stünde? Hierauf gibt eS nur eine eindeutige und klare Antwort, es fehlt an jeglicher Organisation beider Ernte und beider Verwertung unseres oberhessischen Obstes!
Wie kann diesen Mißständen abgeholfen werden? Unsere oberhessischen Oostzüchter sind nicht in der Lage, bei der Kleinheit ihrer Betriebe und bei der Aroeitsüberhäufung zur Zeit der Ernte den Anforde- rungen einer modernen Obstoerwertung gerecht zu werden.
Die Oberhessischen Ob st werke in Budin gen haben es sich unter dem Druck dieser Ver° hältnisse zur Ausgabe gemacht: die Obstzüchter genossenschaftlich zusammenzuschließen, auf eine sorgfältigere Aberntung des Obstes hinzuwirken und durch zweckentsprechende und möglichst hohe Bewer-, tung des Obstes den Obstbau zu fördern und die Obstzüchter zu weiterer intensiver Arbeit zu ermutigen.
Die von den Oberhessischen Obstwerken erworbenen Mengen werden den heutigen modernen Erfordernissen entsprechend sortiert, verpackt und den Ver- brauchsstellen zugeführt.
Die für den Frischversand nicht geeigneten Früchte werden fabrikmäßig zu Dauererzeugnissen verarbeitet und den Verbrauchsstellen in veredelter und dauerhafter Form als Apfelmark, Gelees und Marmeladen zu geleitet.
Neben den Apf elp rod ulten spielt die Verwertung von Beerenobst eine große Rolle. Es werden erzeugt: Himbeer-, Brombeer-, 2o- harmisbeer-, Stachelbeer-Süfte, Gelees und Marmeladen. Auch die Bereitung von Obstweinen ist ausgenommen.
Durch eine derartige moderne Verarbeitung des Obstes wird eine re st lose Ausnutzung gewährleistet und dadurch die höchste Wirtschaftlichkeit in der Obstverwertung erzielt.
Alm den Erzeugern und Verbrauchern die neuzeitlichen Verwertungsmöglichleiten des Obstes vor Augen zu führen, haben die Oberhcssischen Obstwerke in Büdingen zusammen mit dem Kreis- und Ortsobstbauverein in Gießen von Samstag, 4. Februar, vormittags 11 Uhr, bis zum Montag, 6. Februar, mittags 12 Uhr in der Turnhalle des Realgymnasiums in Gießen (Lud- wigstrahe) eine Ausstellung veranstaltet. Es werden hierbei den Besuchern die schönsten, haltbarsten und schmackhaftesten Früchte unserer ober- hessischen Heimat, sowie die daraus hergestellten Obsterzeugnisse gezeigt.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
kß Lollar, 2. Febr. Aus der jüngsten öffentlichen Gemeinderatssihung ist u. a. zu berichten: Als Vertreter der Gemeinde für die Bczirlssparkasse Gießen wurden Bür- gerineister Schmidt und Beigeordneter Seipp bestimmt. — Die Erschließung von Baugelände „Auf dem Stein" wer der wichtigste Punkt der Tagesordnung. Laut Beschluß des Gemeinderates in der Sitzung vom 11. Januar sollte das Angebot der Gemeinde, für den Quadratmeter 1,70 Mark zu zahlen, aufrechterhalten werden. (Die Eigentümer hatten 2 Mark gefordert). Hiermit haben sich jedoch nlir 5 Eigentümer einverstanden erklärt. In mündlichen Verhandlungen durch Beigeordneten Seipp mit den übrigen Besitzern des Landes wurde erreicht, daß diese sich gegen Zahlung .eines Preises von 1,85 Mark zur Abgabe bereit erklärten. Der Gemeinderat gab nach eingehender Aussprache seine Zustimmung dahin, daß alles Land zum Preise von 1,85 Mark für den Quadratmeter erworben werden soll. Die Zahlung des Kaufgeldes soll in 3 gleichen Iahresraten, beginnend am 1. Juli 1928, bis zur Restzahlung unverzinslich, erfolgen. Die Bäume werden — entsprechend dem Anträge der Eigentümer — durch eine dreigliedrige Kommission, bestehend aus einem auswärtigen Obstbausachverständigen, je einen Vertreter der Ge- imeinde und der Eigentümer, abgeschätzt und besonders bezahlt. Die Angelegenheit soll sofort in Angriff genommen und derart gefördert werden, daß im Frühjahr die Zuweisung der Bauplätze an die Liebhaber erfolgen kann. Rach dem vorliegenden Bebauungsplan entstehen 39 Bauplätze mit einer einheitlichen Straßenfront von je 14 Metern. Ein Ortsstatut für dieses Gebiet soll aufgestellt werden. Alle Bau-
Frobenius-Anekdoten.
Von Suse von Hoerner.
Reisegeschichten kann jeder erzählen. Vielleicht erzählte darum Leo Frobenius, der Afrika- forscher, bisher so wenig von seinen zahlreichen kleinen und großen Erlebnissen. In seinen vielen Büchern und Schriften ist kaum die Rede davon und nur gelegentlich, wenn er besonders gut gelaunt ist, erwähnt er einmal kurz und knapp dies oder das. In einem Mosaikbilb ist der kleinste Stein von Wichtigkeit, und auf das lebendige Bild eines Menschen wirft oft die unscheinbarste Handlung plötzlich ein Helles Licht. Hier seien ein paar kleine Begebenheiten erzählt, die den Gelehrten allerdings nicht wie in seiner Studierstube erscheinen lassen.
Koloniale Höflichkeit.
Es war im Iahre 1910 in Afrika, auf einer Fahrt durch Rigerien. Deutsche Forschungsreisende, die mit ihren Ausgrabungen Erfolg hatten, waren bei den Söhnen Englands nicht eben beliebt. Frobenius öffnete seine Reisetasche. Der Engländer im anderen Eck des Eisen- bahnwagens sah ihm mißmutig zu. In der Mitte des Abteils stand ein kleiner Tisch. Frobenius legte fern Notizbuch darauf. Er legte einige Zerren urch frische, appetitliche Fruchte dazu. Der Engländer legte auch etwas auf den Tisch, um» zwar — seine Füße. Dann gähnte er, lehnte sich zurück und gab vor zu schlafen. Er schnarchte.
Frobenii^ besah sich seine appetitlichen Früchte auf dem Tisch, die schmutzigen Stiefel daneben und den schnarchenden Engländer dahinter Gewalttätig werden? - Nein; sich die Hände dabei beschmutzen? — Nein. Der Mensch in der Ecke sollte seine Pedale selbst hecunternehmen. Und zwar sehr schnell.
In der Handtasche lagen zwei schöne gelbe Wachskerzen. Die Beleuchtung im Zug war sowieso schlecht. Also schnell die Kerzen hervorgeholt, angezündet und auf den Tisch gestellt Die eine vor die linke Sohle, die andere vor die rechte Sohle. Zur Sicherheit noch ein wenig an- aelehnt....
gesuche für diese- Geländestück sind dem Gemeinderat vorzulegen, der die Zuteilung der einzelnen Plätze vornehmen wird. Grundsätzlich soll die Bebauung von Süden nach Norden anschließend erfolgen.
* Lollar, 2. Febr. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr hielt dieser Tage ihre Hauptversammlung im Vereinslokal ab. Nach der Begrüßungsansprache des ersten Kommandanten Rohrbach, die auch dem — wie immer — anwesenden Bürgermeister Schmidt galt, wurden zwei im letzten Iahre verstorbene Kameraden in der üblichen Weise geehrt. Ueber die Tätigkeit und den Stand der Wehr im letzten Iahre berichtete der erste Kommandant. Hierauf erfolgte die Rechnungsablage des Korps und der Musik; während für das Korps die Geldverhältnisse sich günstig gestalteten, waren die der Musikkasse nicht die günstigsten, und es wurde deshalb von dem zweiten Kommandanten, Heinrich, die Opferwilligkeit der Wehr angerufen. Die hierauf folgende Wahl des Gesamtvorstandes ergab in allen Fällen Wiederwahl. Nach Erledigung einiger weiterer Punkte gab es eine rege Aussprache über die vorhergegangenen Führerkurse in Gießen, auch wurde der Brand in Mainzlar bei der Firma Scheid- hauer & Giebing belehrend den Kameraden erklärt, ebenso wurde die Alarmierung der. Wehr durchgesprochen. Bürgermeister Schmidt dankte den Kommandanten, den Zugführern und sämtlichen Kameraden für ihre freiwillige Tätigkeit; für die dazu nötigen Mittel hätte der Gemeinderat stets ein offenes Ohr. Die fünf anwesenden Gründer der Wehr wurden noch besonders geehrt, ebenso einige Kameraden von zehn- und zwanzigjähriger Dienstzeit. Nach Schluß des geschäftlichen Teils blieben alle Kameraden bei den flott gespielten Weisen der 25 Manu starken Musikkapelle noch einige Stunden gemütlich zusammen. Die Stärke der Wehr war am 31. Dezember 1927: .140 Mann aktiv, 50 passiv und 40 Ehrenmitglieder, zusammen 230 Mann.
: Linden st ruth, 3. Febr. In unserem Dorf ereignete sich ein Auto Unfall, der leicht hätte tödliche Folgen haben können. Ein Auto durchfuhr von Gießen her die Dorfstraße, auf der eine Schar Kinder spielte. Der achtjährige Knabe des Schlossermeisters Sch. wollte kurz vor dem Auto noch die Straße überqueren, wurde aber von dem Wagen erfaßt. Im letzten Augenblick zog der Führer des Wagens die Vierradbremse und brachte den Wagen sofort zum Stehen. Der Knabe wurde nicht überfahren, aber doch ein kurzes Stück vor dem Vorderrad hergehoben und erlitt einen doppelten Beinbruch. Das Auto kehrte um ünd brachte den Knaben sofort nach Gießen in die Klinik.
* Garbenteich, 2. Febr. Der Gesangverein „Frohsinn" dahier feierte bei sehr starkem Andrang von hier und auswärts jetzt sein 50jähriges Stiftungsfest. Aus der Begrüßungsansprache ging u. a. hervor, daß von den Gründern des Vereins nur noch der Zi- garrenarbeiter Karl Panzer am Leben ist. Er gehört dem Verein 50 Iahre ununterbrochen an; ihm wurde für seine Treue herzlicher Dank gezollt. Das 50jährige Iubiläum des Vereins soll in Gestalt eines Gesangswettstreites am 3., 4. und 5. Iuni gefeiert werden. Die Einladungen zum Delegiertentag am 19. Febr. sind bereits ergangen. Das Programm des Abends war sehr geschickt zusammengestellt. Es war ein Genuß, den fein ausgearbeiteten und sauber vorgetragenen Chören des Vereins unter Leitung feines Dirigenten Harnifch zu lauschen; es war weiter ein Genuß, der Aufführung der eingelegten Theaterstücke beizuwohnen. Sie legten Zeugnis davon ab, daß bei geschickter Spielleitung und geeigneten Kräften auch die Dorfbühne mit Stücken von gediegenem Inhalt Erfolge erzielen kann.
= Lich, 2. Febr. Eine definitive Lehrerstelle an der hiesigen Volksschule wurde Lehrer Georg Schön übertragen, der seit einigen Iahren schon als Schulverwalter hier tätig ist und sich allgemeiner Beliebtheit erfreut. Besonders der Turnverein, dessen Oberturnwart Lehrer Schön ist, begrüßt es, daß sein bewährter Mitarbeiter hier verbleiben kann.
df Langsdorf, 2. Febr. Am Samstag soll .hier eine wichtige Sitzung zwischen Gemeinderat, Kirchenvorstand und den Vertretern des Kirchenamtes stattfinden. Schon anderthalb Iahre haben wir keinen Pfarrer, und
Rach einigen Sekunden xpd) es sehr schlecht im Raum und immer schlechter. Frobenius zündete sich eine Zigarre an. And nach kaum einer Minute — die Sohlen waren noch längst nicht durchgebrannt — nahm der Engländer seine Füße vom Tisch, und zwar sehr schnell und mit einer ruckartigen Bewegung.
Gesprochen wurde kein Wort dabei. Später beim Aussteigen verabschiedete man sich ungemein höflich. Auf dem Gang stieß man zufällig zusammen. „Excuse me, Siri“ sagte der Engländer. „Ich bitte um Verzeihung", sagte zu gleicher Zeit Frobenius. And auch draußen auf der Station hatten die Mitreisenden Gelegenheit, eine geradezu vorbildliche internationale Höflichkeit an den beiden zu beobachten.
Perlhuhnschießen am Kassai.
Mit den B a p e n d e ist nicht zu spaßen. Besonders schwierig war es vor zwanzig Iahren, als dieser Stamm der Eingeborenen noch wenig mit Europäern bekannt geworden war. Aber an dem Flusse Kassai gab es die schönsten Perl- Hühner zu schießen, und der Weg dahin ging durch ein großes Dorf der Bapende. Es war bekannt, daß die Forschungsreisenden Pvgge und Wißmann am Durchzug von den Eingeborenen kriegerisch verhindert worden waren.
Run — Leo Frobenius will Perlhuhnschießen gehen. Will er, dann will er; da ist nichts zu machen. Einige seiner Assistenten warnen ihn. Erinnern ihn an die ganz vergeblichen Versuche seiner Vorgänger. Raten endlich zu umständlichen, weniger gefahrvollen Amwegen. Aber bei solchen Gelegenheiten kann Frobenius Augen machen wie ein zwölfjähriger Knabe, zu dem man Spanisch spricht. Große, weit aufgerisfene, maßlos erstaunte Augen. Er versteht dann auch wirklich kein Wort. Vorgänger! Was gehen ihn denn vergebliche Versuche von Vorgängern an? Aeberhaupt: „Vergebliche Versuche" — was heißt das? — Er will Perlhuhn schießen gehen. Das ist doch ganz einfach.
And er geht Perlhuhnschießen. Sehr frühzeitig, mitten durchs Dorf. Ein verschlafener Reger prallt entsetzt zurück. Ein Kind schreit. Zwei Frauen blicken neugierig durch Matten- turen und verschwinden wieder. Das ist zuerst mal alle«. —
wie es scheint, will man die Besetzung der Pfarrstelle von einem Pfarrhausneubau abhängig machen. Man ist daher hier auf den Ausgang der Sitzung recht gespannt. Im voraus kann gesagt werden, daß hier keine Neigung besteht, einen Neubau zu erstellen, weil man weiß, daß das jetzige Pfarrhaus besser ist, als es verschrien toftb. — Gestern abend fand im Rathaussaal vor einem zahlreich erschienenen Publikum die Vorführung des landwirtschaftlichen Films „Grünland ist not" durch Diplom-Landwirt- schaftslehrer Gagel statt. Nach einleitenden Worten über Düngungsfragen zeigte der Film, der in Schlesien aufgenommen ist, wie durch richtige Düngung die Erträge und die Güte der Futterstoffe vermehrt werden können. Dazu gehört selbstredend auch eine richtige Bodenbearbeitung. Dor allem sollre der Film die Vorzüge des wasserlöslichen Phosphordüngers, also des Superphosphats, darlegen. Wenn er also vornehmlich Reklamezwecken diente, so war er doch sehr lehrreich; die Aufnahmen durchweg schön. Anschließend sand eine Aussprache statt, an der sich auch der Leiter des Landwirtschaftsamts Lich, Dr. Lehr, beteiligte. Aus der Zuhörerschar wurden noch einige Fragen über Dunger- mengen gestellt. Allgemein kann gesagt werden, daß unsere hiesigen Landwirte an Düngungsfragen und der Verwendung künstlichen Düngers interessiert sind. Wenn die Dünger an und für sich auch billig sind, so spielt die Geldfrage, bzw. Geldknappheit bei ihrer Beschaffung doch eine große Rolle. — Die Winterobst aus- Teilung im Realgymnasium zu Gießen wird von sechs hiesigen Obstzüchtern veschickt.
Kreis Friedberg.
Bad-Nauheim, 2. Febr. Die 85. General- ver,ammlung des Gesangvereins „Froh- s i n n", des ältesten Vereins unserer Stadt, berichtete von einer regen Vereinsarbeit im verflossenen Jahr. Der Verein zählt 330 Mitglieder, wovon 78 aktiv dem vom Oberreallehrer Bechtolsheimer geleiteten leistungsfähigen Chor angehören. Die Singstunden wurden insgesamt von 2237 Gängern besucht. 50 Jahre aktiver Sänger ist der Fuhrunternehmer Ernst Fritzel, dem vom Hessischen Sängerbund die „Goldene Medaille" überreicht wurde. Oberreallehrer Bechtolsheimer, der länger als ein Menlcl)enalter den Dirigentenstab im Verein führt, wurde durch Ernennung zum Ehrenchormeister ausgezeichnet.
* Steinfurth, 3. Febr. Am heutigen Tage begehen die Eheleute Conrad Fink und Frau Katharina, geb. Schmidt, das Fest der goldenen Hochzeit. Sie können in körperlicher und geistiger Frische auf ein arbeitsreiches Leben zurückschauen. Der Iubilar betrieb lange Iahre eine ausgedehnte Rosenkultur, durch welche er auch über die Grenzen Deutschlands, insbesondere in Oesterreich und Rußland, Geschäftsverbindungen unterhielt.
Krcis Büdingen.
△ Nidda, 2. Febr. Der Verein für das Deutschtum im Auslande, Ortsgruppe Nidda, hatte gestern abend zu einem Vortrag über „Bilder aus Südafrika" Einladung ergehen lassen, der die Einwohner von hier und den nahen Dörfern in so großer Zahl gefolgt waren, daß der Saal, die Tribüne und Vorräume im Gambrinus voll beseht waren. Der Redner, Dr. E. R e u n i n g aus Gießen, ein geborener Niddaer, ist ein ganz hervorragender Kenner Südafrikas, da er fast 20 Iahre dort gewohnt, als Geologe das Land durchforscht und die Verhältnisse durch eigene Erfahrungen und Anschauungen kennen gelernt hat. Nach einem kurzen Aeberblick über die Entdeckung und Besiedlung des Landes schilderte der Vortragende unter Benützung selbst aufgenommener Lichtbilder die Entwicklung der Staaten Südafrikas und ging dann auf die gegenwärtigen Verhältnisse näher ein. In zweistündigem Vortrag führte der Redner die wichtigsten Städte, die erstaunlichen neuesten Industrieanlagen, die Verkehrswege, die Bewohner und ihre Lebensweise vor und gab ausführlichen Ausschluß über den Handel, die Bodenschätze, Bodenerzeugnisse und Industrieergebnisse, wozu vorzugsweise die Diamanten gehören. Dem Redner wurde reicher Beifall gezollt.
Kreis Schotten.
V Gedern, 2. Febr. Dr. Binsack von hier ist mit sofortiger Wirkung als Amtsarzt nach Gießen verseht worden. In den
Frobenius geht allein mit seinem schwarzen Träger, — erreicht den Platz, wo die Perlhühner sind, pfeift sich eins, freut sich, ist glänzender Laune. Liegt auf der Lauer, hockt hinterm Busch, zielt und trifft und hat gute Beute. Mit dem Gewehr auf dem Rücken tritt er am Nachmittag den Rückweg an. —
Als er dem großen Dorf nahe kommt, wundert er sich über die leere Straße. Die ersten Häuser scheinen unbewohnt zu sein. Aber auch weiterhin ist alles wie ausgestorben.
Nun hat er das Dorf durchschritten. Biegt um die letzte Häuserecke und bleibt im nächsten Augenblick erstaunt stehen. — Eine Menge von etwa zweitausend Bapendemännern, mit Pfeil und Dogen bewaffnet, steht da in feindseliger Haltung, lauernd und gespannt daraus, was der Weihe nun wohl tun wird. —
Der Weiße tut nichts. Er steht still und blickt sich das Bild da vor ihm ruhig an. Auch die Schwarzen tun nichts. Stehen mißtrauisch, abwartend und still. Sie scheinen Schweigen verabredet zu haben.
Da aber kann sich ein empörter Negerknabe nicht mehr bezähmen. Er droht mit seinem Dogen und schreit ein unflätiges Schimpfwort dem weißen Manne entgegen. Das ist nicht so schlecht für den weißen Mann. Denn es gilt auch dort als unpassend, wenn Knaben erwachsene Männer beschimpfen. Auch hat der Knabe das Schweigen der Aelteren gebrochen. Das war nicht recht. Aber immerhin, es ist ja ein Dapende-Knabe. Alle Männer stehen still und warten.
Der weihe Mann tut plötzlich etwas ganz Anerhörtes: er nimmt fein Gewehr von der Schulter —. die Schwarzen greifen fester nach ihren Dogen —, aber nein, falsch gedacht —, der Weihe gibt das Gewehr seinem Träger und schickt ihn damit fort.
Staunen. Der weihe Mann kommt langsam, ganz langsam näher. Rust dem Knaben zu: „Was hast du gesagt?" — Der Knabe schreit das Schimpswort noch einmal, nicht ganz so laut wie das erstemal. Immer näher kommt der weiße Mann. Steht dicht vor dem Knaben, sagt: „Was willst hu, Dengel, eigentlich?"
Nun sagt der Knabe nichts mehr. Aber der weiße Mann hat ifm außerordentlich schnell er-
Iahren seines hiesigen Wirkens hat er sich die aufrichtige Sympathie und das volle Vertrauen unserer Dürgerschast und der Bewohner der Amgegend erworben, so daß fein Weggang von hier allgemein bedauert wird. Gutem Vernehmen nach wird Dr. Simon- Grebenhain die hiesige ärztliche Praxis übernehmen.
(-) Stumpertenrod, 2. Febr. Der hiesige Gemischte Chor hat jetzt beschlossen, aus d«n Ergebnis einer Ortssammlung in Höhe von 700 Mark eine Vereinsf ahne anzu- schaffen. Die Lieserung wurde der Firma H i s - gen in L i ch zum Preise von 650 Mark übertragen. Die Weihe der Fahne soll in aller Stille erfolgen.
(-) Köddingen, 2. Febr. Wie nunmehr feststeht, findet das diesjährige B u n d e s s e st der Schwalm-Antrift-Fe lda-Sän- gerbercinigung 14 Tage nach Pfingsten hier statt. Der hiesige Männergesangverein hat 76 auswärtige Männergesangvereine und mehrere andere Vereine dazu eingeladen. Zahlreiche Anmeldungen sind bereits erfolgt.
Not Kundgebung der Landwirtschaft.
Alsfeld, 2. Febr. Eine große Kundgebung der Landwirtschaft fand gestern hier im großen Saale des „Deutschen Hauses" auf Einladung des Kreisoorstandes Alsfeld des Hessischen Landbundes statt. Der große Saal war bereits vor Beginn der Versammlung völlig überfüllt, viele Landwirte konnten keinen Platz mehr finden und mußten zum Teil im Vorplatz stehen; die Teilnehmerzahl wird auf über 1000 angenommen. Die Versammlung wurde mit einer Ansprache des Kreisvorsitzenden, Landwirt Steuernagel- Eudorf, eröffnet, in welcher dieser in eindringlichen Worten auf die katastrophale Lage der deutschen Landwirtschaft hinwies.
Als Referent sprach alsdann Landtagsabaeord- netcr Dr. v. Helmolt über das Thema: „W elche Maßnahmen sind zu treffen, um die Landwirtschaft vor dem Zusammenbruch zu bewahren?" Der Redner ging von der Feststellung aus, daß die trostlose Lage der Landwirtschaft sowohl die großen, wie die kleinen Betriebe treffe. Erschreckend sei die hohe Neuverschuldung der deutschen Landwirtschaft nach der Inflation, die 7 Millionen Mark betrage, ohne daß neue Vermögenswerte hinzugekommen seien. Als Ursache hierfür bezeichnete "er die schlechten Ernten der Jahre 1924, 1926 und 1927 und die niedrigen Preise für die Produkte der einheimischen Landwirtschaft, die teilweise unter Vorkriegs- preis lägen. Heute arbeiteten die landwirtschaftlichen Betriebe fast alle mit Verlust. Die Landwirtschaft könne nur dann vor dem Zusammenbruch gerettet werden, wenn es gelinge, sie wieder rentabel zu machen. Die erste Forderung der Landwirtschaft fei daher ein ausreichender Schutz der heimischen Produkte gegen die Aüslandkonkur- renz durch Gewährung eines angemessenen Schutzzolles. Ferner forderte der Redner Herabsetzung der untragbaren Steuern und der hohen Zinssätze und äußerste Sparsamkeit des Reiches, der Lander und Gemeinden. Besonders scharf wandte sich Dr. v. Helmolt gegen die soziale Fürsorge, deren Lasten für die Landwirtschaft unerträglich seien, geradezu unsinnig seien aber die Auswirkungen des neuen Arbeitslosenversicherungsgesetzes, die in der Landwirtschaft zu einer großen Erbitterung geführt hätten. Die Landwirtschaft müße vor allen Dingen versuchen, in den maßgebenden Parlamenten der Gememden, Länder und des Reiches mehr Einfluß zu gewinnen, um ihre Lage zu uerbeffem. Nur ein starker, einmütiger Zusammenschluß der Landwirtschaft verbürge einen Erfolg. Die Ausführungen des Redners wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen.
An die Ausführungen schloß sich eine längere, teilweise lebhafte Aussprache, in welcher die steuerliche Belastung immer wieder in den Vordergrund trat. An der Debatte beteiligten sich auch der Amstsvorstand des Finanzamts Alsfeld, Regie- rungsrat Korfmann sowie Kreisdirektor Dr. Stammler, welche verschiedene Aufklärungen gaben. Zum Schluffe wurde eine längere Entschließung angenommen, welche die hauptsächlichsten der von dem Redner aufgcfteöten Forderungen der Landwirtschaft enthielt und worin insbesondere zum Ausdruck gebracht wurde, daß die Landwirtschaft künfttg die Zahlungen von Steuern aus der Substanz heraus ablehnt, ebenso die Ausnahme neuer Kredite.
griffen, legt ihn übers Knie und verdrischt ihm mit seinem eigenen Dogen die Rückseite, daß der Bogen kracht und die Splitter fliegen.
Der Bann ist gebrochen. Die Männer brüllen, lachen, schnalzen mit den Zungen, schlagen auf ihre Schenkel. Weiber kreischen.
So endete das Perlhuhnschießen am Kassai im Iahre 1905.
Sorgen vor Timbuktu.
Kein Geld in der Kasse und dabei den E?pe-. ditionsstab erhalten. Das ist wirklich kein Vergnügen. Es ist im Iahre 1909. Leo FrobeniuS fährt auf dem Schiff nach Timbuktu. <3t rechnet und bemerkt, daß die sogenannte „verzweifelte Lage" wieder einmal eingetreten ist.
Wenn Frobenius in irgendeine schwierige Lage kommt, dann tut er für gewöhnlich dies: Sm blickt er um sich. Dann blickt er in sich. Ano dann tut er etwas. — Zum ersten braucht er die meiste Zeit. Das zweite und dritte geschieht meistens sehr schnell und blitzartig hintereinander.
Immer aber wird er zuerst um sich blicken. So auch hier. Er blickt auf das Ufer, auf den Fluß, auf die Boote, als wenn von irgendwo plötzlich Geld hervorschießen sollte.
Da fahren leere Boote den Fluß hinunter. Nach Timbuktu. Leere Boote. Wozu leere Boote? Frobenius fragt den eigenen Dootsführer. Der weiß nichts. Er fragt alle Bootsleute. Irgendeiner weiß etwas: Die leeren Boote holen Salz. Salz aus Timbuktu. — Womit bezahlen sie? — Manchmal mit Geld, meistens nimmt man es auf Kredit von den Tuareg! So! Also auf Kredit.
Einen kleinen Augenblick lang blickt FrobeniuS in sich. Dann hat er es plötzlich ungemein eilig. Das Schiff soll fliegen! Die Ruder sollen sausen! So und soviel soll der Dootsführer und seine Leute mehr Lohn erhalten, wenn das Schiff eher in Timbuktu ankommt als die leeren Boote.
And das Schiff kommt eher an. Die leeren Boote treiben gemächlich den Fluß hinab. 5ro* benius aber kauft in Timbuktu das ganze Steinsalz aus der Sahara. Auf Kredit — versteht sich! And verkauft es später mit einem Aufschlag den Führern der leeren Boote — aber nicht auf Kredit. And hat wieder Geld in der Kasse.


