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Nr. 151 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheifen)

Freitag, 6. Juli 1928

Die Jagd im Juli.

3m 3uli beginnt der Rothirsch zu fegen, doch setzt sich diese Tätigkeit auch noch je nach Stärke bis in die Feistzeit hinein fort. Der Abschuß sollte jedenfalls nicht vor Eintritt der Feiste, also Mitte August beginnen. Dia 3agb auf den heimlichen Fristhirsch gilt immer noch als die gerechteste 3agd auf den Hochgevxihten. Tier und Kalb sind vor Beunruhigung durch Mensch und Hunde zu schützen. Der Dam­hirsch tritt schon zu Monatsende in die Feist­zeit.

Das Schwarzwild hat gute Zeit, be­sonders der reisende Hafer, den ja auch das Rotwild sehr schätzt, hat es ihm angetan. Früher alS sonst wechselt es jetzt häufig aus, nimmt auch im Feld mitunter seinen TageSstand. Bei Trockenheit werden Suhlen gern angenommen.

Das Rehwild steht bis zum Erntebeginn noch gern im Getreide, wo es weniger dem 3n- sektenvolk auSgesetzt ist. Beginnt dann die Ernte, wächst die Unruhe im Feld und wird die Deckung immer weniger, so wechselt es zum Wald zu­rück. 3m Lause deS Monats tritt es in die Brunst. Die ..Blattzeit", die Zeit, wo der Dock auf daS .Blatt" springt, beginnt. Es ist zu empfehlen, mit dem Blatten nicht zu früh zu beginnen, damit der brave Bock sich noch vererben kann. Denn manch alter Schlaumeier, der sich immer durchzumogeln wußte, dem stundenlanger Ansitz und mancher Pirschaang ohne Erfolg gal­ten. läßt sich durch daS Blatt betören. Der Er­folg ist um so günstiger, je mehr das Zahlen» rcrhältnis von Dock und Ricke sich einander an­gleicht. Auch ohne Lockinstrument bietet jetzt der Aufenthalt im Revier häufig Aussicht auf Weid­mannsheil. weil der Dock zu allen Tageszeiten nach Ricken sucht oder treibt. Hitzige Schützen müssen besonders bei dem Dlatten die Ruhe zu bewahren suchen. Denn auch die Ricken springen auf das Blatt. Der Erfolg kann sehr peinlich sein! Ricke und Kitz sind weiterhin au schützen. Deerensammlern und Pilzsuchern ist besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Unser Federwild hat sein Drutgeschäft be­endigt und genießt den Schuh des Gesetzes. Rur die 3agü auf die Ente beginnt. Allerdings werden viele 3ungenten noch nicht jagdbar sein. Man sollte es sich zum Grundsatz machen, die Mutterente zu schonen. Erpel sind immer in der Mehrzahl da. Die Mutterente aber erhält den Destand. Aber auch mit Rücksicht auf die Verbreitung der Leberegelfeuche sollte jeder ver­antwortungsbewußte 3äger die Ente schonend bejagen. Das katastrophale Auftreten der Seuche unter den Rehwildbeständen badischer Reviere am Rhein wird in Zusammenhang gebracht mit der aaSjägerischen Ausübung der Entenjagd durch gewisse 3äger von der anderen Rhein- feite. Me Ente nimmt eine Unmasse der kleinen Schnecken auf, die die Zwischenformen des Le­beregels beherbergt. Wegen des gewaltigen volkswirtschaftlichen Schadens, den diese Seuche unter Haustieren und Wild anrichtet, wird daher von zuständiger Seite bereits eine mehrjährige vollständige Schonung der Ente befürwortet.

Die 3 u n g f ü ch f e find meist schon selbständig geworden und stecken gern im Getreide. Ueberall im Wald hat der Dachs gestochen und zeigt unS, daß wir in unteren Revieren jedenfalls noch einen ganz guten Destand dieses Feindes der Rachenbremsenlarve haben. Er hat reichlich Aesung und seht Feist für die fckMale Winters­zeit an.

Für den Ausfall der Hafenjagd ist der Monat von wesentlicher Bedeutung. Sind die Hasen des ersten Satzes gut durchgekommen, so tragen sie jetzt schon ihr Teil zur Erhaltung der Hasensippe bei. Wird die Deckung infolge der Erntearbeiten geringer, so seht die Häsin gern in Kartoffel» und Rübenschlägen. Auch Geireidehaufen auf dem Feld werden als Wochenstube auSgewählt.

Der Schuh der Riederjagd in Gestalt des Kampfes gegen Krähen, Elftem, Wiesel, Katzen und herumstrolchende Hunde muh weiter aua- geübt werden. HubertuS.

Möwe im Sturm.

Vornan von Sophie Moerß.

7. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Alsa du bedienst die Baroneß Erdmannsdorf ja, der Name wird dir Zungenschmerzen schassen just so wie mich selber, mein Kind. Und läßt ihr hier nebenan ein Bett machen seht zu, wie ihr das schafft. Und sie lauschte auf:Da kommt Sergei. Wie sie das sagte, wurde ihr Gesicht hell. Maria dachte: sie muß ihn immer noch sehr lieb haben, und bann hörte man schon ein Klopfen an der Zimmertüre.

Entrez."

Groß, schmal, in dem regelmäßigen Gesicht den allen unsagbar hochmütigen Ausdruck. Einer, der nichts gelernt und nichts vergessen hat, durch und durch der Typ des feudalen russischen Grand- Seigneurs, so kam Sergei Wladimirowitsch in die

»Ah, du hast Besuch. Ein ganz kleines Heben der Brauen, das so etwas wie Erstaunen ausdrückte, denn Elena hatte niemals Damenbesuch, und dann: Diese Zöpfe sollte ich doch kennen. Es gab ein­mal eine kleine Dame, die den Namen der Himmels- königin führte. Die schlug um sich wie ein Panther- kätzchen, wenn man sagte: ,Rot ist dein Haar/

Eine große Ehre für mich, daß Sie es nicht ver­gessen haben, Sergei, es ist auch immer noch rot

»Cs ist wie goldene Bronze, über die roter Wein hingelaufen ist.

Er kann immer noch hübsche Komplimente drechseln.^Elena.

Und Sie sind hierher gekommen mit der Tante Jnnozentia, der gestrengen alten Hoheit ? Wollen Sie Venedig besehen? Aermlich muß es Ihnen gehen, kalkulierte er im stillen. Mein Gott, die Sachen wüsten geradeswegs aus einem Warenhaufe stammen.

»I*ie Tante ist tot, sagte Elena, ehe Maria ant­worten konnte.Das Kind haben sie in ein Kloster nm wollen. Da ist sie lieber hierher gefahren zu

»Ta ta. So selbständig? Ja, die Zeit hat unsere harnen viel gelehrt. Möchte es Ihnen in unserem ärmlichen Heim gefallen, liebe Schwägerin.

Oberhessen.

Landkreis Gies;en.

00 Klein-Linden, 5. . ili. Einer der ä 11 e. sten Männer unseres Dorfes wurde gestern zu Grabe getragen. Es war der im 83. Lebens- lahre stehende Kaspar Klein II. Der Ge'ang- verein ..Eintracht" begleitete fein langjähriges Mitglied und einstigen Mitbegründer auf dem letzten Wege und lang am Grabe den letzten Gruß.

/ Mainzlar. 5. 3uli. 3n der jüngsten Sitzung deS Gemeinderats stand u. a. her Voranschlag für 1 928 zur Beratung. Die­ser schließt in der Betriebsabteilung in Ein­nahme und Ausgabe mit 13 798,20 Mk, in der Vcrinögensabteilung mit 460,75 Mk. ab. Die Dorsehungen in den einzelnen Rubriken zeigen ungefähr die vorjährigen Deträge, mit Aus­nahme der Waldungen, bei denen in Einnahmen gegen das Vorjahr ein Mehrerlös von rund 6000 Mk. zu erwarten ist. Für das in den vor­hergehenden Jahren gewährte Losholz sind in Ausgabe für jeden Ortsbürger 16 Mk. vorge­sehen. Dem Ausgleichsonds werden 2000 Mk. zu­geführt: der feitherige Ausgleichfonds ist durch die Kanalisation eines Teiles des Ortes voll­ständig aufgebraucht. Allgemein wurde bemän­gelt, daß für die Unterhaltung und 3nftanb- fetzung der Gemarkungswege nur 2450 Mk. vor­gesehen sind, da der Zustand dieser Wege sehr viel zu wünschen übrig läßt. Der Voranschlag wurde genehmigt. Eine Umlage wirb, wie in den vorhergehenden Jahren, nicht erhoben.

---- L i ch. 5. Juli. Die schon seit längerer Zeit mit der Postbehörde geführten Verhandlungen über den Reubau eines Postamtes wur­den durch Bürgermeister Geil zum endgültigen Abschluß gebracht. Das neue Postamt, das mit einem telephonischen Selbstanschluß- a m t verbunden wird, kommt an den schon früher bestimmten Platz an der Wetter zu stehen. Mit bei, Ausschachtungs- und Fundamentierungs­arbeiten soll sofort begonnen werden, damit daS neue Amt zum 1. Oktober nächsten Jahres be­zugsfertig ist.

D L i ch, 5. Juli. Dem 39 Jahre alten Landwirt Karl Weisel von hier stieß dieser Tage ein schwerer Unglücksf a ll zu. Er fuhr mit Pferd und Wagen auf der Rieder-Dessinger Straße, als ihm ein Motorradfahrer begegnete. Das fönst sehr ruhige Pferd scheute und ging durch. Während der Fahrt wollte sich Weifel retten und sprang von dem in voller Fahrt befindlichen Wagen. Mit schweren Ver­letzungen blieb er auf der Landstraße liegen. Dr. mcd. Schadt, Lich, leiste.e die erste ärzt­liche Hilfe und lieh den Verunglückten in die Chirurgische Klinik nach Gießen überführen. Hier wurde ein dreimaliger Druch des rechten Deines und schwerer Dlnterguh im rechten Knie festgestellt.

-=- Hungen. 5. Juli. 3n feiner jüngsten Sit­zung hat der Gemeinderat den Voran­schlag beraten. Obwohl unumgängliche Reuaus- gaben und erheblicher Kostenaufwand verschie­dener Art in Ausgabe gestellt werden muhten, war es möglich, den Voranschlag so auszu- gleichen, dah eine Erhöhung der Steuer­sätze n i ch t einzutreten braucht. Der Voranschlag schließt in Einnahme und Ausgabe mit 160 569,84 Mark ab. Die auS Gemeindesteuern aufzubringen­den 35 000 Mk. werden nach folgenden Sähen ausgeschlagen: Von 100 Mk. Steuerwerk bei land- und forstwirtschaftlich benutzten Grund­stücken 31 Pf., vom Anlage- und Betriebskapital des Gewerbe- 60 Pf., an Steuerwert der Ge­bäude 15 Pf., an Sonder-Gebäudesteuer 39,9 Pf.

# Bellersheim, 5. Juli. Gestern wurde der älteste Einwohner unserer Gemeinde, Samuel Wetterhahn, zu Grabe getragen. Der Verblichene hat ein Alter von über 91 Jahren erreicht.

# 03iIIIngen, 5. 3uli Der hiesige Ge­sangverein .Eintracht" feierte am Sonn­tag sein 50jähriges Jubiläum, verbunden mit dem Dundesfeft des Horloff-Wettertalsänger- bundes. Das ganze Dors prangte in schmuckem Festkleid. Rach einem am Samstagabend harmo­nisch verlaufenen Festkommers und einer in feier- lichen Weife verlaufenen Gefallenenehrung auf

»Wir wohnten in Wien auch schon lange nicht mehr im Palais. Die Tante mußte heraus. Das war Volkseigentum, sagte man. Und wir hatten eine kleine Wohnung in einem alten Kasten in der Dorstadt, sieben Stuben, ja, und alle so niedrig. Und nur noch zwei Domestiken. Und" Ein fünftes Lachen.Das ist nun vergangen. Ich habe mein Bestes gefunden, mein« geliebte Schwester. Und nicht einmal hat sie uns von Rumänien aus geschrieben, wie traurig sie es da hatte nur daß sie fremdes Brot essen müßte und daß es bitter schmeckte. Wie gut, daß Sie sie dort fanden und fortnahmen, Sergei."

Ja ja. Direkt aus dem Konzentrationslager in Japan kam ich. Uebcr London. Und konnte lang« forschen und fragen, bis ich erfuhr, wer sich als Baronin Biron in Bukarest von einer alten Tatarin kujonieren lieft. Aber bann das Glück meine Liebe?

Ja, sagte die Frau, und ihre Augen strahllen auf.

Mein Goll, er war ein ganz leichtsinniger Bru­der. Er war, wie sie alle in Petersburg gewesen, die auf dem Vulkan tanzten und das Feuer nicht ahnen wollten, das schon aus allen Ritzen züngelte. Aber er rift mit feiner persönlichen Liebenswürdigkeit immer wieder die Menschen in feinen Sann, fo sehr sie ihn kannten. Und wer kannte ihn so genau wie feine Frau? Irgendwo, vielleicht unten in der Halle schlug eine Uhr mit langen dröhnenden Schlägen acht.

Es ist höchste Zeit für das Theater, sagte der Mann.Du bist fertig, meine Herrin? Sind Sie sehr böse, verehrte Schwägerin, wenn wir Sie am ersten Abend verkästen? Aber die Loge ist bestellt und es handelt sich um ein Zusammentreffen mit hm Geschäftsfreunden. D ja, wir find alle sehr geschäftstüchtig geworden, wir Herren vom Parkett. Es wird viel Wert darauf gelegt, daft Elena mich begleitet, daß ich nicht nur so ganz von oben her mit den Leuten verkehre. Peinliche Zugeständnisse an inferiore Menschen, aber was will man machen? Und Sie sind sicher müde von der langen Reise?

Ach, Sergei, fei gut. Kann ich nicht bleiben? Denk' doch, Maria hier so allein in dem alten un» heimlichen Hause.

Sie roirt) Schlimmeres durchgemacht haben als ein paar Stunden in einem warmen Zimmer mit Giulietta als Bedienung für etwaige Wünsche.

dem Friedhof erreichte die Festlichkeit mit >?m großen Festzug. an dem 30 Vereine teilnah nen, ihren Höhepunll Rach der üblichen Deg: ang durch den Vorsitzenden des Vereins un? den Dundesvorsitzendcn Dächer (Ruppertsbu.g) überreichte Frl. L e s ch h o r n eine von den Frauen und Jungfrauen gestiftete prachtvolle Zahnenfchlcife. Einen starken Eindruck machten die unter Leitung des Bundesdirigenten Lehrer Dietrich iRodl) im a. d Horloff» vor getragenen Masiencböre auf di« meß. als 2000 Festteilned- mer. Dem Dichter und Komponisten Rektor Schad von Hungen wurden für fein op. 24Tu herrliches Land, du mein Vaterland" stürmische -Beifallskundgebungen gezollt. Als zweiter Mal- senchvr e. scholl au über 400 Sänger kehlen .Die Sonn' erwacht!" Dre Desangsvor träge der Bun­des- uird Gastvereine bewiesen, daß die Leistun- aen in stetem Aufstieg vorwärtsfchreiten und daß mit viel Fleiß und Liebe gearbeitet wor­den ist.

* Aus der nördlichen Wetterau. 5. Juli. Infolge des günstigen Wetters ist die Heuernte in verhältnismäßig kurzer Zeit gut eingebracht worden. Wenn auch die Güte des heurigen FutterS dem vorjährigen infolge des Fehlens der zarten Untergräfer etwas nachsteht, so wird dieser Mangel durch die diesjährige gute Aufbereitung voll ausgewogen. Da man aus dem Vorjahre noch Heuvorräte bat, sind die Preise für neue Ware sehr gedrückt: für erstklassiges -Hcu bieten die Händler 2 bis 2,20 Mk Einen herrlichen Stand weisen die Getreidefelder auf, nur macht sich in Gemarkungen, die seither noch verschont waren, die Weiterverbreitung des Hederichs bemerkbar. Frlls nicht noch schwere Unwetter Schaden anrichten, steh', eine aus­gezeichnete Körnerernte bei allen Fiustarten in Aussicht.

ttrcis Friedberg.

WSN. Wölfersheim, 5. Juli. Bei den Neu­bauarbeiten auf dem fiefragOelänbe stürzte heute morgen der 28jährige Montagearbeiter Hermann Elaus von Billingen bei Hungen von einer Eisenkon iktion ab. Dabei erlitt er schwere Schä - deloerletzungen, denen er bald daraus e r legen ist.

Kreis Büdingen.

h. Dad Salzhausen, 5. Juli. Mit Be­ginn der Schulserien in den Städten Frankfurt. Hanau, Gelnhausen usw. hat hier in den letzten Tagen die Zahl der K u r g ä st e sich erheblich vermehrt und der Hochbetrieb des Ba­des eingesetzt. Alle Gast- und Logierhäuser sind fast vollständig bewohnt. Das Kaufmanns- Erholungsheim ist ganz belegt. Dre in diesem Frühjahr vom hessischen Landtag bewilligten Der- besserungen der Kurmittel durch Reueinrichtung des Inhalatoriums, Errichtung einer Licht­therapie und Beschaffung von Duschen in einigen Bade zellen werden von den Kurgästen gerne benutzt. Auch die Pumpwerke für den Gradier­bau und die Süßwasserleitung haben die not- wendiae Erweiterung erfahren. Für Unterhal­tung der Badegäste ist durch Veranstaltung von Konzerten. Vortragsabenden, eine reichhaltige Bibliothek und ein freundliches Lesezimmer im Glockenhause gut gesorgt. Von heute an wird die Straße von hier nach Ridda bis zur Drücke, die über die Dahn nach Ulfa fuhrt, auf mehrere Wochen gesperrt, weil der Straßenbau voll­ständig auf gerissen, neu gestellt, gewalzt und dann mit einer kräftigen Asphaltteerschicht von 200 Grad Celsius übergossen werden soll. So begrüßenswert diese Erneuerung für die Auto­fahrer und für die Fußgänger wegen Vermin­derung der Staubplage ist. so hätte man doch gewünscht, daß die Ausführung entweder schon im zeitigen Frühjahr, oder erst im Herbste er­folgt wäre, weil gerade im Juli und August der Auto- und Wagenvrriehr hierher am stärk­sten ist und vielen Fahrern von entfernten Orten, die hier zur Kur weilende Angehörige besuchen wollen, nicht bekannt fein kann, daß der ganze Verkehr nach Ridda über Geih-Ridda oder Dorsdorf erfolgen muß.

Kreis Alsfeld.

H Alsfeld. 5. Juli. Am nächsten Sonntag­nachmittag wird ein großes Reit- und Fahrturnier als Eröffnung des am Montag

Seine Worte klangen verbindlich, aber in den Augen war ein Drohen. Maria erinnerte sich plötz­lich, wie er einmal, dam vor der Hochzeit, einen Reitknecht so angesehen hatte, der ihm den Steig­bügel nicht richtig gehalten. Der Mann war ganz bloß geworden und hatte die Schullern zusammen- gezoaen, als spüre er schon den Schlag der Gerte, die fein Herr in der Hand hielt. Sie hatte Sergei gefürchtet von dem Augenblick an. Und nun sah er feine tfrau an mit diesen Augen großer Gott.

»Also dann Elena drückte auf eine zierliche Klingel, die auf dem Toilettentisch standGiu­lietta den Theatermantel. Und sorge gut für die Baronesse. Und daß du nicht nach unten läufst, o ich weiß, du witschst immer um die Treppe herum. Da hast du nichts zu suchen. Du bleibst hier oben. Wenn Herrschaften kommen, ehe wir zurück sind Du hast dich nicht darum zu kümmern.

Nein, nein, Frau Baronin.

Die fileine stand mit niedergeschlagenen Augen.

Was Elena nur für lange Reden hält, dachte Maria.Ob das Mädchen hier oben ist in meiner Nähe ober nicht ich bin nicht ängstlich. Und sie küßte die Schwester herzlich zum Abschied.

»Lege dich hin. Liebes. Ich sehe zu dir hinein, wenn ich komme. Es ist hier still auf unserer Seite. Sergei hat seine Zimmer drüben, der stört uns nicht, wenn er noch spät Besuch hat. Schlafe wohl.

Maria war allein. Sie hatte sich auf das Bett gelegt, das man ihr im kleinen Vorzimmer bereitet, dort, wo sich die Loggia vor den Fenstern hinzog, sie halle Giuliella fortgeschickt, nun lag sie und suchte vergebens den Schlaf.

Die Ereignisie der letzten vierundzwanzig Stunden tanzten vor ihrem überreizten Gehirn. So viele Ge­sichter, so viele Geräusche, Rasteln von Eisenbahnen, Lärmen auf überfüllten Perrons, drohende Stim­men, die Dinge von ihr wollten, vor denen sie sich fürchtete. Sie scheuchte bas alles fort unb dachte: ..Elena. Ich bin bei bir. Bei dir, Elena. Unb spürte eine Leere unb eine Enttäuschung tief im Herzen.

Erfüllung unb Hoffnung haben oerschiebene Ge­sichter. Sie mußte es schmerzhaft erkennen. Aber war bie Schwester nicht voll Liebe gewesen? Halle sie sie nicht in bie Arme genommen unb zärtlich ge­küßt? Ja, ja aber zuerst , was war bas ba gewesen? Und wenn cs nur eine Sekunde gewesen, in jener ersten Sekunde war sie nicht erfreut ge­

stattfindenden Prämien- und Pferde- markteS dahier abgehalten Als einzige Ver­anstaltung in OtcrbeTfen, bei der ein richtiges Pferderennen für Galopp unb Trab damit ver­bunden ist. das fönst U.W. nur noch der Wetter- aucr Reiterverein in Friedberg veranstaltet, er­freut sich diese jedesmal ei.ieS besonders starken Besuches, da Daa Pferderennen über 1300 Meter auf der dafür besonders hergerichleten Bahn r.amentlidj auf die Jugend der landwirtfchast- lichcn Devöllerung der Kreises eine große An­ziehungskraft ausübt. zumal recht wertvolle Preise gestiftet worden sind. Für das lumier liegen 58 Meldungen vor. fo daß es ein inter­essantes sportliches Ereignis zu werden ver­spricht. Vor Beginn der Veranstaltung werden sämtliche ländlichen Reitervereine einen Zug mit Musik durch die Stadt veranstalten. Die Leitung liegt in den bewährten Händen des Gute-besitzerS Graf von Bredow in Altenburg. Auch der tags darauf stattfindendc Prämienmarkt weist im Vergleich zum vergangenen Jahre eine weit größere Anzahl von Meldungen zur Prä­miierung auf. Die Zahl der gemeldeten Pferde ist fast doppelt so groß, wie im letzten Jahre, ähnlich tft es mit dem Rindvieh. Auch die mit dem Markte verbundene große Bullen­auktion der Landwirtschastskammer wird für die zahlreichen Interessenten aus ganz Obechesjen ein besonderer Anzichungspunlt wer­den. Bei der mit der Marktveranstaltung verbun­denen Verlosung hat die städtische Markt- loimmssion insofern für dieses Jahr eine Aende- nmg getroffen, als die ersten Gewinne in einer wertvollen Schlafzimmereinrichtung und Küchen­einrichtung bestehen. Rachb-em die Heuernte so­weit beendet ist. dürfte mit einem starken Besuch bei beiden Veranstaltungen am Sonntag und Montag zu rechnen fein.

Rheinhessen.

WER. Albig, 5. Juli. Der Landwirt Stru­bel in Albig zündete seine bis unter das Dach mit eigenen und fremden Vorräten ge­füllte Scheune an. 3n betrunkenem Zu- stand blieb er bei der Brandstätte und er­freute sich an den Flammen. Darauf wollte er auch das Wohnhaus an st ecken, wurde aber von den Rachbarn an der Aus­übung der Tat verhindert. Der Brandstifter wurde verhaftet und in das Untersuchungs­gefängnis in Alzey eingeliefert. Die Scheune ist total vernichtet, ebenso die darin lagernden Vor­räte und sämtliche Maschinen.

Preußen.

Mrctö Wetzlar.

Aus dem Kreise Wetzlar, 5.Juli. Nach dem Ergebnis der amtlichen Schweine- zwischenzählung vom 1.Juni sind in unserem Kreise insgesamt 25 170 Schweine vorhanden gegen­über 27 974 Schweinen im Vorjahr. Der außer­ordentlich starke Rückgang von über 2000 Schweinen innerhalb eines halben Jahres beweist, in welch ungünstiger Weife die Schweinezucht von den niedri­gen Preisen für fette Schweine vor kurzer Zeit be- einf'ußt wurde

töveie Vicdenlopf.

& Gladenbach, 5. Juli. In der Sitzung der Gemeindevertretung machte der Bür­germeister die Mitteilung, daß das elektrische Ortsnetz überlastet fei und deshalb ent­weder eine Verstärkung der Leitungen, oder die Umschaltung auf 220 Volt notwendig sei. Direktor R e b a ch vom Kreiselektrizitätswerk Frankenberg hielt einen Vortrag, wobei er auch für die Um­schaltung eintrat. Anschließend sand noch cine allgemeine Aussprache statt. Die Arbeiten sollen in Kurze in Angriff genommen werden. Gestern abend gegen 9,30 Uhr entlud sich auch über unseren Ort ein heftiges Gewitter, das längere Zeit andauerte. Gegen 10 Uhr setzte 'ein ftarler Sturm ein, wie er in den letzten 3ahren hier nicht auf getreten ist. Ein Wirbel­wind riß das Dach eines Wohnhauses Der Gewerkschaft Erin, in welchem 2 Familien wohn­ten, ab. Durch Den heftigen Regen waren die Decken der Zimmer bald auf geweicht und der Verputz fiel herab. Die sofort alarmierte Freiw. Feuerwehr nahm die Rettungsarbeiten vor. Das

wesen, nur schwer erschrocken. Der Eindruck hastete lujtart in Marias Hirn.

War sie den beiden eine Last? Hatten sie Sorgen? Es sah nicht so aus. Wenn auch das Haus schlimm war, so von außen, unb bie ganze Gegenb, aber hier drinnen war es wie bei wohlhabenden Leuten. Nicht fürstlich, gewiß nicht. Aber doch nicht ärmlich.

Mochte Sergei nicht, Daft jemand kam? Aber sie gingen aus, sie sprachen von Gästen, die sie er­warteten.

Was half das Grübeln. Still liegen und schlafen.

Unb langsam verbämmerlen bie Gebauten.

Bisweilen fuhr sie zusammen, ber hallende Schlag des Türringes ging durch das Haus. Einmal war ihr, als würde die Tür geöffnetElena wollte sie sagen ba war es schon wieder dunkel uni sie her. Unb bann aber am nächsten Morgen wußte sie nicht, ob bas nicht ein Traum gewesen eiiwnal braußen vor ber Tür zur Loggia, dort gleich am Fenster flüsternde Stimmen, bie zärtliche einer Frau, bie leibenschaftliche eines Mannes, leises Lachen, erregte Worte, plötzlich bie Stimme der Schwester:Bitte, nicht dort sprechen, meine Herr­schaften. Dort schläft jemand. Unb bann war alles roicber still geworben.

21m Morgen, als sie erwachte, zeigte bie kleine Armbanduhr ein Viertel auf acht. Alles im Hause schien noch in Schlaf zu liegen. Wie sie klingelte, kam Giulietta, halle mübe Augen, sah sehr unorbentlich um ben Stopf aus, fragte müde:Will die Baronesse schon bie Schokolabe haben? In ber Küche ist noch kein Feuer. Die Herrschaften stehen erst um zehn auf.

Saft nur. Ich werbe erst ein wenig hinausgehen. Hilf mir nur bie Haare ordnen. Das war immer eine Last gewesen und bas einzige, was sie nie recht lernen konnte. Die bitte Florentine hatte jeben Tag bie langen Zöpfe glätten müssen.

»Dh, wie schönst sagte bas Mäbchen unb löste bie rotbraune Pracht auseinanber.Solch Haar habe ich noch nicht kämmen biirfen."

Wirst schon beine Last bamit haben, Kind. Kämm' es nur unb schling es zum Knokn, man kann nichts weiter damit anfangen. Unb wenn ich hinausgegangen bin, öffne bie beiben Koffer, da find bie Schlüssel; es wird hier wohl ein Schrank fein, wo bn bas unterbringen kannst, was brinnen ist. So nun will ich mir eure alte Wasserstabt einmal am Morgen besehen. (Fortsetzung folgt.)