagen können wir nur in verkrümmter Stellung Unterkunft finden. Des Nachts haben wir kalte Fuhr, weil die Bettdecke nicht bis herunterreicht. QIm schlimmsten aber ist es, dah wir bei all unserm Unglück von den andern grauen noch so beneidet werden, weil wir alle Blicke auf uns ziehen."

Geschichtliche Betrachtungen zur Reichsreform.

Don Or. Hermann Aubin, o.ö.Prof. derGeschichte an derUniverfMGießen

mit dem klugen Kameraden: der Künstler Bengt Berg ist gebannt vom Furor jenes schöpferischen Willens, der sich wenig Schritte vor ihm mani­festiert.

Renee Sintenis hat jetzt den Schädel in seinem Umrih fest gelegt und beginnt, die Hauptpartien Herauszuschalen. Shr Gesicht spannt sich in allen Muskeln, die Augen brennen und schneiden wie Messer den Konturen nach im menschlichen Mo­dell. Sie beißen sich fest, indes der Mund tonlos Worte formt und die Hände im weichen Material chr Werk verrichten. Wie eine Gerte bewegt sich die ganze Gestalt: jede Sehne gehorcht dem Wil­len dieses Blicks, und wenn sich der Kopf zur Seite biegt, vorwärts schnellt, um an Bengt Bergs Auge den Bogen noch mehr zu betrachten, balanciert der Körper in anmutigster Kurve auf dem linken Bein. Es ist wie ein Tanz, ein Tanz im ganzen Organismus.

Aber losgelöst davon tanzen die beiden Hände knetend über den Ton. Und nur ganz selten huscht ein Blick der Augen prüfend auf das Werk hinab. Die zehn Finger sind eine eigene Indivi­dualität, belebt wie Charlie Captins Hände, als sie den Tanz der Brötchen exekutierten imGold­rausch".

Bengt Berg erzählt indes. Erzählt von den drei Flaschen .Forster Scfuitengarten, Riesling Auslese 1919', die er auf seiner Fahrt in Abu Markubs Land mitgenommen hatte. Wit der ersten feierten der schottische Major und Bengt Berg die Erlegung des großen Leoparden; dce zweite galt der geglückten Ausnahme von Abu Markub, und die dritte sollte nach dem Film des ersten Elefanten getrunken werden;aber es sind gleich mehrere hundert an uns vorüber­gezogen, während die Flasche an einem Strick im Nilwasser zur Kühlung hing."

Wir erfahren, wie die Nilpferde des Nachts unter dem Dampfer wegschwammen und von unten her gegen den Kiä stießen. Aber man konnte in dieser Fiebergegend nicht unter dem Moskitonetz hervor, solange die Sonne noch nicht aufgegangen war. Löwen brüllten auf beiden Usern, und am andern Morgen war aus den Spuren oft eine seltsame Geschichte zu lesen. Dreißig Meter vom Schiff entfernt hatte ein Löwe eine Antilope geschlagen und war mit

Zwischen diesen Extremen steht jene Dorstel­lung von den Stämmen, welche aus einer Der- mengung von mundartlichni, territorial-- und ältergeschichllichen Merkmalen entstanden ist. Wrr wollen ihr nicht zu scharf auf den Lmb rücken. Denn in der Tat ist eine einheitliche Definition unmöglich. Entstammt doch die Einheit des Frantenstamms der Dölkerwande ungszmp wah­rend sich jene der Schlesier nicht vor dec Koloni­sation des Ostens seit dem 13. Jahrhundert zu bilden beginnen konnte. Es sind nicht einmal die mit dem gleichen Namen belegten Stämme in den ver schiedenen Epochen dasselbe. Der Bayern - stamm erstreckte sich einmal auch über dir Mar-

wahre Athleten sind, und vergessen völlig, sie eS mit einer Frau zu tun haben. Sitzen im Theater, dann stolpern die Leute über unsere Füße und schimpfen, weil wir unsere Deine so weit vorstrecken; wer hinter uns sitzt, ist entrüstet

man bereits hofft, nun endlich den Richtigen gefunden zu haben, dann wird er sich sicherlich auf so ein kleines Ding stürzen, das seinen Sdealen von zarter Weiblichkeit viel besser ent­spricht. Deim Sport aber haben wir es erst recht schlimm. Die Männer erwarten uns, dah wir alles leisten können, daß

und sie nicht auf die Konkurrenz stärkerer Terri­torien fliehen, als drc schwäbische, oberrheinische,

Was /Wunder, wenn bei so ungleichen Aus- gangspunkte und so ungleichen Schicksalen ein unglaubliches Monstrum" von Staatsgebrlde herauskam. das aller rechtlichen Erfassung spot­tete, vor allem aber dem Leben der Nation die Dienste nicht leistete, welche sie von ihrem Staate verlangen muh.

Smmerhin ist durch diesen immerwährenden Kampf aller gegen alle» am Ausgang des 18. Jahrhunderts die Klärung so weit gediehen, dah unter den Hunderten (nie genau zu zählen­den) Pseudvstaaten einige den Anspruch auf den wahren Namen des Staates rechtfertigten, na­mentlich Oesterreich und Preußen. Aber erst der Dinrck des Auslandes in der Revolusions- und Rheinbundzeit führt mit ein, zwei gewaltsamen Rucken aus dem ärgsten Chaos heraus. Sn der einen Richtung legi imieit sich der eine -Leu der Territorien durch Reichs tags beschluß zur Säkula­risation und Mediatisierung der Menge der übri­gen. Das brachte allerdings den langsam hin­schleichenden Reir.igungsprozeß ein n so großen Schritt weiter, daß am Ende nur noch 39 Staa­ten in den Deutschen Bund eingingen. Doch sind es keineswegs nur die lebensfähigsten. Gunst und Laune haben eine Auswahl getroffen, welche eine Musterkarte auch der kleinsten Kuriosa er­gab. Sn der anderen Richtung wird die extremste Lösung herbeigeführt. Das Reich toi.fr zersprengt. Die Einzelstaaten stehen in voller (formeller) Souveränität fra. Die größte Einfachheit fres Staatsaufbaues der Deutschen ist jetzt er­reicht; doch ist darüber die Einheit verloren­gegangen. Und jene Souveränität war für die meisten Staaten nur Schein.

Sm weiteren 19. Jahrhundert dauert der Dop- pelprozeh fort Rückläufig, was die staatsrecht­liche Frage angeht: Die Einheit, nach der das deutsche Doll verlangte, konnte nicht ohne_ De- schmeidrmg dec kürzlich erlangten Souveränität wiedergewonnen werden, und so geht manches Stück derselben auf dem Wege über den Deut­schen Dund und den Norddeutschen Bund zum neuen Reich und endlich frei dessen Neugestaltung zu Weimar verloren; gradlinig, was die terri­toriale Formierung betrifft: Die erobernde Hand Preußens verringert 1863 die Zahl der Staaten weiter auf 25. Die Fortsetzung dieses Weges hätte zum einheitlichen Reich führen können. Sn der Leistung hftte sich Preufeen bereits an fressen Stelle geschoben. Eben damals aber hat die Neugründung des Reiches auf föderalistischer Grundlage diesem Wege einen Riegel vorgelegt, indem sie den alten Territorialismus zügelte. Wenn man in diesem auch die Möglichkeit sieht, das deutsche Reich unitarisch vom Territorium aus zu schaffen, dann ist die Entwicklung auf halbem Wege stehen geblieben, ehe dieses Ziel erreicht war. Sa der Ruck von 1866, weil er nur einem, und zwar dem größten Territorium zu­gute kam, hat die schlechten Proportionen des deutschen Staatsgebäudes nur noch gesteigert.

Allein der Weg des freiwilligen Anschlusses war zur inneren Flurbereinigung noch offen- gelassen. Don ihm haben nach 1918 wenigstens die Thüringischen Staaten Gebrauch gemacht. Die Zahl der Gliedstaaten ist dadurch noch einmal verringert, ä gste Zersplitterung an einigen Stellen beseitigt worden. Das Problem aber ist ge­blieben und die Wittel zu seiner Lösung sind eingeschränkt. Sie stehen bei der Einsicht der Gesamtheit des Dolles.

Die Auseinandersetzungen der Territorien un­tereinander und mit dem Reich haben durch alle genannten Sahrhunderte die Kräfte unseres Vol­kes in unerhörtem Maße in Anspruch genom­men. Während dieser Zeit haben die Deutschen in staatlichen Dingen vornehmlich in den Be­griffen dieses Kampfes gedacht und aus ihm ihre politischen Vorstellungen genährt. Die fruchtbare Arbeit vollends, welche in Staats­fragen geleistet worden ist, kam bis ins 19. Sahr- hundert durchaus den Territorien zugute. Es gab einige Striche, wo bei allzugroßer Zersplitterung den Zwergterritorien gegenüber das Reich immer noch der Körper war, dem man sich am meiften verbunden fühlte. Für den größeren Teil

Oie Klage derlleberlebensgroßen".

Frauen, die darüber unglücklich find, daß sie zu nein sind, können sich trösten, denn das Schicksal der Uebergroßen ist noch viel trauriger. Dies behauptet eine Dame, die die statlliche Länge von 181 Zentimeter mißt.Sch glaube nicht," schreibt sie,dah eine kleine Frau sich vorstellen kann, welch eine Pein es ist, wenn man beim Betreten eines von Menschen erfüllten Naumes sofort alle Augen auf sich gerichtet fühlt, wenn das Gespräch stockt und erst wieder in Gang kommt, nachdem man sich in den nächsten Stuhl hat fallen lassen, und wenn man dann wieder aufsteht, folgen einem die Blicke wieder mit neugieriger Verwunderung. Die kleine Frau findet beim Einkäufen doch noch eher etwas, was ihr paßt. Aber wirUeberlebensgroßen"! Für uns wird jede Besorgung zum Martyrium, denn alles ist uns zu klein, Kleider und Schuhe und Handschuhe usw. Und dann diese ewige Schwie­rigkeit, den richtigen Partner zu finden. Kleine Männer fieht man überall. Aber wenn endlich einmal ein Mann mit Gardemaß auftritt und

Wer das Ergebnis des mühevollen Terri- torialprozesses als unbefriedigend ansieht und in der Geschichte nach Anknüpfungspunkten für eine reinere und glücklichere Organisation des Reiches sucht, wird sie nicht innerhalb dieses Prozesses finden. Denn der ist durch alle Sahr­hunderte im Wesen der gleiche geblieben und des­halb bietet er in seinem ganzen Verlause kein Stadium und keinen Querschnitt, welche solche Anknüpfung gestatteten. Da er aber diese Sahr­hunderte, wie gesagt, durchaus beherrscht hat, wird man in ihnen auch neben den territorialen Bildungen vergeblich nach anderen geeigneten su­chen. Die letzte praktisch ins Leben eingreifende Einteilung Deutschlands, welche einigermaßen gleichartige Körper für die staatlichen Funktio­nen geschaffen hat, war die in 10 Reichs kreise, welche seit 1512 fest begrenzt blieben. Sie waren aber nur ein Surrogat für das zerfallende Reich und sind nur frort zu einem bescheidenem Leben wenigstens gelangt, wo man ihrer wegen der äußersten Zersplitterung gar nicht entraten konnte,

Dec Gedanke ist gewiß verlockend. Es scheint hier die Stimme der Natur den Weg zu weisen. Sndessen warnen uns die geschichtlichen Ueber- legungen, die Stämme als eine einfache Lösung des Rätsels anzusehen. Für den Zweck prak­tischer Grenzziehung mangelt ihnen eine wichtige Eigenschaft: Die scharfe Grenze, wie leicht ein­zusehen ist. Wir dürfen mit ihnen nur als Ker­nen für die Bildung von Gebieten einer gewissen kulturellen Einheitlichkeit rechnen, die ein günsti­ges Substrat für staatliche Zusammenhänge bietet. Es ist dann auch meist, mit mehr oder weniger Erfolg, im Laufe der Geschichte der Versuch ge­macht worden, diesen prädestinierten Räumen die politisch einheitliche Organisation zu geben. Ich will in einem zweiten Artikel an dem Beispiel

Di« Frage der Neuorganisation des Reiches*), welche frei Gegenwart als dringenfres Problem gestellt ist, toiro nicht ohne Nachdenken über die Vergangenheit beantwortet we.dm dürfen. Diese muß uns vor allem sagen, welche Kräfte den heutigen Zustand geschaffen haben, wie tief seine Wurzeln 'm unserer Geschichte haften und welche Anknüpfungsmöglichkeiten für eine Neugestaltung darin gegeben sind.

Der gegenwärtige Aufbau unseres Reiches wird staatsrechtlich durch die Teilung der Gewalt zwi­schen Reich und Gliedstaaten gekennzeichnet, ohne daß sich die Teilungslinie überzeugend und scharf ziehen ließe; territorial durch dle Nebeneinander­stellung von Ländern, welche in keiner Beziehung gegeneinander ausgeglichen sind. Sn Hinsicht i^ier Vevöllerungsstärke wie ihres Umfanges weisen sie die außerordentlichsten Unterschiede auf. Ihre Grenzen sind auf weite Strecken so gezogen, daß kein Verstand ihres Derlaufes sicht- bar wird. Sie reißen natürliche, zusammenhän­gende Wirtschasts- und Verlehrsgebiete und eben­sohäufig zusammen ausgewachsene Kulturgebiete auseinander.

Die innere Gliederung Englands bewahrt die Einteilung, welche vor Sahrhu iderlen gleichartige Bedürfnisse durch das Land hin erzeugt hatten; die englischen Grafschaften sind gleichwertige Trä­ger für gleichwertige Ausgaben. Die innere Glie- frerung Frankreichs ist das Ergebnis eines voll­ständigen Umsturzes und einer rationalistischen Neukonstruktion; man hat in der Revolutionszeit die Departements zwar nicht immer glücklich, aber durchaus einheitlich gebildet. Die innere Gliederung Deutschlands erscheint als das Er­zeugnis von Willkür und Zufall.

Sn der Tat ist sie das Ergebnis eines jahr- hunderte währenden Kampfes. Dieser ist ent­brannt, weil das deutsche Volk das eigentümliche Schauspiel gab, dah es den Staat, den es hatte, liegen und verkümmern liefe, um einen, nein viele neue an seiner Stelle aufzubauen. Um 1200, unter Öen späteren Staufern, hat es sich entschieden, daß bei uns nicht das Reich, sondern die in allen Staaten vorhandenen Parti- kulargewalten die Träger der politischen Ent­wicklung werden sollten. Partikularer Egoismus hat dem Reich vorenthalten, wessen es für Be­hauptung und Ausbau bedurfte. Als es deutlich geworden war, daß eine Heilung von oben, vom Reich her, nicht mehr möglich sei, war dies der Derechtigungstitel für alle territorialen Aspi­rationen. Seitdem hing der Wiederaufbau der deutschen Staatsgewalt von der möglichst raschen Erstarkung des Territoriums ab. Durch sechs Sahrhunderte haben auch die Territorien in dauernder Rivalität untereinander gerungen, um dem deutschen Volle Ersatz für den Staat zu schassen, welchen ihm das Reich immer weni­ger bot

Eine unendliche Arbeit war zu leisten. WaS die Territorien für ihre Aufgabe vor fanden, war ein Chaos oft winzigster Bausteine von Rechten und Gebietsteilen. Es galt, daraus den Staats- laum zusammenzusehen, die Staatshoheit dem Reiche zu entziehen oder in dem von diesem gelassenen Vakuum neu auszubilden. Man kennt die vielgestaltigen, großen, kleinen und kleinsten Mittel, welche dafür in Bewegung gesetzt wur­den: Heirat, ®rboerbrnt>erungen, Krieg, Privi­legien. Man weife, daß die einen Dynastien er­folgreich waren, andere auäftarben; die einen Territorien anschwollen, die anderen steckenblie- ben oder geschluckt wurden. Teilungen dec Für­stentümer wirkten dem Aufbauwerke entgegen.

) Dgl. den Aufsatz Klute: Geographische Vor­aussetzungen in Nr. 283 und 284 des G. A. vom 1. und 3. Dezember 1928.

seiner Deute über den Fluß geschwommen, hin­über zu den weiblichen Raubkatzen.

Pause. Renee Sintenis tritt ein paar Schritte vom Modellieriwck zurück, schnellt vor und drückt den ganzen Bau aus Lehm schräg nach hinten. Und verbeifet sich schon wieder in knetende Gestaltung.Wie ist das verzwickt," murmelt sie vor sich hin und lächelt plötzlich sehr ver­gnügt.Seht hab ich's. Aber was sind das auch für Kanten! Und wie verschieden sitzen die Augen! Gucken sie blofe selber einmal her!

Das Wunder ist bereits geschehen. Aus der grauen Masse blickt Bengt Berg; ja, das ist seine Nase, und um den Mund, seitlich von den Ohren her, zieht diese schmale Furche, die dem Gesicht das Energische gibt und zugleich wieder das Liebenswürde, Gütige seines Lächelns.

Don Sitzung zu Sitzung reift das Porträt. Nach dem Vulkanhaften Beginn des Anfangs kommt jetzt das zärtliche Formen des Details. Und während Renee in gütiger Anmut und weiblichem Scharfsinn über die Physiognomie vor sich scherzt, während E. R. Weife mit Delikatesse und hoher Meisterschaft die letzten Pinselstriche auf ein vollendetes Oelbild setzt, erzählt Bengt Berg aus seiner Kinderzeit, als sein Vater das erstemal mit ihm zu einer Vogelinsel im schwe­dischen Ostmeer hinausgefahren ist. Da brüteten Möven und Seeschwalben zu Tausenden. Der Fischermann, seines Vaters Freund, brachte dem achtjährigen Bengt zwei Eier vom Halsband- regenpseifer. Der alte Berg deutete hinaus übers Meer: dort liegt eine viel größere Snfel, sagte er, da brütet der Brachvogel und noch weiter hinten, jene schwarzen Wälderstreifen, das ist Warnanäs.

Und so tauchte vor dem kleinen Sungen zur gleichen Stunde dec Regenpfeifer auf und das paradiesische Heim seiner reifen Manneszert.

Bengt Bergs Düste ist fertig. Renee Sinterns hat in dem überlebensgroßen Porträt das ganze Sndividuum festgehalten: den kühnen Forscher und das große Kind, den Weltmann und den liebenswüriügen Schalk Klugheit, Energie und Träumerei.

Eine hohe Künstlerschaft blies Odem in die tote Erde. <

Renee Sintenis modelliert Bengt Berg.

Von Paul Eipper.

Sn einer Holzwanne liegt graue Tonerde. Und auf dem dreibeinigen Modellier tisch, dessen Platte nach allen Seiten beweglich ist, steht senkrecht eine Eisenstange, um die der Lehm zur Kugel geknetet wird. Ein paar gebogene Holzstäve, Glättinstrumente, sind das einzige Arbeitsgerät.

Vier oder fünf Sitzungen. Und aus dem Klumpen Erde ist ein Menschenantlih geworden, lebenswahr von allen Seiten,fprechend", wie der Dollsmund sagt. _ o ,

Zwei Hände vollbringen dieses Schopfungswerl; zehn Finger formen das Ebenbild der Natur, und es ist ein Erlebnis, das tief ergreift, still in einer Ecke zu fitzen und zu beobachten.

Die Malerei bietet keinen Vergleich. Hier wird mit dem Pinsel Farbe von Der Palette ge­nommen und auf die Leinwand gesetzt. Aus solchen bunten Einzeltupfen ergibt sich in der Fläche die Darstellung eines plastischen Gegen­standes.

Ren6e Sintenis aber, die Dildhguerm, steht vor ihrem Modellierfrrett und es ist, als jagte eine Act von Elektrizität durch jeden ihrer Finger. Sie sind plötzlich alle zehn selbständige Lebenswesen geworden: jetzt verkrampfen sie sich in die Masse, ziehen da eine Handvoll weg, wöl­ben oben links einen Höcker heraus, tasten vor­sichtig, vereinigen sich zu einer zärtlichen Äuroe und bohren getrennt an vielen Ste.llen zugleich in denUrstoff.

Aber während die Finger werken, steht über ihnen als ihr Herr das Auge der Künstlerin. Und von ihm aus, das ruhig bleibt und sehr beherrscht, knistern die Kontakte, strömt der Wille, bildet sich die Form.

Bengt Berg, der schwedische - Tiers orscher, fitzt behaglich angelehnt in seinem Stuhl. Philipp, der brave Hund, schnuppert an dem fremden Mann, und in wenigen Augenblicken ist Freund­schaft geschlossen. Aber immer wieder unter­bricht der tierverbundene Schwede sein Spiel

I siänkische Kreis. .

Man müfete also schon voi die '^ervuonal- Dentsckcknnda und am ade den politisch lebens- zeit zurückgchen, ob damals Deutschland etne volleren aalt fraß er" in den engerrn aber inten- günstigere politische Gliederung auf gewiesen hat.

oas oes naaui^i ftänfrigleit) daraus gewiß nichts lernen kon-

Cme andere tfrage freilich ist es, ob sicy auQ Dur für die räumliche Gliederung möchte

die konkreten ^erritorralkorper so ties frem vielleicht die Betrachtung lohnen. Man

Bewußtsein des ^teSemgeptagt &i6en.spricht ja auch heute sehr viel von den Stäm - Maß mußte verschieden sein. Dre Territorien * * & verlangt, daß die Neugliederung des

waren ja keine sesten ©toben. Deich-^anj jie Lückjicht nehme.

sich unaufhörlich, wuchsen verloren hier mro versteht man unter diesen Stämmen? Sch

gewannen da, traten wieder m neue: Verbin ^ß diese Frage keine befriedigende Ant-

dungen em. Wie oft haben Orte,«ür wort findet, sicher keine eindeutige für unsere Landschaften ih e Zugeyorigrer! gewechclt! <jur " '

welche Herrschaft, für welches Gebiet sollten sie [u$zn dahinter irgenMnc ctfeno-

befonfreie Anhänglichkeit empfinden? Ohr^ Zwei Einheit. Aber fast ausnahmslos sitzt

fei ging, gerade brr dener, ?^9 rächst en Ter rrto Deutschland eine historisch nachweisbar gc-

nen am stärksten, von den^ alteren Kernen eine Bevölkerung, von den Mischungen der

tra&itionelle, die neuen ^eile amalgamier cnöe qjJ ' gar ^icht zu reden. Die anderen halten Kraft aus. Aber sie hatte oft genug mit glcufr Bewohner eines Einzelstaates für einen eingewurzelten Gegenkräften aus deren alt^er ^wn, z. D. die des heutigen Bayern. Wer Geschichte zu Gingen. Beruhigt hat sich der Zu ^whneii au$ Franken und Schwaben darin, stand wenigstens un Großen erst feit wenig mehr I - -

denn 100 Safrien. Sn dieser letzten Epoche erst konnte einzelstaatliche Gesinnung inne halb der heutigen Grenzen reifen und festwachsen. Und das ist namentlich in den tleincäumigercn süd­deutschen Staaten z. T. mit verblüffender Stärke geschehen, wenn man sich die Buntheit auch ihrer Vergangenheit vor Augen hält. Daß am Deginn dieses Sahrhunderts eine girofee Casur liegt und fraß es auf allen Gebieten her Wirt­schaft, der Gesellschaft unfr namentlich des in­neren Staatslebens ganz neue Bedingungen ge­genüber derguten alten Zeit" gebracht hat, welche nun eben in d.n 1815 neu gebildeten Ver-

ÄfÄÄÄ I ÄmOMJ» «*

Und daß er keineswegs nur dynastisch bestimmt sind aber un Laufe des Mittelaltes Mftisch aetoefen ist trat beim Abgang der Dynastien in abgetrennt worden. Sst damit auch der Stamm manchen Teilen Deutschlands überraschend freut- verkleinert worden? Der

liefa xu Taae Sndessen haben die neuen Lebens- hingegen ins Koloniallanfr Hinern über Ursprung befringungen der modernen Zeit mindestens eben- | sich anfrersstäinmigeBevollerung geschoben. West- fofefer9 die Blicke ständig über die kleinstaatlichen falen fiel ab, das Me^uerbrnfr

Grenzen hinausgelenkt und übergeordnete (keines- Bewohner teils siawisch. teils ^^andrrer na toeaS immer aleich das Reich umfassende) Zu- mentlich aus Thüringen, kerne Tochterbrvotte- sammenhänge geschaffen. Breite Bevöllermrgs- rung der Alts achsen waren. ?^w«rsuk^r- schichten sind erst von diesem modernen Dasein tragung ist lediglich durch den Uebe.gang b geformt mrd zum bewuhten Erleben emporgeho- sächsischen Herzogswurde an die Wettiner er oen wordern Während auf der anderen'Seite bis folgt. Em grarrfengebiet mußte (nur das Reich

Sage fraß Empfinden für den Ion- ins Auge gesüßt), wenn man vom »Stamm rieten Einzelstaat durchaus noch nicht das für ausgeht vom Fichtelgebirge bis ^ner unfr von feine --im heutigen Geben oft gar nicht mehr Landau bis Emmerich reichem Und was ver° in Erscheinung tretenden - geschichtlichen De- ftefem toir heute Darunter? ®ememfrm das obere ftanfrteile überwunden hckt. So ist das ter- CQIamlanb. nickts

ritortale Erlebnis nicht mehr allen Es sind also auch dre Stämme nichts Teilen fres Volkes in gleichem Um- §eft9e9ebene8,

unfr auch frort, wo es noch tief Geschichte umgebilfret und.Sudelt worden.

1 Dennoch erkennen wrr sehr Wohl frte Existeirz von landschaftlich zusanimenhängenden Devölle- rungsgruppen. welche, den ausgleichenden Le- bensmächten der Gegenwart zum Trotz ihre Eigenart gegenüber den anderen bewahrt naocic. Wir empfinden sie als altererbte Zusammer hänge, als natürlich gewachsen im Gegensatz zu den sie zerreißenden Territo ialgrenzen; und wollen uns gerade deshalb von ihnen bei der Neugliederung des Reiches mit führen lassen.

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