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Nr. 183 Erstes vlast

178. Jahrgang

Montag, 6. August |928

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Bellegn: »tehexrr FamlllenblLtte, ftetmat im «Ud Di« Scholl« m»eet».Brie$i|rtli;

2 Hrid)»earh anb 20 Jkid)tpfrnnig fflr Tragt» lohn, auch bei Nichte» scheinen einzelnerNummer» tnfolg« höherer (BttralL F«rnspr«chanschISffe: 51, 54 und 112.

Anschrift für Drahtnach' richten: Anzeiger Ältfc«. poRscheckkonfo:

LrinNuNom Main litt«.

Gietzemr Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Vrv<f ind Verlag: vrühl'sche U«lve?si1S1r-vuch' und Stelnörnderet R. Lange in Sietzen. Schnstleitung und Geschäftrstelle: Zchnlstrahe 7.

3eMb*e oon Anzeiae» für bi« Tagesnnnimer di» um Nachmittag vorher.

Preis fir 1 mm höhe fir Anzeigen von 27 mm Tret» örtlich 8, OBtmärte 10 Neichspjenmg^ für N hiameaneeigen von 70 mm Drelle 35 Reichspfemna, Platzvorschrift 20', mehr.

Lhefrebakteur:

Dr. Fnebr. TOilh. Lange. DerantwoNlich für TolrtiN Dr. g-r. wilh. Lang«; für Feuilleton Dr H Ihyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für ben An» zeigenteil Jinrl AiDmann, färnthd) in Gießen

Schwere Unwetterkatastrophe über Nordbayern.

SchwereSchädenm Erlangen

Vernichtung der tbst- und »eincrntc.

Nürnberg, b Aug. (ÖIB. Juntfprud).) Jlorb- baycrn Ist am Samotag oon einer Unwetterkala- ftrophe betroffen worben, bk nach jetzt erst ein- laufenden Meldungen einen anßerortenttichen Um­fang angenommen Hot. Besonter, schwer würbe bk Gegenb oon Erlangen helmgesucht, wo unge­heurer Schoben auf ben Reitern, ben Fluren unb Wölbungen ongerichle« würbe. Vielfach sinb bk Wege burch Mr wostermaffen zerstört worben, Besonder» ber Steglitzer Gr und würbe stark in Miilriten- fchosl gezogen. Etwa 2000 schöne IDalbbäumt würben oomSlarmrolnb umgcf nid I unb ent­wurzelt. viele Häuser würben abgebeckt, (Bärten unb Kariostriseiter verwüstet unb einige Kamine um­geworfen. Zerfchmeiterte Elchen unb Bkfen ver­sperren bk Strotzen, bk elektrischen. Telephon- unb Tekgraphenteitungen würben burch stürzente Maste zerrissen. Auch im Feuermeltebknsl traten Stö­rungen burch Vrahtbruch ein. 3n ber (Erlanger Ofl- oorflabt versagte b a » Licht, auch Brunk unb Büchenbach würben oon ber Uuroetlcrfalaftrophe mitgenommen, wo ebensall» Häuser abgebeckt unb viele Bäume zersplittert würben. Da» gleiche wirb auch au» Götzweir.fttin unb einigen anberen Orten ber Fränkischen Sckpveiz berichtet, wo ba» Unwetter in bernsetben Au »matze gehaust haben soll, aber auch bie untersränkische W c In­ge g e n b würbe in Milieibenschost gezogen. 3n Ran- bertarfrr würben burch Hageischlag bie Weinberge, bk sich oon bem burch bie MaifrSste verursachten Schoben jetzt einigermahen erholt halten, nunmehr burch ben Hagel vernichtet. Auch auf ben .Tettem würbe großer Schoben angerichtet, viele Obftbäumr sind umgebrochen, bie Früchte abgeschla­gen worben. 3n ber Gegenb von Prosselsheim wur­den ebensall» durch hagelschtog bie Fluren stark ver­wüstet. Die noch auf bem Halm stellende Getreide­ernte ist vieisach verloren. Die Schloßen waren auch hier taubeneigroß.

Der Sturm Hot auch Stockungen im Eisen­bahnbetrieb zur Folge. Bei Staffelbach wurde neben lelegropbcnmaflcn auch bae Linfahrlsignal uir.rerlfkn, so baß beide Gleise gesperrt waren. Der Zugverkehr erlitt dadurch erhebliche Verspätungen. 3n R r ß b a d) wurden die Dächer ber Bahnhof» gebäube zum Teil abgehoben und fast sämtliche Fensterscheiben zerschlagen. Lin beladener unb vier leere Güterwagen wurden losgerissen unb zur Ent- gteisang gebracht. Ebenso riß der Orkan an dieser Stelle vier abgestellte Personenwagen los unb trieb sie unter Anfschneiden der Weiche gegen einen Jieben- bahnzng. Bei dem Ausstoß entgleiste ein Personen­wagen und wurde beschädigt, vor dem Linfahrlsignal in Station Cengfnrt-Irennftebt fuhr der Rebenbahn­zug auf einen Boumslamm auf, der kurz zuvor durch den Sturmwind auf da» Gleis geworfen worden war. 3m Zuge wurden acht Fenster ;erirümmcrt; Personen sind jedoch nicht verletzt.

Sine Windhose über Bamberg.

Schor« sieiae umgcstiirzt, Döcher abgcdcckt.

Wanern Hingerissen.

Bamberg. 5. Ttug. (WB.) DaS Bamberger Gebiet wurde am Cankfaa in den späten Nacht, stunden von einem furchtbaren Unwetter heim» gesucht Aach einem Hagcllchlag. bei dem Schloßen von X au b e n i a r o ß e nkter- fielen und mehreren darauf folgenden heftigen Gewittern lam plötzlich auS dem Rordwesten eine Windhose von etwa 5 Minuten Dauer terangebrauft. b;e überall auf ihrer Bahn furcht­baren Schoten anrichtete. 3m Bamberger Bolks- park wurde die neue Fe st Halle vollkom­men zertrümmert. Die ganze Parkanlage -st vernichtet. 3n der Bamberger Radrennbahn, auf der am Sonntag die Baver.schen Flieger- meisterschaften au#getragen werden tollten, fielen zahllose schwere Bäume nieder, durch die die Umschalung *eritört wurde. Auch an den son­stigen Baulichkeiten wurde schwerster Schoten verursacht. 3m Bamberger Hasen find fast sämtliche Lagerräume und Fabrikeinr.chtungen ein Opfer des Sturme8 geworden. Hier allein dürste der Schaden in die H unter tt au ko de gehen. 3mBamberg-:! Hain sind ebenfalls schwere Zerstörungen zu verzeichnen. Zahlreiche .stamine wurden durch den 6türm umgenfen, davon allein chs große Fabrikschornsteine. Der Gesamtschaden in Bamberg wird auf mehrere Millionen geschätzt.

3m Bamberger (Zise n b a h n v e r f e h r traten stundenlange Störungen ein. Sämtlich: Berbin- düngen, auch Telephon und Telegraph. be'onderS nach dem Borden und der näheren Umgebung Bambergs sind noch nicht toieberberge- ft c 111. Die Reichsbahndirek non teilt mit. daß die Gestänge so über die Gleik geworfen wur­den. daß beide Strecken der Doppelbahn lange 3«it gesperrt bleiben werden. Sämtliche Hchn^lzüge mußten über Bayreuth und Prvbst- ?eue um geleitet werben. 3m Stadtinnern Barn- bergÄ wurden schwere Beschädigungen rn der Hauptkrastwagenwerk'':^^e seftgestellt. Bon fämt-

lichen Gebäuden sind die Dächer abgeris­sen und ungefähr 200 Meter weit vom Sturm fortgetragen. Die Urnte, vor allem der O b ft» bau. ist durch den Hagel vollkommen vernich­tet. Dis jetzt sind sechs Personen als verletzt festgestellt worben. Hilfsmaßnahmen sind im Gange. Die Bamberger Sportwoche ist abgesagt worden.

3n der Umgebung herrscht genau das gleiche Bild der Zerstörung. Besonders schwer betroffen wurden die Ortschaften Hirschaid und Strullen­dorf. Gausladt und Hallstadt. 3n der bei Gau­stadt gelegenen großen Ziegelei Lessing wars der Sturmwind einen 50 Quadratmeter großen Teil daS Daches eines Rebengebäudes gegen den großen Fabrikschornstern. so daß dieser aus- cinanberbarft. Das Werk muß infolgedessen ft i U g e I e g t werden. 3n Bamberg stürzte bei der Malzfabrik WeHermann von dem 65 Meter hohen Stamin ein Teil von etwa 20 Meter in die Tiefe. Der Schaden beläuft sich auf etwa 50 000 Mark, doch kann der Betrieb aufrechterhalten werden. 3m Bamberger Städtischen Diehhos wurde durch den Sturm eine Ziegelsteinmauer in einer Breite von 5 biS 15 Bieter umgeworfen. Der Löwensteg. eine BcrbinbungSbrücfe aus Holz und Beton über die Rögnitz, wurde größtenteils tDcggcrtffen.

Bei den AufräumungSarbeiten leisteten die Reichswehr, die Landes Polizei und die Feuerwehr von Bamberg tatkräftige Hilfe. Sine Transsormatorenstation wurde abgebedt und das Dach 30 Meter weit geschleudert. Biele Ge­bäude wellen derartige Schäden auf. daß sie niedergerisfen werden müssen. Die Bestürzung unter der Bevölkerung war ungeheuer. Der in -Urlaub behnblidje Oberbürgermeister wurde tele­phonisch zurückgerufen. 2ün Sonntagsrüh haben sofort Sammlungen eirrgesetzt. nm den Geschä­digten und Rotter den den die erste Helfe zu bringen.

Die Llnwetierkaiastrophe über Ansbach.

Augsburg. 5. Bug. ,WTB f Schwere Un­wetter gingen am Samstagabend über den La n d- bezirk AnSbach nieder, wodurch in vielen Gemeinden die Ernte vernichtet. Bäume entwurzelt oder umgebrochen wurden. Groß ist der angerichtetc Gedäudeichaden. Auf dem Felde befindliche Arbeiter, sowie viele Kinder wurden durch große Schloßen übel zugenchlet Fünf Touristen wurden nach Ansbach gebracht, die durch die Hagelkörner schwere Beulen da­vongetragen hakten. Zahlreiche Bogel liegen tot umher. Auf ter Weide befindliche ®änk wurden erschlagen. Schloß Kolmberg büßte 60 wertvolle Butzen- unb gemalte Scheiben ein. Der Schnellzug Hainbur gM ünchen geriet bei Rosenbach in einen Hagelsturm. 20 Fenster wurden zertrümmert. Beriebt wurde nie­mand Schwer heimgefucht wurde der Bahnhof und das Dampfsägewerk Dombühl. Eine Halle am Bahnhof wurde vom Sturm empvrgehvben und auf die Straße geschleudert. Die Scheiben des Bahnhofsgebäudes und die Signal- lichter sind bis auf wenige zerschlagen.

Gewitter über Koburg.

Äoburg, 5. Bug. (WTB > Heber Koburg und Umgebung gingen am Samstagabend schwere Gewitter nieder, von denen bad letzte in i t starkem Hagelsch lag und wölken- bruchartigem Regen verbunden war. Die Hagelkörk«r erreichten Hafelnußgröße. Der Blitz schlug hier und in der Umgebung einige Male ein. ohne jedoch zu zünden. 3n mehreren Stadt­teilen traten Überschwemmungen ein. Der Telephonverkehr ist völlig gestört.

Danzigs Verhandlungen mit Polen erfolgreich beendet.

Oie Wesierplatte. Das Anlegen polnischer Kriegsschiffe. Oie Eisenbahntarife.

Danzig, 4. llug. (IDIB.) Die zwischen dem Senat der Freien Stadt Danzig und dem diplomatischen Vertreter der Republik Polen, Minister Straßburger, schwebenden Verhandlungen über die Benutzung der IDefterplatfe z u Kriegszwecken, Anlegen reid)»polni- scher Kriegsschiffe im Danziger Hosen und die Frage der Geltung der polnischen L i s e n b o h n t a r i f e für da» Gebiet der Freien Stadt sind jetzt zum Abschluß gebracht wor­den. Heute erfolgte die Unterzeichnung der diesbe­züglichen Protokolle.

Die Ilkfkrplattenfrage wirb bi» zu ihrer end­gültigen Regelung vertagt. Die polnische Regie­rung erklärt sich damit einverstanden, daß unter Vorbehalt einer sechswöchigen beiderseitigen Kün­digungsfrist die Hkfferplatte auch provisorisch für allgemeine Handelszwccke ausgenutzt wird, indem das Hafenbecken nebst näherer Umgebung für die Benutzung durch Handelsschiffe und den allgemeinen Güterumschlag freigegeben unb, wie bie übri­gen Teile be» Hasen», bem Hosenausschuß unterstellt wird. Die polnische Regierung hot do» Recht, zweck» Umschlag oon Kriegsmaterial und Explosivstoffen eine vorübergehende Räumung der frei- gegebenen Zone zu verlangen. Die polnische Re­gierung verpflichtet sich, mit allen disziplinarischen Mitteln bie Beachtung ber Sicherheits- Vorschriften auf ber IDcfferplattc sicher; u- skllen. Der Danziger Polizeipräsibent soll bae Recht haben, bie IPefterplafle zu betreten, am sich jeberzelt von ber Einhaltung der Vorschriften zu überragen.

Durch blese provisorische Vereinbarung wirb ber bisherige grundsätzliche Standpunkt sowohl der polnischen Regierung al» auch des Senat» ber Freien Stabt Danzig i n keiner Meise g c - änberl. Reibe Regierungen behalten sich vor, nach vorheriger fiünbigung diese» Abkommen» auf bk Lrlebignng ber strittigen Tragen zurückzukom- wen unb gegebenenfalls den Streit ben zuständigen Völkerbundsinstanzen zur Entscheidung vorznlegen.

3n der Frage de» Anlegen» reichspol­nischer Kriegsschiffe im Danziger Hasen zieht bk Freie Stabt Donzig, bk bereit» zum 1.3ufi 1927 ausgesprochene Kündigung be» vorläufigen Abkommen» vom 2k.' Oktober 1921, Wonach bie polnische Regierung ba» Recht hat, ben Danziger Hosen unter bestimmten Bebingungen für ihre Krieg»schiffe zu benutzen, zurück anb erklärt sich bereit, ba» Abkommen weiter bestehen zu losten. Line Kündigung kann frühsten» zum 1. 3uli 1931 mit dreimonatiger Frist erfolgen. Der beider­seitige Recht»standpunkt wirb burch biese Regelung nicht berührt.

Bezüglich ber Eisenbahntarife würbe fol­gende Kegc(ung,oereinbari: Mit Wirkung vom 1. September 1928 werden bk gebrochenen Tarife

zwischen Danzig unb Polen aufgehoben unb auf bem Gebiet ber Freien Stabt bie polni­schen Lisenbohntorife ein geführt. Gleichzeitig wirb von ber Freien Stabt Danzig eine neue Lifenbahntarisorbnung in Kraft gefetzt, bie mit ber polnischen übereinstimmt. Diese Vereinbarung bedeutet für Danzig eine Derbill igung sowohl ber Fracht- wie ber Personentarlse unb doburch eine Erleichterung für bie Danziger Wirtschaft.

Ein Kompromiß.

Bon unserer Berliner Redaktion.

Mit der Tatsache, daß es nun endlich gelungen ist. die zwischen bem Senat der Freien Stadt Danzig und dem diplomatischen Bcrtrctet der Republik Polen. Minister Straßburger, schweben­den Berhandlungen über die Benutzung der Tdesterplatte zu Handels Zwecken, das Anlegen reichSpolnischcr Kriegsschiffe im Danziger Hafen und die Frage der Geltung der polnischen Gifen- babnlorife für daS Gebiet der Freien Stadt zum Abschluß zu bringen, ist ein lange« Kapitel schwierigster Berhandl ungen. die ja mehrere Bölierbundstagunaen beschäftigt haben, abge- fchloffen worden. Wenn auch der Abschluß nicht als ein endgültiger angesehen werden kann, so ist doch damit bewiesen, daß der letztlich gewählte □Deg der direkten Be rhandl ungen der zweckmäßigste gewesen ist. Tie Bemühungen des Danziger Senats, auf jeden Fall zu einer Be­reinigung der ftriitijen Fr: - en zu kommen, harten ja niemals nadbgriaf'en. Die undurchsichtige Hal­tung Polens verhinderte aber immer wieder, daß eine Einigung erreicht werden konnte.

Und auch jetzt sind die Kernprobleme mit der getroffenen Bercinbarung noch keines­wegs aus der Welt geschafft. Ra, wie vor bleibt daS Munitionslager aus der Westerplatte bestehe i, w:nn auch zuAebilligt worden ist. daß die W^este'platte wenigstens provisorisch für allgemeine Handelszwecke ausgenuy: werden kann. Gew.ß ha: Pr-.^i tr- losem den Danziger Forderungen Rechnung gc* tragen, als es sich verpflichtet, mit allen diszi­plinarischen Mitteln die Beachtung der Sicher- he.tsvorschriüen auf der Westerplatte sicherzu­steilen und vor allem dem Danziger Polizei­präsidenten des Recht zuspricht. die Desterplatte zu betreten, um sich i«derzeit von ter Einhaltung der Vorschriften zu überzeugen. Damit ist wenig­stens ber Begriff öfterritorialität der Westerplatte. wenn auch noch sehr zaghaft, auS der Welt geschafft. ES ist in der Berein- barung deshalb auch vorgesehen, daß beide Re­gierungen auf die Erledigung ter strittigen Hauptfragen zurückkommen können.

Für te.eses ®ntgcgenfommen Polens hat die Freie Stadt Danzig aber auch etwas bezahlen muffen. 3n ter Frage des Port d'Attaches hat fie doch der polnllchen Forderung insofern Rechnung getragen, als f-.e sich tereiterfiärt, das Abkommen vom 8. Oktober 1921 nach Aufhebung ter ein-

aereichlen Äüntegung weitertestehen zu lassen, so daß eine neuerliche Äünbigung erst frühesten« zum 1. Juli 1931 mit dreimonatiger Frist er­folgen kann. Polen kann also deshalb nach wie vor den Danziger Hafen militärisch aus­nütze n. obwohl es doch in Gdingen einen eigenen Kriegsbasen erbaut bat. ter aber hinter den Kulissen recht lebhaft auch für den Handelsverkehr zumSchaden Danzigs aus­genutzt wird.

Das erfreulichste Ergebnis für Danzig selbst ist Oielleubt ter dritte Punkt ter Bercinbarung, nach dem die gebrochenen Tarife zwischen Danzig und Polen aufgehoben werten, und dafür die polnischen Sisenbahntarife auf dem Gebiet ter Freien Stadt etngcfüßrt werten sollen. Da­mit werten natürllch die Danziger Tarife wesent­lich verbilligt, was ohne Frage für bie Danziger Wirtschaft eine Entlastung bedeuten dürste Da Danzig in diefer Hinsicht auf da« polnische Hinterland angewiesen ist, wird e- für ten Danziger Handel in vieler Hin­sicht em Borteil fein, wenn die Tarife verbilligt werten. 3nsolge ter Trennung vom deutschen Zollgebiet und ter bannt aufgezwungenen Hoch- schutzzollpolrtik, die erst durch einen deutsch-pol­nischen Handelsvertrag abgemiltert werten könnte, ist Dmtzigs Absatz nach Deutschland natürlich ganz erheblich erschwert.

Somit beteutet ter Abschluß ter Berhandlun- gen wohl einen weiteren Schritt auf dem Wege ter wirtschaftlichen Bcrftänbigung zwi­schen Danzig und Polen, ohne batet aber i n poltiischcr Hinsicht Borteile zu erbringen. Schließlich wird Genf von diesen Fragen befreit, was ebenfalls al- ein Borteil angesehen werten muß. Ob und wann die endgültige Lö­sung freilich kommen wird, die noch offen ge­lassen ist. das steht noch dahin.

Ein polnischer Transozeanflug mißglückt.

Die fflieger ind Meer abgestiirzt und von einem deutschen Dampfer gereitek.

Auch Polen hat ter Ehrgeiz nicht ruhen lassen, am Ueterfllegrn be» Ozean» beteiligt zu fein. Die polnischen Tran»ozeanfiieger haben aflerblng» wenig Glück gehabt. Sie sinb nach einer Meibung ber Pol­nischen Telegraphenogentur am Samstag um lb.40 Uhr amerikanischer Zeit über bem Atlantischen Ozean abge stürzt. Der ApparatMarschn'l Pilsubski" Ist vollständig vernichtet worben. Die Flieger ruurben von bem bevtschen Damp­ferSamo» gerettet, ter ter Deutschen Le­vante-Linie gehört.

Rach einer ergänzten Meldung ter Haoaragen- tur haben die beiten polnischen Flieger bei ihrem versuch, ten Ozean zu überfliegen, einen Zlsttin- blgen Flug au »geführt. Durch ba» schlechte Funktionieren der Brenn st offzufüh- r u n g würben sie gezwungen, etwa 60 Meilen vom kop Finlslerre entfernt auf bem Meere nle- bcrzugehen. Der Apparat schlug mit so gro­ßer Wucht auf tem Wasser auf, baß rfie Trag­flächen zertrümmert würben. Liner ber Flieger erlitt eine Arm Verletzung. Er würbe im krankenhau» oon £ e I jr e o, tem Hafen oon Porto (Portugal), in Beßanblung genommen. Die beiten Polen hoffen, halb nach Pari» abrrifen zu können.

Der mißglückte polnische Ozeanflug Hot in War­schau eine gewaltige Enttäuschung her- oorgerufen, nachdem bie Erwartungen der Deffent- lichkeit durch eine übermäßige Pressepropaganda vorher allzu stark gesteigert worden waren. Der polnische Rundfunk, der während der beiden letzten Tage in kurzen Zeitabsionben Berichte herausgab, in denen nur mitgeteilt rourte, daß noch keine Dl a rt) r i d) t e n vorlägen, hatte am Sonntag früh Plötzlich jegliche Sendung eingestellt. Bereits am Samstag unb Sonntag erschienen in der Stobt Extrablätter, obwohl noch überhaupt feine bestimm, ten Meldungen Vorlagen, so daß sich ber Bevölke­rung bereits Befürchtungen und Besorgnis bemach- tigten. Am Samstag traf bann um die Mittags­stunden die erste Nachricht über dieRettung der ins Meer gestürzten Flieger durch einen deut- fchen Dampfer eim die durch Funk und kur, daraus erschienene Sonderausgaben verbreitet wurde. Die allgemeine Stimmung ist infolgedessen sehr gedrückt.

EinLpclrcnnbootaufdemRhemerplodiert.

Da» Rennboot Opel [V Drri-Mekr-Klafse, da» bei Abeking & Rasmussen in Bremen erbaut wurde, ift beifeinerer ff enDerfudjsfaßrt am Sonntagabend gegen 5410 Ahr auf tem Rhein oberhalb be» Binger Loche» beim OestrIcher Schwan in Branb geraten anb mußte von ter Befaßung, bie sich burch herausspringen rettete, verlassen werten. Fritz von Opel unb seinen Mitfahrern gelang e», kotz stürmischen wasier» unb ber schweren Ceterfleibung schwimmend da» Ufer zu erreichen. Das Boot explodierte, eine 30 Meter hohe Stichflamme flieg zum Himmel und erleuchtete die Ufer taghell, worauf e» In ben Fluten versank.