durch die die Stockwells ihre Verwandtschaft mit dem Verstorbenen nachweisen könnten, systematisch vernichtet werden müßten. Es wurden Handlanger und Helfershelfer engagiert, die alle, auch noch so kleinen Städte Englands und Schottlands, wo ßch Spuren des Namens Stockwell fanden, aufsuchten mit dem Auftrage, alle Spuren dieses Namens rücksichtslos zu verwischen.
Eine Reihe von Verbrechen und Missetaten hob an, die die Polizei des ganzen Landes jahrelang in Atem hielt. Die Helfer hatten den Auftrag, vor nichts zurückzuschrecken, Meineid, Raub, Urkundenfälschung und Diebstähle jagten sich, ein Verbrechen folgte dem anderen, um das vorgenommene Ziel zu erreichen. 3m Norden, im Süden, im Gebirge und an der ttüste wurde in die Kirchen- und Gemeindeämter cingebrochen, um die Geburts>, Tauf- und Sterbe- rcgister zu vernichten oder zu verfälschen, Blätter, die geeignet waren, ein Licht auf die Beziehungen zwischen den Stockwells und Angells zu werfen, herausgerissen, und piesc Arbeit wurde so gründlich verrichtet, daß man bis heute nicht mehr die geringste Spur von Dokumenten aufgefunden hat, die über Geburt, Verehelichung, Tod und Begräbnis des Erblassers Stockwell Auskunft geben könnten.
Auch die nachfolgende Generation setzte dies verbrecherische Treiben fort, um in den Besitz des reichen Nachlasses zu kommen. Doch zu Beginn des 19. Jahrhunderts ging man endlich zu der friedlicheren
Methode deS Prozessierens über. Aber da war die ganze Sache schon derart verwickelt, daß sich die gewiegteste» Juristen jahrelang, jahrzehntelang ver- geblich den Kopf darüber zerbrachen. Inzwischen wurde noch 1850 ein Stockwell, der behauptete, noch im Besitze wohlversteckter Familienpapiere zu sein, erwürgt in einem schottischen Sumpfloch auf- gefnnden, ohne daß es bis heute gelungen wäre, des Mörders habhaft zu werden. Damit endete die blutige Chronik dieser Erbschaft jedoch noch nicht. Obwohl sich allmählich, was leicht zu verstehen ist, aller Mitglieder der Familie Stockwell eine abergläubische Furcht bemächtigt hatte, die sie veranlaßte, mit ihren Ansprüchen nicht mehr allzulaut hervorzutreten, erschien in den achtziger Jahren ein unternehmender junger Mensch aus Australien, um seine Rechte auf den Nachlaß geltend zu machen. Leider brüstete er jich vor aller Oeffentlichkeit mit seinen Urkunden, die er dem Gericht vorzulegen willens war, — und eines Morgens entdeckte man ihn mit ausgeschnittenem Halse tot im Pferdestall eines obskuren Londoner Hotels. Der Mörder, ein schwachsinniger Hausknecht, >vurde ermittelt und gehängt; die Urkunden waren spurlos verschwunden. —
Auf diese Erbschaft, die von so vielen Schrecken, Blutgeruch und Geheimnissen umwittert ist, erhebt nun der vierundachtzigjährige Allery Anspruch. Er behauptet, nachweisen zu können, daß er in direkter Linie von John Stockwell abstammt.
Tumen, Sport und Spiel.
Gautmnsest -er O. T. zu Butzbach.
—v— Die Kraft zu seinem glanzvollen Erfolg zog Has 5 5. Gauturnfest der Hessenturner, über dessen Hauptergebnisse wir schon kurz berichteten, aus der reichen turngeschichtlichen Vergangenheit der Feststadt Butzbach.
Die feierliche Eröffnung des Festes am Samstagabend auf dem Marktplatz stand im Bannkreis dieser stolzen Turnertradition, auf die alle Redner in begeisterten Worten hinwiesen. Bürgermeister Dr. I a n s e n wünschte auch diesem Fest einen vollen Erfolg, zugleich im Auftrag des Kreisdirektors. Der erste Sprecher der Butzbacher, K. Schneider, legte die Leitung des Festes mit zündenden Worten in die Hände des Gauvorstandes und schloß mit einem begeisterten „Gut Heil" auf das Vaterland, dem das Deutschlandlied folgte. Der erste Gauvertreter, Arthur Pfeiffer (Wetzlar) dankte der Bürgerschaft für ihre innige Anteilnahme und sprach in ernsten Worten von den Zukunftsaufgaben der deutschen Turnvereine. Die seelische Einstellung der Festgemeinde wurde vertieft durch feierliche Musik, weihevolle Chöre der vereinigten Gesangvereine Butzbachs und nicht zuletzt durch den altehrwürdigen Marktplatz mit fernen anheimelnden Fachwerkbauten und seiner einheitlichen, großangelegten Ausschmückung. 3m großen Festzelt am Lustgarten sammelte sich eine dichtgedrängte Zuschauermenge, um den Meisterschaftskämpfen unter Leitung des Gau- vberturnwartes Wilhelm Will (Gießen) mit lebhafter Anteilnahme zu folgen. Anschließend folgte unter starker Begeisterung ein melodramatisches Festspiel, das die vier Jahreszeiten in sinnigem Gleichlauf mit den entsprechenden Lebensabschnitten des Turners darstellte und von Är. Wilhelm Wämser, dem Sohne des bekannten früheren Butzbacher Turnerführers, zusammengestellt war, fern« den T- und Sp.-Der- ein Butzbach auf der Höhe seiner umfassenden Ausbildung zeigte.
Das Wetturnen am Sonntagvormittag umfaßte 23 Riegen und verlief unter der straffen Leitung des Gauoberturnwartes in glatter Weise. Ein färben- und musikfroher Festzug durch die reichlich und zum Teil einheitlich geschmückten Straßen ließ erkennen, daß die gesamte Bevölkerung das Gausest als das ihre empfand. Anschließend zeigten die wohlgelungenen Frei- . Übungen, die Hebungen der Kölner Gau- r i e g e und über 50 Musterriegen aus den Gauvsreinen im Gegensatz zu den Einzelkämpfen des Vormittags eine gute Ausbildung der breiten Masse der Turner. Bei der Siegerverkündigung auf hem Marktplatz überbrachte Schulrat Hassinger vom Hessischen Ministerium für Kultus und Dildungswesen die Grüße der Staatsregierung, die. wie er unter lebhaftem Beifall versicherte, die Deutsche Turnerschaft in
ihren Bestrebungen gern unterstützt, da sie in ihnen einen wertvollen Faktor zur Erziehung der deutschen Jugend erblickt. Gleichzeitig brachte er auch den Brudergruß vom Gauturnfest des Rhein-Rahegaues zu Gaubickelheim, und ein Drahtgruß kam voip Lahn-Dill-Gau vom Gaufest in Weilmünster. Der Montag gehörte den Volks- turnern und Spielern. Rachstehend geben wir einen
Auszug aus den Siegerlisten:
Meisterschaftskämpfe der besten Turner des Gaues. Dazu stellte der Tv. 1846 Gießen 4 Bewerber, Mtv. Gießen 1, Turn- und Sportv. Marburg 3, Tgde. Butzbach 1, Bad-Rauheim Tv. 1860 2, Großen-Linden Tv. 3, Ridda Tv. 1, Dorn-Assenheim Tv. 1, Krofdorf Tv. 3 Bewerber. — Es waren zu turnen die erste Hebung aus dem Zwölfkampf der Oberstufe am Reck (Schwung), Barren (Schwung) und Pferd (Seit) und je zwei Kürübungen; Kampfrichter waren die ersten De- zirksturnwarte H e b e r l e i n (Marburg), Schüler (Wetzlar), Bastian (Alsfeld) und H a r t- m"Q n n (Bad-Rauheim). — Reck, 1. Sieger und Gaumeister Willi S i n n w e l l, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 111 P. — 2. Richard Seth, Tv. Großen-Linden, 109 P. — 3. Karl Schellhase, T.- und Sp.-B. Marburg, 107 P. — B arren: 1. Sieger und Gaumeister Adolf Fint, T.- und Sp.-B. Marburg, 112 P. — 2. Richard Seth, Tv. Großen-Linden, 108 P. — 3. Hans Rehn, Tv. Ridda, 103 P. — Pferd: 1. Sieger und Gaumeister Gotthard Kühn, T.- und Sp.-B. Marburg, 115 P. — 2. Hans Rehn, Tv. Ridda, 100 P. — 3. Adolf Fink, T.- und Sp.-V. Marburg, 99 P.
Turner-Oberstufe, Zwölfkampf: Drei Hebungen am Reck lSchwung, Kraft und Kür), zwei am Barren (Schwung und Kür), drei am Pferd (Seit, Sprung und Kür), eine aus den allgemeinen Freiübungen auLgelvste Hebungsgruppe, Weichochsprung (mit Brett) beginnend mit 1 Meter Höhe bei 2 Meter Weite, Kugelstoßen 7V< Kg. aus dem Kreis von sechs Meter ab, Laufen über 100 Meter von 16 bis 12 Sek. — Mindestleistung 160 Punkte. — 18 Teilnehmer, 15 Sieger. — Ehrensieger: Heinrich Keller, Tv. Burgsolms, 201 P. — 1. Sieger Willi Be aupain, T.- und Sp.-V. Marburg, 196 P. — 2. Peter Dolh, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 195 P. — 3. Martin Weitz, Tv. Dorn-Assenheim, 192 P. — 4. Karl Keßler, Tv. Großen-Linden, 189 P. — 6. Albert Würtz, Tv. Krofdorf, 180 P. — 7. Ludwig Malkomesius, Mtv. Gießen, 177 P. — 9. Eduard Heyer, Tv. Krofdorf, 171 P. 10. Wilhelm Hofmann, Tv. Krofdorf, und Kurt Katz, Tv. Hungen, 170 P. — 11. Karl Würtz, Tv. Krofdorf, 164 P.
Turner-Oberstufe, Geräte-Zehn- k a m p f: Je drei Hebungen am Reck, Barren
und Pferd, eine Freiübungsgruppe. — Mindestleistung 133 P. — 10 Teilnehmer. 8 Sieger. — 1. Sieger Richard Seth, Tv. Großen-Linden, 185 P. — 2. Adolf Ahrens, Tgde. Marburg, 168 P. — 3. Franz Reuschiing, Tv. Heuchelheim, 161 P. — 6. Heinrich Mehl, Tv. Großen-Linden, 146 P.
Turner-Mittelstufe. Zwölfkampf, wie oben, entsprechend abgeändert. — 38 Teilnehmer, 38 Sieger. — 1. Sieger August Ebers- pächer, Tgde. Marburg, 210 P. — 2. Aloys Burkart, Tv. 1846 Gießen, 207 P. — 3. Walter Loh, Tv. 1846 Gießen, 195 P. — 6. Rudolf Spuck, Mtv. Gießen, 188 P. — 7. Karl Otto Beppler, Tv. Heuchecheim, 185 P. — 8. Karl Dort. Tv. 1846 Gießen, 184 P. — 10. Karl Schick, Tv. 1846 Gießen, 182 P. — 11. Albert Leun, Tv. Großen-Linden, 181 P. — 18. Karl Schmadel, Tv. Grünberg, 169 V. — 19. Heinrich Schaaf, Tv. Treis a. d. Lda., und Ludwig Frank, Tv. Grünberg, 168 P. — 20. Theodor Rinn, Tv. Heuchecheim, 166 P. — 22. Wilhelm Brandenburger, Tv. Hungen, 162 P. — 24. Heinrich Adolph, Tv. Klein-Linden, 160 P.
Turner-Hnter stufe, Zwölfkampf, wie oben, entsprechend abgeändert. 305 Teilnehmer, 237 Sieger. — 1. Sieger Christian Dönges, Tv. Wallau, 219 P. — 2. Karl Strauch, Tv. Homberg a. d. Ohm, 216 P. — 3. Ernst Mölcher, Tv. Freienseen, 212 P. — 4. Karl Leinweber, Tv. Treis a. d. Lda., 210 P.
6. Kurt Horehseck, Tv. 1846 Gießen, 208 P. — 10. Richard Frank, Tv. Grünberg, 204 P. — 11. Karl Volz, Tv. Lich 1860, 203 P.
12. Heinrich Mosbach und Heinrich Zammert, Mtv. Gießen, 202 P. - - 14. Fritz Speck, Mw. Gießen, 200 P. — 15. Richard Laux, Tv. 1893 Leihgestern, 199 V. — 18. Wilhelm Hofmann, Tv. Hungen, Wilhelm Rinn, Tv. Heuchelheim, 196 P. — 19. Wich. Dreier, Tv. Lang-Göns, Heinrich Steinnagel, Tv. Großen-Linden, 195 P. — 20. Hch. Hettche, Tv. Treis a. d. Lda., 194 P. — 21. Karl Gehringer, Tv. Grünberg, Gustav Bausch, Tv. Langsdorf, 193 P. 22. Hugo Bartel, Tv. 1846 Gießen, Wich. Kehr, Tv. Treis a. d. Lda., 192 P. — 24. Hch. Jung, Tv. Lützellinden, 190 P. — 26. Ernst Degen, Tv. Großen-Linden, Otto Matthies, Tv. Grünberg, 188 P. — 27. Willi Sem, Tv. Lang-Göns, Wich. Weller, Tv. Heuchelheim, 187 P. — 28. Fritz Hermann, Tv. Lich, 186 P. — 30. Wich. Hfer, Tv. 1846 Gießen, 184 P. — 31. Wilh. Wagner und August Schott, Tv. 1846 Gießen, Hch. Falk, Tv. Hungen, 183 P. — 34. Philipp Will, Tv. Treis a. d. Lda., Otto Rinn, Tv. Heuchelheim. Karl Korndörfer, Tv. Lich, 180 P. — 35. Karl Trechsler, Tv. 1846 Gießen, Adolf Leib, Tv. Krofdorf, 179 P. — 37. Eduard Volk, Tv. Lich, Walter Schimmel, Tv. Heuchelheim, Richard Ritz, Mtv Gießen, 177 P. — 40. Jakob Bingel und Heinrich Hofmann, Tv. Grüningen, 174 P. — 41. Peter Schrimpf, Tv. 1846 Gießen, Rudolf Stille, Mtv. Gießen, Paul Kuhl, Tv. Langsdorf, Hch. Marten, Tv. Klein-Linden, 173 P. — 43. Hans Vogt, Tv. 1846 Gießen, Hch. Schmidt, Mtv. Gießen, 171 P. — 45. Paul Schmidt, Tv. Heuchelheim, Willi Gilbert, Tv. Dutenhofen, 169 P. — 46. Otto Kern, Tv. 1846 Gießen, 168 P. — 47. Max Hardt, Tv. 1846 Gießen, 167 P. — 49. Fritz Arnold, Tv. 1846 Gießen, 165 P. — 51. Wilh. Weber, Tv. Grünberg, Willi Arzbächer Tv. 1846 Gießen, 163 P. — 52. Ernst Block, Tv. Tettenhausen, 162 P.
Altersturner, Reunkampf, 35 bis 45 Jahre, je zwei Hebungen am Reck, Barren und Pferd, eine Freiübungsgruppe, Kugelstoßen (10 Kilogramm, 4,60 bis 8,60 Meter), Laufen (75 Meter in 14 bis 10 Sek.), — Mindestleistung 120 Punkte. — 11 Teilnehmer, 9 Sieger. — Ehrenfieg Hans T h ö t, Tv. Alsfeld, 163 P. 1. Sieger R. Burkholdt, T. u. Spv. Marburg, 144 P. 2. Karl Grimmel, Tv. Großen-Linden, 143 P. 3. Albert Rinn, Tv. Heuchelheim, 142 P. 4. Fritz Henkelmann, T. u. Spv. Butzbach, 136 P. 5. Jean Fleischhauer, Tv. 1860 Bad-Rauheim, und Ferdinand Künstler, Tv. Rieder-Mörlen, 133 P. 6. Adolf Jung, Tv. Wetzlar, und Otto Hofmann, Tv. Großen-Änden, 126 P. — Heber 4 5 Jahre, wie oben, entsprechend abgeändert. 4 Teilnehmer, 4 Sieger. 1. Sieger Georg Thierolf, Tgde. Friedberg, 155 P. 2. Bernhard Pfeffer, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 144 P. 3. Konrad Bücking, Tv. Alsfeld, 143 P. 4. Willi Henes, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 132 P.
Fechter (Florett), 15 Teilnehmer, 10 Sieger. — 1. Sieger Kart Mulch, Tv. Wetzlar. 2. Peter Pfeffer, Tv. Bad-Rauheim. 3. Horst
Förster, Tv. Bad-Rauhevn. X Edgar HogH, Mtv. Gießen. 5. Hermann Hennig, Mtv. Gießen. — Auszeichnungen erhielten u. a.: Ludwig Gerhardt, Tv. 1846 Gießen mit vier Siegen. Karl Hergenröther, Tv. 1846 Gießen mit drei Siegen.
Musterriegen: A l t e r s t u r ne r: Tv. 1846 Gießen, Stützreck, 9 Teilnehmer, 105 P., sehr gut. — Turner: Mtv. Gießen, Darren. 9 Teilnehmer. 112' . P , sehr gut. — Tv. Krofdorf, Barren, 7 Teilnehmer, 104 P, sehr gut. — Tv. 1846 Gießen, Reck, 23 Teilnehmer, 101 P., sehr gut. — Tv. 1846 Gießen. Pferd, 10 Teilnehmer, 991/s P.. gut. — Tv. Treis a. d. Lda., Barren. 13 Teilnehmer, 93 P. gut. — Tv. Lang- Göns, Barren, 9 Teilnehmer. 891 P„ gut — Tv. Grünberg. Stabübungen. 7 Teilnehmer. 87> ? P., gut. — Tv. Klein-Linden. Reck. 6 Teilnehmer. 87 P.. gut — Tv. Heuchelheim. Reck. 10 Teilnehmer. 84«,j P., gut. — Tv. Lich Barren, 6 Teilnehmer. 76 P.. genügend. — Schüler: Tv. Lang-Göns. Pferd, 6 Teilnehmer, 96> v P., gut. — Sondervorführungen: Ak. Tv. Marburg, Bodenturnen. 14 Teilnehmer, 52' ? P. sehr gut. — Tgde. Friedberg, Freiübungen, 10 Teilnehmer, 49 P., gut.
Sondervolksturnen: Dreikampf
(Kugelstoßen. Weitsprung. Laufen 100 Meter): 1. Sieger Oskar Petersson, Ak. Tv. Marburg, 238 P. - 2. Wilhelm Busch, Ak. Tv. Kur- Hessen, Marburg, 208 P. — 3. Theo Koch, Tv. 1860 Bad-Rauheim. 207 P. — 6. Wilhelm Reitz. Tv. 1846 Gießen, 182 P. — 9. Heinrich Rother- mel, Mw. Gießen. 175 P — 11 Willi Rehren, Ww. Gießen, 170 P. — 12. Ludwig Malkomesius, Mtv. Gießen, 169 P.
Meisterschaftskämpfe:Kugelstoßen: 1. Sieger Fritz Weitershaus. Tv. Großen- Linden, 17,50 Meter. — 2. Heinrich Arndt, Mtv. Gießen, 17,01 Meter. — 3. Albert Weichei, Mtv. Gießen, 14,90 Meter. — S t e i n sto h e"n: 15 Kilo: 1. Sieger Willi Roth, Tv. 1860 Bad- Rauheim, 8,04 Meter. — 2. Heinrich Arndt, Mtv. Gießen, 7,64 Meter -- 3. Fritz Weitershaus, Tv. Großen-Linden, 7,53 Meter. — 4. Albert Weichel, Mtv. Gießen, 6,93 Meter. — 2 0 0» Meter-Laufen: 2. Sieger Walter Weigand, Mtv. Gießen, 25,/c Sek. — 15 0 0- Meter-Laufen: 3. Sieger Beruh. Kompp, Tgde. Laubach, 4,537; Min. — Hochsprung: 4. Sieger Lorenz Schlamp, Tv. 1846 ©iefeen, 1,60 Meter. — Stabweitsprung: 2. Sieger Fritz Weitershaus, Tv. Großen-Linden, 7,78 Meter. — Speerwerfen: 3. Sieger Hermann Koch, Tv. Grünberg, 39,70 Meter. — 4. Otto Matthies, Tv. ©rünberg, 38,70 Meter.
Volkstümliche Wettkämpfe der Turnerinnen: Dreikampf (100-Weter- Laufen, Kugelstoßen und Weitsprung): 1. Siegerin Else Bickelhaupt. Mtv. Gießen, 245 P, — 2. Gusti Gaudes, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 198 P. — 3. Tilli Espach, Mw. Gießen. 196 P. 4. Erna Althaus, Mtv. Gießen, 194 P. — 6. Charlotte Amend, Mtv. Gießen, 164 P. — Einzel k ä m p f e: 1 00 - Me ter-L a u f: 1. Elss Bickelhaupt, Mtv. Gießen, 13,2 Sek. — 2. Gusti Gaudes, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 13,2 Sek, (Brustbreite zurück). — 3. Erna Altbaus. Mtv. Gießen, 13,4 Sek. — Weitsprung. Erna Altbaus. Mtv. Gießen, 4,62 Meter. - 2. Tilli Espach, Mw. Gießen. 4,62 Meter (durch Stechen entschieden). — Hochsprung 1. Else Bickel» Haupt, Mtv. Gießen, 1,45 Meter. — 2. Tilli Espach und 3. Erna Althaus, Mw. Gießen, je 1,30 Meter (durchs LoS entschieden).
Spiele: Handball: Gießener Turnerschast gegen Marburger Turnerschaft 1:1. — Faust» ball: Akad. Tv. Kurhessen Marburg gegen Tv. 1846 Gießen 42:30. — Akad. Tv. Kurhessen Marburg gegen T.- und Sp.-D. Butzbach, 32 : 46.
Oie Vorrundenkämpfe um die deutsche Fußballmeisterschaft.
Später, als in jedem anderen Jahre — durch die Vorbereitungen zur Amsterdamer Fuhball- olhmpiade bedingt - beginnen am kommenden Sonntag die Kämpfe uni b i e deutsche Fußballmeisterschaft zwischen den aus» erwählten Vertretern der sieben Landesverbände das Deutschen Fuhballbunbes. Die beiden größten Landesverbände, 6 üb- und Westdeutschland, haben je drei Vertreter, die übrigen Verbände je zwei Mannschaften in der Konkurrenz. Diese tragen in 8 Paarungen am kommenden Sonn»
Blau.
„Wenn der Himmel nur wenigstens so viel Blau zeigt, wie man braucht, um eine Hose zu flicken, dann ist die Hoffnung noch nicht verloren." Dies alte Dauernsprichwort hat in den letzten Wochen wohl so manchen getröstet, wenn er zum Himmel aufblickte und ihn immer von Wollen verhangen sah. Das Himmelsblau ist ja nun einmal die Farbe der Hoffnung, zugleich die Farbe des reinen Glücks, wenn sie uns, wie in den letzten Tagen, in überirdischem Glanz von der Riesenkuppel über uns entgegen» strahlt. Der blaue Himmel, der von jeher den Menschen so sehr erfreute, hat dem Blau den Klang eines heiteren Glückes gegeben. „Rach so viel grauen Tagen kam nun ein blauer Tag," sagt der Dichter, ober man schwärmt: „Ich habe bei ihr himmelblaue Minuten genossen." Zugleich aber hat das Blau, das uns aus so weiter Ferne winkt, etwas Geheimnisvolles, Fabelhaftes erhalten, den Zauber der „blauen Ferne". Aus der unergründlichen Tiefe des wolkenlosen Himmels, aus der Dämmerung des dunstver- fchleierten Horizonts taucht das Blau als etwas Unbestimmtes, Rebelhaftes auf, das schwärmerische Sehnsucht, träumerische Ahnung, den Glauben und daS Wunder weckt. Richt anders ist es mit dem blauen Meer, dessen verschwimmende Formen uns zum Sinnen und Brüten einladen. So ist daS Blau die Farbe der Romantik geworden, die Farbe des Märchens: nach der ..blauen Blume" suchen die Träumer, und das Blau hat in Wald, Feld und Garten immer den tiefsten, verheißungsvollsten, geheimnisvollsten Ton. Aber diese Reigung aum Rebelhaften und Phantastischen hat dem Blau auch einen üblen Beigeschmack gegeben. Es ist nicht gut. wenn einer „ins Blaue hinein schwatzt", wenn er den andern „blauen Dunst" vormacht. Der alte F. Th. Bischer rief einmal im Tübinger Kolleg einigen srcchen Studenten, die in den hintersten Bänken rauchten, zu: „Meine Herren, ich mache Ihnen hier keinen blauen Dunst vor: machen Sie mir auch keinen I" Dies Verschwimmende der Farbe, die so oft nicht rein aus tritt, verleiht ihr bisweilen einen Stich ins Häßliche. Bei Prügeleien gibt es „blaue Flecken", und wenn einer beim
Boxen die Sehkraft behält, dann kann er froh sein, „mit blauem Auge" davongekommen zu sein. Der faule Schüler wird „durchgebläut", seine Qhifgabe wird ihm „eingebläut", der Rük- ken wird ihm „blau angestrichen." Durch die bläuliche Farbe, die das Gesicht in dec Kälte oder bei starken Erregungen erhält, sind Wendungen entstanden, wie „blauer Reid" oder Heines „Sie haben mich gequälet, geärgert blau und blaß." Den Blitz nannte man früher „Blaufeuer" und verwandte daher das Blau beim Fluchen, so im Götz: „Potz Blaufeuer", und der Engländer spricht gar von „blauen Teufeln", wenn er die Einbildungen des „Spleens" bezeichnen will.
Goethe hat in seiner Farbenlehre dies Zwiespältige des Blau angedeutet, wenn er sagt: „Cs ist als Farbe eine Energie, allein sie steht auf der negativen Seite und ist in ihrer höchsten Reinheit gleichsam ein reizendes Richts. Es ist etwas Widersprechendes von Reiz und Ruhe im Anblick. Wie wir den hohen Himmel, die fernen Berge blau sehen, so scheint eine blaue Fläche auch vor uns zurückzuweichen. Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blaue gern an, nicht weil es auf uns bringt, sondern weil es uns nach sich zieht. Das Blaue gibt ein Gefühl von Kälte, so wie es uns auch an Schatten erinnert." Diese schwankende Hngewih- heit des Blau, die sich in zahllosen Rüancen darstellt, hat die Farbe stets zu einem Liebling de.v Höheren Kultur gemacht. Der naive Mensch hält sich an so ausgesprochene Farben wie Rot und Gelb: der Empfindsame, der Aesthet. verliebt sich in die zarten Hnendlichkeiten des Blaus. So wurde das Blau zu einem Sinnbild seltener und zärtlicher Stimmungen, und die ..preziösen Frauenzimmer" um das Fräulein von Scudery, die Möllere verspottete, versammelten sich in einem „ sterbeblau" tapezierten Salon, während die weiblichen Schöngeister Englands blaue Strümpfe trugen und daher selbst den Ramcn „Blaustrümpfe' erhielten. Das „blaue Blut" ipurbc zum Zeichen der edlen Abkunft, und zwar ging diese Benennung von Spanien aus. wo man die „Ritter vom blauen Blut" von den. .Geeiten vom roten und vom weißen
Dlui" unterschied. Den merkwürdigen Ausdruck hat man am einleuchtendsten so erklärt, daß der alte spanische Adel, der auf seine Abkunft von den hellfarbigen Germanen stolz war, das Durchschimmern des blauen Venenblutes durch die weiße Haut als Zeichen seiner edlen Abkunft betrachtete im Gegensatz zu den dunkelhäutigen Mauren und den mit Maurenbtut durchsetzten Spaniern. Deshalb erfchrjüt auch das Blau, das zunächst im Altertum hauptsächlich der Keramik vorgehalten ist, sehr spät als beherrschender Ton in der Malerei und gewinnt erst seine ganze reiche Skala im Rokoko, entfaltet sich hier zu seinem ganzen Glanz, wie es etwa Gainsboroughs „blauer Knabe" zeigt. Die moderne Landschaftsmalerei hat dann die blauen Schatten entdeckt und die Wunder der „blauen Stunde", der Zeit des Zwielichts, geschildert. Don den blauen Rebeln Turners führt der Weg zu den blauen Tiefen Cezannes, und das flare Himmelblau, daS zuerst im Mantel der Madonna iin Quattrocento wie ein Heller Jubelton llanq, löst sich in ein Orchester unendlich zarter Rüancen auf.
Gibt es Wahrträume?
Die Traumdeuterei, die wohl fast so alt ist wie die Menschheit, ist lange für ein Zeichen des Aberglaubens gehalten worden. Aber seitdem durch die psychoanalytischen Forschungen die Shmbolbedeutung des Traumes erkannt worden ist, kann man der Traumdeulerei nicht mehr jede Berechtigung absprechen, und die Wissenschaft hat genügend Material gesammelt, um die Wahr- träume erklären zu können. Einen solchen Erklärungsversuch unternimmt Dr. Bruno Alt- mann in Scherls Magazin". Die Mehrzahl der Wahrträume ist unhellverkündender Art. Der Schläfer träumt, daß er an einem bestimmten Tage an einem bestimmten Leiden erkranken werde. Im wachen Zustand hat er noch keine Anzeichen von der Erschütterung seiner Gesundheit gespürt; trotzdem ersaßt ihn wirklich zu der vom Traum festgesetzten Zeit die von ihm erlebte Krankheit. Diese Dorherverkündigung im Traum beruht nach der heutigen Auffassung in der
außerordentlichen Erhöhung der Reiz- und Emp- sindungsquelle im Tiefschlaf und auf der Eigenart des Traums, Organempfindunaen in em Erlebnis umzudeuten. Der Tiefschläfer scheirrt zwar nichts zu hören und nichts zu empfinden, aber in Wirklichkeit hort uird spürt er schärfe^ was von außen auf seinen Körper eindringt oder was als innerleiblicher Organzustand gefühlt wird. Daher wird er, wenn eine Krankheit im Anzug ist, die Organempfindungen, die darauf Hinweisen, ün Schlafe eher inerten, als im Wachen. Solche „Reiz-Traume" taffen sich durch den Versuch erzeugen. Wenn man z. B- einen kleinen Gegenstand mehrmals neben einen schlafenden Soldaten fallen läßt, dann träumt dieser von einer Schlacht, von Sieg oder Tod. Wacht sich nun in diesem überempfindlichen Zustand des Tiefschlafes eine organische Störung bemerkbar, so besteht die Traumarbeit in der Verdeutlichung dieser Störung durch den Hinweis auf die entsprechende Krankheit. Der Traum erscheint also als Prophet, während er in Wirklichkeit nur der Diagnostiker ist, der zuerst erkennt, was dem Panenten fehlt. Daß die Krantheit genau in bet vom Traum angekündigten Stunde eintritt, kann man zum Teil auch durch diese Schärfe der Beobtuhtung im Traum erklären, sodann aber auch durch die Suggestion. Der Mensch gerät in die geheimnisvolle Macht des Traumes und handelt unbewußt nach seiner Aussage. Bei vergessenen und verlorenen Gegenständen, deren Ort im Traum entdeckt wird, handelt es sich um eine Erinnerung, die er aus tieferen Schichten des Bewußtseins hervorholl. Im Wachzustand ist der Geschädigte nicht darauf gekommen, wo er etwas hingelegt hat, aber der Traum enthüllt es ihm. Ebenso ist eS bei Verbrechen, die durch ein Traumerlebnis enthüllt werden. Im Wachen kommt der Geschädigte nicht darauf, wer bei ihm eingebrochen haben könnte, aber der Traum nimmt eine gründlichere Musterung hervor unb findet den Schuldigen heraus. So lassen sich für viele Wahrträume die psychologischen Gründe anfuhren: es gibt aber freilich Mich andere deren geheimnisvollen Verftiüpf ungen man noch nicht auf die Spur gekommen ist, und so bleibk der jungen Wissenschaft der Traumdeutung noch ein weites Feld. - —


