Nr. 262 Drittes Natt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Operhessen) Dienstag, 6. November {928
Turnen, Sport und Spiel.
Handball im Turnverein 1846 Gießen.
Was niemand geahnt, was noch vor wenigen Wochen für eine älnmög'ichkeit gehalten wurde, ist am Sonntag Tatsache geworden. Wetzlar, der Favorit der Meisterklasse, bisher ungeschlagen, hat den 1 6 4 6er n Sieg und Punkte lassen müssen. Für Wetzlar eine bittere Pille, denn dadurch steht auch die Meisterschaft auf dem Spiel. Schon gleich nach Anwurf entwickelte sich ein äußerst schnelles Spiel. Glänzende Durchbrüche auf beiden Seiten, gute Abwehr und feine Kombination zeigten die Mannschasten auf der Höhe ihres Könnens. In der 15. Minute ging Wetzlar durch scharfen Schuh des Halblinken in Führung. Doch glich der rechte Halbstürmer der Giehener nach schönem Zusammenspiel aus und konnte kurz vor Halbzeit durch unhaltbaren Strafstoß das Resultat auf 2:1 für 1846 stellen. Wetzlar stellte nach Halbzeit um und hatte nun mehr vom Spiel. Gießen verstärkte die Verteidigung durch die beiden Außenstürmer, und gegen diese Mauer rannte Wetzlar vergeblich an. Was aufs Tor ging, hielt der Gießener Tormann in glänzender Manier. Beim Schlußpfiff sah man 1816 als Sieger. Vorbildlicher Eifer und gute Taktik hatten das Spiel gewinnen lassen. Ein seiner Erfolg, der ehrlich anerkannt werden muh.
Auch die 2. Mannschaft konnte gegen Heuchelheim- 1. nach schönem Spiel gewinnen.
Die Iugendmannschaft muhte sich der Wetzlarer Jugend nach verteiltem Spiel 2:1 beugen.
Handball-Verbandsspiele
im Männerturnverein (0. T.)
Mw. I. — Tv. 1860 Dad-Rauheim I. 7:4 (Halbzeit 5:3).
Mw. II. — T. u. Sp. Butzbach l. 2:9 (Hälb- zeit 1:4).
Mw. Jugend — Tgmde. Friedberg 3:2 (Halbzeit 0:1).
DaS am Sonntag ausgetragene Rückspiel gegen Bad-Rauheim konnte die 1. Mannschaft sicher gewinnen. Durch dieses Spiel bewiesen die Männer- turner, daß sie ihre alte Spi?lstärke nicht ein» Öt, sondern verbessert haben. Gilt doch Dad- ,rim als ein schwer zu schlagender Gegner. Durch diesen Sieg übernimmt der Mtv. wiederum die Führung in der Gaw-Mristerklasse. Die Mwer stellten das Resultat bis Halbzeit bereits aus 5:3. Auch in der zweiten Halbzeit hatten die Männerturner das Spiel fest in der Hand und ließen sich den Sieg nicht nehmen. Die Spielweise beider Gegner konnte gefallen. Das technisch bessere Spiel der Gießener brachte die Entscheidung uni) den Sieg. Dad-Rauheim stellte eine kampferprobte Mannschaft und spielte aufopfernd.
Das Spiel der II. Mannschaft endete, wie vorauszusehen, mit einer Riederlage. Zu berücksichtigen ist, daß die Männerturner ohne ihren bewährten Tormann antreten mußten und ein Spieler dem Spiel fernblieb. Die Ersatzleute konnten die Lucken nicht entsprechend ausfüllen. Butzbach spceUe sn guter Form und zeigte das bessere Können. ES hat verdient gewonnen.
Di« Iugendmannschaft spielte um die Entscheidung In der Gau-Jugendklasse, und es gelang ihr, gegen den spielstarken Gegner den Sieg und somit auch den Meistertitel zu erringen. Friedberg hatte den Vorteil des eigenen Platzes und konnte durch einen für den Torwart unhaltbaren Schuß in Führung gehen. Das Spiel wurde bei diesem Stande bis zur Halbzeit durchgeführt. In der 2. Spielhälfte machte sich eine Heber» legenheit der Männerturner bemerkbar. Es gelang ihnen, auszugleichen und bald darauf Die Führung zu übernehmen. Friedberg erzwang nach schönem Durchbruch den Ausgleich. In der letzten Viertelstunde entspann sich ein zäher Kampf um die Führung, aus dem die Männerturner als Sieger hervorgingen. Die MTV.-Iugend hat es damit fertiggebracht, den Titel des Gau» Iugendmeisters im Handball zum erstenmal nach Dießen zu bringen. Ohne Derlustpunkte aus der ganzen Verbandsrunde hervorgegangen, kann
sie mit Stolz aus ein Torverhältnis von 50:6 zu- rückblicken.
Handball im Lahn-Oünsberg-Gau.
I. Mannschaft Londorf — L Mannschaft Diefeck 2:4.
Diese Handballmannschaften trafen sich am Sonntag in Londorf zu einem Gesellschaftsspiel. Wieseck trat nur mit 10 Mann an und konnte nach schönem Feldspiel gegen die gutspielende Londorfer Mannschaft das obengenannte Resultat erzielen.
4. Bezirk Gau Hessen O. T.
Am Sonntag fand in der Turnhalle zu Alsfeld eine sehr stark oesuchte Vorturnerstunde des 4. Turnbezirkes des Gaues Hessen D. T. statt. 52 Vorturner führten unter der Leitung des 1. Be- Airfstumuxirtes A. Bastian (Alsfeld) die nach dem neuen Turnplane vorgesehenen Ordnungs«, Frei- und Geräteübungen aus. Der Bezirks-Vor- turnertag, der nach dem Turnen abgelzalten wurde, faßte folgende Beschlüsse: Das Hallen-Wetturnen wird dem Turnverein Grebenhain (Kreis Lauterbach) übertragen. Als Tag wird der 10. Februar 1929 festgesetzt. Das Berirksturnfest übernimmt der Turnverein Romrod (Kreis Alsfeld), es wird am 16. Juni 1929 abgehalten.
Handball der Sp.-Vg. 1900.
1900 1. Mannschaft — D. f. D. Gießen 1. Mannschaft 4:3.
1900 Jugend — V. f. D. Gießen Jugend ausgefallen, da V. f. D. nicht angetreten.
1900 Schüler — D. f. B. Gießen Schüler 2:1.
1900 2. Mannschaft — D. f. L. Wetzlar 1. Mannschaft 3:9.
ö. Das erste diesjährige Ortstreffen im Handball endete mit einer äleberraschung: die 1900er können, im Gegensatz zum Vorjahr, den D. f. B. nur knapp niederringen. Die Erklärung für diesen AuSgang ist darin zu suchen, daß einerseits der Plahverein ohne seinen bewährten Mittelläufer mit einer unglücklich zusammengestellten und außerdem nicht In bester Form befindlichen Mannschaft spielte, die Gäste andererseits über sich hinauszuwachsen schienen. Etwa zehn Minuten nach Spielbeginn konnten die 1900er durch Verwandlung eines Strafwurfs in Führung gehen. Die Leute vom Waidsportplah legten sich jedoch mächtig ins Zeug und tonnten bald darauf den Ausgleich erzielen. Ein ihnen etwas später zugesprochener Sttaswurs kam zur Verwandlung, und sie vermochten den errungenen Vorsprung trotz des Drängens der Spielvereinigungsleute bis kurz vor dem Wechsel zu halten, als es dem 1900er Linksaußen durch schönen Schrägwurf gelang, aufzuholen. Gleich nach der Pause gab der V. f. B.-Mittelsturmer einen hohen Ball aufs Tor, der infolge falscher Berechnung des Spielvereinigungswrwartes seinen Weg ins Retz fand. Das Spiel wurde nun immer lebhafter. Der umgestellte 1900er-Sturm gab dem recht gut, aber auch glücklich (fünf Latten- bzw. Postenschussel) arbeitenden V. f. 03.- Huter alle Hände voll zu tun, konnte ihn aber nur noch zweimal schlagen. Die Angrifte der Dewegungsspieler wurden von der im letzten Teil des Spieles etwas aufmerksamer arbeitenden Hintermannschaft des Platzvereins rechtzeitig abgestoppt. Schiedsrichter Waldmann (Wetzlarer Sportverein) schien sich zwar Mühe zu geben, konnte aber nicht recht überzeugen.
Das Spiel der Iugendmannschaften kam nicht zustande, da die D. f. B.er — ohne vorherige Absage — nicht antraten.
Das Schülertreften nahm den gewohnt knappen Ausgang. Die reifere Ballbehandlung brachte den Kleinsten von 1900 den Sieg.
Die zweite aktive Mannschaft stand der bis auf Paulus vollständigen ersten Elf des D. f. L. Wetzlar zum fälligen Punktspiel gegenüber. Die 1900er Zweiklassigen ließen sich hier weit besser an, als die erste Garnitur im vorhergehenden Spiel. Schon in der zweiten Minute mußte Wetzlars Torwart hinter sich greifen. Run zog
Seid fällt vom Himmel.
Roman von Paul Enderling.
Copyright by Carl Sünder, Verlag, Berlin.
36. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Sie wimmerte, von einem innern Sturm durch- schüttelt, vor sich hin.
Er stand ratlos vor ihr. „Soll ich nicht lieber einen Arzt holen?"
Sie sah ihn an. „D u bist mein Arzt. Bleib' noch ein Weilchen und sprich lieb zu mir. Lüge, wenn es nicht anders geht, aber sprich lieb zu mir. Dann bin ich gesund.
Als er im Zimmer nach einem Korkzieher suchte, um die Flasche zu öffnen, fiel sein Blick auf einen offen baliegenben Brief, den er bis dahin nicht bemerkt hatte. Er las am obern Rand in lithographierten Buchstaben: „Auskunftei Okulus, Inhaber ..." Weiter las er nicht, und er öffnete die Flasche.
Sie hatte, wie sie es in der ganzen Zeit getan, ihn beobachtet. „Gib den Brief!" sagte sie hastig. „Er ist von einer Freundin. Sie hat ihn liegen lassen, als sie mich besuchte."
Er reichte ihn ihr, und sie steckte das Schreiben gleich unter die Decke. „Don einer Freundin? Hast du Freundinnen, die mit diesem Kiebitz, ober wie er hieß, verkehren?"
„Meine Freundin ist bei ihm angestellt." Sie Iah ihn aus halb geschlossenen Lidern an, um die Wirkung ihrer Worte zu prüfen.
„Tippt sie dort?" fragte er, den Wein in zwei Wassergläser gießend. „Trinke, Kind. Das wirb dich kräftigen."
„Nein." Sie schob das Glas beiseite, da es ihr den Ausblick verengte. „Meine Freundin ist bei ihm ongefteüt, aber als Beobachterin. Sie sammelt Informationen für ihn."
Besorgt empfand er die Veränderung des Tons. Kam es wieder zu einem Ausbruch? „Ich verstehe mich nicht auf diese Berufe ..
Sie erhob sich etwas, nippte an dem Glas und sagte, ihm ins Gesicht sehend: „Ja, zu solchen Berufen greifen Frauen, wenn es Ihnen schlecht geht. Verachtest du meine Freundin sehr?"
Er strich beruhigend über ihr Haar. ,Lst denn so schlimmes mit diesem Beruf verknüpft?"
Sie hielt seine Hand fest und preßte sie in jäher Aufwallung. „Es ist ein gemeines, erniedrigendes Leben. Kiewcning beschäftigt nur Kräfte, die zu allem fähig sind. Verstehst du: zu allem. Sie müssen nicht nur beobachten und Material sammeln, sie müssen manchmal auch nachhelfen."
„Das verstehe ich nicht."
„Freilich. Du brauchst so was ja auch nicht zu verstehen. Meine Freundin hatte zum Beispiel den Auftrag, einer jungen Ehefrau eine Eheirrung nachzuweifen. Er wollte sie los fein. Wie das machen? Sie erfuhr, daß die Dame abergläubisch sei und empfahl sich als Handleserin. Es war nicht schwer, ihr allerhand Richtiges zu sagen und ihr Vertrauen zu erwerben. Nun, und dieses Vertrauen mußte sie büßen. Horst du auch aenau zu?"
Er hatte die ganze Zeit in den Regen gestarrt, der die Welt verhüllte. „Ich werde Licht machen. Es erzählt sich besser, wenn man sich sieht. Oder willst du nicht lieber schweigen und ruhen? Ich will ganz still neben dir sitzen."
„Nein, ich will nicht schweigen. Du sollst alles Horen." Sie sah in das aufspringende Licht und fuhr fort: „Meine Freundin hat auch den umgekehrten Fall gehabt. Die Frau eines Kaufmanns wollte geschieden sein, und ihrem Mann mußte ein Fehltritt nachgewiesen werden." Sie würgte an ihren Worten, aber sie peitschte sich weiter in ihre häßlichen Erinnerungen hinein, in eine qualvolle Beichte. „Mehrere Tausende waren als Prämie ausgesetzt. Meine Freundin täuschte das Vertrauen ihres Chefs nicht. Sie wurde Stenotypistin bei dem Kaufmann, machte sich unentbehrlich, besuchte ihn und — verweigerte beim Scheidungsprozeß die Aussage ..."
Diesmal hatte er zugehört. Als sie fertig war und ihn lauernd anblickte, sagte er: „Du solltest mit einer solchen Freundin nicht verkehren." Er wischte unwillkürlich mit seinem Tuch über den Handrücken.
„Siehst du? Du verachtest mich. Sag' es doch laut! Ich sehe es dir ja an." Ihre fiebernden Augen sprühten auf.
Seine Hand glitt flüchtig über ihre fieberfeuchte Stirn. „Ruhig, Kind. Dich trifft es ja nicht."
Sie warf sich mit einem wilden Schluchzen zurück. „Ich wußte es ja ... ich wußte es ja ...
der V. f. L. alle Register seines Könnens und sandte bis zur Pause viermal ein. Allerdings ho - di« Platzmannschaft schon eine Viertelstunde nach Spielbeginn ihren Verteidiger infolge 03er»
g verloren. Rach dem Wechsel ergab sich verdecktes Spiel. Wenn sich der 1900er Hüter nicht einige böse Schnitzer geleistet hätte, so wäre das Tressen in seiner zweiten Hälfte auch zcchlenmähig auf Llnentschieden zu halten gewesen. Die beiden Tore für 1900 hatten ebenfalls den Halblinken zum Schuhen.
Gpieivereinigung 1900 Gießen.
ö. Die am Sonntag zum Austrag gebrachten Jugend-Pflicht- und G e s e l l s ch a f t s - spiele zeitigten folgende Ergebnisse:
1900 1. Jugend — Grünberg 1. Jugend 1:0.
1900 2. Jugend — Leihgestern 1. Jugend 2:1.
1900 3. Jugend — D. f. B. Kurhessen Marburg
4. Jugend 0:2.
1900 1. Schüler — Steinberg Schüler 5:1.
Das Spiel der 1. Jugend fand in Grünberg statt und kostete die Gießener auf dem kleinen ungewohnten Platz alle Anstrengungen, um den knappen Sieg sicherzustellen. Beim Seitenwechsel führte 1900 bereits 1:0 und hatte später noch eine ganz sichere Gelegenheit, auf 2:0 zu erhöhen, die aber versiebt wurde.
Die 2. Jugend spielte auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe. Für den zu spät eintreffenden Schieds- richter leitete ein Jugendlicher vom Platzverein, der seine Sache besser machte, als nachher der Schiri. Mit 1:1 ging man in die Pause. Ein eigentlich haltbarer Elfmeter ergab für Leihgestern das Ehrentor Die Gäste waren körperlich sehr gut entwickelt.
Die 3. Jugend konnte in Marburg nicht erfolgreich fein. Diese Mannschaft hat bis jetzt, trotz großen Eifers, wenig Zusammenspiel, wobei berücksichtigt werden muß, daß die körperlich schwache Elf erst drei Spiele ausgetragen hat. (Halbzeit 0:1.)
Ein recht ansprechendes Resultat erzielte die erste Schülerelf in Steinberg. Bis zum Schlußpfiff erzielten die Kleinen fünf, zum Teil sehr schöne Tore, darunter eins durch Verwandeln eines Elfmeters. Die Ueberlegenheit der Gießener kommt durch das 3.0-Halbzeitresultat schon recht zum Ausdruck.
V. f. B.
Liga — Burg Liga 5:1.
Ligareserve — Burg Ligareserve 5:1.
1. Jugend — 1. Jugend Butzbach 2:1.
2. Jugend — 1. Jugend Steinberg 0:6.
3. Jugend — 1. Jugend Hermannstein 0:1.
2. Schüler — 1. Schüler Hermannstein 0:2.
Die Liga Mannschaft mußte ihre Fahrt nach Burg ohne die erkrankten Spieler Sättiger und Singel antreten. Sie lieferte wider Erwarten ein sehr gutes Spiel. Wie auf allen derartigen Plätzen, fiel es auch hier der V. f. B.-Mannschaft in der ersten Halbzeit schwer, sich zurechtzufinden, zumal die körperlich sehr kräftige Platzelf mit einem Eifer und einem Siegeswillen kämpfte, gegen die aufzukommen, nicht leicht war. Obgleich die technische Ueberlegenheit Gießens schon von Anfang an durch besseres Feldspiel zum Ausdruck kam, reichte cs bis zur Halbzeit nur zum Führungstor, da die äußerst stabile Burger Verteidigung durch ihre euer- gische Abwehr die Angriffe des Gießener Sturms mit Sicherheit abzustoppen vermochte. Die Gegenangriffe der Einheimischen waren recht gefährlich und schufen heikle Situationen vor dem V. f. B.-Tor, wo sich jedoch die in guter Form befindliche Hintermannschaft als Herr der Lage zeigte. Nach dem Wechsel schien der Gegner fein Pulver verschossen zu haben. Während sich D. f. B. anfangs das hohe Spiel der Burger hatte aufdrängen lassen, kehrte er nun zur flachen Kombination zurück und beherrschte von jetzt ab das Feld. Die Mannschaft führte bis zum Schluß ein so prächtiges Spiel vor, wie sie es in den diesjährigen Derbandsfpiclen noch nicht gezeigt hat. Die Ballbehandlung und das Stellungsoer- mögen des einzelnen, sowie das Zuspiel untereinander und die Zusammenarbeit der Mannschaftsteile zeigten Klassenunterschied. Während die Verteidigung, einschl. Tormann, nur noch wenige Male ein«
Verwirrt sah er auf das fiebernde Mädchen. Warum erregte sie sein Urteil über ihre Freundin so? Im Alcazar kam sie doch auch nicht nur mit Gentlemen zusammen. Plötzlich fiel ihm ein, daß dieser Kiewening damals, als er ins Alcazar flüchtete, an feinem Tisch gesessen und sich immer wieder an ihn herangedrängt hatte. Und dann war Blinsky zu ihm gegangen — ob sie etwas wußte? Ein unbehagliches Gefühl überkroch chn.
Marthas Schluchzen war verebbt. Ihr Gesicht kam unter der Decke vor, und sie versuchte zu scherzen: „Nun habe ich wohl eine rote Nase von dem dummen Weinen?"
„Du hast sehr interessant erzählt. Aber ich habe das Gefühl, daß du mir noch nicht alles erzählt hast."
„Nicht alles?" Ihre 2lugen weiteten sich angstvoll.
Er beugte sich über sie. „Du verbirgst mir etwas."
Jetzt, da sie alles sagen sollte, fühlte sie sich feige werden. „Ich verberge nichts ... ich ..." Mutlos legte sie den Kopf auf das Kissen. „Ich habe dir nichts mehr zu sagen."
„Diesmal sprichst du wahr. Du hast mir nichts mehr zu sagen: denn ich weiß nun alles. Du bist Kiewenings Gehilfin, und du hast auch mich beobachtet. Ist es so?"
Sie blickte furchtsam auf. „Es ist so."
Grotteck stand auf. Er fühlte, wie sich ein Netz über ihn legte. „Und — wie weit ist dein Chef nun informiert?’5
„Ich schwöre dir, ich habe es nur übernommen, damit es nicht jemand anders bekam. Nie hätte ich dick; ihm preisgegeben, nie ... nie ... nie. Ich liebe dich doch. Fühlst du das nicht?"
„Was weiß er nun von mir?"
„Nichts. Er hat mich gequält und ausgesorscht, er hat mich beleidigt und mit Entlassung bedroht. Kurt, glaube mir, und wenn ich auf der Folter gelegen hätte, ich hätte nichts verraten."
„Was war denn zu verraten?"
„Nichts. Es liegt nichts gegen dich vor."
„War es das, was du in deinem Brief andeutetest?"
„3a, er scheint von anderer Seite etwas gehört zu haben."
„Von Blinsky?" fragte er schnell.
zugreifen brauchte, lieferte die Läuferreihe und von dieser besonders der Mittelläufer eine glänzende Partie. Der gut unterstützte Sturm trug den Ball in systemvollen Angriffen immer wieder nach vorn und schoß, obgleich er in dem ganz vorzügl.chen Torwart des Platzvereins ein schwer zu überwindendes Hindernis vor sich hatte, in regelmäßigen Abständen vier Tore. Fast mit dem Schlußpfiff erzielte Burg bei einem überraschenden Durchbruch sein Ehrentor, so das Schlußresultat auf 5:1 stellend.
Die ßigareferoe zeigte sich ihrem Gegner in punkto Technik und Zuspiel ebenfalls überlegen und gewann verdient', dem Spielverlauf nach hätte das Resultat noch hoher ausfallen können. Die Mannschaft brauchte jedoch ebenfalls einige Zeit, bis sie sich mit den Platzverhättnissen abgefunden hatte und ihr besieres Können in Tore auszudrücken vermochte.
Die erste Iugendmannschaft hatte auf eigenem Platz die gleiche des D. f. R. Butzbach zum Derbandsspielgegner und gewann knapp, aber verdient. Beide Maimscha'ten zeigten mäßige Leistungen. B. f. 2. spielte weit unter seiner sonstigen Form, war aber seinem Gegner trotzdem um einiges überlegen. Das Tressen hinterließ durch das wenig sportliche Disziplin verratende Verhalten der Butzbacher, von denen der Schiedsrichter gegen Schluß zwei vom Feld verweisen mußte, einen ungünstigen Eindruck.
Eine unverdiente Riedrriaae mußte sich die zweite Iugendmannschaft in Steinberg gefallen lasen. Das 0:6 enftpricht in keiner Weise dem Kräfteverhältnis der beiden Mannschaften, die von dem Schiedsrichter, einem Mitglied des Plahvereins, in der ausfallendsten Weise ungleich behandelt wurden.
Die dritte Jugend zeigte in ihrem Gesellschaftsspiel gegen Hermann st ein eine merkliche Formverbes-erung und verlor nur knapp.
Trotz fester Zusage des Lollarer Sportvereins trat dessen erste Iugendmannschaft zum vereinbarten Geseklschasts'p-el gegen die erste Schülerelf nicht an, so daß diese ohne Gegner blieb.
Die zweite Schüler Mannschaft zeigte gegen die Schüler Her mann st eins nur schwache Leistungen und mußte sich den besseren Gästen beugen.
Fußball in Heuchelheim.
5p. V. 1921 I — 5p. 3. Daubtingen I 5:0 (2:0).
Im Verbandsspiel trafen sich die Mannschaften auf dem Sportplatz in Heuchelheim. Obwohl die Heuchelheimer 5:0 gewannen, konnte« ihr Spiel durchaus nicht überzeugen. Die Mannschaft war gegen das Spiel am Vorsonntag nicht wiederzuerkennerr. Zum Glück war Saubringen rin sehr schwacher Gegner. Dis zur Halbzeit kamen die Gäste noch einigermaßen mit, danach war es nur noch ein Spiel auf rin Tor«
Kußball in Großen-Buseck.
F. C. 1926 Großen-Buseck I — Sp. D. Teutonia Laubach I 3:2 (2:0).
F. C. 1926 Großen-Buseck II — Sp. D. Teutonia Laubach II 3:2.
Was man am Sonntag in Großen-Buseck zu sehen bekam, übertraf alle Erwartungen. Der Gegner sowie der Platzverein spielten einen gleichwertigen Fußball, der ganz im Rahmen der Sportlichkeit durchgeführt wurde. Der Kampf war vorn Anfang bis zum Schlußpfiff packend. Auch die 2. Mannschaften zeigten gute Leistungen: hier war es dem Platzverein ver- gönnt, Sieger zu fein.
Gpielvereinigung 1926 Leihgestern.
Leihgestern I — Sfei.ibad) I 4:0 (4:0).
Am Sonntag hatte Leihgestern die spielstarke 1. Mannschaft des Fußballsportoereins Steinbach im Verbandsspiel zu Gast. Leihgestern fpielte in der ersten Halbzeit überlegen und konnte mit 4:0 in Führung gehen. Trotz dieses Halbzeitresultats kämpfte Steinbach eifrig weiter, konnte aber das Ehrentor nicht erzielen, da die Hintermannschaft der Einheimischen in sehr guter Form war. Mit diesem Sieg hat Leihgestern die Führung in der Tabelle übernom-
„Den kenne ich nicht. Ich wollte dir nur raten: sieh' dich vor! Oder noch besser: bezahle Kiewening. Dann ist er auf deiner Seite."
„Danke schon."
„Wirst du nun wiederkommen?"
Grotteck zog den Mantel an. „Das weiß ich nicht. Aber ich weiß, daß du Hilfe braucbst. Ich nehme an, daß du dies alles im Fieber gesprochen hast. Ich muß es annehmen. Du mußt hier heraus, aus dieser Bude und aus der Stadt. Ich gebe dir Geld, damit du in ein stilles Schwarzwalddorf ziehen kannst, sobald es der Arzt erlaubt. Deine Nerven müssen sich wieder erholen.
„Du willst mir Geld geben?"
Er zog die Brieftasche und legte mehrere Scheine hin. „Das wird fürs erste reichen, denke ich."
Mit einem Ruck saß sie aufrecht. „Woher hast du das Geld?"
„Es fiel vom Himmel", sagte er ruhig.
Entsetzt schlug sie die Hände vor die Augen. „Dann bist du es also doch!" schrie sie plötzlich auf.
Draußen vor der Tür gab es ein kurzes Stolpern, als wenn ein Mensch über die dort au (gestapelten Pappschachteln gefallen wäre.
„Werden wir hier belauscht?" Aber als er die Tür öffnete, war niemand zu sehen. Er schloß sie wieder.
„Nun will ich gehen", sagte er mit tonloser Stimme.
„Wohin?"
„Daß weiß ich nicht."
„Es ist noch nichts verloren ..."
„Ich fürchte, es ist mehr verloren, als du ahnst." „Kann ich dir nicht wenigstens einen Rat geben?" „Nein. Ich brauche keinen Rat von dir?"
Sie zuckte zusammen. Ein schlimmes Lächeln stand plötzlich in ihrem geröteten Gesicht. „Wenigstens kannst du jetzt nicht zu ihr gehen", sagte sie befriedigt.
Seine Haltung war wieder gestrafft. „Wen mek« nen Sie, Fräulein Rebmann?"
„Zu ihr, zu dieser Brodersen in ihrem Auto!" <5te lachte schadenfroh. Sie war ihm ganz fremd.
„Und warum sollte ich nicht?"
„Weil sie nicht da sind. Weil sie in Paris wohnen.* (Fortsetzung folgt.)


