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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Samstag, 5. Mai (928

Hr. (06 Zweites Blatt

man hier nur noch in

Europa in zehn Jahren!

in auch in Mailand nicht verlieh»

Don Joseph ßaillauf, ehem. französischem Premierminister.

meisten dieser poft

mein Sflaoe. Gehen Sie al

Seldzählens.

heilige (Broftiiiiittcr! Bleiben Sie mir mit fiel- ir )ugb vorn Leibe. In Dankeinbrüchen mache ich

ior>ugh

nicht befriedigen Sie mich einen

Namen und die Sie mir nur in ist", drängte der

Mörderei die natur- sei. denn i n 31 a Gärung schasse sich

zynisch selben

tatsächlich verdient und öle Kichste Sache von der Welt 11 e n gäre e S und die eben Lust.

Schade, bah weitaus die

Triumphieren Sie nicht zu früh, noch sind Sie Iso zur Bellingham-Bi-

mulfolinischen Zeit genau so sinnlos und aersetzt wie die Frauen und Kinder im Mailand unter dem Lrktorcnbündel

einen, der mir vertraut hat."

So verschweigen Sie seinen näheren Umstände und erzählen groben Umrissen, was geschehen Detektiv.

sondern dem Duce gegolten, und flugS Wurde ein Mussoliniattentat noch hinzugedich.et. Merkwürdig unbeholfene Leute, diele Herren

3u ihrer Entschuldigung führen dir Inter­nationalen an. der Schlag habe nicht dem König.

Zusammenschluß oder Untergang

Der Politiker verdient den Ehrentitel Staats­mann erst dann, wenn er befähigt ist. die poli­tische Zukunft vorauSzulühlen und wenn er den Mut aufbringt, unbeirrt von den TageSrneinungen seine Zeitgenossen vor etwaigen von ihm er­kannten Zutuns t-gefahren zu warnen. .Man dient nur seiner Zeit, wenn man ihr vorau-eilt".

schrieb ich einmal in einem meiner Werke Allere dingS ist die Rolle deS Propheten stets ebenso undankbar wie schwierig gewesen. Wir brauchen nur in den Seiten der Weltgeschichte zu blättern, um genügend Belege dafür zu finden, dah Männer, die sich der Ausgabe unterzogen, ihre Zeitgenossen vor ZutunstSgelahren zu warnen, in schwere Bedrängnis gerieten, ja. dah sie diesen Bedrängnissen oft genug unterlagen.

Wie wird Europa in zehn Jahren auSsehen? Zehn Jahre! in der Menschheitsgeschichte für- wahr nur ein kurzer Zeitabschnitt, tm Leben deS einzelnen eine ziemliche Spanne Ich fürchte, dah nach Ablauf dieser zehn Jahre die alte Welt sich noch nicht von der Betäubung, in die sie durch den Weltkrieg verseht wurde, völlig erholt haben wird. Die hervorstechende Eigenschaft deS heu­tigen Europa ist die Schwerfälligkeit der D ö l k e r. Sie gleichen einem Menschen, der lange geschkasen hat, im Schlaf von bösen Träumen gequält wurde und bet nun langsam erwacht und unter den Nachwirkungen dieser bösen Träume leidet. Man kann nicht verlangen, dah ein solcher Mensch in seiner dumpfen Benommenheit sich bereits im Vollbesitz seiner geistigen und Drpere lichen Kräfte befindet. Die quä'ende Unruhe der schaurigen Nacht ftedt noch in ihm. die Traum­bilder schrecken ihn' sie werden rhn auch weiter­hin beschweren, biS er voll erwacht ist und der böse Traum durch die Eindrücke deS neuen Tage­allmählich in das ilnterbewu^tfein sinkt. Noch aber ist der Schläfer schwach, er möchte ausstehen, wagt eS aber nicht. Nur die Zeit kann ihn be­ruhigen: sie allein kann ihm da- Selbstvertrauen

Nein, Mr. Martin, ich kann Ihre Neugierde ", saate Lew gut gelauntDenn Flausehammkl schelten, weih Golt,

danke ihr ein erstklassiges Alibi. Ich kann be­weisen, dah ich die fragliche Nacht im Gasthof Zur Post in Chichester verbrachte, dah ich dort um acht Uhr geteuft habe und um elf Uhr schlafen gegangen bin. Ich täte Ihnen ja gern den Ge­fallen. Mr. Martin aber den Urheber des Ein­bruchs von fielborough muffen Sie woanders suchen."

Man behielt Lew die Nacht über in der Zelle, während Telegraph und Telephon spielten. Seine Angaben bestätigten sich, er mar sogar unter (einem eigenen Namen in Chichester aug«.fliegen, und am anderen Morgen muhte man Lew Phee- ney entlassen. Dick lud ihn zum Frühstück cm; denn zwischen dem berufsmäßigen Dieb und feinem beamteter. Fänger herrscht kein wirklicher Groll, und der UnterinspeUor Dick Martin war in der Verbrecherwelt ebenso beliebt wie bei seinen Kol­legen von Scotland Parb.

leben?

Dann kam Viktor Emanuel, ruhig und beiter, wie Immer, mit jener ernsten Gelassen- jelt, die ibi ~

wnb die stolzen Wüstensöhne auf dem Gebe!, in

und brachte mich in sein fiaus brrr! Eine Räuberhöhle! Er schauderte noch in der Er­innerung daran.Martin, ein Dieb ist gewisser- mähen ein ehrlicher Verbrecher, er spielt ein offenes Spiel. Sein Einsatz ist die Freiheit, sein Gegenspieler die Polizei; geht der Einsatz Hopps, nun schön, er grollt niemand und sitzt (feine Strafe ab aber es gibt Verbrechen, die zwischen den Paragraphen liegen, und Schmutz, der einem zünf­tigen Dieb den Magen umstülpen kann. Als mein Auftraggeber mit seinem Anliegen hereusrückte, gla 'Die ich, er wollte sich einen böien Scherz mit mir erlauben, und als ich sah, dah es ihm ernst war. wäre ich am liebsten auf der Stelle daoon- gdaufen. Über ich bin von Natur aus netzgierig, und fo sagte ich nach längerer Ueberlegung zu. Bitte, halten Sie sich vor Augen, daß es kein verbrecherisches Ansinnen war. Dihbegierde trieb ihn, etwas zu öffnen, das verschlossen war. Nun, er wird sich weiter den Äopf zerbrechen müssen; denn die Schlösier knackt niemand aus!"

Schlösier, zu was?" fragte Dick voller Span­nung.

Aber Pheeney schüttelte den Kops und lieh vlötzlich den Gegenstand fallen. Er sprach van feinen Zukünfte planen. Auch er wollteden DieiLt quittieren". Sein Bruder war Architekt jenseits des grohen Teiches. Er wollte zu ihm gehen imb sich auf ehrliche Weife hocharbeiten.

Dick verabschiedete sich von ihm und begab sich nach Scotland Pard, um seinem unmittelbaren Dorgesetzten zum letztenmal Bericht zu erstatten.

Inipettor Sneed, der mit seines Leibes Fülle den Lederfesiel dis zum Bersten ausfüllte, hob die Augen vorwurfsvoll zu ihm auf.

Es ist also wahr! Sie kehren dem besten aller Berufe den Rücken, werben sich ein Landhaus kaufen und im Glück schwimmen, wenn Sie eine fienogin ju Tisch führen dürfen! Das für ein fiöllendasem für einen ausgewachsenen Menschen!"

Dick Martin grinste *u ihm hinüber. Im ge­heimen bereute er langst sein Abschiedsgesuch.

Merkwürdig, wie der Besitz des Geldes den Charakter verdirbt", fuhr Kapitän Srreeb melan­cholisch fort.Denn ich zum Beifpiel eine Erb­schaft mit sechs Nullen aemacht hatte, würde ich einfach ins Richt» hineindösen!"

bliothek und klären Sie diese Anzeige auf. E» sollen dort Bücher entwendet worden fein!"

Unterinspektor Martin stöhnte laut

Ich gebe zu, es sind keine Lorbeeren dabei zu verdienen", leiste fein Vorgesetzter mit breitem, schadenfrohem Lächeln. .Kleptomanie ist für den De­tektiv, was für eine fiausfrau das Staubwischen ist. Aber es wird Ihr Mütchen kühlen und Sie, wenn Sie sich dem Schlendrian hingeben, daran erinnern, dah Tausende Ihrer unglücklichen Kol­legen sich mit Untersuchungen dieser Art die Deine in den Leib rennen!"

Dick, auch Slick gerufen, er hatte wie jeder De- «eftio einen Spitznamen, ging gesenkten Blickes an ben verschlossenen Türen des endlosen Korridor» vorbei und dachte daran, dah feine kurze, aber glanzende Laufbahn im Polizeidienst so gut wie abgeschlossen war. Er war ein Spezialist für Dieb- stähle gewesen, her geschickteste . Schlargengreiser", den Scotland Pard je befeflen hatte. Sneed saate oft yon chm, dah er selbst die Anlage zum Dieb haben müsse, und hielt das für ein Kompliment. Tatsächlich hatte er einmal im Verlaus einer Wette die Tasche eines Staatssekretärs geleert, und feioft die erfahrensten Beobachter konnten nicht an­geben, wann und wie er die Tat oollflchrt hatte.

(Fortsetzung folgt)

dessen Flanken noch Stacheldraht und Granaten- Iplitter hängen, führten die Hand zum Gru^e an die Lippen. Sogar ein Scheit der Tuareg» Dar erschienen. Wie fern lagen jetzt wieder dir Schatten de» Attentats! Hier, auf dem wilden Sarian, Wo Erregung und Auflehnung verständ­lich wären, hier hob sich kein Finger gegen den Gröberer, und aulgerechnet in der modernsten Stadt seines Königreiches, die ihm ihren Auf­schwung verdankt, sollte man fein Leben als ver­wirft betrachten? Ich Hobe in linksgerichteten europäischen Zeitungen gelesen, dah diese» Urteil

tischen Chemiker auf ihrem Schreibtisch herum- tlperirnentiercn. statt eine Fahrkarte nach Italien |U lösen. Sie würden sonst, wenn sie sich auch »och dazu verstehen könnten, die Augen auszu- nachen. bald merken, dah der GärungSprozeh »och lange nicht l o weit vorgeschritten ist, um daS Sicherheitsventil herauSschlagen zu können. Noch kennen wir die Helden von Mai­land nicht, aber gerade dieser llmftanö läfjt ange­sichts der scharfen Uebcrroacbung aller »owersivi, ter umstürzlerischen Elemente, den Schluh za. dah wir eS mit einer Tat jene» Dcrbrect-ertrun» iu tun haben. daS allen Böllern kommun Ist und daher durchaus zutreffend alS Kommunismus tezeichnet wird. Innerhalb dieser Internationalen Organisation gibt eS. und daS unterscheidet sie ?on der straff disziplinierten Walia, Elemente »nd Kreise, die nach dem l'art pour I'art-Stand- ?unft da- Derbrechen um deS Verbrechens Willen

zurückgeben. daS notwendig ist. ihn wieher zu einem vollwertigen Men'chen zu machen.

Dieser temboli'che Schläfer ho: mbdten da­nach unbestimmte Gefühl dah b . jetzt in ihm steckende Ära ttehgtelt allmählich von t h m weichen wirb. Er ahnt dah er sich einem Wendepunkte seine- Cebcn# nähert, hast er sozu- faaen vor einen Kreuzweg steht und nun zwi­schen zwei Wegen zuwahlen hat. Welchen Weg lol! er einschlagen? Un'ch'.ufftg zaudert er. .fiter ist der Weg zum Frieden." Dort führt der Weg zum Kriege, sagt man ihm. Sicherlich würde er mit Freudei. den ersten Weg einschlagen. wenn er sicher wäre, hast man ihn nicht täuscht. Da aber tönt eS in seinem Innern warnend: .Dorsicht. Dorsicht, man sucht dich zu hintere geben! Die Wegweiser an der Wegekreu^ung sind falsch. Der Weg. der zum Frieden führen soll, endet genau so wie der andere an einem Ab­grund. den du fürchtest: quer über die Straf,« aber ist ein Drahtverhau errichtet mit spitzen Stacheln, an denen du dein Fleisch blutig ritzen wirft, auf dem P ade beiinden sich LumpUöcher. in die du versinken wirst, andere Weg b»legen, den man den Weg zum Kriege nennt t't breit und eben. Auf ihm wirst du unbehindert, im vollen Besitz deiner Freiheit und aufrechten Gange» da-

' nnen Bl ft du aufmerksam genug, so wirft du den Abgrund, der sich auch an seiner Seite befindet zu vermeiden wissen."

Diese- ®:c chni» wird meine DorauS'agen ctira» verständlicher machen.

DS gibt tm heutigen Europa kaum einen ge­bildeten Menschen, der nicht da» Sch'agwort ge­hört hätte: Für Europa gibt e8 nur eine Wahl, entweder Zusammenschluh oder Un­tergang.

Ziifammenschluh! Leicht ge'agt. aber schwer gctanl

Man must zunächst bedenken, dast alle» poli- ttsche Geschwätz völlig nu .loS ist. ja dast selbst von den Regicrunzen unterschr ebene Dokumente, welche öle Versicherung gegenseitiger Zu ammcn- arbeit enthalten und nach deren Wortlaut alle Konflikte nach Möglichkeit ausgeschaltet werden sollen. ebe»salls nur von geringem Wert sind. Sie würden wie Stroh 'alme von dem Sturm der Leidenschaft und de» Bölkerhal eS hinweg'e egt werden, wenn ein solcher Sturm wieder einmal auSbricht. Um eine solche Katastrophe zu ver­meiden. müs'en die Abkommen, welche zwi ch n den einzelnen Nationen bestehen und über die ich mit Vorbedacht nichts Böse» sagen will, denen ich auch einen gewißen Wert nicht ab­sprechen will, und zwar weniger l')re» Inhalt ' al» vielmehr ihre» Ziele» wegen in doppelter Weise ergänzt werden, nämlich einmal durch psvchologische und zweiten- durch wirt­schaftliche Momente.

Wan hat während deS Weltkriege» ost be­hauptet. dast, wenn die Soldaten, die sich in den Unterständen gegenüber*legen. dieselbe Sprache sprechen würben, der Krieg bald beendet lein würbe. Die Nationen der alten Welt werden indessen niemals ihre Mutter'prache ausgeben, wir können sie aber vielleicht mit der Zeit dazu bringen, eine gemein'amc. übergeordnete Sprache äu verstehen. Wir müssen, um mich bet etwa» bizarren AuSdruckSweise Brianb» zu bedienen, e» ihnen beibringen, .europäisch zu sprechen und zu verstehen. Eine Weile gemeinsamer Id en muh sich über Europa ergiesten. welche die natio- na'en Austastungen überschwemmt und a lnählich sämtliche Nationen mit der gleichen Ideologie durchdringt, sie beherrschend, ohne die nationale Ideclogie zu zerstören ober zu verletzen.

Die Lösung biefer Ausgabe ist austerordenllich schwierig. Dte Intellektuellen ber einxclren Na­tionen müssen sie jeboch zu'en versuchen. Ich habe baS Gefühl, daft der überragende Tell der europäischen Int l igenz eS bereits eingelehen hat, bah e» sich hier um eine kulturelle Wie - bergeburt, eine Renaistanre, handelt, um nicht- geringere» al« um eine Erneuerung ber Zivilisation unter Völkern, ble sich ben Gedanken- gängen biefer Zivilisation bisher ver'chsie'un.

Wirb die Intelligenz Europa» In ben näd ften Jahren biefer grasten Au'gabe gewachsen fein? Ein Professoren- und Et ib ntena rStausch, Ken'e- renzen in Berlin unb Wien über französifche und englische Fragen. Besprechungen in Lonbon und Pari« über beutsche Probleme, Deröf'entlichungcn

Lew stürzte eine Taste brühheihen Kaffees hin­unter und wischte sich über den Mund.

.Lch kannte den Mann nicht, der mir ben Auf­trag erteilte, das heißt nicht persönlich, gehört hatte ich schon von ihm. Er hat schon mal ein paar Monate gesessen. Eines Nachts suchte er mich auf

Da# tun Sie auch ohne Erbschaft. Ihre Träg­heit ist sprichwörtlich", sagte Dick unehrerbiettg.

Subordination", murmelte Sneed.Noch ge­hören Sie zum Stab' Nennen Sie mich .Sir4 und feien Sie etwas respektvoller, wenn ich bitten darf. Ich bin nicht träne, ich bin lethargisch, unb Le­thargie ist genau |o gut eine Krankheit wie Fett­leibigkeit!"

Sie sind fett, weil Sie faul sind und faul, weil Sie fett sind", beharrte ber junge Mann mit btm fiochrnut ber besitzlosen Klasse; benn er war sehnig unb schlank wie eine Weibengerte.

Kapitän Sneeb strich sich nachbenllich das Kinn. Er hatte bie Schultern eines Dopers, ben Wuchs eines Grenabiers unb ben lätigfeitebrang einer Anakonda unmittelbar nach ber Fütterung Er seufzte schwer, wühlte in einem Drieskorb unb brachte ein blaues Papier zum Vorschein.

Dir freuen unS. unseren Lesern heute erneut einen Aufsatz von grundsätzlicher Bedeutung auS ber Feder von Joseph C a i 11 a u , vorleaen zu können, eine» ManneS. der, während de» Krieges al» .Defaitist" zu schweren Strafen verurteilt, nach seiner Rückkehr au» der Berbannung von der Regierung bet Linken mit der .Rettung beS Franken" beauftragt wurde, jedoch an ber Aufgabe scheiterte, weil da» Parlament ihm bte Dollmachten verwei­gerte, die sie wenig später P o i n c a r 6. feinem Gegenspieler im nationalen Block, gewährte. Trotz diele» unausbleiblichen MiherfolgeS muh Caillauff auch heute noch al» einer bet hervortagenbften Staats­männer unb befähigsten Finanzpolitiker Frankreich» gelten, bei en mit gtoster fchrift- stcl erifcher Gewa dtheit vorgebrachte Dar­legungen zur politischen Lage Europas bie gröstte Beachtung verdienen, mag man im einzelnen auch zu ihnen stchen wie man Will.

fremden Zeitungen, wie früher daS Ausland 'chaudernd von den Räubergeschichten in den Abruzzen la6. Ab und zu tauchen, ja noch tm Dinier Wölfe in der Umgebung ber Dörfer auf, wenigst en» in ben aufgeregten Briefen bet Lokal­berichterstatter, aber dast Kommunistenhorden die Landstraften unsicher machen, wie sogar au» preu­ßischen Gegenden alter Polizeiiradition gemeldet wird, nein, fo etwa» wäre in Italien nicht mehr nöglich.

Der Höllenschlag von Mailand, der bie Welt tusswrchen machte und an der Echtheit einer so amiliären Ruhe zweifeln lieft, drang natürlich iuch nach Tripolis. In die festliche Erregung Iber den ersten Besuch deS König» in der jungen Kolonie mischte sich begtelslichetweife Sorge. Die Araber, die ich weit tm Innern, in der erst vor wenigen Iahten zutücketoberten Gebelgegend 'prach. glaubten nun ihre fioffnuna auf Amne­stierung ihrer al» Rebellen abgesührten Brüder wieder begraben )u müllen, und von meinem fiotelfenfter in Tripoli» au» konnte ich zusehen. Die Schub auf Schub mit Ketten aneinander ge­fehlte Gefangene. Eingeborene und Italiener, linier Weiften Mauern verschwanden. Schutz­haft! Wie also mochte t» erst In Italien zu-

Tytannenrelet! Der König wie der Duce zeigen sich so häufig in der breitesten Oeffentlichkeit, e» ist so leicht. an sie heranzukommen (wie ja auch die verschiedenen Anschläge auf Mussolini gezeigt haben», daft sich die schlechten Schützen Die Ausrede mit dem schlechten Gewehr wirklich ersparen könnten ^on gleichet Güte ist freilich ihre Logik: beteiligt man den König, fo beteiligt man da» System! Bisher ist e» immer noch umgekehrt gekommen. Jede» Attentat rift Mussolini raketenhaft höhet in der DollSgunst und die Liebe zum König flammte nie so hell auf wie in diesen Tagen.

Selbst wenn man sich auf den faszistensci.-dlichen Standpunkt stellt, kommt man zu der liebere legung, daft die Figur deS König» Im Sck>ach falsch eingesetzt wurde. Der König bildet ja nach Ausfasfunfl dieser Spieler ein Hindere ni» für die Aufrichtung der Dynastie Mussolini, der Kronprinz ist noch zu jung, um ihr im

ängst nicht mehr!"

Dho. mein Freundchens Das taten Sie zum Beifpiel Dienstag nacht?"

Ein breites Lächeln verschob die Mundwinkel n btm gemütlichen Gesicht des Einbrechers.

Denn ich es Ihnen sagt, lachen Sie mich tob- sicher aus'"

Versuchen Sie es immerhin mit mir", bat Dick, und feine Augen funkelten vor Vergnügen.

Lew antwortete nicht sogleich. Et schätzte inner- ich die Gefahren einer allzu großen Aufrichtig­keit ab.

,Lch hatte einen Auftrag auszuführen, über den ch nicht gern sprechen möchte", sagte er endlich. .Einen furchtbaren Auftrag aber nichts, wofür nan mich belangen könnte", setzte er hastig hinzu. Hflich, wenn auch ungläubig.

Glänzend' Ich bekam einen Vorschuß von ein» jundertfünfzig Pfund. Ja. nun sperren Sic die lugen auf, verehrter fiert Detektiv, aber es ist sie blanke Wahrheit. Ich lallte Schlösser auf- knacken Sie miffcn. es ist mein Fach, aber kiese Schlösier widerstanden aller meiner Kunst, mb ber Ort. an den idj geführt wurde, war frauenhaft Nicht für eine Wagenladung von Gold Dürbt ich diese Arbeit wiederholen. Aber ich oer-

ich trag s Ihnen nicht nach. Ich habe hundert- fünfzig Pfund bar ausgezahlt erhalten, unb tau­send Pfund wären es geworben, wenn mir bas Ding geglückt wäre. Raten Sie, soviel Sie wollen, bas Richtige raten Sie doch niemals."

Dick beobachtete ihn scharf.

2ew ich sehe es Ihnen an. bas Schweinen fällt Ihnen schwer, schütten Sie Ihr fier» aus!

Er sah ihn erwartungsvoll an, aber Lew schüt­telte ben Kopf.

Wollte ich alles erzählen, fo müßte ich jemand bloßstellen, der kein angenehmer Zeitgenosie ist, und der mir hoffentlich kein zweites Mal über den Weg läuft, aber verpfiffen habe ich noch nie

Gärt es in Italien?

Don unterem römischen L-Korrespondenten.

Rom. Ende April.

Au» dem libyschen Wüstensand, au» dem oie «Wattigen Säulen de» Septimiu» Severu» wie­der zum Lichte streben, nach Tripoli» zurück- kehrend. wo man eben die Fahnenmaste für den Besuch de» römischen Herrscher» aufrichtete, er- uhr ich von dem Mailänder Attentat. So stand ich einmal dem iialiensichcn Schauplatz 'o fern wie der ZeitungSleser nördlich der Alpen und konnte vielleicht eyer den Cmn der immer wieder gehörten Frage, Wie e» eigentlich in Italien stehe, begreifen. In Rom selber kommt einem nämlich die Frage etwa» überflüssig vor.

begehen, nicht nur al» Mittel zum Zweck. Besten'all» 'chwebt ihnen dunkel die Erzielung jene» Jftaa» vor. da» al» die Dorauösetzung für die Umwertung aller Werte gilt, für die Be­raubung ter Besitzenden durch die Besitzlosen, der Sparer durch die Verschwender und so weiter. Solche Seiten, wo die Lauheit der Bürger den Anarchismus ermuntert, bic fasich verstandene Freiheit de» Lusscr faire, laisscr aller ihm Spiel­raum gibt und ein vertrottelte» Literatentum ihn sogar hätschelt, weil e» zwischen wirklicher Mann­haftigkeit und knaben romantischer Wordspielerei nicht mehr zu unter'chciden vermag, wie d.e Verherrlichung der Leiserder Ci'cnbahnattentätcr durch snobistische Skribenten, die bei dem Un- fllüd kein Bern verloren haben, gezeigt hat, olcbe Zeiten hatte Italien schon öfter» erlebt. König Humbert ist Dlu^cuge dafür, ebenso wie ber Hause jener unschuldigen Kleinbürger und Arbeiter, die bei dem Domvenanschlag auf da» Dianatheater tm Jahre 1921 um» Leben kamen Sie wurden in jener überliberalen, vor-

kritsichen Augenblick den Weg versperren zu können Da» alte teil der Unhnn?

Bitebe die Dertegcnheitservärung mit einem .Aufbruch der allgemeinen Unzufriedenheit", lieber Unzufriedenheit läftt sich immer reden, in Italien so gut wie andertwv. Mussolini hat viele Schlachten gewonnen, aber eine bedeutungsvolle verloren- d.e gegen die Teuerung. Die Hausfrauen find verbittert über die trotz der Viraftabütfierung nicht zurückgegangeneN Preise, ja. da» Brot ist ebenso wie da» Benzin teurer geworden. Manche Industrien ächzen vor Rot. Tie Kunstseide Ichemt bereit» überrannt, die blühendeir Autofabriken würden cn dem Tage zusammenbrechen Wo die phantastische Schutz­zollmauer. die zum Beifpicl keinen deutschen Wagen bercinläftt. wohl aber italienische hinan», nicht mehr gehalten Werben könnte. Die Intellek­tuellen finden die nur faftsitische Kost auf die Dauer eintönig, da» ganze politische Leben leidet je länaer je mehr an Einengung. Inzucht. Lust­mangel. Man muh sich nur den italienischen Sonntag mit seiner frohen Weinpolitik von ehe­dem m» Gedächtnis rufen, um zu begreifen, wa» eS heiftt. wenn jeder Barbier und jeder Schinkenhandlcr alle» auf einmal schön und in bester Ordnung finden muft. Dazu der harte Steuerdruck unb die Vorzugsstellung der falzi- stsichen Gewerkschaften. DaS fiandwcrk und die nicht in den Fabriken beschäftigten Arbeiter fordern, wa» sie wollen 3n Rom einen Handlanger unter 30 Lire tm Tag zu finden, ist 'unmöglich, während 600 Lire für die dattilografa schon em erstrebenswertes Monatsgehalt be­deuten.

Don der häuslichen Unzufriedenhett bi» zu einer den Zusammensturz der Grundmauern her- beisehnenden DcrzweiflungSstimmung ist aber immer noch ein Schritt. Gewift würden Weite Schichten der Bevölkerung eine Lockerung der eisernen Mannszucht begruben, auf Schritt und Tritt nur Ruten und Teile zu sehen, ist kein reine» Vergnügen, bi» heute jedoch sieht die Ration in ihrer Gesamtheit in Mussolini immer noch die verkörperte Reaktion der segensreichen Ordnung aus jenen Terror, der mit Blut und Eisen russische Zustände herbciführen möchte. Die Matländer Tollheit hat sie in diesem Glauben bestärkt.

und auch dte zahlreichen Frühlingsreisenben, die diplomatischen Ofterpilger nicht ausgenommen, werden bestätigen, daft «S kein zweite» Land von einer derartigen Inneren Ruhe geben kann.

3ft doch läng'! jeder Wahllärm, jede Prcssefehde. ;eber Kathederstreit verstummt. Bon Ueberfäilen luf politische Gegner liest

Ole lör mit öen flehen 5Ärn.

Roman von Edgar Wallace.

Cop)right by Wilhelm Goldmann, Verlag, Leipzig.

Nachdruck verboten.

L

Dick Mortim letzte Tat als beamteter Detektiv von Scotland Bord mar die Verhaftung Lew Phec. leys, der In dem Verdacht stand, an dem großen Sankeinbruch in fielborough beteiligt zu fein. Er «and ihn in einem kleinen Kaffeehaus in Soho.

Was gibt's, Colonel? Wo fehlt s bei der hohen Obrigkeit?" fragte er fast heiter, indem er nach einem fiut griff.

Fragen Sie lieber, woran es in fielborough ehft", sagte Dick und machte die Bewegung des

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