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Aus der Provinzialhaupistadi

Gießen, den 6. Dezember 1928.

Mein'Zlseü NikolauSgeschichte.

Wenn ich nur wüßte." sagt am Tage vor Nikolaus Frau M.. als Äletn-J[fe ihr Mittags­schläfchen hält,wenn ich nur wüßte, wer morgen abend denNikolaus bei uns spielen könnte!" Kommt Zeit, tomnU Rat," tröstet sie ihr Gatte, der sich gerade anschickt, wieder ins Bureau zu gehen. Auf der Straße tnfft er den pfiffigen Lehrjungen ftinr- Schneiders.Holla, Freund­chen." ruft er chn an. verhandelt einige Mnuten mit dem schlanken Burschen und setzt dann, ver­gnüglich schmunzelnd seinen Weg fort.

Inzwischen ist daheim der Großpapa einge­troffen. der seine Enkelin besuchen will.Siehst du. lieber Vater" sagt Frau M. nach einer Weile,nun ist Ilschm dreieinhalb Iahre alt. gerade in dem Alter, in welchem ein Nikolaus den größten Eindruck auf ein Kindergemüt aus- übt und nun weih ich niemand, der ihn dar- stellen könnte!" Der Opa legt seine Stirn in Petersirienfurchenfalten.Den Nikolaus? Ich vielleicht?"Das ist ganz ausgeschlossen, beim ersten Wort erkennt dich doch das Kind an der Stimme!"Hm. natürlich! Ich weih auch nie­mand im Augenblick ich will mtr3 mal über­legen!"2D?r morgen ist doch schon---"

Opa." jauchzt ein Helles Stimmchen, Ilse- kind steht in der Türe. Themawechsel.

Als der Opa heimwärts wandert, begegnet er dem kleinen Bäckerjungen.Guten Abend, Fritz." begrüßt er ihn. ..wann macht ihr denn Feierabend? Sag mal, Iung,",. der Opa gerät ins Tuscheln, zieht gewichtig seine Börse, das fixe und zuverlässige Kerlchen hört aufmerksam zu. und lachend trennen sich dann beide.

Frau M. hat soweit ihre Einkäufe erledigt und geht zu guter Lieht in den Mehgerladen.Den­ken Sie nur Frau N.," sagt sie, als die Metzgers­frau das Fleisch einpackt.nun ist morgen Niko- lausaberrd und ich weiß niemand, der zu unserem Ilschen kommen könnte!"Wenn's weiter nichts ist." lacht Frau N.,ein entfernter Ver­wandter von mir spielt bei meinen Kindern den Nikolaus, den schicke ich Ihnen dann hinüber!" Dankend und hocherfreut eilt Frau M. nach Haufe.

Der Nikolaus-Abend ist gekommen. Im Wohn­zimmer bei M. sitzen die Mutter mit einer Hand­arbeit, der Vater mit der Zeitung, der er aber heute nicht wie sonst die ungeteilte Aufmerksam­keit schenkt, und der gute Opa mit seiner Enkelin auf den Knien.iln& den ungezogenen Kindern gibt er Schläge mit einer großen Rute," erzählt der Opa ehzn zum vierten Male und sieht er­wartungsvoll auf Ilse herab. Uni) prompt fragt Ilschen darauf siegcssicher zum vierten Male: Nicht wahr, Mutti, ich war doch immer" da schellt es draußen lange und stürmisch ..inmier brav" klingt es jetzt zögernd, fast weiner­lich zu Ende. Schwere Tritte kommen näher, ein breitschulteriger Nikolaus steht in der Türe. Frau M. blinzelt ihm aufmunternd zu. indessen sich Herr M. und der gute Opa sehr wundern.Du hast also doch...?" fragen sie gleichzeitig.Iawohl," nickt Frau M. stolz, mein Nikolaus!" Ilse hat ihr Gedichtchen ge­sagt. gut auf die Ermahnungen gehört und liest

nach dem Weggang des Rutenmannes die Aepsel und Nüsse zusannnen. als es wieder anhaltend und gellend schellt. Ietzt wundert sich Frau M. als ein großer, schlanker Nikolaus her» eintritt.M einer." ruft Herr M triumphie­rend. während Opas Mienen immer heiterer werden. Ilschen sagt ihr Sprüchlein noch einmal, hört wieder allerhand über die Wechselwirkungen zwischen Folgsamkeit und Rute, und kugelt sich nach dem Fortgeh m des Nikolauses mit den Aepseln um dir Wette aus dem Boden herum, als es schon wieder klingelt, und diesmal ein zierlicher Nikolaus erscheint. Vergnüglich lacht der Opa von der Tochter zum Schwieger­sohn und wieder zurück:Dieser kleine ist der imeine," rnnü er schmunzelnd. Diesmal kommen nach dem Berschen und den obligaten Ermah­nungen außer Aepseln und Nüssen noch ein blondes Püppchen und ein reizender Teddybär zum Vorschein.

Als auch dieser Nikolaus wieder dahin ge­gangen. wo er hrrgekommen war. und Ilse vor ihren Schätzen sitzt, sagt Frau M.:Nun waren drei Nikolause da. jetzt können wir ja zu Nacht essen!" Ilse sieht entsetzt ihre Mutter an:Kommt wirklich keiner mehr?!"Ganz bestimmt nicht, hast du auf einmal Angst?" Da fängt Klein-Ilse laut zu brüllen an:Huhuhu, jedes von euch hat einen Nikolaus gehabt, nur ich nicht, huhuhu. ich will aber auch einen haben, huhuhuuuu!" Tacho.

Bitte, Papierkörbe!

Das Polizeiamt hat. wie wir gestern berich­teten, eine Polizeiverordnung erlassen, nach wel­cher das Megwersen vonPapicr. Papp­schachteln. Obstschalen usw. auf die Straße verboten ist. Mit uns werden alle diejenigen, die eine größere Sauberhaltung unserer Straßen als dringend wünschenswert, ja als notwendig ansehen, dieser polizeilichen Maßnahme zustim­men. Als notwendige Ergänzung zu dieser Anordnung muß aber die Stadtver­waltung dafür Sorge tragen, daß nun in den Straßen an möglichst zahlreichen Stel­len Papierkorbc ausgestellt werden, damit die Bevölkerung die Möglichkeit erhäll, Papier usw., das sie nicht anders unterbringen kann, in erlaubter Weise los zu werden. Die wenigen Papierkörbe, die wir bisher in unseren Straßen haben genügen dem Bedürfnis in keiner Weise. Man darf wohl hoffen, daß die Stadtverwaltung in der hier angeregten Weise rasch handelt, damit diese ganze Aktion zur größeren Sauber- Haltung unserer Straßen auch nach allen Rich­tungen hin abgeschlossen wird.

Gieszener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 210 bis 220, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140. Wirsing 12 bis 20, Weißkraut 3 bis 15, Rotkraut 15 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 20, rote Rüben 10 bis 20, Spinat 25 bis 40. Llnter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 25, Rosenkohl 40 bis 60, Feld­salat 100 bis 120. Tomaten 30 bis 40, Zwiebeln 12 bis 20. Meerrettich 50 bis 150, Schwarzwur­zeln 40 bis 60. Kartoffeln 5, Aepsel 20 bis 40, Dirnen 10 bis 30 Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 50. junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120. Gänse 90 bis 120, Nüsse 60 bis 80; das Stück: Eier 17 bis 18, Blumenkohl 60 bis

120 Salat 10 bis 20, Endivien 10 bis 20. Lauch 10 bis 15. Rettich 10 bis 20. Sellerie 10 bis 50 Pfennig; der Zentner: Wirsing 10 bis 12. Weißkraut 5 bis 7, Rotkraut 12 bis 15. Aepsel 20 bis 35, Dirnen 10 bis 20. Kartoffeln 3,30 bis 4,50 Mark.

Bornotizeu.

Tageskalender für Donnerstag. Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: Vortrag Europa von innen heraus". 8,15 Uhr. in der Reuen Au'a der HnfoetfitäL Deutschnativ- naler HandlungSgehll^en-Verband: Liederabend, 8.15 Uhr, im Katho-ischen Veceinshaus. Ar- beller-Wohljahrt Gießen: 2. öffentlicher Vor­trag überEefangenenfürsorge und soziale Ge» richtshilse", im Eewerischaftshaus, 8 Uhr. Lichtspielhaus, Dahnhosstraße.Flitterwochen". Astoria-Lichtfpie.e:Seine stärkste Waffe".

Stadttheatcr Gießen. Aus dem Stadt­theaterbureau wird uns geschrieben: Zu der morgen stattsindenden Erstauf.ührung von Dayard DeillersProzeß der Mary Dugan" ist zu bemerken, daß das Stück an den größten Theatern der Provinz (München, Leipzig. Dres- lau, Frankfurt) zur Aufführung angenommen bzw. wie in Berlin das Ersolgstück der Spielzeit geworden ist. Die Regie des Stückes hat hier der Intendant. Die G-richtssaalszene ist von Karl Löffler erstellt. Wegen Erkrankung von Maria Koch hat Lieselottc Fuhrmann die Rolle der Frau Rice inDer Prozeß der Mary Dugan" übernommen. Infolge des großen Interesses, dessen sich die Schülervorstr.lungen schon seit der ersten Schüleraufführung von Richard III." erfreuen, und der zahlreich ein« gegangenen Destellungen seitens der Schulen, sieht sich die Intendanz veranlaßt, zwei Schülervor­stellungen vonDon Earlos" zu geben. Außer der auf Samstag. 8. Dezember. 15 Llhr, ange­legten Vorstellung hat es sich für notwendig erwiesen,Don Earlos" noch einmal zu wieder­holen. Diese einzige Wiederholung findet am Montag. 10. Dezember, 15'/s Ähr, statt; dadurch soll allen Schülern die Gelegenheit gegeben wer­den. diese Klassikerinszenierung zu besuchen. Zu beiden Vorstellungen findet auch für das Pu­blikum ein beschränkter Kartenverkauf er­mäßigte Preise statt. Der Verkauf hat bereits begonnen.

I m Goethe-Bund spricht am kommenden Sonntagabend der bekannte Dichter Dr. Frank Thieß über ,Krisis und Neuordnung der Ehe". Wenn ein Dichter von der Bedeutung Frank Thieß' es unternimmt, über dieses Thema zu sprechen, so darf man die Erwartung hegen, daß er dieser Frage neue Seiten und Ausblicke abzugcwinnen versteht. Im Hinblick auf das sehr große Interesse, daß dec feinsinnige Dichter und Redner bei seinem Vor­tragsabend vor zwei Jahren in unserer Stadt ge­funden hat, ist zu erwarten, daß auch seinem dies­winterlichen Vortragsabend allseitige Beachtung ge- schenkt wird. (Siehe heutige Anzeige.)

L. U. Bon der Landes-Universität Gießen. Der ordentliche Professor in der Theolo- gischen Fakullät unserer Landes-Universität D. Dr. Heinrich Frick hat vom Mansfield-College in Ox­ford eine Einladung erhalten, im Jahre 1929 dort Gastvorlesungen abzuhalten. Er gedenkt dem ehren­vollen Ruf Folge zu leisten

Wenn Ihre SmpfehlnngSanzeige in derSamstagsnummer desGießenerAnzeigers durch sorgfältige und wirksame Satzausstattung werben sott

dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Donnerstag in der Geschäftsstelle auf!

* Personalien. Ernannt wurde der Bau- Praktikant Franz Sauer zu Gießen mit Wirkung ab 1. November zum überplanmäßigen Oberbau­sekretär bei einem Kullurbauamt. In den Ruhe­stand versetzt wurde auf Grund des Altersgrenze- aesetzes mit Wirkung ab 1. Dezember der Direktor Dr. Adam R i tz e rt an der Taubstummenanstalt in Friedberg.

** Danziger Turnerbesuch beim Turnverein 1846 in Gießen. Kürzlich Halle der Turnverein 1846 in seiner Turnhalle am Oswaldsgarten wieder einen seltenen Besuch zu verzeichnen. Der Obert" twart des Gaues Danzig und Kreisturnwart für das Männerturnen im Kreis I (Ostoreußen) der Deutschen Turnerschaft, Willy Scyott aus Zoppot im Freistaate San zig, der hier bei Verwandten weilte, besuchte die Turnstunde, um den Gießener Turnern turnbrüder­liche Grüße aus dem vom deutschen Vaterlande los- gerisienen Danziger Gebiet und aus Ostpreußen zu überbringen. Der erste Sprecher des Turnvereins 1846, Universitätsoberinspektor Erle, hieß den Danziger Gast willkommen und betonte dabei die turnbrüderliche Verbundenheit, die trotz aller Schranken und Fesseln heute und für alle Zellen alle deutschen Turner, gleich welcher Staatsangehö­rigkeit, verbinde. Dberturn- und Kreiswart Schott dankte für den freundlichen Willkommengruß und bekundete, ganz im Sinne seiner Danziger und ost- preußischen Turner, den ernsten Willen und festen Mut zum unentwegten Festhalten an der Deutschen Turnerschast und ihren hohen Zielen. Sodann verfolgte er mit lebhaftem Interesse die turnerischen Hebungen der Alten-Herrenadteilung des Tv. 1846, deren Leistungen seine vollste Anerkennung fanden. Mit besieg Eindrücken schied der Gast von den hie­sigen Turnbrüdern.

" Ein interessantes Schauspiel konnte man am Dienstagnachmittag beobachten. Das am Drandplatz neben dem Tapetenhaus Hochstätter stehende Derkaufshäuschen wurde von feinem seitherigen Standort hinweggenommen und auf einem Pritschenwagen durch die Stadt in die obere Kailerallee gefahren, wo es gestern vormittag an seinem neuen Bestimmungsort auf- gestellt wurde.

** Ein Schachwettkampf Oberhessen- Starkenburg wird am nächsten Sonntagnach­mittag im Universitäts-Restaurant, Plockstraße, aus­getragen. (Siehe heutige Anzeige.)

** Zur Richtigstellung. In dem gestern erschienenen Bericht über die letzte Sitzung der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde ist ein Druckfehler unterlaufen: den VortragEnto- molvgenfahrt nach Nordamerika" hielt Professor Dr. Max fingier, nicht Ziegler, wie versehent- lich gesetzt worden war.

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Wenn in der Dämmerung der Winter­abende die elektrischen Lichter auf-

Schmuck erhalten soll- OVERSTOLZ ist ja schon längst die meistgerauchte

Zigarette Deutschlands-

Ihre grosse Verbreitung bürgt für ihre Qualität und gibt jedem die Gewissheit, dass er gut daran tut,diese alteingeführte Marke zu wählen, die von Jahr zu Jahr besser wird, statt einer der vielen neuen Marken, die wie eine Modeerscheinung, kommen und vergehen-

glühen, herrscht weihnachtlicher Hoch­betrieb in unseren Fabriken-Schon seit Monaten sind Tausende von fleissigen Hän­den damit beschäftigt.Weihnachts-Pakete für den Raucher zu machen-

In diesem Jahr sind besonders umfang­reiche Vorbereitungen notwendig, da auch OVERSTOLT/ weihnachtlichen

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