Nr. 129 Zweites vlat
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Montag, 4. Juni 1928
Tfchangtsolin.
Die Dragödie einrö Iapan-^reundeS Don unserem <k)-Derichlerstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
London, Ende Mai 1928.
D)er c« je unternommen hat, hinter der undurchdringlichen Maske eine- Ostasiaten ein tiefere« Defuhl zu suchen, wirb sich der Schwierigkeit dieser Aufgabe bewußt sein. Nur selten gelingt e# da« Streben nach höheren Idealen hinter der sehr realen Politik aufzuspüren und fast vereinzelt ist es, Daß wir in China auf Personen ftohen, deren Leben wir auch im europäischen Sinne al« tragisch bezeichnen würben. Und doch ist nicht zu verkennen, dah die chinesische Devolution eine Reihe bedeutender Persönlichkeiten hervorgebrachl hat, deren Streben und deren Schicksal man al« in tiefstem Sinne tragisch bezeichnen kann. Man braucht dabei nur an Tuantschidjui zu denken, den allen, weisen Mann In China, dec von hohen DaterianDS- idealen bei allen seinen Handlungen geleitet war, und,bessen Wirken letzten Ende« doch nur darin bestand, dah er alle die Generäle grohgezogen hat, die sich heule gegenseitig befehden und die chinesische Revolution in einen Feldzug von Generälen umgewandelt haben, oder an Wu- p e i s u. Den Äugen Buddhisten, der an seinem aktchinesifchen Idealismus zugrunde ging, weil er glaubK* dah die altchinesische Sittenlehre stärker sein würde der westeuropäische, aus Amerika importierte Rationalismus. Auch Sun- Ha t s e n, der Begründer der Lehre von der Äuomintag, auf die heute ganz China schwört, und der doch nicht imstande war, unter einer geistigen Parole alle besseren Kräfte des Chi- nesentums zu sammeln, zählt hierzu, da auch er an der harten Wirklichkeit mit seinen Lehren praktisch scheiterte, bis jüngere und skrupellosere Führer die Werbekrast seiner großen Idee erkannten.
An diesen Persönlichkeiten gemessen ist Tschangtsolin, der frühere Herr der Mandschurei, der heule in Peking China gegen die Devolution zu verteidigen glaubt, zweifellos kein geistiger Mensch, da er immer nur in der harten Well der Tatsachen zu Hause gewesen ist. Aber gleichwohl wird man, wenn man sein romantisches Leben überdenkt, zugeben müssen, dah auch er zu den tragischen 'Gestalten der chinesischen Devolution gehört. Als der aus gutem Hause stammende Mandschu-Spröhling vor langen Iähren sich zum ersten Male Weltruf erwarb, als er mit seinen Räuberbanden wesentlich zum Erfolge der japanischen Armee im russisch-japanischen Kriege beitrug, hat er sich gewiß nicht träumen lassen, daß er Stufe für Stufe von den Iapanern gestützt, emporfteigen sollte, um schließlich von ihnen verlassen und bann selbst der Vorkämpfer der chinesischen Ansprüche auf ein Land zu werden, das man gewohnt ist, seit zwei Jahrzehnten als javanische Domäne anzusehen: der Mandschurei.
Denn Da« ist, auf eine knappe Formel gebracht, da« Problem, von dem aus man allein zu einem DerslänDnis ferner Stelluna gelangen kann. Alle«, waS früher gewesen ist, zahlt heute nicht mehr für ihn, Da feine Vergangenheit nicht ausreicht, um ihm Da« Wohlwollen Der Japaner zurückzuerwerben, Die nunmehr. nachDem sie ihn verloren glauben, ihn auf geben unD am liebsten verntchien würben um nur endlich zu klaren Derhältnifsen in China zu kommen. Tschangtsolin, Der ehemals in der Mandschurei die Mittel fand, mit denen er feine Armee von japanischen Instrukteuren ausbilden lassen konnte, und der 1924 Wupeisu vor Den Toren Peking« Dank Des Verra.es von Fenghjuhsiang vernichtend schlagen konnte, ist heute eben nicht mehr Japan- Freund, obgleich er immer noch die best- disziplinierle und beftbetoaffnete Armee unter den chinesischen Heeren hat und ringS um Peking herum die Spuren verteidigt, die als letztes Bollwierk gegen Die anstürmende siegreiche chinesische Revolution zu gelten haben. Das ist eine
Der Turmhahn.
• Don Willibald OmankowSki.
Der alternde Dichter wohnte in einem Hause der roh gepflasterten Jesuitenstraße. Das Haus stammte noch au« Der Zeit' des Dreißigjährigen Krieges. Cs besaß einen sehr gebrechlichen Beischlag mit arg verwitterten Steinbildern von der Himmelsleiter Jakobs und von Esther, die vor dem Könige kniet. Darunter heckten emsige Mäuse, krabbelten blanke Tausendfüßler. Die vornehmen Gefährte, die manchmal vor dem Hause des Dichters hielten, setzten hier ihr hochmütigstes Gesicht aus. und die edlen Füchse, die der vermögende Verehrer des Dichters für eine tägliche Spazierfahrt zur Verfügung stellte, sahen überhaupt nicht auf. so schämten sie sich in dieser Umgebung Die Menschen. Die hier lebten, schritten gebückt, denn sie trugen meist schwer am Leben ober an der Last der Jahre. Sic kannten sich alle und kannten und grüßten ehrfürchtig den Dichter. Der in ihrer Mitte lebte Auch kostbar gekleidete Fremde sah man in der armen Gasse Sie, besuchten den Dichter.
Eine« TageS kam auch die Freundin des Dich- ter«. Sie kam in der Dämmerstunde, zur Zeit de- Aveläutens. Man hörte sie nicht, so leicht und federnd war ihr Tritt, und nur das Leder Der seinen Schuhe knirschte verärgert über die steile Stiege. AIS das Mädchen ihm die Hand bot, erschrak der Dichter sehr vor so großer Jugend und so viel blonder Schönheit. Das junge Fräulein aber stand verwundert in dem Kloster- ernst der schmalen Zimmer, zu deren Wänden sich hohe Bücherregale hinaufreckten. zwischen denen Totenmasken ihr gelbes Lächeln spielen liehen über all die Papierweisheit.
Das junge Fräulein war allein gekommen Ohne Scheu. Mit der vollen Unbefangenheit reiner Jugend. Bat ihn, daß er das wenig würdige Haus verließe und das andere wäble, oben im Lergwald überm Meer. Es warte auf ihn. UnD was Die Eltern nicht vermochten mit Dem begütigenden Wort der Freunde, erreichte das Mädchen durch sein blondes Dasein. Durch den Druck der winzigen Hand. Durch den dunkeln Schmelz einer Stimme, in der Mutterlieder schliefen. Durch den warmen Glan,; immer wartender Kinderaugen. Und weil ihm diese Augen sagten, was ein unberührter Mäd- chenmund nicht sagt, niemals sagt, sagen kann.
Tatsache, die unter dem Wust von Falschmeldungen. Intrigen und sonstigen politischen Manö- vern immer wieder vergessen zu werden pflegt, und die doch ausschlaggebender al« alles andere die Loge in China beherrscht. Mag er vor den Toren Peking« die anrüdenben Südarmeen noch einmal besiegen, mag er auch den General Den von Schanf. besiegen — an dem Kernproblem, das für die Beurteilung seiner Aussichten wesentlich ist, ändert das alles nichts mehr: die Mandschurei, Ursprung und Quelle seiner Kraft, hat ihm Japan verschlossen.
Die japanische Rote an Die Regierungen in Peking und Nanking, in der Japan ausdrücklich hervorhebt, daß es ein Uebergreifcn de« chinesischen Bürgerkrieges auf dieses Gebiet nicht dulden würde, und die Absicht, dieses Gebiet unter japanische- Protektorat zu stellen, schneiden Tschangtsolin die Möglichkeit irgendeiner Fort- cnttoidlung ab, Da er Damit alle Reserven verliert, und. auf sich selbst gestellt, gezwungen ist, nunmehr mit Den Mitteln seiner chinesischen Gegner zu kämpfen, D. h mit chinesischen Sol- Daten unD mit einer Verwaltung, Die keine andere Sicherheit als Die seines persönlichen Prestiges kennt. Das heißt eben ober auch. Daß Die Dauer abzusehen ist, für Die er noch olS einer Der wichtigen Faktoren in China zu gelten hat. Nur wenige Monate, wenige Wochen v el eicht nur, trennen ihn von seinem EnDe, weil Der öüDen. Der nunmehr im Bun De mit Japan gegen ihn vorgeht, ihm zahlenmäßig,
moralisch usw. überlegen ist. Denn jetzt ist er nur noch einer der kleinen Machthaber provinziellen Charakters. Die versuche^, auf eigene Zaust im Lande Krieg zu führen und denen Die politische Entwicklung Chinas nur ein Mittel zu persönlichen Zwecken darstellt. Sein Ende ist daher vorauSzu'ehen. Cs nützt ihm nichts, daß er heute fast dieselben Forderungen wie der Süden vertritt, e« nützt ihm auch nicht«. Daß eine Re.he von Mächten unter Umständen gctrrllt Wären, ihn weiter zu stützen, seine Stunde hat geschlagen.
Das ist um so bemerkenswerter, al« er heute, sozusagen in Den letzten Wochen seiner Herrschaft, ein anderer geworden ist. Seme letzten ,2Utionen' zeigen, daß er von wirllicher staatsmännischer Einsicht getragen ist. Seine Erklärung, in der er dem Süden einen Wasienstsil'iand unD eine Einigung gegen Die Engländer vorschlug, ist eine der größten politischen Aktionen. Die je ein chinesischer General während der Dauer des Bürgerkrieges unternommen hat. Aber sie ist vergeblich, da er nicht imstande ist, mit Hilfe dic'er Politik zu neuer Macht zu gelangen, weil China, da« er so lange Zeit mit Hilfe seiner Feldherrnkunst in Schach zu halten imstande war, heute weder an den Staatsmann noch an Den Feldherrn Tschangtsolin glaubt, und statt dessen auf den Sieg der Idee der Volksgemeinschaft seine Hoffnung fetzt. Die unabhängig ist von der Persönlichkeit, Die sie vertritt.
Lord Reading, Türschließer und Dizekönig.
Der abenteuerliche Aufstieg eines großen Staatsmannes.
CorD ReaDing, Der bekannte britische Staatsmann und frühere Dizekönig von Indien, weilt zur Zeit in Berlin, wo er wichtige politische Verhandlungen mit der Reichsregierung und dem Reparationskommissar Parker Gilbert führt.
Gin Filmmanuskript kann nicht abwechslungsreicher aussehen als die Biographie des Vkan- nes, der seine Lau bahn als einfacher Rufus Isaacs begonnen yai und heute, nachdem er nobilitiert wurde und nacheinander zum Baronet, Baron, Earl. Lord, Attorney-General, Lord- Oberrichter. High Commissioner in den Vereinigten Staaten, Vizekönig von Indien ernannt worden ist, Den Namen eines Marquis o f Reading führt. Dieser wohn eines einfachen jüdifchen Kaufmanns hat nicht nur die wichtigsten Posten in der britischen Diplomatie bekletdel, er ist außerdem einer der bekanntesten Londoner Rechtsanwälte gewesen, war auch einmal Schiffsjunge und hat sich sogar in seiner Jugend als Türschließer eines Theaters in Rio de Janeiro Durchgehungert. Dah er sich zwischendurch zum Amateurboxer auSbilDete, war wohl nur vor 50 Jahren außergewöhnlich, während eine solche Sporlleidenschaft in unserer Zeit selbst bei Mitgliedern der hohen englischen Aristokratie nichts Erstaunliches sein Dürfte.
RufuS Isaacs wurde im Jahre 1860 in London geboren und besuchte in Brüssel und in Hannover Die Schule. Seine Lehrer gaben Den Eltern Den Rat, Den Jungen einen freien Berus ergreifen zu lassen. Aber Die Mutter Isaac« wollte davon nicht- wissen: ihr ältester Sohn, so hatte sie es sich in den Kopf gesetzt, sollte einmal Da« Geschält des Vater« erben und Reeder teerten, während Rufus, der zweite, Jura studieren und Beamter werden sollte. Diese Aussicht konnte Den jungen Mann nicht begeistern: um sich finanziell unabhängig zu machen, trat er ohne Wissen seiner Ellern in die Dienste eine- Londoner Börsenspekulanten, verspielte dabei viel Geld, und der Da.er konnte ihn nur dadurch zur Ausgabe seiner Stellung bewegen, daß er die erheblichen Schulden dieses Tauge- nicht«, wie man ihn in der Familie nannte, schweren Herzens bezahlle. In Ermangelung anderer Beschäftigung vertrieb sich RufuS nun
die Zeit mit Boxen lernen. Die Eltern sahen diesem Lebenswandel nur mit äußerstem iln* willen eine Zeitlang zu, und als gütliches Zureden nichts half, beschlossen sie, den Tunichtgut auf eine Weltreise zu schicken, um ihn zunächst einmal loszuwerden. Eines Morgens wurde der junge Rufus in das väterliche Kontor gerufen, wo man ihm eröffnete, daß er sofort a l s Schiffsjunge in Den Dienst eines Dampfers Der Jsaacschen Reederei zu treten habe. Aber diese Fahrt war durchaus nicht nach seinem Geschmack. In Rio de Janeiro benutzte er Die erste Gelegenheit, von Bord zu entwischen. Seinen lärglichen Lebensunterhalt verdiente er sich als Türschließer eines Theaters, bi« Die englischen Konsulatsbehörden, Die von Dem Kapitän Das Signalement bekommen hatten, ihn aufspürten unD wieder nach Der Heimat abschoben.
Lord Reading hat sich als Vizekönig von Indien nicht geschämt, Diese Jugendstreiche selbst zu erzählen. Er berichtete, daß er damals an Bord des väterlichen Segelschisfes Messing au putzen und da- Deck zu scheuern hatte. Er hals beim Segelreffen, holte die Schifsstaue ein und mußte überhaupt jede schmutzige Arbeit verrichten. Dieser Au-slug in Die große Welt war aber eine heilsame Lehre für Den jungen Abenteurer. Er arbeitete sich nun in das Geschäft seine- Vaters ein und war für dieses Unternehmen auch in Hamburg und Magdeburg tätig. Aber Der kaufmännische Beruf vermochte ihn auf Die Dauer nicht zu fesseln. Schließlich entschloß er sich, nach Den Kolonien auszu- toanDem, wurde aber im etz'.en Augenblick von Der Familie wieDer -urückgeholt. Rufus selbst hatte gar keine Lust, seinen Plar^ auszugeben, ließ sich aber Durch die Lüge, daß seine Mutter schwcrkrank sei, noch einmal zur Rückkehr nach London bewegen und fügte sich Dort schließlich Den inständigen Bitten seiner Eltern, noch im Al er von 24 Jahren Das juristische Studium zu beginnet. Drei Jahre Darauf wurde er Rechtsanwalt. Man sagte ihm nach, daß er Diesen Berus zuerst nur sehr widerwillig ausgeübt habe und sich in ferner freien Zeit mit gastronomischen Freuden tröstete: seine Feinde vehaup.eten, daß er damals sogar ein richtiges Schlemmerleben ge ührt habe. In ganz kurzer
gab auch der Dichter Innerstes, sorgsam Bewahrte«.
^Schen Sie dort den Hahn? Gerade hat er zu leuch en angegangen. Um seinetwillen wohne ich hier. Er iff«, Dec mich hält."
Im blauschwarzen AbenDhimmel sah Das Mäd- chen einen metallenen Vogel auf Der Spitze eine- Türmchens, das nur um wenige Me.er über Die Dächer Der Häuser hinausragte. Aus Der vcr- kehrreichen Nebenstraße mit ihren tausenD Lampen fiel ihn alles Licht an. Daß er Darin glühte.
..Sehen Sie ihn, feinen Kops?" fuhr Der Dichter fort. ..Es ist kein gewöhnlicher Hahn. Es ist viel- leicht eine WildganS. von vorn gesehen eint Möwe. Die sich nieDerlaflen will. Er stammt au« dem sechzehnten Jahrhundert. Doch daS ist ja schließlich gleichgültig. Aber, sehen Sie. w i e er dahängt in Der Nacht, wie abseitig, wie gräßlich verlassen, wie hoch und gewaltig über all Dem Ge'chlamp Da un.en! Können Sie feine Trauer IÜH en, unD fein Glück? Können Sie das? Manchmal im S.urm, dann dreht er sich, dann schreit ec in königlicher Einsamkeit und aus dem Weh «einer Erdgebundenheit heraus. Hoch über den Menschen und doch nicht bei den Sternen. Fühlen Sie, wie er trägt an dem Weh dieses Verzichtenmüssens? Vögel sah ich noch nie rasten bei ihm. Vielleicht fürchten sie sein unheimliches Aussehen. Vielleicht sind sie taktvoller als trostbereite Menschen und wollen die Feier seiner Einsamkeit und seiner Schmerzen nicht stören.
Und diesen Vogel Da oben, verstehen Sie. den kann ich nicht missen. Ich hatte einmal einen Freund, Der war wie dieser Vogel. Ich verlor diesen Freund. Er mißverstand mich, und wir bauten einen Groll um unsere Liebe. Davon ist sie nun eingeschlassen und so mehr als je eng beieinander. Bald, nachdem ich den Freund verlor, sandte et mir diesen ehernen Turmvogel. Nun bin ich mit chm verbunden. Und nun werden Sie auch verstehen, daß ich Die Menschen gern meide und ihren Freundschaft-bewerbungen aus dem Wege gehe. Kann ich denn noch mehr brauchen als diesen Turmhahn?"
Der al ernde Dichter sagte noch manches, was er niemandem ^uvor gesagt. Und als er den seltenen Gast fragte, ob er chm zürne ob feines Beharrens, bekam er keine Antwort. Nur etwas faßte leis nach seiner Hand.
Dann war das junge Fräulein unhörbar hin- ausge gangen.
Draußen aber im Abendhimmel stand der schimmernde Turmvogel. Den starren Kopf nach oben gerichtet in Die Sterne und wie zum Schrei.
So einsam. ... So unglaublich einsam. ...
Träume auf Bestellung.
Verschiedene Dichter haben begeistert die .künstsichen Parodie e g cP ries n Die d.r Mensch sich selbst durch die Erzeugung von Träumen bereiten kann. Die Eng'M er Coleridae und De Ouincey haben die phantasti chen Üisionm geschildert. Die sich Der Opiumraucher v rlchasst und Der Franzo.e Baudelaire. Der berühmteste Hämisches,er. schwärmt von „to-m-eroollen Lichterscheinungen, herrlichem G I uchb. KaLkaden flüssigen Volles . Kürzlich hat Gustav Meyrink Die Träume gelchi dert. Die ihm nach Der Einnahme von 33 Gramm Ha chisch zuteil wurden 'Aber wenn De Quin.eo jubelte, daß man sich .das Glück für ein paar Pfcmni-e kau en und in der Tasche bei sich führen tonn', so ist diese Seligkeit nicht nur de n Kulturm nschen Vorbehalten. 'andern primiti'e Völker hab n vielfach Mittel gefunden, durch Die sie sich d.n Gmuß wundervoller Träume err.n-ien konnten. Mit solchen .Träumen auf Bestellung hat man sich in letzter Zeit auch toi fenschassiich beschäftigt, und in Der Frankfurter Wochenschrift .Die Umschau" weiß Dr. Tmll Lenk davon allerlei Erstaunliches zu berichten. Die Träume. Die bsi der Aether- oder Chloro'ormeinatmung erzeugt werden. sind häufig .Was erträume', Denn vor Der Operation waschen sich Die Aer^e gewöhnlich Die Hände. Der Kranke hört das Wa ser rieseln und taucht Dann im Dämmerzustand in unendliche Ozeane unter, sieht sich von Fischen umgeben und spielt mit ihnen. Den Inhalt Der Träume kann man besonders durch Gerüche bcrinflufien. Eine Person, Die man im Schlas Kölnisches Wasser riechen ließ, glaubte In dem Geschäft von Johann Maria Sarina in Kairo zu fein unD hatte im Anschluß Daran erstaunliche Abenteuer. Amerikanischen Derfuchsprr onen wurde in zehn aufeinanderfolgenden Rächten eine zerdrückte Gewürznelke auf de Zunge g?kgt Don 25 mitgeteilten Träumen waren 17 Geschmacks» und acht Geruchsträume: nur drei bezogen sich auf Gewürznelken. Meist wurde der Reiz anders gedeutet: so träumte eine Studentin wegen des brennenden Geschmacks auf der Zunge von einem
Brand des Hauses Lenk hat an 420 Personen Versuche unternommen, mm durch Gerüche Den Traum zu beeinflussen. 3m allgemeinen reagierten die Frauen besser als Die Männer. Mit der Stärke Der eingeatmeten Flüsiokcit nahm die Erinnerung an den Traum zu Flüssigkeiten, die im Wachen angenehm rochen, erzeug en in. ist schöne, mit GlückSgesühl verbundene Träume, während unangenehm riechende Stosse grau ige und wüste Träume hervorriefen. Ein Mann, Dem man tm Schlaf etwas Wailer aui Die 6.im goß, träumte, er wäre in Italien, schwitze Heisig und trinke Orvieto-Wsin. Durch Den Lärm eines Weckers wurde d.r folgende Traun ans- gelöst: der Schlafende sah ein Küch nmädchen mit einigen Dutzend hoch au getürmter T Her den Korridor ent'ang^e' en. die Pocellan äule toal- kelle beträchtlich. Sei i Zuruf, acht'.uneb n notjte nichts. An Der Tür.chwelle strauchelte sie, und da- Geschirr zerfchmetterte in Hunderte von Scherben, wobei Der Träumer jäh erwacht - um zu bemerken. Daß der Wecker seine Schuldig it getan hatte Auch durch Hypnose können bestimmte Träume hervorgecu en w r en. Ein Herr, Dem man suggerierte, er habe Zahnschmerzen, träumte: .Wir waren beim Wat chenmann (-.ine Volksbelustigung im Wiener Prater, wobei man eine Figur ohrfeigt, während ein Z iger Die Stärke angibt). Den habe ich so lang gebaut, bis sein Gesicht immer größer und größer wurde " Der Zahn chmerz wurde also bildlich Dargeftellt Man konnte auch durch Schlaghypno e angenehme oder unangenehme Träume erzeugen, je nach der Stärke des Reizes. So verwandelte sich das Ticken des einen Meter entfernten W ckers in eine liebliche Musik, während das Ticken De« 20 Zentimeter entfernten Weckers als Gcwi ter oder Explosion geträumt wurde. Bei einem Gewicht von 20 Gramm, das auf Den Kops gelegt wurde, entstand ein Traum von der sich an- schmiegenden Geliebten: bei einem G wich: von zwei Kilogramm die Dorste'lung, man werde von einem Zulukaf'er mit der Keule erschlagen. Eine einprozensige Lösung von Danilin erzeugte ei.'en angenehmen Traum von einer Kind rge ellschaft mit Schokolade und Torte, eine einprozentige Ammoniak-Lösung den Eindruck eine« Gasangriff- und eine sünfprvzentige Ammoniak- Lösung da- Gefühl, in einer Kloake zu versinken. Nicht immer aber erzeugt ein bestimmter Reiz einen bestimmten Traum, sondern dieser wird vielfach umgedeutet.
Zeit zeigte sich jedoch, das. Der junge Advokat der weitaus beste Rechtsanwalt für alle finanziellen Streitsachen war. Seme Prari« vev- arößcrte sich tatsächlich von Tag zu Tag. imö bald verfügte er über ein Jahreseinkommen von 20 000 Pfund, allo von 400 000 Mark. In jedem Senfanon-prore,» konnte man Den fchar'en Kopf, des Rechtsanwaltes Ruiu« IfaacS bewundern, dellen außerordentltche logifdx Begabung hto verte.ckellsten juristischen Probleme zu enltoitren und Dem Gericht-hof Itarzulegen verstand. Seine berühmtesten Prozesse waren Die in Sachen Chamberlain unD Whitaker Wright. Mit ruhiger Stimme, fast einschmeichelnd, stets luggeftio über# zeugend, vertrat er s«ne Klienten, gegen önDe feiner ADvokatenlaufbahn soll sein Jahreseinkommen 30 000 Pfund überstiegen haben
3m Jahre 1904, also im Alter von 44- Jahren, wurde RufuS Isaac« dann in Dem Wahlkreis Reading al« Mitglied der liberalen Partei i n das Unterbau« gewählt. In feinen ersten parlamentarischen Arbeiten verriet er eine Nervosität und Befangenheit. Die man eigentlich bei dem ehemaligen Abenteurer und Dem berühmten Advokaten nicht Denn ul et hatte Aker sich dann an das neue Forum gewöhnt hatte, zeichneten sich seine Reden freilich durch eine besondere Eleganz und Treffsicherheit Der Au«druck«weife au«. Einige Reden, die er im Parlament gehalten hat. find geradezu mustergültig. Mit dem Eintritt in Die politische Laufbahn begannen bald auch die juristischen Rangerhöhungen. die mit der Ernennung de- inzwischen geadelten Sir RufuS Isaac« zum Lord-Oberrichter ihren Abschluß fanden. 'Während des Krieges wurde Der Earl R e a - ding— diesen Titel hatte man IfaacS inzwischen in bewußter Anknüpfung an die Tat lache verliehen, daß er al6 Abgeordneter von Reading zum erstenmal ins Unterhaus einzog — als High Commiffioner in die Vereinigten Staaten geschickt. Sein neuer Titel brachte zum Ausdruck, daß er als eine Art »Aeber-Dotfcha'ter" in Amerika tätig fein sollte, und da- war eine Auszeichnung, wie sie bis dahin in Der Geschichte der diplomatischen Beziehungen der beiden Länder noch nicht zu verzeichnen gewesen ist. Seine diplomatische Mission war von vollem Erfolg gekrönt, man dankte ihm besonder« in London, daß er große Anleihen In Neuyork unterzubringen verstand.
'Der innerhalb und außerhalb Englands 1921 gefragt wurde, welche Vorstellung er mit Dem Wort Reading verbindet, antwortete zwellel- los: .Da« ist doch der Vizekönig von Indien". Nur Historiker und Kirchengekehrla hätten wohl hinzugefügt, dah man am 18. Juni 1921 das acbtbunbertiäbrige Bestehen der Abtei Reading feierte, eines Klosters, das in Der englischen Kirchengeschichte eine hervorragende Rolle gespielt hat. und dessen Name nun — übrigen« zum Verdruß einiger klerikaler Kreise Englands — durch den nach diesem Ort benannten englischen Staatsmann jüdischer Religion über die Welt getragen wurde. Seine erfolgreiche Diplomatische Tätigkeit in Amerika hatte Lord Reading zu so großem Ansehen verholsen. daß man ihn bald nach dem Krieg auf den dekorativsten Posten stellte, den da« britische Weltreich zu vergeben hat: Denn der Vizekönig von Indien. Der in Delhi residiert, ist Herrscher über 325 Millionen Menschen. Wie so oft in feinem Leben, mußte man Lord Reading zur Annahme diese- neuen Posten« beinahe zwingen. Erst nach langem Zögern übernahm er da- Amt de« Dizekönig-, in dem er Dann aber eine ungeheure Arbeitskraft entfaltete und in den schwierigen Zeiten, bei Aufständen und häusigen Unruhen, feine diplomatischen Fähigkeiten bewies Al« er Anfang 1926 au« Indien zurückkehrte, wurde er in London von einer unübersehbaren Menschenmenge stürmisch gefeiert. Nun ist der Achtund'echzig- jährige, der fo viele« erlebt hat. wieder Privatmann. und er ist, fo lagen Die ossiziellen Berichte, in privaten Angelegenheiten nach Berlin gekommen. Wenn er aber ganz privat mit Parker Gilbert frühstückt, wird c« sich nicht vermeiden lassen, daß Dabei Die Inlernatio-


