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Nr.23l Zweites Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 4. Oktober 1928
Uraufführung in Darmstadt.
des mit) der
leben keine Freude und auf der Bühne schauderhaft.
Ebenso bekannt ift das Mädchen vom Lande, Weicht durch unglückliche Zwischenfälle in die Großstadt verschlagen wird. Auch sie hat Hosen an, und was für welche. (Dies könnte, schamhaft verschwiegen werden, wenn es nicht ein so wesentlicher Bestandteil des Erfolges wäre.)
Man hat es ferner erlebt, daß einer auf der Bühne tobsüchtig wurde: man muß es abermals mit ansehen, wie der Arme unter die kalte Brause geschleppt wird und vom Polizeirevier zurückgewankt kommt. Es wird einem nichts geschenkt. Aber auch nichts.
Goll hatte die Regie und das unbestreitbare Verdienst, daß wenigstens in den ersten beiden Alten Schlag auf Schlag und hinterem- anderweg gespielt wurde. Der dritte zog sich, offenbar ungestrichen, arg in die Länge, bis der Aktschluß mit Ach und Krach unter Dach und «zach gebracht war. (Die Autoren haben sich vermutlich zuletzt in ihrem entfesselten Theater selbst nicht mehr zurechtgesunden.)
Goll spielte auch den Buchhalter Haselhuhn aus Merseburg, welcher nach Berlin berufen wird, um eine drohende Pleite abzuwenden, und dem statt dessen das mit dem Anfall, mit der Llnter- hose, der Brause und der Polizei zustößt (siehe osten!), — er war in seinem Element und hatte seinen Erfolg. Aber er sollte doch wieder einmal in einer wirklichen, anständigen, guten Rolle herausgestellt werden:- in einer komischen, versteht sich, denn das ist sein Fach, aber in einer komischen, die man ernst nehmen kann.
Jngeborg Scherer war das Pomeränzchen aus Ostpreußen, bewältigte den schwierigen Dialekt mit löblicher Fertigkeit und hatte sich auch entsprechend aus getakelt. — Maria Koch ist viel zu sein für die aufgekratzte Revuediva mit dem Feigenblatt und dem Apfel, aber sie spielte munter drauflos und holte heraus, was zu holen
Hochschulnachrichien.
— Aus Anlaß der 100-Jahr-Feier des »Hamburger Framdcnblatbes" ist vom Hamburgischen Llniversitätssenat dem Verleger Kurt Brosche! und dem Derlagsdirektor Mast W i e h n e r die neugeschaffene Ehrenmünze der Universität verliehen worden.
Kunst und Wissenschaft.
Tagung
des Reichst erbandes Deutscher Tonkünstler.
3n Darmstadt wurde am Dienstag die Jubiläums tagung des Reichsverbandes Deutscher Tonkünstler und Musiklehrer im LandeSmuseum eröffnet. Der Ehrenvorsitzende, Generalmusikdirektor Prof. Max v. Schilling gab in seiner Ansprache einen kurzen Lieberblick übet Entwicklung und Ziel des Verbandes. Die Festrede hielt Prof. Dr. Arnold Schering (Berlin), der über die Geschichte des Verbandes sprach. Der Vorsitzende, Arnold Ebel, begrüßte die Teilnehmer sowie die Vertreter des Reichs, der Länder und der Staatsund Kommunalbehörden, die dann ihrerseits die Glückwünsche zur Jubiläums tagt ng aussprachem Der hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft, Korell, überbrachte die Grütze der hessischen Regierung und wies in seinen Darlegungen auf den Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Kunst hin. Ramens der Stadtverwaltung begrüßte Bürgermeister Müller die Gäste. Dem Glückwunsch zur Jubiläumstagung fügte er die Mitteilung hinzu, daß die Stadt Darmstadt den prominentesten Mitgliedern des Verbandes die Preismünze in Silber verliehen habe, eine Anerkennung, die vor einigen Jahren geschaffen worden sei, um Höchstleistungen auf ideellem Gebiete zu belohnen. Die Feier war umrahmt von musikalischen Darbietungen.
Im Rahmen der Iubiläumstagung „Reichsverbandes der deutschen Tonkünstler Mufiillhrer" fand die Uraufführung dreiattigen heiteren Oper »Die schwarze Kammer" von Ernst R 0 t e r s statt. Dem matten Textbuch, das auf der Bühne fast nichts geschehen läßt, hilft die Musik nicht so recht auf die Beine: Roters steht allzusehr unter dem Einfluß seiner Vorgänger: Puccini ist der Vater der Melodik, soweit diese nicht in bedenkliche Rähe der Operettenbanalität gerät, Richard Strauß der Berater der harmonischen Gestaltung und Franz Schrecket der unverkennbare Pate Der allerdings gekonnten Instrumentation. Dieses Stillonglomerat wirkt denn auch entsprechend uneinheitlich. Was aber an dem Werk versöhmlich stimmt, und was für Roters cin- nimmt, das ist die Hoffnung, die er erweckt: wird er einmal selbständig im Denken geworden sein, wird er einmal aus den Regionen des billigen Operettenmelodiechens zum geschliffenen Edelstein der Volks tümlichen Lustspielmelodie emporgestiegen fein, dann wird Roters sehr wohl in der Lage sein, uns das wirkliche Musiklustspiel zu schenken. Der nur sehr zögernd einsetzende Beifall dürfte als Hauptgrund die mangelhaften Dühnenqualitäten des Librettos haben, Henn die auf hohem Gesamtniveau stehende Wiedergabe hätte sicher viel stärkeren Applaus verdient.
Stellen leichter mit hervorragenden Persönlichkeiten beseht werden: wir wissen doch, wie schwer es. ost ist, in kleinen Ländern dafür wirkliche Größen zu finden: aber gerade von ihnen geht immer eine starke Wirkung auf die gesamte Rechtspflege aus. Welcher Ansporn wird es auch für energische wertvolle Raturen, aus dem engen Kreis hinauszustreben. Es ist kein Zweifel, daß in der Reichsjustiz die oft recht engen Bindungen, Heinen ileberliefetungen und Eigenarten, die sich in der Rechtspflege eines kleinen Kreises geltend machen, viel eher überwunden werden. Auch in Der Strafverfolgung und Strafbemessung können Dann erst einheitliche Gesichtspunkte maßgebend werden.
Gewiß sind das alles zum Teil noch starke, empfindungsmäßige Erwägungen. Sicher ist vieles in der Frage erst im Anfang der Heber- legung. Das merkte man auch stark in der Beratung des Salzburger Iuristentages über die Frage. Aber die Frage ist einmal aufgeworfen und wird nicht mehr sterben. Cs wird mit ihr gehen wie mit vielen anderen: zuerst wird die Forderung laut abgelehnt: plötzlich wird ihr nicht nut kein Hemmnis mehr entgegengestellt, sondern fiie wird fast als selbstverständlich bejaht. Es darf doch zu denken geben, daß hervorragende Richter des Reichsgerichts, die die Dinge von höherer Warte zu sehen pflegen, tote der Berichterstatter am Iuristentag, SenatSpräsident Reichert, die Frage rückhaltslos bejahen und den Sah sprechen: „Ein Reich, ein Recht, ein Richter!"
Reisebnes aus Island
Von Or. Hellmut Loh, Gießen.
Auf Islands Vogel-Inseln.
Daendas Köliun Sept. 28.
Hoch oben, im äußersten Rordwesten des Sagenlandes Thule, waren wir am späten Sommerabend mit einem modernen _ Verkehrsmittel, nämlich einem „Auto", nach mühsamer, zerrüttender Fahrt über Stock und Stein, durch Bäche und Flüsse, über Reitpfade und wegelose Berg- wiesen angekommen und hakten int- kleinen Handelsplätze am inselteichrn Fjord wirklich noch ein Plätzchen im „Gestihüs", d. h. Hotel, ausfindig gemacht. Mit Windeseile hatte sich unser Plan tm Städtchen verbreitet, daß wir die vogelreichen Inseln im Fjord besuchen wollten, und während des frugalen Abendessens aus Lachs- und Forellengerichten aller Art, die Fjord und nachbarliche _ Sützwässer überhaupt aufbringen konnten, begrüßte uns schon der amtierende, hilfsbereite Distriktsarzt, um uns noch eine angenehme, freundlich beratende Abend- unterhaltung in deutscher Muttersprache zu ermöglichen.
Arn nächsten Morgen erschien in aller Frühe, noch bevor wir Kaffee getrunken hatten, die hohe Geistlichkeit der Stadt, in würdevollem langen Rock, gestreiften Beinkleidern und dem in Island unbedingt Respekt gebietenden, harten Hut, um mir und meinem lieben Freund und Begleiter zu unserer angenehmen Ueberraschung ihr Segelboot für den Inselbesuch zur Verfügung zu stellen. Dankbar nahmen wir an und nachdem wir gemeinsam den Kaffee eingenommen hatten, lieh es sich Sjera Sigurdur nicht nehmen, in hoher Amtstracht das Boot flott und startbereit zu machen. Durch diese segensreiche Handlung eingeführt, konnten wir schon wagen, in unbekannte Gewässer des Eismeeres hinaus zu segeln und die von Land angewiesene vogel- reichste Insel zunächst anzusteuern.
Ie weiter wir aber hinaus kamen, umso beängstigender entwickelte sich der Seegang. Wir waren uns einig, daß eine Segelpartie in der Rordsee keineswegs mit einer solchen in den Polarmeeren verglichen werden darf, noch viel weniger mit einer Sonntags-Spritzfahrt auf den Havel-Seen bei Berlin. Die mächtigen Wogen -schlugen immer wilder gegen unsere Bootswände, der Segelmast ächzte, daß wir uns fragten, ob wir wirklich bei dieser Brandung an den senkrechten Felsen der Dogelinseln, die von Ferne drohten, anlegen könnten. Schließlich erreichten wir, nach eifriger, in der frischen Morgenbrise erwärmender Arbeit die Westseite der Felseninsel, wo wir eine Heine Schotterbank zwischen
Eine wesentliche Verbilligung wird die Iustizeinheit kaum bedeuten: immerhin wird doch manche Landesinstan; wegfallen und durch eine rationellere Verteilung Der Gerichte und Be- amten allerhand gespart werden. Dieser heute gern hervorgehobene Gesichtspunkt dars nicht Den Ausschlag geben; bei ihm mutz auch beachtet werden, datz die Reichsjustiz eine völlig neue Verteilung der Finanzen zwischen Reich und Ländern bedingt. Eine wesentliche Verringerung der Iustizpersonen soll niemand erwarten.
Ob die R e ch t s s p r e ch u n g besser wird ver- mag niemand zu sagen; sie kann es auch bei Den heutigen Einrichtungen werden. Iedoch kann sie jedenfalls großzügiger werden. Denn ein Reichsrichtertum kann und wird von weiteren Gedanken getragen sein, als das Beamtentum kleinerer Staaten. Man muß nur wissen, wie eng oft Der Gedankenkreis vieler Länder- beamten ist. Aber hier seht nun gerade die Gegnerschaft entschieden ein; sie verlangt ein „bodenständiges" Richtertum. Das tut sie mit vollem Recht: ein Mecklenburger könnte in Oberbaden als Richter geradezu verhängnisvoll wirken. Aber wer denkt an solche Uebertreibungen! Jedenfalls müssen sie vermieden und muh ihnen vorgebaut werden. Aehn- liche Schwierigkeiten bestehen übrigens heute schon in mehreren Ländern. Ebenso braucht hier eine im Reich nirgendwo beliebte Berlinerei nicht befürwortet zu werden. Dagegen ermöglicht die Reichseinheit am leichtesten das lange erstrebte .einheitliche Richterdifzipl in ar- recht; sie macht es möglich, daß die höheren
Die Ltebernahme der Justiz aus das Reich.
Von Geh. Zustizrai Or. W. Mittermaier, o.£i ofeffor derVechte an derUmversitätGießen.
Es gibt Fragen, die scheinbar plötzlich aus Dem RichtS auftauchen, während sie in Wahrheit lange vorbereitet sind und in untrennbarer natürlicher Verbindung mit den allgemeinen Verhältnissen stehen. So ist es mit Der Frage, ob es zu wünschen oder gar notwendig ist, dah das Reich die Iustiz übernimmt, daß also Die Richter vorn Reich angestellt werden und im Ramen des Reiches rechtsprechen. Jeder bemerkt sofort, daß es sich hier um Abbau der Lände r f 0 u d e r ä n i t ä t handelt, daß diese lieber- nähme der bisher wohl bedeutendste Schritt zur ilnitarifierung wäre. So ist also die ^rage eine eminent politische. Daneben taucht die Frage der Finanzen auf: ist eine reine Reichsjustiz billiger und wirtschaftlicher? Of.enbar toirD das Problem heute vielfach gerade unter diesem Gesichtswinkel betrachtet. Aber nicht weniger wichtig ist doch auch die Frage, ob nut diesem Schritt die Rechtsprechung verbessert werde. Man sieht, die Frage ist eine unendlich schwere, und daher ist eines sicher: ihre Lösung wird nicht von heute auf morgen erfolgen; soll sie gut sein — und das muß jeder verlangen! —, Dann beDarf sie sorgsamster Heberlegung.
Vor allem muh beachtet werden, dah bei der Frage die Verwaltungsgerichtsbar- leit außer Betracht bleibt, soweit die Verwaltung Landessache ift Dann muh wohl überlegt werden wieweit das Reich auch d. e freiwillige Gerichtsbarkeit rnft übernehmen soll insbesondere das Notariat. Im wesentlichen handelt es sich doch um die streitige Gerichtsbarkeit in Zivil- und Strafsachen. Run muh daran erinnert werden dah schon vor 55 Jahren die damalige Reichsregierung die Justiz selbst übernehmen wollte aber sofort dem lebhaftesten Widerspruch der Länder begegnete. Und heute? Die Frage ist noch zu neu, um geklärt zu sein: wie die Stimmung im Volk, in den Parteien, in den Länderregierungen ist, ist schwer zu sagen, besonders bevor die Tragweite der Regelung deutlich geworden ist; auf dem Iuristentag in Salzburg, wo die Meinungen recht scharf auf» einanderstießen, wurde die Uebernahrne auf das Reich im Verhältnis von 3.2 bejaht, immerhin ein beachtenswertes Ergebnis!
Vorläufig geben wohl die politischen Erwägungen den Ausschlag; das zeigt Die ganze bisherige Erörterung und ebenso die Behandlung auf dem Salzburger Iuristentag: hie Zentralismus, hie Föderalismus mit alt ihren Beweisgründen. Und ich meine, auch der Anhänger des Einheitsstaates muß zugLben, daß eineallzu- schrofse Durchführung der Vereinheitlichung die größten Bedenken hätte und das Zutrauen ut die Rechtsprechung bei vielen Volksgenossen nicht stärken würde. Denn mit der Rechtsprechung verbinden sich 31a viele Empfindungen alter Välereinrichtungen. Andererseits muß doch bemerkt werden, dah eine Reichsjustiz äußerlich kaum anders als alte Länderjustiz aussehen wtrd. Aber kaum bedeutet die Reichssinanzverwallung einen so tiefen Eingriff in die Ländersouveränität wie Die Reichsjustiz. Wir erinnern uns, daß auf dem Weg Der Gerichtsbarkeit im Mittelalter viele Staaten geschaffen wurden.
Sicher ist, daß die Reuerung weitgehend in unsere Reichsvrrfassung eingreift, die von Dem Grundsatz der Ländergustiz ausgeht; aber das wäre dir geringste Sorge. Doch wäre schon in diesem Punkt eine Ueberstürzung vom Liebel. Allmähliche Vorbereitung kann und wird vieles erleichtern, so die Llebemahme der Justiz eines Landes (Mecklenburg!) aufs Reich, die Freizügigkeit der Richter, Justizbeamten (Staatsanwälte!), Rechtsanwälte, ja schon dir bisher noch ganz fehlende Einheitlichkeit der Justizprüfungen, die Verwischung der Landes- qreruen in der Gerichtszuständigkeit. Der Vorschlag vorerst einmal nur die Richter vom Reich anstellen zu lassen, wurde vom Iuristentag verworfen. Dgtz in dieser Frage das Verh 511 - nis zu Deutsch-Oesterreich eure große Aolle spielt, ist sicher: wenn auch die Deutschösterreicher sich kaum vor einer deutschen Reichs- rustiz fürchten, scheint mir eine Justizeinheit zwischen den zwei Bruderstaaten auf lange Zeit undenkbar. _______________
einen zauberhaft schönen Ausblick über den Fjord mit den unzähligen großen und kleinen Felseninseln. Wir halten unser Picknick hoch oben auf der Grasterrasse des steil aufstrebenden Dogelberges, um den die Wogen schäumen und spritzen, Den so zahllose Flugkünstler mit vielfältigem Stimmengewirr umkreisen, dessen Lebewelt uns äußerst interessante Erlebnisse und Beobachtungen ermöglicht. Ein ewiges Kommen und Gehen rings um uns, überall ein Leben voller Freude und Sorge. Da fliegen und eilen Seepapageien davon und stürzen mit raschem Flügelschlag hinunter in Die schaumgekrönten Wogen, au 3 denen schon wieder viele andere, nicht minder eilig, herauf schwirren und mit einem Fischlein im krummen Schnabel flink in Die Höhlen in unserer unmittelbaren Rähe hineinschlüpfen, um ihren hungri ^en Psleg- ling zu laben. Dort auf Den Felssocke in unterhalten sich Dutzende von Mantelmöven, um ganz plötzlich wieder hinab in die Fluten zu stürzen und ihren Pflichten der Fischerei nachzugehen. Aus einem einzelnen Rifs, dicht neben Der Insel, stehen zwei prächtige Raubmöven und schauen mißvergnügt dem Treiben ihrer Verwandten zu, während eine Drutkolonie K 0 r - morane (Phalacrocorax carbo L.) wie Soldaten in einer Reihe ausgerüstet auf ihrem Hvrst- selsen ohne Unterbrechung ihr merkwürdiges Fächeln mit den Flügeln zeigen. Rings um Die Inseln schwingen in behendem Fluge die schneeweißen, gabelschwänzigen Seeschwalben, unermüdlich ihr „kriäh" rufend und plötzlich den mit mächtigen Flügelschlägen und leisem „göd, gbd“ sich nähernden Kolkraben mit toütenDenStimmen und im Verein mit allen anderen Besiedlern des Eilandes aus dem Bereich ihrer Brutstätten zu vertreiben. Rur gaiu vereinzelt ober paarweise zieht die herrliche Elfenbeinmöve (Pagophila ebumca Phipps) in größerem Abstand um unseren Standplatz hemm und streicht schließlich wieder nach den benachbarten, ungestörten Felsllippen im Fjord, um von dort aus neue Beutezüge zu planen. In großes Erstaunen versetzte uns ein isländischer Jagdfalke (Hiero- falco gyrfalco islandus Brünn.), Der unvermittelt auf Der weit im Fjord gelegenen Insel erschien, sich einen Jungvvgel holte und so schnell er gekommen, auch wieder verschwand. Ich hatte den tu Island so selten gewordenen und nun geschützten Hiervsalco auf meinem halbjährigen Aufenthalt nur wenige Male auf ganz einsamen, hochgelegenen Heiden zu Gesicht bekommen und hier erschien er so unerwartet und in allernächster Rähe auf der Dogelinsel, mitten im regen Fjordverkehr. Interessant war Die Beobachtung, daß nicht einer Der vielen tausend Vögel auf dem Fe.sen irgendein Schreckenszeichen beobachten ließ, auch feiner^i Veränderung war in Den vielen Stimmen zu vernehmen, wie Dies bei dem Erscheinen Des Kolkraben Der Fall gewesen war. Sicherlich kannten sie ihn hier gar nicht, er mochte wohl nur zufällig auf seinem Beutezug über Den Kord geraten sein.
Lange lagen wir auf dem Grasplateau im warmen Sonnenschein und beobachteten all Das viel- geschäftige ßeben um uns und unter uns. Die lieblichen Papageitaucher hatten durch ihre eifrige Tätigkeit der Futtersuche und ihre niedlichen Figuren vor den Hohlen im Grase unser besonderes Jntevesse erweckt, so datz wir uns mit einigen, unter Sorgfalt gelungenen Photographien von Den bekümmerten Alten, nicht begnügten, sonDern auch ihre tn den tiefen Erdlöchern versteckten Jungen kennenlernen wollten. Aber Die Röhren in dem Torfboden waren ziemlich tief, alle Versuche, einen Heinen Vogel mit Der Hand herauszuholen, schlugen fehl. Sie hatten vielfach eine Länge von eineinhalb bis zwei Meter. Schließlich beobachteten wir einen vom Meere zurückkommenden „P r e st u r 0 d e v L u n d i", wie ihn Die Isländer wegen ferner würdigen, pfarr- herrlichen Haltung nennen, bis er tn einer Rachbarhöhle verschwand, und versuchten, eventuell mit Hilfe des Vaters auch den Sohn zu erhalten. Da uns ja Die von Den Isländern sonst zum Fang gebrauchten Fanggeräte — Schaufel und Stock mit einem Fanghaken an der Spitze — fehlten. Ich versuchte kurzerhand, mit Dem ganzen Ann in Der Höhle, Den alten Herrn „Prestuck herauszuziehen, aber schon hatte er sich so fest in meinen! Zeigefinger verbissen, Daß ich, schmerzhaft gerührt, wieder herausfuhr. Lind siehe da, Herr „Prestur" hing so fest an meiner Hand, daß er ebenso schnell mit herauskam und nun wirklich in unserer Gewalt war. Hinter ihm hatte sich Der junge Vogel ent Stück dem Aus gang feiner Burg genähert, so daß ich ihn nun mit Der anderen Hand auch er-
Gießener Gtadttheater.
Arnold undBach: „UnterGeschaftsaufficht".
Am zweiten Abend des Winterprogramms ereignete sich ein Schwank, an den Haaren herbev gelogen und breitgetreten von Arnold und Bach, welche seit vielen Jahren m Schwanken machen. Dieser hier ist in Berlin wie glaubhaft versichert wird, zweihundertundfunfzigmal gesprelt worden. Den Schauspielern, welche dazu ver- donnert sind, an zwechundertundfunfzig Abenden diesen ... Text zu sprechen. Wird kern redlrch Denkender sein aufrichtiges Mttsefu^vorentha^ ten können. Aber jeDeö Publlkum bekommt Die Schwänke, Die es verdient. Lind solange es sich solche Fabrckate gefallen laßt, ist natürlich Die Fivma Arnold und Dach weit davon entfernt, unter die Geschäftsaufsicht gestellt zu werden, Die ihr seit geraumer Zeit dringend not täte.
Es kann aus mancherlei Gründen nicht vom Referenten verlangt werden, dah er Den Inhalt erzähle. Es ist auch nicht nötig, Denn Schwanke sehen sich leiDer seit Llrgroßmutters Tagen so ähnlich wie ein faules Ei dem andern.
Es ist ja gesund und aus vielen Llrsachen zweckdienlich, wenn im Theater des öfteren recht bersliÄ gelacht wird. Aber man mutz sich den Kops Darüber zerbrechen, warum nur immer und immer wieder über dieselben alten, schlechten, geschmacklosen und unwahrscheinlichen Dinge gelacht werden soll und muß. mit denen man schon vor Zeiten keinen Hund hinterm Ofen hervorlocken konnte.
Man muh also bekümmert feststellen, dah die Krone des unterernährten Witzes Der beiDen Autoren — man malt sich schaudernd aus, was einer allein zustandegebracht hatte! noch immer Der Mann in Unterhosen ist. Wan kennt nun diesen Anblick zur Genüge. Er ist tm Privat-
Den senkrecht aus Dem Meer aufsteigenden Rissen entdeckten. Es gelang auch wirklich über Die hohen Wellenberge in Die kleine Bucht zu gelangen, wo wir uns und unser wertvolles Doot zunächst vor der tosenden Brandung zu beiden Seiten sicher wußten. Lind schon standen wir mitten in dem geschäftigen Treiben des 03ogelbe r g e 8, obwohl wir an dieser Stelle nach Der geblichen Kletterversuchen ohne alpine Ausrüstung bald einfehen mutzten, datz sich die Insel so nicht bezwingen lieh.
Rechts und links und auch an Der Rückwand der schmalen Bucht hängen zahllose Rester von Möven aller Art auf den Sockeln, den Vvr- fprüngen und in den Rischen der steilen Wände. Die Felsen sind weithin leuchtend übertüncht von Vogeldünger, injeder Spalte hängen Federn und Daunen aller Wasservrgelarlen und aus der kleinen Geröllbank kriechen und krabbeln unbeholfene Resthocker zwischen den Leichen ihrer Artgenossen davon. Rings um uns, über uns und auf dem Meere ist trotz Der vorgeschrittenen Jahreszeit noch so reges Leben, wie ich es zu Anfang der Brutperiode auf Den Inseln im Borgarfjord im Westlande und überall an Der Rordküste Islands beobachtet hatte. Eiderenten führen ihre behenden Jungen durch die schäumenden Wogen, dreizehige und Mantelmöven find geschäftig bei der Futtersuche und wo das Auge hinfchaut, tauchen und schwirren Die zierlichen Papageitaucher (Fratercula arc- tica glacialis St.) und kehren mit reicher Deute zu ihren Drutplätzen auf den vielen Inseln im Nord zurück. Eine vieltausendstimmige Musik ist hier ununterbrochen über den Wassern, so laut und urwüchsig, wie Die Der wilden Wogen mit ihrer tosenden Brandung an Den kahlen, steil empor- ragenDen Felsllippen.
Nachdem wir einige der herrlichen und seltenen Bilder mit Der Kamera festgehallen haben, müssen wir eine andere Stelle zum Aufstieg unter Dem Windschutz des Vogelberges suchen. Rudernd gelangen wir zur Südspitze, wo bald das Doot an einigen Bosaltvorsprüngen sicher festgelegt ist, dann gelingt auch der Aufstieg. Lind welches Leben hier oben! In der torfunterlegten Grasnarbe des oberen Felsplateaus sind tausende von Druthöhlen Der P a vageita uch e r, Die fast alle noch bewohnt sind. Die nieDlichen Burschen habe,: sich hier mit ihren starken Schnäbeln richtige Festungen in den Torfboden gegraben. Fast bei jedem Schritt gerät man in ein solches Eingangsloch, das etwa Die gleiche Größe wie eine Karnickelhöhle besitzt. Die liebe Sonne bricht sich langsam Dahn vertreibt Die über Rächt aufgezogenen Wolkenmassen und beleuchtet
war. — Auch Trude Heß, die sehr sauber Konversation machte, hätte erheblich besser in ein ordentliches Lustspiel gepaßt.
Aus Dem Ensemble seien noch K n u r, 03 a ft e, Gareis (Der leider stimmlich indisponiert war) und Luise Jüngling genannt.
Der Beifall flaute zuletzt stark ab. Dr. Tn.


