Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffeu)
Nr 23{ vriites Blatt
Donnerstag 4- Oktober (928
Die deutsche Luftfahrt.
3m gegenwärtigen Augenblick, wo das neue deutsche Luftschiff, der „Graf Zeppelin" durch die Luft kreuzt, und Zeugnis von deutschem Erfindergeist und von der Spitzenleistung deutscher Technik ablegt, wird das Interesse naturnot- toenZ>ifl auch aus die Fragen der gesamten deutschen Luftfahrt gelenkt und es ist in diesem Zusammenhänge interessant, einmal prinzipiell die Entwicklung und den gegenwärtigen Stand der deutschen Luftfahrt zu beleuchten. Wieviel Flugzeuge und Motoren besitzt Deutschland und wer liefert sie? Auf diese Fragen gibt eine Zusammenstellung des Deichsverkchrsministe- riums erschöpfende Antwort. Am 1. Februar d. 3. belief sich die Gesamtzahl der in Deutschland amtlich zugelassenen Flugzeuge auf 475, die Zahl der in die Flugzeuge eingebauten Motoren 554. Die Zulassungsnummern für Flugzeuge laufen von 1—1315, von denen aber nur der dritte Teil von Flugzeugen besetzt sind. 3n der Liste der Flugzeughalter steht dre Deutsche Luft-Hansa mit 145 Flugzeugen an der Spitze. Die regionalen Gesellschaften der Luft-Hansa besitzen zusammen 21, die Bayerische Derkehrsflug-G.m.b.H. 4 Flugzeuge, so daß der deutsche Luftverkehr mit 170 Flugzeugen, 35 v. H. aller zugelassenen Flugzeuge, innehat An zweiter Stelle steht die Deutsche Verkehrsfliegerschule mit 76 Flugzeugen. Es folgen die Deutsche Versuchsanstalt mit 44, die Deutsche L u f t f a h r t - G. m. b. H. mit 20, S « v « ra mit 18, die Junkerswerke mit 14, die Raab-Katzenstein-Werke mit 12, der Aero-Expreß, die Stadt Leipzig, die Alb atrosflugzeug werke, die S p o r t f r u g - G. m. b. H. und die Stadt Würzburg mit je 6. Von Flugzeughaltern, di« nicht Luftfahrtunternehmungen sind, steht der Zirkus Sarrasani mit 5 Flugzeugen vor dem Ullstein-Verlag mit 3 Flugzeugen. Der bayerische Staat besitzt als einzige deutsche Landesregieruna 2 Flugzeuge. Unter den privaten Flugzeughaltern sind alle möglichen Firmen und Kaufleute vertreten. Als Frugzeugfirmen sind gegenwärtig in Deutschland neben den Äunkerswerken, die den Hauptanteil an der deutschen Produktion mit 51 Prozent haben, die Heinckel-Werke, Raab- Kahenstein, die Bayerischen Flugzeugwerke, Albatros Daimler, Fokker und Focke-Wolf tätig. Die Motoren bauen in der größten Lieber- zahl die Bayerischen Motorenwerke, aber auch Junkers, Siemens, Daimler, Daimler-Benz und Stöwer sind für den Flugmotorenbau tätig. Alle Firmen, die für die deutsche Luftfahrt tätig sind, liefern Spitzenleistungen und sie haben sich damit einen internationalen Ruf für die gesamte Luftfahrt geschaffen.
Reben dieser hervorragenden deutschen Luftfahrtindustrie nehmen aber auch die Deutschen bei den Fluglei st ungen einen weiten Raum ein. Das trifft ganz besonders für die Zeit nach dem Kriege zu, iv der sich die Deutschen im Wettfliegen und Aufstellung von Rekorden trotz aller Luftfahrtbeschränkungen hervorgetan haben, wenn auch gerade während des Krieges hervorragende Einzelleistungen deutscher Flieger, di« sich an di« Rainen Doelcke, Jmmelmann, Richthofen und viele ander« knüpfen, erzielt werden. So ist gerade im jetzigen Augenblick die im Oktober 1924 stattgefundene Ozeanüber- queruno des Zeppelins „Z R III“ von Deutschland nach Amerika wichtig, die in der ganzen Welt größte Bewunderung erregte. 3m 3 ah re 1926 führte dann di« Deutsche Lust-Hansa vom 24. 3uni bis 26. September einen S t recken- f i u g Berlin — Peking — Berlin aus, um damit die Grundlage für einen regelmäßigen Ostastenluftvertehr zu schaffen. Die deutsche Luftfahrt hat seit ihrem Bestehen das Hauptgewicht auf di« Ausgestaltung eines Luftverkehrs gelegt, und so liegen gerade auf diesem Gebiet
Zagd auf Gegenwart.
Von Or. $. Baas, i.
Das moderne Zeitungswesen hat eine seelische Dominant«, die es von aller Publizistik der Ver» gangercheit scharf unterscheidet.
Diese Dominante heißt „3agd auf Gegenwart".
Die charakteristischen Merkmale der modernen Tageszeitung werden am treffendsten dadurch gekennzeichnet, daß wir ihr Verhältnis zur Zeit ins Auge fassen. Früher, als die periodisch« Spanne zwischen dem Erscheinen der einzelnen Zeitungen noch ziemlich groß war, umfaßten frte Zeitungsartikel darsteltend und betrachtend einen viel größeren Zeitraum als heute. 3hr« Gegenwärtigkeit war mehr eine Verbindung von Vergangenem und Zukünftigem. Darum war damals di« Schreibweise der Zeitungsaufsätze mehr verbindend und reflektierend, tendierte viel mehr als heute der Erkenntnis überzeitlicher Wahrheiten zu. Das Geschehen lieferte einige Tatsachen als Material: der Journalist zeichnete unter Verwendung dieser lückenhaften Berichte, die bestenfalls nur eine Skizze lieferten, das Geschehen nach. Psychologisch-bildlich gesprochen hatte also die Presse in den hinter uns liegenden Zeiten di« Funktion reflektierenden Rachdenkens: des Rachdenkens im wörtlichen Sinne der Bedeutung: denn über was man „nach"denkt, das ist bereits vorüber und die gezogenen Folgerungen erstrecken sich bereits auf die Zukunft.
Ein anderes Bild äus der Psychologie gebrauchend, könnte man dagegen ein« modern« Zeitung mit dem unmittelbaren Bewußtsein vergleichen Wie unsere Sinneswerkzeuge dem Bewußtsein di« Wahrnehmung vermitteln, so läßt uns die Zeitung Geschehnisse, die weit jenseits der räumlichen Peripherie unserer Sinne liegen, bewußt werden. Sie verstärkt gleichsam die Fähigkeiten unseres Ohrs und Auges, läßt unsere Rerven di« Erde umspannen, dringt weiter mit Teleskopen in unendliche Räum«, projiziert alles, was früher der Mensch nur in der Form der Erzählung von Vergangenem erfuhr, in die immer gewaltiger anschwellend« Sphäre der Gleichzeitigkeit.
II.
Der Kosmos des Weltgeschehens, früher von Denkern auf Grund zurückliegender Ereignisse ausgedacht, wird mehr und mehr gefühlte Wirklichkeit. In dieser Richtung liegt di« eigentliche Kulturaufgabe der heutigen Presse.
ihre besonderen Verdienste. Auch der Flug Hauptmann Koehls nach Amerika, sowie der Langstreckenrekord Risticzs und Zimmermanns im Juli d. 3. sind, vom deutschen Lustverkehrsgedanken aus betrachtet, Pionierarbeit für den Luftverkehr. Mit dem Bau und den geglückten Versuchen des neuen deutschen Luftschiffs beginnt für die deutsche Luftfahrt nunmehr «ine neue Etappe, nämlich die Verwirklichung der verkehrsmäßigen Ausnutzung von Langstreckenflügen.
Verkehrsnachrichten.
Der neue Ivinlerfahrplan.
Der 7. Oktober ist in diesem Jahr für das reisende Publikum von doppelter Bedeutung, beim er bringt gleichzeitig mit dem Beginn der Winterfahrpläne das 3nkrafttreten der neuen Fahrpreisfestsetzungen und das Zwei-Klassen- System. Soweit es sich bisher übersehen läßt, zeigt der neue Fahrplan, abgesehen von den beiden grundsätzlichen A«nderungen, große Abweichungen, die das Fahrplanzahlenbild der neuen Kursbücher stark verändern. Trotz dieser Umstellungen, die naturgemäß zu ihrer Berücksichtigung ein« gewisse Zeit erfordern, werden sämtliche Storm-Kursbücher rechtee itig erscheinen und bei den zahlreichen Verkaufsstellen ausliegen. Der Verlag teilt uns mit, daß die große Storm-Ausgabe für das gesamte Reichsgebiet (5 Mark) durch Beigabe zahlreicher UebersichtSkarten innerhalb der Fernverbindungen mit tabellarischen Angaben über Fahr- und Dettkarlenpreife und Schlafwagen ergänzt worden ist. Di« praktische Reuerung wird dem Be
nutzer die Möglichkeit geben, die gewünschte Fern- verbindung nicht nur im Fahrplanzahlenbild, sondern auch in der übersichllichen, rascher orientierenden graphischen Darstellung zu sehen. Für unser Drrkehrsgebtet kommt neben der großen Ausgabe fürs Reich noch die kleine und billigere Teilausgabe für West- und Süddeutschland in Frag«, die 2 Mark kostet.
Alle europäischen Staaten sind in den großen Kursbuchausgaben Hendschels Telegraph und Hendschel 3nternational mit ihren Eisenbahnfahrplänen vertreten. Man kann also mit einer Hendschel-Ausgabe nicht nur ganz Deutschland, sondern das gesamte europäische Ausland und sogar andere Erdteile bereisen. Auf rund 1500 Seiten sind in Hendschels Telegraph (6 Mark) etwa 6000 Fahrpläne untergebracht. Die kleinere Ausgabe Hendschel International (3.50 Mark), enthält nur trie durchgehenden deutschen Verbindungen, dagegen das gesamte Ausland in der gleichen Reichhaltigkeit wie Hend- schels Telegraph.
Die dritte der deutschen großen Ausgaben mit internationalem Verkehr ist das Lloyd-Kursbuch. Es bringt die wichtigen deutschen Verbindungen und alle die Rachbarländer berührenden Expreß-, Schnell- und Eilzuge. Wer sich über di« großen Verkehrszusammenhänge orientieren will und auf ein überraschend leicht zu lesendes Kursbuch Wert legt, dem wird „Lloyo" di« besten Dienste leisten: der Preis beträgt 5 Mark. — Der Winterfahrplan beginnt am 7. Oktober. Rechtzeitig vor diesem Termin werden, wie uns der Verlag mitteilt, die drei Kursbücher erscheinen und bei den bisherigen Verkaufsstellen ausliegen.
Die Jagd im Oktober.
„Und könnt' es Herbst im ganzen Jahr« bleiben, das wär' es, was mein Herz begehrt", heißt es in einem schönen, vielgesungenen Jägerlied. Im bunten Herbstkleid prangt der Wald und erfreut das schönheitsdurstige Auge des Weidmanns, der fein Revier durchstreift und sich freut, die Früchte seiner Hege ernten zu können. Denn die meisten Wildarten haben Schußzeit.
Die Brunst des Rotwildes, die im September begann, dauert an, um gegen Ende des Monats abzuflauen. In kalten Herostnächten dünkt der Schrei des edlen Hirsches dem Weidmannsohr liebliche Musik. Im Laufe der Brunft kommt der starke Hirsch rasch ab, so daß der folgende Abschuß vor allem schlecht veranlagten oder kümmernden Stücken gelten sollte. Hinzu kommt der Kahlwildabschuß, der in Preußen ab 16. Oktober, in Hessen schon bei Monätsbeginn möglich ist. Auch er sollte wie der Hirschabschuß unter dem Gesichtspunkt überlegter Auslese erfolgen, wobei starke Tiere und Kälber unbedingt zu schonen sind. Salzlecken und Fütterungen sind in Ordnung zu bringen. Das Wild beginnt, sich zu verfärben.
Gegen Ende des Monats tritt das Damwild in die Brunft.
Das Schwarzwild tritt auf die Kartoffelfelder aus, findet aber vor allem im Wald an Eicheln und Bucheckern reiche Mast und ist feist.
Besondere Beachtung verdient bei unseren heimischen Jagdverhältnissen die Jagd des Rehwildes. Rach dem Sa)onzeitkal«nder beginnt in Hessen mit dem 16. Oktober die Jagd auf weibliches Rehwild. Es ist allerdings mit der Möglichkeit zu rechnen, daß auch in diesem Jahre eine Schußzeit- verkürzung eintritt wie vor zwei Jahren, da leider im vorigen Jahre die Erwartungen, die man an die Einsicht der Revierinhaber knüpfte, vielfach enttäuscht wurden. Während es vor wenigen Jahren in unseren Gegenden noch fast allgemein üblich war, den Abschuß auf Treibjagden vorzunehmen, hat die Erkenntnis der Schäden dieses Jagdbetriebes dazu geführt, daß zahlreiche gute Jäger ihn weder
auf ihren eigenen Jagden gestatten, noch sich als Gäste auf anderen Jagden daran beteiligen. Gerade die Hebung der Rehwildbestände ist das Hauptziel der in den letzten Jahren entstandenen Heaerinae, und diesem Bestreben läuft ein Treib- jagdabschuß geradezu entgegen. Ein Abschuß von weiblichem Rehwild muß genau so erfolgen wie ein Bockabschuß, aber er soll planmäßig erfolgen. Das ift bei dem Treibjagdabschuß, wo Bock, Altreh, Schmalreh und Kitz wahllos zur Strecke kommen, nicht möglich. Häufig werden dabei gerade die stärksten Stücke beschossen und damit die wertvollsten Stücke des Bestandes gestreckt oder zu Schan- oen geschossen. In Hesien, wo der Kitzabschuß allgemein erlaubt ist, ist die beste Gelegenheit gegeben, durch Abschuß von weiblichen oder schwachen Kitzen den notwendigen Abschuß vorzunehmen, wozu noch Schmalrehe oder Geltricken (ein schwieriges Kapitel!) kommen können, während die Grundlage des Bestandes, die führende alte Ricke, erhalten bleiben muß. Ebenso gewährt der Abschuß des Bockes erst Freude, wenn er als abschußreif erkannt auf dem Höhepunkt seines Lebens im roten Rock die Kugel erhält, anstatt als Kitzbock oder Spießer die Strecke einer Treibjagd zu „zieren". Allerdings erfordert der Abschuß des weiblichen Wildes mit der Kugel mehr Zeit und stellt auch an den Jäger sonst höhere Ansprüche, als wenn Schützen höchst verschiedener Qualität auf einer großen Treibjagd auf unser lieblichstes Wild losgelassen werden. Aber wirtschaftlich ist der Treibjaadabschuß so verkehrt und widerläuft fo sehr der Absicht, unsere Wildstände als einen wertvollen Teil unseres Bolksvermögens zu erhalten und pfleglich zu verwalten, und bringt fernerhin bei unsicheren Schützen so viel Qualen für das Wild mit sich, daß er immer wieder bekämpft werden muß, wie es Braunschweig, Thüringen unb Sachsen schon durch die Gesetzgebung getan haben.
Der Dachs ift feist und richtet sich für den Winter ein. Man sollte in allen Reh- und Rotwild- revieren in ihm einen Feind der Rachenbremse bzw. ihrer Larve sehen und daher den Bundes-
Das toiti) so oft übersetz rn, wenn man vo-n der „Weltmacht der Presse" spricht und darunter die Presse als meinungsbildenden Faktor ver- stetzt. Meinungsbildung und Beeinflussung bedeuten jener großen Aufgabe gegenüber eine Verengung. Gewiß ist diese Verengung nicht nur berechtigt, sondern sogar unumgänglich notwendig. Sie ist im Interesse des menschlichen Wollens und Handelns: als handelnd« Wesen vermögen wir eben nicht den ganzen Kosmos auf einmal zu umfassen, sondern wir stehen da und dort in begrenzten Räumen und Verhältnissen. Doch darf die Zeitung nicht in dieser Frage verharren und über dem agi-ta torischen Moment ihr« allgemeine und darum wichtigere Ausgabe übersehen: Erweiterung des Gegenwartsbewuht- seins. Von dieser Wirkung, die den Menschen der Deschrärcktheit seines Gesichtskreises enthebt. Vorurteile und starre gedanklich« Einstellungen zerschlägt, hängt letzten Endes die im allgemein menschlichen Sinn« kulturelle Beudeutung der Presse ab.
Der Mensch wird sachlicher durch die Zeitung. — Sachlichkeit, das heißt nicht etwa, toi« postume Romantiker immer behaupten, Begeisterungsunfähigkeit und Kälte, sondtzrn es bedeutet, daß an di« Stell« des rein 3ndividuellen der schicksalhafte Rhythmus des Weltgeschehens tritt, der (nicht weniger lebendig als der vom einzelnen erdachte Kosmos) frei ist von der Unehrlich* feit des Selbstgeformten und von der natur- fernen Brutalität gedanklicher Konstruktion.
3n diesem Sinne verstanden heißt sachlicher werden: sich von den Ambitionen eingebildeter göttlicher Autorität freimachen, bescheidener, menschlicher werden.
III.
Die moderne Zeitung ist das Rervensystem, welches di« Vorgänge draußen dem Bewußtsein vermittelt. Dieses Rervensystem wird dann seiner Funktion am vollkommensten gerecht, wenn es möglichst rasch und zuverlässig arbeitet. Wenn die Ereignisse das Gehirn erreichen, dürfen sie nicht schon der Vergangenheit angehören.
Richt Rekordwut und Konkurrenzkampf gebieten dem Schnelltelegrarchen morgen rascher als heute zu arbeiten, dem Redakteur die Schnelligkeit und Konzen trationsfahigkeit seines Gehirns ständig zu steigern, der Drucktrommel ihre Hm» drehungszahl zu beschleunigen: sondern die 3dee der modernen Zeitung selbst will es so, die 3dee, Geschehnisse der Vergangenheit zu Gegenwärtigem umzuschaffen.
Ein phantastischer Schriftsteller schrieb einmal von einer Zeitmaschine, die es ermöglicht, vor
3ahrtausenden von der Erde ausgesandte Lichtstrahlen einzuholen und zurückzuleiten, di« Ereignisse von damals wieder sichtbar zu machen. Di« moderne Tageszeitung und ihre technische Ginrichtrmg hat ettvas von der Phantastik dieser Zeitmafchine an sich. Gehirn«, Telegraphen, Maschinen stürzen sich aus die Gegenwart, sie zu fassen, «he sie Vergangenheit wurde. 3mrn«t kleiner wird die Spanne Zeit, die zwischen dem Ereignis und dem gedruckten Berichte liegt.
Do ist di« Grenz« des Erreichbaren? —
Di« phantastische Möglichkeit reizt zu immer neuen Rekorden in Rachrichtenübermittlung, geistiger Spannkraft und Drucktechnik, und die mo-> berne Zeitung erfüllt von Tag zu Tag vollkommener ihre Funktion als Rervensystem im Dienste des GegenwartsbewuhtsLins.
Das tollste Zlugerlebnis.
Der heutige Luftverkehr verläuft bereits in so Sordneten Bahnen, daß sen ationelle Ereignis e um noch vorkommen. Der Mensch reist heute im Flugzeug mit derselben Selbstverständlichkeit wie in der Eiseirbahn. Aber der Sport- und der Kunstflug btetet noch immer d:r aufregenden Abenteuer genug. An eine Anzahl bekannter Flieger unb Fliegerinnen hat sich „Scherls Magazin" mit der Frag« nach ihrem „tollsten Flugerlebniö" gewendet und veröffentlicht die Antworten im neuesten Heft. Einige Flieger, wie Ernst pl d e t oder Gerhard F i e s e l e r, öertoeiten auf di« Anforderungen der Kriegsjahre, in denen das Ungeheuerlichste geleistet werden mußte und geleistet wurde. Der Flugkapitän Willi Polte, der seit 10 Fahren als Verkehrsf.reger tätig ist, greift eine Fahrt aus dem Jahre 1920 zur Leipziger Frühjahrsmesse heraus, bei der er vier feuchtfröhliche Passagiere hatte, die sich in der Luft mit Kognak einen schweren Rausch an» tränten und dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch den Piloten in eine furchtbare Situation brachten. Lola Schröter-Dorsscou, die schon 60 Fallschirmab prünge glücklich vollendet hat, geriet bei einem dieser Absprünge in große Gefahr. Es war bei einem äld:t Flugtag, als sie aus einer Höh« von 500 Meter herabsprang. „3ch falle ein, zwei Sekunden," schreibt sie. „Doch was ist das? Der Fall wird immer schneller, die Luft pfeift mir um die Ohren. Ich sehe nach oben und erkenne das Flugzeug, es ist schon so weit, und — mein Schirm ist nicht aufgegangen. 3LH erkannte ich meine Lag«: Ich sauste kopfüber unheimlich schnell nach unten.
genossen im Kamps gegen diese Plagegeister unseres Schalenwildes schonend behandeln.
Der Fuchs steht im Haarwechsel wie alles Raubzeug. Dann ist auch für ihn die ruhige Zeit vorbei und freudig legt ihn der glückliche Schütze neben Hav und Schnepfe zur Strecke der Treibjagd.
Am 1. Oktober begann auch des Hasen Leidenszeit wieder. Der Termin ist reichlich früh. Es werden bei früh einsetzendem Abschuß gerade in diesem Jahr noch häufig kleine Halen zur Strecke kommen. Zu früher Hasenabschuß ist durchaus unwirtschaftlich, da der Hase noch an Gewicht zunimmt und auch der Balg noch unterwertig ist. Es sollte daher zunächst beim Küchenhasen bleiben, bis dann in der zweiten Hälfte des Monats die Wald- treibjggden beginnen. Die Ernte der Hackfrüchte, die Herbstbestellung der Felder hat ihn in den Wald getrieben, oder er hat sich im Feld an Rainen, in Hecken usw. seine Sasse angelegt.
Enten liegen auf Teichen und Gräben. Je nach der Entwicklung der Witterung im Norden ist auch schon mit dem Zu.zug fremder Enten au rechnen.
Der Zug der Waldschnepfe ist hn Gang. Hat man einen ruhigen, kurz suchenden Hund, so kann die Suchjagd zum Erfolg führen. Bei gutem Wetter liegt sie gern im niederen Laubholz, wäh- renb sie sonst Nadelholz bevorzugt.
Schließlich hat auch der Fasan Schußzeite Freuen wir uns, daß wir wieder häufiaer den schönen Vogel, der für eine Hoge jo dankbar ist, antreffen, und strebe jeder danach, ihn an fein Revier zu fesseln, anstatt ihn möglichst rasch in den Rucksack zu befördern. Dann werden wir auch bald wieder überall alljährlich einen gewissen Fasanen- abschuß betätigen können. Hennen sollten grundsätzlich geschont werden.
Der Oktober ist wichtig zur Vorbereitung der Win- terhege. Kastanien und Eicheln sind zu sammeln oder aufzukaufen. Aus Dreschmaschinenabfall bereitet man jetzt schon Futterplätze für Fasanen und Hühner unter Hecken vor, damit sie rasch ausreichend beschüttet werden können, wenn der Winter mit seiner Not über Nacht seinen Einzug hält. Fasanenschüttungen sind jetzt schon regelmäßig zu versehen, um den leicht auswandernden Vogel ans Revier zu ketten.
Schließlich fei noch angesichts der beginnenden Gesellschaftsjagden darauf hingewiesen, daß es' Pflicht jedes Schützen ist, sich im eigenen wie im Interesse seiner Angehörigen und auch aus Rücksicht auf Bestände und andere Gäste ausreichend gegen Jagdhaftpflicht zu versichern. Jede Jagdvereinigung vermittelt sie zu so niedrigen Prämiensätzen, daß diese Ausgabe neben anderen, mit der Jagd verbundenen faum ins Gewicht fällt. Hubertus.
Zweiter Tag des Goziallehrganges in Friedberg.
WER. Friedberg, 3. Oft Die gestrigen Beratungen des Soziallehrgangs des Svang. Wohlfahrcks- und Jugenddienstes im Kreise Friedberg wurden durch eine Andacht von Dekan Vogel eingeleitet. Der Vorsitzende, Pfarrer Weber, dankte dem ersten Referenten des Tages, Regierungsrat Grein vom Kreisamt Friedberg, für die Uebernahme des Referats „5>ie Aufgaben der öffentlichen Fürsorge und ihr« praktische Durchführung". Der Redner sprach in klaren und sachkundigen Ausführungen über die Materie, schilderte Entstehung, praktische Durchführung und gesetzliche Regelung der öffentlichen Fürsorge. Er unterscheidet drei Hauptgruppen: Wirtschasts-, Er- ziehungs- und Gesundheitsfürsorge, über die er eingehende Ausführungen machte. Der Referent erhofft eine weitere segensreiche Zusammenarbeit zwischen staatlicher rrnd kirchlicher Fürsorgetätigkeit 3n der Nachmittagssitzung hielt Direktor R ö r i ch t - Darmstadt ein Referat über „Die Aufgaben der evangelischen freien Liebestätigkeit und ihre praktische Durchführung". 3it ausgezeichneten Ausführungen gab er zunächst einen geschichtlichen Ueberblick über die Entstehung der Jirneren Misten, den Umfang ihres
Die Fachleute unten sahen mich schon zerschmettert am Erdboden liegen. Blitzschnell, halb gefühlsmäßig, überlegte ich jeden Handariff (hierbei kam mir meine gründlich« Ausbildung in der Fallschirmhandhabung zugute), spürte, tote ein Ctoffzipfel des Schirmes neben meinem Ohr flatterte, griff nach dem Rückensack und packte mit einem kräftigen Ruck den Stoff: der ztoeite Griff war viel leichter — und der Schirm kam aus der Hülle heraus, blähte sich im Handumdrehen auf und riß mich mit einem starken Ruck, der mir bald die Besinnung nahm, zurück, knapp hundert Meter über dem Erdboden. Als der Schirm auf war, lugte ich sofort, wo ich mich befand, und entdeckte zu meiner sehr geringen Freud«, daß ich über der Fahrleitung der Eisenbahn trieb, direkt auf eine Fabrikanlage mit vielen Blitzableitern zu. Da ich keine Lust hatte, mich aufspießen zu lassen, schwang ich mich nach Leibeskräiten vorwärts und kam zwar nicht auf das Fabri.dach, aber immerhin wenig sanft herunter — in einen Schutthaufen voller Glasscherben." Oberst von Abercron berichtet von einem Ballonaufstieg im Jahre 1908 mit dem 2000 Kubikmeter fassenden Ballon „Düsseldorf 2". bei dem eine neue Erfindung, der sog. Gassack, ausprobiert werden sollte. Sein Miifahrer war ein Husarenteuinant. Plöblich entdeckte er, daß der Gassack sich nicht füllte, und bei dem Versuch, den Schaden zu reparieren, platzte der Ballon in 2000 Meter Höhe durch den starken: Üeberdruck. „Run galt es." schreibt der Oberst, „mit der großen Stof fläch« des Ballons eine Fallschirmuiriung durch di« Verlang amung des sofort einfetzenden starken Falls zu erzielen. Der Ballon zog sich immer mehr in die Lange. Ich kletterte sofort auf den Korerand und durchschnitt die Reiß-, Venlll- und Füllansatzleinen. Wir hatten bald die höchst« Fallgeschwindigkeit erreicht. Sämtliche Sandsäcke wurden abgeschnitten, der ganze Proviant, Mäntel, Decken usw. flogen über Bord. Endlich legten sich die flatternden Stosfetzen der Ballonhülle nach oben in das Retz: di« Fallschirmwiriung war erreicht, unsere Rettung. Eine Verlangsamung des Falles war spürbar. Bis auf die Instrumente und den Photoapparat war alles geopserl worden. Wir hatten gerade noch Zeit, auf den Korbrand zu steigen, uns in den Korbring zu hängen und mit einem Klimmzug die Deine bis an die Brust zu ziehen. Dann erfolgte der harte Aufprall. Die ganze Stvfffläch« stürzte auf uns. Keiner war verletzt. Zum Glück fielen wir auf einen Sturzackev und nicht in einen Ort“


