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Br. 29 Zwetter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Zreitag. 5. Zebrnar 1928
politische Sorgen Frankreichs.
Von unserem v. ^.-Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Paris, Februar 1928.
DaS Jahr 1928 hat in Frankreich mit einer regen politischen Tätigkeit begonnen, die sich vor allem auf dem Gebiete der auswärtigen Politik bekundet. Die amerikanisch-französischen Verhandlungen über einen Antikriegs- V a C t. die in den Sommer 1927 zurückgehen, fi3tb gescheitert. Die Voten der beiden Regie- i ungen, die anfangs nut in längeren Zwischenräumen gewechselt wurden, folgten sich zuletzt Zvag um Lag, so daß bereits der Eindruck ent« sicnd, man befinde sich in einem erbitterten .iveikampf. Obgleich in der diplomatischen Form sehr liebenswürdig gehalten, lieh der Inhalt )ec Voten doch keinen Zweifel darüber, dah Sic beiden Partner sich immer weiter von einem jetncinfamen Ziele entfernten. Ganz gut .unterrichtete Politiker wollen wissen, dah Bri« and dieser Mißerfolg vor Beginn der Verhandlungen von seinen französischen Kollegen vorher- ;rsagt wurde.
Wie dem auch sei, man hat am Quai d'Or- i<Ll) sicherlich das Interesse der Vereinigten Staaten an einem Sondervertrag mit Frankreich stark überschätzt und dabei übersehen, die Regierung von Washington gleichartige Beziehungen zu allen europäischen Staaten utstrebt und es daher vermeiden muhte, Frankreich allein aus dem europäischen Staaten- komplex durch einen Sondervertrag herauszu- heben. In Washington vergaß man andererseits die Bindungen, Die der Völkerbund den Sroßmächten auferlegte und hielt in Verkennung dieser Genfer Fessel eine Parallel-Ak- tion zum Völkerbund für sehr gut dankbar, wenn man auch durch das Fiasko der Genfer See- rkprüstungskonferenz eines besseren hätte belehrt lein müssen.
Frankreich hat sich für die Formel „Vie wieder Krieg" nur unter der Voraussetzung gelten lassen, daß sie auf die Vereinigten Staaten und Frankreich allein angewandt würde. Unter dieser Bedingung glaubte es mit den Dölker- bundssahungen nicht in Konflikt zu kommen, denn der Atlantische Ozean trennt die beiden Staaten voneinander und es ist nicht anzu- nehmen. daß Frankreich jemals airf Geheiß des Völkerbundes einen Krieg gegen die Ver- cinigten Staaten führen muh. Sehr anders sah die Sache in Dem Augenblick aus, als weitere Pier Großmächte zu Dem Antikriegspakt herangezogen werden sollten. Hier mußten die Satzungen des Völkerbundes den neuen Bestimmungen des Sechs-Grohmächte-Dertrages in praktischen Fällen häufig widersprechen. Wenn PiianD daher in feiner letzten Note mit aller Entschiedenheit den Sechs-Mächte-Pakt abgelehnt. hat, so darf man w^. l amrehmen, dah ,r in dieser Beziehung im tarnen Der anderen Großmächte sprach, Die ebenso wie Frankreich, dem VölkerbunD angehören. Von französischer Seite ist geleugnet worben, Daß eine Verständigung zwischen den Großmächten der letzten Pictc Briands vorhergegangen sei. Soweit es (ich um eine offizielle Verständigung handelt, i'l dies sicher nicht richtig. Man dürfte jedoch in der Annahme nicht fehl gehen, daß ein vertraulicher Meinungsaustausch stattgefunden hat. Für die Vereinigten Staaten selbst wäre die Ausdehnung eines Antikriegsvertrages auf bchs Großmächte gleichfalls nicht ohne Be- benfen, widerspricht Dem Doch Die Monroe- Doltrin und das Verhältnis Der Vereinigten Staaten zu Den südamerikanischen Republiken, öo will es Denn fast Den Anschein haben, als müsse Der vielseitige Antikriegspakt, ebenso wie das von Frankreich gewünschte Zwei-Staaten- Abkommen endgültig begraben werden.
Das gleiche Interesse wie Den Verhandlungen mit Amerika wird Den bevorstehenden französisch- i I alienischen Besprechungen entgegen» gebracht. Hier ist es vor allem Die Sicherung der französisch-italienischen Grenze, Die Den fran-
Ballade in Forenökens Toddyhall.
Von Hans Riebau.
,Tjä", sagte Käpt'n Klaus, Der sonst nicht viel zu erzählen wußte. Aber er war jetzt beim ein» uü>vierzigsten Glas, und Da Die anderen Kapitäne, Die in Forenskens TodDyhall um Den großen achteckigen Lisch herumsaßen, gerabc mal die zusammen schwiegen, hielt er seine Stunde für gekommen. „Tjä. was ihr Da von Spökkram uni» so erzählt, ist ja man gruselig, aber das gruseligste, sag ich, ist immer, wenn man es mit (timen fünf Sinnen klipp und klar begreift. Wenn nun an Spök und so auch glaubt, so'n büschen ?d>eifelt man doch immer. Aber wenn man anner flattert weißen Wand steht. Hände und Füße in Eisen, und zwanzig Gewehrläufe sind auf einen gerichtet, und der Off'zier brüllt grabe »Feuer", Dann zweifelt man an gar nichts mehr. Und das ist, sage ich, ’nen verdammtes Stück gruseliger als alle Klabautermänner und Spöken- Mer zusammen."
Käpt'n Klaus schwieg. „Va, Denn man to“, tiefen Die anderen, als er keine Anstalten machte, beiter zu erzählen: „Sie haben an der Wand gcsianden, und der Offizier hat Feuer gerufen?" ' „Und ob", sagte Klaus, rührte in feinem Glas, füllte Whisky nach, aber fein Wasser, und als dies muksmäuschenstill war, fing er an:
„Tjä. angefangen hat die Geschichte spökig und hnderbar genug. Wir waren mit der Alberta, im alten 5000-Tonnen-Dampfer. der jetzt bei öligen liegt, so an Finisterre hemm. In der Askaha war es gut gewesen, aber hier, wo es sonst immer wie Oel ist, knackte der alte Kahn, M einem Angst und Dange wurde. Wind- Vi rtc 10. Va, das war genug für Die Alberta. W stand auf Der Brücke und überlegte gerade, ich Vigo anlaufen sollte. Das Barometer flieg zwar, aber was hatten Die gottverdammten, troffeten Vielen Der Alberta mit dem Daro- neler zu tun? Aber schließlich wollt ich s doch kis Porto versuchen. Der Rudergast hatte mach shon immer angestiert. Als ich sagte „Kurs lallen", schüttelte er den Kopf und brummte irgendwas. Ich wollte ihm gerade übers Maul (ihren, da merkte ich, daß Der Kahn backbord cbfam. „Kurs halten", schrie ich noch mal. „Sud- rüd-Ost!" Der Rudergast sah auf den Kompaß tnb drehte das Rad. Aber anstatt, daß die
zösischen Staatsmännern Kopfzerbrechen macht und die wichtige Kolonialfrage, die Mussolinis Politik seit langem beherrscht. Die handelspolitischen Deziehungen zwischen den beiden Vachbarländern und manches andere mehr kommt hinzu. Der französische Dotschafter in Rom, de Beaumarchais, der in Paris den Ruf eines besonders geschickten Diplomaten genießt, ist in Rom mit großer Herzlichkeit empfangen worden. So wenigstens berichten die französischen Blätter Als seine erste und wichtigste Aufgabe wurde bezeichnet, Mussolini für das in Den Grundprinzipien fertig vorliegende Tanger- Abkommen zu gewinnen, das. genau genommen. außer England keinen Staat restlos befriedigen dürste. Dor allem werden Spanien und Italien ihre Ansprüche sehr wesentlich herab- schrauben müssen.
In den italien^ch-französischen Verhandlungen geht es aber, wie schon erwähnt, um Wichtigeres. Frankreich würde gern seine Südostgrenze durch ein neues Locarno gesichert sehen, Italien scheint dagegen zu so weitgehenden Abmachungen nicht gern bereit. Das große Problem zwischen Frankreich und Italien bleibt die Bevölkerungsfrage. Die französische Bevölkerung. Die heute etwa 39 Millionen Köpfe zählt — während Italien bereits 42 Millionen Einwohner haben dürfte —. Darf auf eine weitere Vermehrung kaum hoffen, sollte es nicht gelingen. die Weltanschauung und Moral des französischen Mittelstandes und der Llnierschicht völlig zu ändern. Der Bürger und Arbeiter Frankreichs ist und bleibt auch nach Dem Kriege der typische Kleinrentner, der sich mit 45 Jahren am liebsten zur Ruhe setzt, woran ihn eine zahlreiche Nachkommenschaft unzweifelhaft hindern würde. Das italienische Volk dagegen bedarf Der Ansiedlungs- möglichkeiten in Den afrikanischen Kolonien und droht Südfrankreich durch seinen Aus- wanderstrom langsam aber sicher auf friedlichem Wege zu erobern. Die ständige Zunahme Der italienischen Bevölkerung in Südfrankreich bedeutet naturgemäß eine ernste Gefahr. Ob es gelingen wird, für diese Probleme, die mit Der Stärke eines Naturereignisses sich geltend machen, eine Lösung zu finden? Durch Verhandlungen wird man es schwer verhindern können, daß die italienische Bevölkerung schon in etwa 25 Jahren um 50 Proz. die französische übertreffen wird.
Mit lebhafter Aufmerksamkeit werden die von der kleinen Entente in Genf gegen Ungarn erhobenen Vorwürfe verfolgt. Nicht, daß man sich besonders über die ungarische Politik beunruhigt. aber man will in der Lösung dieser Frage durch den Völkerbund ein Beispiel dafür schaffen, wie in allen ähnlichen Fällen in Zukunft zu verfahren sei. wobei man natürlich deutsche Verfehlungen und ihre Sühne im Auge hat. Deshalb erscheint es der französischen Regierung auch von besonderer Bedeutung, daß der Völkerbundsrat in Ungarn energisch eingreift und ein für gllelnal beweist, daß er es mit seiner sogenannten Investigationspflicht ernst meint. Man kann sich leicht eine Vorstellung davon machen, in welchem Maße in Paris die Mitteilung verstimmt hat, daß in England. Italien und Deutschland die ungarische Affäre sehr anders beurteilt wird als in Frankreich. Mißbehagen erregte auch andererseits Der Besuch des rumänischen Außenministers Titulescu in Rom, da man mit der Möglichkeit rechnete dah Mussolini auf die rumänische Regierung einen Druck auSübtc. 1
Ein Ereignis von besonderer Bedeutung war ohne Zweifel der Besuch des früheren Reichskanzlers Wirth in Paris. Man fragte sich unwillkürlich, ob man es bei Wirth mit dem Manne der neuen Koalition nach den kommenden Wahlen zu tun hätte. Da man eine Antwort nicht wußte, war man auf alle Fälle vorsichtig und überbot sich in Empfängen und ßiebenstoürbigfeiten für ihn, die noch bei weitem das übertrafen, was seinen demokratischen Vorläufern Erkelenz, Haas und Koch geboten wurde. Man hatte den ehemaligen Reichskanzler noch in freundlicher Erinnerung und würde fein arotmapem i in iw 11 n ■ — •suminwvmn i ■m-wni nr
Alberta nach Süden drehte, ging sie noch einen Strich nach Osten. Sie hielt genau auf Vigo zu. ..Kerl", schrie ich, „bist Du mall", sprang an das Rad und riß es herum. Aber Die Alberta reagierte nicht."
Käpt'n Klaus machte eine Pause, blickte Den Tisch runD und fuhr fort:
„Ich ließ Die Ruderkette nachsehen. Ich ließ die Steuermaschine nachsehen. Alles in Ordnung. Ich lieh das Handruder einscheren: ich brüllte von der Brücke „Steuerbord I". Aber die Alberta blieb stur auf Ost-Süd-Ost. Jetzt merkte ich, daß ich käsebleich wurde. Die Mannschaft war nicht mehr zu gebrauchen. Sie machte die Boote klar und wartete. Weiß Der Teufel, worauf. Vier Stunden manövrierte ich mit Dem Ruder. Die Alberta rührte sich nicht. Bis wir im Hafen von Vigo waren. Da war mit einem Schlag alles vorbei: Der Kahn reagierte auf 'nen Diertel- strich. Fein säuberlich machten wir an Schuppen 5 fest.
Ter Maschinist türmte. Der Steuermann meldete sich kraul. Mir war auch nicht so. So kam es. daß wir länger blieben, als für die Heber- holung Der Ruderleitung nötig war. Die war natürlich in bester Ordnung gewesen. Aber die Leute, die an Deck herumstanden, sahen nicht so aus, als ob sie nun schlankerhand wieder mit in See gehen wollten.
Es sollte aber noch besser kommen. Ich zog also an Land, um mal auf andere Gedanken zu tnmmen. Die Mannschaft bekam Urlaub. Nur zwei Mann blieben an Bord. Ich goß mir ordentlich einen auf. Die Leute mochten das auch getan haben. Jedenfalls, als ich so um Klocker zwei nachts an Den Kai komme, stehen die Kerls da herum, halb besoffen, aber doch so'n büschen anders als sonst. „Käpt'n", sagen sie, „wo ist Die Alberta?"
„Die Alberta?" lache ich. „wo schall woll die Alberta fien?“ Aber wie ich an Den Kai komme, sehe ich wohl Den Schuppen 5, wo wir vertäut hatten, aber — das Schiff war weg.
„Was ist das?" sagte ich und war mit einem Schlag quicknüchtern. Wir gingen nach der Hafenpolizei. „Wo ist die Alberta?", fragte ich. und mir mochte wohl der Schreck so in die Glieder gefahren fein, daß ich 'nen büschen grob wurde. Der Beamte guckte mich an. „Wo Die Alberta ist, Kreuzdonnerwetter", schrie ich. „Wozu ist hier Polizei, wenn ein 5000-Tonnendampfer spurlos aus dem Hafen verschwinden kann?"
Wiederauftauchen im Vordergrund der politischen Tribüne nicht ungern sehen. Eine Vergleichsmöglichkeit bot sich andererseits nicht, da die so gefürchteten rechtsstehenden deutschen Politiker nur ausnahmsweise nach Paris kommen. Und wenn einmal einer von ihnen erscheint, so unterläßt er es sicherlich, sich der Oefsentlichkeit zu zeigen oder sich an maßgebenden Stellen einführen zu lassen. Wirth aber bleibt in den Augen der Franzosen Der Vertreter jenes anderen Deutschlands, mit Dem sich verhandeln läßt, wobei vergessen wird, daß alle Die Schritte, Die Deutschland und Frankreich einander politisch naherbrachten, stets nur von deutschen Regierungen gemacht wurden, in Denen sich Männer Der Rechten befanden.
Französische Freiheit und Weligewiffen.
Es hat einmal eine Zeit gegeben, so schreibt die „Politische Wochenschrift" u. a„ in der das Weltgewisfen sich über Den eines freien demokratischen Zeitalters unwürdigen Zustand auf« regte, daß der kaiserliche Statthalter in Elsaß- Lothringen für gewisse Fälle zum Schutze des Grenzlandes mit diktatorischen Vollmachten ausgerüstet war.
Kein Weltgewissen erregt sich mehr Darüber, daß der französische Ministerrat elsäfsische Zeitungen traft diktatorischen Entschlusses verbietet, weil sie das als Grundlage des Weltfriedens feierlich proklamierte Selbstbestimmungsrecht zu fordern wagten.
Zu keiner Zeit ist es Der deutschen Verwaltung eingefallen.' das Erscheinen französischer Zectungen. Zeitschriften und Bücher selbst im rein deutschen Sprachgebiete zu verbieten.
Den Franzosen ist es Vorbehalten geblieben, Die deutsche Muttersprache der Elsässer als rechtlose Fremdsprache zu öerfemen und das Erscheinen aller deutschgeschriebenen Zeitungen mit einem Federstrich in Frage zu stellen. Aber kein Weltgewissen nimmt davon Notiz.
Keine deutsche Dehörde hat dem Auftreten französischer Künstler im deutschen Reichslande Schwierigkeiten bereitet. Im Gegenteil, wenn sie spielten, ehrten sie die Spitzen der Beamtenschaft und des Heeres durch Den Besuch ihrer Vorstellungen.
Die Franzosen machen selbst Deutschsprechenden Schweizer Truppen Schwierigkeiten, lassen den Besuch solcher Vorführungen durch eine Armee von Spitzeln überwachen und setzen Die Teilnehmer auf die schwarze Liste.
Qlber das Lied, Das Lied hat Flügel 1 ilnb eines konnten Die Franzosen nicht verhindern. Daß die Elsässer und Lothringer mit Wonne ihre Rundfunkhörer auf die Deutschen Sender in Freiburg. Stuttgart und Frankfurt einschal- ten. Auch konnten sie nicht verhindern, daß diese Sender neben anderen Dichtem und Komponisten Die zeitgenössischen Elsässer und Lothringer zu Gehör bringen. Die ganze Welt kann sie hören und Darf sie hören. Nur die Elsässer und Lothringer nicht. Denn so oft diese Sender arbeiten, läßt Der Kulturstaat Frankreich einen Störungssender einschalten, der Freiburg übertönt und Frankfurt und Stuttgart verzerrt. Befohlene Ausführende dieser französischen Kulturleistung sind Die tapferen Fliegerofsiziere auf Dem Flugplatz Enzheim bei Straßburg. Die nichts anderes zu tun haben, als den Elsatz-Lothringem das Hören des deutschen Rundfunks zu verderben und die diesem Lausbubenspvrt mit Leidenschaft obliegen.
Das geht freilich das Weltgewissen weniger an. als das gute Gewissen Der glorreichen „Sieger", das von unS aus so bleiben kann.
Reich und Lustfahrt.
Auch für das Jahr 1928 sieht der Etat des ReichSverkehrsministeriums M.ttel zur Förderung und Lknterstühung des deutschen Luftverkehrs vor. Leider ist es nicht möglich ge
wesen, Summen frei zu machen, Die im Einklang mit den jüngsten Fortschritten stehen. 1M- mehr mußten auch hier allerlei Abstriche vorgenommen werden. Trotzdem soll versucht werden, Dem Deutschen Luftverkehr im nächsten Haushaltsjahr eine verstärkte Llnrerstühung angedeihen zu lassen, allerdings weniger in Form von Subventionen für die Luftverkehrsgesellschaften — Die bisherigen staatlichen Zuschüsse find mit Rücksicht auf die allgemeine Finanz läge des Reiches gekürzt worden —, als in der Förderung der wissenschast- lichen Forschung. Die langjährige Praxis unserer Verkehrsfliegerei und unseres Flugzeug» bauS haben ergeben, daß die Luftfahrt nur gedeihen kann, wenn Der InDustrie fortlaufenD Material zur Verbesserung ihrer Typen an Die Hand gegeben wird, Damit von vornherein nur die besten 2lpparate zur Verwendung gelangen, die jede technische Neuheit ebenso wie die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse berücksichtigen, was um so nottoenoiger ist. als dadurch die Sicherheit und Leistungsfähigkeit der deutschen Maschinen steigt.
Cs darf aber nicht übersehen werden, daß Die deutsche Luftfahrt einschließlich Der Flugzeug- inDustrie eines gewissen Rückhaltes beim Reich nicht entbehren kann, weil die Konkurrenz Des Auslandes außerordentlich schwer ist. Deutschland kann schon wegen seiner geographischen Lage nicht beiseite stehen, es ist vielmehr dazu berufen, ein Knotenpunkt für den gesamten europäischen Verkehr zu werden. Infolgedessen muß es auch Maschinen zur Verfügung stellen, Die mit den ausländischen wetteifern tonnen. Die ausländische Industrie befindet sich der Deutschen gegenüber dadurch im Vorteil, Daß sie über reichliche Heeresauf- träge verfügt und dadurch recht kapitalkräftig ist. Dagegen sind Die Deutschen Werke nur auf die spärlichen Privat auf träge angewiesen, so Daß im vergangenen Jahre verschiedene Firmen Deichszuschüsse in Anspruch nehmen mußten. -Unterftüljungen kommen aber in Zukunft nicht mehr in Frage, dafür soll versucht werden, eine gewisse Planmäßigkeit in Nachfrage und Absatz zu bringen, um auf diese Weise der Flugzeugindustrie einen regelmäßigen Auftragsbestand zu sichern. Wenn auch der Etat für 1928 zeigt, daß Dem Reich nach allen Seiten hin die Hände gebunden sind, daß es überall sparen und sogar Verkehrs- einschränkungen vornehmen muß, so geht aus ihm doch der feste Wille des Verkehrsministeriums hervor, mit Den vorhandenen Etatsmitteln höchste Leistungen äu erzielen und Die deutsche Luftfahrt wieder ein Stück vorwärts zu bringen.
Der Obstfegen von 1927 und das trostlose Ergebnis der Verwertung dieser Rekordernte.
Die Rekordernte Der Provinz Oberhessen vom Jahre 1917, Die bei Der Damaligen ZwangS- bewirtschaftung nahezu vollstänDig erfaßt tourD^, ergab eine Menge von etwa 700 000 Zentner Aepfel im Werte von etwa 8 bis 10 Millionen Reichsmark. Die Ernte des Jahres 1927 kann auf die gleiche Menge veranschlagt werden. Die Verwertung dieser großen Obst- massen war ein vollständiger Mißerfolg, der Der Provinz Oberhessen einen Ausfall von vielen Millionen Reichsmark gebracht und Dem Obstbau DaDurch Die größte Enttäuschung bereitet hat.
Von Dem Jahre 1913 bis heute ist Die Einfuhr ausländischer Aepfel jedoch um das Dreifache gestiegen, und zwar von 10 auf 30 Millionen Zentner und einem Werte von 100 auf 350 Millionen Reichsmark. Wie ist so etwas möglich? Ist die oberhessische Goldparmäne etwa schlechter, als der nordamerikanische Jonathan, oder der oberhessische Boskoop weniger schmackhaft und haltbar, als der amerikanische Baldwin?! Was ist die Llrsache dieser traurigen Zu-
„Tie Alberta", fragte der Wachthabende, „5000' Tonnen?" Lind er blätterte in feinem Buch. „Die ist hier ja gar nicht eingelaufen!“
Einen Augenblick waren wir wie versteinert. „Herr!" schrie ich. „können Sie mir vielleicht sagen, wie wir hierher kommen, ich, der Kapitän von Der Alberta, und hier, meine Mannschaft?!"
„Oh ja“, sagte der Wachthabende, Sie kommen wahrscheinlich aus Der deutschen Bodega, haben um fünfzig Prozent zuviel Schnaps getrunken und machen jetzt schleunigst, dah Sie aus Dem Hafen kommen!" Lind Damit ftanDen er und Die anderen Polizisten auf.
Was nun eigentlich passierte, weih ich selbst nicht recht. Jedenfalls schrie ich los, und meine Leute schrien los, und eins, zwei, drei hatten wir die Polizisten beim Wickel, und vertooackten sie, daß -
„Tjä". unterbrach sich Käpt'n Klaus plötzlich nachdenklich.
„Gottsverdori", brummelte es an der Tafelrunde, „und Dann?“
„Dann“, fuhr Klaus fort, „dann fanD ich mich im Gefängnis wieder, und bann — was soll ich da lange erzählen — es war gerade 'nen büschen Revolution in Spanien, dann verurteilten sie meine Leute zu Zwangsarbeit, und mich — zum Tode. Weil ich nun mal der Anführer war", setzte Klaus stockend hinzu, und weil man mir überhaupt kein Wort glaubte. Lind am nächsten Tag, da stand ich an der weihen Wand, und zwanzig Gewehrläufe waren auf mich gerichtet, und da dachte ich, Leusel noch mal, dachte ich, die ganze Spökerei und Die ganze Gruseligkeit auf Der Alberta, das ist doch man ’nen Kinderspiel dagegen, wenn man so anner weihen Wand steht, und zwanzig Gewehrläufe —"
„Na, unb?“ riefen bie anderen, Denn Käpt'n Klaus hatte immer langsamer gesprochen.
„Tjä", sagte Klaus, „dann tommanbierte ber Off'zier, und so viel Spanisch kann ich nun doch, daß ich verstand, dah er „ Feuer" rief."
„Lind bann?“
„Tjä“, sagte Klaus und stand auf „bann haben sie mich — erschossen."
Der Mars im Lichte verschiedener Farven
Die M a r s f o r s ch u n g ist in ber letzten Zeit sehr tätig gewesen unb hat wichtige neue Aufschlüsse gewonnen burch bie Versuche, ben Pla
neten im Lichte verschtebener Farben zu photographieren. Solche Zarbenphotographien sinb nach einem Bericht ber „Naturwissenschaften" von Wright in großem Umfange auf ber Lick- Sternwarte burchgeführt worben, unb zwar in sechs verschiedenen Farben. Es wurde die bereits früher gemachte Erfahrung bestätigt, dah bie mit bem Auge beobachteten Ober» fläche nmerkmale auf ben roten Bilbern sehr deutlich erscheinen, währenb sie auf ben violetten gänzlich fehlen. Die violetten Bilder sind aber durchaus nicht ganz kontrastlos: auf ihnen treten fast immer wolkenartige Helle ober dunkle Merkmale auf, bie jeboch im Gegensatz zu ben permanenten roten Merkmalen entstehen unb vergehen. Diese violetten Wolken verschwinden immer nach kurzer Zeit: manchmal treten mehrere Tage hintereinanber über bemselben Gebiet zu berfelben Mars-Zeit Woltenbilbungen auf. Man kann barauS schließen, baß bie meteorologischen Veränberungen auf bem Mars eine große Rolle spielen. Iebenfalls ergibt sich aus biefen Farbenphotographien bie Tatsache, bah ber Mars anscheinend eine Atmosphäre besitzt, die für langwellige Strahlen durchlässiger ist als für kurzwellige, so dah wir im violetten Licht nur Die äußersten Atmosphärenschichten, Im roten aber bis auf ben Grund ber Atmosphäre sehen können. UebrigenS zeigen auch Aufnahmen beS Jupiter, bie in berfelben Weise burchgeführt würben, Llnterschiebe zwischen ben Bilbern oerfdjiebener Farbe, boch sinb bie optischen Eigenschaften bet Jupiter-Atmosphäre ganz anberS als beim Mars. Lieber bie soviel umstrittene Frage ber Mars-Kanäle sind ebenfalls neue wichtige Beobachtungen gemacht worben. Man hatte in letzter Zeit geglaubt, bah biefe Kanäle auf ungenügenbe optische Mittel zurückzuführen sinb und überhaupt nicht bestehen. Die photographischen Aufnahmen Trümplers mit gelben und roten Filtern, bie mit einem ber größten Refraktoren, bem ber Lick-Sternwarte, gemacht wurden, führen jedoch zu einem anderen Ergebnis. Trümpler hat auf Grund von 1700 Aufnahmen eine neue Marskarte hergestellt die alle sicheren Merkmale verwertet. Auf dieser Karte tritt das „Netzwerk" der Kanäle sehr deutlich hervor, und zwar nicht nur Die breiteren Streifen, sondern auch die feineren „Kanäle“, die nach Lrünrplers Beschreibung feine glatten geometrischen Gebilde sind.


