Ht.29 Drittes Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbrrhessen)
Zreitag, Z. Zebruar 1928
Turnen, Sport und Spiel
t g a r t e r X Fuhballv
erein
werden dem Karlsruher
Nachdruck verboten.
34 Fortsetzung.
die Hände zu. „Meine Liebel Wie schön, d^ß du dich wieder nach mir umsiehst! Wie? Du fragst, ob mir der Tag neulich gut bekommen sei? Ausgezeichnet, sage ich dir! Es ist, als ob von dieser entsetzlichen Steifheit in meinen Gliedern etwas zu weichen beginne, — und wenn ich Schmerzen habe, — dann vergesse ich sie jetzt leichter, wenn meine Gedanken untergehen in der Erinnerung an jenen großen Tag!"
Gerade war sie im Begriffe, die Enkelin aufzufordern, Jackett, Muff und Pelzbarett abzulegen, als Melusine sich ihr auf dem Stuhle, den sie neben die Greisin herangezogen, etwas entgegen neigte und ihr halblaut sagte: „Grandmaina! Ich habe dir einen ganz unerwarteten Gast mitgebracht! Ich glaube, du wirst ihn freundlich aufnehmen. Es ist Monsieur Jean Paul Bouvier. Du erinnerst dich: der Enkel von jenem alten Ehepaar Bouvier, daß ich damals in Frankreich kennenlernte, als ich für ein paar Tage Raymond im Lazarett besuchen durfte —
Die dunklen Augen der Greisin wurden immer größer und erstaunter: „Natürlich erinnere ich mich jener Episode, von der du mir erzählt hast! Und nun ist der Enkel der alten Leute hier? Aus welchem Grunde?"
Melusine erklärte ihr die Ursache seines Kommens. Das alles klang natürlich, begreiflich, nicht überraschend. Aber der feine Frauentastsinn griff auch bei der alten Baronin den Hinweis auf: „Und trotz der Kürze seines Aufenthaltes kam er sogleich, um dich zu begrüßen, Melusine?"
Sie errötete bis unter die Haarwurzeln. Das Herz tat einige schwere, mühsame Schläge vor aufschießender Erregung. Der Wunsch stürzte sich förmlich über sie: in dieser lebenserfahrenen Greisin eine Beraterin, eine Mitwissende in ihren Herzensnoten zu suchen.
Aber drinnen im kleinen gelben Salon wartete Monsieur Jean Paul, und es war unschicklich, ihn nicht bald herein zu bitten. Deswegen lag eine gewisse Hast neben all der unterdrückten Erregung, als sie fortfuhr: „Grandmama, er hat mir eben auf der Herfahrt gesagt, die Sehnsucht habe ihn getrieben, mich jetzt wieder zu fcfyfn." .
„Melusine!" — War es wirklich nur eine Frage, war's nicht fast eine Freude, ein Ahnen der Greisin? Das temperamentvolle franzoitzche Blut, Sas noch in der Greisin rollte, drängte sie, die,e plötzlich
Zutt (1900 Gießen).
Bor diesem Spiel stehen sich die 1. Jugend von Gießen 1900 und vom B. f. R. 07 Limburg gegenüber. Der Ausgang ist offen.
1900 2. Jugend empfängt die 2. Jugend vom D. f.B. Gießen im Diplomspiel. Die Schüler von 1900 spielen gegen die Schüler Klein-Lindens in Klein-Linden.
Die Ligareserve fährt nach Marburg zum B. f. B. Kurhessen Marburg.
Süddeutscher Fußball.
3n der Runde der Ersten greift die
(Zs zogen drei Burschen wohl über den Mein .... Roman von Erica Grupe-Lörcher.
gung 1900 ein Liga-Lluswayiiplei jigii, zu oem uie Ligaspieler von Gießen und Wetzlar, sowie einige Spieler von Butzbach zusammengerufen sind. Das Rückgrat der Auswahlmannschaften werden die beiden Gießener Ligavereine 1900 und 23. f. B. stellen. Die Leitung des Spiels hat Schiedsrichter
richt entschieden nachgelassen hat. Aber die Kirchhainer haben sich doch kolossal herausge- macht und nehmen jetzt einen guten fünften Platz in der Tabelle ein.
Der kommende Sonntag steht im Zeichen des Kampfes der Tabellenletzten. Frohnhausen gegen Butzbach haben beide ein gesteigertes Interesse daran, vom Tabellenende wegzukommen. Dabei steht allerdings Frohnhausen mit weniger Spielen relativ bedeutend besser. Butzbach hat mit diesem sein letztes Spiel auszutragen. Es wird also einen harten, schweren Kampf um den Sieg geben, in dem wir Frohnhausen als Plahverein um eine Kleinigkeit besser halten. Im zweiten Spiel des Sonntags stehen sich noch Ockershausen und Kirchhain gegenüber. Ockershausen zeigte am letzten Sonntag in Wetzlar, daß es über eine Elf verfügt, mit der in jedem Falle zu rechnen ist. Den bisherigen Leistungen nach sind sich aber beide gleichwertig.
Als besondere Veranstaltung bietet der 5. Februar noch ein Auswahlspiel zur Ermittlung der besten Besetzung für die aufzustellende Gaumannschaft. Die Auswahl findet aus dem 1920 - P l a h statt, die Spieler werden gestellt von B. f. 2. und 1900 Gießen, Wetzlar und Butzbach. m. w.
Liga-Auswahlspiel in Gießen.
vorgezogen werden müssen, auf eigenem Platz werden die Kickers die Punkte für sich beanspruchen. Das wichtigste Treffen der Runde findet in München statt, wo die Bayern mit der <^p i e l v e r e i n i g u n g Fürth um die vorläufige erste Anwartschaft auf die süddeutsche ' Meisterschaft kämpfen. Die Ergebnisse der jüngsten Zeit lehren, daß man nicht blindlings auf die Nürnberg» Fürther Hochburg schwören soll. Auch am kommenden Sonntag werden sich die Fürther einen etwaigen Sieg schwer erkaufen müssen. Bor allem kommt es darauf an, mit welcher Mannschaft sie den Kampf zu bestreiten gedenken.
Runde der Zweiten und Dritten: Die Gruppe R o r d w e st sieht alle Mannschaften im Kampfe. Der Futzballsportverein
Als Auftakt zu dem am 4. März stattfindenden Jugendheim-Opfertag des MSB. findet am kommenden Sonntag auf dem Platze der Spielvereinigung 1900 ein Liga-Auswahlspiel statt, zu dem die
Ausdem Tumgau Hessen (D. T.) Spielen
. o - Der 1. Gauverband (Main-Lahn) hielt am Sonntagnachmittag seinen ordentlichen Derbandsspieltag im „Deutschen Haus" zu Butzbach ab. Der 2. Gauvertreter, K. Schneider (Butzbach), hieß in de alten Turnerstadt Butzbach herzlich willkommen. Die Tagung stand unter der Leitung des 1. Ber> bandsspielwartes Rudolf Klinge (Frankfurt). Dieser gab eine ausführliche Darstellung von der Tätigkeit im Derbandsspielausschuh und in den Spielabteilungen: danach ist die Spielbewegung innerhalb des Gauverbandes im stetigen Fortschritt begriffen, insbesondere bei den Turnern, weniger bei den Turnerinnen. Hinsichtlich der Spielstärke haben sich hervorragend entwickelt die Frankfurter Turnerschaft und der Gau Main-Offenbach-Hanau: mit gutem Erfolg sucht der Gau Hessen dort schon seine Gegner, während der Kinziggau noch im Ausbau begriffen ist. Der nächstjährige Berbandssp ektag fällt dem Kinziggau zu und wird in Gelnhausen zusammentreten.
In den Berhandlungen wurde bestimmt, daß die Sommerspiele dieses Iahres am 10. 3 uni zu Frankfurt innerhalb des Berbandstages zur Entscheidung gebracht werden sollen. Der Beginn der M e i st e r s ch a f t s s p i e l e i m H a n d° ball, zu denen vom Gau Hessen auch der Turn- und Sportverein Butzbach gemeldet ist, Wurde auf den 26. Februar festgesetzt. Mit Rücksicht auf die vorbereitenden Arbeiten für das Deutsche Turnfest in Köln sollen die Lehrgänge diesmal nicht, wie üblich, in den einzelnen Gauen, sondern als Gesamtlehrgang für den Verband erst Ende August stattenden.
Eine äußerst lebhafte Aussprache entwickelte sich bei den übrigen Verhandlungsgegenständen, die man dahin zusammenfassen kann, daß man auf allen Seiten bemüht ist. die Härte beim Spiel zu mildern. Dieses Ziel erfordert, daß jeder Spieler schon in keinem Verein mit den einschlägigen Bestimmungen ' er Deutschen Turnerschaft und der Kreisspielordnung genau vertraut gemacht wird, und daß die Spielleiter selbst zahlreich an den entsprechenden Lehrgängen teilnehmen. Der Entwurf der neuen Kreisspielordnung regelt in eingehender Weise das umfangreiche Stoffgebiet und soll in den einzelnen Spielabte.lungen durchberaten werden, damit Anträge auf Abänderungen- noch vor seiner Verabschiedung auf dem diesjährigen Kreisturntag zu Hanau (22. April) gestellt werden können. Der Gauverband wird dann seine eigene Spielordnung derjenigen des Mittelrheinkreises angleichen. Auf die Ausbildung von Schiedsrichtern muh schon in den Vereinen entscheidender Wert gelegt werden. Aeltere, durchaus erfahrene Spieler sollten sich in größerer Zahl diesem verantwortungsvollen Amt widmen, damit die akttven Spieler nicht mehr dazu her- angezogen zu werden brauchen. Einstimmig wurde ein Antrag angenommen, daß bei der Pflichtspielreihe 1928/29 die Schiedsrichter für die Weisterklassen in den vier Gauen au S- oetauscht werden sollen. Auch der Eintritt in die Verbandssonberklasse beim Handballspiel ist stark umkämpft. Anträge, statt seither sechs in Zukunft acht Mannschaften zuzulassen. oder die Sonderklasse in zwei Bezirke zu je sechs Mannschaften einzuteilen, wurden ab- gelehnt, einmal weil die Wettspielordnung z. Z. nur sechs Mannschaften vorschreibt, und zum andern. weil ja eben die Sonderklasse nur die besten Spieler Herausstellen soll. Dagegen wird als Antrag weitergegeben werden, die Wettspiel» vrdnung bei der nächsten Nachprüfung entsprechend zu ändern und ferner festzusehen, daß me zwei ledesmal absteigenden Mannschaften mit den zwei aufsteigenden in besonderen Bewährungsspielen um den endgültigen Eintritt in die Sonderklasse kämpfen sollen. Allgemein und eindringlich aber wurde darauf hingewiesen, daß es ja nicht das letzte Ziel der Deutschen
Turnerschaft sei, Spielgröhen zu züchten, sondern das Spiel, und gerade das besonders, zu einer gern gepflegten B o l k s s a ch e auch in der Form der Freundschaftsspiele zu machen.
Akademische Skiwetikämpse auf dem Hoherodskops.
Am kommenden Sonntag finden auf dem H o h e - rodskopf die diesjährigen akademischen Skiwettkäinpfe statt. Da von den Universitäten Marburg und Gießen, ferner von der Technischen Hochschule Darmstadt die besten Läufer gemeldet ind, verspricht das Rennen sehr interessant zu wer- )en. Gleichzeitig werden die Skiwettkämpfe der hessischen Sicherheitspolizei zum Austrag kommen.
Sieg ör. peltzers in Amerika.
Neu y o rk, 3. Febr. (WTB. Funkspruch.) Dr. D e l tz e r, der gestern im 1000-Pard-Rennen in der Hallenbahn startete, siegte über 9 amerita- nische Gegner. Sein Sieg rief bei der Zu- fdiauermenge den größten Jubel hervor. Die Musikkapelle spielte das Deutschlandlied. Peltzers Erfolg brachte in den letzten drei Runden einen aufregenden Endlampf gegen den amerikanischen Exmeister und früheren Olympia-Läufer Ray Dodge. Pelt- $er, der über eine größere Reserve an Kraft verfügte, konnte jedoch schließlich mit 6 Pards Vorsprung vor seinem Gegner und der Gesamtlaufzeit von 2 Minuten 18g Sekunden durchs Ziel gehen. Nachdem Oberbürgermeister Walker den Startschuß abgefeuert hatte, geriet Peltzer zunächst ins Gedränge, entwand sich ihm aber rasch und übernahm die Führung. Die 12 000 Zuschauer, die das Rennen mit größter Anteilnahme verfolgten und Peltzers Start mit anfeuernben Zurufen begleiteten,* bereiteten dem siegreichen Läufer eine Riesenovation. Obwohl Peltzers Zeit mit 6 Sekunden hinter dem von Hahn aufgestellten Hallenrekord zurückbleibt, ist der Sieg angesichts der Sachlage als eine Glanzleistung zu betrachten.
peltzer crfiätf sieben Siartan^ebote.
Wie aus Neuyork gedrahtet wird, hat der Stettiner Meisterläufer Dr. Otto P e l tz e r bis jetzt insgesamt sieben Startangebote erhalten. Der deutsche Weltrekordläufer verspürt große Neigung, allen diesen Einladungen nachzukommen. Es erscheint jedoch ziemlich ausgeschlossen, daß die Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik außer den genehmigten noch drei weitere Starts Peltzers in Amerika zuläßt.
Handball der Sp.-Vg. 1900.
ö. Dem harten Strauß vom Vorsonntag wird für die 1900er übermorgen ein aller Voraussicht nach nicht minder harter folgen. Die Mannschaft tritt nämlich zum Rückspiel um die Bezirk s m e i st e rs ch a f t von Hessen-Han- notier dem Sportverein Kurhessen Polizei Kassel auf dessen eigenem Platz gegenüber. Obwohl die Spieltiereinigungsleute beim Vorspiel den Beweis erbracht hatten, daß sie den Kur- hessen kaum nachstehen, sind doch die Aussichten aus Erfolg alles andere als günstig. Schon allein aus Grund der Tatsache, daß eS bis jetzt herzlich | wenigen Provinzmannschaften gelungen ist, auS Kassä Punkte mitzunehm-n. Den einzigen Hoffnungsschimmei: für die 1900er bedeutet eine komplette Läuferreihe. Sollte der Mittelläufer noch nicht mit von der Partie sein können, so wird man sich der Kasfelaner nur unter Aufbietung des Aeußersten erwehren können.
2. Bezirksklasse Lahnkreis.
Der Spihenführer V. f. B. K u r h e s s e n Marburg befestigte am vorigen Sonntag seine Positton und schlug leicht und sicher die Frohn- Häuser „O r a n l e r“ mit dem eigentümlichen Ergebnis von 7:4. Bei gleichen Leistungen blieb der Wetzlarer Sp. V. mit 3:1 Toren vor Ockershausen in Front, diese damit endgültig auf den 4. Tabellenplatz verweisend. Der Neuling Kirchhain blieb ebenfalls erwartungsgemäß Sieger mit 3:1 über Fran- fenberg, welches nach dem Weggang Diet-
aufschießende Möglichkeit klar zu erfassen: „Und du, Kind? Ist er dir sympachisch? Wie ist dein 23er- halten ihm gegenüber? Mehr, als die Herkömmlichkeit einer frisch geschlossenen Bekanntschaft?
Baronesse Melusine preßte die Hände in den grauen Wildlederhandschuhen zusammen. Sie war gequält. „Er hat eine ganz unwiderstehliche Macht über mich gewonnen, Grandmama. Schon damals in Frankreich! Ich weiß nicht, worin der große Charme liegt, der ihn umgibt! Der mich einspinnt, daß ich ihm immer zuhören möchte, und keinen Widerstand finde! — Es ist etwas Unaussprechliches!"
Die alte Frau lächelte keile. „Weil du bis letzt wenig mit Bollblutfranzosen freundschaftlich verkehrt hast, meine Liebe! Sonst wäre dir dieser Charme nichts Ungewöhnliches. Und er ist obendrein ein Südfranzose! Ein Kind der sonnendurchgluteten Provence, in der es an allen Ecken und Enden singt und klingt von Melodien —"
Sekundenlanges Schweigen. Ein alter Groll stieg in der Baronin auf: „Du bist unter diesem Regime der preußischen Herrschaft hier ausgewachsen, Kind! Nach diesem hat sich dein Geschmack gebildet. Und das Resultat dieser Geschmacksrichtung von dir war deine 23erlobung mit dem Sohn einer hohen deutschen Beamtenfamilie! — Einem deutschen Adeligen. Der als deutscher Offizier den Krieg gegen Frankreich mitgemacht hat!"
Und wieder ein kurzes Schweigen. Melusine zog leise den erregten Arm ein. „Ich habe dich immer zu tief geliebt, Kind, um dir diese Verlobung mit einem lauten Protest zu stören. Aber gram war ich dir in all diesen Jahren, Melusine, das muß ich dir in dieser Stunde sagen! Und deswegen gib mir jetzt in dieser Stunde, in der du dich plötzlich zu meinem Vertrauen flüchtest: gib mir klar Antwort: „Sßjrit du jenen Deutschen heiraten? Hast du ihn so heb, wirst du die Kraft haben, hier alles aufzugeben, um ihm über den Rhein zu folgen?"
„Nein!" antwortete sie jetzt leise, doch ohne Zögern. Und was sie ihrer eigenen Mutter, auch dem Bruder bisher nicht zu gestehen gewagt, das vertraute sie der greifen Großmutter an.
Die Grandmama verstand sie aus tiefster Seele. Sie neigte einige Male das schneeweiße Haupt unter der kostbaren schwarzen Spitzenhaube und sagte baiui zum Schlüsse:
Frankfurter Eintracht nach längerer Pause wieder in die Kämpfe ein. Sie hat in dem Fußballs Portverein Saarbrücken vermutlich den leichtesten Gegner den sie voraussichtlich glatt besiegen wird, zumal die Frankfurter Mannschaft nun ausgeruht sein sollte. WormatiaWorms hat tm Sportverein W a l d h o f wiederum einen Gegn»r, bei dem sie Farbe bekennen kann. Nach ihrem Unentschieden gegen Fürth ist die gute Meinung von Worms wesentlich gestiegen, und doch traut man dem Erfolg immer noch keine Beständigkeit zu. Nach dem Verhalten gegen Waldhof wird man in bezug auf WormS elyet klar sehen können. Dor- | läufig muh man noch zu den Mannheimern I Vertrauen Haden. Die Stuttgarter Kickers
Er brach mit inniger Befriedigung ab. Denn er sah sie eine Bewegung machen. Eine ganz impulsive. Entsprang sie einer Freude, einer lieber- rafchung? Jedenfalls war es von ihm klug gewesen, noch dieses Lichtpünktchen in seine Unterhaltung zu setzen, die ihre wohlberechnete Wirkung aus ihre weibliche Eitelkeit nicht zu verfehlen mochte. O, er war ein gewiegter Frauenkenner! Und wenn er auch sofort übersah, dieser eleganten jungen Baronesse anders begegnen zu müssen als einem der handfesten, heißblütigen, naturfrischen Mädels unter der Glutsonne der Provonce, so schlummerte boc£ die weibliche Eitelkeit in ihnen allen. Und welche Frau, welä-es junge Mädchen war nicht nur zu bereit, zu hören, daß es geliebt wird?
Als das Auto dann das große schmiedeeiserne Gitterportal passierte und in eleganter Kurve das große Blumenrondell vor der Freitreppe des Schlosses umschrieb, fragte Monsieur Bouvier seine junge Begleiterin, ob es nicht taktvoller sei, er würde in einem anderen Zimmer einige Augenblicke allein warten, damit Melusine ihre Großmutter auf den völlig unerwarteten und fremden Besuch vor- bereite? _
Melusine fand den Vorschlag gut. Sie zweifelte allerdings nicht an einer wohlwollenden Aufnahme, weil Bouvier Franzose war. Aber schließlich fielen bann doch die ersten peinlichen Momente befremdenden Erstaunens weg.
Wie seit Jahr und Tag saß die alte Baronin wieder in ihrem Lehnstuhl am Fenster, das einen herrlichen Blick auf den Park bot, das Feuer knisterte im offenen Kamin, die kleine goldene Uhr unter dem Glassturz schwang ihren Pendel Sekunde um Sel*:be, wie immer! — Und doch war es, als ob ein leises Erwachen über diesem Schlosse läge, über allen Räumen, über jedem seiner Bewohner. Mit einer Lebhaftigkeit, einer Elastizität, wie Melusine sie seit Jahren nicht mehr an ihrer Großmutter bemerkt, wandte die alte Dame sich bei ihrem Eintritt der Enkelin entgegen und streckte ihr
Frankfurt wird in Neu-Isenburg auf lebhaften Widerstand des Vereins für Leibesübungen stoßen, aber am Siege wird er kaum zu hindern fein. Auch dem Sport- i Hub Notweih Frankfurt darf man in ' Neunkirchen einen Sieg über Borussia schon zutrauen. Allerdings wird Rotweiß sein bestes Stürmerspiel zu Hilfe nehmen müssen. Der Verein für Leibesübungen Neckarau wird sich vom Fußballsportverein 1905 Mainz nicht von fernem zweiten Tabellenplatze verdrängen lassen, wenn auch hier wiederum der Sieg nur bei äußerster Anstrengung aller Kräfte gewährleistet sein totrti. Saar 1905 Saarbrücken wird trotz eigenem Platze gegen die Fuhballgesellschas t 1903 Ludwigshafen den kürzeren ziehen. Man darf sogar mit einem deutlichen Torunterschiede rechnen. — Die Gruppe S ü d o st schickt nur vier Mannschaften ins Rennen. Der 1. Fußball- Club Nürnberg wird seiner Erfahrung aus den Derbandsspielen eingeb.nf bleiben müssen und darf den Verein für Rasensport Fürth nicht leicht nehmen. Die Fürther be- finden sich gerade in sehr guter Form so daß Aeberraschungen gar nicht ausgeschlossen _ sind. Noch offener ist die Begegnung des Phönix Karlsruhe mit dem Sportklub Freiburg. Phönix hat zeitweilig enttäuscht, dann aber wieder gute Leistungen zuwege gebracht. Sein Sieg über Freiburg liegt im Bereiche der Möglichkeit.
Fußball in Heuchelheim.
Am nächsten Sonntag hat die 1. Mannschaft des Sportvereins 1920 Heuchelheim die 2. vom Spielverein Wetzlar zu Gast. Die Frage nach dem Sieger muh offen bleiben, da beide Mannschaften einen guten Fuhball spielen. Das Vorspiel konnten die Wetzlarer mit 4:2 gewinnen.
Vorher spielt die 2. Mannschaft des Plah- vereins gegen die 3. von Wehlax.
Freie Turnerschaft Gießen.
Kommenden Sonntagnachmittag tritt Rodheims 1. Mannschaft gegen Gießens 2. Mann- schast im Rückspiel an. Darauf folgt das Treffee der 1. Mannschaft Leuns und der Ib-Mannschaft von Gießen. Leun wird Gießen ein gleichwertiger Gegner sein, da sie als spielstarke Mami- schast bekannt ist.
Die Iugendmannschast spielt in Butzbach und wird voraussichtlich mit einem Siege heimkehren.
Handball im Gau Hessen der O. T.
Nach Abschluß der Verbandsspiele im Gau Hessen, in der die erste Mannschaft des Männerturn • Vereins Gießen hinter dem Turn- und SpvrtoereinButzbachan zweiter Stelle kam, war es vorläufig noch nicht möglich, Spiele für die erste Mannschaft sicherzustellen. An den kommenden Sonntagen jedoch wird die Mannschaft durch namhafte Gegner auf die Probe ihres Könnens gestellt werden. Da diese Mannschaften anderen Gauen angehören, deren Spielweise und Spielstärke zudem noch als äußerst gut bekannt sind, dürfte das Äbichneiden der Gießener ein« Prüfung des Stärkeverhältnisses den anderen Gauen gegenüber darstellen.
Am vergangenen Sonntag trug die zweit« 5 l f des M t o. Gießen ein Freundschaftsspiel gegen die erste Mannschaft des To. Heuchelheim aus. Der 2(usgang 2:0 für die zweite des Männerturnvereins entspricht wohl dem Spielverlauf, hatte aber etwas höher werden können, wenn die Würfe auf das Tor flacher und nachdrücklicher gewesen wären. Vor allen Dingen aber ist die feine Art, mit der beide Mannschaften kämpften, lobend hervorzuheben. Bei Gießen lag die Schwerkraft im Sturm, während die besten Leute bei Heuchelheim in der Verteidigung und im Tormann waren.
Oer Sieger im internationalen 3000-Mr.Lauf.
Reuhork, 3. Febr. (WTB. Funkspruch.) 3m internationalen 3000-Meter-Lauf gewann Hinkel in 12 Minuten 59 Sekunden. Zweiter wurde Schwab. ____
„Sei stark, Kind! Schaffe dir Klarheit in deinen eigenen 5) en en, so wie es auch hier in deiner Heimat, im Elsaß, jetzt endlich eine gereinigte Atmosphäre gibt!" Sie erhob sich aus ihrem Lehnsessel. Ihre Linke umfaßte den Krückstock. Ihre Rechte legte sich auf die Schulter der Enkelin.
Es breitete sich wieder ein Hauch von Feierlichkeit über ihre Stimme, über ihre ganze Haltung:'„Sei klug und führe dein junges Leben dem wahren Glück entgegen! Der Sonne Frankreichs! Verbinde dein Schicksal mit demjenigen von Frankreich — wie dein heimatliches Elsaß es getan hat!"
Melusine senkte das Haupt. Etwas in ihr lehnte sich auf. Das Gewissen sprach: „Kann es dir Glück bringen, wenn du über bas Herz eines Menschen hinweggehst, der dir nie etwas Geringeres als.seine große, seine treue, seine vornehme Zuneigung entgegengebracht hat? Der dir um seiner selbst willen nie die kleinste Berechtigung gab, ihn aufzugeben! Kannst du das?"
Aber diese ganze Atmosphäre hier in der Umgebung der Greisin, die Großmutter selbst, die schwingende innere Erregung, in welche sie der plötzliche Anblick von Jean Paul Bouvier versetzte, dieses undefinierbare Fluidum, das während der Fahrt, so unmittelbar ihm Seite an Seite, wieder sie umhüllte und einzuspinnen begann — es war stärker als die Empfindung der Moral und des Gewissens!
Köstlich erschien ihr deswegen die 23erheißung, wie nun die Greisin, etwas zu ihr herabgeneigt, sagte: „Mein Segen würde auf dir ruhen, Melusine! O, welch ein Glanz von Freude, von Genugtuung wäre das noch in meinem alten Leben, wenn du — dich aifti) mit deinem persönlichsten Schicksal Frankreich zuneigen würdest! Ja! Bei einer solchen Verbindung könnte mein Segen auf dir ruhen!" —-
Melusine hob erst wieder den Blick, als sie die Grandmama mit ihren weichen, trippelnden Schritten über die Teppiche durch den Salon gehen hörte.
„Was willst du tun, Grandmama?"
Die Baroni« öffnete langsam nun selbst die Tür zum gelben kleinen Empfangssalon: „Ich öffne Frankreich meine Türen! Ja, ich bin mir vollkommen der Freude bewußt, jetzt den ersten Gast aus meiner französischen Heimat bei mir begrüßen zu können!"
(Fortsetzung folgt)


