Oie goldenen Berge.
Vornan von (Hara Biebtg.
Cobbrtübt 6t) DeuHd** '^ -Taq«-2nftalt Ctuttgart. (Schluß)
Dann ließ Simon Brtmm roohl einmal das Mist- herauffdjleppen sein, machte sich van den Tragriemen frei, bte ihm die Schullern bedrückten, flanb, für kurz rastend, und sah sich um. Sein, Äugen, die der beißende Dunst des Spritzen, so zeitig Im Früh, fahr noch nicht schmerzhaft entzündet hatten, blick- ten weit in die Kunde. Ueberall waren Leute im Berg, überall fleißige Arbeit. Selbst im Berg vom allen Ohm Jakob sah es setzt nicht mehr so wüst aus, Gatt sei Dank, daß der Schandfleck bald fortfam Der Äalpar, der war doch ein tüchtiger Kerl! Der hatte gesagt „Dal is ja en Schänd. Und dumm auch, bat man bat nit ausnützt" Er bekam das Stück billig. Die brei Brüder hatten sich schon tuch tig ans Derk gemacht. Der weiß, wenn junge Straft sich hier nun einsetzte — der Alte hatte ja nicht mehr gekonnt — und wenn man auch sonst war hinein- steckte, dann lohnte der Zuckerberg am Ende sich doch, die Lage war gar nicht so schlecht
Ah, wo» war die Mosel so blau, so blau, sie wand ein leuchtende, Band unten durchs liefe Tal, und die Sonne war so warm schon, sie strahlte sa hell Boller Glanz auf den Bergen die schimmerten golden Simon Bremm Holle t>ef Lust, befreit vom Druck, auch in seine Augen kam etwas wie Glanz: dies Frühjahr ließ sich aut an, ein April ohne Kegen und flagcl Die Weinst ck, im Warmenberg waren voll schwellender Augen, zarthaarige Blättchen setzten schon an: ein frühe» und marme, Frühjahr, da» verspricht einen guten Herbst. Den wolle (Sott geben
Der Mann Im Berg flanb unb sah sich befriebigt um — nun hoffte er einmal roleber
Auch Warta Bremm hoffte — auf was sie eigentlich hoffte1 Aus wen* Sie ging heute ben otot-on»- weg zum Mrchleln hinaus Äafpar Drei» arbeitete heute im Älofterberg, er hatte sie in einem Brieschen gebeten. Ihn dort zu treffen nach Feierabenb. Er habe etwas mit ihr zu besprechen, mit ihr ganz allein Still war es ringsum, es senkte sich Dämmerung auf die Mosel Im Tal, hier oben war es noch Heller, letzte» Nachleuchten schon untergeganaener Sonne lag noch auf ben Ceibenoftationen nm Weg Maria hemmte bei Ihnen ben raschen Schritt: wie schon niete Frauen unb Mädchen vor ihr, seil hun- bfrt Jahren und mehr schon, schlug auch sie da» Kreuz unb murmelte ein paar Gebetmorte Um was betete He? Ach, bae getraute sie sich nicht einmal vor sch selber zu lagen; sie betete nur das „®e- grüßet" und nelate sich
Oben wartete schon brr Kasuar Er mar aus hem Vera gekommen von seiner Arbeit: auf seine Hacke gestützt, flanb er setzt vor Ihr Sein braune» Gesicht war merkwürdig bleich das, was er heute hier sagen wollte, fiel ihm schwerer zu sagen, al» alle», was er vor all ben vielen geredet hatte zuvor.
„Liehe Maria'" Er bot ihr begrüßend bie Hand Sie hatten sich lange, lange nicht mehr gesehen.
Wenigstens in ©irrtWeit nicht, im Traum halte der Mann sie oftmals gesehen Unb an sie gedacht alle Tage
Ob Maria auch an ihn gedacht hatte? öte war sehr verletzen ein helles Bot flammte in ihr Ge- sicht Sie nickte nur, sie konnte n,cht laut sagen: „Guten Abend." Aber sie sah ihn jetzt bittend an, in ihren Augen lag ein: „verzeih mir* unb viel, oiei Dank.
Er räusperte sich, bie Stehle war ihm nicht klar, er sprach ganz heiser: „Dante, bat bu gekommen bist, liebe Maria. Darf ich dich wat fragen?"
„Gewiß — frag nur,' stieß sie heraus
„Bon wem haft bu bat Rinb9 Deine Estern wissen et nU — gar niemanb — w:llste m i r el nit sagen, Maria?"
Sie schüttelte ftummoernelnenb, sie zitterte Nein, da» konnte sie ihm nicht sagen, ihm am allerwenigsten, benn vor ihm, gerabc vor ihm schämte sie sich ja so sehr. Am liebsten wäre sie (orlgelaufen
Aber er vertrat ihr ben Weg: „Du mußt hierbleiben, Maria. Sag —" er faßte sie fest ums Handgelenk — ,,i» der ein Lump, der der Baler von deinem Kind is?"
0 nein!" Das rief sie rasch Lin Lump war der nicht gewesen. Ihr 65crcd)iiqfcil»gefühl halte ihr schon früher yesagl bu trägst ebenso Schulb, heute war die» Gefühl noch stärker. Einem Toten Ueble» nachreben, nein, bas tut man nicht. Unb her Doktor war ein rechter Doktor gewesen, er hatte vielen armen Stranfen geholfen, er war auch zuletzt verunglückt auf solch einem Weg der Barmherzigkeit Die Hänbe vors Gesicht hastenb, um ihre Scham zu verbergen, bie immer hoher unb Hetzer stieg, stammelte sie: „34 — >ch hab selber ebenso Schulb — ber Sohn vom Herrn Dusemont, der junge Herr Doktor — nä, ber war wahrhaftig kein Lump, bu kannst et mir glauben. Ach Jesu», der Berg — bie Nacht — unb er gefiel mir auch gut — unb so en Gefühl, ach, Stafpar" — sie ließ ihre Hönde vom Gesicht unb erfaßte bie seinen — „ich weiß el noch heut nit, wat mit mir war. Und wie bat gekommen is. Ich war et nit selber, ich war wie verliert. Bei Gott, bat fannfte mir glanzen!"
Unb er glaubte es ihr. Sie hatte ihm noch nie so gut gefallen, war ihm noch nie so begehrenswert erschienen wie heute: ein ehrliches Mädchen, unb eine, trotz allem eine, auf bie ein Mann stolz sein kann Der Doktor Dousemonl — ach Jesus, der war ja jetzt lot' Ein Seufzer ber Erleichterung hob seine Brust er hätte dem Mann ja noch gern ba» Leben gegönnt, aber für ihn unb bie Maria war » besser so. Unb mochten die Leute, bie sich darum scherten, doch henken das lebiac Hinb her Ma-jo hns sei von ihm. Da» bann, wenn er bie Maria heiratete, bann war ber 3unge eben sein Sohn uni: würbe auch angesehen für einen solchen.
(Eine hoffnungsvolle, fubelnbe Freude stieg plötzlich bem Mann zu Slops — endlich, endlich! (Er zog da» Mädchen an beiden Händen nahe gegen sich hin, er wollte sie in die Arme schließen, sie fest an sich brücken.
Aber Maria Bremm mochte sich noch einmal wieder frei, au» ihren Blicken sprach Liebe, dankbare
Liebe — unb verlangen nach ihm war auch dabei — unb hoch sagte i e entschlossen unb fest „Caspar, noch nU. Du mußt noch warten Ich will et dir erst beweisen dat ich et wert bin, dem (jrau zu werben lieber I Jahr. Rofper. bann machen wir Hochzeit Gest?!"
Und ste drückte Ihm so fest die flanb und sah ihn so liebevoll zärtlich an, baß er ee auch so zufrieden war.
Alle hofften wieder einmal. Darum sollte Herr Dousemoni denn nicht auch hoffen, obgleich er alt war unb leidend, unb e» eigentlich für ihn nicht» zu hassen mehr gab. Die Lena mußte ihm jetzt immer bie Beine wickeln, bie waren geschwollen, sie waren umfangreich wie ein paar Wasicrkannen — DoNee war so auch brln Richttne Stiefel konnte Herr Daufemant nicht mehr anziehen, ein Paar ganz weite weiche j1L5W.hr mu hohen Schäften hatte er sich beim Schuhmacher schustern lassen, in denen konnte er zur Not noch voran. Denn er mußte voran, er Netz jetzt bauen auf dem Herren» berg, unb da» beaufsichtigte er selber. An jebem guten Tag, ben er noch hatte, stieg er hinauf. Langlam. lehr langsam, auf einen Stock gestützt und schwer atmend, oft mußte er stehen bleuen, nach Luft ringen, aber fein Wunsch, fein Wille waren noch stark
„Die Neisestiebel habe ich ja ai» an," sagte er zur Lena, die ihn m l Grummeln Näso"ieren abhalten wollte, auf seinen Berg zu gehen, „ich muß mich beeilen." Sie konnte e» iaum mehr mu ar. sehen, wie ihr Herr mit dem Gehen sich quäste, unter Schelten und Zetern verbarg sie ihren Schmer), aber Herr Dousemonl bestand auf feinem Stopf; so betete sie denn für ihren Herrn unb erhoffte vom Frühjahr Best, es für ihn. Er hoffte, daß er "och so lange aushalten würde, bis er fein letztes flau» oben schon fert.g gebaut hatte
, Gleich nach seines Sohnes Tob hatte Herr Dause- mont es oben in Angriff genommen, sowie das Wasser unten verlausen war, unb man Baumaterialien heranschaffen konnte. Nun flanb schon die Halle, die sich ans Kapellchen schließt, c» fehlte nur noch bie Mauerdekronung unb innen ber Ausputz Wie ein Mausoleum und wie ein Aussicht stempel zugleich, wunderschön, ganz wunderschsn, fo jäh er es nun von unten. Er schaute von seinem Garten hinauf. Ah, unb noch viel herrlicher würde es sein, da oben zu liegen unb so weit zu schauen! Er fühlte eine große Sehnsucht, hinauf, hinauf! —
Heute fühlte er s ch recht leidlich Da, kümmerte ihn das Schelten der Lena, deren Stimme hörte er schon längst nicht mehr, für bie war er taub, er hörte andere, liebere Stimmen. Seine Frau, sein Sohn, die Doraufgegangenen riefen nach ihm Er schlich aus dem flau», eine Wegzehrung nahm er sich nut, eine Flasche vom Besten. Die Lena brauchte nichts davon zu wissen, er steckte bie Flasche in die tiefe Tasche be» Schlafrocks. In dem ging er fort, der war warm und leicht, einen Ueberzieher brauchte man nicht mehr.
fla, wie war das so hell unb so schön! (Eine wunderbare weiche Frühlingsluft. Aber die mochte recht
müde. (Er kam Immer langsamer und langsamer toran. Wer doch noch so tanzen konnte wie die lustigen Mücken, die vor «hm her sich im Wirbel drehten! Da, ein Schmetterling gaukelte auch schon, und Bienen, viele Bienen lummten. Ober waren e» die Glocken unten im Tal? Ihm war, al» läuteten Glocken. Aber „Friede, Friede," nicht Sturm wie normal,.
E» rauschte ihm in ben Ohren, und bie Glocken» töne, die jetzt wie Schläge fielen — dumm, bumm — unb |o rasch, erlchütternb hintereinander, die tat sein Herz. Da» ichiug wie mit einem Hammer an dröhnende» Er,. Unb bie Beine, die wurden so lahm — faule Gesellen — oh. wie war er so froh, daß er endlich jetzt oben war!
Niemand war ua. Die Bauleute waren zum Mittag geaangen Langsam umschlich er sein Mausoleum — nun konnten he ihn bald h er begraben, die Stätte gefiel ihm sehr gut. E» konnte nirgendwo schöner sein.
Mit einem Seufzer der Befriedigung ließ er sich auf der Bank unterm großen kreuz nieder, er war wirklich sehr müde geworden Aber nun stärkte er sich Er zog die Flasche au» ber Tasche de» Schlaf» rvcks unb lächelte wie ein Schalk da, hatte der alte Drache doch mal nicht gemertt' Die Lena kam ihm imnvr dornst „Der T ktor hot auch erlaßt: .Vater, nit soviel Wein'" — ja. was sein Heinrich alle» gesagt hatte, das wußte er noch sehr gut, aber bie», gerabe die» wußte er n eht mehr
Und er entkorkte lächelnd bie Flasche, setzte sie an ben Mund, ein alter erprobter 3ed)?r: „Prost Rest!" unb hob sie gegen die Berge, ba» Tal, unb schleuderte sie bann von sich in weitem Bogen. Bi» zum letzten Trnnfcn geteert, au,gekostet bie zur Neige — ben Wein unb da» Leden! Jetzt war es genug.
Es ftr. mte ihm noch einmal warm durch die Abern, durch da» schon alterskühl geworbene Blut: Wein machte Ihn jung. Mit einer Gebärde voll heißer Liebe streckte der Alte vom Berge feine Hände aus, seine Augen wurden ganz groß noch einmal alles sehen, alles umsossen. Weit glänzende Aussicht im Sonnenschein. Ihr goldenen Berge, du Fluß im Tal, cetiebleo Land. Land m iner Heimat, gesegnet seist du! Deine Berge sind golden, golden ist deine Sonne unb golden auch Ist dein Herz E» mirfr, c» *ann hie So^ne nicht u"'e>meh^n über dir, darum fahre ich hin so ganz mit Frieden!
(fine Buckausgabe
des in di-ler Numn er zum gelangten No»
man» „Die goldenen Berge" von Clara D i e b i g ist bei der Deutschen V e r 1 a g » o n » ft a 11 In Stuttgart zum Preise von 6,50 Mark für den drucktechnisch forgf iltlg auegeftatteten und geschmackvoll gebundenen Leinenband erschienen Wir sind überzeugt, daß In unserem Leser'rel», der. wie mir zahlreichen Acußerungen entnehmen durs'en, mit größter Anteilnahme den spannenden Sch"de- ningen der Dichterin au» ihrer Moselheimat geso'gt ist, auch für diese Buchausgabe de, wertvoll n Romans großes Interesse Mkht (555)
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Bckanntuiachiiug.
In unser flanbeldrcgiflet Abteilung A wurde eingetragen:
Am 24. April 1928: a) bezüglich bet Firma Hessische Lehrrnittelanstalt L)r. Wy- nelen 4 Eo. in Gießen: Die Firma ist erloschen, b) bezüglich der Firma Hermann Stern in Gießen: Da» Geschäft nebst Firma ist aus Hermann Stern Witwe, Fanny geb. Heß und Kaufmann Isidor Stern, beide in Gießen, übergegangen. Der Isidor Stern Ehefrau Gertrud geb. Mecklenburg in Gießen ist Prokura erteilt. Die offene Handelsgesellschaft hat am 29. Juli 1925 begonnen.
Am 26. April 1928: Die Firma Syenit- und Granitwcrk Martin Schmall in Gießen. Inhaber ist der Bildhauer Martiti Schmal! in Gießen. 4637 D
Gießen, ben 1. Mai 1928.
__________Hessische» Amtsgericht.__________
9lrbcif(tX)crqebiiiiq.
Erd- und Maurer-, Zimmer-, Dachdecker- unb Älempnetatbeiten für die Herstellung । von 8 Einsamilien- = 4 Doppelhäuser werden zum äsfentlichen Wettbewerb aus- I geschrieben.
| Angebotsvordrucke sind bei dem Vorsitzenden (tedm. Neichsbahninsp. Schmidt, ReichSbahn-BetriebSaml 1, hier) gegen Erstattung der Selbstkosten erhältlich, woselbst auch die Zeichnungen und Bedingungen eingesehen werden-können.
Tie Angebote sind bi- spätestens 14. Mai 1928, 12 Uhr mittags, an die Adreile bei 1. Schriftführers, Herrn Wilhelm Weber, hier, Wetzlarer Weg Rr. 61II, mit entsprechender Aufschrift versehen, einzureichen. 46820
i Oefsnung der Angebote am 14. Mai 1928, G Uhr abend», im Sitzungszimmer des Reichsbahn-Betnebsamis I, hier. Zuschlagsfrist 2 Wochen, freie Auswahl bleibt vorbehalten.
Eisenbahner-Heimstätten-Berein e. V. m. b. H. Gießen.
______Weber.___________Schmidt.
Bullenverkauf.
Tie Gemeinde Rödgen verlauft auf dem Submissionswege einen fetten Simmental« Lullen. Angebote mit pro Zentner Lebendgewicht smd bi5 »um Montag, dem 7. Mai, nachmittags 2 Uhr, bei der Bürgermeisterei einzureichen. Nähere Bedingungen sind dort einzusehen.
Rödgen, den ö. Mai 1928.
Hess. Bürgermeisterei.
____________Wagner._______4644 D
MMWW
Montag, bea 7. Mai, nachmittag» ab 2 llhr, »ersteigere ich im ,^öwev", Neuenweg 28:
1 Partie Schuhe, 1 Speisezimmer, 2 -leiderlchränke, 1 Tisch, 1 Sofa mit 6 Stühlen, 1 Chaiselongue, 1 Sekretär, 2 Luchenichränke, 1 Kommode, 1 Sic- line, 1 Staubsauger, 1 Kinderschreibpult, Betten (neu und gebraucht), Nähma- schinen, Federbetten, Herren- u. Damenräder u. v. a. 4670D
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