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Nr. 208 Erster Blati

178. Jahrgang

Dienstag, 4. September 1928

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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<Ibrtr»bqMt»ir Dr. Feiedr Wild Cenge. TcranttDortbd) für Polmb Dr Fr Wild Laude ftr Feuilleton Dr tz T-tzrrol. ftr ben übrigen Teil Ernst Slumfdjein; fir ben Sn* leigenteil And ßiDmann. sämtlich 'm ®ltfcfn

Bokanowskis Tod.

Wan wird den, auf fo ttafliM* ®ck der* unglüdten iranzöfrschen Handels Minister Bo - f a n o to ! 1 menschlich«» Mitgefühl nicht ver- lagen tonnen. Abgesehen von den Umstanden, unter denen er den lob fand, dar* man der Anerkennung Ausdruck geben, dah Vokanowski während feiner gesamten Amtszeit bestrebt ge­wesen ist. bk wirtschaft llchen Beziehungen -toi- scheu seinem Daterlande und Deutschland auf < ne gesunde Grundlage -u bringen und zu för­dern. Sreilid) hat «s sehr langer und fdbtoKtiflcr Verhand.unaen bedurft, um alle im Weg« fit* henden Hmdernifs« zu überwinden und zu einem Ergebnis zu gelangen mit dem im grasten und ganzen beide Teil« s«ither zufrieden gewesen f.nd. Denn eS fomll erreicht worden ift. dah 3um erstenma. innerhalb 60 Iahren ein aus ««genseitigleit beruhender Handels­vertrag »wischen Deutschland und Frankreich vereinbart werden konnte, so hat *Bof o n o to f! i ein unbestreitbare» Verdienst darum gehabt. Sr hatte sich gegen übermäßige Anforderungen seiner Land-ieute zu wehren, bi« uinner noch nicht begrissen hatten, dast die Zeit des französischen Diktats auch in wirtschaftlichen Fragen vorüber war. und dah nur auf dem Boden gegenseitiger Zugeständnisse und ehrlicher Verständigung vernünftige Beziehungen in Vie Wege geleitet werden konnten Gerade da- in diesem Auge.ibiick hervorzuheben. scheint uns Pflicht zu fein

Für Frankreich von ung'.eich gröfterer Bedeu- hing als der Deilusl eines verdienten Mannes sind jedvch die Umstände, die den Tod Bo- kanowftis bcrbeifle übrt haben. Die gesamte fran­zösische Presse von g in» rechts bi» ganz links ift sich einig in der schä'. Isten Verurteilung der ft^erhältniss«. die durch den tragischen Ünsall bei Tvul so unvermittelt und plötzlich inS grellste Licht g.-rückt worden sind. Dabei wird betont, dah Bokanowlki wohl nach ousten hin als der zuständige Minister für die Mihstände bis zu einem gewissen Grade verantwortlich gewesen ist. dast er sich aber sehr wohl der groben Reformbedürftigkeit dieses Teiles seines Ressorts voll bewußt war. Sr hat die Absicht gehabt und soll bestimmte Pläne in dein letzten Mmisterrat bei PoincarS in Samp'.g ch vorgelegt haben, eine gründli che Umgestaltung des französischen Flugwesens unter der einheitlichen Leitung eines neu zu schassen­den Lustministeriums herbeizusichren. Aus Vorhaltungen von verschiedenen Seiten bat er selbst erwidert, dah er nur einigr Monate Zeit brauche, um die von ihm g-planten Aesorrnen in die W.g zu leiten und dann seinem Rach'vl- A r als selbständigem Lu tminister ein gut durch- g. bildete- Flugwesen zu übergeben Sr hat Widerstände in seine, eig.'ien Umgebung ge­sundem die kein schönes Licht aus die französische Verwaltung überh mpt fallen lassen. Wenn man den bcilfl.-n An l igen der ganzen franiösischen Presse Glaulxm sch.nken will, dann hat g-rade im Flug^eugwesen ein Mast von Korruption und bureaukratischer Engherzigkeit gch-nscht, wie man es selbst in Frankreich wohl selten erlebt hat.

Ss ist zweifellos richtig, dast sich im französi- fchen Flugwesen in der letzten Zeit die Unfälle gehäuft dabei,. Ss sei an die verschiedenen verunglückten Versuche erinnert, den Ozean von Ost nach West zu überfliegen, die mehrere Men­schenleben gefordert dabei,, wobei man unwill­kürlich an die 07amen Soli und Nungesser denkt Ss erheben sich auch gerade jetzt gewich­tige Stimmen, die der Meinung Ausdruck geben, dast da» nach den, sranzöfischen Flieger 2 c.« t b a in benannt« Flugzeug, mit dem A m u n d - fen seine verhängnisvolle Fahrt zur Aussin- dung Mobile» angetreten hat. nicht so kon­struiert gewesen sei, wie man es hätte verlangen können jedenfalls wird der französischen Ver­waltung der Vorwurf gemacht, dast aus Grün­den der Korruption ganz bestimmte Fabri­ken und Tnpen bevorzugt worden lind, so dast der freien Entfaltung kein "Raum gelassen wurde. Mit Engherzigkeiten einer Vureaukratie hat man stets in aller Welt zu kämofen gehabt und wird man auch in aller Welt stets zu kämpfen haben. Aber es scheint doch, dah tn Frankreich nicht nur Engherzigkeit und Mangel an richtigem Blick, wie an Verantwortlichkeit»- fleiübl die Hauptschuld an den verhängnisvollen Zuständen tragen, sondern Sigennutz bestimmter Kreise und Persönlichkeiten. Vielleicht wird jetzt eine älntcrsuchung in Gang gebracht, durch die Skandale anS Tageslicht gezogen werden könnten, die man gerade in Frankreich am betten mit dem Wort Panama kennzeichnen dürste.

Von besonderem Interesse für im» wird es sein, die weitere Sntwicklung des AugwtienS in Frankreich nach bidem schweren Unglück zu verfolgen. Wenn die zivile Luftfahrt in Frank­reich in ihrer Entfaltung durch die erwähnten Umstände stark gehemmt worden ist. fo hat sich dafür bie militärische ganz anders ent­wickelt. Frankreich verfügt über Caftftrtitfräfte. die an Stärke die Caftrüftung anderer Länder weit überschreiten. Vielleicht Legt auch h er mit ein Grund für das scheinbare Set agen des zi­vilen Flugwesens, denn es liegt auf der Hand, dah die besten und fähigsten Flieger vom Heer in Anspruch genommen werden. Auch wir haben vor dem Kriege die Sr abrung gemacht, dah Heer und Marine d-r Wirtschatt und besonders der Technik wertvolle Kräfte entzogen. Dast da­bei einem Volk von -10 Millionen wie dem französischen angesichts der g-walttaen Rüstung.

Eröffnung der 9. Völkerbundsversammlung.

Vas Schauspiel des Aufmarsches der Delegatio­nen zur gestrigen Sröfsnung der Völker- bundsversammlung hatte, nach einem Be­richt aus Genf, auch dieses Jahr wieder «tn zahlreiches Publikum angelockl. das im Refvr- maiwnsfaal selbst mit Interesse die Degrüstung der einzelnen Delegationen untereinander beob­achtete Die deutsche Delegation erschien als ein« der ersten. Sie begab sich sofort an ihre Plätze, die sich gleich links direkt vor der Hebncr- tttbünc befinden. Staatssekretär v Schubert übernahm bie Vorst «klung von Reichskanzler Hermann Müller, der nach Ankunft der französischen Delegation Brian d aufsuchte und diesem sein Beileid anlähllch des Todes des fran- zösischen Handel sm in isterS Bokanowlli au-sprach. nachdem bereits am Sonntagabend Staatssekretär v. v ch u b c r t der französischen Delegation einen Beileidsbesuch abgestattet hatte ZahlreicheDe­legationen und Delegationsführer. darunter Lord Sushendun und der österreichische Bundes- fan^Ier Seipel, hielten sich für kurze Zeit an den Bänken der deutschen Delegatton zur Begrühung des Reichskanzlers auf. Auch an den Bänken der übrigen Delegationen entwickelte sich ein lebhaftes Händeschütteln Mit besonderer Freude wurden die Mitglieder der spanischen Delegatton und ihr Führer Ouinones de Leon begrübt, der im Herbst 1025 der Bundes­versammlung zum letzten Wale beiwohnte. Unter den 150 Hauptdelegierlen der diesjährigen Bun­desversammlung befinden sich fünf Minister- präfiden ten und 1 8 Außenminister.

Oie Eröffnungsrede.

® ent. 3 Sept. (WTB ) Die 9. Völker- bundsversammlung ift heute vormittag 10.45 älhr von dem finnischen Auhenminister P r o c o p e in feiner Eigenschaft als derzeitiger Rat-Präsident eröffnet worden In seiner breit angelegten, alle Arbeiten und Ausgaben des Völkerbundes aufzählenden SröfsnungSan- sprache würdigte P r o c o p e insbesondere die Tätigkeit des Völkerbundes im abgelaafcnm DölkerbundSjahr auf wirtschaftlichem Gebiet und die Arbeiten für

Sicherheit und Abrüstung, die er alS die beiden Zentralpunkte der Dölkerbnnbsaktion bezeichnete.

Für die Abrüstm,gsjrage sieht et nach dem Zu­standekommen des englisch-französischen Äompto- misses über die Seeabrüstung und nach der ilnter- ze.chnung deS Kellogg-Pak.eS eine ganz neue Aera voraus und glaubt, dah b:e Bundesver­sammlung unter glückl.chen Aulpiz.en ihreBe­ratungen beginnt Auch die 9 Bundesversamm­lung würde 6.eie FriedenSatleit sortsehei müssen, denn nach der Annahme diefer Grundsätze komm« nunmehr bie Derwirllichung. die sich nur durch pratttlche Mahnahmen erretten lasse. Rur durch dauernde Anstrengungen könne die intrrnat.onolle Zusammenarbeit und der Friede gewährleistet werden. Rach der Erwähnung des ilm(tanbc», dah als Folge der lln.ocrfalilät des Völker­bundes bie außereuropäischen S.aaten oft an der Lösung von jiagm ini.wirken können, die zu­nächst nur als europäische erscheinen, begrünte bei Redner den Sntschluh Spanien-, sein« Mitgliedschaft im Völlerbund betäube« halten, und gab dem Bedauern über da» Fern­bleiben einiger anderer Staaten Ausdruck, wie Argentinien. Peru und Bolivien, die, wie er hinzusügre, allerdings an den meisten Arbeiten des Völkerbundeö teilnehmen. Der Redner gab dann der Hoffnung Ausdruck, dah Eostarika und Brasilien sich zur baldigen Rücklehr m den Völkerbund entschließen, und er­innerte daran, dah verschiedene Richtmitglied-- ft aalen an Arbeiten des Völkerbundes ttilgenom- men haben, vor allen Dingen an die Vereinigten Staaten von Amerika, Sowjet ^Rußland und bie

Im zweiten Teil seiner Rede bcbanbclte Pro - cope die beiden groben Fragenkomplere. die im Mitttipunkte der Völkerbund arbeit stehen, nämlich die Arbeiten, die an die Weltwirt­schaftskonferenz anknüp'en. und die De- mühungen. durch internationale Mahnahmen jenes Gefühl der Sicherheit zu erzeugen, ohne das. wie er sagte, das Ideal des Völkerbundes nicht erreicht werden tömte. Auf beiden Ge­bieten c man sich vor allzu groher älngcbulb hüten. Die wirtschaftlichen Fragen, die in der

die es sich selbst auferlegt hat. in noch viel Oberem Grabe der Fall lein muh. liegt klar zutage. Vielleicht hat diele Er.'cnntn!» dem to'.en Minister Bolanowstt vorgeschwedt al» er den Gedanken fatzte. daS gesamt? Luftfabrwe'en. da­militärische wie da» zivile, unter einem Haupt zusammenzufaffen um einen Ausgleich herbei* zuftchren. Iedeniall» bür te nunmehr das fran­zösische Zlugwe'en an einem Wendepunkt an­gel angt fein.

llm dieRachfolgeDokanowskiS

Pari», 3. Sept. (DBll HavaS nennt al» möglichen Rachfvlaer Dvkanowfkis im Handels­ministerium den Senator Le Trocguer und al» Unterttaatefdretär ben Abgeordneten Lau­rent Evnac, der dieses Arm bereit» mehrere Iahre bekleidet hat.

Der .Intranftgeanl" verzeichnet da» m poli­tischen Kreisen rm Umlauf beftnbliche Gerücht.

Gegenwart im Vordergrund des internationalen Levens stehen seien nicht zu lösen ohne dah neue Schwierigkeiten auftreten, die nun ihrer­seits erst wieder gelöst werden mühten. Auf ietMi Fall befinde sich aber

die Dell auf wirtschaftlich«» Gebiet gegen­wärtig bereits elften in «hier vollständigen Erneuerung der zwischenstaatlichen Veziehun- gen, di« man Wohl schon als n«ue wirtschaft­lich« Orientierung bezeichnen könne.

Procoke würdigte dann die Arbeiten der tech­nischen Sonderorganisattonen de» Völkerbundes. Gerade diese Alttaasarbett, die vielfach unbe­merkt vom groben Publikum vor sich gebe, fei von allergrößter Bedeutung zur Verwirklichung des Gedankens der internationalen Zusammen­arbeit. Gr führte bann weiter aus. der Mille xur Äriegti'crhinberunq werde oft als eine Illu­sion bezeichnet weil der Krieg so alt tote die Menschheit fti und solange dauern werde, al» fit selbst. Gegenüber diesen Skepttkern mülle aber auf ben Umstand verwiesen werden, dah ähnliche Bemühungen zur Stärkung des Friedens, wie sie jetzt vom Völkerbund unternommen werden, noch niemals versucht wurden.

Im SLluhiell seiner Rede besahte sich der Ratspräsident mit dem vor wenigen Tagen in Par- unterzeichneten Krieg-ächtungS- pakt, um die entscheidende Rolle der Ver­einigten Staaten von Amerika bei der Ausarbeitung diese» Vertrage» zu toür- d.gen. ..Ich bin. fo erklärte er. ..überzeugt, dah wir alle in diesem Pakt ben grandiosen Ausdruck be» Willens, da» gute Einvernehmen unter den Rattonen zu sichern und einen Akt sehen wollen, der ben Grundsätzen des Völker- bundSvaktes enttpricht und von dem gleichen Wunsch nach Uni verfall tat und Vereinigung aller Staaten zur Aufrechterhaltung des Freden- be­seelt ist.

Dir begrüben ben neuen Vertrag im Ro­men be» Frlcbens und unseres Glanben- an bte Zukunft be- Dölkerbunbes Er bringt unserem Derk eine große unb wertvoll« Unterstützung "

Ra ch einem an Rellog und Briand als Urheber dieses Paktes gerichteten Glückwunsch nahm er die Völlerbundsarbriten und den Ab- chluh des Anea-ächtungSpalte- -um Arllah. um u erklären, day d e Kräfte des Friedens Tag ür Tag in einem fester gefügten Bündel -u- ammentoirkn.

Rach d r Verlesung der EröftnungSrede. die von der feierlichen Versammlung an verschie­denen Stellen von Beifall unterbrochen wurde, so bei der Stelle über die Rückkehr Spaniens zum Döllerbund. der Erwähnung Drchiliens und Eostarika» und bei der Würdigung de- Kel- lcggpakte« wurde die Sitzung für eine halbe Stunde unterbrochen, in der die Vollmachten der De.egat onen durch den entsprechenden Ausschuh geprüft wurden.

Rach Wiederaufnahme der S.tzung teilte der Dorftyende deS Ausschuss«- zur Prüfung der Vollmachten mit, dah 5 0 Staaten auf der diesjährigen VöllerbundSver ammlung vertreten sind und nur Argentinien. Bolivien. Hond^ras unb Peru fehlen. Die Antotienheit von 50 De­legationen auf der Völkerbundsver ammlung bil­de: eine Höchstzahl, die in den früheren Jahren nie erreicht wurde, weil von den sud- amerikani'chen Staaten regelmäßig mehr al» vier abwesend waren.

©er neue Präsident.

Dens, 3. Sept lWTB.) Die 9 Völkerbunds- ver<ammlung hat in ihrer heutigen Rachmit- tcgZsiyung den langjährigen dänilchen Ge­sandten in Berlin, Zahle, mit 44 von 50 Stimmen zu ihrem Präsidenten gewählt. RatSpräsident Prvcope beglückwünschte den ©etoäbltcn, der hieraus unter dem lebhaften Beifall der Versammlung ben Präfibentenstuhl tinnahm unb für bie feinem Lande und ihm persönlich mit der Wahl erwiesene Ghr« danfte. Aut seinen Votichlag wurden von der Bundes­versammlung Shmpathietelea ramme an den Rtichsminister de» Aeuhern Dr Strefe- mann unb den englischen Auhenminister Sir Austen Chamberlain afflHanbt auherdem ein Beileidstelegramm an die fran­zösische Regierung anlählich dr» Todes

dah die interimistische Führung des Handels- mimsteriumS einem im Amt befindlichen ande­ren Minister übertragen werden wird Man nenne Arbeit-Minister Loucheur. der mit der Leitung de» Handelsministerium» betraut werden dürste Loucheur soll mög»icherwtise sogar selbst Handelsminister werden. In d «fern Falle würde ein neuer Arbeit-minister ernannt wer­den Man spricht hierbei von dem je-igen ilnter- staatösetretär im Ar bei Sministetium Oberkirch Aufbahrung der Leiche BokanowskiS.

Poris. 3. Sept. sWTD.) Im Handelsministe- hum ist die Leiche des verstorbenen Handels- Ministers B o k a n o w f k i aufgebahrt worden. Während heute vormittag dem Berftorbenen nahe­stehende Perfönllchkeiten im Todeszimmer an der Leiche Dorbtifcehlierttn, war heme nachmittag die OeisenUichkeit zugelasten, vor allem Abordnungen der Post- und der Tticgraphenoerwaltung. um dem verstorbenen Minister die letzte Ehre zu erweiftn.

des Handel-nnnister- Vokanotoskl unb be­vor einigen Tagen im Haag verstorbenen Vize­präsidenten des Ständigen Internationalen Ge­richt-hol es, Weih.

Aus der AachmittagSsihung.

Genf, 3. Sept. (WTB.) Die Völkerbunds- Versammlung beschiotz heute nachmittag, den eng­lischen Antrag auf Entsendung einer Kommission nach dem Fernen Osten zur Llntersuchung der Produktion des Rauchopium - und bie Frage der Kontrolle der Rüstung-Indu­strien entsprechend den Beschlüssen bet Völker- bund-rates nachträglich auf Ihre Tagesordnung zu setzen Hieraus wurden die Berichte de» Sicherhelt-kvmltee - und de» Sonderaus- schusfes zur Kontrolle der Rüstungsindustrien, sowie die Frage der Errichtung einer Radlo­st a t i vn für den Völkerbund In der Rähe von Gens dem britten Ausschust überwiegen Die Behandlung der auf Vorschlag der Delegationen Finnlands. Polens und Schwebens aus die Tagesordnung gesetzten Alkoholfrage gab zu einer kurzen Erörterung Aniah. ob diese» Problem dem überlasteten Technischen Ausfchuh überwiesen oder von einem anderen Auslchuh bebandelt werden soll. Auf Eingreifen von Lou­cheur bleibt die Alkoholfrage auf der Tages­ordnung des Technischen Ausschusses, der be­reits im vorigen Iahre sich damit besaht hatte, unb der nunmehr im Dedarssfalle die Meinung des Sozialen Ausschusses einholen kann. Ferner verlas Präsident Zahle einen kurzen Dries des Vorsitzenden des Vorbereitenden Qlbruftung»- ausfchusses, Loudon. Der vorschlug, nach dem Beispiel der früheren Bundesversammlungen all« mit dem Abrüstungsproblem zusammen­hängenden Fragen durch den Dritten Verlamm- lungsausschuh, dem sog. Abrüstungsauslchuh. be­handeln zu lassen. Hierauf wurde die Sitzung Aur Konstituierung der sechs Dersammlungsaus- schüsse und zur Wahl ihrer Präsidenten auf l*/i Stunden unterbrochen

Rach Wiederaufnahme der Sitzung verkündete Präsident Zahle (Däncmart) das M r g t b n I der Wahlen. Darnach führen den Lorsttz im Ersten Ausschuß (Rechtsausjchuß) Scialofa kItallen). im Zweiten Ausschuß ltechmsche Organi­sationen) Motta (Schweiz), im Dritten Ausschuß ^Abrüstung) Carlon de Diart (Belgien-, im Vierten Ausschuß (Haushalt) Vasconcello» (Portugal), im Fünften Ausschuß (soziale Fragen) M a I o s ((Buatrmala) und im Scchltcn Ausschuß (politische Fragen) M a r 1 n t o w i t s ch (Zugojla. wicn> Die Vorsitzenden der sechs Berfa mm hing»* ausschüsse bilden zusammen m.t dem Präsidenten der Bundesversammlung Zahle (Dänemarks und den, Vorsitzenden des Tagesordnungvausschusse» Caballero (Paraguay) das Bureau der Ver­sammlung, das nach einem weiteren Wah'gang durch folgende sechs Vlzeprästdenten ergänzt ro.rb Adaci (Japan», 40 St mrn.n, Brianb (Frank­reich» und Müller (Deutschland) je 38 Stimmen, Cushendun (England) 37 Stimmen, Macken- z i e Ätna (Äanaba) 33 Stimmen unb Seipel (Oesterreich) 24 St.mmen.

Die \)9 Versammlungsaudschüsse treten Diens­tag vormittag zu ihren konstituierenden S tzunyen und zur (Einteilung ihrer Arbeiten zusammen, roafo­rtab die Bundesversammlung Dienstag nachmittag mit der Generaldebatte über ben Zaforesbe r cht de» Generalsekretär» über die Tat gleit im abgelaufenen Völkerbunbsjahr beginnen wirb

Argentinischer offiziöser Beobachter.

Genf, 3. Sept. (WTB) Der argenti­nische Gesandte in Bern, Santlllo, hat von feiner Regierung telegraphisch den Auf­trag erhalten, al» offiziöser Beobachter den Arbeiten der diesjährigen Völkerbunds­versammlung zu folgen, und hat dement­sprechend bereits am heutigen Tage auf der Delegationsbank Platz genommen. Wie erinner­lich. hatte sich Argentinien im Dezember 1920 wegen der Ablehnung seiner Forderung nach sofortiger Wiederherstellung der Univer­salität des Völkerbundes von den Arbeiten der Bundesversammlung zurückgezogen und sich seit­her auch nicht mehr an ihnen beteiligt, wohl aber

Interpellation in Gicht.

Pari», 3. Sept. (WTB.) Der Abgeordnete Douesse kündigt an. daß er nach Wiedererclls- nung bet Parlamentssession die Regierung über die kürzlichen Flugzeugunfälle inter­pellieren werde und über dir Maßnah­men. die Adr Verhinderung von Unfällen er- arif en werden sollen. Der Abgeordnete, der dem Lultichissahrtsau-schuh der Kammer ar.gehört. war während des Krieges selbst Flieger.

Beileid der Reichsreqierung.

Berlin, 3. Sept. (WTB.) Zum Tobe tes fran­zösischen Hondelsminlsters Bokanowlki ist der deunchk Botschafter in Patts beauftragt, der fron zösifchen Regierung das Beileid der R : i ch s- regierung zu übermitteln. Ferner hat Reichs cußenmmister Dr Strefemann dem fran; < schen Ministerpräsidenten Poincars telegraphisch lein Beileid ausgesprochen