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datsverpfsichkuna etkn 5HWMFn betonet ftoe» auf aus, Deutsch-SüLwest in den südafrikanischen Staat einzugliedern. DaS deutsche Volk feiner» seits hat sich mit einem gewissen Recht daran gewöhnt, den Wandatsgedanken einen Betrug zu nennen, vom Feinde für den Feind erfunden, als Dorwand, die Annektion der deutschen Kolonien zu verschleiern. Sn der Tat haben alle Mandatsstaaten durchaus dieses Ziel im aus­gesprochenen Widerspruch zum § 122 des Der- sailler Diktats.

Aber ergibt sich aus diesem Widerspruch von Recht und Macht die Berechtigung des deutschen Verzichts? Es sollte vielmehr die deutsche Auf­gabe sein, sich nicht mit dem bösen Willen der Gegner abzufinden, sondern olles zu tun, damit der Mandatsgedanke sich durchsetzt und verwirklicht wird. Nichts wirkt, so hebt Grimm auf Grund seiner Reise hervor, verhängnisvoller als die Auffassung. Südwest sei durch Krieg und Frieden englisch-burisch ge­worden. Daß auch die deutsche Politik diesem Verzichtgedanken unterlag, erwies das Londoner Abkommen, das den Deutschen in Südwest, die theoretisch noch immer ausgewiesen und enteignet werden konnten,neue 8 Recht zu verschaffen suchte. Sie wurden, sofern sie nicht ausdrücklich vorauf verzichteten, stillschweigend britische Untertanen Südafrikas, als ob sie in einem britischen Dominion und nicht in einem Wandatslande wohnten, das n u r g l e i ch - berechtigte Bürger kennt. Damit wurde der englisch-burischen These Vorschub geleistet, jener These, der auch deutsche Schiffahrt und deutsche Wirtschaft durch englische Beschriftung ihrer Waren zuweilen allzu gefügig Rechnung trug.

Sn einem übernationalen Mandatsgebiet also, wo alle Rationen gleiche Rechte Haden mühten und die Hälfte der Bevölkerung, und dazu die Kulturschicht, aus Deutschen besteht, muh das Deutschtum noch immer um die Gleichberechtigung kämpfen. Seine Lage wird von Grimm sehr inter­essant mit der der Buren in Südafrika zwischen 1902 und 1910 verglichen, nur daß in Deutsch- Südwest der Dur heute die Rolle des Engländers spielt. Denn der Bur ist der Träger jener Politik geworden, die Devöllerungsverhältnisse unter widerrechtlicher Begünstigung einer Ein- Wanderung aus Südafrika auf Kosten des Man- datslandes umzuwerten. Wie weit das schon ge­diehen ist, zeigen die Bevölkrungszahlen: 40 Pro­zent bodenständigen Deutschen (die Hälfte der deutschen Bevölkerung wurde vertrieben) stehen heute 10 Prozent Engländer und 50 Pro zerrt Duren gegenüber: aber, wir Grimm weiter fest­stellt, fibertoiegen im Alter von 35 bis 40 Zäh­ren noch immer die deutschen Einwohner, ja. gibt es im Alter von 40 bis 50 doppelt so viele Deutsche als Duren im Lande. Trotzdem ist die deutsche Sprache nicht einmal als Amtssprache anerkannt:Wenn drei Worte über den gegen­wärtigen südwestafrikanischen Zustand gehören, dann heißen sie: Unredlichkeit, Unver­nunft, Undank."

DaS Deutschtum in Südwest ist, angesichts per allgemeinen deutschen Machtlosigkeit, auf sich selbst gestellt. Gerade deshalb muh sich die öffent- liche Meinung tm Reich davor hüten, einer wohlbedachten englischen Propaganda wieder ein­mal inS Garn zu gehen. .Mit Hilfe der einst deutschen Diamanten wird die Unterdrückung der Deutschen im Lande wie der fortwährende indi­rekte Kampf gegen den Mandatsgedanken bezahlt, anglo-amerikanilches Kapital und tüchtige deutsche Arbeit liefern ohne Willen die Mittel dazu: daS nennt man Schicksal."

Mit einem untrüglichen Sinn für d:e Wahr­heit geschrieben, dienen diese Briefe einmal der Klarstellung der Entwicklung, warnen s'e vor dem beliebten deutschen Op imismus von der Gleich­berechtigung des Deutschen in der Welt. Zum andern geben sie ein anschauliches Bild der Lage des Deutschtums wie des südwestafri anischen Lan­des überhaupt, feiner Wirtschaft und seiner Zu­kunft. Grimm ist sich der augenblickllchen Be­dingtheit eines Gebietes, das anderthalbmal so groß ist wie das Deutsche Reich, aber (nach dem Stand? von 1926) von nicht mehr als 24 200 Weihen und 235 000 Farbigen bewohnt wird, immer bewußt: aber er hütet sich, angesichts der Unerschlossenheit dies s Raumes. Gug vor rosi­gen oder pes imistischen Prophezcih-mgen. Und er vergißt nie, daß es in Südwest, wie er sich aus­drückt, um einStück politischer Moral der Menschheit und der Zukunft" geht. Deshalb stellt er den Mandatsgedanken in den Mittel­punkt seiner Betrachtungen. Roch in den 14 Punk­ten Wilsons wurde ja eine Verteilung der Kolo­nien nach den wirklichen Bedürfnissen der europäischen Länder geordert. Auch dieser schöne Punkt versank mit dem deut'chen Zusammenbruch. Doch gerade weil etnoch SchsimmereS ver­hütete", ist der Mandatsgedarlle vielleicht als Fortschritt zu werten, als eire neue Möglich­keit kolonisatorischer (Betäli-umg, sofern man über­haupt noch an ein europäisches Zivilisations­bewußtsein glauben kann.

Grimm schreibt:Sn Afrika sind die dorthin übertragenen europäischen und politischen Gren­zen, insofern nicht nationale Staaten bestehen, wie Aegypten und Abessinien und die Südasrllanische Union, samt den dorthin übertragenen euro­päischen Wasfenkämpfen, samt einer gelegentlich übertragenen kapitalistischen Politik nicht nur kein Segen, sondern e In Unfug gewesen und Jinö Unsegen und Unfug geblieben. Ein Versuch über politische Grenzen und nationale D.schränlunaen und europäische Waffenkämpfe hinaus sollten die Mandatsländer werden. Und wirtlich ist eine afrikanische Reuordnung nach dem allgemeinen europäischen Bedürfnis eine Reuordnung, die kommen muß, wenn ein europäischer sozialer Zusammenbruch aufgchalten werden soll ohne Verlust des Ansehens jener einzelnen Macht nur dadurch möglich, daß das ganze afrikanische Land, außer Aegypten und Abessinien und der Union, übernational wird, daß in Ganzafrika, außer Aegypten und Abessinien und der Union, der Völkerbund souverän wird bei höchster Ent­wicklung einer unverfälschten S e l b st verwal- t u n g m den einzelnen Teilen, daß die drei oder vier großen Kultursprachen Amtssprachen wer­den, daß aus den großen Kulturnationen die besten Beamten paritätisch entnommen wer­den. daß jeder gesunde Weiße Einwanderer b e i völlig gleichen Rechten und Pflich­ten willkommen ist."

Angesichts der Versuche der Rutznieher des Weltkrieges, auch den Mandatsgedanken völlig durch den reinen Machtgedanken zu ersetzen und die Mandatsgebiete den Kolonien der Manda­tare rechtswidrig einzugliedern, mag eS recht verfrüht fein, diesen Gedanken nachzuhängen. Doch ergeben auch sie sich zwangsläufig aus brr Ein­führung der Mandate selbst, führen auch sie,

Oer frankfurter Dühnenpwzeß.

WSR. Frankfurt a. M., 2. Rov. Zu Be­ginn des vierten Derhandlungstages in dem Proz« ß gegen Müller-Wieland stellte der Der ihende fest, daß ihm die Zivllprozeß- aften der Städtischen Bühnen-A.-G. gegen Müller-Wieland vorliegen, woraus sich ergibt, daß die Rückzahlung eines Vorschusses von 5600 Mk. verlangt wird. Der Vorsitzende verlas ein Schreiben des Anwalts des An­geklagten an den Vertreter der Dühnen-G^ell- schaft. Der Angeklagte erkennt darin die Schuld von 5600 Mk. an und verpflichtet sich, sie abzu- fragen. Der Staatsanwalt verlangte Aufschluß, wann der Angeklagte den Vorschuß bekam, wie die Rückzahlungsbedingungen waren, wieso es kam, daß die Rückzahlung nicht erfolgte, und wann die Klage eingereicht wurde. Der An­geklagte weiß die genaue Zeit, wann der Vor­schuß gegeben wurde, nicht mehr anzugeben. Der Angeklagte hat, wie man hört, schon einmal einen Vorschuß, und zwar 1800 Mk., erhalten. Die bann ihm bewilligten 6000 Mk. sollte er in Monatsraten zu 250 Mk. zurückzahlen, es sind aber tatsächlich nur 400 Mk. zurückgezahlt wor­den. Der Vor'chuß wurde an sich zinslos gegeben, aber als die Raten nicht gezahlt wurden, .for­derte man nachher Linsen. Dann wurde das

Zeugenverhör

fortgesetzt und der Buchhalter der Genossen- schaftsbank, Meixner, vernommen. Als der Scheck von 16 500 Mk. erhoben wurde, befand sich auf dem Konto der Zentrale für gemein­nützige Kunstpflege noch ein Guthaben von 12 500 Mart. Es lag bei den gegenseitigen Beziehungen keine Veranlassung vor, noch 4000 Mk. vorzu­legen. denn es gingen ja jeden Tag Gelder von der Zentrale ein.

Der Zeuge Dr. Schüller soll Auskunft über die an den Angeklagten vom Rundfunk gezahlten Gelder geben. Der Rundfunk überwies die Zah­lungsbeträge an die Bühnengesellschaft in gan­zen Summen, daß davon ein Teil an den An­geklagten ging, war nicht befaitnt.

Der nächste Zeuge, Dir. Dr. Flesch von der Sudweftdeutschen Dundsuntgesellschaft ist der Auf­fassung, daß der Angeklagte sich um die Opern- übertragungen verdient machte, dir andern deut­schen Obetnübertragungen überlegen geween seien.

Der Zeuge Bücherrevisor 'Allecke soll über die Vernwgensverhältnis e der Zentrale für ge­meinnützige Kunstpsle^e, über seine Revision und deren Ergebnisse und die Beziehungen zwischen Zentrale und Bühncnges.llfchaft Aus un't geben. Der Zeuge wurde am 6. Dezember 1926 vom Ge­neralkonsul Kotzen berg zur sofortigen Revi­sion der Bücher der Zentrale gebeten. Die Re­vision erstreckte sich auf das Geschäftsjahr 1928 bis zum Prüfungstage. Die ihm von 1926 vor­gelegt« Bilanz wurde von ihm berichtigt, sie zeigte ein Lieberwiegen der Schulden über die Vermögensteile von 34 500 Mk. Sn der Bilanz waren 21 767 Mk. Schulden an die Bühnen- gefellschaft verzeichnet, in den Büchern.stand diese Schuld nicht. 1926 war eine Rückzahlung an die Bühnengesellschaft nicht erfolgt, erst später sind 2000 Mk. zurückgezahlt worden. Dis 31. August 1927 hatte sich die Lage der Zentrale gebessert. Der Fehlbetrag war nur noch 25 760 M?., der

Reingewinn betrug 9051 Mk. Dieser Reingewinn hätte sich vermindert, wenn die Bühnengesellschaft Zinsen beansprucht hätte. Die Liquida iionsbi! an-, ergab einen Gewinn von 11124 Mk., so daß sich der Fehlbetrag a uf 14 700 Mk. vermindert:. Don der Bühnengesellschaft wurden monat­lich 500 M k. abgehoben, und zwar zunächst mit Quittungen in Schreibmaschinen- schrif t, die letzten Qulltun er standen aber auf Formularen der Bühnm^ef.lsicha t. Der Ge- schästsführer Wartenberg hat de.n Zeugen gesagt, daß die Quittungen früher anders ge­lautet hätten, und daß sie nachher erseht worden seien.

Rach einigen Fragen des Vorsitzenden und den Antworten des Angeklagten wurde dann der frühere Geschäftsführer der Zentrale, Richard Daum, vernommen. Der Zeuge will dem An- gellagten wiederholt nahegelegt haben, die Zen­trale zu übernehmen, weil sie eine gute Schutz- truppe für die Bühnen war. Gr habe auch schließlich durchaesetzt, daß Müller-Wieland die Seitung übernahm.

Der nächste Zeuge war der Konsul Dr. Kotzenberg. Gr äußerte, daß er erst, als die Sache zum Klappen kam, davon erfuhr, daß der Angeklagte von der Zentrale eins monatliche Vergütung Don 500 Mark erhielt. Dors.: Hätten Sie denn als Vorstand wissen mstssen, daß er 500 Mark bezog? Zeuge: Eigentlich ja. Der Zeuge hat den Bücherrevisor mit der Revi­sion beauftragt, ein Mißtrauen gegen den An­geklagten lag nicht vor, aber es lag schon etwas in der Luft.

Auch der folgende Zeuge, Vorstandsmitglied der Zentrale Sutter bekundete, daß er erst kurz vor dem Ausscheiden des Angeklagten erfuhr, daß Mül- ler-Wieland ein Monatsfixum bezogen hatte, der Angeklagte machte davon in einer Sitzung Mittei­lung. Der Zeuge und Dr. Kotzenberg beantragten damals, möglichst viel an die Bühnengesellschaft zu­rückzuzahlen, und es sind dann jene 2000 Mark zu­rückgezahlt worden. Sowohl der Zeuge Sutter, wie der Zeuge Dr. Kotzenberg erklärten auf Befragen, daß der Angeklagte an sie mit einer Geldforderung nie herangetreten fei.

Nach der Mittagspause wurde der Zeuge Baum nochmals vorgerufen und vom Staatsanwalt oer- nomnien. Dem Zeugen wurde ein Abkommen vorge­lesen, das zwischen ihm und dem Angeklagten zu­stande kam, als Müller-Wielayd' die Geschäftsfüh. rung der Muku übernahm. Darin wurde die Bürg­schaft, die Baum ehemals übernommen hatte, getilgt.

Der ehemalige Kassierer der Städtischen Dühnen- A.-G. bekundete, daß der Angeklagte für das ent­liehene Geld, wofür der Angeklagte den Scheck hin- geaeben hatte, Zinsen insgesamt von 212 Mark be­zahlt hat. Auf dem Bureau fei man allgemein der Ansicht gewesen, daß der Angeklagte die Sommer- gastspiele auf eigene Rechnung veranstaltete. Der Angeklagte habe damals erklärt, daß die Gelder für die Sommergastspiele über sein Konto dirigiert wer- den sollten. Der Zeuge hatte keine Bedenken, dem ftattjugeben, insbesondere deshalb nicht, well ein Aufsichtsratsbeichluß Vorgelegen hatte, aus dem sich ergeben habe, daß Müller-Wieland die Sommergast- spiele in eigener Regie übernehme.

Die Derhandlung wurde dann auf Samstag vor­mittag vertagt.

aus anderer Richtung, zum gleichen Ziel tote die Betrachtung des gegenwärtigen rechtlosen Zustandes der Deutschen in Südwest, welche die­sem Lande noch immer den Charakter geben: zu einem einheitlichen gesamtdeutschen Standpunkt in der kolonialen Frage, der angesichts der Ver­worrenheit der Begriffe bitter not tut.

Aus der provinzialhaupistadi.

Gießen, den 3. Rovember 1928.

Was die können, das kann ich auch!""

.Last du schon gesehen, daß Müllers Ilse einen neuen, seidenen Mantel hat?" fragte Frau Meyer ihren Mann. Dieser schüttelte ahnungslos den Kopf. Unb Frau Meyer fuhr fort:Ratürlich muß unsere Elsbeth nun auch einen neuen Mantel haben: wir nehmen aber nicht braun, sondern lila!" Herr Meyer seufzte und versuchte daran zu erinnern, daß doch seine Frau Gemahlin noch vor furjem, als sie felbft einen Mantel be­kam. erklärt hatte, daß der von Elsbeth noch einmal einen Wintermitginge".Sa, aber nun können wir doch nicht anders, das muht du doch einsehen!" behauptete Frau Meyer. Wenn der Herr des Hauses es auch nicht einsah. so sagte er doch nichts weiter: denn wenn seine Frau schon die Farbe des neuen Mantels bestimmt hatte, dann war nichts mehr zu machen. Er stellle in Gedanken einen entsprechenden Posten für den nächsten Monat ein.

Als Lehmanns einen neuen Sechssitzer gekauft hatten, ruhte Frau Schulze nicht, bis auch ihr Mann einen ähnlichen Wagen erstanden hatte, trotz der fürchterlichen Ratenzahlungen. Aber sie konnten doch unmöglich zurückstehen. Was sollten denn die Leute denken?Das sind wir uns schull>ig: Was Lehmanns können, das kön­nen wir auch!"

Herr Schm.dt hatte vor einigen Wochen, als sich die Herbstausgaben so häuften, erklärt, er wolle sich diesen Winter noch einmal mit seinem alten Fi^hut behelfen. Am Montag aber er chien fein Kollege Petersen mit einem neuen, tadel­losen Hut im Bureau. Er wurde von allen Seiten bewundert, der Hut natürlich. Richt lange da­nach hatte auch Herr Schmidt einen ähnlichen Hut, wenn auch in etwas anderer Form und Farbe.

Wollen wir die Beispiele noch vermehren? Soll ich daran erinnern, was mein Freund W. neulich sagte, als wir einen Ausflug machen wollten?Wir können natürlich unmöglich Holz- klasse fahren, das geht jetzt nicht mehr. Die an­dern fahren auch Polster. Das Opfer muß man seinem Stand bringen. Also fuhren wir Polster.

Es geht aber sehr oft um ernstere Dinge. So z. D., wenn die Kinder nach diesem Rezept in öie höhere Schule geschickt werden. Da wird überhaupt keine Rücksicht darauf genommen, ob der Sunge oder das Mädchen gut veranlagt sind. Es heißt einfach: Müllers Heinz und Fa­bers Snge gehen in die höhere Schule, unsere Kinder können das auch. Also losl Wenn sie sitzen bleiben, erhalten sie Rachhilfestunden. Und das Ende vom Liede? Den Kindern wird ihre Schulzeit zur Hölle, und vor der Zeit, ohne abgeschlossene Bildung müssen sie die Schule

verlassen. Aber sie sind in der höheren Schul« gewesen. Man hat sich nichts vergeben.

Sa, merken wir denn nicht, daß wir nut Skla­ven und Rachahmer sind, wenn wir beständig sagen:Was die fönnen, das kann ich auch?" Wo bleibt da daS ruhige, sichere Schreiten? Es ist ein Wettrennen im kleinen, aber kein schönes, und viele bleiben auf der Strecke. (Sie haben über ihre Verhältnisse gelebt!")

Sch will nicht übertreiben und will mich nicht auf den Standpunkt jener Frau stellen, die einst verlangte, daß eS von der Behörde verboten werden müsse, daß sich arme Leute so kleiden könnten wie die reichen! (Es war übrigens eine Bauersfrau, im Vollbesitz ihres großen Reich­tums, doch nicht im Vollbesitz sehr großer Geistes­schätze.) Aber an ein altes, leider oft vergessenes Sprichwort will ich erinnern. Das heißt: Wer sich nicht nach der Decke streckt, dem bleiben die Füße unbedeckt.

Sa, dieses Sichnachderdeckestrecken, das haben viele vergessen. Man schaut zuviel nach den andern, verliert die innere Festigkeit und wird unsicher. Kann man nicht Echtes erstehen, greift man zum Kitsch. Sch denke dabei an Möbel, Bilder usw. Rur well der Rachbar ein Bild von einem Meter Breite hat, muß man auch so ein großes haben. Es haben noch gar viele die Angewohnheiten des Herrn Reureich und der Frau Raffke an sich. Rur ein? haben sie nicht, was jene Herrschaften derein.r besaßen, das i!st das Geld. Mancher sollte bescheiden sagen: Das kann ich mir nicht erlauben." Dafür hört man viel mehr das hochnäsigeWas die können, daS ...."

ES gibt Posten, an denen wir nicht sparen ollen und nicht sparen dürfen. Das ist die Sorge ur unsere Gesundheit und für die Zukunft un- erer Kinder. Gesund fein und fröhliche Kinder haben, die einst sagen können:liniere Ottern haben selten an sich gedacht, alleS für uns getan," 'ist doch wohl erstrebenswerter als die neueste Hutform oder das schönste Auto! Diese Dinge überlassen wir ruhig denen, die esöa#u haben".

Sich nach der Decke strecken, ist ein gute8 Sprichwort, und wir sollten es mehr befolgen. Sft einmal etwas Geld übrig, was ja auch ein­mal vorkommt, soll man an das andere Wort denken: Spare in der Zeit, so hast du in der Rot! Geben wir unserer Sugenb, die ja leider durch eine trübe Zell hindurchgegangen ist und gar oft nichts vom Sparen weiß, ein gutes Bei­spiel, und zeigen wir ihr, daß wir unbehindert durch Tagesmeinungen und Torheiten unfern Weg gehen, ohne nach links oder rechts zu schauen. Kommt aber jemand mit dem Hinweis auf die andern, dann sagen wir:

Wenn alle ins Wasser springen, müsien wir es nicht auch tun! L. M.

Doriragsvereinigung Gießen.

Sede llebergangsKeit, jede künstlerische Krise hat eine ilmgeftaitung der Formen und Mittel im ©efotge. Probleme und Forderungen erheben sich, und so überstürzen sich heute die Rufe nach neuen Ausdrucksmllttln, neuenSnstrumenten. Man fordert von ihnen vor allem neue Klangfarben, neue Tvnsysteme (Teilung ter Oktave in kleinste Telle) und Erweiterung teS Tonumfangs nach oben und unten. Alle Bestrebungen scheiterten

bisher an der Gebundenheit der bestehenden fi turnen tc durch das temperierte System. Phy­siker und Techniker arbeiten unaufhörlich an neue« Konstruktionen, und heute haben wir bereits erkannt, daß die elektrische Tonerzeugung hie, einen Weg in die Zukunft weist (Leo Theoemiq und Sorg Mager).

Der Vortrag des Physikers W. P a u <1 (Berlin), ten die Vortragsvereinigung für Don­nerstagabend gewonnen hatte, führte zunächst in die elektrischen Tonerzeugungsmöglichkeiten ein. Sn leicht verständlicher Weise sprach der Vor­tragende über Entstehung und Erzeugung von Wechselströmen und ihre Wirkungswelle beim Hervorbringen von Tonschwingungen. Es toüvba zu weit führen, hier die einzelnen Versuche noch­mals aufzuzeigen. Die lehrreiche Demonstrierung vermittelte den Hörern einen geschloßenen und deutlichen lleberblick über die wesentlichsten Ele­mente und Apparaturen. Die praktische Bor- führimg einer Schallplatte, bei der die Schwin­gungen der Radel durch eine neue Schalldose, die Spule und Magnet enthält, und einen Ver­stärker auf einen Lautsprecher besonderer Kon­struktion übertragen werden, war ein ausge­sprochener Erfolg. DaS wiedereegebene Orgelspiel Prof. S i 11 a r d s klang überzeugend natur­getreu und ausdrucksvoll. Der bann zu Gehör gebrachte Männerchor des Berliner Lehrergesang­vereins war zwar auch sehr , klar, ober dis Klangfarbe war nicht fo natürlich, wie bei der Orgeqjlatte. Sm weiteren Verlauf des Vortrags wurden den Hörern in interessanter Weise das Wesen 6er Tonschwingung und der Schallwelle durch ihre Sichtbarmachung erläutert. Die Pro­jektion der Wellen einer Grammophonplatte an die weihe Wand gab ein gutes Blld. Zum Schluß kam der Vortragende noch auf die Be­strebungen Leo Theremins zu sprechen, lieber das Für und Wider dieser Versuche ist schon viel geschrieben worden. Eins steht aber wohl fest: Deo Thererninsche Apparat kann ^toar die verschie­densten Klangfarben hervorbrmgen und erlaubt auch ipobon sich der Schreiber gelegentlich des Sommer der Musik' in Frankfurt mehrfach über­zeugen koimte Sntervallverbindungen. ohne die Zwischentöne hören zu lassen, ist aber doch in seiner vorläufigen Form nicht als neues brauchbares Musikinstrument zu toerlen.

Der außerordentlich starke Besuch des VorttagS zeigte das große Snteref.e, das man allgemein dem Problem der elektrischen Tonerzeagung ent­gegenbringt Reicher Beifall dankte tem Vor­tragenden die interessanten und lehrreichen Aus­führungen.

Dale« für Sonntag, 4. November 1928.

Sonnenaufgang 6.58 Uhr, Sonnenuntergang 16.29 Uhr. Mondaufgang 22.33 Uhr, Monduntergang 14.08 Uhr.

1575: der italienische Maler Guido Reni in Bo- logna geboren; 1743: Eröffnung der Universität Erlangen; 1891: der Dichter Klabund (Alfred Herrschte) geboren.

Daten für Montag, 5. November 1928.

Sonnenaufgang 7 Uhr, Sonnenuntergang 16.27 Uhr. Mondaufgang 23.52 Uhr, Monduwirrgang 14.34 Uhr.

1414: Konzil zu Konstanz; 1494: der Dichter Hans Sachs zu Nürnberg geboren.

** Gchulperfonolien. Ernannt wurden der Schulamtsanwärter Karl Nothnagel aus Ober- Gleen, Kreis Alsfeld, zum Lehrer an der Volksschule zu Nieder-Modau, Kreis Dieburg; der Lehrer Otto L o h zu Deitshain, Kreis Lauterbach, zum Lehrer an der Volksschule zu L'idhecken, Kreis Büdingen.

** AusdemGiehener StandesamtS- re gift er. Es verstärken in ter Zeit vom 15. bis 3L Oktober: 17. Karl Wilhelm Orbig. Rentner, 83 Sahre alt, Rittergasse 17. Stephan Pfeffer, Polizei-DerwastungLinspeitor t R., 76 Sabre alt, Kaiser-Allee 16. 19. Margarete Marie Wilhelmine Roth. 2 Monate all. An der Mar- garetenhütte Block 16. 21. Heinrich Ruth. D?r- wallungs-Obrras istent, 33 Sabre alt, Druchstr. 22. 22. Emilie Stohr, geb. Frech, Witwe. 80 Sah« alt, Weserstraße 29. 23. Mathilde Möhl, geb. Busch, Witwe, 75 Sahre alt, Loberstraße 10. Professor Ernst Kutsch, Oberstudienrat t 2U 72 Sahre alt, Ludwigstr. 33. Elisabethe Spaar. gebe, Lotz, 57 Sahre ait, Schifsenberger Weg 30. 24. Ludwig Cemittier, 1 Stunde alt, An der Margarctenhütte 60. Willi Bendt, 4 Monat« alt, Steinstraße 23 A. 27. Anna Wagner, geh. Schmidt, 31 Sahre alt, Kirchstraße 11. 28. Georg Thront, Privatmann, 77 Sahre alt, Hofmann- straße 1. 30. Heinrich Pfeil. Metzger. 47 Sahre alt. Wolfstrahe 11. 31. Sohanna Luise Prybill. geb. Löhr, 36 Sahre alt Liebigstraße 80. Katha­rine Schneider, Stütze. 50 Sachre alt DUHelm- strahe 19.

Der VerbandDeutsche Frauen­kultur". Ortsgruppe Gießen, veran­staltete am Dienstag int Eafe Astorta einen Vor- tragsnachmittag über daS Thema:Wie führe ich mein Kind in die Musik ein?" Die Vortra­gende, Musiklehrerin Fräulein Decker (Gießen), sprach über die Tonika-Do-Methode als den be­sten Weg dazu. Shre theoretischen Ausführungen legten dar, daß dieses in England aufgekommene, in Deutschland mehr und mehr sich ausbreitende Lehrsystem in ganz einzigartiger Weise geeignet ist, das Gehör zu schulen und daS Kind zu treff- und taktsich:rem Absingen von Liedern Au er­ziehen. Sinnreiche Darstellungsmittel, bie sich an die verschiedensten Sinnesgebiete gleichzeitig wenden, wie Handzeichen, Farben, Silben, Schrift­zeichen. Figuren, veranschaulichen in echt Pesta- lozzi-FröbelschLr Weise Tonbeziehungen und Takt- werte. Eine Reihe von bestgelungenen praktischen Vorführungen mit etwa 10 Schülerinnen im Alter von 714 Sahren bestätigten in glanzender Weise den Wert und ®rfoig der Methode. Es war erquickend zu fehen, mit welcher inneren An­teilnahme und Freude, und welcher verblüffenden Sicherhell die Kinder sangen. Sichere Stmnn- sühruna im zwei- und vierstimmigen Kanon, da« Akkordsingen als Begleitung einer Solostimme, stets unter Hinzufügung der Handzeichen, waren ebenso bewundernswert wie 5er llebergang zur Rotenschrift, die guten Leistungen im Wusikdiltat und die Treffsicherheit auf der Klaviatur. Man kann Frl. Decker beglückwünsche zu diesen schönen Erfolgen der Tonika-Do-Wethode. um so mehr, als Ja ft alle ihre vorgeführten Schüle­rinnen keinerlei Musikinstrurnent zu Hause be­sitzen und erst verhältnismäßig ku«e Zell (Vp bis l1/» Sahre) nach dieser Mechooe unterrichtet werden. Den lehrreichen Darbietungen wäre ein besserer Besuch zu wünschen gewesen. Der Lei­tung der Ortsgruppe gebührt Anerkennur^ dafür, daß sie auch solche wichttgen Erziehungsfragen in den Bereich ihrer Tättgkeit aufnhnmt