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Nr.sOb viettes Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 5. Mai (928

.w ..

Als Bela Kun in Ofen herrschte.

Erinnerungen unseres »s-Mitarbeiters

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verbalen.

Wien, Mai 1926.

Häßlich die lebendige Illustration diese« Warles ift Vcla Sfun, bolschewistischer Erdillator von Ungarn, den die Wiener Poliz: jetzt hinter Schloß und Riegel gesetzt hat. Der häßlichste Mensch, dem ich in meinem Leben begegnet bin. ift dieser Mann und nur so ist sein abenteuerlicher LebenSlaus zu erklären. Er ift der Enterbte, der an der Schöpfung Rache nehmen will. Sin Budapester Kom­mt«. In dem die groteske Häßlichkeit und der au« )hr geborene fanatische Has, de« dritten Richard steckt. Der es der Schöpfung nie ver­zeihen wird, daß andere Männer eine hohe Stirn haben und einen aufrechten Dang und klarblickende Augen und immer ein gut ge­bügeltes Lächeln im Gesicht. Nun, lächeln habe ich dielen Dela Kun auch einmal gesehen. Da« ift jetzt schon ein paar Jahre her - er resi­dierte damals, auf dem Gipfel seiner Macht, im Königsschloß von Ofen und so kann ich, von der höheren Warte historischer Betrachtung au«, etngestehen, daß ich mich nicht gerade beiDcnftaft naJ uSgang des Zim­mer« umqekpen habe, in dem der Diktator mich empfing. In dem Augenblick nämlich. alS feine asiatische Fratze sich zu einem Lächeln ver- zoa. Gut gebügelt war e« wirklich nicht. Offen» gestanden entsetzlich Ift e« gewesen..

Lausende schleppen sich In Budapest durch ihr kleine« Leben, das wirklich nicht immer ein sehr sonniges Dasein ist. Sehr viel mehr Wonnen dieser Erde, al« diejenigen, die einem kleinen Platzagenten zugebilligt sind, lernen sie im all­gemeinen nicht kennen. Sehr viel Gönne scheint nicht aus die winkligen, übel riechenden Dassen de« Dudapefter Ghettos herab. Nun, da ist einmal einer gewesen, der auch den anderen dle Lonne nicht gegönnt hat, und die mon- dainen Korsostunden am Donauufer und die FrühlingSvormittagc auf der Margaretheninfel und die seidenen Mädchen auch nicht und so hat et, al« seine Stunde gekommen war. Un­garn In die fürchterlich st e Kata - ftropbe gestürzt, die je ein Land mitge­macht bat Genial war feine Rache rn der Welt. Und tierisch. Da« sind die menschlichen Hinter­gründe der ungarischen Proletarierdiktatur, die wieder wach werden, da ihr Herr und Meister plötzlich aus der Dersenkung. die Rußland heißt, aufgetaucht ist.

Begreiflich, daß Bela Kun von diesen Dingen niemals geredet hat. Klar werden sie ihm aller» dinas gewesen fein. Zumindest In dem Augen­blick, in dem er mir - damals eben, im KönigS- schloh von Ofen sagte ..Gegen die Bourgeoisie ift jede« Kampfmittel erlaubt. Sie haben auch mit allen Mitteln gegen unS ge­kämpft von Mann zu Mann... Jeden, der nicht zu ihnen gehört, haben sie zugrunde ge­richtet ...

Und aU ich ihn fragte, ob er nun auch jeden einzelnen .Bourgeois" zugrunde richten wolle, erwiderte er. .Jeden?... Oh, manchen geht c« noch immer gut bei un«, viel zu gut... Immer noch fitzt der Herr Erzherzog in feinem Palai«...

Der Herr Erzherzog so nennt man in Ungarn Erzherzog Joses, den sie auch den Soldatenvater heißen, der Pala:in von Un­garn und Ehef der magyarischen Linie deS Hauses Habsburg-Lothringen, ©eit Menschengedenken war niemand so populär im Lande wie der Herr Erzherzog. Ich sprach mit Kun a' dem Abend, an dem er den Geheimb fehl zur Dcr- hastung des .Soldatenvalers' gegeben oatte. Uebrigen« ist dieser Befehl nie durchzeführt worden. Die Detektive haben ihn fabotievt. Und tatsächlich war Erzherzog Joses der einzige Re­präsentant des alten Regimes, der die ganze Herrschaft der Kommune über unbehelligt ge­blieben ift

Einen hat es noch gegeben, den kaiserlich-- Eniglichcn Generalstabsoberst Aurel Ritter

von Stromfeld. Dieser hohe Ofiyier und Theresienritter, ruhmbedeckt und kampferprobt in unzähligen Schlachten, war Dela Kuns kom­munistischer Kompa'non. Einer, den der Welt­krieg au« dem genügen Gleichgewicht gebracht hatte. Der mit Messiasideen im Kopf herumlief und nach dem Zusammenbruch in jedem Buda- pester Kaffeehaus verkündete, das dritte Reich fei nun herangebrochen und alles wird wieder gut und alles wird wieder gut. Man möge ihm nur inzwischen seinen Mokka kredi­tieren. Aurel Stromfclb war Dela Kuns starker 'Arm. Mit einer Handvoll zusammengewurselter Truppen, die sich R o l e Armee nannte, wie sie sich auch Leibgarden des Kaiser« von China hätten nennen lassen Können, oder mit irgend­einem anderen Landsknechtnamen, vertrieb er die Tschechen, die von der Slowakei her einmarschie- ren wollten und begründete die Diktatur deS Proletariats von der Kun ihm ein» geredet hatte, daß diese da- verheißene dritte Reich sei. Siegen ober sterben! war des Herrn von Stromfeld gute a'tungarifche Parole. Dela Kun freilich hatte eine andere Lofung: Leben! .Jetzt leben w i r!" sagte er mir. Das war sein Regierungsprogramm. Und während Tag für Tag Dutzende von Menschen hinge­schlachtet wurden, an manchen Tagen sogar Hun­derte, die als Hochverräter verdächtig, das heißt Im Besitz eines korrekten Anzuges und des ver­haßten gut gebügelten Lächelns waren, ja, da war eS eine Lust zu leben I

Ich habe Dela Kun gefragt, ob er denn glaube, feine Herrschaft würde ewig dauern. .Mit Unter­brechungen vielleicht", erwiderte er. DaS Auto­mobil zur Flucht und der gefälschte Paß war immer bereit. .Es ist gescheiter, für eine Idee zu leben als für eine Idee zu sterben". sagte er. .Die Sache hat mehr davon..."

Der Sache war er leidenschaftlich ergeben. Treu ist er bei allem Verrat, der feinen Lebensweg kennzeichnete. Er hat Kerenski als erster verraten, alS Lenins Stern aufging, obwohl Kerenski ihn ,entdeckte" und zur Organi­sierung der Revolution heranzog. Er hat dann wieder Lenins Geist und Lehre verraten, als die .Leninisten" bei den Machthabern von Mos­kau in Ungnade fielen. Denn er hatte keine Lust, Trotzkis Schicksal zu teilen und In irgend­einem sibirischen Nest Bienenzüchter heranzu- bilten und Kulturabende auf dem Dorfe zu ver­anstalten, bis ein liebenswürdiges kleines Atten­tat dieser segensreichen Tätigkeit ein Ende sehen würde. ES war ihm schon lieber, sich mit den neuen Gewalten auszugleichen und einen schönen Oberbefehl In der Krim zu erhalten, wo man wieder einmal die Gegenrevolution mit ein biß­chen Feuer und Schwert ausrvtten konnte. Denn so und nur so ist eS möglich, ein lebenbige«, ein kämpfeerfüllteS Geben zu leben. Immer für die Sache und immer von Dlutgeruch umwittert.

Trotzdem: in der Krim hat eS ihn nicht ge­duldet. Die Welt ist schön und Rußland ist groß. Aber eS gibt doch nur ein Budapest auf der Welt und ein einziges Lebensziel: diese verhaßte, vielgeliebte Stadt zu besitzen, sei e« auch nur. um sie zu vernichten. Da macht man sich Immer über den Lokalpatriotismus der Un­garn lustig. Nun, Dela KunS Rückkehr bis knapp an die Grenzen der Heimat erweist wieder, daß dieser Lokalpatriotismus eigentlich Oid mehr ist. Ein Dämon ist er, der den Besessenen treibt.

Und ein Besessener das ist Dela Kun. Aus Erden wird fein Fuß nicht rubn, ehe er nicht wieder als roter Zar im Königsschloß der Stadt residiert, der er durch so grenzenlosen Haß auf ewig verbunden ist. Und da die Wiener Polizei ihn zweifellos sehr bald wird laufen taffen, wird er sehr bald wieder auf die bürger­liche Welt losgelafsen fein. Zu neuen Taten und neuen Derbrechen. Er oder wir eS gibt feine andere Wahl und keine Derstän- bigung.

Gießener Gtadttheater.

GasffpiciAstaNieffcn:TicÄamelicndame"

Die dänische Diva A st a Hielten, die wohl jeder, und sei es vor noch so vielen Jahren, einmal im Film hat spielen sehen, und die kaum einer von unS. von denen, die gestern im Theater waren, hat sprechen hören sie reift nun / mit einer eigenen Schauspieltruppe durch die Welt. Und sie kam auf der Reise durch die Welt auch zu uns. obwohl es noch vor zwei Tagen hieß, sie sei krank und habe abaefagt Sie war nicht krank, sie war da und spielte, was sie überall mit ihren Leuten spielt: die ..Kame­lie n d a m e" des jüngeren Dumaö. ein Drama in fünf Akten, eines der berühmtesten Theater- spiele und eines der rührseligsten Rührstücke, die es je gegeben hat: fie spielt die Marguerite Gauthier. die große Paraderolle der Sarah Bernhard, der Eleonore Düse und neucrd'.ngS man glaubt cs kaum der Elisabeth Sergner.

Kein Wort über dieses Stück. Es ist bekannt genug. Und falls es jemand nicht kennen sollte, so lohnt eS dennoch nicht, davon zu erzählen: es lohnt nicht, aber auch ohne die mehr als p.kante Anekdote, die sich an den Ra men deS Schau­spiels knüpft, und die man unmöglich zum Besten geben kann, wird die ..Kameliendame", welche Dumas den Sohn nicht minder berühmt ge­macht hat. als ..Der Graf von Monte Christo" undDie drei Musketiere" Dumas den Dater wird dieses Stuck nicht aussterben, solange es große Schauspielerinnen gibt, welche nach einer Bombenrolle suchen: wir glauben, daß man es noch kennen und spielen wird, wenn die Dergner einmal so alt sein wird, wie die Rielsen jetzt. (Das klingt sehr ungalant: aber wer die Rielsen gestern hat spielen sehn, wird begreifen, daß dies keine Ungezogenheit, sondern eine Huldi­gung bedeutet: denn welche Frau in ihren Jahren vermag das außer ihr zu spielen . . . und so zu spielen wie sie? Man lafie die He­roinen und Liebhaberinnen Revue passieren: man wird nickt viele finden in Deutschland.)

Vielleicht der stärkste und zugleich verblüf­fendste Eindruck des Abends war aber gerade: wie wenig sie .spielt". Was würde eine Dar­

stellerin geringeren Ranges auS dieser uner­hörten Dolle gemacht haben! (Die Rolle ist groß­artig. das muß man Dumas lassen: sonst mag man schimpfen!) Und dabei ist man in keinem Augenblick während der zweieinhalb Stunden in der Lage, zu entscheiden, ob sie tatsächlich so wenig Theater spielt, oder ob sie die erstaunliche Gabe besitzt, die hundert Mittel, die sie an» wendet und mit denen sie wirkt, nicht merken au lassen. Wie dem auch fei: sie gibt einen Reißer ohne Theatralik. eine Bombenrolle ohne Pose, eine Leidenschaft in aller Verhaltenheit. Wir wissen nicht, was man zum höheren Lobe ihrer Leistung vorbringen könnte.

WaS einen zuallererst fesselt, wenn sie auf­tritt, und was einen den ganzen Abend über beschäftigt, ist ihre Stimme. Sin ganz merk­würdiges Organ. Keineswegs .fchön , glänzend, wohllautend oder gar betörend. Man kann zwei Gruppen von Darstellern flar unterscheiden. Solche, die es leicht haben und solche, die es unendlich schwer haben ihres Organs wegen. Solche, die ein Parkett in Bewunderung ver­setzen. wenn sie nur ein paar Worte sagen ... wie Moissi, und solche, die sich nach den bittersten Mißersolgen und Enttäuschungen allmählich durchgesetzt haben, ihrer Stimme zum Trotz... wie Ballermann. Die weiblichen Gegenpole sind etwa durch die Bergner und durch die OrSka zu bezeichnen.

Die Nielsen gehört zu der immer ein wenig rätselhaften Gruppe der Orska. Nicht, daß der fremde Akzent störte: den hört man kaum, über­hört man bald. Aber die Stimme ist kpröd und kalt, ohne Glanz, ohne Weichheit und Melodie. Und gleichwohl ist sie niemals unsympathisch: man yort diele Stimme gern und glaubt ihr jedes Wort.

Das ist es überhaupt: man glaubt dieser Stimme, man glaubt Dieter Frau chrem .Schick­sal" und ihrer großen Leidenschaft: fie, sic allein macht den Rampenreißer möglich und erträglich, der mit einer Durchschniltsbesetzung unmöglich unb unerträglich wäre: ihre Gestaltung führt über alles hinweg und läßt vergessen oder über­sehen, woran wir un« sonst stoßen oder was wir falsch und lächerlich finden würden an der LiebeS»

Wirtschaft.

Oie neuen Kohlcnpreise.

Ta» Rheinisch-Westfälische K.hicn yndikat gibt jetzt die neuen, durch die Bewilligung der Koh­ler Preiserhöhung um 1 Mk. von ihm beschlot enen Kohlenpreise bekannt, die rückwirkend ab 1 M ai gelten und bei Kohhkenwirtschafts- organen Zwecks Prüsung und Genehmigung ein- gereicht worden sind Die Veröffentlichung durch den .Reichsanzeiger" und damit die Genehmtgung leitens der K?hlenwirtscha'tsorgane dürste un­verzüglich erfolgen. Die Erhöhung beträgt im Durchschnitt 13 Proz.. ausgenommen sind bekanntlich die Ko!S- und Brikettpreife. Durch die Erhöhung deS Fct iörderkohlenpreise« um 2 Mk. je Tonne und die entsprechende Preis­steigerung für die anderen Sorten, die teilweise bis zu 4 Mk. für die einzelne Sorte beträgt, ift die bewilligte Kohlenprci^erhöhung vom Koh- lensyndikat nicht voll au-genutzt worden Rein rechnerisch unter Zugrundelegung des MärzabsayeS mit 126 Millionen Tonnen würbe das Kohlens -ndikat bei voller Ausnutzung der bewilligten KohlenpreiserhÖhuna um 1 Mll eine Mehreinnahme von über 7 Mill. Mark er­zielen können. Wie wir bereits berichteten, läßt sich ein Mehrerlös überhaupt nur im unbe­strittenen Absatzgebiet erzielen, und da der Absatz in das unbestrittene Gebiet ungefähr 50 Prozent des gesamten StzndikatZabsahes auS- macht. so hätte bei voller Ausnutzung deS er­höhten DurchschnittssatzeS je Tonne ab'a-,fähige Kohle in das unbestrittene Gebiet eine Erhöhung von rund 4 Mk. eintreten müssen. Infolge­dessen besteht bei einzelnen Ä->brenfortcn. bei denen eine Preiserhöhung von 4 Mk. ober etwas darunter nicht vorgenommen worden ist. ein ziemlich großer Spielraum für weitere Preis­steigerungen. die nach den getroffenen Verein­barungen je nach Lage beschloßen werden können. In den nächsten Tagen werden auch die Sommer­rabatte für Händler mit Gültigkeit ab 1. Mai bekanntgegeben werden, die jedoch, da sie sich nicht auf alle Kohlensorten. die von der Preis­erhöhung betrof'cm wurden, sondern nur auf BrechkoiS und einzelne Hausbrand'orten er­strecken. auf die Wirkung tet Preiserhöhung an sich nur geringen Einfluß haben werden.

Vor einer Eisenpre serhöhung?

DieBoss. Ztg." meldet auS Essen: 3n Kreisen der deutschen Eisenindustrie werden zur Zeit umfangreiche Erhebungen über die Aus­wirkung des Lohnschiedsspruchs im Ruhrbergbau auf die Selbstkosten der eisen­schaffenden Industrie angestellt, die offenbar der Vorbereitung eines PreiserhohungS- a n t r a g 6 für Eisen dienen.

Zur Wirtschaftslage.

Die Direktion der Disconto-Gesekl- schuft schreibt In ihrem Monatsbericht zur Wirtschaftslage u. a.:

3m Monat März hat die deutsche Aus­fuhr erstmalig die Mtlliardengrenze überschrit­ten und damit der nominellen Wertziffer nach einen noch nicht bagetoefenen Rekord erreicht. Legt man allerdings die DvrkriegSwerte zu­grunde. so bleibt die MärzauSsuhr in Höhe von 1022 Millionen Mk. immer noch um etwa 25 Pro­zent hinter dem monatlichen AusfuhrdurchfchnittS- wert deS 3ahres 1913 zurück, der sich auf 840 Mill. Mk. belief. Wenn auch nicht alle Vlüten- lräume gereift sind, so ift doch eine zwarlang­same, aber stetige Aufwärtsentwick­lung al« Gewinn zu buchen, die dafür spricht, daß Tn steigendem Maße bisher nicht vorhan­dene bzw. unauSgenutzt gebliebene Ausfuhrmog- lichkeitLn erschlossen werden konnten. Die Kriegs» Zerrüttung der Weltwirtschaft hat wieder nor­maleren Verhältnissen Platz gemacht, und in einer Reihe von Ländern, die als Exnortziele für uns besonders in Betracht kommen, ist ein Kon­junkturanstieg oder wenigstens ein Rachlassen der Depression zu verzeichnen. Davon Hal auch der deutsche Erpvrt profitiert.

Auf zwei andere Momente kann in diesem Zusammenhang noch verwiesen werde»: einmal die Tatsache der feit der Stabilisierung im gan­

zen doch ständig for:gc!chrtltenen Verdes- crung der deut schen Wirts chaft«- bebingungen überhaupt, die in vermehrter Produktion und in gesteigertem Jnlandabfay in Erscheinung tritt. Wenn auch der Jnlandmarkt für die meisten Industrien weitaus der größte Kunde ist. so wird er andererseits in dem Maste, wie er sich verbreitert und durch die damit mög­liche Produktionserhöhung die Gestehungskosten senkt, zu einer nicht hoch genug e>nzu schätzenden Slüyc für die Srportfähigkeit. Ein weiteres Moment, das den deutschen Export gefördert hat. ist psychologischer Art D.e Vereittoil- 11g f e i t b q« Auslandes, deutsche Wa­re n z u laufen, die unter den Rachwirkungen des Krieges und der antideutschen Propaganda sehr gelitten hatte, ist wiederhergestclll. An die Stelle politischer Sentiments find wieder wirtschaftliche Hcberlogungcn getreten, und die Qualität der deutschen Ware bewährt sich alS Werbemittel.

3mmerhin schllcßl da« erste Quartal des lau­senden Jahre« mit einem Einfuhrüberschuß von einer runden Milliarde ab. Dem stehen im Aus­lände langfristig auf genommene Anleihen in Höh« von nur einem Drittel diese« Betrage« gegenüber. E« ist wenig wahrscheinlich, nicht zuletzt wegen der Haltung der zuständigen Stellen in der Frage der Öffentlichen Auslandanlerhen. baß eine neue Periode starken langfristigen Kapital- zustromS bevorsteht. In der Privatwirtschaft ift die Zahl der Unlerncbmungen. die für aus­ländische« Anleih.kapital aufnahmefähig sind, be­schränkt. Rach alledem ist vorn Standpunkt de« Ausgleichs der Zahlungsbilanz, de­ren Passivseite ja außerdem durch die Transser- beöürfntffe bei Reparationsagenten zunehmend belastet wird, di« dringliche Ro!wend'.gleit einer fortgesetzten Besserung unterer Handelsbilanz unabweisbar.

Es hat den Anschein, daß diese Besserung für die nächsten Monate eher durch A u S fuhr­st e i g e r u n g . als durch Einfuhrbeschränkung zu erwarten ist. Zwar dürften im Verlaufe des 3ahreS 1927 und namentlich auch noch in den ersten Monaten die'es JahreS sehr cift bliche Bor­eindeckungen in Rohstoffen borgenommen worden sein. Hiernach ist für die nächsten Monate eine gewisse Entlastung der Handels­bilanz möglich, jedenfalls eine Erhöhung de« Rohstoffbedarfs nicht wahrscheinlich. Eiire Stei­gerung der Brotaetreideeinfuhr. die al« Saison- erscheinung in jedem 3ahre in den le: ten Mo­naten vor der neuen Ernte eintritt, wird aller­dings nicht ausbleiben. Es ist unter dem (.'Ge­sichtspunkt der oben betonten Rrtwendigle t der Verbesserung der Handelsbilanz eine Frage von weittragender Bedeutung, ob und wie weit bei der jüngsten Steigerung der Ausfuhr mit einer dauerhaften Entwicklungstendenz gerechnet werden kann.

Jedenfalls ist es unverkennbar, daß die Ab­schwächung der inländischen Kon­junktur den Anstoß zur Efportsteige- rung gegeben hat. Ob diese gehalten oder gor noch höher getrieben werden kann, ist aber vor allem eine Frage der Preis« unb damit der Selbstkosten.

Wochenbericht

vom $ranffurfer Effektenmarkt.

Auch In dieser Woche blieb die Stimmung an der Börse f e ft. Gekennzeichnet war die all­gemeine Börsensituation wieder durch aniaueinbe und verschiedentlich sehr lebha te Rach rage nach Spezialwerten. Wieder einmal zeigte sich hierbei der starke Einfluß, der vo i (eiten >eS AuSlandeS auf d.e Te ikenzges.altung der deutschen Börsen auggeübt wird. DaS anhaltend lebhafte Interesse d s Auslandes für verschie­dene deutsche Werte war der Hauptgrund für die Festigkeit der Börse. Zunächst, als die hei­mische Spekulation starke Abga ee.reigung be­kundete. wir.ten die Kau e, die namentlich für englische ur.b amerikanische Rechnung vorgenommen wurden, kursstützend, späterhin an­regend zu neuen Engagements der Kulisse Wenn «bie Spekulation auch später stark mitgezogen wurde und größere 11 iternehmungslust an Den Tag legte, so bekundete sie doch stets Reiguig, ihre Engagements bald wieder alatlzustellen. Schließlich trat jedoch eine Beschleunigung in

geschichte der verwöhnten Hetäre Marguerite, in deren Leben auf einmal nach tausend Tände­leien und Abenteuerchen die große, einzige und wahre Liebe tritt in dem Augenblick, wo Armand, der Sohn deS Generaldirektors Duval, Öjr be­gegnet. Unb deren kurzes Liebesglück zerbrechen muh snach dem puolikumSsicheren Ratschluß Dumas' des EohneS) an derVergangenheit, an allerlei Mißverständnissen und böten Briefen, an der Eifersucht unb an falschen Schwüren an der Hartherzigkeit des alten Duval und an der unheilbaren Krankheit, der Marguerite erliegen muß. alS endlich alles gut werden könnte, und als Armand reuig zu ihr zurückgckchrt ift

Aber wir wollten ja nicht von diesem Stück sprechen über das eS nichts mehr zu sagen gibt. ES kommt nicht daraus an. was alles geschieht. Wie es geschieht, wie die Schauspielerin Asta Rielsen es geschehen läßt daraus kommt es an. Man kann es mit wiederholen: Leidenschaft. Erregtheit des Herzens im Glück des Besitzes und in der Verzweiflung des Verlieren« und Verzichtenmüssens ohne alle Pose, ohne Tbeater ohne Mätzchen, ohne große Gesten, ja ohne ein einzige« lautes Wort. Alles gana verhalten, halblaut, nach innen getrieben. Und tn dieser Gedämpftheit der Gestaltung, diesem Con Sordino der Stimme liegt wohl ein großer Teil des Geheimnisses, ter ganz außerordentlichen Wirkung beschlossen. Den Höhepunkt bildete unserem Empfinden nach nicht die berühmte Sterbeszene, sondern die große Auseinander­setzung mit dem alten Duval und der Abschied von Armand im dritten Akt: vir wissen unter den deutschen Schauspielerinnen nur eine. Der hier eine ebenbürtige Leistung zuzutrauen ift: Käthe Dorsch.

Das Ensemble, mit dem die Rielsen reift, ift guter Durchschnitt: nicht mehr, nicht weniger. Den Armand gab Hans Karl Magnus mit Geschmack und einem wohltuend beherrschten Temperament: der alte Duval, der schrecklich wirken kann, wurde von Rudolf Z e i f e l mit taktvoller Zurüährliung behandelt. Von den übrigen. Keller-Rebri (Vanille) und Gustel Hansen (Prudence). Für die Regie, zu der kaum etwas zu bemerken ift, die aber jedenfalls nichts verdarb, zeichnete Gregory E h m a r a. (Der

vierte All war einen Augenblick durch den zu früh kommenden Vorhang gefährdet.)

Die Rielsen wurde zum Schluß nach Gebühr gefeiert. Hnb es wurden nicht nur auf dec Bühne viele heimliche Tränen gemeint. Dr. Th.

Hochschulnachrichten.

Der o. Professor an b?r bulgarischen Univer­sität in Sofia Dr. med. vet. Heinrich Bitt­ner ist zum ordentlichen Professor für Ana­tomie und Gewerbelehre an der tierärztlichen Hochschule in Berlin alS Rachfolger von Ge­heimrat Schmalh ernannt Word em

Der ordentliche Professor für neuteftament- liH« Wis eifdbait D. Dr. Erich Klostermann in Königsberg Hal ei.iai Ruf an die Uni­versität Halle als Rachfolger von Prof. P. Feine erhalten und zum 1. Oktober 1923 ange­nommen Prof. Dr. Gerhard Hoffmann in Königsberg hat den an ihn ergangenen Rui auf das Ordinariat der Phyfik an der Uni­versität Halle alS Rachfolger von ©. Hery angenommen. Der durch die Emeritierung de« Geh. Rats Prof. Brir an der Technischen Hoch­schule inEharlottenburg erledigte Lehrstuhl für Städtebau und städtischen Straßenbau ist dem Stadtbaurat H. Ehkgöy in Essen angeboten worden. Auf den Lehrstuhl für Raumkunst und Ornamentik an der Technischen Hochschule in Hannover als Rachfolger von Geheimrat G. Halmhuber ist der Direktor der Kunftgewerbe- schule in Halle, T h i e r s ch. berufen worden. Thiersch hat den Rus angenommen. Auf den an der Technischen Hochschule in Breslau neuerrichteten Lehrstuhl für Markscheidekunde und Geophysik ist Direktor Dr. L. Mintrop in Hannover berufen Worten.

Für dos Fach der Kunstgeschichte habllitierte sich in der Marburger philosophischen Fakultät Dr. phiL Hans Weigert, Assistent am kunst­geschichtlichen Seminar, mit einer SchriftDie Entwicklung des deutschen Ornaments, ein Beitrag zum Problem der Periodif. Seit Juli 1926 ist Weigert Assistent Prosesior Hamanns am Mar­burger kunstgeschichtlichen Seminar. Er ist Heraus- pber^bedMarburger Jahrbuchs für ftunftroiffen*