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Kultur mit ter Handhabung ihrer natürlichen Minderheitrnrechte durch die Zentralbehörden un­zufrieden sind, und das durch eine Massen­bewegung zum Ausdruck bringen. Wir haben selbst dergleichen in Elsoh-Lothringen, wie in ter Ostmark und in Schleswig erlebt. Aber mitt­lerweile hat sich das natürlich« Winterheiten- recht soweit zu einem international anerkannten entwickelt, daß eS mit den Methoden einer zwangswcisen Zentralisierung und Entnationali­sierung ter Minderheiten nicht mehr geht. Ge­rade die Franzosen haben in überragendem Maße an der Schaffung und Auferlegung ter Bestim» mungen eines solchen Winderheitenrechtes an­dern Mächten gegenüber während ter Pariser FriedenSverhandlunaen m i t g e w i r k t. Und wenn man die Kundgebungen in Elsah-Lvthrin­gen in den Tagen nach dem Waffenstillstand selbst als durchaus echt und unverfälscht ansehen will, und wenn man überzeugt ist, daß die über­wiegende Mehrheit ter elsaß-lothringischen Be­völkerung damals eine Rückkehr nach Frankreich begrüßt haben sollte (für die objektiver Ur­teilenden. die dabei die Röte Elsah-Lothringens in der Kriegszeit in Betracht ziehen, ist daS mindestens zweifelhaft!), so wird man beim be­sten Willen nicht umhin können, dem alemannr- schen Stamme ter deutsch sprechenden Elsässer die Eigenschaft einer kulturell selbständigen Minderheit gegenüber den Franzosen zuzu- erkennen.

Deshalb hat ter Colmarer Prozeß eine wett über die innersranzösischen Angelegenheiten hinausgchrnte Bedeutung. Frankreich ist der am stärksten und längsten z e n t r a l i st i s ch or­ganisierte Staat. Er hat also am wenigsten natürliches Verständnis für die Minderheiten- Bedürfnisse. Aber er hat solche Minderheiten auch schon vor der Einverleibung Elsaß-Lothrin- gens gehabt. Die Korsen, die ein eigenes Ita­lienisch sprechen und schreiben, die Basken, die an der Südwestgrenze eine Einheit mit dem größeren Bevölkerungsteil gleicher Sprach« und Basse in Spanien bilden, die Flamen im Bord- osten Frankreichs. Und selbst die Bretonen, die ja ihre eigene Sprache haben und pflegen und die Provenzalen, die sich mit den Katalanen zu einer ethnischen Familie rechnen, sind im streng­sten Sinne Minderheiten. Es ist bez«ichnend, daß unter den 7 Verteidigern der in Colmar Ange­klagten ein Korse und ein Dretone sind. Frank­reich steht augenblicklich in Colmar selbst vor einem Weltgerichtshof. Und das Urteil, das seine Richter dort fällen werten, wird ein Ur­teil über sein eigene« Maß von Befähigung zu einer modernen und gerechten Humanitären Regierungsführung sein.

Oas besetzte Rheinhessen.

Besprechungen mit dem Rßeinministerium.

D a r m st a d t, 4. Mai. Die Hessische Amt­liche Pressestelle teilt mit: Staatssekretär Schmid vom Reichsministerium für die be­setzten Gebiete traf auf Einladung des Staats­präsidenten Adelung am Mittwoch in Bealei- tung des Ministerialdirektors Dr. D i l t y e y und des Oberregierungsrats H a a f« r zu einem Besuch der hessischen Regierung in Darmstadt ein. Die Besprechungen teh indelten zahlreiche laufende Angelegenhe.ten des hessischen besetzten Gebiets, deren Klärung der hessischen Regie­rung am Herzen lag. ES ergab sich hierbei die Bereitschaft deS Ryeinministeriums. den beson­deren SchwieriVeiten des hessischen befetten , Gebiets nach Möglichkeit gerecht zu werden. ®ic Besprechungen bezogen sich u. a. auf fol­gende Punkt«: Verbreiterung der Rhein­brücke in Mainz, kulturelle Maß­nahmen für das besetzte Gebiet, Ordonnanz 64 über die Musterungen für die Besatzungs- Mächte im besetzten Gebiet, die Möglichkeit, für die Wirt-schaft deS besetzten Gebiets Hilfs­maßnahmen zu ergreifen u. a. m. Hessischersetts wurde besonders aus die Tatsache hingewiesen, daß die hessischen Wünsch« auf Beteiligung an den Mitteln des sogenannten Grenzfonds nach den Beschlüssen des Reichstags und ReichS- rats nicht erfüllt worden sind. Wieweit hierfür .ein Ausgleich gefunden werden kann, wird sich auS den weiteren Verhandlungen, die in Berlin zu führen sind, ergeben.

Die Verfassungsreform.

Die -ludichußdittung der Länderkonscrenz

Berlin, 4. Mai. (WTB.) Amtlich, heute vormittag trat im Pfeilersoal des Reichskanzter- hauscs der im Januar von der Länderkonferen; be­schlossene Ausschuß für Verfassung»- und verwallungsresorm zu seiner ersten Sitzung zusammen. Den Vorsitz führte infolge Be­hinderung des auf Erholungsurlaub befindlichen Reichskanzler» Dr. Marx fein Stellvertreter, Rcichsjustizminifter hergt. An der Sitzung nahmen die neun von der Reichsregierung berufe­nen Mitglieder teil, nämlich: Die Rclchsminister Dr. o. fteubell, Dr. Köhler, Dr. Curllu» und Dr. SchäheI, Rcichsminister a. D. Hamm, die Universttätsprofessoren Geheimräte Dr. Anschütz und Dr. 11 i c p e I, Unterstaatssekretär a. D. Rusch und Reichstagsabgeordneter Dr. Brüning sowie die nenn Ländervertreter, Ministerialdirektor Dr. Brecht (Preußen), Ministerpräsident Dr. Held (Bayern), Ministerialdirektor Dr. p o e h s ch - h e s s- 1er (Sachsen), Staatsminifler Bolz (Württem­berg), Gesandter h o n o I d (Baden), Staatsminister Dr. Leutheußer (Thüringen), Staatspräsident Adelung (Hessen), Bürgermeister Dr. Peter- s e n (Hamburg) und Ministerpräsident Deist (An­halt). Staatsminister a. D. Reichssparkommifsar Saemisch nahm als Generalsachverständiger an der Sitzung teil. Rach kurzen Regrühungsworten erstattete der Reichsminister de» Innern, Dr. von ft c u ö e II, ein Sachreferat über das Arbeit»- Programm, an das sich eine Aussprache an- schloh. Abschließend stellte der Ausschuß al» zunächst zu behandelnde Probleme folgende fest:

1. die Frage de» Verhältnisse» von Reich zu Can­tern, insbesondere ter Ausgaben- und Z u - ständigkeitsoerteitung-,

2. die Frage der Heineren und der leistungs­schwachen Länder und ter territorialen Flurbereinigung:

3. die sich unbeschadet von Ziffer ein» und zwei ergebenden allgemeinen Fragen ter Verwal­tungsreform.

Zu Ziffer eins und zwei betraute ter Au»fchnß ten Reichsminister des Innern, den Reichsminister

ter Finanzen, Ministerialdirektor Dr. Brecht (Preu­ßen), Ministerpräsident Dr. Held (Bayern), Ministe­rialdirektor Dr. Poetzsch-Heff'.er (Sachsen) und ten Reichsminister a. D. Hamm mit ter Ausgabe, mit möglichster Beschleunigung, spätestens bis Ende Juni 1928 durch Sammlung von Material und auf andere geeignet erscheinende Meise di »kussion »- reise Unterlagen für die nächste Sitzung des Ausschusses zusammenzustellen.

Zn Ziffer drei beauftragte ter Ausschuß den Reichsminister der Finanzen, Ministerialdirektor Dr. Brecht (Preußen), Staatsminifler Dr. Stütze! (Bayern), Staatsminister Dr. Apelt (Sachsen), Staatspräsident Bazille (Württemberg) und Staats­präsident Adelung (Hessen), in Verbindung mit dem Reichsfparkommissar, Staatsm.nlstcr a. D. Saemisch, mit der entsprechenden Aufgabe. Für beide Aufgaben werden die Reichsregierung und die Länderregierungen die Mitarbeit ihrer zuständigen Behörden zur Verfügung stellen.

Wie in politischen Kreisen verlautet, hatte die Reichsregierung den Ausschuß für Verfassungs­und Verwaltungsresorm jetzt noch einberufen um die Arbeiten nicht in den He ro sr y i n ein zu verzögern, sondern die Zwische.rz.'it bis zur Bildung einer neuen Regierung für die

daß die ersten Monate dieses Jahres der Reichs­bahn schon eine solche Steigerung der Ein- nahmen gebracht hat, daß allein mit dem Mehrertrag dieser wenigen Monate ein beträcht­licher Teil ter Mehrbelastung für diese- Jahr gebedt wäre Unter diesen Umständen ist man der Ansicht, daß auch die Kohlenpreis- erhöhung. nachdem schon die Erhöhung ter Löhne und Gehälter im Reichsbahnetat untergebracht ist, keine neue Wirtfchastsiage und damit keine Rechtfertigung der Preiserhöhung ge- bracht hat.

Oie Kandidaten der Wirischastspariei.

Berlin. 4. Mai. (TU.) Auf ter Reichs- liste der Wirtschaftspartei sind u. a. folgende Kandidaten ausgestellt: Hermann Drewitz, Bäclenneister, Parteivorsi^enter, Berlin: Victor Bredt, Universitä's^ro'essor. Marburg: Emil K ö st e r, Präsident des Deutschen GastwirtSver- bandes, Altona: Dr. 2 ö rissen, Führer des rheinischen Haus- und Grundbesitzes, Köln: Fritz Borrmann. Generaldirektor der Edeka, Ber­lin: Jakob M o l l a t h, Gewerbetreibender, Mit­glied der Topezierinnung, Berlin: O. Strauß, Präsident des Verbandes der Gast- und Schank­wirte, Berlin: Petz old, Drogist, Vorsitzender des Deutschen Drogisten-Deroandrs, Berlin:

Wahlkampf iiüb Gießener Anzeiger

Oie Werbearbeit der Parteien für die Reichslagswahl im Verbreitungsgebiet des Gießener Anzeigers Hal eingesetzt. 3m Anzeigenteil ist bereits zu einer Reihe von Wählewersammlungen eingeladen worden. 3e näher der 20. Mal heranrückt, um so eindringlicher werden alte und neue Parteien und Gruppen (Einfluß aus die Wählerschaff zu gewinnen suchen und auch in der Tagespreise ein Wittel sehen zur Herausstellung ihrer seitherigen Leistungen und ihrer Absichten für die Zukunst. Ohne Kamps in Wort und Schrift wird es nicht abgehen.

Welche Stellung hat nun der Gießener Anzeiger einzunehmen, und wie kann er seine Pflichten als großes Heimatblatt erfüllen gegenüber feinen Lesern, die sich aus Angehörigen aller Parteien in ziemlich gleichem Ausmaße zusammensetzen?

Der Gießener Anzeiger hat als überparteiliche, unabhängige Tageszeitung ein« zutreten für einen sachlich und in guter Form geführten Wahlkampf unter Aus­schaltung aller Bestrebungen, die die vorherrschende Zersplitterung im politischen Leben verstärken könnten.

Der Gießener Anzeiger hat seine Leserschaft zu unterrichten über die politischen Ziele der pafteien im Wahlkamps durch Veröffentlichung des wesentlichen Zn- haltes der Wahlprogramme aller zentralen Parteileitungen.

Der Gießener Anzeiger hat seine Leser auf dem Laufenden zu halten über die örtlichen Wahlversammlungen durch unbeeinflußte Berichterstattung, sowie über die Äußerungen hervorragender politischer Persönlichkeiten.

Oer Gießener Anzeiger hat alles zu vermelden, was trennend auf die Volks« genoffen einwirken und das Parteileben noch mehr zerklüsten könnte.

Oer Gießener Anzeiger hat sich demgemäß auch in seinem Anzeigenteil zu be­schränken aus die sachliche Ankündigung von Wahlversammlungen und sonstige Bekanntgaben der Parteien und Vereinigungen, die lediglich der Unterrichtung über jdrtlichkeit und Zeit dienen.

Oer Gießener Anzeiger hat trotz wiftschaftlicher Nachteile Anzeigen und Flug­blätter abzulehnen, die sich irgendwie mit anderen Parteien oder den Bestrebungen der eigenen auseinandersehen. Auf diese Weise soll der Leserschast des Gießener Anzeigers ebenso gedient werden wie den Parteien und politischen Vereinigungen. Verlag und Redaktion des Gießener Anzeigers

fachlichen Arbeiten bz8 Ausschusses aus- nützen zu können. Von I.tteresi« ist aus drn heutigen Verhandlungen, daß der Reichs­kanzler darauf verzichtet hat, in poli­tischen Fragen durch seine Stimme den Aus­schlag zu g:ben. 2IuWertem wurde vereinbart, daß auch ter Stellvertreter des Reichs­kanzlers ständiy an den Sitzungen teilnehmen kann, ebenso bie Stellvertreter anderer Mini­ster, um es ihne 1 zu ermögiich.'n, dag sie ständig üter die Fortschritte der Untersuchungen im Bilde sind. Es wird übrigens betont, dasi «3 sich um ein Gremium von Persönlichkeiten handelt, so daß also di« Stellungnahme eines Ministers in diesem Ausschuß keineswegs für sein Resiort bindend ist. Auf der anderen Seite bedeutet aber die Entsendung von Ministern in die hrute neu gebildeten Unlergremien keineswegs, daß nach ter Reub ldu.ig der Regierung nach ten Wahlen dieselben Herren weiter in dieser Funktion bleiben. Vielmehr werten dann ihre Rachsolger aus der neuen Regierung die Ausgabe übernehmen. Wenn in dem amt­lichen Bericht über die heutige Sitzung gesagt wird, daß die Länder die Mitarbeit ihrer Be­hörden zur Verfügung stellen we.drn, so hat das den Sinn, daß auf diese Weise auch die kleineren Länder bei den weiteren Ar­beiten beteiligt werden sollen, so daß alle wichtigen und wertvollen Kräfte auSgenutzt werden.

Das Reichskabinett gegen eine Erhöhung der Bahntarife

Berlin. 5. Mai. Wie wir erfahren, ist in der letzten Kabinettssihung im Zusammenhang mit der Frage ter Kohlen Preiserhöhung anscheinend auch die Stellungnahme des Reichs- verkehrsministers zu den Wünschen ter Reichs­bahn auf Tari'erhöhung gestrebt worden. ES ist wohl mit Bestimmtheit zu erwarten, daß noch dieses Kabinett vor ten Wahlen über ten Tarif - erhöhungSantrag ter Reichsbahn eine Ent­scheidung fällen wird, in der ter Antrag ter Reichsbahn von feilen teS ReichsverkehrS- minifteri eine Ablehnung erfahren dürfte. Auch die Erhöhung ter Kohlenpreise scheint nach Ansicht ter zuständigen Stellen der Regie­rung kein Grund zur Rechtfertigung ter Eisenbahnpreiserböhung zu sein, da man nur eine Mehrbelastung von rund zehn Millionen Mark für ten Haus Hali der Reichsbahn berechnet hat. Dazu kommt noch.

Siegfried. 2. Präsident des Reichsverbandes Deutscher Lichlllitt.heatcrbcsi.er, Berlin: S ch ü- michen, 2. Dor Ulender des ZentralverbandeS Deutscher Hausbejiyervereine, Dresden: Frau Weber, Schneiderobermcisterin, Zever-Olten- burg, Drednow, Vorsitzender des Verban­des deutscher Fleischergesellen. Berlin.

Die Liste für ten Preußischen Land- tag beginnt mit den Namen: Ladendorff. Führer des preußischen Äausbesihes, Berlin: Drewitz, Bäckermeister und Parteioorsitzem-er, Berlin: Dannenberg, <,andelsgärtner und Vorstandsmitglied des Verbandes ter Blumen­geschäftsinhaber und Handelsgärtner Deutsch­lands. Berlin: Perschke, Vorsitzender des Reichsverbandes der Lebensmittelhändler. Ber­lin: C 0 I 0 s s e r. Maurermeister und Architekt, Vorstandsmitglied des deutschen Handwerkerbun­des, Berlin: Dr. Rhode, Rechtsanwalt, Frank­furt a. M.

Für den 33 Wahlkreis (Hessen-Darm­stadt) ist folgende Kandidaten-Liste auigestellt: Dr. Werner Rhode, Rechtsanwalt und Rotar, Frankfurt a. M: Adolf Schmidt, Ä auf mann, Gießen: Zoh. Friedr. R a g e l, Bauunternehmer. Offenbach: 3. D. M e r t e s, Architekt, Wei­senau-Mainz: Chr. Steuernagel, Maurer­meister, Dad-Rauheim: Oswald Meißner, Buchdruckereibe-itzer. Reu-Zsinburg: Karl Geh­res, Schuhmachermeister, Mainz: Willy Ul­rich. Kaufmann, Friedberg: Heinz Quil­lt n g. Steuerberater und Buchsachverständiger, Bieber (Kr. Offenbach): Karl Schäfer, Bild­hauer. Langen (Hessen).

Oie ,3fatia' am Rande des Eismeers

Vadso«, 4. Mai. (WB.) Die ,3ta!ia- [an­te te heute vormittag 9,10 Hfcr in Vadso« am Barangcr Fjord. 6ic toucte zuerst Über den Varanger Bergen gesichtet. Si? kam sehr schnell näher und kreuzte zweimal so niedrig über ter Stadt, daß eS aussah, als ob sie landen wolle. Sie ging dann aber wieder höher und nahm Kurs auf den hohen Ankermast. Um 9,10 Uhr ließ sie einen Teil tes Gases auZströmen. war dann Ballast ab und machte unmittelbar darau am Ankermast fest. 3n ter Stadt, wo alles auf ten Beinen ist. wehen zur Begrüßung ter Lu»»schiller d e Flaggen. Da die W tterung-ver- hältnisfe zw schen Vadfoe und Sp tzbergen nicht günstig sind und ei in Green Harbour schneit, wird ter Aufenthalt ter .Italia" hier

sich über einen längeren Zeitraum alS berechnet erstrecken. Vielleicht wird cs sich um einige Tage hanteln. Abgesehen von tem letzten Teil ter Fahrt, wo eS schneite und ziemlich stürmte, hatte die .Italia" aus ter Reise gutes Wetter.

Tleues Attentat aus einen Gowjetemiffär in Warschau. Ein russischer Emigrant schießt aus den

Handeisdclcgicrlcn der Sowjetunion

Warschau, 4. Mai. (TU.) heute nachmittag ist auf den Leiter der sowjetrussischen handel»delega- lion in Warschau, Lizarew, von einem russi­schen Emigranten ein Revolveranschtag verübt worden. Lizarew erhielt einen Slrriischuh an der Hand und Schwellungen am ftop e infolge der lllassplitler. Lizarew begab sich in demselben Auto ofort zum Arzt. Der Anschlag erfolgte in dem Augenblick, als Lizarew in einem os.cnen Auto im Zentrum der Stadt die um diese Zett recht belebte Martzalkowska-Strahe^ kreuzte. Al» das Auto in eine Seitengasse einbog, irttt der Täter an den wagen heran und gab au» nächster Rähe zwei Reootoerschüsse ab. Rach Berichten von Augenzeugen sank Lizarew hinten über und blieb kurze Zeil bewußtlos. Dem Lhauf- cur, der sofort da» Auto anhiell, gelang e» jedoch, ihn bald wieder zum Bewußtsein zu bringen, woraus das Auto in rascher Fahrt In die In der Nähe gelegene Sowjetgesandtschatt fuhr. Nach einer Mitteilung ter Sowictgesandschast soll Lizarew edoch nicht durch die Schüsie, sondern nur durch Gta»sptitter verletzt worden sein. Sofort nach dem Attentat begaben sich Vertreter de» pol- Nischen Außenministerium» In die sowjetrussische Gesandischa t und sprachen namens ter polnischen Regierung ihr Bedauern über da» Attentat au«. Gleichzeitig versicherten sie, daß die polnischen Be­hörden eine strenge Untersuchung vornehmen und )en Täter mit der ganzen Strenge te» Straf- Gesetzes bestrafen würden. Der Attentäter ist der Mannle Führer ter russischen Emigrantenbewe- gung in polen, Wojcik lyowvti, ein Brütet de» Herausgeber» der fcmigrantenagenlur Ruß- Dreß. Bei seiner Bernehmung wurde festaestelli. daß er au» ftiero ohne Erlaubnis nach polen ge­kommen ist und sich in polen ohne patz aufge­hallen Hal. Er erklärte, daß er da» Attentat elbständig vorbereitet habe, ohne sich mit irgend semand in Derh'nbung zu sttzen und dah seine Tat einen Protest gegen d I e Sowjet- Herrschaft in Ruhland bilden sollte.

Brandkatastrophe an der holländisch-deutschen Grenze.

Dor einigen Tagen ist in den Veit aus­gedehnt n Mooren der osthollandllchen Provinz D r e n t h e em Brand auSgebrochen, der all­mählich infolge ter parfen winde eine autzer- ordentliche Ausdehnung annahm. Ter Brand entstand augenscheinlich in dem bei der Ort­schaft Borger gelegenen Moor und breitete sich von dort au» schnell auf die angrenzenden Moore au», so datz zur Zeit ein große» Gebiet, da» ungefähr zwischen den Städten Assen und Emmen und dem an die Provinz Groningen und die dcutsche Grcnee anstoßenden Teile der Provinz Drenlhe liegt, in Mitleidenschaft gezogen ist. Bach den letzten au» ten betroffenen Gebieten vorliegenden Bachrichlcn haben die Brände den Eharakter einet Katastrophe angenommen. An verschiedenen Stellen ausgetretene Wirbelwinde haben die Brandherde schnell nach allen Bichlungen auvge- dehnt. Line ganze Anzahl von vrlschaslcn Ist von den Flammen umringt, und zahlreiche Häuser sind vom Feuer ergriffen worden. Am schlimmsten ist die Lage in den Ortschaften Pla- jienaoeen und Lmmcnersscheiterveen, wo zahl­reiche Häuser in Jlammen stehen. D'e Lage läßt sich jeöodi noch nicht übersehen, weil die Ortschaften in dichte Rauchwolken einge- hüllt sind- In ten Kanälen wurden zahlreiche Schiffe, die von tem Feuer bedroht wurden, unter Wasser gesetzt. Der Minister de» Innern hat sich In die Provinz Drenlhe begeben.

Die In der Umgebung der Stadl Emmen wü­tenden Moorbrände haben heule nachmittag eine solche hefligkeit angenommen, daß nunmehr etwa 1 0 0 0 Häuser vom Feuer bedroht sind. Die über der Stadl lagernden Rauchwolken sind so dicht, daß man sich In eine Sonnenslnster- n I» versetzt denken könnte. Die Bevölkerung hak ihre Wohnungen auf einer rn hrere Kilometer lan­gen Strecke verkästen. Fünf Arbeiter, die in tem brennenden Moor arbeiteten, werden ver­mißt. Infolge der starken Rauchenlwickiung ist e» unmöglich, Nachforschungen nach ihnen anzustcllen. Bei der großen Ausdehnung te» Brande» sind Löschverfuche so gut wie ausstchtclo«. Man erwartet, datz ter Brand erst bei Windstille oder bei Ein­tritt von Regenwetter bezwungen werden kann.

Oer sozialdemokratische Wahlvorschlag.

Berlin. 4. Mai. (Wolll.) $i« aus Mit­gliedern des Part.'ivorstanLeS und des Partei- ausschusses ter Sozialdemokratischen Partei zu­sammengesetzte Kommistion hat für bie Wahlen »um Reichstag den Reichswahlvorschlag ausge­stellt. An den ersten Stellen stehen Hermann Müller-Franken, Otto Wels, Arthur E r i f p i c n . Rudolf Hilferbi na. 3m Wahl­vorschlag der Sozialdemokratischen Partei für den preußischen Landtag stehen an der Spitze Otto Braun, Karl S e v e r i n g , Albert G r z e finfIL

Aus aller Wett.

Die Weltkonferenz der Pfadfinder.

vom 6. bis 18. Mai wird in Budapest und in Parad die Welttagung der Pfadfinder ftattfmben. Das Oberhaupt der Pfadfinder, der englische Gene­ral Sir Robert Baden-Powel ist au» 5B.cn in Begleitung oon Pfadfinderinnen in Buda­pest eingetroffen. An ter Tagung werden Pfad­finder aus Südafrika, den Bereinigten Staaten von Amerika, Oesterreich, Belgien, der Tschechoslowakei, Dänemark, Aegypten, Frankreich, Indien, Irland, Kanada, Jugoslawien, Litauen, Luxemburg, China. Deutschland, Norwegen und Palästina, ten- nehmen.

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